Über Eugene Peterson zu Georges Bernanos
11. Januar 2009
Eugene Peterson ist ein Mann, auf den es sich zu hören lohnt. Nach unzähligen exzellenten Büchern zum geistlichen Leben und der formidablen Bibelübertragung The Message legt er aktuell die Zusammenfassung seiner persönlichen Erkenntnisse in einer »Spiritual Theology« genannten Reihe vor, von der bislang vier Bände erschienen sind:
Band1: Christ Plays in Ten Thousand Places: A Conversation in Spiritual Theology
Band 2: Eat This Book: A Conversation in the Art of Spiritual Reading
Band 3: The Jesus Way: A Conversation on the Ways that Jesus is the Way
Band 4: Tell it Slant: A Conversation on the Language of Jesus in his Stories and Prayers
Von diesen habe ich die ersten drei Bände gelesen und werde mich demnächst mal an den vierten machen. Der folgende Satz entspringt meiner persönlichen Erfahrung mit den ersten drei Bänden, die ich einfach auf den vierten projiziere: Diese Bücher sind brillant und sollten gelesen werden. Punkt. Es ist ein Genuss, Segen und Geschenk, wenn jemand wie Peterson im Herbst seines Lebens noch die Zeit findet, seine Gedanken zu ordnen und sie auf so ansprechende Weise zu präsentieren. Wie gerne würde ich eine deutsche Übersetzung dieser Reihe sehen! Zum Inhalt dieser Bücher schreibe ich an dieser Stelle nichts, nur das: Peterson kann nicht quergelesen werden. Seine Worte und Gedanken müssen meditiert werden, um ihr Aroma entfalten und unser Leben durchdringen zu können.
Am Ende eines jeden Bandes seiner »Spiritual Theology«-Reihe stellt Peterson einige Bücher vor, die das behandelte Thema weiter ausführen. So bin ich auf das Tagebuch eines Landpfarrers von Georges Bernanos, gestoßen, das ich zu meinem Roman des Jahres 2008 küre. Eugene Peterson schreibt in »The Jesus Way«:
I assumed I was reading an autobiography since it was written in the form of a diary. The discernments involved in following Jesus, worked out in conditions of poverty and humiliation, struck me with a depth of authenticity and gospel obedience that I hardly imagined possible. I later learned that the book was a novel. I read it again. It may have been fiction, but there was not a false note in it – every sentence rang true. Through numerous re-readings it has permeated my imagination. For me it is a major witness to the nuances and subtleties involved in following the actual, revealed Jesus in a culture that has installed religious coventions and fantasies in place of the real thing.
Empfehlung gelesen, Buch gekauft, Buch gelesen, was ich Dir ebenfalls ans Herz lege, zumal das »Tagebuch…« antiquarisch sehr günstig zu haben ist. Die Hauptfigur des Landpfarrers hat mich ein wenig an Dostojewskis Idiot erinnert, der Grundton der Erzählung ist eng verwandt mit Graham Greene’s The Power and the Glory und dem ähnlich angelegten Silence aus der Feder von Shusako Endo, die Markus hier vorgestellt hat. Wer diese Bücher mochte, wird auch am »Tagebuch eines Landpfarrers« Gefallen finden, das eben als solches gestaltet ist: Die Aufzeichnungen eines ärmlichen Geistlichen auf dem Lande, der – gesundheitlich angeschlagen und kindlich naiv – den Menschen seiner Parochie zu dienen versucht. Er strebt danach, ihnen den »Herrn« nahezubringen, »den wundervollen lebenden Freund …, der mit uns unsere Schmerzen leidet, von unsern Freuden bewegt wird, an unserm Todeskampf teilnehmen und uns in seine Arme und an sein Herz schließen wird.« (41) Von sich selbst sagt er: »Ich bin nicht Botschafter des Gottes der Philosophen, ich bin der Diener Jesu Christi.« (112) Sein inneres Ringen beschreibt er so:
Bin ich dort, wo der Herr mich haben will? Zwanzigmal am Tag frage ich mich das. Denn der Herr, dem wir dienen, richtet nicht nur unser Leben – er teilt es mit uns und nimmt es auf sich. Es wäre unendlich viel leichter, einen Gott zufriedenzustellen, der Geometer oder Moralist wäre. (113)
An Stelle einer Nacherzählung folgen morgen ausgewählte Zitat, die sich wunderbar als Denk-Anstöße eignen.

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Montag 12. Januar 2009 um 06:55
Vielen Dank für den Tipp, DoSi. Ich hab auch gleich mal bestellt, solange es noch günstig ist
Denn wenn du hier drauf hinweist, kann sich das ja schnell ändern …
Montag 12. Januar 2009 um 06:59
Hi Dosi. Interessant. Bernanos musste ich damals vor vielen Jahren aufs Abitur hin lesen. war nicht so begeistert, aber vielleicht würde ich es heute anders ansehen.
Montag 12. Januar 2009 um 13:48
@Simon: Dann bin ich gespannt, was Du von dem Buch hältst.
@Mike: Möglicherweise könnten die eben geposteten Zitate Deine Ansicht ändern.