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[Forgotten Ways] Jünger machen

5. März 2007

{Dies ist nach längerer Abstinenz nun der siebte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6}

Der größte Beweis des Christentums für andere ist nicht, in welchem Grade jemand seine Gründe für den Glauben logisch analysieren kann, sondern in welchem Grade seine Lebenspraxis seinem Glauben entspricht. (T. S. Eliot)

Alle Elemente missionaler DNA gehören zusammen und müssen signifikant präsent sein, wenn sich Apostolischer Genius manifestieren soll, aber meine Erfahrung deutet darauf hin, daß das Element der Jüngerschaft bzw. das Machen von Jüngern vielleicht der entscheidendste Baustein ist, weil es dabei um die Verkörperung der Botschaft des Gründers Jesus geht. Wenn wir hier versagen, werden wir auch in allen anderen Bereichen scheitern. Indem Jesus sein Leben in seine Nachfolger investiert und seine Lehre in ihnen verankert hat, hat er sie zu authentischen Jüngern entwickelt und die ganze christliche Bewegung gegründet, die sich durch die Jahrhunderte hindurch verbreitet hat und zur bedeutsamsten religiösen Bewegung geworden ist. Wenn ich mir die wichtigsten Jesus-Bewegungen der Geschichte ansehen, dann scheinen sie nur Systeme zum Jünger-Machen zu sein – und sie scheinen niemals mehr sein zu wollen. Jüngerschaft ist gleichzeitig Ausgangspunkt, strategische Praxis und auch Schlüssel zu nachhaltigem missionalen Einfluß in und durch Bewegungen. Für den Nachfolger Jesu ist Jüngerschaft nicht der erste Schritt zu einer verheißungsvollen Karriere. Es ist die Erfüllung seiner Bestimmung. Wir hören nicht auf, Jünger-auf-dem-Weg zu sein.

In der westlichen Kirche haben wir im Großen und Ganzen die Kunst des Jünger-Machens verlernt. Das liegt daran, daß wir Jüngerschaft einfach auf eine intellektuelle Anpassung an gewisse Anschauungen reduziert haben, andererseits weil wir immer noch in einem dem Christendom entstammten Gemeindeverständnis verhaftet sind und letztens, weil der Konsumismus unserer Tage sich gegen eine echte Nachfolge Jesu wehrt und meines Erachtens die größte Herausforderung für die Lebensfähigkeit unseres Glaubens darstellt.

Bis zur Zeit der Aufklärung spielte die Kirche die dominierende Rolle bei der Vermittlung von Identität, Sinn und Bedeutung des Lebens. Dies wurde beendet durch den Aufstieg von

  • Kapitalismus und freiem Markt als Wertevermittler,
  • Nationalstaaten als Mittler von Schutz und Versorgung,
  • Wissenschaft als Vermittler von Wahrheit und Erkenntnis.

Diese wurden zum öffentlichen Raum und Religion wurde in den privaten Raum privater Meinung, persönlicher Werte und individuellen Geschmacks abgeschoben. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatten diese Gewalten die Kirche in unserer Kultur ersetzt. Die Hegemonie von Wirtschaft, Staat und Wissenschaft in unserem Leben läßt sich kaum bezweifeln. An diesen Orten finden die Menschen Sinn und Bedeutung. Damit ist die Gemeinde gezwungen, in einen Konkurrenzkampf mit all den anderen Ideologien und -ismen auf dem Markt der Religionen einzutreten – und sie muß dies auf eine Weise tun, die der Dynamik des Marktplatzes entspricht, denn das ist die Basis, auf der die Menschen die zahllosen Entscheidungen ihres täglichen Lebens treffen. So ist die Kirche zu einem bloßen Anbieter religiöser Güter und Dienstleistungen verkommen. Und die Endverbraucher des kirchlichen Dienste (also wir) rutschen leicht in die Rolle individualistischer Konsumenten, welche diejenigen religiösen Güter und Dienstleister verzehren, die der neueste und beste Anbieter zur Verfügung stellt. Anbetung verkommt zum Entertainment, das darauf abzielt, den Teilnehmern transzendente Hochgefühle zu verschaffen. Unter dem Einfluß des Gemeindewachstumsdenkens hat der Konsumismus weiter zugenommen. 90% oder mehr der Menschen, die unsere Gottesdienste besuchen, sind passive, konsumistische Empfänger der religiösen Güter und Dienstleistungen, die ihnen meist von Professionellen übermittelt werden.

Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß wir uns einfach nicht in die Nachfolge konsumieren können. Konsumismus, wie er im heutigen Alltag erfahren wird, und Jüngerschaft, wie sie in der Heiligen Schrift verstanden wird, stehen miteinander auf Kriegsfuß. Beide trachten nach der Herrschaft über unser Leben; im Marketing wird es nur als „Markentreue“ bezeichnet. Jesus kannte die Unsicherheit der Menschen und sagte:

Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. (Mt 6,31-33)

Konsumdenken ist durch und durch heidnisch. Nach dem allen trachten die Heiden. Einer der anziehendsten religiösen Anreize des Konsumismus ist das Versprechen neuer Unmittelbarkeit, eine lebende Alternative zu dem, wofür in der jüdisch-christlichen Tradition der Himmel stand – die Erfüllung all unserer Sehnsüchte. Uns stehen Erfahrungen und Angebote zur Verfügung, die in früheren Zeiten nur für Könige erreichbar waren. Wir bekommen den Himmel auf Erden angeboten und geben die letzte Suche auf für das, was sofort konsumiert werden kann – sei es eine Dienstleistung, ein Produkt oder eine pseudo-religiöse Erfahrung. Konsumismus trägt alle Züge vollständigen Heidentums – wir müssen ihn als das erkennen, was er in Wirklichkeit ist.

Wir sehen uns also zwei Möglichkeiten gegenüber:

  1. Wir „taufen“ die Rhythmen und Strukturen des Konsumismus.
  2. Wir bringen eine tiefgründige prophetische Herausforderung für die allumfassende Kontrolle des Konsumismus über unser Leben in Gang.

Diese beiden Alternativen werden zu unserer missionalen Herausforderung. Eine der effektiveren, gegen die Kultur gerichteten Weisen, auf die Nachfolger Jesu andere zu Jüngern machen, ist das neue Interesse an missionalen und monastischen Ordensgemeinschaften.

Warum ist Jüngerschaft ein so entscheidendes, vielleicht sogar das zentrale Element missionaler DNA im Apostolischen Genius? Wie David Bosch richtig bemerkte, wird Jüngerschaft vom Verhältnis zu Christus determiniert und nicht von bloßer Konformität mit unpersönlichen Geboten. Ihr Kontext ist nicht das Klassenzimmer (wo normalerweise gelehrt wird) oder die Kirche, sondern die Welt.

Es ist die Strategie Jesu, viele kleine Ausgaben von ihm selbst zu schaffen, die jeden Winkel der Gesellschaft durchdringen, indem sie ihn an jedem Ort der Welt in seinem Volk und durch sein Volk vervielfältigen. Jesus verkörpert nicht nur Gott in unserem Bereich, sondern stellt auch das Bild des vollkommenen menschlichen Wesens dar. Aber die Beziehung zwischen Christus und seinem Volk geht noch tiefer. Unsere mystische Verbindung mit Christus und sein Innewohnen in uns liegt im eigentlichen Kern der christlichen Gotteserfahrung – das zeigt sich an allem, was Paulus über das Sein „in Christus“ und Johannes über das „Bleiben in Christus“ lehren. Alle geistlichen Übungen haben nur ein Ziel mit uns: Christusähnlichkeit. Mutter Teresa werden die folgenden Worte zugeschrieben:

„Wir müssen heilig werden, nicht, weil wir uns heilig fühlen wollen, sondern weil Christus in der Lage sein muß, sein Leben völlig in uns zu leben.“

Auf eine sehr reale und ernüchternde Weise müssen wir für die Menschen um uns das Evangelium werden – eine Ausdrucksform des wirklichen Jesus durch die Qualität unseres Lebens. Wir müssen unsere Wahrheiten leben. Oder, wie Paulus sagt, wir selbst sind lebendige Briefe, deren Botschaft beständig von anderen gelesen wird (2Kor 3,1-3). Wir selbst müssen das Vorbild Christi verkörpern. Dies ist nicht nur existentiell notwendig für ein authentisches Leben, sondern auch absolut entscheidend sowohl für die Weitergabe des Evangeliums über uns hinaus, als auch für das In-Gang-Bringen und Überleben missionaler Bewegungen. Es ist entscheidend für die Authentizität und Lebenskraft der Mission der Kirche.

Weil die Apostel die Wächter der DNA von Gottes Volk waren, mußten sie ihr Augenmerk auf die Verkörperung des Evangeliums als lebende Integrität in ihrem Leben legen, damit die Botschaft eine nachhaltige Wirkung haben konnte. Diese Konsistenz zwischen Botschaft und Boten verlieh der apostolischen Botschaft das Echtheitszertifikat und erwirkte Empfangsbereitschaft in den Ohren der Hörer. Die Lehre muß im Leben der Nachfolger verkörpert werden, und dies kann nur durch die jüngernde Beziehung geschehen.

Die Quelle wahrer geistlicher Kraft liegt nicht in äußeren Dingen, sondern in der Verbindung von Berufung, Begabung und persönlicher Integrität. Die Qualität der Leiterschaft der Gemeinde ist proportional zur Qualität der Jüngerschaft. Wenn wir daran scheitern, Jünger zu machen, werden werden wir auch bei der Leiterschaftsentwicklung versagen. Wenn wir eine wahrhaft missionale Leiterschaft entwickeln und erzeugen wollen, müssen wir in den frühen Phasen der Jüngerschaft den Samen der Hingabe an die Mission Gottes in der Welt säen. Wir können einfach keine missionale Leiterschaft erschaffen, wenn die DNA missionaler Leiterschaft nicht zuvor im Samen der Jüngerschaft niedergelegt wurde. Und genauso hat Jesus Jüngerschaft praktiziert: Er organisierte sie um Mission herum. Direkt nach ihrer Berufung nahm er die Jünger mit auf eine abenteuerliche Reise der Mission, des Dienstes und des Lernens. Auf Anhieb werden sie in die Verkündigung des Reiches Gottes, das Austreiben von Dämonen, den Dienst an Armen und die Heilung von Kranken miteinbezogen. Wenn wir dem zustimmen, daß Jesus das vorrangige Muster der Gemeinde für das Zu-Jüngern-Machen formt, dann müssen wir sagen, daß Jüngerschaft unsere Kernaufgabe ist. Wenn aber das Jünger-Machen im Herzen unseres Auftrages liegt, dann müssen wir es um Mission herum organisieren, denn Mission ist das katalysierende Prinzip der Jüngerschaft. In Jesus sind sie untrennbar verbunden.

Wir brauchen missionale Leiterschaft. Das Problem ist, daß die meisten unserer Ausbildungseinrichtungen eine Art Leiter hervorbringen, die mehr auf Erhaltung bedacht ist. Um diese These zu beweisen, genügt ein Blick auf die Fächer, die gelehrt werden, und die Dozenten, die sie lehren. Dazu kommt, daß der Leiter in spe aus seinem normalen Leben und Dienst entfernt wird, um in einer abgeschiedenen Umgebung zu studieren – und das oft für viele Jahre. Und auch wenn die Mehrheit dessen, was gelehrt und gelernt wird, brauchbar und korrekt ist, so ist doch der Prozeß der Sozialisation, den ein Student auf diese Weise durchläuft, gefährlich für die Jüngerschaft. Im Endeffekt wird er aus dem alltäglichen Leben gelöst und entwickelt eine Denk- und Ausdrucksweise, die außerhalb seiner Bildungsanstalt selten verstanden und verwendet wird.

Wenn Jüngerschaft primär damit zu tun hat, wie Jesus zu werden, dann kann das nicht durch bloßen Informationstransfer außerhalb des Kontextes normalen Lebens geschehen. Ich glaube einfach nicht, daß wir damit weitermachen können, uns in eine neue Art des Handelns hinein zu denken, sondern wir müssen durch unser Handeln in eine neue Weise des Denkens hineinkommen. Das hellenistische Verständnis von Erkenntnis beschäftigt sich mit Konzepten, Vorstellungen, der Natur des Seins, Formen etc. Die Hebräische Sicht konzentriert sich primär auf Fragen der konkreten Existenz, auf das Leben gerichteter Weisheit und der Wechselbeziehungen aller Dinge unter Gott. Der hellenistische Ansatz kann also als Versuch bezeichnet werden, vom Denken zu einer neuen Art des Handelns zu kommen. Erfahrung und Geschichte zeigen das Scheitern dieses Denkens. So lassen sich keine Jünger machen. Wir ändern die Art, wie eine Person denkt, aber ihr Verhalten bleibt meist unberührt. Es ist wirklich schwer, das Verhalten nur durch neue Gedanken zu verändern, weil unser Verhalten meist Gewohnheiten, Erziehung, kulturellen Normen und falschen Denkmustern entspringt, die tief in uns verankert sind. Auch wenn neue Einsichten notwendig für Veränderung sind, so werden wir doch bald herausfinden, daß es mehr als neues Denken braucht, um uns zu verändern. Jeder, der einmal gegen eine Sucht angekämpft hat, weiß das.

Jünger-Machen gelingt am Besten mit dem Heräbischen Verständnis von Erkenntnis. Wir müssen die ganze Person in Betracht ziehen, wenn wenn wir sie transformieren wollen. Wir müssen die Menschen im Kontext des Lebens für das Leben ausbilden. Das ist die Art, die Jesus gewählt hat: Durch Handeln zu neuem Denken kommen. Genauso hat Jesus seine Jünger geformt. Sie haben nicht nur mit ihm gelebt und ihn in allen möglichen Lebenslagen beobachten können, sondern auch mit ihm gedient, Fehler gemacht, sind von ihm berichtigt worden – und all das im Kontext des alltäglichen Lebens.

Egal ob wir altes Denken und altes Verhalten oder neues Denken und altes Verhalten vorfinden, es geht immer darum, Aktion in die Gleichung miteinzubeziehen. Menschliche Wesen sind empfindungsfähige, denkende Geschöpfe mit dem tiefen Wunsch, die Welt und das Leben zu verstehen. Darum neigen wir dazu, Dinge unterwegs zu verarbeiten. Wir denken, während wir handeln, und wir handeln, während wir denken. Das ist genau die Weise, auf die wir alle gelernt haben zu laufen, zu reden, uns mit anderen zu verbinden und logisch zu denken.

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