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Exiles – Epilog

31. Dezember 2006

{Das ist der fünfzehnte Post zu Michael Frost’s Exiles: Living Missionally in a Post-Christian Culture. Die Vorgängerposts: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14}

Die Rolle des Johannes als Vorläufer Jesu ist wohlbekannt, eine Rolle, durch die er die Verheißung erfüllt, daß ein von Jahve gesandter Bote den Weg für das Kommen des Herrn vorbereiten würde. Johannes predigte die Taufe der Umkehr, ein seiner Zuhörerschaft nicht ganz unbekanntes Konzept, obwohl sie die Taufe vorrangig für zum Judentum bekehrte Nichtjuden kannten. Worum ging es Johannes? Und warum gebrauchte er den Fluß Jordan? Nun, es benötigt einen Exilanten, um die Wichtigkeit dieses Augenblicks der Geschichte zu verstehen.

Wie wir wissen entließ der babylonische Herrscher Cyrus die ersten der jüdischen Exilanten zur Rückkehr in das Land ihrer Vorfahren im Jahr 537 v. Chr. Sofort errichteten sie in den Ruinen Jerusalems einen Altar und legten das Fundament für einen neuen Tempel. Mehr als zehn Jahre später wurden die jüdischen Leiter Esra und Nehmemia während der Amtszeit des Artaxerxes nach Jerusalem gesandt, um die die Bildung des neuen Staates zu verwalten. Das Exil war vorbei. Israel sollte wieder erbaut werden. Für alle Exilanten, die sich so sehr nach der Wiedererrichtung des Tempels und der Freiheit für Gottes Volk gesehnt hatten, war das der Augenblick, auf den sie gewartet hatten. Aber dieser Moment wurde erst dann richtig wahr, als die schließlich den Jordan überquerten und in die Heimat zurückkehrten.

Das ist es, was den Dienst von Johannes so kraftvoll macht. Zu seiner Zeit, mehr als vierhundert Jahre nach Esra, wurde Israel erneut in Gefangenschaft gehalten. Dieses Mal geschah das nicht auf fremder Erde, sondern sie waren Gefangene eines Eindringlings, der jetzt alle Länder westlich des Jordans besetzte. Die römische Besatzung wahr in jeder Hinsicht ein ebensolches Exil wie es die bittere Erfahrung in Persien gewesen war, und die Sehnsucht nach Freiheit war nicht weniger groß, als sie damals zur Zeit des Kyrus gewesen war. Die Juden träumten von einem Tag, an dem sie erneut den Jordan überqueren konnten – dieses Mal in metaphorischer Weise – und wieder zuhause wären. Nun ertönt eine Stimme in der Wüste, wie es der exilische [Anm. DoSi: Darüber läßt sich streiten, hehe...] Prophet Jesaja angekündigt hatte, und verlangt, daß Israel sich für das Kommen seines Befreiers bereit macht. Die Taufe des Johannes war ein Aufruf an die Juden, sich geistlich auf das Ende ihres Exils vorzubereiten. Indem sie ihre Sünden bekannten und für ihre Verbrechen Buße taten, führte sie Johannes über den Jordan und bereitete sie darauf vor, in Freiheit, Gnade und Intimität mit Jahve nach Hause zu kommen. Das vorbereitende Werk des Johannes ist es, die Herzen der Menschen auf ihre Heimat zu lenken. Damit, wenn Jesus kommt und die Vergebung der Sünden verkündigt, diejenigen, die sich nach der Heimat sehnen, erkennen werden, daß ihr Exil von Gott jetzt in Christus endet.

Unsere Sünden wurden vergeben. Die Kluft, die uns von unserer Heimat bei Gott, trennt, wurde geschlossen. Das ist die gute Nachricht, von der Jesus so frei sprach und die er so mächtig in Wort, Tat und Symbol demonstrierte. Unser Exil von Gott ist vorbei. Wir haben den Jordan überquert und sind dahin zurückgekehrt, wo wir hingehören.

In all unserem Reden von Exilanten in einem Imperium nach Christendom dürfen wir die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, daß wir unseren Weg nach Hause tatsächlich gefunden haben, dorthin geleitet von unserem vertrauenswürdigen Führer und Retter, Jesus. Auch wenn usnere Kultur so weit von den Dingen Gottes abgekommen ist wie Babylon oder Rom, liegt unsere Staatsangehörigkeit jenseits des Jordans. Wir tragen unsere Heimat in unseren Herzen. Denn unsere Heimat ist dieser Ort der Versöhnung mit Gott, die durch Jesu Werk am Kreuz und in seiner Auferstehung möglich gemacht wurde.

Darum bleib dran, Exilant. Halte an diesen gefährlichen Erinnerungen Gottes fest. Mach auch weiterhin diese gefährlichen Versprechungen. Übe weiterhin diese gefährliche Kritik am Host-Imperium. Singe weiterhin dise gefährlichen Lieder. Unser Tag wird kommen. In der Zwischenzeit, bleib in der Balance. Und halte in Deinem Innern die Hoffnung fest, daß Heimat in der Gegenwart unseres gnädigen, liebenden, vergebenden Gottes liegt. Ich will Dich mit einem zeitgenössichen Segen zurücklassen, einem, der für den Exilanten Sinn macht, für den Gast und für den Pilger, der entschieden wieder die Heimat ansteuert:

Mögest Du aufwachsen und gerecht werden
Mögest Du aufwachsen und wahrhaftig werden
Mögest Du immer die Wahrheit kennen
Und das Licht sehen, das Dich umgibt
Mögest Du immer mutig sein
Aufrecht stehen und stark sein
Mögest Du für immer jung bleiben

[Bob Dylan, "Forever Young", Planet Waves, Übers.: DoSi]

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