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Walk the talk

14. September 2009

Nochmals Ernst Käsemann:

Es besagt gar nichts, daß Jesus als Herr proklamiert und geglaubt wird. Alles hängt vielmehr daran, ob christliche Frömmigkeit, um mit Kähler zu sprechen, bis in den Alltag hinein am Kreuz den Grund und ihr Maß findet.
(Aus: Paulinische Perspektiven, S. 72)

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Sichtbar gewordene Erlösung

12. September 2009

Ein weiteres Zitat von Ernst Käsemann, welches an Newbigin erinnert:

Gegenwärtige Erlösung läßt sich nur behaupten, wenn einzelne Menschen, in sichtbarer Gemeinde zusammengefaßt, sie in ihrer Leiblichkeit anstößig und glaubwürdig vertreten und mit ihrer Existenz klarmachen, welchen Sachzwängen sie nicht mehr letztlich unterliegen. Heil, das nicht in gelebter Jüngerschaft sich bekundet, wird zum religiösen Postulat und zur unverständlichen Ideologie. Auch der christliche Glaube kann zum Aberglauben werden.
(Aus: Paulinische Perspektiven, 52f.)

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Vor 40 Jahren…

10. September 2009

… erschien Ernst Käsemanns Aufsatzband Paulinische Perspektiven, den ich heute nochmals quer gelesen habe. Dabei bin ich auf einige Aussagen gestoßen, die auch für die Leser dieses Blogs von Interesse sein könnten. Den Anfang macht folgende Feststellung Käsemanns:

Die unverkennbare Grundlagenkrise aller Geisteswissenschaften mit Einschluß der Philosophie hat etwas damit zu tun, daß wir dem idealistischen Erbe des sogenannten christlichen Abendlandes nicht kritisch genug gegenüberstehen. (S. 26)

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Äh – welche Perspektive?

9. September 2009

Zur Zeit stelle ich Material zu einer Arbeit über die Heilslehre des Paulus zusammen. Grundsätzlich fühle ich mich dabei der New Perspective on Paul verbunden, ohne dass ich die Erkenntnisse der Altvorderen über Bord werfen wollte. Wenn ich jetzt so die einst gelesenen Bücher durchgehe, dann findet sich da so manches Kleinod, welches einmal mehr deutlich macht, dass die Grenzen längst verschwommen sind. Als Beispiel mag Peter Stuhlmacher dienen, der in seiner Kritik an der New Perspective beispielsweise schreibt:

For the apostle, the righteousness of God, the Christ of God, the people of God and the kingdom of God all belong inseparably together. … Romans 4:25 and 8:34 give a wide eschatological span to christology: on Good Friday, Christ was delivered up to death by God, and since Easter he makes his death effective before God‘s judgment throne on behalf of all who confess him as Lord (cf. Rom 10,9-11). If they remain true to him, he remains their advocate until the final judgment so that nothing and no one will be able to separate them from the love of God shown them in Christ Jesus (cf. Rom 8:38-39). … By confessing Christ as Lord and Savior (cf. Rom 6:17 with 1Cor 15:3-5 and Rom 10:9-10) and by being baptized in his name, the baptized gain a share in his death on the cross and in the power of his new life. Through Christ‘s sacrifice they are freed from slavery to sin and are sanctified. Henceforth they are his property and are placed in the service of righteousness, which is God‘s will. Justification and sanctification are bound together and condition each other. … Justification means the establishment of a new being before God (cf. 2Cor 5:17,21). Therefore, the controversial and (…) much discussed distinction between „imputed“ righteousness (which is only credited to the sinner) and „effective“ righteousness (which transforms the sinner in his or her being) cannot be maintained from the Pauline texts. Both belong together for the apostle. … Therefore, justification by faith alone is justification by virtue of the grace of God alone, which opens to people the saving way of faith and gives them the power to live this way by the Holy Spirit. … The Pauline doctrine of justification is the doctrine about the implementation of God‘s righteousness through Christ for the entire creation. Its goal is the establishment of the kingdom of God. This doctrine therefore shows in its own way both that and how God will bring the first and second petitions of the Lord‘s prayer to their fulfillment (…).

Aus: Peter Stuhlmacher, Revisiting Paul‘s Doctrine on Justification: A Challenge to the New Perspective, 52.59.60.62.65.73.
Stuhlmacher

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Blaise Pascal über den »Gott der Christen«

1. September 2009

Pascal.Jpeg
(Bild: Wikipedia)

Der Gott der Christen ist seinem Wesen nach kein Gott, der lediglich ein Schöpfer geometrischer Wahrheiten und der Ordnung der Elemente wäre; das ist den Heiden und Epikureern eigen. Er ist seinem Wesen nach auch nicht lediglich ein Gott, der seine Vorsehung über das Leben und die Güter der Menschen walten läßt, um jenen eine glückliche Folge von Jahren zu geben, die ihn anbeten; das ist den Juden vorbehalten. Aber der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, der Gott der Christen ist ein Gott der Liebe und des Trostes; es ist ein Gott, der sie im Inneren ihr Elend und seine unendliche Barmherzigkeit fühlen läßt, der sich mit ihnen in ihrer tiefsten Seele vereinigt und sie mit Demut, Freude, Vertrauen und Liebe erfüllt, der sie unfähig macht, ein anderes Ziel als ihn selbst zu haben.

(Gedanken, Röderberg 1988, S.190f)

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The Blue Parakeet Teil 4 – Frauen im heutigen Gemeindedienst: Wie liest Du die Bibel? Eine Fallstudie

23. August 2009

[Dies ist der fünfte und letzte Post einer Serie zu Scot McKnight’s Buch The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible. Faszinierenderweise wurde dieser Post schon im Juni geschrieben, aber ich bin nicht zur Veröffentlichung gekommen – procrastination, that is… Ab sofort finden sich alle Posts der Serie auch direkt auf dieser Übersichtsseite.]
Blue Parakeet-4
Ein netter Titel zwar für einen Post, aber ich werde diesen Teil nicht im Detail ausführen – etwas muss ich ja noch übrig lassen, das Dich zum Kauf des Buches motiviert 😉
Scot schreibt:

Allmählich veränderte sich meine Haltung, was zum allergrößten Teil an meinem Studium des Neuen Testamentes lag und an der Erkenntnis, dass das ganze Neue Testament der jüdischen und griechisch-römischen Kultur des ersten Jahrhunderts entstammt und von dieser Herkunft geprägt wurde – auch in dem, was es über Frauen sagt. (149)
Wir müssen etwas aussprechen, was nicht oft von Bibel lesenden und Gott lieben Christen zugegeben wird: He who writes the story controls the glory. (156)
Wollen wir die damalige kulturelle Welt und ihre Ausdrucksformen zurückholen, oder wollen wir dasselbe Evangelium zu einer anderen Zeit auf ein andere Art ausleben? (159)

Scot geht darauf ein, was Frauen im Alten und Neuen Testament getan haben und setzt sich intensiv mit den bekannten Texten aus dem 1.Korinther- und dem 2.Timotheusbrief auseinander. Ausgehend von der Prämisse, dass die Bibel immer im jeweiligen kulturellen Kontext gelesen, verstanden und ausgedrückt wird und das auch so sein soll – zu welchem Ergebnis kommt er wohl?
Auf den letzten Seiten fasst Scot nochmals seine Anleitung zum Lesen und Verstehen der Bibel zusammen (das schreit danach, kopiert und in der Gemeinde ausgelegt zu werden) und endet dann mit den Worten:

Wir können keine Sicherheit darin finden, einfach nur zurück zu gehen und in der Vergangenheit zu bleiben. Wir können nicht annehmen, dass unsere Aufgabe erledigt ist, wenn wir erst einmal herausgefunden haben, was Paulus oder Petrus meinten, wenn sie das Evangelium in ihrer Welt verkündigten. Statt dessen wird uns in der Bibel ein Verstehensmuster an die Hand gegeben – ein Muster, das direkt aus der dort erzählten Geschichte fließt und uns dazu bringt, auf das zu hören, was Gott in jener Welt gesagt hat, so dass wir verstehen können, was Gott uns durch unsere Welt sagt. So können wir erkennen, was Gott möchte, dass wir unserer Welt über diese Geschichte sagen – in der Art und Weise, wie es für unsere Welt verständlich ist.
Wenn wir die Bibel als die Geschichte Gottes lesen, dann schenkt sie uns die Zuversicht, in der Kraft des Heiligen Geistes mit der guten Nachricht von Jesus Christus der Zukunft entgegen zu treten. Gottes Geist, so erzählt uns die Geschichte, ist mit uns, um uns zu leiten und uns Erkenntnisvermögen zu schenken.
Die Geschichte der Bibel ist nicht nur die Geschichte unserer Vergangenheit; sie ist die Geschichte unserer Zukunft. (S. 212)

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The Blue Parakeet Teil 3 – Unterscheidung: Wie profitiere ich von der Bibel?

8. Juli 2009

[Dies ist der vierte Post zu Scot McKnight’s Buch The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible.]
Blue Parakeet-3
Welche Gebote aus dem Alten Testament gelten denn noch für uns heute? Im Kern hat die Kirche immer gelehrt, dass sich die Zeiten geändert haben und wir vom Neuen Testament Muster lernen können, wie wir unterscheiden, was zu tun und was nicht zu tun ist. Wir haben uns immer manche Dinge herausgepickt, an die wir uns halten, und andere, an die wir uns nicht halten. Entscheidend ist, wie wir das, was Gott durch sein altes Wort, das an eine andere Zeit gerichtet war, sagte und sagt, heute hören und in unseren Tagen anwenden. Das ist nicht einfach, aber wir können uns darauf verlassen, dass der Heilige Geist uns leitet, wenn wir beten, die Schrift studieren und mit der kirchlichen Tradition ins Gespräch kommen. Es wäre viel leichter gewesen, wenn Gott uns für alles Regeln und Gebote gegeben hätte. Aber in seiner Weisheit hat er sich dagegen entschieden. Unterscheidung ist ein Teil dessen, was es bedeutet, im Glauben zu leben. Die Entscheidungen, die wir dann für uns treffen, dürfen wir aber nie zu allgemeingültigen Regeln erheben. Wir müssen uns immer tiefer auf den gemeinsamen Austausch einlassen und nach der größtmöglichen Einheit streben, aber hundertprozentige Sicherheit und absolute Einmütigkeit werden wir selten erlangen. Auf das Beispiel Ehescheidung und Wiederheirat angewandt: Das Neue Testament lehrt uns, dass wir uns fest der eingegangenen Ehe verpflichten sollen, erlaubt aber die Scheidung in Fällen, in denen der Ehebund zerstört wurde. Letztlich geht es darum, den verborgenen Grund zu finden, der zum Zerbruch der Beziehung geführt hat, und zu entscheiden, ob dieser Grund ausreichend für eine Scheidung ist. (Scot bringt weitere Beispiele, in denen es um die Beschneidung, den Kleidungsstil christlicher Frauen, die Frage nach dem kosmo- oder heliozentrischen Weltbild, die Todesstrafe und das Sprachengebet geht.)

Jeder wahrhaft biblische Glaube nimmt die Botschaft des Evangeliums und „inkarniert“ sie in einen Kontext. … Was für Abraham, Mose, David, Jesaja, Esra, Jesus, Petrus und Paulus gut war, ist auch gut für uns. Aber die genaue Ausdrucksform des Evangeliums oder die Lebensweise von Abraham, Mose, David, Jesaja, Esra, Jesus, Petrus und Paulus kann möglicherweise für uns nicht passend sein. Wenn wir die Bibel ausleben wollen, dann müssen wir sie unseren Tagen auf unsere Weise ausleben, indem wir gemeinsam zu verstehen versuchen, wie Gott sich unser Leben vorstellt. … Wir sind berufen, die Bibel zu lesen und die Bibel zu kennen und sie heute in unserer Welt auszuleben. … Ich habe gelernt, dass wenn die Bibel mit der Tradition gelesen wird, jede Generation dazu ermutigt wird, für sich selbst zu denken, zur Bibel zurückzukehren, ihren Vorrang zu bekennen und die Kraft des Evangeliums in unserer Zeit auf unsere Weise loszulassen. (S. 143f)

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The Blue Parakeet Teil 2 – Hören: Wie soll ich mit der Bibel umgehen?

5. Juli 2009

[Dies ist der dritte Post zu Scot McKnight’s Buch The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible.]
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Die Bibel ist anders als alle andern Bücher; diese Worte sind Gottes Worte, dieses Buch ist Gottes Buch und diese Geschichte erzählt Gottes Geschichte. Nicht dass die Worte »Autorität« und »unterwerfen« falsch wären, aber das Lesen der Bibel umfasst viel mehr, als sich nur ihrer Autorität zu beugen. Ein relationaler Ansatz unterscheidet zwischen Gott und der Bibel. Gott gab uns die Bibel aus Papier, die uns lehren soll, ihn als Person zu lieben. Wenn wir mit dem Buch richtig umgehen wollen, dann müssen wir verstehen, dass es sich dabei um Worte handelt, die Gott zu seinem Volk gesprochen hat. Auf diese Worte sollen wir hören. Wir nehmen teil an dem Gespräch, das in der Bibel stattfindet (z.B. Hiobs Erfahrung im Vergleich zum Gehorsam-Segens-Determinismus im Deuteronomium oder die Unterhaltung über Glaube und Gehorsam zwischen den Briefen des Jakobus und Paulus) und an dem Gespräch, das die Kirche über die Bibel führt. So führt uns unsere Beziehung zur Bibel zu einer Beziehung mit dem Gott, der in der Bibel und durch die Bibel zu uns spricht. Gott gab uns die Bibel nicht zu dem Zweck, dass wir die Bibel verstehen, sondern damit wir durch sie Gott kennen sowie ihn und unsere Mitmenschen lieben lernen. Dies kann nur geschehen, wenn wir mit der richtigen Haltung auf die Stimme Gottes hören, das Gehörte mitten in unser Wesen dringen lassen und dann danach handeln. Gott erzählt uns seine Geschichte, damit wir in eine Beziehung zu ihm eintreten können, auf ihn hören und sein Wort in unserer Zeit auf unsere Weise ausleben können. Das nennt Scot »missionales Zuhören«. Gott gab der Bibel eine Mission: Gott spricht zu uns, damit wir Menschen nach seinem Willen werden und nach seinem Willen leben. Jegliches Lesen einer jeglichen Passage der Bibel, das nicht beim „dass“ aus 2Tim 3,17 landet, ist unvollständig.

Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. (2Tim 3,14-17)

Ausgehend von diesen Versen stellt sich »missionales Zuhören« wie folgt dar: Es ist ein Lesen mit der Tradition; es ist die Verheißung, dass derselbe Geist, der über dem Autor bei der Abfassung des Buches brütete, nun im Leser am Wirken ist; es ist ein Prozess, in dem wir Lehre, Zurechtweisung, Besserung und Erziehung in der Gerechtigkeit erfahren, und der darin resultiert, dass wir „zu allem guten Werk geschickt“ sind. Damit bilanziert Scot:

Wenn Du gute Werke tust, dann liest Du die Bibel richtig.
Wenn Du keine guten Werke tust, dann liest Du die Bibel nicht richtig. (S. 112)

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The Blue Parakeet Teil 1 – Erzählung: Was ist die Bibel?

1. Juli 2009

[Dies ist der zweite Post zu Scot McKnight’s Buch The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible.]
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Für Scot erzählt die Bibel eine Geschichte mit einem Anfang (Genesis 1-11), einem überaus langen Mittelteil (Genesis 12 bis Maleachi 4; Matthäus bis Offenbarung) und einem Ende (Matthäus 25, Römer 8, Offenbarung 21-22). Andere Leser der Bibel verstehen sie anders, zum Beispiel als…

  • … eine Sammlung von Geboten: Alles dreht sich um die Frage, was wir tun und was wir nicht tun dürfen und Gott wird so zu einem Richter, der meist etwas ungeduldig wirkt. Wir, die Gehorsamen, werden von unserer moralischen Überlegenheit vergiftet, konzentrieren uns mehr darauf, recht zu haben statt gut zu sein und verurteilen andere.
  • … eine Sammlung von Segnungen und Verheißungen. Bei jedem Vers halten wir an und fragen uns, ob wir einen Gewinn daraus ziehen können.
  • … eine Sammlung von Spiegeln und Tintenklecksen, in denen jeder das erkennen kann, was in seinem Kopf ist (wie beim Rorschachtest). Wir lesen das in die Bibel hinein, was wir in ihr finden wollen.
  • … ein Puzzle der Gedanken Gottes: Sobald alle Teile am richtigen Platz sind, ist das Puzzle gelöst, wir haben Gott verstanden und brauchen die Bibel nicht mehr. Dummerweise passen manche Teile einfach nicht zusammen und niemand hat den Deckel der Schachtel. Außerdem stellen wir mit diesem Ansatz die Form in Frage, in der uns Gott die Bibel gegeben hat.
  • Maestros. Unterschiedliche Autoren mit unterschiedlichen Gedanken. Und gerne nehmen wir dann die Gedanken eines Maestros (z.B. Paulus) als Schablone, um in seinen Kategorien den Rest zu verstehen.

Wenn wir die Bibel verstehen wollen, dann müssen wir ihren Kontext mit einbeziehen. Wenn wir sie auf unser tägliches Leben beziehen wollen, dann müssen wir sie als die Geschichte Gottes verstehen – als eine Erzählung von den Dingen, die Gott getan hat. Weil die Geschichte des Evangeliums breit ist, verwendete Gott unterschiedliche Ausdrucksformen, um uns ein kompletteres Bild dieser Geschichte zu geben. Die unterschiedlichen Versionen nennt Scot Wiki-Erzählungen – die beständige Nachbearbeitung und Wiederaufbereitung der biblischen Geschichte durch neue Autoren, so dass sie die alte Geschichte auf neue Weise in ihre Zeit hinein sprechen können. Keine einzelne dieser Erzählungen, nicht einmal die von Jesus, kann uns die ganze Geschichte mitteilen. Darum brauchen wir sie alle. Die »Blauen-Sittich-Passagen« machen nur dann Sinn, wenn wir jede einzelne in ihrem Kontext der großen Geschichte der Bibel belassen. Keine der Wiki-Erzählungen ist die finale Version; keine schließt alles ein. Jede erzählt eine wahre Version der großen Geschichte. Diese handelt von der Erschaffung der Ebenbilder Gottes (Genesis 1-2), deren Zerbrechen (Genesis 3-11), der Bundesgemeinschaft (Genesis 12-Maleachi), der Erlösung durch das vollkommene Ebenbild Christus (Matthäus-Offenbarung 20) und von der Vollendung (Offenbarung 21-22). Die Einheit der Bibel liegt in dieser Erzählung; ihre Verschiedenheit liegt darin, wie unterschiedliche Autoren jeweils andere Aspekte in diesem Erzählstrang betonen. [Fortsetzung folgt…]

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Scot McKnight – The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible

1. Juli 2009

Es ist ein eigenartiges Gefühl, den Stapel an Büchern (noch 18) auf meinem Schreibtisch zu sehen, die ich aus den ausgewählt habe, die ich letztes Jahr gelesen habe, und über die ich eigentlich bloggen wollte. In der ersten Hälfte von 2009 hat es nur zu Chrysalis gereicht – so viel zum Thema Vorausplanen 😉 Nun aber zu einem Buch, das mir besondere Freude bereitet hat, und dem ich eine weite Verbreitung wünsche – Scot McKnight’s The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible.
Blue Parakeet
Die Grundfrage, der Scot in den etwas über 200 Seiten nachgeht, lautet: „Wie sollen wir heute die Bibel ausleben?“ (S.11) Er stellt fest: „Every one of us adopts the Bible and (at the sime time) adapts the Bible to our culture. In less-apreciated terms, I’ll put it this way: Everyone picks and chooses.“ (S.13; das mußte ich einfach Englisch lassen). Jeder entwickelt also seine eigenen Regeln – z.B. zum Sabbat, zum Geben des Zehnten, zur Hingabe unseres Besitzes usw. Aber welche Logik steckt hinter unserer jeweiligen Vorgehensweise beim Aufstellen unserer Regeln zum Leben nach der Idee Gottes?
Der Name des Buches und damit auch die tragende Metapher entstammt der Geschichte Scots. In seinem Garten tauchte eines Tages ein blauer Sittich auf, mit dem die vielen Sperlinge nicht recht umzugehen wussten, und vor dem sie sich zunächst zu fürchten schienen. Auch in der Bibel gibt es, so Scot, Abschnitte, die uns nicht ins Konzept zu passen scheinen. Diese Texte nennt er »Blaue-Sittich-Passagen«. Wenn wir auf sie stoßen, müssen wir genau hinsehen und lernen, vielleicht sogar unsere Ängste überwinden. Aber wir dürfen diese Passagen nicht einfach zähmen.

Wie wir die Bibel lesen und leben können
Scot schlägt folgende Vorgehensweise vor: Wir müssen die Vergangenheit verstehen und auf die Gegenwart anwenden. Was meinte Gott damals und was bedeutet das heute – die beständige Adaption, die dem ursprünglich Gemeinten treu bleibt und den gegenwärtigen Bedingungen entspricht. Dazu gehört, die Bibel mit der Tradition zu lesen, und nicht durch die Tradition. Letzteres macht vergangene Erkenntnis normativ – etwas, das ich gelegentlich im protestantischen Kontext beobachte: Was Luther sagte, gilt. Wer aber die Bibel nicht durch die Tradition, sondern mit ihr liest, der respektiert diejenigen, die ihm vorausgegangen sind. Wir setzen uns mit ihren Interpretation auseinander und lernen aus dem, wie sie die Heilige Schrift auf ihre Zeit angewandt haben. Gleichzeitig aber behalten wir die Freiheit, uns von ihren Wegen zu unterscheiden und Gottes Wort für uns neu zu hören. [Fortsetzung folgt…]

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Fundstücke und Empfehlungen

6. Juni 2009

In den letzten Tagen bin ich auf einige Dinge gestoßen, die mir Freude bereitet haben, und die ich Euch nicht vorenthalten möchte.


Aus der BlogWelt

Kester Brewin hat seinem Blog neues Leben eingehaucht und schreibt gerade an einer interessanten Serie darüber, was Erkenntnisse der Physik mit der Theologie zu tun haben:
»Theology and the New Physcis« Teil 1 – Uncertainty | Teil 2 – Dimensions | Teil 3 – Engaging the Maze

Einige Gedanken zum aktuellen Zustand der emergenten Bewegung:
Angestoßen von der Rock Harbour Gemeinde definiert Steve Taylor, was er unter emerging/emergent versteht.
Nick vom netten »Nick and Josh Podcast« drückt seine Enttäuschung über EmergentVillage aus und Tony Jones antwortet.


Zwei Buchempfehlungen

Zwei feine Menschen, die ich schätze und die mich inspirieren, haben jeweils ein Buch geschrieben. Ich habe bislang keines der beiden gelesen, will aber dennoch an dieser Stelle die Werbetrommel rühren, da für mich außer Frage steht, daß hier zweimal Gold in Buchform gebracht wurde.

Da ist zum einen Haso, dessen Blog eh Pflicht ist. Sein Buch heißt »No more Blues. Glauben ohne Schuldgefühle«.
No-More-Blues 250
Die Verlegerin Kerstin Hack schreibt darüber:

Für mich ist es das wichtigste Buch, das ich seit langem gemacht habe. Warum? Weil ich so viele Christen kenne, die ständig ein chronisch schlechtes Gewissen haben. Sie denken sie glauben nicht gut genug, lieben nicht genug, sind nicht ausreichend demütig. Das einzige, wovon sie wirklich genug haben, sind schlechte Gefühle.

Solltest Du also zu diesen Menschen gehören oder solche Menschen kennen, rate ich zum Kauf dieses Buches. Zur Leseprobe.

Da ist zum anderen Jens Stangenberg, den Du hier predigen hören kannst. Sein Buch heißt: »Tanz auf der Fontäne: Christliche Spiritualität in der Postmoderne und der Zukunft«.
Fontaene
Wenn Du mehr wissen und/oder das Buch bestellen möchtest, klicke hier.


Entertainment

Für die Ohren: Erinnerst Du Dich noch an Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews? Die drei Detektive sind als Neuvertonung zurück und können kostenlos hier heruntergeladen werden. Mir versüßen sie im Moment die Gartenarbeit, den Hausputz und das Basteln neuer Bücherregale.

Für die Augen: Die 100 besten Filmzitate in 200 Sekunden. Sehe ich mir immer wieder an – was ein Spaß!

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Manches kann zur Obsession werden

29. Mai 2009

Somethingswrong
Hach, schön… Gefunden hier bei Bill Kinnon.

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Vom Dichten und Denken und, achja: Wie ich die Bibel verstehe und mir den Umgang mit ihr vorstelle

19. Mai 2009

[Ist doch ein scheinbar bedeutungsschwangerer Titel für einen neuen Post nach sechs Wochen Funkstille, oder?] In den letzten Wochen bin ich immer wieder on- und offline auf Publikationen gestoßen, in denen entweder dieser Blog oder mein kleiner Artikel in ZeitGeist zitiert wurde, wenn es darum ging, zu beweisen, dass und warum die »Emerging Church«-Bewegung doof ist. Und ich muß nun damit leben, als »einer der Vordenker dieser Bewegung im deutschsprachigen Raum« bezeichnet zu werden. Das macht mir ja eigentlich auch nichts aus; schließlich ist ja jeder selbst schuld, wenn er – ohne selbst nach-zudenken – einfach das übernimmt, was ich ihm vor-gedacht habe. Und außerdem denke ich mir ja manchmal was bei dem, was ich denke und dann auch äußere. Aber leider beschleicht mich immer häufiger das Gefühl, dass das, was mir gedacht zu haben nachgesagt wird, gar nicht aus meinem Kopf stammt. Dann sehe ich genauer hin und stelle fest: Es sind tatsächlich Worte, die ich geschrieben habe – nur scheinen sie im neuen Kontext nicht das zu sagen, was ich ursprünglich gemeint hatte. Es wird also nicht das nach-gedacht, was ich vor-gedacht habe, sondern es wird mir etwas angedichtet, was ich nie gedacht hätte. Und das ist schade. Insbesondere deshalb, weil plötzlich Mauern errichtet werden, wo Brücken sein könnten. Faszinierenderweise sind mir viele andere Beiträge in den erwähnten doch ungenannt bleibenden Publikationen oft sehr sympathisch, weil sie sich darum bemühen, Gedanken aus der Heiligen Schrift verständlich zu machen. Ich lese diese Beiträge, nicke zustimmend mit dem Kopf und freue mich über sie. Sind ja doch eigentlich Brüder (warum schreiben in diesen Publikationen eigentlich nie Frauen? und warum reden sie sich so oft mit der Kombination aus »Bruder«+Nachname an?) im Geiste (auch wenn sie gerne diejenigen, die den Heiligen Geist betonen, etwas schief ansehen oder aber gleich verteufeln). Aber irgendwie kommen diese Brüder im Geiste immer zu dem Schluss, dass die Bewegung, derer sie mich als einen deutschsprachigen Vordenker zuordnen, böse (und oft: »vom Teufel«) ist. Das finde ich wie gesagt sehr schade. Dachte ich doch, dass niemand Jesus den Herrn nennen kann, außer durch den Heiligen Geist. Wenn also ich Jesus den Herrn nenne und sie es auch tun, dann gehören wir doch auf dieselbe Seite, oder?
Nun da Du, lieber Bruder im Herrn, kein Vertreter emergenten Gedankenguts mehr werden wirst und das auch nicht sollst, dieses Blog liest, mich für böse oder verblendet hältst und nach Munition für weitere Anti-Emerging-Artikel suchst, mache ich Dir ein Angebot: Lade hier kostenlos meine Diplomarbeit (Bachelor-Thesis) herunter, die ich an der Werkstatt für Gemeindeaufbau geschrieben habe. Das gute Stück ist drei Jahre alt und heißt Theologia Semper Reformanda: Grundlinien für theologisches Arbeiten in der Zeit nach der Moderne. Ja, ich weiß, das klingt ein wenig protzig. Mir ist damals kein besserer Titel eingefallen, aber irgendwie find ich’s auch heute noch ein bißchen cool. Wenn Du über den Titel hinweg sehen kannst, dann schau Dir das pdf mal an. Darin lege ich u.a. dar, wie ich die Bibel verstehe und mir den Umgang mit ihr vorstelle. Und warum ich glaube, dass wir in manchem, wie wir die Bibel verstehen, umdenken sollten, weil wir dem, was uns die Autoren vor-gedacht haben, des Öfteren etwas hinzu-gedacht und ihre Gedanken in unsere Verständnisse hinein-gedacht haben. Du darfst es lesen und zitieren, und ich hoffe, dass wenn zukünftig mein Name im Zusammenhang mit dem »Schriftverständnis der Emerging Church«-Bewegung fällt, diese Arbeit zumindest berücksichtigt wird. Natürlich kann man auch in dieser Arbeit manches falsch verstehen oder aus dem Zusammenhang reißen. Aber vielleicht stellst Du ja fest, dass wir unter Umständen gar nicht so weit auseinander liegen und es möglicherweise an der Zeit wäre, die eine oder andere Brücke zu bauen. Ich würde mich jedenfalls freuen. Ganz ehrlich.

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[Chrysalis] Fazit und persönliche Gedanken

31. März 2009

[Das ist der vierzehnte Post zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis: The Hidden Transformation in the Journey of Faith. Nachdem ich in den letzten Posts Alan Jamieson übersetzt hatte, nun noch ein paar DoSi-Gedanken. Übrigens: Die gesammelten Posts zu »Chrysalis« sind ab sofort wie gewohnt in einer zentralen Übersicht zugänglich, die Du hier findest. – Anmerkung: Die nachfolgenden Gedanken hatte ich ursprünglich am 12.03. als schnellen Rohentwurf runtergeschrieben und wollte sie irgendwann noch sauber überarbeiten und ergänzen. Da ich aus Zeitgründen nicht dazugekommen bin, haue ich sie einfach mal im jetzigen Zustand raus und schließe damit die Chrysalis-Serie ab.]
Chrysalis-12
Jamieson hat eine schöne Bildsprache gewählt: Die Raupe, die sich in den Kokon zurückzieht und dann zum Schmetterling wird. Ein Bild, mit dem sich zu identifizieren nicht schwer fällt. Doch Vorsicht: Dieses Bild enthält eine Wertung. Ziel ist nicht das Raupendasein, Ziel ist nicht der Kokon, Ziel ist eindeutig der Schmetterling. Irgendwie scheint dieses Buch als Apologie auf die post-kritische Phase geschrieben zu sein… Die Gefahr, die ich darin sehe, liegt in der Tendenz, Christen in der vor-kritschen oder kritischen Phase als unreif, unfertig, vorläufig zu sehen und sich über sie zu erheben. Denn liegt es nicht nahe, sich beim Lesen dieses Buches selbst in der post-kritischen Phase zu verorten? Und (zumindest innerlich) zu anderen zu sagen »Erreiche Du erst einmal meine Stufe, dann wirst Du schon verstehen«? Ich jedenfalls habe mich dabei ertappt, wie ich Menschen in meinem Umfeld in die unterschiedlichsten Schubladen verschoben habe. Da gibt es die vor-kritischen (meist evangelikale Charismatiker), die alles nur schwarz und weiß sehen und deren Spiritualität mir begrenzt erscheint. Und es gibt die kritischen, die sich meist durch das identifizieren, wogegen sie sind, und nur zum Teil wissen, wofür sie eigentlich sind. Und es gibt (selbst ernannte?) post-kritische, die mir oft im negativen Sinne profillos erscheinen. Wenn das das Ziel sein soll, die reifste aller Stufen, dann schrecke ich davor zurück, finde sie nicht erstrebenswert. Und entdecke doch Spuren aller drei Phasen in mir. Ob Jamieson überhaupt Recht hat? Ich glaube jedenfalls nicht dass sich der Weg christlicher Glaubensentwicklung in drei (mir persönlich stark stereotypisiert erscheinenden) Standardphasen einteilen lässt. Stecke ich doch momentan nicht zum ersten Mal im Kokon… Daher glaube ich, dass solche Phasen immer wieder auftreten können, dass auch die post-kritische Phase nicht die letzte ist. (Ebenso glaube ich nicht, dass der Weg durch die Wohnungen in Teresa von Avilas Seelenburg konstant vorwärts geht, sondern beständig zwischen unterschiedlichen Zimmern hin- und herspringt. Und das Johannes vom Kreuz‘ dunkle Nacht auch nicht zwingend ein einmaliges Ereignis sein muss…) Es wäre ja auch zu einfach: Aus einem Kind, das alles nach einfachen Kritierien in richtig und falsch einteilen kann, wird – nach einer rebellierenden, ausbrechenden, türeknallenden Teeniezeit – ein toleranter und weitherziger erwachsener Mensch. 😉

Mit den genannten Einschränkungen finde ich »Chrysalis« wertvoll und hilfreich. Wer in der vor-kritischen Phase ist, dem muss das Verständnis dafür geweckt werden, dass auch andere Ausdrucksformen persönlichen Glaubens ihre Berechtigung haben. Menschen in der kritischen Phase müssen darauf hingewiesen werden, dass eine Welt beständiger Negation und Dekonstruktion keine lebenswerte darstellt. Post-Kritische dürfen wissen, dass ihre Entwicklung normal ist und noch lange nicht am Ende steht.

{Zusatz aus meinem Kopf:
Interessant finde ich den Gedanken, dieselben Entwicklungsstufen an Gemeinden anzulegen. Nun ja, wir alle meinen, vor-kritische Gemeinden zu kennen. Und vielleicht baust ja Du gerade die post-kritische Gemeinde schlechthin… Aber geht das überhaupt? Wie sieht eine solche post-kritische Gemeinde strukturell aus? Und stellt nicht die EmergingChurch-Conversation möglicherweise für viele Beteiligte den Schutzraum des Kokons dar? Wenn das so ist, dann kann es ja eigentlich keine Gemeinde geben, die von sich sagen kann: »Wir sind eine ‚Emerging Church’«. [Nebenbei bemerkt konnte ich solche Sätze noch nie leiden. Ähnlich schlimm die Frage: »Seid Ihr eine ‚Emerging Church‘?« (Meist eingeleitet mit: »Ich hab Deinen Blog gelesen.«)] Denn dann wäre EmCh mehr ein MindSet oder das Aufrechterhalten des liminalen Zustandes, aus dem dann die Inspiration kommt. Und wenn das so ist, dann liegt der Sinn der Emerging Conversation vielleicht gerade darin? Vielleicht gibt es deswegen kein „Emerging Gemeindemodell“, wenn es auch schon gewisse Grundzüge einer „Emerging Theologie“ gibt, aber das ist ein anderes Thema…}

Würde mich interessieren, was Du so denkst.

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»Let me in the sound« – Steve Taylor zum aktuellen U2-Album

20. März 2009

Nicht nur mir macht das aktuelle U2-Album No Line on the Horizon zur Zeit viel Freude.
U2
Steve Taylor macht sich sehr lesenwerte Gedanken zu dieser feinen Silberscheibe.

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[Chrysalis] Kapitel 12: Schön und voller Hoffnung

12. März 2009

[Das ist der dreizehnte Post zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis: The Hidden Transformation in the Journey of Faith.]
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Nun, da die christliche Kirche zunehmend unruhigen und wechselhaften Zeiten entgegensteuert, werden nicht nur einzelne Menschen, sondern auch ganze Gemeinden Wüstenerfahrungen erleben. Wir werden immer mehr sehen, wie die Kirchen im Westen in eine neue Phase des Exils und der Dunkelheit eintreten. In unserer postmodernen Umgebung scheinen sich viele Gemeindeleiter auf theologischen Konservatismus und ekklesiologische Kontrolle zu konzentrieren – so als ob sie angesichts einer chaotischen und sich beständig verändernden Kultur eine Wagenburg bilden wollten. In der Sprache der Glaubensphase gesprochen, fokussieren sich viele Gemeindestrukturen auf vor-kritische Ausdrucksformen. Dazu werden sie ermuntert, weil das diejenige Phase ist, in der viele – vor allem viele junge Erwachsene – zum Glauben kommen. Das ist eine Art Gemeinde, die schnell wachsen kann, da sie klare Antworten und Glaubensaussagen parat haben, für Probleme schnelle Lösungen und auch ein Zugehörigkeitsgefühl bieten. Wenn sich aber Denominationen und Gemeinden vor allem auf diese Zielgruppe konzentrieren, dann werden Menschen, die sich in eine kritische, von Fragen, Zweifeln, Leiden und Schwierigkeiten gekennzeichnete, Glaubensphase hinein bewegen, das Gefühl haben, dass es für sie keinen Platz gibt.

In den Gemeinschaften, die alle Glaubensphasen anzusprechen versuchen, wird eine Schönheit und Hoffnung sichtbar, die den unvermeidbaren Verlust an Kontrolle aufwiegt. Einer Gemeinschaft, die sowohl den Frischestbekehrten als auch den schroffsten Skeptikern Respekt und Verständnis entgegenbringen kann, haftet etwas ungemein Reiches an: wo Junge und Alte, Sichere und Unsichere eine fürsorgliche Gemeinschaft formen. In den verschiedenen Glaubensphasen brauchen die Menschen ganz unterschiedliche Unterstützung. Manchmal scheint es so, als ob die Sprachen, die sie sprechen nicht vereinbar seien. Denn wenn vor-kritische und post-kritische Menschen miteinander sprechen, dann können dieselben Worte verschiedene Bedeutungen und Nuancen haben. Insbesondere für diejenigen, die in der vor-kritischen Phase sind, kann das recht verwirrend sein.

Wenn wir uns in eine neue Phase bewegen, bedeutet das nicht, dass wir unser Verständnis für die vorige Phase oder deren Sprache verlieren; wir tragen sie weiter in uns. So wie manche Menschen mehrsprachig sein können, so können sie auch »mehr-phasig« sein, was die Glaubensphasen anbelangt. Wenn solche mehr-phasigen Menschen sich mit einer Sache des Glaubens auseinandersetzen, haben sie zwei oder mehr Sprachen, in denen sie darüber reden können. Wenn Menschen aus unterschiedlichen Glaubensphasen miteinander in Kontakt kommen, mögen die Kernelemente dieselben sein – z.B. das Leben, die Lehre, der Tod und die Auferstehung Jesu Christi -, aber sie werden unterschiedlich verstanden und ausgedrückt. Der mehrsprachige Ausdruck unseres Glaubens scheint allerdings nur dann zusammenzukommen, wenn wir in der post-kritischen Phase zu Hause sind. Die vor-kritische und hyper-kritische Phase scheinen nicht zueinander zu passen, solange die post-kritische Phase nicht zur Home Base wird. Menschen in der hyper-kritischen Phase begegnen vor-kritischen Ausdrucksformen oft mit Wut und Ablehnung. Wie Öl und Wasser können sie nicht ohne ein drittes Element vermischt werden, das sie verbindet und zusammenhält. Dieses dritte Element ist die Reise in eine post-kritische Ausdrucksform des Glaubens. Um zu lernen, wie man auf die unterschiedlichen Glaubensphasen hört und sie wertschätzt, braucht es nicht nur ein Verständnis davon, wie sich christlicher Glaube normalerweise entwickelt, sondern auch Respekt für die Menschen in jeder Phase. Es braucht Toleranz und Gnade. Diejenigen, die am weitesten gereist sind, müssen gnädig mit denen sein, die bislang eine kürzere Strecke zurückgelegt haben.

Wir brauchen Gemeinden, Gemeinschaften und Gespräche, wo Menschen aus den unterschiedlichen Glaubensphasen zusammenkommen können, um die Einzigartigkeit ihres eigenen Glaubensausdrucks erkennen können und dabei lernen, dass ihr Weg nicht der einzige ist und wie sie einander respektieren können. Wir brauchen nicht nur Stationen auf der Reise, die einzelne Menschen mit einer tiefen Theologie und post-kritischen Ausdrucksformen des Glaubens unterstützen, sondern auch Orte und Räume, wo Menschen aus allen Glaubensphasen zusammenkommen können, wo die Breite der christlichen Reise gefeiert werden kann, wo rohe Anfänger die Weisheit in den Geschichten derer hören können, die im christlichen Glauben weit gereist sind, und wo die Weitgereisten von der Leidenschaft und Überzeugung der Frischlinge ermutigt werden können. In diesen Orten und Räumen können fundamentalistische Absichten abgemildert und die Vielfalt und der Reichtum des christlichen Glaubens von der breiteren Gemeinschaft gesehen und erfahren werden.

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[Chrysalis] Kapitel 11: Stationen auf der Reise – Strategisch sein

11. März 2009

[Das ist der zwölfte Post zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis: The Hidden Transformation in the Journey of Faith.]
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In der post-kritischen Phase ihres Glaubenslebens binden sich viele Christen nicht mehr im selben Maß an eine Gemeinde, wie das zuvor der Fall war. Dies liegt daran, dass sie jetzt etwas anderes brauchen, um ihren Glauben zu nähren, als vorher. Die Zahl der Umfelder, aus denen sie Kraft ziehen und an die sie sich hingeben, ist gewachsen, und ihre Loyalität ist jetzt nicht mehr nur lokal, sondern global verortet. Sie sind zu Wandernden geworden, die nach einem kulturell relevanten christlichen Glauben suchen und auf ihrer Reise Stationen brauchen, an denen ihr Glaube gefördert, gegründet und entwickelt wird. Solche Stationen sind Räume, die es zulassen, dass einzelne Menschen ihre eigene Glaubensgeschichte und die Geschichten der christlichen und biblischen Tradition im Kontext ihrer Gemeinschaften ernst nehmen. Ob es sich bei diesen Stationen auf dem Weg nun um Gemeinden, para-gemeindliche Gruppen, Kleingruppen, Hauskirchen, Webseiten oder Blogs handelt – sie haben Folgendes gemeinsam:

  • sie sind leicht zugänglich und heißen Menschen willkommen
  • Geschichten von Menschen und ihrer Gemeinschaft über Gott und Wahrheit werden erzählt und gehört
  • Raum für Diskussion, unterschiedliche Ansichten, verschiedene Verstehensweisen und variierende Erfahrungen
  • sie nehmen heilige Texte ernst, setzen sich mit ihnen auseinander und lassen sich von ihnen leiten und ermutigen
  • tiefe Brunnen der Spiritualität werden gegraben und geteilte Rhythmen von Gebet und Kontemplation werden praktiziert
  • Marginalisierte erfahren praktisches Mitgefühl, soziale Gerechtigkeit wird aktiv angestrebt und die Stummen bekommen eine Stimme
  • Wanderer können sich für eine gewisse Zeit (Stunden, Tage, Monate) zugehörig oder für immer zu Hause fühlen
  • Respekt und Ehrerbietung für die Reise anderer ist spürbar

Stationen am Weg sind nicht das Zuhause. Das können Gemeinden, christliche Gemeinschaften oder Gruppen für die Leute sein, die sie zu ihrer Home Base gemacht haben; aber für viele Wanderer in der post-kritischen Glaubensphase werden sie zu einem Ort, wo sie anhalten können und erfrischt werden, bevor es wieder weiter geht. Für diejenigen, die den Kern dieser Gemeinden, Gemeinschaften und Gruppen ausmachen, kann das schwer zu akzeptieren sein. Menschen kommen und Menschen gehen. Die überwiegende Mehrheit wird nur kurz hier sein oder bestenfalls unregelmäßig zu Besuch kommen. Wenn wir Institutionen zu errichten versuchen statt einzelne Menschen zu unterstützen, dann wird uns ihr flüchtiges Wesen entmutigen. Aber eine Station auf dem Weg zu sein, bedeutet, die Mentalität eines Gastwirts zu haben, der eine Übernachtung mit Frühstück anbietet.

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[Chrysalis] Kapitel 10 – Zurück schauen – Das Ganze sehen

11. März 2009

[Das ist der elfte Post zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis: The Hidden Transformation in the Journey of Faith.]
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Wie im ersten Kapitel angedeutet wurde, gibt es einige Möglichkeiten, die verändernde Natur des christlichen Glaubens zu beschreiben. Für viele Menschen stellt sich der Kern der Glaubensentwicklung erwachsener Menschen als Einladung dar, sich von vor-kritischen Formen des Glaubens durch die Erfahrung einer dunklen Nacht zu einem nach-kritischen Glauben zu bewegen – eine prä-kritische, eine hyper-kritische und eine post-kritische Phase. Die entscheidende Metamorphose geschieht in der hyper-kritischen Chrysalis-Phase. Dies ist die Reise…

  • von einem Schwarz-Weiß-Glauben zu einem post-kritischen Glauben der alle Graustufen annimmt
  • von Abhängigkeit über eine Hyper-Unabhängigkeit zu einer wachsenden gegenseitigen Abhängigkeit, die sich durch Demut, Verletzlichkeit und tiefe Verbundenheit auszeichnet
  • zur Annahme von Geheimnissen, Widersprüchen und einem kindlichen Staunen voller Freude
  • zu einem tiefen Verständnis von Gott, der sich über uns freut und uns annimmt, so dass wir einfach nur sein können
  • zur neuen Selbsthingabe für andere
  • zu einer wachsenden Annahme und Aufnahme von Stimmen, die sowohl aus unserem Innern kommen, als auch von Außen zu uns reden
  • von einem mühsamen Glauben über einen zweifelnden Glauben zu einem bedachten Glauben
  • zu einem Glauben, der sowohl im Herz Marias als auch in den Händen Marthas Ausdruck findet
  • zur Annahme gemeinschaftlicher Wahrheit, symbolischer Wahrheit und paradoxer Wahrheit

Von denen, die zur Chrysalis-Phase eingeladen oder getrieben werden, kommen zu wenige aus der Dunkelheit zu einem stärkeren persönlichen Glauben. Zu viele verlieren ihren Glauben oder behalten nur einen Schatten ihres früheren Glaubens, der ihr Leben schwer motivieren, stützen und formen kann. Die Veränderungen von einer Phase zur anderen können für die beteiligte Person sehr schwer sein und es kann so aussehen, als ob ihr Glaube zerstört werden würde. Dieses Gefühl kann lange andauern, meistens sind es eher Jahre als Monate. Weil die Übergänge zwischen den Stufen oft so schwer, schmerzvoll und langwierig sind, bleiben manche mitten im Übergang stecken. Professor James Fowler geht davon aus, dass jede Stufe des Glaubens von einer Veränderung in jedem der folgenden Bereiche gekennzeichnet ist:

  • wie die Person ihren Glauben denkt und versteht
  • der Grad, zu dem sie die Standpunkte anderer gut heißen kann
  • wie sie zu moralischen Urteilen und Entscheidungen kommt
  • wie und in welchem Ausmaß sie Grenzen um ihre Glaubensgemeinschaft zieht
  • ihre Beziehung zu externen Autoritäten und deren Wahrheitsansprüchen
  • wie sie Symbole und Metaphern versteht und auf sie reagiert

Er fand ihn in der Wüste,
in der dürren Einöde sah er ihn.
Er umfing ihn und hatte Acht auf ihn.
Er behütete ihn wie seinen Augapfel.
(Deut 32,10)

Ich will dir heimliche Schätze geben und verborgene Kleinode,
damit du erkennst, dass ich der HERR bin, der dich beim Namen ruft, der Gott Israels.
(Jes 45,3)

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[Chrysalis] Kapitel 9: Schmetterlingseffekt – Fliegen

10. März 2009

[Das ist der zehnte Post zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis: The Hidden Transformation in the Journey of Faith.]
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Teresa von Avila erinnert uns daran, dass wir, wenn wir aus dem Kokon herausgekommen sind, einen post-kritischen Glauben leben müssen. Das bedeutet, dass die Art wie wir beten, anbeten, studieren, dienen und mitwirken sich in unserer Erfahrung der Chrysalis verändert hat. Wir können nicht mehr zur alten Weise des Betens oder irgendeines anderen Aspekts des christlichen Lebens zurück – genauso wenig wie ein Schmetterling wieder zur Raupe werden kann. Den Glauben wieder so leben zu wollen wie früher ist kontraproduktiv. Vielleicht spüren wir diese Veränderung am schärfsten in dem Bedürfnis, neue Wege des Betens zu finden.

Gebet
Wie auch immer wir das Gebet beschreiben, jedenfalls stellen wir fest, dass nach unserer Chrysalis-Phase Zeiten der Reflexion, Kontemplation und Stille äußert wichtig für uns sind. Auf diese Weise finden wir Zugang zum Geist Gottes, um gut zu leben. Nach den Veränderungen, die die dunkle Nacht in unserem Glauben hervorgebracht hat, sind wir für ein gewissenhaftes Leben von der beständigen inneren Erneuerung durch Gebet abhängig. Von jetzt an kann Gebet nicht mehr vorgetäuscht werden, weil unser bloßes Überleben davon abhängt.

Gebet, das verbindet
Während wir es lernen, mit dem Geist Gottes in Verbindung zu kommen, lernen wir, im Einklang mit dem Geist zu handeln. Während unsere Taten vielleicht klein sein und uns unbedeutend erscheinen mögen, haben sie geheimnisvolle Auswirkungen, wenn sie in Verbindung mit dem Werk des Heiligen Geistes geschehen. Unser Verständnis unseres Leben hat sich nach der dunklen Nacht gewandelt, wie Gerald May schreibt:

Die grundlegendste Veränderung, die der Geist in der passiven Nacht an uns wirkt, ist das Verschwimmen unseres Glaubens daran, dass wir von Gott, von anderen Menschen und vom Rest der Schöpfung getrennt sind. Mehr und mehr fühlen wir uns als Teil von allen Dingen.

Dieses tiefe Gefühl des Miteinander-Verbundenseins führt meist eine Sehnsucht unseres Herzens nach solcherart Gebet, Kontemplation oder Reflexion mit sich, die dieses Gefühl der Verbundenheit verstärken.

Gebet, das wahrnimmt
Gebet kann viele Formen haben, aber sein Selbst zu zentrieren und in eine tiefe Verbindung zu kommen, ist ein Verlangen, das fast nur nach der Chrysalis-Phase zu wachsen scheint. Während sich diese Art des Betens entwickelt, wächst auch die Fähigkeit, das wahrzunehmen, was zuvor verborgen war. Das gilt z.B. für das, was hinter den Handlungen anderer Menschen liegt und sie motiviert. Wer sich mit dem eigenen Leid, Schmerz, Enttäuschen und oft auch Versagen auseinandergesetzt hat, ist sich seiner eigenen Menschlichkeit zutiefst bewusst, was zur Verbindung mit dem Menschsein anderer befähigt. Darum sind Post-Chrysalis-Menschen in der Lage, mit anderen an schmerzvollen Orten zu sitzen. Sie lassen sich von den Lebenserfahrungen, dem Kummer und den Glaubensüberzeugungen anderer weniger einschüchtern und brauchen weder sich selbst noch ihren Glauben zu beschützen. Es fällt ihnen leichter, andere zu begleiten und deren wahre Bedürfnisse – insbesondere nach Liebe und Annahme – zu erkennen. In ihrem gemeinsamen Menschsein kann eine Verbindung entstehen, die die Grenzen unterschiedlicher Handlungsmuster und Glaubensüberzeugungen überwindet.

Gebet, um unseren Weg zu finden
In dem Geheimnis dessen, was während unserer Phasen der dunklen Nacht mit uns geschieht, werden wir verändert. Oft ist es ein Teil dieses Transformationsprozesses, dass wir die geheimnisvolle Gabe eines inneren Kompasses erhalten – ein Bauchgefühl für das, was wir tun sollten. Es braucht echten Mut, loszulaufen und auf unseren inneren Kompass zu vertrauen: den tiefen Ort, an dem wir Gott begegnet sind und das Gefühl dessen, wer zu sein wir berufen sind, das von tief in uns an die Oberfläche kam.

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[Chrysalis] Kapitel 8: Imago – Sein

10. März 2009

[Das ist der neunte Post zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis: The Hidden Transformation in the Journey of Faith.]
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Auf unserer Glaubensreise werden wir nach den Veränderungen in der Wüste mehr und mehr zu den Menschen, zu denen wir bestimmt wurden. Unser Bild, das imago, das Gott uns gegeben hat, fängt an, durchzuscheinen. Wir werden, was zu werden wir berufen wurden. Dies ist die Phase des Seins, in der unseren Glauben zu leben weniger sich darin zeigt, was wir tun, sondern vielmehr zu einem Ausdruck unseres Selbstseins wird. Was in der Dunkelheit und Abgeschiedenheit im Verborgenen geformt wurde, wird jetzt im Licht anderen und der Welt angeboten. An jeden von uns ergeht die Einladung, jenseits unserer Chrysalis-Phase der Veränderung die Gabe zu leben, die Gott uns gegeben hat. Es ist die Einladung, die Gabe zu leben, die uns in unserer Chrysalis des Glaubens eingehaucht wurde. Es ist die Einladung, unser neues Leben, unsere neue Energie und Vision sehen zu lassen, sie zu riskieren und anderen anzubieten. Das muß natürlich nicht bedeuten, dass wir unsere Arbeitsstelle oder unseren Beruf wechseln. Es geht darum, zu sein, wer wird sind und unsere Gabe zu leben, und das kann sich genauso gut auch in unserer Familie, Gemeinde oder an unserem derzeitigen Arbeitsplatz ausdrücken. Der Kontext ist weniger wichtig als die Einladung, zu sein und den Traum zu leben, die Vision des neuen Lebens zu leben, die uns während unserer Veränderung im Kokon zuteil wurde. Oft ist die Einladung zu einer neuen Weise des Seins gar keine neue Einladung. Es kann sich auch um etwas handeln, dass seit langer Zeit in uns pulsiert. Es könnte ein Traum sein, der latent in unserem Sein lag oder ein Traum, dem wir bereits gefolgt sind und in den umfassender und kompromissloser einzutreten wir nun eingeladen werden.

Unsere Wahrheit leben
Es braucht Mut und Stärke, unsere Wahrheit voll Überzeugung und Anmut zu leben. Diese Reife christlichen Lebens kann sowohl stark als auch anmutig sein, weil sie im Kokon von der Liebe Gottes verwundet wurde und nun durch diese Gnade für immer gezeichnet ist.

In unserer eigenen Haut leben
Dies ist die Einladung, unsere eigene Berufung zu leben, weil wir wissen, dass wir nicht berufen sind, jemand anderes zu sein, sondern voll und ganz wir selbst. Das historische christliche Verständnis hatte ein Wort für dieses neue, einzigartige Selbstsein: Charisma. In den Schriften des Apostels Paulus hat dieser Begriff eine doppelte Bedeutung. Er bezeichnet im breiteren Sinne die „Gabe“ des christlichen Lebens und im engeren Sinne eine spezifische „Begabung“. Darum ist ein Charisma eine lebende Gabe, der Atem des Schöpfergeistes in Einzelpersonen oder Gruppen.

Gütig und anmutig leben
Unsere Berufung zu leben, ist wie eine anmutige Tänzerin zu sein, die sich gemäß dem Ruf und Rhythmus ihrer inneren Musik bewegt. Nach der Chrysalis-Phase kann man den Tanz des Glaubens wahrhaftig als anmutig bezeichnen. Das bedeutendste Kennzeichen eines solchen Glaubens ist seine Güte. Während jeder eine einzigartige und sehr persönliche Chrysalis-Zeit hat, ist doch jede Wüstenerfahrung und jede dunkle Nacht der Seele von einer universellen Eigenschaft gekennzeichnet. Das ist die Erfahrung, von der Gnade berührt zu werden, dieser nicht selbst erwirtschafteten, unverdienten Annahme und Liebe Gottes. In unseren persönlichen Zeiten in der Wildnis verstehen wir solche Gnade nicht mehr länger nur begrifflich, sondern erfahren sie intensiv und persönlich. Im dunkelsten Augenblick unserer dunklen Nacht erkennen wir, dass wir gehalten werden; wir gehören und wir sind angenommen. Das ist etwas, das persönlich erfahren worden sein muss, um ausgelebt werden zu können. In unseren tiefsten und dunkelsten Bereichen wirkt der Geist Gottes, und das verändert uns umfassend und unumkehrbar. Menschen, die die Chrysalis-Phase hinter sich haben, tun viele unterschiedliche Dinge, leben verschiedene Berufungen und füllen unterschiedliche Rollen aus. Gemeinsam werden sie aber von der Güte in dem, was sie tun, gekennzeichnet. Sie handeln barmherzig und voll Mitgefühl. Richard Rohr fasst zusammen, was es bedeutet, in unserer eigenen Haut zu leben, unsere eigene Wahrheit zu leben und gnaden-voll zu leben:

Reife Christen leben aus Glauben, nicht aus Gewißheit. Sie sind zufrieden in ihrer eigenen Haut. Sie sind ruhige, abgerundete Menschen, sie haben ein Verständnis davon, wer sie sind. Nicht, dass sie komplett unabhängig in sich selbst wären, aber sie wissen, was sie nicht wissen. Sie sind ganz gegenwärtig und widmen der Welt, wie sie ist, ihre Aufmerksamkeit. Bei ihnen fühlst Du Dich sicher; sie bedrohen Dich nicht und Du hast keine Angst vor ihnen. Gewalt ist ihnen zuwider. Sie sind keine Fanatiker oder Leute, für die nur eine einzige Sache zählt.

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