Foster: Das Examen-Gebet
15. Januar 2007
{Dies ist der sechste Post zu Richard Fosters Buch “Prayer: Finding the heart’s true home”. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5}
Das Examen-Gebet besteht aus zwei grundlegenden Aspekten, wie die beiden Seiten einer Tür. Der erste besteht aus einem Examen/einer Prüfung/Untersuchung des Bewußtseins, wodurch wir herausfinden, auf welche Weise uns Gott im Lauf des Tages nahe war und wie wir auf seine liebende Gegenwart reagiert haben. Der zweite Aspekt besteht aus dem Examen des Gewissens, durch das wir diejenigen Bereiche aufdecken, die Reinigung und Heilung benötigen.
Durch das Examen des Bewußtseins wirkt Gott darauf hin, daß wir unserer Umgebung mehr gewahr werden. Gott will, daß wir dort, wo wir sind, ganz gegenwärtig sind. Er lädt uns dazu ein, unsere Umgebung zu sehen und auf sie zu lauschen, und darin die Fußspuren des Heiligen zu entdecken. Im Examen des Bewußtseins erinnern wir uns daran, wo und wie Gott uns begegnet ist.
Im Examen des Gewissens laden wir den Herrn ein, unsere Herzen in der Tiefe zu erforschen. Ohne Entschuldigung, Rechfertigung oder Ausrede bitten wir darum, erkennen zu können, was wirklich in uns ist. Diese Prüfung des Gewissens geschieht gemeinsam mit Gott. Er zeigt uns, was wir sehen sollen, dann, wenn wir es sehen sollen.
Das Examen-Gebet bringt in uns die kostbare Gnade der Selbsterkenntnis hervor. Wir dürfen die Tiefe des Bösen in uns weder verleugnen noch ignorieren, denn unsere Sündhaftigkeit wird paradoxerweise zu unserem Brot. Wenn wir das Böse in uns ehrlich als Teil der Wahrheit über uns selbst akzeptieren, und Gott diese Wahrheit darbringen, werden wir auf geheimnisvolle Weise ernährt. Selbst die Wahrheit über unsere Schattenseite macht uns frei (Joh 8,32). Durch den Glauben führt uns Selbsterkenntnis zur Selbstannahme und Selbstliebe, die von Gottes Annahme und Liebe her ihr Leben erhalten.
Wir begeben uns nicht auf eine Reise in uns selbst, sondern eine Reise durch uns selbst hindurch, damit wir aus der Tiefe unseres Selbst in Gott hinein hervortreten können. Wie Johannes Chrysostomos schrieb: “Finde die Tür zu Deinem Herzen, und Du wirst feststellen, daß es sich dabei um die Tür zum Königreich Gottes handelt.”
Eine Weise, das Examen des Bewußtseins zu beginnen, ist das Führen eines geistlichen Tagebuchs. Indem wir über die äußerlichen Geschehnisse nachdenken, verstehen wir das Wirken Gottes in der Tiefe unseres Herzens.
Kostbarer Retter,
warum fürchte ich mich davor, von Dir durchforscht zu werden?
Dein Examen ist ein Examen der Liebe.
Trotzdem habe ich Angst, fürchte mich vor dem, was zutage treten könnte.
Dennoch lade ich Dich ein, mich in der Tiefe zu erforschen, damit ich mich selbst – und Dich – in höherem Grade erkennen möge.
Amen.



















































