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The Forgotten Ways: Die Weichen stellen, Teil 2

26. Januar 2007

{Dies ist der vierte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3}

Grundsätzlich sollte man sagen, daß sich die Kirche immer in einem Krisenzustand befindet und ihr größtes Manko ist es, daß sie sich dessen nur gelegentlich bewußt ist. … Seien wir dessen gewiß, daß eine Krise die Möglichkeit, wahrhaft Kirche zu sein, bedeutet. (David Bosch, Transforming Mission)

Eine Denomination zu leiten und gleichzeitig am Rande [der Gesellschaft] zu dienen hat mich schnell zu der Überzeugung gebracht, daß die Kirche im Westen sich verändern und in bezug auf ihren kulturellen Kontext einen missionarischen Standpunkt einnehmen muß. Es ist wenig erstaunlich, daß uns das Festhalten an Gemeindeverstädnissen und Denkweisen, die der Zeit des Christendom entstammen, auf vergangene Erfolge beschränkt und uns keine wirklich zukunftsfähigen Lösungen bietet, da wir immer in vorgegebene Antworten zu fallen scheinen. Ohne Risiko und neue Wege geschieht kein echtes Lernen. Nach 2000 Jahren mit dem Evangelium sind wir in wirklich jedem westlichen kulturellen Kontext auf dem absteigenden Ast. Wir haben das traditionelle Gemeindemodell so sehr vergöttlicht, daß wir oft die Kirche mit dem Reich Gottes verwechseln. Die notwendige Veränderung unseres Denkens in bezug auf Gemeinde und Mission muß radikal sein, sie muß bis zu den Wurzeln des Problems gehen. Wer der Gemeinde neues Leben einhauchen will, darf nicht nur bei Theologie und Programmen ansetzen; er muß tiefer gehen und die Grundannahmen entwickeln, aufgrund derer eine missionalere Form von ekklesia entwickelt werden kann. Nur wenn das Paradigma im Herzen der Kultur verändert wird, kann es dauerhafte Veränderung geben. Wir müssen unser Verständnis durch eine andere Linse, durch eine alternative Geschichte neu gestalten, wenn wir über das vorherrschende institutionelle Paradigma hinauskommen wollen, daß unser gegenwärtiges Verständnis von Leiterschaft und Gemeinde so deutlich beherrscht.

Die Bewegung, die Jesus in Gang setzte, war eine organische Volksbewegung; sie war nie dazu bestimmt, eine religiöse Institution zu werden. Wir müssen es dieser neuen-und-doch-altehrwürdigen „Systems Story“ [Hallo, wie pbersetze ich das???] gestatten, in unsere Vorstellungen einzudringen und sich all unseren Praktiken neu mitzuteilen. Unsere Organisationen müssen neu evangelisiert werden.

In der Schrift finden wir einiges an biblischer Kritik an religiösen Institutionen, die sich im Laufe der Zeit so leicht entwickeln. Ein prophetisch konsequentes Christentum bedeutet, daß wir der beständigen Kritik der Strukturen und Rituale, die wir errichten und erhalten, verpflichtet bleiben. Eine solche heilige Rebellion ist der Schlüssel zur Erneuerung der Kirche, weil neue Bewegungen oft auf neue Weise Gott erfahren und an seiner Mission teilhaben, ohne von vererbten Traditionen und Ritualen beschwert zu sein. Die Herausforderung für die etablierte Kirche und ihre Leiterschaft ist es, den Willen Gottes für unsere Zeit aus den Mündern heiliger Rebellen erkennen zu lernen. Wir müssen einen Weg finden, die historischen Antworten zur Seite zu schieben, die sich den Menschen so schnell aufdrängen, deren Vorstellung davon, was es bedeutet Gottes Volk zu sein, von einem weniger als biblischen Gemeindeverständnis gefangen gehalten wird.

Die Zeit für uns im Westen ist gekommen, daß alle unsere Versuche, daß Evangelium zu kommunizieren, jetzt kulturelle Grenzen überschreiten müssen. Die Zeit des Christendom, wo das Christentum offizielle Religion war, die Kirche im Zentrum der Gesellschaft stand, eine christliche Kultur und Zivilisation vorangetrieben wurde, alle Bürger (außer Juden) als Christen angesehen wurden, der ganzen Gesellschaft eine „christliche“ Moral aufoktroyiert wurde, ein der staatlichen Hierarchie entsprechendes hierarchisches kirchliches System mit Diözesen und Parochien entwickelt wurde, die Menschen in Klerus und Laien unterteilt waren, das Christentum per Gesetz und Inquisition verteidigt und die Welt in „christlich“ und „heidnisch“ unterteilt wurde – diese Zeit des Christendom ist vorbei. Konstantin hatte dem Christentum nicht zum Triumph verholfen, sondern seine dynamischsten und attraktivsten Aspekte zerstört, indem er eine Basisbewegung zu einer arroganten Institution machte, die von einer Elite kontrolliert wurde, die oft gleichzeitig brutal und lax war. Dies war die Zeit des Christendom, in der die Kirche über Staat und Gesellschaft aufstieg. Im modernen Zeitalter der Aufklärung war das Christendom endgültig beendet und der säkulare Staat geboren. Die Gesellschaft wurde zunehmend säkularisiert und die Kirche mitsamt ihrer Botschaft marginalisiert. Das Problem ist, daß, obwohl wir in der Zeit nach Christendom leben, die Kirche immer noch auf die gleiche Weise agiert. Was unser Verständnis und unsere Praxis von Gemeinde anbelangt, hat sich seit siebzehn Jahrhunderten wenig verändert.

Mit dem Beginn der postmodernen Epoche, hat sich wieder vieles geändert. Subkulturen florieren und die westliche Kultur wurde heterogenisiert bzw. tribalisiert. Jede einzelne Gruppe nimmt ihre subkulturelle Identität (Interessen wie Religion, Sexualität, Sport, Ideologien, Klassen, Berufsgruppen etc.) ernst und jede missionale Antwort muß dasselbe tun. Christendom homogenisierte die Kultur, jeder wurde als christlich angesehen und so verlor die Gemeinde in dieser Zeit ihre vorrangige missionarische Berufung und Form, ihr Ethos und unterdrückte ihren Apostolischen Genius. In der Postmoderne werden die Karten neu gemischt; wir sind zurück auf missionalem Grund und Boden. Wenn wir über kulturelle Grenzen hinwegkommen wollen, dann müssen wir in bezug auf die Kultur wieder einen missionarischen Standpunkt einnehmen. Das wird einerseits einen sendungsbasierten Ansatz statt eines attraktionellen erfordern und anderseits die Anwendung aller Erkenntnisse der Methodologie überkultureller Mission. Wir brauchen einen ausgefeilteren Ansatz als den gegenwärtigen und wir müssen unser Paradigma von Gemeinde verändern, um dieser Herausforderung zu begegnen. Es ist an der Zeit, daß die missionale Kirche aufsteht und der schlafende Riese erwacht. Wenn Du Dich jetzt unangenehm fühlst, dann laß mich noch einmal betonen, daß Christendom nicht der ursprüngliche, biblische Zustand der frühen Kirche ist und wir deshalb nicht überempfindlich werden müssen. Es ist alles in Ordnung… Gott wird uns keine verpassen, wenn wir nach einer besseren Weise, treu und missional zu sein streben. Fortschritt ist cool.

Die aufregende und endgültige Jesusbewegung, die sich im ganzen römischen Imperium ausgebreitet und es letztlich unterwandert hat, war ein Phänomen der Basis, eine Volksbewegung, die keine leicht definierbaren Institutionen besaß, weil sie diese im Verfolgungskontext gar nicht errichten konnte. Es gab kein Hauptquartier; die Bewegung breitete sich in den sozialen Rhythmen und Strukturen ihrer Zeit aus und bestand in unterschiedlichen Formen solange, bis Konstantin auf den Plan trat und sich absolut alles veränderte. Die Organisationsstrukturen des Christendom sind Welten von denen der ersten Kirche entfernt – so als ob man die Vereinten Nationen mit Al-Ka*da vergleichen wollte (das eine eine gründliche Institution mit zentralisierten Strukturen, Politiken, Protokollen und das andere ein verästeltes Netzwerk mit einfacher Struktur und gemeinsamem Ziel). In der Zeit des Christendom sah sich die Kirche als Zentrum der Gesellschaft und agierte in attraktioneller Weise. Die Menschen gingen in die Kirche, um das Evangelium zu hören, im Glauben unterwiesen zu werden und an den Sakramenten teilzuhaben. Bitte beachte an dieser Stelle, daß ich nicht sage, daß Gott dieses Gemeindemodell nicht benutzt oder nicht benutzt hat oder daß die Menschen innerhalb dieser Strukturen keine ernsthaften und echten Christen sind. Die meisten von uns haben in diesem System zu Gott gefunden. Er hat es offensichtlich benutzt und kann auch heute noch darin gefunden werden. Was ich sagen will ist, daß diese Gemeindekonfiguration aufgrund der veränderten Umstände überholt ist und den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts einfach nicht mehr genügen wird, worauf viele Statistiken und Trends in jedem kulturellen Kontext im Westen hinweisen. Wenn wir die Kraft des Apostolischen Genius wieder aktivieren wollen, dann müssen wir gewillt sein, uns auf eine Entdeckungsreise zu begeben, das verlassen was wir für sicher halten und einige Risiken auf uns nehmen. Es ist höchste Zeit, daß wir Konstantin vom Thron stoßen, denn was die Kirche anbelangt, scheint er noch immer der Kaiser unserer Vorstellungen zu sein. Die Gemeinde steht jetzt vor der Herausforderung, Mission in einem neuen Paradigma zu entdecken und das Mindset des Christendom abzuschütteln. Wir müssen eine neue Erzählung von der Gemeinde und ihrer Mission (wieder)entdecken.

Betrete die sich abzeichnende missionale Kirche („emerging missional church“ –> EMC). Diese Form von ekklesia ist wahrhaft kreativ, weil sie eine grundsätzlich andere Vorstellung als die vorherrschende hat. Und sie ist altehrwürdig, denn sie sieht so aus, fühlt sich so an und manifestiert sich ganz ähnlich wie die orignial apostolische. Wir erleben in unseren Tagen die Entstehung neuer Bewegungen und Gemeinschaften, manche noch ganz ohne Form und unorganisiert. Bemerkenswerterweise gibt es in struktureller Hinsicht kein Zentrum und keinen äußeren Rand, trotzdem, vor allem dank des Internets und neuer Medien, sind viele von ihnen miteinander verbunden. Die meisten Menschen in der EMC scheinen einander einfach zu kennen. Diese Gemeinschaften sind nicht der Ansicht, daß Gottes Leute untrennbar mit einer bestimmten Art von Gebäuden verbunden sein müssen und darum entstehen neue Formen von christlichen Gemeinschaften in Tanzclubs, Cafés, Kinos, Bars, Kneipen, Sportvereinen, Wohn- und Geschäftshäusern, Kirchengebäuden und an Flußufern. Sie geben dem Glauben auf kreative Weise neue Symboliken, tauschen sich intensiv über Spiritualität, das Leben, Jesus, Gott, Glaube, Jüngerschaft und Mission aus und beziehen dem Glauben Fernstehende mit ein. Die sich abzeichnende Leiterschaft mit einem schöpferischen Pioniergeist getränkt. Und wenige von ihnen wurden ordiniert – es handelt sich um eine echte Volksbewegung, die von der Basis ausgeht. Christologie und die Person Jesu als Zentrum des Glaubens werden wiederentdeckt. [Alan zitiert an dieser Stelle auch noch die EC-Merkmale nach Gibbs/Bolger, die meine Leser ja kennen müßten. Wenn nicht, hier der Link zu Daniel.] Im Ganzen handelt es sich hierbei um eine Randbewegung ohne viel Einfluß in der Gesellschaft und trotzdem sind sie dem Ausleben des Glaubens im öffentlichen Raum verpflichtet. Das Aufregende daran ist, daß alle diese Gemeinden ein missionales Herz zu haben scheinen, das Verlangen, andere mit der Botschaft der Errettung durch Jesus zu erreichen. Diese Suche nach neuen Gemeindeformen bezieht auch die Hauskirchen- oder „Simple Church“-Bewegung mit ein. Es scheint, daß in dieser Bewegung der Same für die Zukunft der westlichen Kirche verborgen liegt. Die meisten Beobachter nehmen diese Bewegung nicht wahr, da sie nach den bekannten Kennzeichen von Gemeinden auf die Art des Christendom Ausschau halten. Somit handelt es sich hierbei um eine Untergrundbewegung. Meine eigene Reise hat mich dahin geführt, fast alles dafür zu geben, daß die EMC gegründet ist und gedeiht. Vor einigen Jahren gab es weniger Grund, optimistisch zu sein, aber heute glaube ich, daß wir eine gewisse Art kritischer Masse überschritten haben und es guten Grund zur Hoffnung gibt. Aber wir müssen gewillt sein, unsere Ressourcen zu teilen, in die Zukunft zu investieren, uns auf die Reise zu machen und wie verrückt zu experimentieren.

Die absolut entscheidende Frage für die jüngeren der sich im Anbruch befindlichen Gemeinden ist, ob sie wahrhaft missional sein werden. Wenn sie es nicht schaffen, diesen Schritt zu machen, dann werden sie auch wieder nur eine Neuanpassung von Christendom sein. Eine bloße Marotte. Neue und emergente Gemeindeformen sind das Resultat einer missionalen Einstellung, nicht anders herum. Darum lege ich meinen Brüdern und Schwestern in der Emerging Church dieselbe Herausforderung vor wie den etablierten Gemeinden: Wenn ihr nicht bloß eine weitere Gemeindemarotte sein wollt, dann paßt nicht nur Euren Gottesdienst und Eure Spiritualität dem postmodernen Publikum an – fangt woanders an: fügt zuerst das M in die Gleichung ein, und EC wird folgen.

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Ein Kommentar zu “The Forgotten Ways: Die Weichen stellen, Teil 2”

  1. [The Forgotten Ways] Organische Systeme » Der Sämann » Blog Archiv » [The Forgotten Ways] Organische Systeme sagt:

    […] zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9} Wenige Führungskräfte akzeptieren, dass es, um den Kurs eines Unternehmens zu ändern, […]


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