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Exiles (7) – Exilanten bei Tisch

29. November 2006

{Das ist der achte Post zu Michael Frost’s Exiles: Living Missionally in a Post-Christian Culture. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7}

Statt gewöhnliche und alltägliche Handlungen wie z.B. Essen als weltlich und unheilig anzusehen, sind sie als Möglichkeiten zu betrachten, Gott und seine Gnade in unsere alltägliche Welt hineinzutragen. Viele Exilanten haben genug von Exzessen und der gedankenlosen, hochmütigen Art, das Essen als Entertainment anzusehen. Fettleibigkeit liegt in den USA noch vor dem Rauchen als primäre vermeidbare Todesursache. Heutzutage werden Mahlzeiten selten noch als heilig empfunden. Wir haben das Tier, das wir verspeisen, nicht selbst geschlachtet und genausowenig haben wir durch das Jahr hindurch für ein gelingendes Wachsen der Saat gebetet oder selbst an der Ernte teilgenommen. Viele Familien kennen keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr. Wahrscheinlich kommen wir an Weihnachten dem heiligen Essen am nächsten, im Alltag haben unsere Essensgewohnheiten jedoch oft dazu geführt, daß wir Kochen und Essen als Ärgernis oder Unterbrechung ansehen. Die Bibel nennt eine solche Nachlässigkeit „Völlerei“. Spr 23 ruft dazu auf, sich von Säufern und Schlemmern fernzuhalten. Welche Essensgewohnheiten sind für Exilanten angemessen? Um dies herauszufinden, gilt es (außer dem Beispiel Jesu, das schon betrachtet wurde), einen Blick auf die biblischen Exilanten zu werfen und von ihnen zu lernen.

Joseph schuf eine Kultur der Mäßigung, welche dazu führte, daß im sonst so von Ausschweifungen gekennzeichneten Ägypten Maß gehalten und ein verantwortlicher Umgang mit den eigenen Ressourcen erreicht wurde, so daß in den Jahren der Hungersnot nicht nur die Not leidenenden Ägypter, sondern auch andere Nationen versorgt werden konnten. Wird noch das Mahl, welches Joseph mit seinen Brüdern hielt, in Betracht gezogen, so ergibt sich das Bild eines freigiebigen und gastfreundlichen Exilanten, der zudem die ihm anvertrauten Ressourcen gut verwaltete. Heutige Exilanten in einer Welt, in der täglich Zehntausende verhungern, werden sich ebenfalls für eine gerechte und verantwortliche Verteilung der Ressource einsetzen. Wenn unser Host-Imperium nicht freigiebig ist, so ist es unsere Pflicht, wie Joseph alles dafür zu tun, daß Armen und anderen Nationen bestmögliche Hilfe zuteil wird.

Daniel gedeiht körperlich und geistlich, ohne sich den babylonischen Essensvorschriften zu unterwerfen. So bleibt er ein Affront am Königshof. Wie Jesus Jahrhunderte später erklärte, daß seine Jünger in der Welt („in the world“), aber nicht aus/von der Welt (also weltlich – „of the world“) sein würden, zeigt Daniel die Macht der Exilanten, indem er still und subversiv seine eigene Speisekarte entwirft und den Beamten am Hof demonstriert, dass der Speiseplan Gottes der bessere ist. Heute, da die Speisegesetze Israels nicht mehr für uns gelten, müssen wir dennoch nicht alles essen, was uns Werbung, Fast-Food-Ketten und Freunde anbieten. Wie Daniel sollten wir dadurch gerechtfertigt werden, daß wir gesünder und wohlgenährter als andere aussehen. Exilanten werden gut und gesund essen, dabei mäßig bleiben, ohne sich gasttronomischen Köstlichkeiten zu entziehen und so delikate, frische und schmackhafte Speise zu sich nehmen, wie es von Gott vorgesehen ist.

Paulus‚ Essensgewohnheiten sind – ähnlich wie bei Jesus – ein Fenster in seinen Dienst. Ursprünglich lehnte er nach gut pharisäischer Lehre alle Verunreinigungen durch Essen mit Ungläubigen oder nichtkoschere Speise ab. Nachdem er die Freiheit in Christus verstanden hatte, brach er mit jeglichen Konventionen und genoß die Gesellschaft von Nichtjuden wie auch deren Gastfreundschaft. Auf die Frage, ob denn Christen auch heidnischen Götzen geweihtes Fleisch essen dürften, antwortet Paulus auf differenzierte Weise: Zunächst einmal gilt es, alles zur Ehre Gottes zu tun – auch und gerade das Essen. Christen können keinesfalls durch geweihtes oder unreines Fleisch beschmutzt werden. Es könnten aber im Glauben Schwächere dieser Ansicht sein und darum am Essen des Götzenopferfleisches Anstoß nehmen. Um ihres Heils willen soll der Stärkere, der die höhrere Offenbarung hat, in diesem Fall auf die Speise verzichten. Besorgt um das Heil der Heiden teilt Paulus gerne deren Tischgemeinschaft und wird so einer der ihren, ißt also in missionaler Absicht. Genauso können Exilanten nichtgläubige Freunde ihre Gastfreundschaft genießen lassen und ihnen so Anteil am eigenen Leben, Glauben und der eigenen Freude geben.

„Wir sollten draußen in der Öffentlichkeit essen, wo andere uns sehen und sich uns anschließen können, wenn wir das Leben und die Freiheit in Christus feiern. Aber wir sollten uns genauso dessen bewußt sein, daß unser Verhalten den Glauben junger Christen in’s Schwanken bringen könnte. So oder so müssen wir uns in unseren kulinarischen Gebräuchen nach den anderen richten.“

Joseph lehrt uns, ein Reich zu bauen, dem eine faire Verteilung der Nahrungsmittel am Herzen liegt; Daniel erinnert uns daran, auf eine Weise zu speisen, die uns so gesund und lebendig wie nur möglich sein läßt, damit unser Lebensstil Gott verherrlicht; Paulus weist uns an, in unserer Freiheit verantwortlich zu sein und gemeinsam mit denen zu essen, die unseren Herrn und Retter nicht kennen. Alle drei sehen die Nahrungsaufnahme als missionales Handeln an, die ihr Host-Imperium verändert. Wenn wir von ihnen lernen wollen, dann müssen wir über die Bedeutung der Mahlzeiten in unserer Gesellschaft nachdenken. Dazu müssen wir erneut die „dritten Orte“ in den Blick bekommen. Sie sind für den Aufbau von Feundschaften mit Noch-nicht-Christen entscheidend. Zwei Kernzutaten, die dritte Orte für Mission fruchtbar machen, sind Essen und Alkohol. Über einer schmackhaften Mahlzeit mit guten Getränken lassen sich die besten Gespräche führen. Wenn uns Paulus anweist, bei anderen keinen Anstoß zu erregen (1Kor 10,32), dann geht es nicht darum, daß sich Nicht-Christen von unseren Essensgewohnheiten angegriffen fühlen. Er hat vielmehr schwächere Gläubige im Blick, die unsere Freiheit in Christus nicht würdigen. In unserer Kultur ist die geteilte Mahlzeit der beste Ort für ein missionarisches Essen, wie es Paulus in 1Kor beschreibt. Das einzige Problem dabei ist, daß Christen im Allgemeinen nicht an dritte Orte gehen, weil sie so sehr von Gemeindeaktivitäten in Anspruch genommen werden. Davon haben sich Exilanten befreit, um mit Freunden, Nachbarn und Arbeitskollegen gemeinsam essen zu können. Nur wenn ein Gast sich wirklich willkommen, respektiert und sicher fühlt, wird er sich seinem Gastgeber gegenüber öffnen. Exilanten werden darum besorgt sein, solche sicheren Räume für andere zu schaffen und auch selber solche Räume betreten, die von Nicht-Christen geschaffen wurden. Das bedeutet, im Terminkalender für die Gesellschaft solcher, die unseren Glauben nicht teilen, Raum zu schaffen.

„Wir sollten die frischeste, gesündeste Kost kochen, sie mit tollem Wein veredeln, kleine Läden und Bauernhöfe unterstützen sowie Produkte vermeiden, die aus Ländern ohne Fair Trade stammen oder auf ökologisch fragwürdige Weise hergestellt und gelagert werden. Der Tisch des Exilanten sollte ein gerechter, freigiebiger Ort sein, voll Lachen, Gastlichkeit und Geborgenheit. Serviere etwas Köstliches und dann sieh einfach zu, wie sich die Gespräche entwickeln und vertraue darauf, daß Gott an irgendeiner Stelle seine Nase ‚reinsteckt.“

Wer undiszipliniert und ausschweifungsvoll nur das Vergnügen sucht, macht das poteniell Heilige weltlich und gewöhnlich. Wenn wir uns einschränken, erhöhen wir den Wert gewisser Erfahrungen und das Staunen darüber. Für Paulus war Essen mehr, als nur seinen Tank aufzufüllen. Es war eine Möglichkeit, Gott zu verherrlichen, seinen Glauben mit anderen zu teilen oder den Glauben eines anderen Gläubigen aufzuerbauen. Er hieß die Freiheit willkommen, ohne sie immer voll auszuleben. Es ist wichtig, das ängstliche Befolgen der pharisäischen Regeln hinter sich zu lassen; wer sich aber der ein oder anderen Vergnügung enthält, kann ein gewöhnliches Mahl ins Reich heiliger Ekstase erheben. Wie Daniel können Exilanten heute die Qualität ihrer Religion bezeugen, indem sie das Leben genießen, gut essen, ihren Tisch mit Ungläubigen teilen und darauf hinarbeiten, eine gerechte Welt zu schaffen, in der die Armen genährt und die Ressourcen der Erde fair verteilt werden. Nicht nur um gesund zu leben, sondern auch um unsere Hingabe an Gott auszudrücken, macht Frost einige praktische Vorschläge:

  • – trinke mehr Wasser (verbessert die Haut, gibt Energie, hält Kopfschmerzen zurück etc.)
  • – iß langsam und genieße Deine Mahlzeit (dankbar essen und erkennen, wann es genug ist)
  • – iß „echte“ Nahrungsmittel statt kalorienarme (Niedrigfettprodukten sind oft chemische Geschmacksverstärker beigefügt)
  • – öfter essen, kleinere Mahlzeiten (dreimal täglich gesund und ordentlich essen)
  • – Kohlenhydrate nicht übertreiben (Pasta und Kartoffeln nicht mittags, sondern abends essen)
  • – Kein Alkohol auf leeren Magen (Blutzucker fällt, Hunger steigt; statt dessen eine tolle Mahlzeit mit Alkohol veredeln)
  • – weniger Koffein, mehr Protein, fünfmal täglich Obst oder Gemüse

Abschließend unterstreicht Frost die Wichtigkeit der Offenheit für andere – Arme, an den Rand gedrängte, Hungrige etc. In Jesu Gleichnis vom Weltenrichter in Mt 25 werden die Menschen auch danach beurteilt, wem gegenüber sie sich gastfreundlich verhalten, wem sie zu Essen gegeben haben. Göttliche Besucher kommen als Fremde zu uns. So war es bei Abraham in Mamre, der Witwe von Zarepta und so stellt es auch Heb 13,2 in Aussicht.

„In der Innenstadt von Melbourne gibt es eine Gemeinde für Obdachlose, Straßenkinder, drogenabhängige Prostituierte im Teenageralter und psychisch Angeschlagene. Sie heißt „Matthew’s Party“ – wirklich ein perfekter Name für eine Gemeinde. Eigentlich sollte jede Gemeinde eine Party des Matthäus sein, ein Ort, wo Zöllner und „Sünder“ mit dem Exilanten Jesus und seinen Freunden zu Tisch sitzen und feiern können.“ [vgl. Mt 9,10]

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2 Kommentare zu “Exiles (7) – Exilanten bei Tisch”

  1. Helge Seekamp sagt:

    In unserer Lemgoer Gemeinde gibt es sonntags zwischen 13.00-17.00 Uhr eine Cafestube für Menschen in schwieriger Sitution (finanziell, persönlich, gesellschaftlich…)… Hier wird viel gegessen, das ist ein Mittagstisch für 1 € und erlebte Gemeinschaft. Eine harte Herausforderung ist und bleibt es, eine vom Geist Gottes geprägte Atmo zu bewahren, da mischen sich deutlich andere Geister ein, die es den Mitarbeitenden manchmal so schwer machen, dass sie entmutigt, müde oder unmotiviert werden. Also harte Arbeit dieses gemeinsame Essen…

  2. DoSi sagt:

    Ich habe während meines Zivildienstes bei einer ähnlichen Geschichte mitgearbeitet. Die Herausforderung für mich damals war, die Besucher nicht als Kunden oder Bedürftige wahrzunehmen, um die ich mich zu kümmern hatte, sondern als reale Gegenüber, an deren Leben es teilzuhaben gilt. Das ist mir damals leider nur sehr selten gelungen…


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