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Exiles (5) – Der Esprit de Corps des Exilanten

26. November 2006

{Das ist der sechste Post zu Michael Frost’s Exiles: Living Missionally in a Post-Christian Culture. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5. Dies ist das Kapitel, in dem ich mich bislang am allermeisten wiedergefunden habe. Sensationell, wie Frost mein/unser Empfinden in Worte fassen und deuten kann!}

Ein zweites Versprechen der Exilanten ist, dass wir einer Sache dienen werden, die größer ist als wir selbst. In einem Reich der Selbstzentriertheit und der Gier muß jemand eine Alternative vorleben und Gemeinschaften schaffen, die von Dienst, Liebe und Gerechtigkeit geprägt sind, denn wir brauchen Andere, die mit uns unterwegs sind und uns auf unserer Reise durch’s Leben unterstützen. Frost erzählt von seinen eigenen Versuchen, authentische Gemeinschaft zu schaffen. Er wurde dabei sehr inspiriert von Scott Pecks Buch The different Drum. Peck zählt darin folgende Elemente wahrer Gemeinschaft auf:

  • Inklusivität, Commitment und Konsens
  • Realitätssinn
  • Die Fähigkeit, kontemplativ und sich seiner selbst bewußt zu sein
  • Ein Gefühl der Sicherheit bei allen Mitgliedern
  • Die Möglichkeit für Mitglieder, mit neuen Verhaltensweisen zu experimentieren
  • Raum für Mitglieder, würdevoll zu kämpfen
  • Ein Ort, wo alle Mitglieder Leiter sind
  • Ein Geist des Friedens

Peck schreibt dann weiter:

Gemeinschaft ist und muß inklusiv sein. Der große Feind von Gemeinschaft ist Exklusivität. Gruppen, die andere ausschließen, weil sie arm, Zweifler, geschieden oder Sünder sind, … sind keine Gemeinschaften; sie sind Cliquen – genau genommen Abwehrbollwerke gegen Gemeinschaft.

Die Glieder einer Gruppe müssen sich in irgendeiner Art und Weise aneinander verpflichten, wenn sie eine Gemeinschaft werden oder bleiben wollen. Exklusivität, der Feind der Gemeinschaft, erscheint auf zwei Arten: Andere oder sich selbst ausschließen. Ein Freund hat Gemeinschaft richtigerweise definiert als „eine Gruppe, die es gelernt hat, über ihre persönlichen Unterschiede hinweg zu kommen.“ Aber ein solches Lernen braucht Zeit, und diese Zeit kann nur durch Commitment erlangt werden.

Peck sieht vier Entwicklungsstufen, die eine Gruppe durchschreiten muß, wenn sie eine wahre Gemeinschaft werden will:

  1. Pseudogemeinschaft, wo ein falsches Bravsein regiert und die Mitglieder versuchen, Gemeinschaft vorzutäuschen, indem sie die wichtigen Dinge nicht ansprechen und ihre Frustration aneinander nicht zum Ausdruck bringen.
  2. Chaos, wo die Leichen endlich aus dem Keller kommen und die Masken abgelegt werden.
  3. Leere, eine Zeit der Stille und des Übergangs.
  4. Wahre Gemeinschaft, die von Ehrlichkeit und Sorge füreinander geprägt ist.

Zusammenfassend sagt Peck:

Gemeinschaft ist ein Geist – aber nicht in der Weise, wie der bekannte Ausdruck „Gemeinschaftsgeist“ gemeinhin verstanden wird. … Die Glieder einer Gruppe, die wirkliche Gemeinschaft erlangt haben, erfreuen sich an sich selbst als Kollevtiv, ja sie genießen es regelrecht.

Diese Art Gemeinschaft kennzeichnete wohl die Jerusalemer Urgemeinde. Allerdings waren deren Tage gezählt, denn das gemeinsame Brotbrechen, Gebet und Hören auf die Lehre der Apostel hielt sie davon ab, den Auftrag Jesu zu erfüllen: Nämlich das Evangelium zu allen Nationen zu tragen. Im Zuge der Verfolgung, die nach der Steinigung des Stephanus hereinbrach, wurde die Gemeinde zerstreut und entdeckte so ihr ursprüngliches Mandat wieder: Ein missionarische Volk zu sein, eine Gemeinschaft-auf-dem-Weg. Christliche Gemeinschaft resultiert aus dem übergeordneten Ziel der christlichen Mission. Es geht also nicht um die therapeutische Gemeinschaft Pecks, sondern um die missionarische Gemeinschaft, über die Paulus schreibt. Wer Gemeinschaft liebt, zerstört sie, wer aber die Menschen liebt, schafft Gemeinschaft.

Alan Hirsch brachte Frost auf das radikalere Konzept der Communitas, welches von dem Anthropologen Victor Turner in seinem Buch The Ritual Process eingeführt wurde. [Alan hat im Mai in Erlangen und Romanshorn darüber gesprochen, hier Mike’s Bericht. Auch andere haben drüber gebloggt, aber ich bin zu faul, die Links rauszusuchen 8) – Ich selbst habe nur einen kurzen Eindruck gepostet] Turner studierte die Initiationsriten afrikanischer Stämme und prägte dabei den Begriff der Liminalität, den Schwellenzustand, in dem sich Individuen oder Gruppen befinden, nachdem sie sich rituell von der herrschenden Sozialordnung gelöst haben und bevor sie wieder mit neuem Status in die Stammesgesellschaft eingliedern werden. In diesem Schwellenzustand, den junge Männer meist draußen in der Wildnis verbringen, erleben sie eine Tiefe der Gemeinschaft, die den ursprünglichen Sinn dieses Begriffs weit übersteigt und von starker Nähe und Gleichheit geprägt ist. Gleichzeitig ist diese Zeit gekennzeichnet von der Suche nach einem heiligen Ort, Gott, oder Geist. Die Eingeweihten reden von einer sie verändernden Erfahrung der Verbindung mit sich selbst, miteinander und mit dem Universum. Diese Erfahrung der Verbundenheit nennt Turner Communitas. Die Gesellschaft wird von der Erfahrung, die einzelne „außerhalb“ der Gesellschaft machen, gestärkt. Communitas ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil der normalen Gesellschaft, aber beide bereichern und befruchten einander. Gesellschaften brauchen die liminale Erfahrung der Communitas, weil diese die Gesellschaft vorwärtsbringt und mit Frische und Lebendigkeit ernährt. Offensichtlich brauchen Gesellschaften aber auch die Stabilität des normalen Lebens. Die Befreiung, welche in in der Communitas erfahren wird, sät die Saat kultureller Erneuerung in der normalen Gesellschaft. Sogenannte christliche Gemeinschaft tritt meist in der Form eines nach innen orientierten Treffens von umeinander besorgten Menschen an einem sicheren Ort auf, wo Offenheit und Verletzlichkeit möglich ist. Die gegenseitige Unterstützung und Fürsorge finden Initiaten in der Communitas ebenfalls, aber sie erleben dies, während sie gemeinsam durch eine Prüfung hindurchgehen. In dem Schwellenzustand außerhalb der Struktur der normalen Gesellschaft erfahren die Initiaten eine reichere, tiefere, mächtigere Form von Verbundenheit. Nicht Gemeinschaft, sondern Communitas. Wer beispielsweise auf einem missionarischen Kurzeinsatz war, kennt diese besondere, intime und intensive Verbundenheit mit anderen. Die Erfahrung von Liminalität, angefacht von der Herausforderung, gewisse Ziele erreichen zu müssen, bringt Communitas hervor. Diejenigen, die aus einem Erleben von Liminalität kommen, können die Gewöhnlichkeit des alltäglichen Lebens in der Gesellschaft herausfordern.

Idealerweise sollte dies die Erfahrung unserer Gemeinden sein. Menschen die auf irgendeine Art und Weise Liminalität und Communitas erfahren, sollten in das normale Gemeindeleben zurückkehren können und an dieser wichtigen Dialektik partizipieren. … Es ist beunruhigend, junge Menschen, die gerade aus einer Erfahrung von Liminalität und Communitas zurückgekehrt sind, darüber klagen zu hören, daß ihre Gemeinde ihre Erfahrung nicht versteht und keine Möglichkeit zum Austausch darüber schafft.

Nun zeigt Frost die Verbindung zum Leben des Exilanten:

Exilanten sind in einem liminalen Zustand. Genau genommen definiert Liminalität exakt die Erfahrung des Exils. … Gemeinsam mit anderen sind wir auf der Reise, und wir haben keine Ahnung davon, was geschehen wird. Ich bin besorgt darüber, daß viele Exilanten diese Reise alleine unternehmen. Wenn wir gemeinsam mit anderen unterwegs sind, verspricht uns diese Reise eine tiefere Verbundenheit, eine hingegebenere Vereinigung von Freunden, die einander ermutigen und auferbauen. Diese Gemeinschaft miteinander Pilgernder schenkt ein Gefühl der Sicherheit, aber auch nur diese Art Schutz, die Reisende gemeinsam auf der Straße finden. Die Gefahren sind immer noch da, aber zusammen sind wir sicherer und stärker, als wenn wir alleine reisen würden. Und unsere gemeinsame Erfahrung wird den Keim für großangelegte Veränderung im Mainstream der Kirche enthalten.

Dies ist die Gemeinschaft der ersten Jünger Christi, die mit Jesus im Zentrum eine Liminalität und Communitas erfuhren, die so tiefgreifend in den Haupstrom der Gesellschaft gesprochen hat, daß die Geschichte der Welt für immer verändert wurde. Nur in der Liminalitätserfahrung konnten die Jünger die Kraft der Communitas erleben. Männer wie Zeloten und Zöllner, die im Normalfall nichts miteinander zu tun haben würden, wurden durch ihre gemeinsame Hingabe an Jesus verbunden und entwickelten durch seine Lehre über Liebe und Vergebung sowie durch das gemeinsame Leben auf der Straße ihre außerordentliche Communitas. Nach der Himmelfahrt Christi zerfiel diese Gemeinschaft nicht etwa, sondern wuchs und nahm Menschen aus aller Welt in sich auf. Genauso sehen wir eine solche Art von Communitas in den missionalen Teams von Paulus.

Es gibt nichts Süßeres oder Zufriedenstellenderes als die Liebe, die Exilanten miteinander teilen. Paulus legt großen Wert darauf. Als Johannes Markus die Gruppe von Paulus in Pamphylien verließ, um nach Jerusalem zurückzukehren (Apg 13,13), brach er damit den Bund einer liminalen Gemeinschaft. … In Communitas liegt die Latte höher. Eine Herausforderung muß gemeistert werden und jeder hat dabei seine Aufgabe zu erfüllen. Als Barnabas später vorschlägt, Johannes Markus auf ihre nächste Reise mitzunehmen, lenkt Paulus nicht ein (Apg 15,36-41). … Wenn ein Partner desertiert, hat das in einer Communitas katastrophale Auswirkungen. … Communtias ist kein warmer, entspannter Ort, wo man je nach Gusto kommen und gehen kann. Communitas setzt Hingabe, Integrität, harte Arbeit und Mut voraus. Kurz, in Communitas geht es um Liebe. Ja, ich empfinde die Einstellung von Paulus als hart, aber verständlich. Du mußt Communitas erlebt haben, um meine Sichtweise teilen zu können.

Eine Beschreibung des Erlebens von Liminalität und Communitas findet Frost in einem Bericht des französischen Ritters Jean de Brueil über die Kameradschaft im Krieg aus dem Jahre 1465:

Krieg ist eine freudige Sache. Wir lieben einander so sehr in der Schlacht. Wenn wir erkennen, daß unsere Sache gerecht ist und unsere Kameraden mutig kämpfen, dann haben wir Tränen in den Augen. Eine süße Freude steigt in unserem Herzen auf, weil wir unsere ehrliche Loyalität zueinander fühlen; wenn wir sehen, daß unser Feund so mutig seinen Körper in Gefahr gibt, um den Auftrag unseres Schöpfers zu erfülllen, sind wir entschlossen, vorwärtszugehen und mit ihm zu sterben oder in Liebe zu leben. Das bringt uns eine solche Freude, dass keiner, der sie erlebt hat, sagen kann, wie wundervoll das ist. Denkst Du, daß jemand, der Solches empfindet, sich vor dem Tode fürchtet? Nicht im Geringsten! Er ist so gestärkt, so voll Freude, daß er nicht weiß, wo er ist. Er fürchtet wahrhaftig nichts auf der Welt.

Communitas ist keine exklusiv männliche Erfahrung. Es ist eine Intimität, eine Verbundenheit, die über das warme innere Glühen, das viele Gemeinschaften in unserer Gesellschaft erleben, hinausgeht. Sie wird im Kampf erhärtet, durch wahre und echte Partnerschaft erweicht und von einer gemeinsamen Vision für eine bessere Welt geschmiedet. Wir lieben Filme, in denen eine Gemeinschaft von Freunden in den Herausforderungen, die sie zu bewältigen haben, eine tiefe Verbundenheit entwickeln, weil wir uns dieselbe Verbundenheit mit unseren Freunde wünschen – eine Freundschaft, die spontan ist, unmittelbar, egalitär und nichtrational, geschmiedet von würdigen Herausforderungen und Prüfungen. Kurz gesagt: Menschen sehnen sich nach Communitas.

Wer ohne die Erfahrung von Liminalität eine Gemeinschaft aufbauen will, endet bei der Pseudo-Gemeinschaft, die so viele Gemeinden kennzeichnet. Das ist dann mehr Selbsthilfegruppe als Communitas. Wenn sich Communitas entwickeln soll, dann müssen alle Glieder die gleiche Herausforderung durchleben. Eine Gemeinschaft um ihrer selbst willen bauen zu wollen, ist wie eine Kirche, die Deine Loyalität und wöchentliche Teilnahme fordert, ohne Dir ein Ziel zu geben, auf das Du hinarbeiten kannst. Oder wie eine Gemeinde, die endlose Bibelstudien abhält oder zahllose Predigten anhört, nur um Informationen anzusammeln, die niemals angewandt werden. Es geht nicht darum, in Jerusalem zu den Füßen der Apostel zu sitzen und ihre Lehre zu genießen. Das macht zwar Sinn, aber der Auftrag der Gemeinde in Jerusalem war, hinzugehen und alle Nationen zu Jüngern zu machen. Die Lehre der Apostel diente dazu, die gewöhlichen Gläubigen dazu zu motivieren, in alle Welt zu gehen, neue Jünger zu taufen und ihnen alles zu lehren, was Christus geboten hatte.

Warum verpassen unsere Gemeinden so häufig diese Erfahrung der Communitas? Aus keinem anderen Grund, als daß sie oftmals Liminalität vermeiden und sich für eine ruhigere, sicherere Umgebung entscheiden. Ich will auf keinen Fall den Eindruck erwecken, daß christliche Communitas unser aller Bedürfnis nach Sicherheit nicht ansprechen sollte. Sie sollte es in der Tat. Dennoch sollte sie sichere Orte nicht als Alternative zu missionalem Engagement in unserer Welt schaffen, sondern als parallele Erfahrungen dazu.

Alan Hirsch definiert Communitas folgendermaßen:

Eine von einem starken Gefühl der Zielbestimmung durchtränkte Gemeinschaft; ein Ziel, das außerhalb ihrer momentanen inneren Realität und Verfassung liegt. Es ist diese Art Gemeinschaft, die Menschen während des eigentlichen Umsetzens einer gemeinsamen Vision dessen, was sein könnte, „widerfährt“. Sie beinhaltet Bewegung und sie beschreibt die Erfahrung der Zusammengehörigkeit, die nur dann geschieht, wenn eine Gruppe Menschen tatsächlich an einer Mission außerhalb ihrer selbst teilhat.

Exilanten haben den Kaninchenbau verlassen. Sie haben den Ruf der Wildnis gehört und erkannt, daß sie die Communitas, die sie brauchen, nicht innerhalb des kirchlichen Mainstream entwickeln bzw. erleben können. Sie können nicht durch die Versprechungen von Gemeindeleitern ruhig gestellt werden, die denken, sie könnten die Exilanten bei Laune halten, indem sie innerhalb der Gemeinde ein Komitte für Communitas gründen.

Bei Christen entsteht Communitas auf natürliche Weise, wenn wir uns an eine Mission jenseits unserer selbst hingeben. So einfach ist das. … Wir wissen seit jeher, daß der Grund für das Dasein der Gemeinde die Mission ist – die gute Nachricht von Christus weiterzugeben, die Hungernden zu speisen, die Nackten zu kleiden, die Gefangenen zu besuchen, auf Gerechtigkeit hinzuarbeiten. Wenn wir diese Ziele verfolgen, werden wir mit unseren Mit-Arbeitern Communitas erfahren.

Manche sind der Ansicht, die Gemeinde existiere zum Lobpreis Gottes. Aber was schafft Gott Ehre? Nur das Singen von Liedern? Mission ist der zentrale und kraftvollste Ausdruck christlichen Lobpreises (Vgl. Röm 12-15).

Ist es nicht ironisch, daß in vielen Gemeinden Menschen, die nicht einmal miteinander reden, gemeinsam Choräle oder zeitgenössische Anbetungslieder singen, ohne zu wissen, daß ihre Taten die Worte, die sie singen, unterminieren? Exilanten sind des bedeutungslosen gemeinsamen Singens müde geworden und sehnen sich danach, sich mit anderen Nachfolgern Jesu zu verbinden und gemeinsam freigiebig oder gastfreundschaftlich aktiv zu werden.

Viele Exilanten verlassen die Gemeinden des Mainstream und suchen anderen Möglichkeiten, das Werk Gottes zu tun. Aber zu oft tun sie das alleine, weil sie denken, es gäbe entweder die konventionellen Gemeinden oder aber gar keine.

Meine Ermutigung an sie ist, sich mit anderen zusammenzuschließen, vielleicht auch nur mit einer Handvoll, und einer Sache zu dienen, die größer ist als sie selbst. Schließe ein paar Christen mit ein und vielleicht auch einige Ungläubige, die Deine Werte des Glaubens, der Gerechtigkeit und Integrität teilen. Dann verpflichte Dich, anderen zu dienen. Es muß nicht so dramatisch sein, wie das Aufstehen gegen eine argentinische Diktatur oder das Zerstören eines Rings auf dem Schicksalsberg im Herzen Mordors. Es könnte jedes kleine, mutige Experiment sein, zu dem Jesus Dich führt.
Aber darüberhinaus enthalten unsere liminalen, missionalen Erfahrungen das Material, was benötigt wird, um den Mainstream der Kirche zu verändern. Erinnere Dich daran, daß Turner glaubte, dass Erfahrungen der Communitas von Menschen, die „außerhalb“ der Gesellschaft stehen, diese Gesellschaft stärken. Die Gemeinde braucht Exilanten mit der liminalen Erfahrung von Communitas, weil dies die Gemeinde vorwärts drängt und sie mit der Frische und Lebendigkeit aus der missionarischen Gemeinschaft behelligt. Die Freiheit, die christliche Communitas erfährt, pflanzt den Samen kultureller Erneuerung zurück in die Kirche. Wie Turner vorschlug, ruht in der Dialektik zwischen Communitas und normaler Gesellschaft die Hoffnung für die Zukunft der Gesellschft. Genauso ist es im christlichen Sektor der Gesellschaft. Wenn die Leiterschaft im kirchlichen Mainstream diesen Gedanken nur begreifen könnte!

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14 Kommentare zu “Exiles (5) – Der Esprit de Corps des Exilanten”

  1. URs sagt:

    der kommentar von josa 3 (3) sollte eigentlich hier her…naja…

  2. DoSi sagt:

    Tja, so ist das Leben 😉

  3. Judith sagt:

    eigentlich braucht man das buch gar nicht mehr lesen, wenn du hier alles so schön verständlich aufschreibst…

  4. DoSi sagt:

    Tja, warum schreib ich’s dann noch?

    Erstens, um eine saubere deutsche Zusammenfassung für mich selbst zu haben, die online abgelegt ist und auf die ich überall zurückgreifen kann.

    Zweitens, weil ich denke, daß viele, die das Buch lesen wollen, nicht dazukommen und sich daher über meine Zsf freuen – so wie ich auch von anderen Bloggern, die dasselbe tun profitiere.

    Drittens, weil ich die Gedanken für so wichtig halte, daß sie auch andere Menschen lesen sollten, die von sich aus nicht darüber gestolpert wären.

    Wer aber Exiles im Original liest, umgeht meine oftmals holprige Übersetzung, genießt die Sprache Frosty’s, kann seine Gedanken im Zusammenhang nachvollziehen und bekommt noch haufenweise Beispiele geliefert. Gründe genug also, sich das Teil anzuschaffen…

  5. Marlin sagt:

    Hmm. Einerseite eine gute Perspektive mit dem interessanten Konzept der Communitas. Auch Peck finde ich supergut. Mir kommt bei diesen Abschnitten YWAM in den Sinn: Kurzzeitmission, klares Ziel, unterschiedliche Leute, volle Aufmerksamkeit. Das ist supergut und verändert viele Leute nachhaltig.

    Ich frage mich aber, ob das in einer lokalen Gemeinde möglich ist. Wir verstehen z.B. 4 Aufträge von Gemeinde: Familie, Ausbildungsort, Krankenhaus und Heilsarmee. Das letzte kommt dem Abenteuer und Sinn nahe, aber die anderen sind einfach auch wichtig. Du kannst nicht die Schwachen zurück lassen (und die brauchen eine LANGE Zeit, bis sie ihr Leben und Beziehung zu Gott geregelt bekommen). Außerdem kämpfst du mit den normalen Alltagsplagen wie Studium, Sport, Parties, Arbeit, Entspannungsbedürfnis, Familienkrisen usw um Aufmerksamkeit. Das ist was ganz anderes als wenn du für 3 Monate mit 5 entschiedenen Jungsporn-Missionaren in Indonesien rumturnst. Ich finde es gefährlich, wenn man suggeriert, so könnte eine lokale Gemeinde laufen. Das ist weder für die Gemeinde noch für die motivierten Missionare gut. Ich glaube, die Herausforderung für jede Gemeinde und Gemeinschaft ist zwischen Idealismus und Realität die Spannung zu halten und vorwärts zu gehen. Zu viele stagnieren, zu viele sind zu gefangen vom Alltag, zu viele sind Träumer von Illusionen.

    Auch das mit dem „großen Ziel“ ist leichter gesagt als getan. Du hast in einer Gemeinde viele Leute mit unterschiedlichen Zielen. Manche sind ganz dankbar, wenn du ihnen eine Vision vermittelst, andere haben ihr eigenes Projekt am Kochen, wieder andere sind jenseits von allen Visionen und du bist froh, dass du überhaupt noch Kontakt mit ihnen hast. Ich glaube schon, dass man eine gemeinsame Ausrichtung fördern oder verpeilen kann, aber auch hier ist die Kunst, die Lebenssituation der Leute zu nehmen und das zusammenzuführen. Das geht nicht nur, indem ich sage: hier ist eure Ziel. Auch das geht bei YWAM leichter (aber da wird man auch „ruined for the ordinary“ – in der Gemeinde ist aber sehr viel ordinary, leider.).

  6. DoSi sagt:

    Marlin, ich habe Ähnliches gedacht, als ich das gelesen habe. Aber gleichzeitig hat es mich elektrisiert, weil ich Teil einer „Communitas-Erlebnis-Gruppe“ bin, welche den Rest der Gemeinde befruchtet. Wir würden niemals sagen: Alle müssen sein wie wir. Aber wir wollen andere herausfordern sowie unbequeme Fragen stellen und uns stellen lassen.

    Ich denke, eine größere Gemeinde oder Bewegung o.ä. kann sich durchaus die Frage stellen, ob und wie das Erfahren von Communitas im Schwellenzustand gefördert werden kann. Da ist dann Kreativität gefragt. Sichrlich kann es nicht darum gehen, die Schwachen und Leidenden jetzt auch noch in eine besondere Liminalität hinein zu pushen.

    Ich jedenfalls erlebe in meiner bloßen Existenz (Mitglied der Landeskirche, Mitarbeiter des CVJM, Freund von JmeM, Teil einer Bruderschaft, Dozent einer theol. Ausbildungsstätte etc.)
    ständig diese Liminalität und in unterschiedlichen Kontexten mit unterschiedlichen Menschen erfahre ich Communitas.

    Nunja, die Frage nach dem Ziel ist schon eine Frage. Warum sind die Menschen Deiner Gemeinde in Deiner Gemeinde? Was würde sich für sie ändern? Wozu ist Gemeinde überhaupt da? Nur als Dritter Ort, an dem Auferbauung, Gemeinschaft und Inspiration geschieht? Warum nicht auch auf provokative Weise über diese Fragen nachdenken. Dann sind wir ja schnell wieder bei „missio Dei“, zu der ich ja im Rahmen meiner „Friend Of Missional“-Serie geschrieben habe.

  7. Marlin sagt:

    Stimmt, im besten Fall gibt es eine Befruchtung und da sollte man auf jeden Fall nach Wegen schauen, einerseits Communitas zu fördern, andererseits den Rückfluss in die Gemeinde zu stärken. Ich denke, so meint er es. Was sicher nicht geht, ist dass alle liminal leben. Was leider häufig mitschwingt bei den Communitas-Leuten ist eine Unfähigkeit, im normalen zu leben. Damit meine ich nicht, dass sie ihre Radikalität und Erfahrung zurückstellen müssen, aber dass sie barmherzig und geduldig mit den Leuten umgehen, die nicht ihre Erfahrungen machen oder machen können.

    Mit den Zielen ist auch klar, dass es thematisiert werden kann oder nicht. Ich denke, man hat immer einen großen Mix von Leuten in der Gemeinde. Und das ist auch OK so, oder? Manche sind eher aus sozialen Gründen da, andere weil sie Hilfe suchen, andere weil sie dienen wollen. Wir finden bei uns schon gemeinsame Ziele und Ausrichtung, aber es dymanischer Prozess, der bei dem einen mehr ankommt, beim anderen weniger. Ich finde es einfach sehr herausfordernd.

  8. DoSi sagt:

    Da bin ich in allem mit Dir…

  9. Susanne sagt:

    Besteht da nicht die Gefahr so eine Zweiklassengemeinschaft heranzuzüchten? Oder : Wieder in die alte Falle zu tappen (oder immer noch)

  10. Susanne sagt:

    Soviel ich verstanden habe ist das Ziel dieser Initationszeremoniells der Eintritt des junge Knabens ins Mannsein.

    Diese jungen Männer kommen dann in die Gemeinschaft zurück und bringen so sicher eine neue Dynamik in Gange.

    Man sollte es also nicht überbewerten.

    Die Schwachen sollen in einer Gemeinschat den Ehrenplatz bekommen, nicht die Helden (ist sonst eher griechisches Kulturverständnis)

    Eine andere Art von Initation?
    Und das aus einem guten Grund: Setz dich zu einem Schwachen, verbünde dich mit ihm, dass du nicht weichen wirst, bevor er zum Leben durchgebrochen ist. wäre das nicht guter Dünger für Wachstum in Vaterschaft?

  11. DoSi sagt:

    Für mich geht es nicht um eine Zweiklassengesellschaft oder darum, wer den Ehrenplatz erhält – laut Jakobus 3,2-4 sollten weder die Reichen noch die Armen den Ehrenplatz bekommen, sondern gleich behandelt werden. Mir stellt sich beständig die Frage, wie neues Leben innerhalb verkrusteter Strukturen entstehen kann bzw. wie empfundene Zusammengehörigkeit intensiver werden kann. Und Turners Erkenntnisse scheinen einen Weg zu weisen. Aber: Laßt uns noch ein bißchen warten, bis ich den Post über Communitas aus Hirschs Forgotten Ways geschrieben habe, dann läßt sich wohl mehr darüber sagen, da Frost seine Gedanken hauptsächlich Alan verdankt.

  12. Herzton sagt:

    Ich halte Frosts Gedanken zu Gemeinschaft und Mission für sehr inspirierend. Am Ende des Kapitels erwähnt er, dass er immer dachte, dass natürlicher Weise aus Gemeinschaft Mission fließen wird. Doch nun habe er erkannt, dass aus dem Dienst an anderen und einer Sache die größer als man selbst ist, communitas strömt. Dieser Aspekt erscheint mir wertvoll, da es berücksichtigt, dass Beziehungen durch gemeinsame Herausforderungen gestärkt und vertieft, teilweise sogar geschaffen werden.

    Jedoch sieht Frost eine „organisatorische“ Reihenfolge, die ich nicht ganz teilen: Er beginnt zuerst mit Mission und kommt dann zur Gemeinschaft. Das würde ich weniger linear, sondern eher wechselseitig. Seine Betonung der Aufgabe, die wir haben, fordert mich aber ungemein heraus.

    Noch etwas: Er meint in diesem Kapitel, dass eine Gemeinschaft nicht um ihrer selbst willen bestehen kann – soweit stimme ich auf alle Fälle zu! Aber dann meint er, dass Gemeinschaft nicht unser Ziel sein kann (108) – das sehe ich anders … wie versteht er dann das doppelte Liebesgebot Jesu? Für mich ist eine liebende Gemeinschaft wesentlichestes Ziel! Sie schließt natürlich auch die ein, die bisher der Gemeinschaft noch fern stehen. Ansonsten ist es keine wirklich liebende Gemeinschaft. Aber dass Gemeinschaft nicht unser Ziel sein kann … das könnte ich nicht unterschreiben. Ich würde das hier auch wieder stärker miteinander verbunden sehen:

    Gemeinschaft durch Mission, Mission durch die Gemeinschaft

  13. DoSi sagt:

    Also wenn ich eines aus eigener Erfahrung sagen kann, dann daß Gemeinschaft nicht automatisch zu Mission führt. Daher kommt mir Frosts bzw. eigentlich eher Hirschs Ansatz sehr gelegen.

    Gemeinschaft ist das Ziel, aber offene, intregrative, missionarische Gemeinschaft, die sich dem Kontext anpasst, statt sich zu isolieren. Und da sehe ich definitiv unsere (p-shuttle, Schoßhocker etc.) Schwäche. Wir teilen gerne Spiritualität, aber die missionale Ausrichtung geht uns meinem Empfinden nach ziemlich ab.

    Nebenbei: Falls ich hoffentlich die Tage Zeit finde, gibt’s die nächsten Kapitel aus Forgotten Ways. Vor allem bei „Organic Systems“ geht richtig was und „Communitas“ schließt dann das Buch ab. Vielleicht wird das unsere Diskussion befruchten…

  14. Herzton sagt:

    was deine einschätzung unserer Schwäche angeht, muss ich dir leider völligst beipflichten!!! und: genau! missionale Gemeinschaft ist das Ziel – wovon wir weit weg sind … leider.


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