Scot McKnight – The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible
1. Juli 2009
Es ist ein eigenartiges Gefühl, den Stapel an Büchern (noch 18) auf meinem Schreibtisch zu sehen, die ich aus den ausgewählt habe, die ich letztes Jahr gelesen habe, und über die ich eigentlich bloggen wollte. In der ersten Hälfte von 2009 hat es nur zu Chrysalis gereicht – so viel zum Thema Vorausplanen
Nun aber zu einem Buch, das mir besondere Freude bereitet hat, und dem ich eine weite Verbreitung wünsche – Scot McKnight’s The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible.

Die Grundfrage, der Scot in den etwas über 200 Seiten nachgeht, lautet: “Wie sollen wir heute die Bibel ausleben?” (S.11) Er stellt fest: “Every one of us adopts the Bible and (at the sime time) adapts the Bible to our culture. In less-apreciated terms, I’ll put it this way: Everyone picks and chooses.” (S.13; das mußte ich einfach Englisch lassen). Jeder entwickelt also seine eigenen Regeln – z.B. zum Sabbat, zum Geben des Zehnten, zur Hingabe unseres Besitzes usw. Aber welche Logik steckt hinter unserer jeweiligen Vorgehensweise beim Aufstellen unserer Regeln zum Leben nach der Idee Gottes?
Der Name des Buches und damit auch die tragende Metapher entstammt der Geschichte Scots. In seinem Garten tauchte eines Tages ein blauer Sittich auf, mit dem die vielen Sperlinge nicht recht umzugehen wussten, und vor dem sie sich zunächst zu fürchten schienen. Auch in der Bibel gibt es, so Scot, Abschnitte, die uns nicht ins Konzept zu passen scheinen. Diese Texte nennt er »Blaue-Sittich-Passagen«. Wenn wir auf sie stoßen, müssen wir genau hinsehen und lernen, vielleicht sogar unsere Ängste überwinden. Aber wir dürfen diese Passagen nicht einfach zähmen.
Wie wir die Bibel lesen und leben können
Scot schlägt folgende Vorgehensweise vor: Wir müssen die Vergangenheit verstehen und auf die Gegenwart anwenden. Was meinte Gott damals und was bedeutet das heute – die beständige Adaption, die dem ursprünglich Gemeinten treu bleibt und den gegenwärtigen Bedingungen entspricht. Dazu gehört, die Bibel mit der Tradition zu lesen, und nicht durch die Tradition. Letzteres macht vergangene Erkenntnis normativ – etwas, das ich gelegentlich im protestantischen Kontext beobachte: Was Luther sagte, gilt. Wer aber die Bibel nicht durch die Tradition, sondern mit ihr liest, der respektiert diejenigen, die ihm vorausgegangen sind. Wir setzen uns mit ihren Interpretation auseinander und lernen aus dem, wie sie die Heilige Schrift auf ihre Zeit angewandt haben. Gleichzeitig aber behalten wir die Freiheit, uns von ihren Wegen zu unterscheiden und Gottes Wort für uns neu zu hören. [Fortsetzung folgt...]
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