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[The Forgotten Ways] Organische Systeme

14. Mai 2007

{Dies ist der zehnte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9}

Wenige Führungskräfte akzeptieren, dass es, um den Kurs eines Unternehmens zu ändern, fundamentale Veränderungen der Voraussetzungen braucht, auf denen das Unternehmen basiert. Es braucht ein anderes Unternehmen. (Peter Drucker)

Dieses Kapitel wird das nächste entscheidende Element missionaler DNA untersuchen, die inneren Strukturen und Systeme, die Apostolischen Genius verkörpern und dadurch metabolisches Wachstum ermöglichen. Wir werden uns ansehen, wie sich die Gemeinde selbst als lebendigen Organismus organisiert, der mehr davon widerspiegelt, wie Gott das Leben selbst strukturiert hat – im Gegensatz zu einer Maschine, welche die künstliche, nicht-organische Alternative zu einem lebenden System darstellt. Es sollte uns nicht überraschen, dass organische Vorstellungen von Gemeinde ihre hauptsächliche theologische Grundlage aus der biblischen Schöpfungslehre (Kosmologie) enthalten, aus einer ökologischen und intrinisch geistlichen Weltsicht. Kosmologie muß uns in ein tieferes Verständnis von uns selbst und unserer Funktion in der Welt führen. Von Quarks bis Supernovas scheint das Universum mit lebender Potenz zu vibrieren, die uns mit Bewunderung und Staunen über die schiere Allmacht und Allwissenheit des Schöpfergottes erfüllen. Das Universum verkündet die Herrlichkeit Gottes und ist ein konstanter Strom der Erkenntnis und Offenbarung Gottes (Ps 19, 1-4). Der dreieinige Schöpfergott kann nicht geteilt werden. Gottes Gegenwart findet sich in jedem Teil des Universums. Die Lehre von Gottes Transzendenz teilt uns mit, dass Gott jenseits der Schöpfung ist – er ist weit größer als das Geschaffene, und alles existiert in ihm. Aber die verwandte Lehre von Gottes Immanenz offenbart uns, dass er auch in dem kleinsten Atom ganz gegenwärtig ist. Er erfüllt das Universum und er übersteigt es. Dies bedeutet, dass der ganze Kosmos und das Leben selbst direkt mit Gott verbunden ist und deshalb mit dem heiligen Mysterium göttlichen Lebens erfüllt. Als Instrument der Offenbarung kann uns die Schöpfung viel über die Gedanken Gottes lehren, was die Art anbelangt, wie das Leben gelebt werden soll. Nachfolger Jesu, die ihr gemeinschaftliches Leben in organischer Weise leben wollen, finden in der Schrift wie in der Schöpfung reichhaltige theologische Ressourcen. Ein Gemeindemodell zu finden, das näher am Leben ist, bedeutet einen Schritt näher zur ursprünglichen Intention Gottes mit der Schöpfung. Beispielsweise hat uns der scheinbar obskure und unbedeutende Sauerteig viel über das Innenleben des Reiches Gottes zu sagen (Mt 13, 33).

Die Gemeinde als lebendes System
Was hat die große Kosmologie mit unserer Erfahrung der lokalen Gemeinde zu tun? Ein auf der Theorie lebender Systeme gegründeter Ansatz versucht, das gemeinsame Leben einer Organisation um diejenigen Rhythmen und Strukturen herum anzuordnen, die das Leben selbst widerspiegeln. Diese Suche nach einer nachhaltigeren Lebensweise beschränkt sich nicht auf die Gemeinde. Folgend einige neue Metaphern und Sichtweisen, welche die Suche nach einem mehr organischen und am Leben ausgerichteten Ansatz inspirieren können:

  • Lebende Systeme – ob organischer Form oder systemische Organisationen – scheinen ein Eigenleben und eine eingebaute Intelligenz zu besitzen, die eine Befähigung zum Überleben, zur Anpassung und zur Vervielfältigung mit einschließen. Das Vermögen, höhere Lebensformen zu entwickeln, wurde von Wissenschaftlern mit „dezentralisierter Intelligenz“ verbunden. Auf Organisationstheorie angewandt, ist es die Aufgabe der Leiterschaft, dezentralisierte Intelligenz zu entfesseln, nutzbar zu machen und zu steuern, indem Räume geschaffen werden, wo diese sich manifestieren kann.
  • Das Leben scheint in tiefer Weise miteinander verbunden zu sein. Störungen in einem Teil des Systems setzen eine Kettenreaktion in Gang, die alle Elemente eines Systems betrifft.
  • Information schafft Veränderung: Alle lebenden Systeme reagieren auf Information. Der freie Informationsfluß in einem System ist für Wachstum und Anpassung entscheidend.
  • Herausforderungen an die Anpassungsfähigkeit und Emergenz: Durch beständige Interaktion mit seiner Umgebung wird das lebende System seine eingebaute Fähigkeit, sich angemessen auf veränderte Umstände anzupassen, katalysieren.

Wenn wir diesem Ansatz folgen, müssen wir zunächst annehmen, dass jede spezielle Gruppe aus Gottes Volk – wenn sie wahrhaft sein Volk sind – alles in sich trägt (latente mDNA), um sich an jede Umgebung anzupassen und zu florieren. Wir müssen davon ausgehen, dass – wenn die richtigen Bedingungen gegeben sind – die Gemeinschaft latente Ressourcen und Fähigkeiten entdecken kann, mit deren Vorhandensein sie niemals gerechnet hätte.
Es ist die Aufgabe missionaler Leiterschaft, die im System schlummernde mDNA einfach zu entfesseln und dabei zu helfen, sie zu ihrem von Gott intendierten Ziel zu führen.
Die zweite Aufgabe missionaler Leiterschaft ist es, die unterschiedlichen Elemente im System in eine bedeutsame Wechselbeziehung zu bringen. Wir müssen ein effektiver Ausdruck des „Leibes Christi“ werden, indem wir alle notwendigen Teile des Leibes in die missionale Gleichung bringen, wenn wir wahrhaft als Leib funktionieren wollen.
Drittens müssen wir das System an den Rand des Chaos führen, damit es auf seine Umgebung reagiert. Wir müssen das im Gleichgewicht befindliche System stören, so dass eine Reise des Lernens und ein missionaler Modus aktiviert werden kann. Hier wird es zum Konflikt kommen (das verspreche ich), und es ist die Aufgabe guter Leiterschaft, diesen zu steuern und ihn auf kreative Weise in einen Lernprozess umzuwandeln.
Viertens – weil Systeme in einer Masse ungeordneter Information existieren – ist es die Aufgabe der Leiterschaft, bei der Selektion des Informationsflusses zu helfen und die Gemeinschaft um diesen zu fokussieren. Um den Informationsfluß zu fokussieren braucht es Kenntnisse in Theologie und Psychologie wie auch Soziologie, weil der Fokus der Information auf die Hauptnarrativen der Gemeinde (die Schrift und besonders die Evangelien) gelegt werden muss, auf die Kernaufgaben der Gemeinde und auf essentielle Daten unseres kulturellen und sozialen Kontexts etc.
Wenn wir all diese Elemente richtig gruppieren, wird die ganze Gemeinde aktiviert, motiviert, informiert und die Mission Gottes natürlicherweise durch diese Verbindung und aus ihr heraus fließen. Die daraus folgende Atmosphäre in der Jesus-Gemeinschaft fühlt sich natürlich an und ist näher an den Rhythmen des Lebens. Aus der Betrachtung von Netzwerken, die einen wichtigen Teil organischer Strukturen ausmachen, erkennen wir, dass sich Gemeinde um das natürliche Auf und Ab im Leben der Gläubigen strukturieren muß. Bereits bestehende Beziehungen zu Gläubigen und Nichtchristen werden zum eigentlichen Muster der Gemeinde. Bei der Pflanzung einer neuen Gemeinde bzw. der Remissionalisierung einer bereits bestehenden, geht es darum, die ganze Gemeinschaft um natürliche, Jünger machende Freundschaften, Anbetung als Lebensstil und Mission im Alltag auszurichten. Als ein lebendes Netzwerk „in Christus“ kann überall und zu jeder Zeit ein Treffen stattfinden – und es handelt sich dabei immer noch um eine praktikable Ausdrucksform von Gemeinde.

Das Problem von Institutionen
Wenn wir ein genaueres Bild von der Natur des Apostolischen Genius bekommen wollen, müssen wir zusätzlich zum auf der Theorie lebender Systeme basierenden Ansatz noch die Dynamiken dessen untersuchen, was es bedeutet, eine Bewegung zu sein und zu werden. Alle lebenden Systeme brauchen eine Art Struktur, um ihre Existenz aufrechtzuerhalten. Das Leben selbst ist ein überaus organisiertes Phänomen, das aus dem komplexen Wechselspiel zwischen statischer Form und dynamischer Funktion besteht. Wir müssen von institutionellen Organisationsformen wegkommen und wieder das Ethos einer Bewegung erlangen, wenn wir wahrhaft missional werden wollen. Es wird dann problematisch, wenn wir aus Bequemlichkeit ein System errichten, um die Dinge zu tun, die wir eigentlich selbst tun sollten, so dass die von uns geschaffenen Strukturen mit der Zeit ein Eigenleben entwickeln. Die Struktur soll dann die Aufgaben der Funktion erledigen, Verantwortlichkeit, Macht und Autorität werden auf den neu geschaffenen, zentralisierten Korpus übertragen. Dieser nützt seine Macht, um das Verhalten von Gliedern zu sanktionieren, die nicht auf der Linie der Institution liegen. Anstatt der Mission zu dienen, entwickeln die Strukturen ein Eigenleben, das mehr blockiert als freisetzt.
Wahre Freiheit des Evangeliums scheint langfristig nicht leicht aufrecht zu erhalten zu sein, und sie läßt sich nicht in gut gemeinten Strukturen festbinden. Mir ist keine Denomination bekannt, die es jemals geschafft hätte, das dynamische und fluide Bewegungsethos ihrer frühen Tage wiederherzustellen. Darum ist es die Netzwerk-Struktur, in der Macht und Verantwortung in der ganzen Organisation verteilt und nicht im Zentrum konzentriert sind, die unserer wahren Natur und Berufung als Leib Christi am nächsten kommt.

Das Ethos einer Bewegung
Die Jesus-Bewegungen der Geschichte können nur als Graswurzel-Volksbewegungen verstanden und soziologisch kategorisiert werden. Für unsere Belange können wir eine Bewegung wie folgt definieren:

Eine Gruppe von Menschen,
… die organisiert oder ideologisch motiviert sind für und hingegeben an ein Ziel, das persönliche oder gesellschaftliche Veränderungen einschließt,
… die aktiv an der Rekrutierung anderer beteiligt sind,
… und deren Einfluß sich in Opposition zur etablierten Ordnung ausbreitet, derer die Bewegung entstammt.

Howard Snyder hat in seinem Buch Signs of the Spirit folgende Charakteristika von Bewegungen ausgemacht:

  • Sehnsucht nach Erneuerung
  • Neue Betonung des Wirkens des Geistes
  • Spannung zwischen Institution und Charisma
  • Fokus darauf, eine gegenkulturelle Bewegung zu sein
  • Keine traditionelle bzw. ordinierte Leiterschaft
  • Dienst an Armen
  • Energie und Dynamik

Ein weiterer Aspekt ist, dass neue missionale Bewegungen fast immer an den Rändern der Gesellschaft / Kultur und unter dem gewöhnlichen Volk beginnen, nicht unter der Elite. Und sie haben die Fähigkeit, andere anzuregen und sie zu Leitern und Teilnehmern zu machen. Wichtiger als sich des Institutionalismus bewußt zu sein, ist sich davor in acht zu nehmen, da er uns – wie wir von den historischen Jesus-Bewegungen lernen können – davon abhält, völlig zu unserer Natur als Volk Gottes zu kommen. Wir müssen unsere Institutionen beständig der prophetischen Kritik unterwerfen, weil der Prophet in seinem Ruf zur Treue gegenüber Gott allein sich am meisten der Gefahren, die von den Forderungen, die Institutionen an den Glauben stellen, ausgehen, bewußt ist. Um die missionale Vitalität der frühen Kirche wieder zu gewinnen, müssen wir in vielen Organisationen, denen wir angehören, wieder ein Ethos einer Bewegung wachrufen. Dazu müssen wir alles Unwichtige abschütteln und zum eigentlichen Weg Jesu zurückkehren.

Vernetzte Strukturen
Apostolischer Genius drückt sich im Ethos einer Bewegung aus und formt sich in der Struktur eines Netzwerks, was sich wieder einmal sehr von unserem allgemeinen Verständnis von Kirche unterscheidet. Wenn wir das Wort Kirche verwenden, ist es sehr schwer, nicht an irgendein Gebäude zu denken. [Anm. DoSi: Im Folgenden spricht Alan über „liquid church“, eine Terminologie die Pete Ward in seinem gleichnamigen Buch eingeführt hat. Ich gebe dies als „flüssige Kirche“ wieder.] Wir brauchen dringend eine flüssige Kirche, weil die gegenwärtige Kultur ernst genommen und die Fülle des Evangeliums in dieser Kultur ausgedrückt werden muß. Das entscheidende Element daran ist Gemeinde als lebendiges, wandlungsfähiges Netzwerk, das auf die großen spirituellen Bedürfnisse reagiert, die wir in der Gesellschaft finden.
Die Gemeinde in Korinth unterschied sich in Bezug auf Struktur und Ethos deutlich von der Gemeinde in Jerusalem, und doch stellten sie beide legitime Ausdrucksformen des Leibes Christi dar. In der Kirche des Neuen Testamentes gibt es so gut wie keine einheitlichen Strukturen. Die Wirklichkeit der Gemeinde findet sich nur „in Christus“. Ein Christ ist mit Christus verbunden, und wer mit Christus verbunden ist, gehört zu seiner Kirche. Das macht den Leib Christi aus. In welcher Form dieser sich ausdrückt, hängt vom misisonalen Kontext ab. In einer flüssigen Kultur brauchen wir eine flüssige Form der Gemeinde, die ausdrücken kann, was es bedeutet, „in Christus“ zu sein. Es ist scheinbar unser Problem, daß wir die konkreten historischen Ausdrucksformen von Gemeinde zu schnell als Leib Christi identifizieren. Und wenn dies auch seine Berechtigung hat – denn die Gemeinde ist der Leib Christi -, so lautet die vielleicht größere Wahrheit: Der Leib Christi ist die Gemeinde. Wenn wir sagen, daß die Gemeinde der Leib Christi ist, erhält eine besondere Ausdrucksform von Gemeinde eine gewisse Autorität. Zu sagen, daß der Leib Christi die Gemeinde ist, eröffnet Möglichkeiten dafür, wie dieser sich physisch und organisatorisch ausdrücken kann. So wird er nicht auf eine spezielle Form von Gemeinde reduziert. Der Leib kann sich auf vielerlei Weise ausdrücken. Diese Unterscheidung ist paradigmatisch.

Wir müssen uns von dem statischen Gemeindemodell verabschieden, das vorrangig auf der zum Gottesdienst versammelten Gemeinde, auf Programmen und auf Gebäuden basiert. An dessen Stelle müssen wir eine Vorstellung von christlicher Gemeinschaft, Anbetung, Mission und Organisation entwickeln, die – wie die ecclesia des Neuen Testaments – flexibel, anpassungsfähig und bereit zur Veränderung ist. (Pete Ward)

Die Untersuchung einer netzwerkartigen Struktur wird uns näher an die Strukturen des Volkes Gottes im Neuen Testament und die Dynamiken des Apostolischen Genius bringen, wenn uns das auch zunächst etwas fremd erscheinen mag. Dabei erforschen wir Dinge, die nicht nur mit der Reaktivierung missionaler Gemeinde zu tun haben, sondern auch mit einem großen Teil dessen, was wir in Gottes Welt erleben. Ein Netzwerk als Ganzes hat wenig bis keine Hierarchie; es kann multiple Führungspersönlichkeiten geben. Entscheidungsfindung und Handlungen sind dezentralisiert, so daß lokale Initiative und Autonomie ermöglicht wird. Darum erscheint die Gestalt des Netzwerks bisweilen kopflos, bisweilen auch vielköpfig. Die effektive Leistung eines Netzwerkes hängt zu einem großen Grad von der Kultivierung gemeinsam geteilter Glaubensüberzeugungen, Prinzipien, Interessen und Ziele ab, die möglicherweise in einer übergreifenden Ideologie artikuliert werden. Netzwerke bestehen nicht nur aus Knoten [„nodes“], sondern auch aus Knotenpunkten [„hubs“]. Hubs sind Orte, an denen die Kommunikationslinien verbunden sind. Nodes können fast alles sein – von Webseiten über Organisationen bis hin zu Einzelpersonen. In der Urgemeinde waren Hubs Orte wie Antiochia, Jerusalem und Rom oder Menschen wie Paulus. Nodes könnten Hausgemeinden oder Gruppen von Menschen gewesen sein. Entsprechend zur missionalen Situation unserer Tage ist die Zeit gekommen, die Gemeinde als dynamisches Netzwerk wiederzuentdecken – jenseits der Institution und in jedem Bereich des Lebens und der Schöpfung.
So schockierend es zunächst erscheinen mag, gibt es doch auffallende Parallelen zwischen der Struktur internationaler terroristischer Netzwerke und der Urgemeinde oder der chinesischen Kirche. Al Qa*da hat alle Merkmale einer Bewegung, wie sie in diesem Kapitel definiert wurden. Es besteht aus dezentralisierten Knoten, multiplen Energiezentren und kleinen unabhängigen Einheiten oder Zellen, die selbständig anwerben und sich multiplizieren können. Die DNA seiner Botschaft und Ideologie ist in jede terroristische Zelle eingebettet durch eine einfache Botschaft, die in jedem Kontext reproduziert werden kann. Al Qa*da besitzt die eingebaute Kapazität, sich zu verbreiten und an Orte und Kernpunkte zu strömen, wo die größte Möglichkeit auf stärkste Wirkung besteht. Und dann verschwindet es scheinbar in die Luft und ist fast nicht zu zerstören.
Wenn wir über apostolischen Genius und die Gemeinde nachdenken, dann gilt Ähnliches. Wie in einem Samenkorn oder einem Ableger, ist in jeder Jesus-Gemeinschaft die vollständige missionale DNA eingebettet, so daß sie – wenn sie ihrer Berufung treu bleibt und die Umstände passen – zum Ausgangspunkt einer ganz neuen apostolischen Bewegung werden kann. Im Samenkorn liegt der ganze Baum verborgen und im Baum liegt das Potential für zahllose andere Samen. Im Baum liegt das ganze Potential des Waldes. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß die Gemeinde in Zeiten ernsthafter Herausforderungen an ihre Anpassungsfähigkeit ihr Überleben maximiert, wenn sie sich dezentralisiert, ausbreitet und multipliziert.

Virusähnliches Wachstum
Der Gedanke der Vervielfältigung läßt uns über Wachstumsmuster nachdenken. Eine der kraftvollsten Eigenschaften organischer Systeme ist ihre Fähigkeit, sich spontan und hyperbolisch zu reproduzieren. Dieser Aspekt organischer Multiplikation bei bemerkenswerter Wachstumsrate macht den in einem vorherigen Kapitel beschriebenen missional-inkarnatorischen Impuls so mächtig. Stell Dir vor: Jeder von uns schließt einen Bund, während unseres Lebens zwei Menschen zum Herrn zu bringen. Wir verpflichten uns dazu, sie zu Jüngern zu machen und ihnen die Herausforderung zu geben, dasselbe zu tun. Oder Gemeinden, die zwei andere gründen etc. Wende dies auf (1) Evangelisation, (2) Jüngerschaft und (3) Gemeindegründung an, und wir hätten unseren Auftrag in kürzester Zeit erledigt. Genau so wuchs die frühe Gemeinde von 25.000 auf 20.000.000 in zweihundert Jahren und die chinesische Gemeinde von 2.000.000 auf 60.000.000 oder mehr in vierzig Jahren. So einfach und kompliziert ist das. Addition im Sinne der Gemeindewachstumsbewegung kann niemals auch nur darauf hoffen, mit einer wahrhaft missional-inkarnatorischen Bewegung mitzuhalten, in der sich Apostolischer Genius manifestiert. Keine Chance!
Gedanken verbreiten sich wie das SARS-Virus. Sie beginnen klein, und wenn die Bedingungen stimmen, breiten sie sich wie verrückt aus. Das Evangelium verbreitet sich ebenfalls wie ein Virus. Es wird von einer Person zur anderen weitergegeben. Alles was benötigt wird, sind die richtigen Bedingungen und die passenden Beziehungen. Diese Bedingungen könnten entstehen aus einer Wechselbeziehung zwischen unserer Kommunikation mit kulturell resonanten Ideen durch bedeutsame Beziehungen, dem Gebrauch neuer Medien, einem Verständnis des menschlichen Bedürfnisses für das Evangelium, einer Beschäftigung mit der existentiellen Suche, die stattfindet, und einer Reaktion auf die Herausforderung an die Anpassungsfähigkeit der Gemeinde im 21. Jahrhundert.
Wenn wir metabolischen Virusmustern folgten, bräuchte es nicht lange, um den Auftrag zu erfüllen. Der entscheidende Faktor ist, daß wir ernsthaft daran festhalten bis zum Ende. Mit dem Anbruch des Netzwerkes und dem Zeitalter neuer Technologien und Medien besitzen wir eine wunderbare Möglichkeit, neu zu lernen, wie Mission unter Einbezug der Rhythmen des Lebens und von Beziehungen organisch geschehen kann.

Laß uns über Sex reden
Alles organische Leben versucht, sich über Reproduktion zu vervielfältigen und seinen Fortbestand zu sichern. Im biologischen Leben geschieht dies durch sexuelle Reproduktion und nicht durch Klonen oder Replikation. Diese Unterscheidung ist signifikant, da, wenn Gemeinden und Denominationen, die Programme und Strategien zur Gründung neuer Gemeinden entwickelt haben, für gewöhnlich ihre Ansätze mehr dem Vorgang des Klonens als der sexuellen Reproduktion entsprochen haben. Als Resultat steht dann nur eine Kopie bzw. ein Duplikat des originalen Modells oder Systems. Reproduktion sorgt für Einzigartigkeit, Entwicklung und Unterschiedlichkeit, um die Chance des Überlebens unter verschiedenen Bedingungen zu erhöhen.
Wenn wir im Westen den latenten Apostolischen Genius wiedergewinnen wollen, müssen wir das Evangelium theologisch destillieren, um den Kern unseres Glaubens herauszufinden und diesen in Zeiten der Herausforderung an unsere Anpassungsfähigkeit leicht weitergeben zu können. Dies bezieht sich nicht nur auf das Evangelium, sondern auch auf die ganze Vorstellung von Gemeinde. Ich will nicht als unnötigerweise kritisch gegenüber der Gemeindewachstumsbwegung erscheinen oder die Aufrichtigkeit derer in Frage stellen, die nach ihren Prinzipien agieren. Sie darf nur nicht der einzige Pfeil in unserem Köcher sein.
In den historischen Ausdrucksformen des Apostolischen Genius sind Leiterschaft und theologische Entwicklung eingebaute Arbeiten der Graswurzel-Bewegung selbst. Theologisieren, intellektuelle Auseinandersetzungen und Leiterschaftsentwicklung machen einen integralen Teil der Jüngerschaft der Bewegung in Bezug auf die Berufung und Begabung durch Gott aus. Wenn wir dies in unserer Praxis trennen und an professionelle Institutionen outsourcen, wird es nicht lange dauern, bis wir nicht nur von diesen Institutionen abhängig sein werden, sondern auch nicht mehr in der Lage sein werden, dies in Umgebungen zu reproduzieren, die unsere Anpassungsfähigkeit erfordern.

Zu guter Letzt
Wenn organische/lebende Systeme auf ein echtes Bewegungs-Ethos treffen, das in netzwerkartigen Strukturen seinen Ausdruck findet und die richtigen Bedingungen für Reproduktion und exponentielles Wachstum gegeben sind, dann wird Geschichte geschrieben.

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