[Chrysalis] Kapitel 9: Schmetterlingseffekt – Fliegen
10. März 2009
[Das ist der zehnte Post zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis: The Hidden Transformation in the Journey of Faith.]

Teresa von Avila erinnert uns daran, dass wir, wenn wir aus dem Kokon herausgekommen sind, einen post-kritischen Glauben leben müssen. Das bedeutet, dass die Art wie wir beten, anbeten, studieren, dienen und mitwirken sich in unserer Erfahrung der Chrysalis verändert hat. Wir können nicht mehr zur alten Weise des Betens oder irgendeines anderen Aspekts des christlichen Lebens zurück – genauso wenig wie ein Schmetterling wieder zur Raupe werden kann. Den Glauben wieder so leben zu wollen wie früher ist kontraproduktiv. Vielleicht spüren wir diese Veränderung am schärfsten in dem Bedürfnis, neue Wege des Betens zu finden.
Gebet
Wie auch immer wir das Gebet beschreiben, jedenfalls stellen wir fest, dass nach unserer Chrysalis-Phase Zeiten der Reflexion, Kontemplation und Stille äußert wichtig für uns sind. Auf diese Weise finden wir Zugang zum Geist Gottes, um gut zu leben. Nach den Veränderungen, die die dunkle Nacht in unserem Glauben hervorgebracht hat, sind wir für ein gewissenhaftes Leben von der beständigen inneren Erneuerung durch Gebet abhängig. Von jetzt an kann Gebet nicht mehr vorgetäuscht werden, weil unser bloßes Überleben davon abhängt.
Gebet, das verbindet
Während wir es lernen, mit dem Geist Gottes in Verbindung zu kommen, lernen wir, im Einklang mit dem Geist zu handeln. Während unsere Taten vielleicht klein sein und uns unbedeutend erscheinen mögen, haben sie geheimnisvolle Auswirkungen, wenn sie in Verbindung mit dem Werk des Heiligen Geistes geschehen. Unser Verständnis unseres Leben hat sich nach der dunklen Nacht gewandelt, wie Gerald May schreibt:
Die grundlegendste Veränderung, die der Geist in der passiven Nacht an uns wirkt, ist das Verschwimmen unseres Glaubens daran, dass wir von Gott, von anderen Menschen und vom Rest der Schöpfung getrennt sind. Mehr und mehr fühlen wir uns als Teil von allen Dingen.
Dieses tiefe Gefühl des Miteinander-Verbundenseins führt meist eine Sehnsucht unseres Herzens nach solcherart Gebet, Kontemplation oder Reflexion mit sich, die dieses Gefühl der Verbundenheit verstärken.
Gebet, das wahrnimmt
Gebet kann viele Formen haben, aber sein Selbst zu zentrieren und in eine tiefe Verbindung zu kommen, ist ein Verlangen, das fast nur nach der Chrysalis-Phase zu wachsen scheint. Während sich diese Art des Betens entwickelt, wächst auch die Fähigkeit, das wahrzunehmen, was zuvor verborgen war. Das gilt z.B. für das, was hinter den Handlungen anderer Menschen liegt und sie motiviert. Wer sich mit dem eigenen Leid, Schmerz, Enttäuschen und oft auch Versagen auseinandergesetzt hat, ist sich seiner eigenen Menschlichkeit zutiefst bewusst, was zur Verbindung mit dem Menschsein anderer befähigt. Darum sind Post-Chrysalis-Menschen in der Lage, mit anderen an schmerzvollen Orten zu sitzen. Sie lassen sich von den Lebenserfahrungen, dem Kummer und den Glaubensüberzeugungen anderer weniger einschüchtern und brauchen weder sich selbst noch ihren Glauben zu beschützen. Es fällt ihnen leichter, andere zu begleiten und deren wahre Bedürfnisse – insbesondere nach Liebe und Annahme – zu erkennen. In ihrem gemeinsamen Menschsein kann eine Verbindung entstehen, die die Grenzen unterschiedlicher Handlungsmuster und Glaubensüberzeugungen überwindet.
Gebet, um unseren Weg zu finden
In dem Geheimnis dessen, was während unserer Phasen der dunklen Nacht mit uns geschieht, werden wir verändert. Oft ist es ein Teil dieses Transformationsprozesses, dass wir die geheimnisvolle Gabe eines inneren Kompasses erhalten – ein Bauchgefühl für das, was wir tun sollten. Es braucht echten Mut, loszulaufen und auf unseren inneren Kompass zu vertrauen: den tiefen Ort, an dem wir Gott begegnet sind und das Gefühl dessen, wer zu sein wir berufen sind, das von tief in uns an die Oberfläche kam.
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