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[Chrysalis] Kapitel 4: Im Dunkel – Loslassen

5. Februar 2009

[Das ist der fünfte Post zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis: The Hidden Transformation in the Journey of Faith.]
Chrysalis-3
Nun beginnt die dunkle Nacht, eine Zeit des Schweigens und der Stille. Johannes vom Kreuz ist der große Lehrer über die Chrysalis-Phasen im Glaubensleben. Er nennt diese Zeiten dunkle Nächte und lehrt uns, dass es angesichts von Verzweiflung und Leid, Zweifeln und Fragen, Bösem und letztlich sogar dem Tod keinen Sinn macht, davonzulaufen. Die Dunkelheit ist echt, und wir müssen in sie hineintreten, müssen uns der Finsternis stellen. In diesem Raum erhält unser Glaube neuen Sinn, eine neue Bestimmung und neue Energie.
Während Johannes vom Kreuz den Begriff der dunklen Nacht verwendet, spricht die Heilige Schrift von der Wüste. Beides beschreibt eine fremde, vormals unbekannte, unwirtliche und obskure Umgebung. Unsere vergangenen Erfolge und Erkenntnisse sind jetzt nutzlos. Es liegt nicht einfach an der Gemeinde oder an den äußeren Dingen des Glaubens. Tief in uns stimmt etwas nicht. Die Chrysalis-Phase stellt uns neuen Raum zur Verfügung, in dem wir alte Wege loslassen und neue zur Entfaltung bringen können. Hier geschieht Wachstum und Veränderung. Alles, was uns behütet und beschützt, getragen und gehalten hat, bricht nun auseinander. Wir haben keine Kontrolle mehr, sind machtlos. An einem solchen Ort möchten wir normalerweise nicht sein.
Wir müssen unseren eigenen Weg gehen, unsere eigenen Dämonen bekämpfen und unsere eigene Reise machen. Trauerarbeit ist gefragt: Es ist eine Zeit des Loslassens und des Vertrauens darauf, dass Gott etwas Neues beginnen wird, während wir – im Bild gesprochen – wie die Raupe kopfüber hängen und warten. Der Raum, in dem wir uns in der Chrysalis-Phase befinden, kann als liminal bezeichnet werden – ein Zwischenraum auf der Schwelle, ein Niemandsland, eine neutrale Zone. Ein mehrdeutiger, verschwommener, jedoch heiliger Raum, die Schwelle von etwas Neuem.

Fremde werden Freunde
Die Fremden, mit denen wir in dieser kritischen Phase unserer Glaubensreise Freundschaft schließen, sind wie die Weisen von Bethlehem: Sie bringen Geschenke. Diese Fremden sind:

  • die Dunkelheit: Es ist die scheinbar dunkelste Nacht, tief und scheinbar endlos. Wir können nicht sehen, wohin wir gehen. Wir wissen nicht, was vor uns liegt. Wir können Gott nicht ausfindig machen und haben keinen Zugang zu dem, was Gott in unserem Leben oder in der Welt tut. Die Dunkelheit lädt uns zu einer neuen Tiefe des Vertrauens auf Gott ein und auch dazu, unsere eigene Verletzlichkeit und unseren mangelnden Durchblick zu akzeptieren. Gott als Licht finden wir nicht nur, wenn wir der Finsternis entfliehen oder sie loswerden; vielmehr scheint das Licht in der Dunkelheit.
  • die Trägheit: Dies ist die Zeit des Winterschlafs, in der wir lernen, einfach nur zu sein. Das Tun macht dem Sein im Jetzt Platz und der Erkenntnis, dass Gott sich allein schon an unserem Sein erfreut. Wir müssen nichts tun – Gott freut sich an uns.
  • der Verlust: Bevor wir weitergehen können, werden wir vieles verlieren – alte Wege, den Glauben zu leben; die Bilder und Vorstellungen von Gott, die uns so wertvoll erschienen; unser Gefühl unserer Identität und Rolle. Dazu kommt die Trauer über den Verlust der Sicherheit und Gewissheit im Glauben, Trauer über den Verlust der sicheren Unterscheidungen in schwarz und weiß in den Gebieten von Glaube, Ethik, Theologie und Überzeugungen. Ein weiter Raum ungekannter und nicht erkennbarer Graustufen tut sich auf. Schmerzhafte Erinnerungen an eine nun vergangene Zeit plagen uns. Dies ist harte emotionale Arbeit, aber sie ist notwendig. Wir müssen Platz für das neue machen, und dieser Verlust schafft den Raum dafür, dass Gott uns auf neue Weise begegnen kann.

Unsere Monster niederzwingen
Die Dunkelheit bringt allerdings nicht nur Fremde mit sich, sondern sie erweckt auch Monster, deren Bedeutung in unserem Leben wir erkennen müssen:

  • Unsicherheit und Selbstwert, die in äußeren Erfolgen, Besitztümern u.ä. ihre Bestätigung suchen: Das Erkennen unserer Fehler, unserer Unzulänglichkeiten und unseres Scheiterns kann zu unserer tiefsten Gotteserfahrung werden. Henri Nouwen meint: »Gottes Geliebter zu werden, ist die wichtigste Reise, die wir zu machen haben.« Auch wenn wir es im Augenblick nicht fühlen, so ist doch jeder von uns Gottes erwähltes Kind, wertvoll in den Augen Gottes, von aller Ewigkeit her »geliebt« genannt, sicher gehalten in einer immerwährenden Umarmung. Wenn wir das Licht immer wieder geltend machen, dann werden wir selbst mehr und mehr leuchten. Aber Nouwen warnt uns auch: »Wenn wir uns nicht auf unseren Segen berufen, dann werden wir schnell im Land der Verfluchten landen. Es gibt keinen neutralen Boden, Du mußt wählen, wo Du leben willst.«
  • der Glaube, dass das Leben ein Kampf ist, aus dem unvermeidlich Gewinner und Verlierer hervorgehen werden: Auch hier kann uns Nouwen weiterhelfen: »Als der Geliebte Gottes erwählt zu werden, ist ganz anders. Das schließt andere nicht aus, sondern ein, weist sie nicht als zu wenig wertvoll zurück, sondern nimmt sie in ihrer Einzigartigkeit an. Es ist keine Wahl des Konkurrenzdenkens, sondern der Barmherzigkeit.
  • funktionaler Atheismus, der Glaube, dass die letzte Verantwortlichkeit für alles in uns liegt, die unbewußte Überzeugung, dass wenn hier etwas geschehen soll, wir diejenigen sein müssen, die es ins Rollen bringen.
  • Angst: Wir müssen unser Leben und unseren Glauben nicht durch übermäßiges Planen und Kontrollieren vor dem Chaos schützen. Statt dessen sollten wir das Chaos einladen, denn aus dem Chaos erschafft der Geist Gottes Neues. Wir brauchen diese chaotische Zeit, weil sonst nichts Neues kommen kann. Der freie Raum für das Chaos wird durch ehrliche Trauerarbeit geschaffen und geschützt.
  • die Leugnung des Todes – nicht nur des Todes von Menschen, sondern wir wollen auch Organisationen, Programmen und gesellschaftlichen Strukturen das Sterben nicht erlauben.

Solche Monster sind gängige Beispiele für falsche Wahrheiten und Fundamente, die wir in dem Prozeß des Loslassens während unserer dunklen Nacht der Seele ausreißen und zerstören müssen. Ostern erinnert uns daran, dass das »Halleluja« erst nach dem Todeskampf und der Einsamkeit von Kreuz und Grab erklingt, weil Gott bereit war, in die Dunkelheit hineinzutreten. Wie hat Gott das getan? Erstens wurde Gott Mensch und entschied sich dafür, als gewöhnlicher Mensch nicht aus Macht und Göttlichkeit heraus zu handeln, sondern aus Verletzlichkeit und durch Hoffnungslosigkeit. Geführt vom Heiligen Geist bewegte sich Jesus von seinen Versuchungen in der Wüste bis zu seinem letzten Atemzug in voller Selbsthingabe: Er gab sich dem Kreuz und dem Geheimnis Gottes hin. Seine dunkle Nacht begann in der Agonie im Garten, wo er nur ahnen konnte, was vor ihm lag. Hier erfahren wir, dass seine Seele sehr aufgewühlt und verängstigt war, während er alleine wartete. Seine Freunde schliefen und seine Feine kamen näher. Niemand war da, um ihn zu unterstützen, als seine qualvollen Gebete, dass Gott das bevorstehende Leiden von ihm nehmen möge, in das reine Gebet völliger Hingabe mündeten. Auch wenn unsere Erfahrung nicht die des Messias sein wird, so können wir uns Jesus doch als Vorbild und Wegweisenden nehmen, in unsere dunkle Nacht hineintreten und sie leben. Der entscheidende Schritt ist derjenige, der uns in unsere persönliche und einzigartige dunkle Nacht hineinbringt. In der Chrysalis-Phase unseres Glaubens muß eine Form gewissenhaften und glaubensvollen Lebens sterben, und aus diesem Tod entsteht dann Leben. Diese Veränderung und Metamorphose wird uns in der Chrysalis-Reise angeboten, eine Veränderung, die von den Fremden, die wir einladen, Freunde zu werden, genauso geprägt werden wird wie von den Monstern, die niederzuwingen wir uns entscheiden. Diese Phase wird uns so radikal verändern wie Jakob, der zu Israel wurde, oder die Raupe, aus der ein Schmetterling wird. Wenn sich der Kokon um uns schließt, schlagen Leere, Einsamkeit, Schock, Wut und möglicherweise sogar Zweifel an unserer Existenz Wurzeln in uns. Das ist harte emotionale Arbeit, die uns viel Energie, Ehrlichkeit und Verletzlichkeit kosten wird, die aber den Boden dafür bereitet, dass wir dem Geist Gottes auf neue, frische und tiefere Weise begegnen können.

Wie lange währt die Finsternis?
Die Wahrheit ist, dass wir keine Ahnung davon haben, wie lange die Nacht andauern wird. Für manche Menschen hat sie gar kein Ende. Sie bleibt bestehen, hüllt uns ein und bringt meist Niedergeschlagenheit, Trauer, Verwirrung, Zweifel und Verzweiflung mit sich. Andere wiederum suchen die Dunkelheit wie die Wüste, weil sie sich in positiver Weise davon angezogen fühlen, immer tiefer hineinzudringen. Viele erleben die Dunkelheit eine Zeitlang, während tiefere Veränderungen im Gange sind. Wie lange die Dunkelheit auch immer dauert, so wissen wir doch, dass wir mit Gott sind. Gott wirkt in der Dunkelheit, denn das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis wird es nicht überwinden.

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5 Kommentare zu “[Chrysalis] Kapitel 4: Im Dunkel – Loslassen”

  1. Mike sagt:

    Danke für die gute und ausführliche Zusammenfassung. Hat Tiefgang.

  2. Arnachie sagt:

    Hey Dosi, bin dir sehr dankbar. Das was da beschrieben wird, kommt mir sehr bekannt vor und es könnte wirklich ein hilfreiches Buch sein. Meinst du, es ist geeignet, um es in einer kleinen Gruppe zu besprechen oder ist es eher ein Buch, dass eher für den einzelnen funktioniert?

  3. DoSi sagt:

    Hey Arne,
    ein Austausch ist denke ich dann möglich, wenn die Gedanken von Jamieson als Ausgangspunkt genommen werden, um über persönliches Erleben zu reden. Daher sollte das in einer Gruppe funktionieren, wenn es das Bewußtsein dafür öffnet, dass Gott mit unterschiedlichen Menschen verschiedene Wege geht, zu denen auch immer wieder das Gefühl der Entfremdung gehört. Ich halte es aber für wichtig, nicht andere in das von Jamieson genannte Schema pressen zu wollen. Einerseits, weil jeder seine eigenen Erfahrungen macht, und andererseits, die Versuchung naheliegt, beim anderen dasselbe finden zu wollen, um einen Leidensgenossen zu finden (und mit diesem eine neue Elite zu gründen) bzw. unterschiedliche Stufen als höherwertiger zu werten, so ganz nach dem Motto: »Du bist halt noch nicht so weit«.
    Das gehört zu der Problematik, die ich in diesem Buch sehe. Aber ich werde versuchen, am Ende der Serie noch ein paar persönliche Gedanken zu posten.

  4. Arnachie sagt:

    Ja das Problem mit der „normativen Codierung“ von solchen Schema hab ich auch bei jedem dieser Schemas (zB Piaget etc) gesehen. Naja ich werd es mal durchlesen und gucken. Hast du Tipps für „geistliche“ Bücher, die eine kleine Gruppe durchnehmen könnte um daran sich auszutauschen? Mag halt diese typischen Jüngerschaftskurs-Bücher mit Lückentexten und „Fragen zum Text“ etc nicht.

  5. DoSi sagt:

    Hm, schau Dir mal Richard Foster’s „Fest der Hingabe“ und „Kraft der Hingabe“ an. Da nimmt er jeweils sehr gehaltvolle Texte geistlicher Klassiker und bereitetet sie für den Austausch in einer Gruppe auf. Das könnte vielleicht was für Dich sein.


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