Die Masken fallen: Doping-Skandal im Radsport! oder: Gedanken über Gnade und Wahrheit
24. Mai 2007
Heute habe ich in voller Länge die Pressekonferenz des T-Mobile-Teams gesehen (Videoausschnitte und Bericht hier bei Sport1). Rolf Aldag und Erik Zabel bekannten, Dopingmittel genommen zu haben. Ein Schock für mich. Seit Jahren habe ich nicht nur die Tour de France fast immer komplett live gesehen, sondern auch intensiv die Frühjahrsklassiker und andere große Rundfahrten wie Giro d’Italia, Deutschlandtour und Vuelta intensiv verfolgt. Selbstredend, dass ich mich sehr auf die Straßenweltmeisterschaft in Stuttgart im September gefreut habe.
Schon seit Jahren gab es Gerüchte. 1998 der Festina-Skandal. Klar, die bösen anderen. Aber die von mir so verehrten Telekom-Fahrer? Immer wieder gab es Radsportler, denen die Zuhilfenahme unlauterer Mittel nachgesagt wurde. Überlegene Fahrer, die den Magenta-Jungs die Siege wegnahmen. Vielleicht waren die ja gedopt… Dann packt der Masseur Jef d’Hont aus. Bert Dietz folgt. Jan Ullrich wurde immer wieder beschuldigt, Beweise schienen vorhanden zu sein, und er war in den Medien immer als ambivalente Persönlichkeit dargestellt worden. Da war das alles noch weit weg. Christian Henn zieht nach. Udo Bölts folgt. Gestern Abend habe ich noch herzhaft bei Harald Schmidt über die eingeblendeten Pseudogeständnisse gelacht.
Und dann diese Pressekonferenz. Rolf Aldag und Erik Zabel. Sympathische Zeitgenossen, ehrliche Kämpfer, Idole. Fahrer, mit denen ich gelitten habe, die ich angefeuert habe, denen ich solches nie zugetraut hätte. Nun sehe ich Ete aufgelöst, unter Tränen. Aldag blickt in’s Leere. Täter. Schuldige. Gedopt. Rechtswidriges Verhalten, für das es keine Entschuldigung gibt. Das aber erklärt werden kann. Sportler, die unter Druck stehen. Druck, der von Medien, Sponsoren und der Teamleitung kommt. Die Angst, nicht mehr mithalten zu können in einem Geschäft, in dem nur Siege zählen. Nur Helden. Und weil man ja nicht erwischt werden kann, weil man ja sonst nicht mithalten kann, weil es ja eh alle machen – dann dopt man eben. So einfach ist das. Illusionen zerbrechen. Was ist den nun mit all den Erfolgen, die von Millionen “mit heißem Herzen” (Reporterlegende Klaus Angermann) bejubelt wurden? Welche davon waren auf ehrliche Weise errungen? Gab es überhaupt welche? Sind denn alle gedopt – auch heute noch?
Rolf Aldag erzählt von der Angst, nicht mehr mithalten zu können, die ihn zum Doping getrieben hat. Davon, wie er morgens um 5:00 Uhr aufstehen mußte, um seinen Blutwert zu messen. Wie er sich die Epo-Spritze in eine Tätowierung setzte, damit niemand einen blauen Fleck sehen konnte. Wie er sich erniedrigt fühlte. Nicht mit den Teamkollegen reden wollte. Nicht wollte, dass es irgend jemand etwas weiß. Wie er jahrelang alle angelogen hat. Wie er einen neuen Anfang machen wollte als Sportlicher Leiter bei T-Mobile. Bis ihn die Wahrheit eingeholt hat.
Vielleicht ist es die Gier nach Helden, die Gier nach Spitzenleistungen, die Gier einer Öffentlichkeit, die sich an immer schnelleren Gipfelanstiegen berauschen will. Die Über-Menschen sehen will. Doch es gibt sie nicht. Hinter der Fassade ist der Tod im Topf. Die vermeintlichen Helden tragen Masken. Die Wirklichkeit ist düster. Für den Leib Jesu gilt das genauso. Vor nicht allzu langer Zeit, hat uns die Geschichte Ted Haggards tief bewegt. Ein Pastor, dessen homosexuelle Aktivitäten an’s Licht kamen und der fallen gelassen wurde wie eine heiße Kartoffel. Was ist das für eine Welt, die von uns verlangt, immer perfekt sein zu müssen? Eine Welt, in der wir keine Schwächen zeigen dürfen. Eine Welt, in der alles passen muß? Wo der Mann auf der Kanzel superheilig aussehen muß?
Jesus hat Gnade und Wahrheit verbunden. “So verdamme ich Dich auch nicht. Geh hin, und sündige hinfort nicht mehr.” Können wir uns diese Haltung zu eigen machen? Sünde beim Namen nennen und auf Wiederherstellung hinwirken? Es verstehen, dass in uns und in der Welt Kräfte am Wirken sind, die nichts Gutes im Sinn haben? Erkennen, dass Christus gekommen ist, um alles neu zu schaffen? Unser Herz umzupolen, durch den Heiligen Geist, so dass die Sünde nicht mehr in uns herrschen muß? Gleichzeitig aber verstehen, dass dies nicht im Hauruck-Verfahren geschieht, dass wir alle mannigfaltig straucheln und jeder seine Leichen im Keller hat? Uns zuerst um den Balken im eigenen Auge kümmern, bevor wir uns dem Splitter im Auge des Nächsten zuwenden?
Wo brauchst Du Gottes Vergebung?
Wo solltest Du Nein sagen zu Dingen, die doch alle machen?
Wo solltest Du barmherziger mit anderen sein?
Wie können wir in unseren Gemeinschaften einen Raum schaffen, in welchem Gnade und Wahrheit zu gleichen Teilen vorhanden sind und nicht das eine gegen das andere ausgespielt wird?
Technorati Tags: Authentizität, Doping, Rolf Aldag, Erik Zabel, Radsport, Ted Haggard







































































Freitag 25. Mai 2007 um 12:11
[...] Erik Zabel [...]