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[The Forgotten Ways] Communitas – nicht Gemeinschaft

4. Juni 2007

{Dies ist der elfte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10 Parallel hierzuzu bietet sich mein Post zum Exiles-Kapitel 5 an, wo ich Michael Frost’s Gedanken zu Communitas (die er ja auch von Hirsch übernommen hat) zusammenfasse. Dort ist mehr von den Erkenntnissen des Anthropologen Victor Turner zu lesen, so dass ich Alan’s Verweise auf Turner an dieser Stelle gekürzt habe. Dennoch ist es ein sehr langer Post geworden, was daran liegt, daß Hirsch’s Gedanken exakt in’s Schwarze dessen treffen, was mich momentan auch persönlich beschäftigt. Infolge des Exiles-Posts hatte sich eine nette Diskussion ergeben, die wir an dieser Stelle gerne weiterführen können.}

Ein Schiff ist im Hafen am sichersten. Aber dafür werden Schiffe nicht gemacht. (Paulo Coelho)

Communitas beschreibt die Art von Gemeinschaft oder Kameradschaft bedeutsamer Jesus-Bewegungen und stellt ein wichtiges Element des Apostolischen Genius dar. Die Glieder verfolgter Gemeinden, sowohl in der frühen Zeit des Christentums als auch in China, erfuhren einander im Kontext einer gemeinsamen Herausforderung, die sie in einer viel tieferen Art von Gemeinschaft verband, als wir es im Normalfall gewohnt sind. Wenn wir Communitas verstehen wollen, dann müssen wir herauszuarbeiten versuchen, warum Mission/Sendung so zentral für Identität, Ziel und Funktion der Kirche ist und warum sie einen der zentralen Aspekte missionaler DNA und demzufolge des Apostolischen Genius auszumachen scheint.

„Die Gemeinschaft für mich“ oder „Ich für die Gemeinschaft“?

Da ist etwas an der Kultur der Mittelschicht, was gegenteilig zu den Werten des Evangeliums scheint. Dazu gehört die Betonung von Sicherheit und Geborgenheit und das Streben nach dem, was für unsere Kinder das Beste zu sein scheint. Und dies ist verständlich, so lange es nicht zur Besessenheit wird. Aber wenn sich dies mit Konsumerismus verbindet – was oft geschieht -, können wir der Liste das Besessen-Sein von Bequemlichkeit und Behaglichkeit hinzufügen. Und das ist keine gute Mischung – zumindest nicht in Bezug auf das Evangelium und missionale Gemeinde.

Liminalität und Communitas

Die Gedanken des Anthropologen Victor Turner über Liminalität und Communitas habe ich als besonders hilfreich empfunden. Liminalität meint eine Situation, in welcher sich Menschen in Bezug auf die sie umgebende Gesellschaft in einer Art marignalisiertem Zwischenzustand befinden, an einem Ort, der bedeutsame Gefahr und Desorientierung beinhalten kann, aber nicht notwendigerweise muß. Communitas ereignet sich in Situationen, wo Individuen durch eine geteilte Erfahrung von Herausforderung, Demütigung, Übergang und Marginalisierung dazu gezwungen sind, zueinander zu finden. Dazu gehört auch ein starkes Empfinden sozialer Zusammengehörigkeit, das von der Notwendigkeit herrührt, sich aufeinander verlassen zu müssen, um überleben zu können. Die verwandten Vorstellungen von Liminalität und Communitas beschreiben die Dynamik, welche die christliche Gemeinschaft dazu inspiriert, ihren „Kuschel- und Knuddeltrieb“ zu überwinden und sich stattdessen um eine gemeinsame Mission herum zu formieren, die sie auf eine gefährliche Reise an unbekannte Orte ruft – eine Mission, welche die Kirche dazu aufruft, ihre kollektiven Sicherheiten abzuschütteln und sich in ein Meer der Tat zu stürzen, wo ihre Glieder Desorientierung und Marginalisierung erfahren, aber auch Gott und einander auf neue Weise begegnen werden. Communitas ist deshalb immer mit der Erfahrung von Liminalität verbunden. Sie schließt Abenteuer und Bewegung mit ein, und sie beschreibt diese einzigartige Erfahrung der Zusammengehörigkeit, die nur wirklich in einer Gruppe Menschen entsteht, die von der Vision einer besseren Welt inspiriert sind und auch tatsächlich etwas dafür tun. An dieser Stelle wird jene der Mittelschicht eignende, konsumeristische Neigung der Gemeinde so sehr problematisch. Und hier könnte die Herausforderung an die Anpassungsfähigkeit der Kirche des 21. Jahrhunderts Gottes Einladung an die Gemeinde darstellen, sich selbst als eine missionale Communitas wieder zu entdecken. Aus meiner Sicht lehren uns bedeutsame Manifestationen des Apostolischen Genius, dass Liminalität und Communitas eher die normative Situation und Lage des pilgernden Volkes Gottes sind. Soweit ich sehen kann ist Communitas immer ein normatives Element des Apostolischen Genius. Ihr Verlust führt zu einer Verminderung des ganzen Phänomens des Apostolischen Genius – der Lebenskraft, der authentischen christlichen Bewegung, wo auch immer sie sich manifestiert.

Die Bibel und Communitas

Wenn wir uns die Bibel ansehen und dabei an Communitas denken, müssen wir zu dem Schluß kommen, daß die theologisch fruchtbarsten Abschnitte jenen extremen Zeiten entstammen, in denen sich die Menschen außerhalb ihrer Komfortzone befanden. Die größten Brocken der Offenbarung scheinen aus Zeiten der Liminalität zu kommen (z.B. Patriarchen, Torah, Propheten, Jesus, Paulus, Johannes etc.), und viele der Wunder der Bibel werden aus Situationen der Liminalität berichtet (z.B. Exodus, Exil, Evangelien, Apostelgeschichte). Und wenn wir darüber nachdenken, welche Erzählungen das Volk Gottes in der Vergangenheit inspiriert haben, dann waren das diejenigen über Abenteuer des Geistes im Kontext der Herausforderung. Das ist auch der eigentliche Grund, warum sie uns inspirieren (z.B. Hebräer 11).

Sie ist überall! Sie ist überall!

Haben wir erst einmal erkannt, worum es sich bei Communitas handelt, können wir sie in so vielen Aspekten unseres Lebens erkennen: In der Spendenbereitschaft nach dem Tsunami oder in Sportmannschaften, wo sich eine Gruppe ansonsten unterschiedlicher Menschen verbindet, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Dasselbe kann am Arbeitsplatz geschehen, in Abenteuer-Camps und kurzzeitigen Missionseinsätzen, wo die Teilnehmer aus ihrer normalen sicheren Umgebung herausgenommen werden und sich in Situationen von Desorientierung und Marginalisierung wiederfinden. Dasselbe gilt für Filme, in denen der vom Geheimdienst verfolgte Held Hilfe von einem Zuschauer bekommt, zufälligerweise einer hübschen Frau. Sie weichen den Kugeln aus, sind ihren Verfolgern immer einen Schritt voraus, und weil sie sich auf einander verlassen müssen, finden die beiden zusammen und lösen die Situation. Die meisten Abenteuergeschichten handeln von einer Gruppe verschiedenartiger Menschen, die zusammenarbeiten müssen, um Gefahren zu überwinden. Diese Geschichten haben eine wirkliche Macht über uns, weil sie tief in uns etwas wachrufen – das sich im Menschen befindliche Bedürfnis nach Abenteuer, Reise und Kameradschaft. Dies lehrt uns, daß in einem Kontext, wo Menschen einer gemeinsamen bösen Bedrohung und potentieller Vernichtung gegenüberstehen, sie neue Tiefen ihres eigenen Menschseins entdecken können und dies auch tun. Dies gilt nicht nur für Filme, sondern auch für das wahre Leben. Liminalität kann das Beste in uns zum Vorschein bringen. Während Gefahr und Krisensituationen notwendigerweise eine Person oder Gruppe möglicher Zerstörung oder Scheitern preisgeben, stellen sie doch auch eine Chance dar, daß Menschen die inneren Ressourcen entdecken, um Böses zu überwinden und sich im Ergebnis selbst zu bereichern. Und unter solchen Umständen entwickeln sich Beziehungen zur Kameradschaft. Ohne das Wort Liminalität zu verwenden, bemerkt David Bosch richtig, daß

… strikt gesprochen man sagen müßte, daß sich die Kirche immer in einem Krisenzustand befindet und ihr größtes Versäumnis darin besteht, daß sie sich dessen nur gelegentlich bewußt ist. … Daß die Gemeinde so viele Jahrhunderte lang eine krisenfreie Existenz hatte, war darum eine Abnormalität. … Und wenn der Eindruck der Krisenfreiheit noch immer in vielen Teilen des Westens fortbesteht, dann ist dies schlicht das Ergebnis einer gefährlichen Täuschung. Wir können auch wissen, daß die Begegnung mit einer Krise die Begegnung mit der Chance, wahrhaft Kirche zu sein bedeutet. (Transforming Mission, 2)

Aber es geht nicht nur um Gefahr und Krise. Es gibt auch entspanntere Versionen von Communitas, die echtes Potential für die missionale Restrukturierung von Gemeinschaften haben.

Der Mythos von Communitas

Um dieses Konzept einzubetten, schauen wir uns das Potential missionaler Communitas im Film „Herr der Ringe“ an. Die „Gefährten des Ringes“ werden in der Tat zu einer echten Gemeinschaft, zu einer Kameradschaft, als sie im Angesicht des überwältigenden Bösen große Kämpfe und Bedrängnis durchstehen. Indem sie gemeinsam diese scheinbar unmögliche Aufgabe auf sich nehmen und Bedrängnissen gegenüberstehen, wird aus dieser Gruppe eine Communitas. Sie entdecken einander auf eine Weise, die unter anderen Umständen nicht möglich wäre. Hier findet sich die mythische Entsprechung von Mission (nichts weniger als die Vernichtung des Bösen in der Welt), Nachfolge (im Angesicht übermächtiger Opposition stets das Gute wählen) und Communitas (im Streben nach der Erfüllung einer Mission zu einer großartigen Gemeinschaft werden). Elb und Zwerg werden unzertrennliche Freunde und die Hobbits werden etwas, was sie nie geworden wären, wenn sie in der Sicherheit des Auenlandes geblieben wären. Sie sind aneinander gebunden und finden einander im Kontext einer beschwerlichen aber gemeinsamen Mission.

Künstliche Umgebungen und die Gemeinde

Von der Theorie lebender Systeme wissen wir, daß alle lebenden Systeme zum Equilibrium (und damit zum Tod) tendieren, wenn es ihnen nicht gelingt, angemessen auf ihre Umgebung zu reagieren. Ein wichtiges Gesetz der Kybernetik besagt, daß „das Überleben jeglichen lebenden Systems von seiner Fähigkeit abhängt, Anpassungsfähigkeit und Unterschiedlichkeit in seiner inneren Struktur zu kultivieren (nicht bloß zu tolerieren)“. Ein System im Equilibrium hat einfach nicht die internen Ressourcen oder Mechanismen entwickelt, um adäquat auf adaptive Herausforderungen zu reagieren, wenn diese geschehen, und sieht sich deshalb mit dem möglichen Niedergang konfrontiert. Folglich können wir sagen, daß das Überleben lebender Systeme erhöhte Adrenalinpegel, Wachsamkeit und Experimentieren favorisiert.
Der Film „Findet Nemo“ enthält für uns wichtige Lektionen: Ohne wirkliche Beteiligung an der „Welt da draußen“ werden Gemeinden schnell zu abgeschirmten künstlichen Umgebungen, ekklesiale Aquarien, die vor der Gefahr und Unruhe in der Umgebung geschützt werden. Sie werden zu geschlossenen Systemen mit eigener Kultur, die wenige relationale, soziale und kulturelle Verbindungen mit der äußeren Welt haben (und das nennen wir dann Heiligkeit). Von Hereinkommenden nimmt man an, daß sie weltliche Schädlinge mitbringen, weshalb sie schnell sauber gemacht werden müssen. Wenn wir diese Metapher ein klein wenig weiter führen, dann werden solche geschlossenen Systeme gewöhnlich von Menschen am Leben erhalten, die selber auf signifikante Weise von der Welt abgeschieden sind, die Insider füttern und alles schön stabil, sauber und frei von Störungen halten. 80 Prozent der Jugendlichen, die in Neuseeland in christlichen Jugendgruppen aufwachsen und dann auf die Universität gehen, verlieren ihren Glauben im ersten Jahr! Diese Statistiken mögen von Land zu Land unterschiedlich sein. Dennoch gilt: In den Jugendgruppen unterhalten wir die Kids mit lauter Musik und Spielen und lehren sie Variationen von „Jesus liebt mich, das ist wahr, denn die Bibel macht es klar“ und fragen uns dann, warum sie mit der rauheren Umgebung der Universität nicht klarkommen. Das nenne ich eine künstliche Umgebung! Das Problem ist, daß wenn ein System geschlossen und künstlich ist und weder Anpassungsfähigkeit noch innere Variabilität entwickelt hat, es letztlich zum Equilibrium verkommen wird. Und in lebenden Systemen bedeutet totales Equilibrium Tod. Im Gegensatz zu dem, was wir vielleicht empfinden mögen, können Gefahr und Risiko für uns gut, ja sogar notwendig sein. Liminalität kann entweder Communitas schaffen oder uns zerstören. Risiko ist der Preis, den wir für ein wahres Abenteuer bezahlen.
Die Theorie lebender Systeme lehrt Folgendes:

  • Equilibrium ist ein Vorbote des Todes: Wenn es der Kirche nach Art des Christendom nicht gelingt, auf äußere Impulse richtig zu reagieren, sie sich von der liminalen Erfahrung freimacht und nur noch auf sich selbst bezogen ist, kannst Du sicher sein, daß sie sich auf dem absteigenden Ast befindet. Anders gesagt hat sie ihren missionalen Fokus verloren, der sie über ihre eigenen Grenzen hinaus führen sollte. In so vielen Gemeinden wurde die Selbsterhaltung der Institution zur eigentlichen Mission der Kirche. Das ist nie die Absicht Jesu gewesen. Es ist nicht unser primäres Ziel, die Kirche als eine Institution zu erhalten, sondern Jesus in seiner Mission in der Welt zu folgen. Wenn wir die Mission im Blick haben, werden uns die organischen Vorstellungen von Christentum und Gemeindeleben sehr leicht fallen. Wenn wir nur an die Institution Kirche denken, folgen zwangsläufig maschinenähnliche Ansätze, weil ihr innerer Mechanismus der Empfänglichkeit (Mission) effektiv aus der Gleichung genommen wird. Mission ist das organisierende Prinzip der Gemeinde und muß es auch bleiben.
  • Angesichts einer Bedrohung oder galvanisiert von einer verlockenden Gelegenheit bewegen sich lebende Dinge auf den Rand des Chaos zu. Wir stehen signifikanten Bedrohungen für unser Überleben gegenüber. Wir bewegen uns auf den Rand des Chaos zu und fangen damit an, mit neuen Arten von Gemeinde zu experimentieren, weil wir uns ernsthaft mit dem Missionskontext auseinandersetzen.
  • Wenn eine solche Reizung stattfindet und lange genug in diesem Zustand verbleibt, damit das System auf die äußeren Bedingungen (sei es Bedrohung oder Chance) reagieren kann, dann organisieren sich die Bestandteile lebender Systeme selbst und als Ergebnis dringen neue Formen und Pläne aus dem Durcheinander empor. Dies ist die Genialität, die Gott in das Leben selbst eingebaut hat: Die Fähigkeit, sich unter den richtigen Umständen auf einer höheren Ebene der Intelligenz zu organisieren. Im Leben drücken sich Kreativität und Wandlungsfähigkeit durch das spontane Entstehen von Neuem an kritischen Punkten der Instabilität aus.
  • „Lebende Systeme können nicht entlang eines linearen Pfades gesteuert werden. Unvorhergesehene Konsequenzen sind unvermeidbar.“ Die Herausforderung ist, lebende Systeme nicht zu steuern, sondern sie auf eine Weise durcheinander zu bringen, die dem gewünschten Ergebnis nahe kommt. Leiterschaft muß dann das Vorhaben durch Sinn und Vision fokussieren. Dieser Prozess des Durcheinanderbringens des Systems ist eine entscheidende Aufgabe von Leiterschaft. Es geht darum, Bedingungen zu schaffen, in denen Veränderung, Anpassung und Innovation stattfinden kann.

Außer einer klaren Vision gehört zu missionaler Leiterschaft die Förderung der Entstehung von Neuem durch den Aufbau und das Nähren von Kommunikationsnetzwerken; das Schaffen einer Lernkultur, in der das Stellen von Fragen ermutigt und Innovation belohnt wird; das Schaffen einer Atmosphäre des Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung; und das (An-)Erkennen von brauchbarem Neuem, wenn es entsteht, bei gleichzeitiger Erlaubnis, Fehler machen zu dürfen. Aus diesem Grunde können Roxburgh und Romanuk sagen, dass es die Rolle der Leiterschaft in der Gemeinde [ist], ein Milieu zu schaffen, in welchem der Geist Gottes die missionale Vorstellungskraft des Volkes Gottes hervorrufen und entfesseln kann.

Die Zukunft und die Gestalt des Kommenden

Eine bestimmte Art Vision (eine präferierte Zukunft) und Mission wirkt auf das Denken und Verhalten der Menschen in der Gegenwart anregend und verändernd. Wir, das Volk Gottes, werden von einer Vision von der Zukunft getragen, die unsere Mission bestimmt. Wenn wir sagen, daß das zukünftige (eschatologische) Reich Gottes in unserer Mitte schon gegenwärtig ist, dann sind wir dazu gerufen, in dem Wissen, das es schon jetzt hier ist, doch dann erst vollendet wird, zu handeln. Und so werden wir in Gottes Zukunft für die Welt hineingezogen. Diese Spannung zwischen „jetzt“ und „noch nicht“ bestimmt unsere Wirklichkeit, und hält uns in Bewegung, bringt uns zu Wachstum und Veränderung. Eine verlockende Vision der Zukunft ist ein Weg, durch die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses der Mission, das wieder die Zukunft „schafft“, wahre Communitas hervorzubringen.

Mission als Organisationsprinzip

Wenn das Evangelisieren und Zu-Jüngern-Machen der Nationen im Kern des Auftrages der Kirche in der Welt liegt, dann ist Mission und nicht Dienst das wahre Organisationsprinzip der Kirche. Mission wird an dieser Stelle als die Orientierung der Gemeinde zu „Outsidern“ hin verstanden, Dienst als Orientierung der Gemeinde zu „Insidern“ hin. Die Erfahrung lehrt uns, daß eine Gemeinde, die auf Dienst abzielt, selten zur Mission kommt – selbst wenn sie das ernsthaft will. Aber die Gemeinde, die auf Mission abzielt, muß Dienst tun, denn Dienst ist der Weg, um das Werk der Mission zu tun.

Wie Mission und Vision Gemeinschaften formen können

Um das Bewegungs-Ethos des Volkes Gottes zu erhalten, ist es entscheidend, daß die Gemeinde Mission im Kern ihres Selbstverständnisses behält. Ohne Mission gibt es keine Bewegung, und die Gemeinschaft stirbt den geistlichen Tod lange vor ihrem physischen Ende. Wenn wir Mission vergessen, vergessen wir uns selbst; wenn wir Mission vergessen, verlieren wir den Grund für unser Dasein, was letztlich zu unserem Niedergang führt. Unser Verständnis von Mission kommt nicht nur von einem Verständnis der Mission Gottes und missionaler Gemeinde, sondern bildet die Inspiration, an der sich die Kirche Jesu Christi ausrichten kann und die sie beständig dazu bringt, sich nach vorn und nach außen zu bewegen.

Ein missional-inkarnatorisches Verständnis von Communitas

Wenn sich Gott, die Gemeinde und die Welt überschneiden, dann erhalten wir eine Gemeinde, die wahrhaft missional wie auch tief inkarnatorisch ist und auf eine Weise handelt, die den Dienst Jesu in der Welt ausbreitet. In diesem Modell geschieht unsere Anbetung Gottes immer im Kontext unserer Teilhabe an der Welt und ist deswegen gezwungen, für Außenstehende kulturell bedeutsam zu sein. Und sie hat missionale Ränder, da sie für alle offen ist. Gemeinde ist nicht etwas, das von der Welt zurückgezogen stattfindet. Unsere Evangelisation und unser Einsatz für soziale Gerechtigkeit sind gemeinschaftlich; wir schließen uns Gott an, der die Welt erlöst (er ist schon dort), und unsere Spiritualität bezieht das ganze Leben mit ein. Kirche muß nicht vom Rest des Lebens ausgeschlossen sein. Sie wird ihrem Auftrag nur gerecht, wenn sie alle losen Enden unter dem einen Gott zusammenbindet. Es ist eine Tatsache: Gott ist überall. Er ist schon intensiv an der menschlichen Geschichte und am Leben aller Menschen beteiligt. Die Gemeinde muß ihre Position in Bezug auf Gott und die Welt wieder neu ausrichten. Dafür müssen wir die Ketten des Dualismus sprengen. Eine der besten Weisen, dies zu erreichen, ist, missional zu werden, sich direkt in den unterschiedlichen Umgebungen, in denen wir uns wiederfinden, zu engagieren.

Also, folge dem Pfad

Eines der Dinge, die uns die Geschichte Abrahams, die Gemeinschaft von Sportmannschaften, die tiefe Kameradschaft von Kriegsveteranen und die Gefährten aus „Herr der Ringe“ lehren, ist, daß die Reise selbst wichtig ist – daß Reife und Selbstverwirklichung Bewegung und Risiko benötigen, und daß Abenteuer gut für die Seele sind. Sie alle lehren uns, daß eine tiefe Form von Zusammengehörigkeit und Liebe gefunden wird, wenn wir uns auf eine gemeinsame Entdeckungsreise machen, wenn wir gemeinsam Gefahren gegenüberstehen und einander unterwegs finden müssen, um zu überleben. All diese Elemente finden wir in der Weise, wie Jesus seine Jünger geformt hat, als sie sich gemeinsam auf einen Weg machten, der sie fort führte von ihrem Zuhause, ihren Familien und Sicherheiten (seien soziale oder religiöse) und sich zu einem Abenteuer aufmachten, das Liminalität, Risiko, Lernen auf der Basis von Aktion und Reflektion, Communitas und geistliche Entdeckungen mit einschloß. Unterwegs schwand ihre Furcht vor Unzulänglichkeit und mangelnder Ausrüstung und machte einem mutigen Glauben Platz, der auszog, die Welt für immer zu verändern.
Wir müssen wieder losziehen. Wir sind das Volk des Weges, und unser Pfad liegt vor uns, lädt uns ein in eine neue Zukunft, in der es uns erlaubt ist, zu gestalten und teilzuhaben. Im Versuch, das Wesen authentischer christlicher Gemeinschaft wieder zu artikulieren, entstand das Bild einer Communitas, gestaltet um eine Mission, unternommen von einer Gruppe unsicherer aber mutiger Kameraden, wachgerufen von mythischen Bildern aus großartigen Geschichten und in Erinnerung daran, wie Jesus und die frühe Gemeinde die Botschaft verbreiteten. So rufen auch wir diese Sehnsucht und diese Bereitschaft wach, eine abenteuerliche Reise auf uns zu nehmen, um diese alte Kraft namens Apostolischer Genius wieder zu entdecken.

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Ein Kommentar zu “[The Forgotten Ways] Communitas – nicht Gemeinschaft”

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