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[Chrysalis] Kapitel 3: Goldene Feuerprobe – Der Rückzug

1. Februar 2009

[Das ist der vierte Post zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis: The Hidden Transformation in the Journey of Faith.]
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Ohne daß sie eine Erklärung dafür hätten, stellen viele Menschen plötzlich fest, daß sie genau diejenigen Dinge nicht mehr tun wollen, die ihren Glauben über Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte hinweg erhalten und ernährt haben. Natürlich haben wir alle immer wieder Phasen, in denen uns das kalt läßt, was uns am lohnendsten vorkommt und uns am stärksten mit dem Geist Gottes zu verbinden scheint. Das ist ganz normal. Aber wenn wir uns große Mühe geben und das Gefühl der Trennung und Entfremdung sich nur noch weiter verstärkt, dann könnte das die Einladung zu etwas komplett Neuem sein. Das empfindet jeder auf seine eigene Weise, aber meist sind mindestens zwei der folgenden Merkmale mit dabei:

  • Ernüchterung – das Gefühl, die Glaubenspraktiken nicht mehr zu genießen, die vorher am wertvollsten waren
  • Desillusionierung – das Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein; eine traurige, zynische oder destruktive Sicht des eigenen Glaubens, des Glaubens anderer und vielleicht der Kirche. Was früher Leben gab, scheint jetzt leblos und wie eine Zeitverschwendung.
  • Loslösung – das Gefühl, nicht mehr damit verbunden, daran interessiert oder darin involviert zu sein, was in der Kirche, ihren Strukturen, ihrer Ausrichtung oder der Gemeinschaft geschieht
  • Entfremdung – das Gefühl, sich nicht mehr mit der Gemeinde, den Aktivitäten, der Anbetung / dem Gottesdienst und den Menschen dort zu identifizieren und sie so zu beobachten, wie das ein Außenstehender tun würde.
  • Desorientierung – das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wo man hin gehört.

Wenn wir an diesem Punkt stehen, dann wissen wir ziemlich genau, was unserem Glauben keine Nahrung mehr gibt und was wir aufhören oder verlassen wollen. Oft büßt das Wort »Gott« seine besondere Bedeutung für uns ein und wir spüren die Gegenwart Gottes nicht mehr. Unsere Unzufriedenheit wird möglicherweise von einer stillen Sehnsucht nach etwas ganz Neuem begleitet, die tief aus unserem Innern kommt. Eines steht fest: Weiterhin das zu tun, was wir immer getan haben, bringt uns nicht weiter. Je mehr wir das versuchen, desto mehr nimmt unser Gefühl der Unzufriedenheit und der Entfremdung zu, und wir werden bloß wütend.

Wer hat Schuld?
Die natürlichste Reaktion wäre es, einen Sündenbock zu finden. Insbesondere zwei scheinen sich anzubieten: Wir selbst oder andere – der Prediger, der Pastor, der Lobpreisleiter… Geben wir uns selbst die Schuld, dann strengen wir uns einfach noch mehr an oder ignorieren unsere negativen Gefühle oder probieren eine neue Methode aus oder geben einfach auf, weil wir denken, dass wir das Zeug dazu nicht haben. Wenn wir die Gemeinde, Gruppen, Leiter, Strukturen, Programme etc. verantwortlich machen, ändert das nichts an der eigentlichen Problematik. Äußeres zu verändern fördert die sich im Tiefen anbahnende neue Kernstruktur des Glaubens und Lebens nicht. Verständlicherweise können wir aber auch jemand ganz anderen verantwortlich machen: Gott. Ihm die Schuld zu geben, ihn vielleicht sogar zu fluchen, ist für diejenigen, die christlich aufgewachsen sind, ein Anathema. Dabei wäre es sehr biblisch. Wie Hiob ist bei vielen Menschen die innere Unruhe mit dem christlichen Glauben eng mit äußeren Faktoren wie Leid, Trauer und Schmerz verbunden. Bei anderen hängt es vielleicht mit einem neuen Lebensabschnitt oder einschneidenden Ereignissen wie dem Tod eines lieben Menschen, Krankheit, einem schweren Unfall, dem Verlust einer Arbeitsstelle, einer zerbrochenen Beziehung oder zerschmetterten Träumen zusammen. Bei anderen sind es innere Anreger wie eine beständige Unruhe, Stress, ein Burnout, ein Gefühl der Erschöpfung, eine Sucht, die nicht mehr länger ignoriert werden kann, nicht verheilte Wunden aus der Vergangenheit oder ein Ausbruch von Angst oder Zweifel, die für eine Unrast und Hunger nach etwas mehr oder anderem sorgen. Solche inneren Antriebe, die wir am tiefsten spüren, und die uns auf eine neue Seelenreise führen, sind oft mit kontextuellen Veränderungen verbunden oder werden von diesen beeinflusst.

Eine Welt im Wandel
Eine neue Welt ist am Entstehen, die mit dem Wandel von Moderne zu Postmoderne umschrieben werden kann. Dazu gehören folgende Entwicklungen:

  • das Misstrauen in übergreifende Rahmenerzählungen, Experten und Autoritäten, was zu einer Sinnkrise führt
  • der Verlust des Glaubens an den Fortschritt, was zu einer Krise der Hoffnung führt
  • die Bewegung weg von Institutionen, was zu einer Identitäts- und Zugehörigkeitskrise führt
  • der Wandel von einer produktionsgesteuerten zu einer konsumgesteuerten Wirtschaft, was zu einer Schuldenkrise führt
  • die Explosion der Kommunikationstechnologie, was zu einer Krise in der Beziehung zwischen Raum und Zeit führt

Diese fünf Ströme zusammen machen aus der festen eine flüssige Gesellschaft. In diesem turbulenten Kontext großer Veränderungen bewegen wir uns zwischen einer sterbenden Welt und einer, die gerade erst geboren wird. Diese Veränderung äußerer Faktoren bringt eine wachsende Anzahl von Menschen dazu, sich über das vor-kritische Rahmenwerk des christlichen Glaubens hinaus zu bewegen. Und wenn nun noch ein inneres Ziehen des Heilligen Geistes dazu kommt, kann das schwer ignoriert werden.

Wie immer: Mehr Fragen als Antworten
Der Schritt in diesen Übergang hinein, den niemand freiwillig sondern nur gezwungen vollzieht, kann nicht beschleunigt werden. Das Ganze bleibt ein Geheimnis, um das sich die verschiedensten Fragen ranken: Warum bewegen sich manche Menschen nie über die vor-kritische Glaubensphase hinaus? Warum beginnen andere den Übergang, aber gehen nicht weiter? Warum bringen manche der oben genannten Faktoren die einen Menschen zu einer Wandlung ihres Glaubens, während andere in ihrer vor-kritischen Phase nur bestärkt werden? Über globale Veränderungen und persönliche Erfahrungen läßt sich trefflich diskutieren, aber das innere Wirken des Heiligen Geistes bleibt schlicht ein Geheimnis. Darum dürfen wir andere Menschen auch nicht zum Übergang zwingen, bevor sie nicht bereit sind.
Wenn wir an diesem Punkt stehen, dann haben wir keinen blassen Schimmer von dem, was vor uns liegt. Es gibt nur den Verlust des Bekannten und Sicheren und eine dunkle, unbekannte Zukunft, für die es weder Land- noch Straßenkarten gibt. Wir müssen die Art, wie wir unseren Glauben verstehen und leben hinter uns lassen, aber was vor uns ist, liegt im Nebel. Der Prozess des Rückzugs in den Kokon ist immer kummervoll – Erschütterung und Wut, Entziehung und das Bedürfnis nach offenen Räumen für Stille und Verzweiflung gehören dazu. Die Zeit im Kokon ist eine Zeit der Verwandlung, die wir nicht selbst durchführen können. Wir müssen bereit sein, uns dem Wirken des Heiligen Geistes auszuliefern und die schwere emotionale und spirituelle Arbeit zu tun, die uns abverlangt wird. Meistens treten wir in diese Chrysalis-Phase ein, weil wir gar nicht anders können. Unsere eigene Unfähigkeit bringt uns auf unsere Knie, ebenso unser Scheitern, unser Leiden oder das Abenteuer, das uns im Unbekannten erwartet.
Wir sollten bei unseren (kirchlichen) Aktivitäten kürzer treten, um uns dem Neuen, das Gott in uns ins Leben bringt, hingeben zu können. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Gemeinde verlassen müssen, sondern dass wir für eine vorübergehende Zeit etwas weniger involviert sein werden. Verlasse Deine Gemeinde nur dann, wenn Du wirklich nicht bleiben kannst, wenn das Bleiben Deinem Glauben und Leben nur schaden würde. In dieser Zeit ist es angebracht, die persönliche Aufmerksamkeit nicht auf die Ausrichtung der Gemeinde, sondern auf die Veränderungsprozesse im persönlichen Glaubensleben zu richten. Was da in Dir zum Vorschein kommt ist anders als alles Vorhergehende. Diesem Übergang kommt dieselbe Bedeutung zu, wie wenn eine Raupe aufhört zu essen und den Befestigungspunkt sucht, an dem ihr Kokon hängen wird. Sie wandert nicht mehr herum, sondern und spinnt ein kleines Seidenkissen auf der Unterseite eines Blattes oder Astes, dreht sich um und ergreift dieses Kissen mit ihren Hinterbeinen. Wenn sie sich daran festgehakt hat, läßt sie sich fallen, wird von ihren Hinterbeinen gehalten und vertraut auf die Sicherheit des Seidenpolsters. Danach beginnt ihre Metamorphose.

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