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Exiles (12) – Exilanten am Altar

27. Dezember 2006

{Das ist der dreizehnte Post zu Michael Frost’s Exiles: Living Missionally in a Post-Christian Culture. Zugegebenermaßen der ausuferndste, aber Frosty verbindet hier viele Kapitel aus dem Buch und spricht mir mehr noch als bisher aus dem Herzen. Dazu habe ich einige Beispiele drin gelassen, die das Gesagte verdeutlichen. Die Vorgängerposts zum selben Buch: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12}

Wenn eine missionale Gemeinde einen öffentlichen Gottesdienst hat, dann ist stellt dieser buchstäblich nur die Spitze des Eisbergs dar – ein sehr kleiner, sichtbarer Teil eines viel größeren Körpers. Warum können wir uns unser gemeinsames „Gemeinden“ [Anm. DoSi: als Verb verstanden – ich gemeinde, du gemeindest etc.] nicht als ein Netz von Beziehungen vorstellen? Warum sind wir besessen von einer einzelnen Veranstaltung, anstatt daß wir den Rhythmus einer Gemeinschaft suchen, die zusammen gemeindet?

Im Mittelalter wurden alle Menschen Europas aufgrund ihrer Kindertaufe als Christen angesehen. Darum brauchte die Kirche nicht mehr missional zu sein. Und weil sie keinen missionalen Beitrag mehr zum europäischen Christentum leisten konnte, beschränkte sie sich auf die eine Hauptfunktion, die sie noch anbieten konnte: Rituale zur Anbetung. Dies wurde die Spezialität der Kirche in der Zeit des Christendom. Das Resultat von beinahe zwei Jahrhunderten Christendom ist, daß Christen sich an die Vorstellung gewöhnt haben, ihr Glaube bestünde nur aus der Teilnahme an bestimmten Treffen – Gottesdiensten, Heiraten, Beerdigungen, Gebetstreffen usw. Selbst heute, in unserer durch und durch vom Post-Christendom geprägten Zeit, in der die Hauptaufgabe der Kirche – die Ausrichtung religiöser, liturgischer Gottesdienste – irrelvant geworden ist, können Christen (darunter viele Exilanten) den Gedanken des Christentums nicht von einem wöchentlichen Gottesdienst trennen.

Die frühen Christen hatten weder Gebäude, noch Priester, noch alte Liturgien. Sie fanden den Grund für ihr Dasein nicht in einem wöchentlichen Gottesdienst, sondern in ihrer gemeinsamen Verpflichtung, Gott in Christus zu verherrlichen. Sie wurden von den Römern nicht als neue Religion angesehen, sondern eher als Antireligion. Obwohl die Wurzeln unserer Bewegung in einer Antireligion liegen, liegt der Fokus der gegenwärtigen Form des Gemeindelebens sehr stark auf religiösen Treffen, Liturgien, „Priestern“ (ob das jetzt Prediger oder Anbetungsleiter sind), Bauwerken und Veranstaltungen. Die Anstellung von Personal und die Errichtung von Gebäuden mündet in einen Teufelskreis. Die Gemeinde muß beständig neue Leute anziehen, damit Gebäude und Personal finanziert werden können. Selbst wenn eine Gemeinde daraus ausbrechen will, werden sie von ihren finanziellen Verpflichtungen daran gehindert.

Aber es gibt einen weiteren Grund für unser Besessensein von gemeinsamen Gottesdiensten, und dieser liegt in einem falschen Verständnis der reformatorischen Lehre über Anbetung. Ein berühmter Satz aus der Westminster Confession lautet: „Das Hauptziel des Menschen ist es, Gott zu verherrlichen und sich für immer an ihm zu erfreuen.“ [Anm DoSi: Im Original: „Man’s chief end is to glorify God, and to enjoy him forever.“] Die meisten Christen sind sich sicher darin, daß der Hauptzweck der Menschheit die Verherrlichung Gottes ist. Und sie sind sich gleichermaßen sicher, daß das Hauptvehikel zur Verherrlichung Gottes der gemeinsame christliche Gottesdienst ist. Aber ist das wirklich der Fall?

Viele Christen aus der reformatorischen Tradition sehen unsere Hauptaufgabe in der Anbetung Gottes. Und diese hat im Gottesdienst zu geschehen. Ein solcher, auf rechte Weise durchgeführter Gottesdienst kann nach ihrer Ansicht unterschiedliche Elemente enthaten, zentral ist jedoch die Predigt des Wortes Gottes durch einen rechtmäßig ausgebildeten und anerkannten Lehrer/Priester. Viele Christen unserer Zeit sehen das Hauptziel der Menschheit in der Teilnahme an einer solchen Zusammenkunft. Demzufolge besteht ihre Vorstellung von Evangelisation darin, daß es hauptsächlich darum geht, Ungläubige in den Gottesdienst mitzubringen, wo diese dann eine formgerechte Predigt der Bibel im Kontext einer anbetenden Gemeinschaft hören werden.

Die Aussage, die es zu untersuchen gilt, impliziert, daß unser Hauptziel als Christen ein zweifaches ist: Gott zu verherrlichen und uns an ihm zu erfreuen. Zunächst einmal: Was bedeutet es, Gott zu verherrlichen? Beschränkt sich das auf das Singen von Anbetungsliedern und die Teilnahme am Gottesdienst? Im allgemeinen Verständnis von Gottes Herrlichkeit hat diese zwei Komponenten, wesenseigene und deklarative Herrlichkeit. Die wesenseigene Herrlichkeit ist Gottes eigene, intrinsische Herrlichkeit. Gott ist per se herrlich. Gottes deklarative Herrlichkeit wird ihm von seiner Schöpfung zugeschrieben. Dies ist der kleine Teil, den wir beitragen können. Zu Gottes wesenseigener Herrlichkeit können wir nichts hinzufügen, unser Beitrag gilt der deklarativen Herrlichkeit Gottes. Gott zu verherrlichen bedeutet deshalb, den Namen Gottes in der Welt zu erheben und Gott in den Augen anderer groß zu machen. Gemäß dem Westminster Katechismus verherrlichen wir Gott auf viererlei Weise:

  • Würdigung (Liebe, Respekt): Gott wertschätzen in all unserem Denken und Glauben, in all unserer Bewunderung und Vorstellungskraft.
  • Verehrung (öffentliche Anbetung): Gott auf eine fromale, liturgische Weise in einer öffentlichen Zusammenkunft anbeten.
  • Zuneigung (lieben, sich erfreuen): Gott lieben, ihm eine freudige Liebe darbringen, unsere Herzen auf Gott ausrichten und ihm unsere Liebe geben.
  • – Unterwerfung (Gehorsam, Dienst): Uns dem Dienst Gottes durch unsere Handlungen widmen. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen: Bibelstudium, Gebetsleben, Zeugnis, mitfühlsames Leben, Freigiebigkeit und Gastfreundschaft, die in Gottes Namen dargebracht werden. Wer dem göttlichen Willen durch Dienen gehorcht, verherrlicht Gott.

Ich denke, das Bekenntnis von Westminster hat es ziemlich gut getroffen. Ich verherrliche Gott, wenn ich die Bibel studiere, den Armen zu Essen gebe, mit meinem Nächsten teile, einen Gebetspaziergang den Strand entlang mache und dabei dem Himmel für seine Schönheit danke, wenn ich von der Schönheit der Schwertlilien Van Gogh’s, der Heuschober Monet’s oder der Äpfel Cezanne’s tief berührt werde, wenn ich ein Waisenhaus in Vietnam besuche, meinen Parlamentsabgeordneten mit der Bitte um mehr Geld für Entwicklungshilfe anschreibe oder eine Zusammenkunft mit anderen Gläubigen besuche, wo wir singen, beten oder Gott auf andere Weise gemeinsam anbeten. Bei all dem verherrliche ich Gott. Auch wenn die Teilnahme an einem Gottesdienst ein Weg ist, Gott zu verherrlichen, ist es nicht der einzige Weg.
Der zweite Teil unserer Aufgabe ist es, gemäß des Westminster Bekenntnisses, uns für immer an Gott zu erfreuen. Welch eine wundervolle Vorstellung! Wenn wir die Verherrlichung Gottes zu unserem Hauptziel machen, dann öffnen sich unsere Augen für die unzähligen Möglichkeiten, auf deren Weise wir uns hier auf Erden an Gott erfreuen können. Ein Besuch in einer Kunstausstellung wird zur Anbetungszeit. Eine Speisung von Obdachlosen wird zum Akt der Gemeinschaft mit Gott. Ein Tag im Haus des Herrn ist wunderbar, aber die tausend Tage draußen sind ebenfalls großartig. Eine solche süße, alltägliche Gemeinschaft mit Gott zu genießen bleibt für die meisten Menschen ein Rätsel und ein Geheimnis, aber diejenigen von uns, die Gottes erstaunliche Gnade in Christus erfahren haben, können sich gar nicht vorstellen, wie jemand das Leben genießen könnte, ohne sich an Gott zu erfreuen. Ich persönlich kann es mir nicht vorstellen, körperliche Gesundheit, tolle Freunde, glückliche Zufälle oder irdische Freuden zu genießen, ohne gleichzeitig Gott zu genießen. Eine solche Freude kann genauso in einer tiefen und befriedigenden gemeinsamen Anbetungszeit erfahren werden. Es gibt nichts, was mit der Freude verglichen werden kann, die wir empfinden, wenn wir unsere Hände und Stimmen erheben und gemeinsam wie mit einer Stimme zum Lob Gottes singen. Aber wir dürfen unsere Freude an Gott nicht auf diese Erfahrungen reduzieren. Wenn wir unseren Rasen mähen, die Hecke zurückschneiden, die Blumenbeete düngen und dabei eine mächtige Gemeinschaft mit dem Gott der Schöpfung verspüren, dann erfreuen wir uns an Gott. Wenn wir mit lieben Freunden für die Nöte eines anderen beten und uns in dieser Sache tief mit unseren Mitgläubigen verbunden fühlen, erfreuen wir uns an Gott. Sich an Gott zu erfreuen bedeutet aber auch, daß wir uns dem langsamen und beständigen Werk der Heiligung unterziehen und jeden Teil unserer Welt auf die Herrlichkeit Gottes hin orientieren. Wenn wir uns der Lust, Gier oder anderen ungöttlichen Sinnesfreuden hingeben, verherrlichen wir Gott nicht. Sich an Gott zu erfreuen bedeutet auch, den „Schmerz“ eines hingebungsvollen und disziplinierten Lebens zu leben. Schädigenden Trieben zu widerstehen ist ein Teil der Freude an Gott und bringt ihm Herrlichkeit. Ebenso geschieht das, wenn wir Arme speisen, Obdachlose aufnehmen, Kranke besuchen, Wunden verbinden etc. Ich stimme von Herzen der Aussage zu, daß es unsere Hauptaufgabe ist, Gott zu verherrlichen und uns an ihm zu erfreuen, solange dies mehr als nur die gemeinsame Anbetung im Gottesdienst ist.

Worauf zielt Gott mit der Welt ab? Am Ende der Offenbarung wird die erlöste Stadt beschrieben, in der es keinen Tempel braucht, um Gott anzubeten, weil Gott selbst in der Mitte seines Volkes wohnt. Sich an Gott zu erfreuen, bedeutet, nach einer solchen Welt im Hier und Jetzt zu streben. Eine Welt der Gesundheit und des Friedens für kranke Kinder. Eine Welt, in der Arbeiter ihr eigenes Zuhause genießen und auf ihrem eigenen Land leben können, ohne von der Barmherzigkeit habgieriger Landesherren abhängig zu sein. Eine Welt, in der Gott immer bei uns gegenwärtig ist. Eine Welt, in der Klagen und Weinen der Vergangenheit angehört. Das ist die Art Welt, in der wir uns für immer an Gott erfreuen könnten. Aber sich an Gott zu erfreuen, beinhaltet noch mehr. Wenn es unser Endziel ist, Gott zu verherrlichen und uns an ihm zu erfreuen, was ist dann die Rolle Gottes? Falls Gott dafür existiert, die Menscheit zu erlösen, dann müssen wir als die Erlösten dies zu unserem Hauptanliegen machen. Diese Denkweise führt viele christlichen Lehrer und Autoren zu der Annahme, Evangelisation sei unsere primäre Aufgabe. John Piper vertritt in seinem Buch Desiring God einen leicht anderen Standpunkt. Er nimmt an, daß die Erlösung der Menschheit nicht das Endziel Gottes ist:

Gottes Rettungshandeln ist das Vorletzte, nicht das Letzte. Errettung, Erlösung und Wiederherstellung sind nicht das Endziel Gottes. Sie dienen einem größeren Zweck: Nämlich, die Freude, die er an der Verherrlichung seiner selbst empfindet.

Wie Piper darlegt, ist Gott umfassend selbstsuffizient und absolut souverän, Gott fließt immer über mit Energie um deretwillen, die ihr Glück in Gott suchen. Pipers einfallsreiche Überarbeitung des Bekenntnisses von Westminster besagt, daß es das Endziel der Menschheit ist, Gott zu verherrlichen, um sich für immer an Gott zu erfreuen. Wenn wir uns an einen Lebensstil hingeben, der Gott geweiht ist und darauf abzielt, ihm Ehre zu bringen, ist es die zweite, natürliche Konsequenz, daß wir mit Freude und Zufriedenheit erfüllt werden, weil wir vom Glück eines verherrlichten Gottes trinken. Und das Gegenteil ist ebenso wahr: Worum es in unserem Leben geht, ist die Verherrlichung Gottes durch die Freude an ihm. Zwischen Pflicht und Vergnügen kann hier kein Unterschied gemacht werden, als ob diese sich polar gegenüberstehen würden. Für den Nachfolger Gottes ist die Pflicht ein Vergnügen. Dies ist das Vorbild, das uns in Jesus offenbart wurde. Er nimmt die Pflicht des Kreuzes wegen der Freude an, die sie seinem Vater bringt. Dies scheint uns ein verwirrender Gedanke zu sein, daß ein Vater vom Leiden seines Sohnes Freude ziehen könnte. Aber in einem weiteren oder globalen Sinn geschieht genau das. Zweifellos haßte Gott den Schmerz und das Leiden. Gott haßte die Sünde, die Christus trug. Wenn wir aber durch eine breitere Linse schauen, dann erkennen wir, daß der Vater an dem die Sünde bedeckenden, den Tod überwindenden Gehorsam seines Sohnes Jesus Freude empfand. Gottes Freude über die Erfüllung des endgültigen Zieles – die Verherrlichung Gottes – überwiegt die verengte Sicht des Leidens. Der Punkt ist, daß Gottes Streben nach Lobpreis von uns und unser Streben nach Freude an Gott ein und dasselbe Streben sind. Gottes Streben danach, verherrlicht zu werden und unser Streben danach, zufriedengestellt zu werden, erreichen beide ihr Ziel in ein und derselben Erfahrung: Unserer Freude an Gott, die in ein gehorsames, göttliches Leben mündet. Für Gott stellt ein an die göttliche Herrlichkeit hingegebenes Leben das süße Echo auf Gottes eigene Exzellenz im Herzen des Volkes dar. Für uns sind Lobpreis und Göttlichkeit der Gipfel der Zufriedenheit, die aus einem Leben in Gemeinschaft mit Gott kommt. Gott ist für uns!
Anstatt zu sagen, daß es unser Hauptziel ist, „Gott zu verherrlichen und uns für immer an ihm zu erfreuen“, schlage ich eine noch simplere Maxime vor: „Das Hauptziel der Menschheit ist es, Gott zu gefallen.“ [Anm. DoSi: „The chief end of humankind is to please God“]. Das bedeutet, daß wir zur Freude beitragen, die Gott über seine eigene Herrlichkeit empfindet. Dieses war sicherlich das vorrangige Ziel von Jesu eigenem Dienst. Er lebt uns beispielhaft vor, wie ein menschliches Leben aussieht, das ausschließlich zur Freude Gottes gelebt wird. Gott kann nichts anderes tun, als ausdrücklich seinen Wohlgefallen am gehorsamen Leben seines Sohnes ausdrücken. Die Erwartung, daß wir Gott auf eine ähnliche Weise Freude bereiten könnten, wie das Jesus getan hat, mag vielleicht etwas unverfroren erscheinen. Die meisten von uns fühlen für gewöhnlich, daß wir Gott durch unser Scheitern und unseren Ungehorsam enttäuschen und ihm Sorge bereiten. Aber vielleicht wäscht das gottgefällige Werk Jesu ja alle Verurteilung weg, die uns treffen sollte. Die Ziele Gottes sind und werden erreicht, unabhängig davon, ob wir scheitern. Die Freude Gottes können wir nicht verringern. Wenn wir durch Glauben an Christus mit Gott versöhnt sind, dann werden die Enttäuschung und die Sorge, von der wir annahmen, Gott würde sie uns gegenüber empfinden, von dem Tsunami der Freude überflutet, die Gott von seiner Verherrlichung durch Christus empfängt. Frei von Verdammung sollte sich unsere Sichtweise dahingehend erneuern, daß dies das eine Endziel ist, für das die Menschheit geschaffen wurde. Alles andere, was wir sein, tun oder wonach wir streben mögen, ist nur ein Mittel zu diesem Zweck. All unser Dienst an anderen, unsere gemeinsame Anbetung, unser Kummer über Sünde, jedes Opfer, jede Sehnsucht – alles muß dem höheren Zweck, Gott zu erfreuen dargebracht werden. Und selbst wenn wir Gott enttäuschen, erfreut sich Gott immer noch an Gottes Selbst, weil Gott durch die weitere Linse sieht. Wir haben einen fröhlichen, ewig frohlockenden Gott. Mit einem großen und robusten Glauben an unseren glücklichen Gott, sollten wir in der Lage sein, alle Dinge als Möglichkeit ansehen, Gott mehr Freude zu bringen. G.K. Chesterton wird nachgesagt, er habe gewitzelt, Gott sei das einzig übrige Kind im Universum und alle anderen seien durch die Sünde alt und zynisch geworden. Ein solcher Glaube sollte Exilanten dazu befähigen, es anzuerkennen, daß unser ganzes Leben auf Gott gerichetet sein kann und deshalb Gott verherrlichen kann. Ebenso wird ein zum Wohlgefallen Gottes gelebtes Leben bedeuten, daß unsere Entscheidungen, unsere Vorlieben und unsere Wünsche sich unserem größeren Ziel unterordnen. Den Herrn zu lieben oder sich am Herrn zu erfreuen oder dem Herrn zu gehorchen oder sogar die Erlösung des Herrn an erster Stelle anzunehmen – all dies sind nur Mittel, die dem Hauptziel dienen sollen, nämlich Gott zu gefallen. Krankenschwestern gefallen Gott, wenn sie das Gott verherrlichende Werk tun, Kranke zu heilen. Lehrer tun das [Gott gefallen], wenn sie ihre Schüler die Wahrheit lehren. Läufer tun das, wenn sie schnell laufen. Und wenn wir mehr und mehr mit Gottes unaufhaltsamem Ziel seiner Selbstverherrlichung zusammenarbeiten, bringen wir Gott und uns immer mehr Freude. Wie Jesus werden wir buchstäblich leuchten. Warum scheinen viele Anbetungsleiter davon auszugehen, daß die vorrangige Art, wie wir Gott Freude bringen, der gesungene Lobpreis ist? Unser ganzes Leben soll zum Lob Gottes gelebt werden, als Ausdruck der Herrlichkeit Gottes, sie sollten zur Freude beitragen, die Gott an Gottes Selbst hat und in der Erfüllung des göttlichen Willens auf diesem Planeten.
Selbstverständlich spricht nichts davon gegen gemeinsame oder öffentliche Lobpreiszeiten. Wir verherrlichen Gott durch Würdigung, Zuneigung, Unterwerfung und Verehrung. Dieser Aspekt der Anbetung ist essentiell, aber es war meine Hoffnung, ihm wieder seinen Platz zu geben als eine Art und Weise, auf die wir Gott verherrlichen, nicht die einzige. Aus meiner Perspektive sollten Gottesdienste der gemeinsame Ausdruck dessen sein, was aus dem normalen Leben einer Gemeinschaft überfließt, die täglich auf irgendeine Weise miteinander gemeindet. Wenn wir eine Gemeinschaft sind – ein Netz oder Netzwerk von Beziehungen – der es hauptsächlich darum geht, Gott Freude zu bringen, dann werden die Zeiten, an denen wir uns gemeinsam versammeln, das widerspiegeln. Und wenn wir an gemeinsamen Gottesdiensten teilnehmen, beten wir Gott natürlich genau deshalb an, weil er unseres Lobes würdig ist und nicht als Werbemaßnahme, um Christen anzuziehen, die über andere Gemeinden verärgert sind. In der Kultur der Zeit nach Christendom muß die Kirche als eine Parallelgesellschaft anbeten. Unsere gemeinsame Versammlung gibt uns die Möglichkeit, unsere Sprache zu sprechen, unsere Geschichten über das Wirken Gottes zu lesen, authentische Glaubenslieder in allen Stilarten zu singen, unsere Gebete zu singen und auszugießen, bis wir die Wahrheit so gut kennen, daß wir hinaus in die Welt gehen können, die uns umgibt, und diese Welt mit der Botschaft unseres Freundes Jesus zu durchdringen. Exilanten werden von den biblischen Erzählungen geformt, die eine andere Geschichte als die der sie umgebenden Kultur erzählen. Indem sie die Mission annehmen, diese Kultur zur Herrlichkeit Gottes zu zerrütten [Anm. DoSi: to subvert – also zerrütten, umstürzen, untergraben – er meint genau das ;-)], werden Exilanten zu einer Gemeinschaft geformt, die ihre eigenen und ihr gemäßen Liturgien und Rhythmen zur Anbetung entwickeln wird. Die gefährlichen Geschichten von Jesus zu kennen, kann uns nur hinauf und heraus aus dem Kaninchenbau und hinein in die uns umgebende Welt treiben. Wenn wir das Vorbild Jesu authentisch verstehen und anwenden, wird uns Bequemlichkeit und Sicherheit unbehaglich vorkommen. Es sendet uns hinaus, jemandem oder etwas anderem als uns selbst zu dienen. Kurz gesagt landen wir bei der Mission, Gastfreundschaft, Freigiebigkeit, Gerechtigkeit und Frieden zu üben. Das nächste Glied in der Kette kommt dann, wenn wir die liminale Erfahrung der Mission machen, die über unsere Kraft geht und wir uns nach anderen Gläubigen ausstrecken, die uns auf dieser Reise unterstützen. Dann entwickeln wir Rhythmen und Muster dafür, miteinander zu gemeinden. Diese Rhythmen kommen aus dem sozialen Kontext, in dem wir stehen. Es ist essentiell, miteinander anzubeten, denn wenn wir Gott in diesem liminalen, missionalen Raum erfahren, sehen wir Gott am Wirken, sich selbst verherrlichend, und wir wollen Gott dafür anbeten, daß er ein wunderbarer, glücklicher und gnädiger Gott ist. Wahre Anbetung (im Unterschied zum bloßen Singen von Liedern) kommt aus der Beschaffenheit einer missionalen Gemeinschaft. Exilanten haben es satt, zu einem Publikum zu gehören, ihr Geld zu bezahlen und eine anständige Darbietung mit ordentlicher Predigt, schicklicher Musik und bequemer Sitzgelegenheit zu erleben. Sie haben es satt, jede Woche aufzukreuzen, aber kaum jemanden zu kennen und den Darstellern auf der Bühne dabei zuzusehen, wie sie ihr Ding durchziehen. Kurz gesagt, haben sie vom Christendom geprägte, von der Bühne aus gelenkte Gottesdienste hinter sich gelassen. Wie ich bereits früher gesagt habe, schließt nichts hiervon gemeinsame Anbetung aus. Tatsächlich ist es unbedingt notwendig, daß Gruppen von Exilanten sich miteinander treffen, um Gott anzubeten, so wie sie von ihrer liminalen Erfahrung der Mission dazu inspiriert werden. Anbetungszeiten werden ein Ausdruck des gememeinsamen Ausflusses unserer geteilten Leben sein, und sie können jede mögliche Form annehmen, welche die Gemeinschaft für passend erachtet. Sie werden nicht die Summe des Lebens der Gemeinschaft sein, sondern eher das, was aus ihm überfließt. Es sollte Tage dauern, um eine missionale Gemeinschaft kennenzulernen, nicht nur die neunzig Minuten ihres Gottesdienstes. Werden missionale Gemeinschaften anders anbeten/andere Gottesdienste feiern als die Gemeinden des Mainstream? Aus den bereits erwähnten Gründen gehe ich sehr davon aus und es gibt Hinweise darauf, daß eine Revolution der Anbetung vor sich geht, die von Exilanten angeführt wird. Gesang und Predigt, die beiden zentralen Elemente eines protestantischen Gottesdienstes, sind hauptsächlich dazu da, Lehre zu vermitteln. Das Geheimnisvolle, Staunenswerte und Ehrfürchtige ist verschwunden. Exilanten fangen damit an, Anbetungserfahrungen zu schaffen, welche die Beteiligung aller erfordern und vielerlei Möglichkeiten für die Interaktion der Gruppe anbieten. Viele Exilanten haben versucht, die geistlichen Übungen der Kontemplation und der Meditation wiederzuentdecken, Beziehungen und Gemeinschaft zu betonen, Transzendenz und Geheimnis, Erfahrbares und Symbolisches. Solche Gottesdienstarten/Anbetungsformen sind überaus kreativ, in tiefer Weise auf Gott ausgerichtet und gleichzeitig wunderbar spielerisch und bedeutungsvoll. Mein vorrangiges Ziel ist hier nicht, die gemeinsame Anbetung wiederzubeleben. Ich sehe das eher als Teil eines weiteren Bedürfnisses für eine komplette Erneuerung der Kirche an. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf schlage ich vor, daß Anbetung/Gottesdienste von Exilanten oftmals folgende Aspekte enthält:

  • – gemeinschaftlich: Ein von der Bühne geleiteter Gottesdienst ist in sich selbst elitistisch. Exilanten sehnen sich nach einer Anbetungserfahrung, die den Beitrag aller anerkennt und nicht nur den der Talentierten. Das soll nicht heißen, daß manche nicht besonders begabt darin sind, Lehre zu vermitteln oder den Gesang zu leiten, sondern die Erkenntnis vermitteln, daß wir durch multiple Erfahrungen lernen können, nicht nur durch Monologe und daß wir Gott in vielerlei Weise anbeten können, nicht nur durch Singen. Es sollte für jeden die Möglichkeit geben, auf irgendeine Weise beitragen zu können, auch auf der Gestaltungsebene. Und die Versammlung selbst sollte den wichtigen Beitrag vieler anerkennen, indem sie Menschen den Zugang dafür bietet. Idealerweise sollte der Raum so angeordnet sein, daß es kein spezifisches „Vorne“ gibt, und der Fokus der Aktivität sich von einem Teil des Raumes zu einem anderen bewegt, oder sich an vielerlei Orten gleichzeitig befindet. Steve Collins meint:

    Leitung geschieht durch Einladung, ohne die Verpflichtung, überhaupt teilnehmen zu müssen oder daß alle gleichzeitig dasselbe tun müssen. Die Elemente des Gottesdienstes sind für gewöhnlich alle um eine Thematik herum erstellt, so daß die Lehre durch alles, was geschieht, vermittelt wird, statt auf eine Predigt konzentriert zu sein, die von einer einzigen, autoritativen Stimme verkündet wird. Es gibt Raum für Diskussion und Austausch in Kleingruppen oder mit der ganzen Versammlung.

Die Anweisungen, die Paulus den Korinthern bezüglich ihrer gottesdienstlichen Versammlung gibt, werden meist komplett aus dem Kontext genommen, in dem sie geschrieben wurden. Alles, was Paulus ihnen zu dieser Thematik sagt, besonders in 1Kor 11-14, impliziert, daß sich die Versammlung um Essen und in einem gemeinschaftlichen, egalitären Geist ereignete. Seine Anweisung darüber, wie das Fest der Erinnerung durchgeführt werden sollte (1Kor 11,23-26) sind ein sein Verständnis eingebettet, daß der „Gottesdienst“ um Tische herum, auf Sofas und Kissen stattfinden sollte, mit für alle ausreichendem Essen. Seine Verfügung, daß sie sich vor dem Essen prüfen sollen (1Kor 11,28), scheint anzudeuten, daß darüber nachzudenken sei, auf welche Weise sie sich der Gier und des Parteigeistes schuldig machten. Das hat wahrscheinlich weniger mit persönlicher Frömmigkeit als mit gemeinschaftlicher Verantwortung zu tun. Wenn das Gericht auf sie kommen würde, dann wegen ihrer selbstsüchtigen und diskriminierenden Haltung, die manchen Gliedern vollen Zugang gewährte und anderen nicht. Im weiteren betont Paulus, daß Anbetung gemeinschaftlich und nicht elitistisch sein soll und mündet in seine bekannte Lehre über Geistesgaben und sein Bild der Gemeinde als Leib aus vielen Gliedern, an dem jedes einzelne zum Ganzen beiträgt (1Kor 12). Zweifellos läßt sich diese Lehre auch jenseits der gemeinsamen Feier anwenden, aber behalte im Gedächtnis, daß sie in eine Diskussion des gottesdienstlichen Lebens der Korinther eingefügt ist. Botschaften der Weisheit und Erkenntnis (1Kor 12,8), Gaben der Heilung (1Kor 12,9), Prophetie, Unterscheidung, Sprachen und ihre Auslegung (1Kor 12,10) werden alle im Kontext des Erinnerungsmahles angesprochen und bilden die Brücke zur paulinischen Lehre von der Gemeinde als Leib. Die Gedächtnisfeier und die gemeinsame Anbetungszeit sollten die Ausübung vielerlei Gaben von vielen Menschen ermöglichen. Es ist keine geringe Sache, daß Paulus mitten in dieser Darlegung seine schöne Ode an die Liebe in Kapitel 13 einfügt. Während manche prophezeien, andere in Zungen reden, wieder andere großen Glauben zeigen oder dienen, verkündet Paulus, daß ihre Versammlungen von geduldiger, freundlicher, selbstloser, wahrhaftiger, ausdauernder, schützender Liebe gekennzeichnet sein sollen. Die Gemeinschaft ist ein Ort der Ehrlichkeit, Hingabe und Unterstützung, wo Menschen durch ihre gemeinsame Verpflichtung, anderen zu dienen, an Intimität und Vertrauen wachsen. Viele Exilanten haben sich aufgrund ihrer gemeinsamen Unzufriedenheit mit der Kultur der Anbetung/Gottesdienstformen im Mainstream miteinder verbunden. Aber wenn sie beginnen, zusammenzuarbeiten, einander und anderen zu dienen, Anbetung zu schaffen und Theologie zu erkunden, wachsen sie als intime Gemeinschaften zusammen. In der Kirche des Mainstream ist dies viel weniger möglich, wo einige Experten die Gottesdienste kreieren und durchführen und der Rest von uns schlicht die Rolle des Publikums spielt.

  • – kontextbezogen: Die Anbetung entspringt aus den Rhythmen der Kultur oder Subkultur, der zu dienen sich die Gemeinschaft gesandt fühlt. Diejenigen, die inkarnatorische Gemeinschaften formen, um ein Zeugnis in Subkulturen zu sein, stellen bald fest, daß sie ihre Gottesdienstform überdenken müssen – nicht nur um zugänglich für diejenigen zu sein, die sie erreichen müssen, sondern auch um der Veränderung zu entsprechen, die mit ihnen selbst vorgegangen ist. In Großbritannien entwickelte sich in den 1990ern eine neue Bewegung, die „Alternative Worship“ genannt wurde. Das Modell, das sie der Clubkultur entnahm, war das des Chill-Out-Raumes – ein Raum mit stiller, beruhigender Atmosphäre, um von der Hitze, Intensität und dem Krach des Dancefloors auszuruhen. Chill-Out-Räume zeigten auf, wie eine Gemeinde in der sich neu formenden [emerging] Kultur aussehen könnte: Ein reflektierter, entspannender Ort des Nachdenkens oder der ruhigen Unterhaltung, visuell und klanglich reich aber dennoch sanft, eine Erholung von Krach und Aktivität. Heute wird der britische Alternative Worship in die ganze Welt exportiert. Sein Ursprung findet sich aber in einem Versuch, auf eine Weise anzubeten/Gottesdienst zu feiern, deren Substanz der Kultur entsprach, aus der er entstammte. In den Vereinigten Staaten trat eine ganz ähnliche Bewegung auf, wo warme, atmosphärische Cafés mit kostenlosem, drahtlosem Internetzugang, kostenlosen Zeitungen und Zeitschriften, bequemen Sofas und einfachen Stühlen den Markt für Junge Erwachsene immer mehr dominierten, vor allem in Universitätsstädten. Chill-Out-Musik, eine entspannte Atmosphäre und guter Kaffee schaffen einen Bereich, in dem junge Leute entspannen, auftanken, sich erholen und andere treffen. Als Ergebnis versuchen „Café Churches“ diese gemütliche und freundliche Atmosphäre zu kopieren, wo Gespräche bei gutem Essen und Trinken stattfinden. Die Leute kommen und gehen, wie sie wollen, es gibt keinen formellen Beginn und Schluß, abgesehen von den Öffnungszeiten. Möglicherweise gibt es Musik im Hintergrund, Kunstinstallationen, vielleicht sogar einen Liveact – aber nichts, was alle Unterhaltungen auslöschen würde. Sogenannte sich im Enstehen befindliche Gemeinden [emerging churches] haben besonders an der Westküste diese Subkultur mit großen Auswirkungen verwendet und auf Kunst basierte Gebetsstationen, Gesprächsgruppen wie auch Versammlungen in freier Form ermöglicht. Den Gottesdienst zu kontextualisieren beinhaltet mehr, als in der Gemeinde Popmusik statt klassischer Choräle einzuführen. Es beinhaltet einen ernsthaften, inkarnatorischen Versuch, die Kultur, in die Du gesandt bist, zu betreten, zu kennen, zu lieben und zu genießen. Dann wird die Gottesdienstform/Anbetungsart und GoDi-/A- Umgebung auf natürliche Weise den Lebensstil, die Rhythmen und Interessen dieser Kultur widerspiegeln.
  • – atmosphärisch: Das Ambiente eines Gottesdienstraumes ernstzunehmen, heißt ernstzunehmen, daß Gott mit all unseren Sinnen angebetet werden kann. Einige der Bereiche, die wir diesbezüglich in Betracht ziehen sollten, sind folgende:
  • – visuelle Kunst: Videobeamer, Monitore, Kunstinstallationen, auf Kunst basierende Erfahrungen (z.B. unsere Gebete zu malen), atmosphärische Bilder etc.
  • neu entdeckte christliche Traditionen: interaktive Erfahrungen etc. In einer Zeit umfassenden kulturellen Wandels ist es notwendig, daß wir die gesamte christliche Tradition in Betracht ziehen und uns Gedanken darüber machen, was neu wertvoll oder reif zur Reinterpretation sein könnte und was vielleicht für eine Weile zur Seite gelegt werden sollte.
  • – Ritualisiert: Labyrinthe sind eine altehrwürdige christliche geistliche Übung, und dem Pfad in das Labyrinth hinein und wieder heraus zu folgen wird zu einer begangenen Meditation und Metapher für unsere geistliche Reise als Einzelne und in Gemeinschaft. Menschen entdecken alte Rituale wieder, ob das jetzt Gebetsketten sind, lectio-divina-mäßiges Bibellesen, keltische Formen der Anbetung etc. und verbinden diese mit einer atmosphärischen Umgebung, mit visuellem Hintergrund, Tanzmusik und Chill-Out-Zonen. Auf diese Art kommt die Gestaltung und Durchführung des Gottesdienstes zurück in die Hände der Versammlung selbst, so daß gewöhnliche Christen die Möglichkeit haben, geistliche Übungen aus unterschiedlichen Traditionen und Zeitepochen miteinander zu verbinden und zu erleben.
  • Geisterfüllter Gesang: Ich denke, daß wir das gemeinsame Singen bislang sehr überbetont und auf seine Kosten vieles andere ausgeschlossen haben. Trotzdem ist es nicht überflüssig. Gemeinsamer Gesang war eine der rechtmäßigsten Weisen der christlichen Anbetung Gottes in der Geschichte unserer Bewegung. Aber die augenblickliche Besessensein von sog. „Lobpreis und Anbetung“ – die Verbindung von vielen unzusammenhängend nacheinander gesungenen Liedern – ist eine relativ neue Erfindung. Die Geschichte des christlichen Gesanges ist viel reicher. Die bekannteste Bezugnahme von Paulus auf gemeinsames Singen steht in Kol 3,16:

Laßt das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.

Wenn wir „Psalmen“ als das Singen von altestamentlichen Psalmen u.ä. ansehen, „Lobgesänge“ gesungene Formen christlicher Lehre wie z.B. der Christushymnus in Phil 2 darstellen, was sind dann diese „geistlichen Lieder“? Es scheint mir so, als ob wir heute zwar Psalmen und Lobgesänge (ob jetzt klassische oder zeitgenössische) singen, aber verpassen wir etwas, das in den paulinischen Gemeinden an der Tagesordnung war? Augustinus nannte die geistlichen Lieder einen gewissen Klang der Freude ohne Worte, jemand der sich in unverständlichen Worten der Freude ausdrückte etc. Es gibt Hinweise dafür, daß die frühesten Christen einen verlängerten Singsang [Anm. DoSi: „chant“ – kann man das überhaupt adäquat übersetzen?] kannten, der als ekstatischer Lobpreis, ein reines, wortloses Jubilieren verstanden wurde. Nichtsdestotrotz müssen wir den Rat des Paulus in 1Kor 14,14f beachten:

Denn wenn ich in Zungen bete, so betet mein Geist; aber was ich im Sinn habe, bleibt ohne Frucht. Wie soll es denn nun sein? Ich will beten mit dem Geist und will auch beten mit dem Verstand; ich will Psalmen singen mit dem Geist und will auch Psalmen singen mit dem Verstand.

Die Improvisation mag (im Geist) weitergehen, aber Paulus verliert die Kontrolle über seinen Verstand nicht. Wenn „geistliche Lieder“ tatsächlich ekstatische Äußerungen oder wortlose Improvisationen waren, während derer der Anbetende voll Staunens, Liebe und Lobpreises war, dann scheint es Paulus wichtig zu sein, daß diese einen kleineren Teil der gemeinsamen Anbetungserfahrung ausmachen, um andere nicht zu befremden. Es bleibt aber die Tatsache, daß sie zum gemeinsamen Treffen gehören. Sie richten sich auf Gott und verherrlichen Gott. Und obwohl das Singen geistlicher Lieder den Anbetenden sehr gesegnet zu haben scheint, war das doch nur ein Nebeneffekt dieser Übung. Geisterfüllter, Gott verherrlichender gemeinsamer Gesang ist essentiell für jede Gemeinschaft im Glauben. Exilanten haben es aufgegeben, verdrehte, bedeutungslose Lieder zu singen. Sie können Lieder nicht ertragen, die uns zum Zentrum des Universums machen, so z.B. „Ich entscheide mich für Dich, Gott“ oder „Du kannst mein Herr sein“. Sie sind blasphemisch, selbstsüchtig, ungöttlich. Und nur weil sie den Menschen ein gutes Gefühl geben, sind sie noch lange nicht annehmbar.

Gruppen von Exilanten, die mit der Liminalität von Mission leben, Communitas genießen, anderen dienen und miteinander essen, müssen von geisterfüllter, Gott ehrender Anbetung getragen werden. Ein gemeinschaftlicher, atmosphärisch gestalteter Raum, der um einen gastlichen Eßtisch angeordnet ist, die örtliche Kultur reflektiert, altehrwürdige und zeitgemäße Rituale gebraucht und von geisterfülltem Gesang durchdrungen ist, wird ein wundervoller Ausdruck dessen sein, was aus Leben überfließt, die täglich zur Freude unseres glücklichen, fröhlichen, allmächtigen Gottes gelebt werden.

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2 Kommentare zu “Exiles (12) – Exilanten am Altar”

  1. [depone] sagt:

    oh, das ist wirklich nicht dein kürzester post…

  2. DoSi sagt:

    🙂


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