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Exiles (4) – Im Exil aus einer hyperrealen Welt

21. November 2006

{Das ist der fünfte Post zu Michael Frost’s Exiles: Living Missionally in a Post-Christian Culture.
Die Vorgänger: 1|2|3|4}

Welche Versprechungen ergeben sich aus der Entscheidung des Exilanten, Christus mitten im Host-Imperium nachzufolgen? Frost zählt fünf auf, die alle mit der neuen Art Gemeinschaft zusammenhängen, die es in der Zeit nach Christendom auszuleben gilt:

  • Wir werden authentisch sein. In einer Welt vorgespiegelter Realitäten (Pseudo-Prominente, künstliche Erfahrungen etc.) werden Exilanten mit ihrem Leben die Antwort auf das Versprechen geben, ehrlich, aufrichtig und wirklich zu sein.
  • Wir werden einer Sache dienen, die größer ist als wir. Exilanten werden nicht einfach das Spiel des Host-Imperiums mitspielen, sondern sich in Liebe und gegenseitigem Dienen miteinander verbinden.
  • Wir werden missionale Gemeinschaft schaffen. Exilanten werden sich an das Versprechen halten, mit anderen Menschen eins zu sein, ihre individuellen Gaben zur Verfügung zu stellen, voneinander lernen und sich einem gemeinsamen Ziel verpflichten.
  • Wir werden freigiebig sein und Gastfreundschaft üben. Jenseits konventioneller Gastfreundschaft werden sich Exilanten in den Dienst der Hungrigen und Bedürftigen stellen.
  • Wir werden auf gerechte Weise arbeiten. Exilanten werden alles, auch die säkularste Tätigkeit, als Ausdruck dessen verstehen und tun, dass sie von Gott in jeden Winkel des Host-Imperiums gesandt sind.

Exilanten schwimmen gegen den Strom. Sie folgen dem Beispiel Jesu, indem sie immer wieder neue Wege suchen, ohne sich dabei von der sie umgebenden Gesellschaft zu verstecken oder deren Werte einfach anzunehmen. Dabei leben sie die oben erwähnten Versprechen aus, deren erstes (wir werden authentisch sein) im nun Folgenden näher untersucht wird.

In einer Kultur der Falschheit und Vortäuschung legen die Nachfolger Christi das gefärliche Versprechen ab, eine Gemeinschaft der Authentizität und Ehrlichkeit zu formen. Frost sieht eines der größten Hindernisse für ein treues Christenleben in der westlichen Besessenheit mit Hyper-Realität, künstlicher Massenware, die vorgibt, besser als das Echte zu sein. In einer Welt der Täuschung fällt es vielen schwerer, authentisch zu sein, als sich von Pornographie, Drogen oder Abtreibung zu enthalten. Selbst in der christlichen Szene wird vieles vorgegaukelt: Die Familie des Pastors ist die glücklichste von allen, jedes Gebet wird beantwortet und jeder Cent, der in der Ofperbüchse landet, kommt als Euro zu seinem Geber zurück. Uns wird gesagt, dass alles besser schmeckt, sich besser anfühlt und besser aussieht, wenn wir ein bestimmtes Produkt erwerben – selbst wenn es sich bei diesem Produkt um Jesus handelt. Warum erzielen Soap-Operas, Quizsendungen, Talk- oder (Pseudo-)Reality-Shows so hohe Einschaltquoten? Für Frost liegt der Grund darin, dass sich die fragmentierten und beziehungslosen westlichen Zuschauer dadurch einerseits als Teil einer Gemeinschaft wähnen und andererseits das Fernsehen die Welt einfach macht bzw. erklärt.

„Was läßt sich daraus schließen? Die Menschen wollen es real, aber nicht zu real! Wir haben die Meisterschaft darin erlangt, eine vorgetäuschte Wirklichkeit zu konsumieren.“

Wir wünschen uns eine klinisch reine und auf Hochglanz polierte Wirklichkeit, weil uns die wahre Realität Angst einjagt. In diesem Zusammenhang denkt Frost auch über Blogs nach und fragt sich, warum hier Menschen Dinge aus ihrem Leben der weltweiten Öffentlichkeit präsentieren. Auch Blogs gaukeln die Realität vor, in Wahrheit aber erfahren wir nur das, was uns die Schreiber erzählen wollen und kennen so nur einen Teil von ihnen – denjenigen nämlichn, den sie der Welt präsentieren wollen.

Auf der anderen Seite findet sich jenseits der Hyper-Realität der „Neue Realismus“, dessen Vertreter sich nach Authentizität sehnen – echtes Essen genauso wie Realität in Nachrichtensendungen, Kultur, Politik, Unterhaltung, Umweltbewußtsein und Spiritualität. Diese Bewegung, die das Echte, das Lokale, das Wahrhaftige, das Handgemachte etc. betont, nimmt immer mehr zu. Frost sieht darin einerseits die Gefahr eines neuen Elitedenkens der Reichen, die sich die teureren „echten“ Produkte leisten können, andererseits aber auch eine willkommene Kritik des Zeitgeistes. Sie spielt Exilanten in die Karten, die dem Beispiel von Jesu Integrität, Wahrhaftigkeit und Authentizität folgen wollen.

„Warum können christliche Gemeinschaften nicht zum Ort werden, an dem offen die Wahrheit gesagt wird und man sich verletzlich macht? … Warum, wenn wir doch wissen, dass Gott alles sieht und alles weiß, betrügen wir uns manchmal selbst, so daß wir denken, wir müßten uns in der Kirche bzw. Sonntags anders benehmen als unter der Woche? Wir kommen nicht zur Kirche [Gemeinde/GoDi], um dort Gott zu begegnen, was manche Prediger fälschlicherweise sagen. Gott lebt nicht in Kirchen[gebäuden], sondern in unseren Herzen und unserer Vorstellung.“

Die meisten der neuen Realisten haben einen Blick für die Wahrheit, der sie hinter die Fassade sehen läßt. So erkennen sie die Wirklichkeit hinter der Maske des zuckersüßen Lächelns vieler Christen. Exilanten teilen diese Sichtweise und sind über das betrügerische Wesen zeitgenössischen kirchlichen Lebens beschämt.

„Vielleicht gibt es wirklich viele dieser strahlenden, glücklichen Menschen in der Gemeinde. Aber diejenigen unter uns, die sich nicht beständig glückselig fühlen, entwickeln mit der Zeit ein Gefühl der Entfremdung. … Am Ende, so Brueggemann, führt diese Entfremdung und Benommenheit zu einer Art Zorn – unausgesprochener, stiller Zorn. … Vor mehr als einer Generation schrieb Ken Miller in The Taste of New Wine:

In unserer heutigen Gemeinde gibt es viele Menschen, die rein aussehen, rein klingen, aber innerlich von sich selbst, ihren Schwächen, ihrer Frustration und dem Mangel an Wahrhaftigkeit in ihrem kirchlichen Umfeld die Schnauze voll haben. Unsere nichtchristlichen Freunde denken entweder, dass „dieser Haufen netter Menschen ohne Schwierigkeiten niemals meine Probleme verstehen würde“ oder diejenigen, die tiefer blicken und uns aus dem beruflichen oder persönlichen Umfeld kennen, spüren, dass wir Christen entweder stark abgeschottet vom wahren Leben sind und dieses schlicht nicht kennen, oder aber, dass wir die größten Hechler sind, welche ihre Sünden und Schwächen nicht zugeben wollen.

Exilanten werden nicht auf den Kirchenbänken sitzen bleiben und alles still ertragen. Aber genausowenig werden sie einfach aufstehen und gehen. Falls sie jedoch letzteres tun (oder hinausgedrängt werden), werden sie einen neuen Weg suchen, Gemeinschaften der Ehrlichkeit, Offenheit, Gastfreundschaft und wahrhaftigen Liebe zu formen. Sie haben verstanden, dass sie sich in dieser Welt erst einmal das Recht, gehört zu werden, verdienen müssen. Wenn wir – im weltlichen oder politischen Sinne – machtlos sind, dann führt uns das zurück auf dem Kern des Inhalts unseres Glaubens – unsere gefährlichen Erzählungen. Wenn wir weder über beindruckende Gebäude noch über ein aufgeblähtes Budget zur Verwirklichung unserer Ideen verfügen, erkennen wir, dass das Beste, was wir dieser Welt nach Christendom anbieten können, die Qualität unserer Beziehungen, die Kraft unserer Vertrauenswürdigkeit und das Wunder unserer Freigiebigkeit ist. Das Recht, wieder gehört zu werden, verdienen wir uns durch die Wahrhaftigkeit unseres Lebensstils. Darum müssen wir unsere Zeit und unser Geld für das einsetzen, wovon wir reden und das leben, was wir predigen. Exilanten werden ihre Zeit und ihre Kraft dafür geben, authentische Gemeinschaften zu formen. Sie werden sich von der Welt prüfen lassen und wenn nicht auf vollkommene, so doch auf wahrhaftige Weise das ausleben, was unsere Kultur erwartet. Dazu kommt:

  • ein Verständnis von geistlichem Wachstum, das innere Veränderung über äußere Erscheinung setzt
  • eine Spiritualität, die Menschlichkeit, Individualität, Kreativität und Unterschiedlichkeit feiert und über Uniformität setzt
  • ehrliche Dialoge statt oberflächlicher Beziehungen und ungeschriebener Gesetze
  • ein Streben nach absoluter Ehrlichkeit vor Gott und angemessener Transparenz gegenüber anderen, was unsere innersten Gedanken, Gefühle, Hoffnungen, Träume, Fehler, Sünden und Kämpfe anbelangt
  • ein Verlangen, Geheimnisvolles und Widersprüchliches wieder willkommen zu heißen und höher zu schätzen als einfache Erklärungen; die Bereitschaft, mit Fragen zu leben, die keine leichten Antworten haben
  • das Bemühen, Lebensstil, Eßgewohnheiten, Umgang mit Finanzen etc. so zu ändern, dass sie unserer Sehnsucht nach einer neuen, gerechteren und barmherzigeren Welt entsprechen

Gute christliche Gemeinschaften werden großen Wert auf das geistliche Wachstum ihrer Mitglieder legen. Wir wollen Jesus ähnlicher werden. Dabei geht es immer wieder auf und ab. Trotzdem muß immer sichtbar sein, daß wir einander annehmen. Viele von uns haben sich entschlossen, das instutionelle Christentum zu verlassen, um solche neuen Gemeinschaften zu gründen, weil die Zwänge der großen Kirchen das nicht zulassen. Wir „beweisen“ das Evangelium, indem wir ein Volk sind, die daran glauben und danach leben. Auf diese Weise sprechen wir lauter zum Host-Imperium als tausend Fernseh-Evangelisten oder eine Million Traktate. Unsere neuen Gemeinschaften müssen danach streben, die folgenden sieben Eigenschaften auszuleben:

  • Anbetung, die aus dem Herzen kommt, statt aufgesetztem Singen sentimentaler Lieder
  • Authentizität und Wahrheit statt öffentlichem Vortäuschen
  • Nicht für sich selbst leben, sondern aufrichtig anderen dienen
  • Missionales Engagement für das Host-Imperium statt Rückzug in’s fromme Ghetto
  • Einsatz für Gerechtigkeit statt fadenscheiniger Lippenbekenntnisse
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3 Kommentare zu “Exiles (4) – Im Exil aus einer hyperrealen Welt”

  1. URs sagt:

    Sodele deine Posts sind gelesen.. also her mit dem Buch 😉

    Gruß URs

  2. DoSi sagt:

    Tja, das braucht noch ne Weile – solange kannst Du ja „Shaping“ lesen…

  3. Marlin sagt:

    wieder ein sympathischer Abschnitt mit einer guten Analyse. Die Vorschläge zur Änderung sind auch ganz gut. Erinnert mich an einige Punkte von John Wimber (http://siyach.blogspot.com/200.....ndung.html) – Lebe in konstantem Zerbruch; erzähle konstant seine Geschichte…

    Ich frage mich aber, ob das auch mit der Form von vielen Gemeinden zu tun hat und nicht nur mit innerer Haltung. The medium is the message: wenn der Großteil der Gemeinde-Aktivitäten aus einer Richtung kommen (Predigten, Andachten etc), dann ist es schwierig, authentisch und ehrlich zu leben, denn selbst wenn die Prediger von ihren Schwächen reden, tendiert es dazu, normativ zu sein und einem Zweck zu dienen. Vielleicht braucht es einfach einere Beziehungsorientiertere Struktur, um diese Schwerpunkte zu verfolgen.


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