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[The New Christians] Kapitel 5 – Nach Objektivität: Schöne Wahrheit

26. Juni 2008

Demut in Bezug auf das, was Menschen wissen können, auf die Grenzen menschlicher Erkenntnis und unsere Fähigkeit, dieses Wissen zu artikulieren, ist ein weiterer Charakterzug der Emergenten. Ein Emergenter könnte zu Dir sagen: „Ich bin demütig, weil ich nicht weiß, worin ich heute falsch liege. Ich werde mit Überzeugung und Leidenschaft sprechen, aber nicht mit letzter Gewißheit.“ Emergente glauben, daß sie im gemeinsamen Austausch der Wahrheit näher kommen. Und daher sind sie besessen vom Dialog mit Christen anderer Prägung, mit toten Christen (durch Bücher), mit Nicht-Christen und miteinander. Wie Franziskus von Assisi, Martin Luther, Dorothy Day oder Dietrich Bonhoeffer, die den Status quo herausforderten und die Grenzen des Konventionellen erweiterten, versuchen sie zu ihrer Zeit und an ihrem Ort das Evangelium recht zu verstehen. Außerdem stehen sie auf Geschichten – sie erzählen gerne ihre eigene Geschichte und hören den Geschichten Anderer zu. Das macht sie zu besseren Auslegern der Bibel, denn wer seine Geschichte kennt, der kennt seine Prägungen, Vorurteile und blinden Flecken.

12. Depesche:
Emergente nehmen die ganze Bibel an – die Herrlichkeit und den Pathos.

In den Händen einen weisen Experten wird die Schönheit der Bibel sichtbar. In den Händen eines Sektenführers verströmt sie Schrecken und Unterdrückung. Wir können alle bessere Ausleger der Bibel werden, wenn wir uns die unterschiedlichen Deutungsbrillen, die wir tragen, bewußt machen. Wir verfeinern unsere Fähigkeit zur Auslegung der Bibel nicht nur durch das Studium der Bibel, sondern dadurch, daß wir sie im komplexen Leben mit unseren Mitmenschen in die Praxis umsetzen.

13. Depesche:
Emergente glauben, daß Wahrheit genauso wie Gott von endlichen menschlichen Wesen nicht endgültig artikuliert werden kann.

Die biblische Erzählung ist nicht an einem Scharnier namens »Wahrheit« befestigt, sondern an einer neuen Art des Lebens, zu der uns Jahwe im Alten und Jesus im Neuen Testament ruft. Emergente haben keine Angst vor Widersprüchen, sie umarmen sie. Gott kann der Schöpfer des Universums sein und gleichzeitig die physikalischen Gesetze brechen. Gott kann souverän sein und muß dennoch nicht zwangsläufig der Urheber des Bösen sein. Wieder einmal bewegen sich die Emergenten auf einem Mittelweg. Wo sich die linke Seite fideistisch an die menschliche Vernunft und die rechte Seite an das Übernatürliche hängen, liegt die Wahrheit in der Mitte, in einer Person, Jesus dem Christus, der wahrhaft Mensch und Wahrhaft Gott wahr – gemäß des Glaubens, nicht des Fideismus. Nachdem Objektivität als Mythos entlarvt wurde, nehmen wir unsere Subjektivität an und schwelgen in ihr, denn nur dann, wenn wir uns unserer Voreingenommenheiten bewußt sind, können wir zulassen, daß sie von konträren Meinungen und Neigungen geprägt werden können. So z.B. im interreligiösen Dialog. Wir müssen einen Weg finden, wie wir fest und entschieden wir selbst sein können und gleichzeitig in der Lage, uns authentisch und respektvoll für den Anderen zu öffnen. Emergente sind der Ansicht, daß eine globalisierte postmoderne Welt genau diese Haltung erfordert. Ist Wahrheit eine Frage, die beantwortet werden soll oder Schönheit, nach der es zu streben gilt? Während der letzten beiden Jahrhunderte hat uns die Wissenschaft zur ersten Variante geraten, so daß wir mit der zweiten möglicherweise nicht mehr vertraut sind. Emergente werden alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um der Wahrheit, die wir Gott nennen, näher zu kommen: Ihren rationalen Intellekt aber auch Kunst, Musik, Poesie oder die Werkzeuge der Mystiker und Mönche, die Wahrheit über Gott entdeckten, die dem wissenschaftlichen Rationalismus nicht zugänglich ist. Manche werden sich auch der Philosophie oder sogar einem anderen religiösen System gegenüber öffnen – nicht, daß dann eine andere Wahrheit über den christlichen Glauben triumphieren würde, sondern damit es zu einer Befruchtung kommt, so wie jemand, der unter Rückenschmerzen leidet, nicht nur einen Orthopäden, sondern vielleicht auch noch einen Chiropraktiker und einen Masseuer aufsuchen wird. Wenn wir uns Wahrheit als schön vorstellen, dann ist das vielleicht für diejenigen nicht ganz einfach, die Wahrheit bislang für verbale Aussagen, die mit der Wirklichkeit übereinstimmen, gehalten haben. Zu oft haben wir uns Wahrheit als eine Art ätherisches Konzept vorgestellt, das irgendwo über dem irdischen Reich schwebt und von dem Durcheinander der menschlichen Existenz unberührt bleibt. Aber das Schöne am christlichen Glauben ist, daß es sich bei Wahrheit geradezu um das Gegenteil handelt: Sie ist in einem tatsächlichen menschlichen Wesen inkarniert (Fleisch geworden). Damit ist ein göttliches menschliches Wesen (Jesus) Wahrheit. Gott ist transzendent und immanent. Wahrheit ist sowohl verläßlich als auch kontextbezogen. Relativismus ist relativ absolut. Der christliche Glaube steckt voller Widersprüche.

14. Depesche:
Emergente umarmen Widersprüche – insbesondere diejenigen, die Kernelemente der christlichen Erzählung sind.

Wenn Widersprüche in der Theologie nicht vermieden werden können, dann sind zwei im Christentum zentral und von großer Bedeutung für emergente Glaubensformen:

  • Gott ist Drei in Eins. Göttliche Liebe verbindet Vater, Sohn und Geist. Für Emergente ist der Ausdruck Gottes in Beziehungen sehr wichtig. Für sie ist der Individualismus der Moderne ein schädlicher Einfluß. Daher betonen sie Beziehungen, und viele von ihnen treffen sich in Hauskirchen oder neuen monastischen Gemeinschaften.
  • Jesus war sowohl ganz göttlich als auch ganz menschlich.

Diese beiden Paradoxe liegen im Kern des christlichen Glaubens und weil dieser Glaube nicht ein Ziel, sondern eine Reise ist, wünschen sich Emergente beständigen Austausch. Diese »Spiritualität des Paradoxen« stellt für viele Menschen eine Erleichterung dar, weil sie unserer Erfahrung in dieser wechselhaften Welt spottet. Viele suchen in dieser sich verändernden Welt nach einem festen Halt. Emergente krallen sich an dem Gott fest, der selbst der Wandel ist. Gebet ist eine Unterhaltung mit dem Herrn, nicht eine Suche nach Antworten oder eine therapeutische Praxis. Die Bibel ist ein Begleiter auf dem Glaubensweg, nicht ein Textbuch für Beweise oder eine Zusammenstellung inspirierender Sprüche. Emergente Gemeinden sind voll von Menschen, die treu Jesus folgen und dabei keine Widersprüchlichkeiten fürchten. Darum sehen emergente Gemeinden auch oft widersprüchlich aus und fühlen sich so an. Lieder, die in Molltönen enden, Predigten, die von einem Fragezeichen beschlossen werden, Gemeinden, die sich in einer Kneipe treffen, einem Lagerhaus, einem verwahrlosten Kirchengebäude oder einem Keller. Aber mitten in diesem Durcheinander existiert eine tiefe Sehnsucht danach, daß die Gemeinde selbst eine Reflektion der Trinität sein sollte, in ihrem Kern Beziehung.

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