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Exiles (1) – Selbsterwählte Exilanten

4. November 2006

{Das ist der zweite Post zu Michael Frost’s Exiles: Living Missionally in a Post-Christian Culture. Den ersten findest Du hier.}

Frost wendet sich an Exilanten, Christen, die „mit der nagenden Spannung leben, weder in der Welt, noch in der Kirche, wie sie sie gekannt haben, zuhause zu sein.“ (3) Zunächst beschreibt er das Ende des „Christendom“, also derjenigen Epoche seit Konstantin, in welcher das Christentum offzielle Staatsreligion war, die Kultur entscheidend prägte und Menschen von Geburt an als Christen angesehen wurden (hallo Kindertaufe!). (Leider läßt sich „Christendom“ nicht ohne weiteres verdeutschen – „Christentum“ hat eine andere Nuance; hat jemand einen Vorschlag?)

Das Nettoergebnis der ganzen „Christendom“-Eoche war, daß sich das Christentum von einer dynamischen, revolutionären sozialen und geistlichen Bewegung in eine statische religiöse Institution verwandelte, begleitet von Strukturen, Priesterschaft und Sakramenten. (5)

Das „Christendom“ liegt allerdings in den letzten Zügen, womit sich Stuart Murray in seinem feinen Buch Post-Christendom: Church and Mission in a strange new world auseinandersetzt, über das ich sicher auch noch posten werde. Murray definiert unsere Zeit als Post-Christendom; das ist diejenige

Kultur, welche anbricht, während einerseits das christliche Glaubensgebäude in einer Gesellschaft an Stimmigkeit verliert, die von der christlichen Erzählung geprägt wurde, und andererseits die Institutionen, welche den christlichen Überzeugungen Ausdruck verleihen sollen, an Einfluß verlieren. (Murray, 6; zitiert bei Frost, 6)

Frost sieht das Ende des „Christendom“ nicht wie viele als Krise für die Gemeinde (vgl. Klage über rückläufige Kirchensteuern in der EKD), sondern vielmehr als Chance, wieder zu einer „radikalen, subversiven, mitfühlenden Gemeinschaft von Nachfolgern Jesu“ (8) zu werden. Nun bringt er Walter Brueggemann ins Spiel, von dem ich nur das 1978 erschienene The Prophetic Imagination gelesen habe, das mich sehr berührt und angesprochen hat. Brueggemann sieht viele Parallelen zwischen der Erfahrung heutiger Christen und der Erfahrung der jüdischen Exilanten in Babylon, von der das Alte Testament berichtet. Frost zitiert hauptsächlich Cadences of Home von 1997. Wie die jüdischen Exilanten klagt die Kirche heute über das, was sie verloren hat, und fühlt sich gedemütigt. Um der Selbstbezogenheit zu entkommen und bewußt als Alternative zu den herrschenden Mächten zu leben, sind laut Brueggemann vorsätzliche Übungen notwendig, die Frost so zusammenfasst:

Exilanten werden zu ihren gefährlichen Erinnerungen zurückgeführt, indem sie an die Verheißungen Jesu und seine Agenda für das menschliche Zusammenleben zurückdenken. Exilanten sind bereit, eine Reihe gefährlicher Verheißungen auszuleben, die auf das Reich Gottes hindeuten und in Konflikt zu den Werten des herrschenden Imperiums stehen. Exilanten werden die Torheit dieses Imperiums verspotten, indem sie eine gefährliche Kritik dieser Gesellschaft laut werden lassen, einer Gesellschaft, die von Gier, Lust, Selbstsucht und Ungleichheit zerfressen ist. Und schlußendlich werden Exilanten gefährliche Lieder singen, die von einer unerwarteten Neuheit des Lebens sprechen. … Wie die alten Propheten werden die Exilanten denen das Leben schwer machen, die diesem post-christlichen Imperium dienen. (10)

Frost gliedert sein Buch in diese (oben fett unterlegten) Kategorien Brueggemanns. Gefährliche Erinnerungen dienen den Exilanten als Leitfaden, um sich in ihrer Situation zurechtzufinden. Für Frost sind das die Evangelien. Sie sind gefährlich für das Imperium, weil Jesus auf eine Art und Weise gelebt hat, die Konsumdenken, Gier, Selbstzentriertheit und Gewalt keinen Raum läßt. Unsere Auseinandersetzung mit dem Leben Jesu lädt uns zu einem alternativen Wertesystem jenseits der postchristlichen Gesellschaft ein. Frost illustriert die Bedeutung gemeinsamer Erinnerungen anhand der Ausführungen von Stanley Hauerwas in A Community of Character über die Kaninchen in Richard Adams‘ Roman Unten am Fuß und kommt zu dem Fazit:

Die christliche Erfahrung wird nicht primär von unserer Liturgie, Lehre oder Ekklesiologie bestimmt, so wichtig diese auch sein mögen. Wir werden geformt von den gefährlichen Geschichten unseres großen Helden. (13)

Als gefährlichsten Aspekt macht Frost die Inkarnation Jesu aus, die uns weder den Rückzug in ein heiliges christliches Ghetto gestattet, noch es uns erlaubt, die Werte der säkularen Kultur anzunehmen:

Wie Christus sind wir berufen, göttlich zu sein, aber es wird von uns erwartet, das in der Gegenwart ganz anderer Menschen auszuleben. Es gibt keinen gefährlicheren Weg, als den, den Jesus gegangen ist. (15)

Eine gefährliche Verheißung gewinnt dort Gestalt, wo einige wenige anfangen, von einem Machtwechsel zu träumen – von Gier und Selbstgerechtigkeit zu Liebe und Gerechtigkeit:

Die christliche Bewegung muß die lebendige Verheißung an die Gesellschaft sein, daß es möglich ist, die Werte Christi tatsächlich auszuleben. Darin wird sie die radikale, unbequeme Alternative zum Ungleichgewicht der Mächte im Imperium. (16)

Das Ausleben dieser Verheißung in der liebenden, dienenden, vergebenden und barmherzigen Gemeinschaft wird zur gefährlichen Kritik am Imperium führen, indem dessen falsche Götter und Ideologie entlarvt werden, so wie dies im babylonischen Exil z.B. durch Daniel geschehen ist.

Den einleitenden Abschnitt über gefährliches Liedgut beginnt Frost mit der Feststellung, dass die zeitgenössischen Anbetungslieder zu brav und sentimental sind, um als Triebfeder einer Revolution dienen zu können. Im Gegensart dazu zitiert er Gott, der durch Jesaja spricht:

Ich schwieg wohl eine lange Zeit, war still und hielt an mich. Nun aber will ich schreien wie eine Gebärende, ich will laut rufen und schreien. (Jes 42,16) … Warum kann unser gemeinsames Singen nicht eine Welt heraufbeschwören, in der die Armen zu essen bekommen und die an den Rand Gedrängten am Tisch des Herrn willkommen sind? Warum können wir nicht über die Welt singen, von der Jesus auf diesem Berg geträumt hat? … Ich will ein neues Lied hören, ein revolutionäres Lied, das in mir größeren Glauben an die neue Welt hervorruft, die Gott in uns entstehen läßt. Genauso will ich ein gesprochenes Wort in der Gemeindeversammlung (eine Predigt im Gottesdienst) hören, das Gefahr, Energie, Möglichkeit und Offenheit für Neues ausdrückt. (23f)

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8 Kommentare zu “Exiles (1) – Selbsterwählte Exilanten”

  1. [depone] » Blog Archive » Exiles | DoSi über Frosts aktuelles Werk sagt:

    […] Exiles (1) – Selbsterwählte Exilanten. […]

  2. Coole Innovationen » Neue Lieder braucht das Land sagt:

    […] Dazu fand ich den folgenden nachdenkenswerten Beitrag beim Sämann…  “Den einleitenden Abschnitt über gefährliches Liedgut beginnt Frost mit der Feststellung, dass die zeitgenössischen Anbetungslieder zu brav und sentimental sind, um als Triebfeder einer Revolution dienen zu können. Im Gegensart dazu zitiert er Gott, der durch Jesaja spricht: […]

  3. Helge Seekamp sagt:

    Super wichtiger Beitrag zur Reformation des Liedguts. Jede neue Bewegung hatte ihre Lieder… Nur wie klingen die neuen? Sicher ist da von der politischen Popmusik zu lernen. Christliche Grenzgänger wie U2 sind auch nicht übel… Was singt man bei Greenpeace? Siehe hier…
    http://www.youtube.com/watch?v=PmUlVZGUbDU

  4. DoSi sagt:

    Hallo Helge, willkommen als kommentierender Leser auf dem Feld des Sämanns. Leider bin ich kein Songwriter, finde aber Ton und Gedankengut mancher Arbeiterlieder sehr inspirierend…

  5. Susanne sagt:

    vielleicht Christendumm?

  6. DoSi sagt:

    Das wäre wohl schon Interpretation…

  7. Susanne sagt:

    „Das Englische kennt zwei verwandte Termini: christianity und christendom.Im Englischen wird der Begriff entweder deckungsgleich mit dem Begriff christianity gebraucht, oder aber er bezeichnet spezifisch den Teil der Welt, in dem das Christentum vorherrscht. Im Deutschen unterscheidet man die Begriffe Christentum und Christenheit. Christentum entspricht mehr oder weniger dem englischen christianity, d.h. die Religion, die sich von Jesus Christus ableitet, auf der Bibel basiert und die sich in die drei großen Zweige Orthodoxes, Römisch-Katholisches und Protestantisches Christentum aufteilt. Der Begriff Christenheit ist zwar nicht völlig deckungsgleich mit dem englischen Begriff christendom aber gleicht ihm sehr. Er bezeichnet die Gesamtheit der Menschengruppen und Institutionen, die dem christlichen Glauben verpflichtet sind, bzw. von ihm geprägt sind. Der Begriff christendom im engeren Sinn bezieht sich auf die Realität der christlich geprägten Welt des Mittelalters, also der Periode europäischer Geschichte seit Kaiser Konstantin. Kennzeichnend für das christliche Mittelalter, bzw. die Epoche des christendom war eine enge Beziehung zwischen weltlicher Herrschaft (lat. imperium) und hierarchisch strukturierter Kirche (lat. sacerdotium). Auch in den Phasen der Geschichte, in denen die beiden „Mächte“ auf engste verbunden waren, wurden sie jedoch immer eindeutig voneinander unterschieden.“

  8. DoSi sagt:

    Ergo: Wir haben keinen deutschen Ausdruck, der die Zeitepoche bezeichnet, für die in der englischsprachigen missiologischen bzw. kirchengeschichtlichen Literatur das Wort „christendom“ verwendet wird.


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