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Die Fastenzeit und die »Stimme verschwebenden Schweigens«

27. Februar 2012

1. Könige 19 ist eines der Kapitel aus der Bibel, die mich in den letzten zehn Jahren am meisten geprägt und begleitet haben. Immer wieder bin ich zurückgekommen zu der Geschichte Elias. In Kapitel 18 hatte dieser Prophet hunderten Baalspriestern die Stirn geboten, das ganze Volk konfrontiert und ein machtvolles, »übernatürliches« Eingreifen Gottes erlebt. Auf dem Berg Karmel war Elia auf dem Gipfel. Das nachfolgende Kapitel führt ihn dann ins Tal, durch die Wüste und wieder auf den nächsten Berg. Euphorisiert vom Erfolgserlebnis auf dem Karmel trifft ihn die Ansage Isebels wie ein Hammerschlag: »Ich werde Dich töten!« Plötzlich bricht alles zusammen:

Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. (1Kö 9,3f)

Ganz unten ist Elia. Er, der gedacht hatte, er könnte Gottes Volk im Alleingang auf den rechten Weg bringen und es besser machen als alle seine Vorgänger, ist mit seinem Latein am Ende. Er will sterben und schläft erst mal ein. Als er wieder aufwacht, rührt ihn ein Engel an und gibt ihm zu essen und zu trinken. Wieder schläft er ein, wieder weckt ihn ein Engel und sagt: »Steh auf und iss, denn Du hast einen weiten Weg vor dir.« Die nächsten Verse lauten:

Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb. Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des Herrn kam zu ihm: Was machst du hier, Elia? Er sprach: Ich habe geeifert für den Herrn, den Gott Zebaoth; denn Israel hat deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, dass sie mir mein Leben nehmen. (1Kö 19,8-10)

Drei Verse nur, die doch so viel aussagen. Interessant, was Schlaf, Nahrung und ein göttlicher Auftrag alles ausrichten können. Für Elia reicht das, um einen 40-Tages-Marsch auf sich zu nehmen. Man sollte meinen, Elia wäre während dieser langen Zeit vielleicht zu sich gekommen, hätte zur Reflexion und wieder in die innere Ruhe hinein gefunden. Vierzig Tage Wüste könnten dabei ja helfen. Elia verbringt die Nacht in einer Höhle im Berg. Wer weiß, mit welchen Erwartungen er zum Horeb gekommen ist. Schließlich war das ja – abgesehen vom Tempel in Jerusalem – der Ort, der am meisten mit der Gegenwart der Herrlichkeit Gottes vor seinem Volk assoziiert wurde. Ob Elia mit einer Privataudienz beim Allmächtigen gerechnet hat – so wie sie einst Mose bekommen hatte? Wahrscheinlich hat er lange darüber nachgedacht, was er Gott sagen würde, falls es dazu käme. Jedenfalls erzählt der Text lapidar: »Das Wort des Herrn kam zu ihm: Was machst Du hier, Elia?« Eine solch einfache Frage, die Gott mir (und vielleicht auch Dir?) durchaus deutlich öfter stellen könnte. Manchmal hilft ja allein schon diese Frage. Elia antwortet, und seine ganze Frustration bricht aus ihm heraus: »Ich habe mir den Arsch aufgerissen für Dich, Gott, denn alle sind sie abgefallen, keiner kümmert sich um Dich, ich bin der einzige, und jetzt wollen sie auch noch mich umbringen!« Ich höre in diesen Sätzen Frust, Enttäuschung, Arroganz, Ablehnung, Verletzung, Stolz, Traurigkeit, Anklage und vieles mehr heraus. Interessant ist die Tatsache, dass Elia im Vergleich zur Nacht unter dem Wacholderbusch zumindest einen Schritt weiter scheint – weder der Todeswunsch noch der Vergleich mit den Vätern wird hier artikuliert. Dennoch: Der Stachel sitzt tief, und Elias Blickfeld ist eingeschränkt auf seine verzerrte Wahrnehmung seiner selbst und des Gottesvolkes. Kurze Zeit später wird ihm Gott einen neuen Auftrag geben und ihm offenbaren, dass noch weitere siebentausend Menschen in Israel ihre Knie nicht vor Baal gebeugt haben. Ob die Zahl wörtlich oder symbolisch zu verstehen ist, sei dahingestellt, entscheidend ist die Kernbotschaft: Du bist nicht allein und ich kann Dich gebrauchen. Jetzt im Moment jedoch verspürt Elia nur den tiefen Stachel in sich. Die beiden nächsten Verse sind in die Geschichte eingegangen, sind mir die vielleicht beiden wertvollsten Verse im Alten Testament geworden:

Der Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den Herrn! Und siehe, der Herr wird vorübergehen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. (1Kö 19,11f)

Immer und immer wieder habe ich über dieses Kapitel nachgedacht, bin ich den Weg Elias mit ihm mitgegangen, immer wieder habe ich mich in der einen oder anderen Situation mit Elia identifiziert und Gott auch bisweilen meinen Frust über sein Volk entgegengeschleudert. Und immer wieder hatte ich das Gefühl, dass Gott mich raus aus der Höhle ruft, hin zu seiner Gegenwart. (So habe ich 2005 auch mal versucht, diese Geschichte in einem Gedicht/Gebet zu verarbeiten, das ich der Vollständigkeit halber demnächst auch posten werde.) Und immer wieder habe ich über die drei Worte nachgesonnen, die in meiner präferierten Luther ’84 mit „stilles, sanftes Sausen“ übersetzt werden. Und immer wieder hatte ich das Gefühl, dass das der Gott ist, den ich auch kenne. Der sich nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer manifestiert und offenbart, sondern im „ganz leisen Hauch“ (Gute Nachricht), im „Ton leisen Wehens“ (Elberfelder), im „leisen, sanften Säuseln“ (Einheitsübersetzung, Menge und ähnlich auch Schlachter). Diese drei hebräischen Worte sind die beiden Substantive „Stille“ und „Stimme“ sowie das Adjektiv „dünn“. Eine „Stimme dünner Stille“ also. Ein bleibendes Faszinosum. Aber irgendwie für mich die definitive Gottesoffenbarung. Die „still, small voice“ der King James ist auch im englischen Sprachraum zum Klassiker geworden, der auch in manchen Buchtiteln auftaucht.

Vor zwei Wochen habe ich dann in Stephen Shoemakers sehr empfehlenswerten Buch GodStories: Scriptural Narratives for Today das Kapitel über Elia gelesen und bin auf interessante Gedanken gestoßen. Shoemaker schreibt:

„And after the fire a ’still small voice'“ has been the translation we’ve learned. The „still, small voice“ has become almost a spiritual cliché. But what happened was the opposite of a cliché; it was the annihilation of all spiritual expectation, stated in three Hebrew words, voice, silence, crush. In a translation both literal and poetic, what happened was the „sound of crushed silence.“ A silence that was at the same time empty and full, an utmost silence that was at the same time the opposite of what was expected and more than what was expected, a deafening quiet.

416Rumzn1Hl. Ss500

Shoemaker sinnt ein wenig über den Wind, das Erdbeben und das Feuer nach. Alle drei waren mächtige Erscheinungs- und Offenbarungsformen Gottes. Der Wind, der das Rote Meer geteilt hatte, das Erdbeben, das denselben Berg ins Wanken gebracht hatte, als das Volk vor dem Berg stand und Mose später die Zehn Gebote empfing, und das Feuer, das Elia selbst auf dem Karmel hatte vom Himmel fallen sehen. Aber weder im Wind, noch im Erdbeben, noch im Feuer war Gott. Alle Offenbarungsformen, die Elia kannte, kamen und gingen, und Gott war nicht in ihnen.

Dieser Gedanke hat etwas in mir getriggert, bin ich doch auch jemand, in dessen Leben sich unterschiedliche Zugangswege zu Gott geöffnet und bisweilen auch wieder verschlossen haben. Und ich verbinde vieles mit für mich heiligen Orten, sakralen Räumen, »thin places« eben. Immer wieder bin ich, wenn ich Gottes Gegenwart gesucht habe, an Orte gegangen, an denen ich sie in der Vergangenheit erfahren hatte. Gelegentlich hat es sich gelohnt, oft aber auch nicht. Seit der Kreuzigung Jesu ist der Vorhang im Tempel zerrissen. Zweierlei steckt in diesem Bild: Der Weg in die Gegenwart Gottes ist offen, aber vielleicht ist Gott ja gar nicht im Tempel, weil der ihn nicht halten konnte. Gott ist überall und nirgendwo, immer wieder anders, mir immer wieder vorausgegangen. Immer wieder ist er dort, wo ich ihn nicht erwarte, manchmal muß ich diese »crushed silence« aushalten, manchmal umweht mich ein stilles, sanftes Säuseln, manchmal pulsiert mein Herz, manchmal nicht.

Vierzig Tage und Nächte war Elia unterwegs. Vierzig Tage dauert die Fastenzeit (ohne Sonntage), in der wir uns innerlich auf den Weg zu Kreuz und Auferstehung machen. Ich glaube, dieses Jahr werde ich einige Fragen bewegen, die sich aus 1.Könige 19 immer wieder neu ergeben. Vielleicht können diese Fragen ja auch Dir helfen…

  • Wo trachte ich danach, besser zu sein als meine Väter?
  • Inwiefern glaube ich, ich weiß es besser als das Volk Gottes?
  • Wo bin ich in Gefahr, Gott in den ausgetretenen Pfaden zu suchen?
  • Wo bin ich stehen geblieben, obwohl Gott schon weiter gegangen ist?
  • Aus welcher Höhle sollte ich treten, heraus auf den Berg vor den Herrn?

Gestern saß ich während des Lobpreisteils im Gottesdienst der Stuttgarter Jesus Freaks mit geschlossenen Augen da, als sich plötzlich wieder so ein sanftes Säuseln um mich legte und ich den Impuls hatte, raus in den Park zu gehen und mir nochmals 1.Könige 19 durchzulesen. Gesagt, getan, und in der Accordance-App sprang mir die Übersetzung von Buber und Rosenzweig ins Auge, deren Übertragung der Verse 11 und 12 seitdem in mir schwingen:

Es sprach: Heraus, steh hin auf den Berg vor MEIN Antlitz!
Da vorüberfahrend ER: ein Sturmbraus, groß und heftig, Berge spellend, Felsen malmend, her vor SEINEM Antlitz: ER im Sturme nicht —
und nach dem Sturm ein Beben: ER im Beben nicht —
und nach dem Beben ein Feuer: ER im Feuer nicht — ,
aber nach dem Feuer eine Stimme verschwebenden Schweigens.

Welch eine Sprache! Kein Wort zuviel und auch kein unnötiges Wort. Diese Worte klingen in mir nach. Die »Stimme verschwebenden Schweigens«. Ich bin mit 1.Könige 19 noch lange nicht am Ende…

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Ein Kommentar zu “Die Fastenzeit und die »Stimme verschwebenden Schweigens«”

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