[Chrysalis] Kapitel 12: Schön und voller Hoffnung
12. März 2009
[Das ist der dreizehnte Post zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis: The Hidden Transformation in the Journey of Faith.]

Nun, da die christliche Kirche zunehmend unruhigen und wechselhaften Zeiten entgegensteuert, werden nicht nur einzelne Menschen, sondern auch ganze Gemeinden Wüstenerfahrungen erleben. Wir werden immer mehr sehen, wie die Kirchen im Westen in eine neue Phase des Exils und der Dunkelheit eintreten. In unserer postmodernen Umgebung scheinen sich viele Gemeindeleiter auf theologischen Konservatismus und ekklesiologische Kontrolle zu konzentrieren – so als ob sie angesichts einer chaotischen und sich beständig verändernden Kultur eine Wagenburg bilden wollten. In der Sprache der Glaubensphase gesprochen, fokussieren sich viele Gemeindestrukturen auf vor-kritische Ausdrucksformen. Dazu werden sie ermuntert, weil das diejenige Phase ist, in der viele – vor allem viele junge Erwachsene – zum Glauben kommen. Das ist eine Art Gemeinde, die schnell wachsen kann, da sie klare Antworten und Glaubensaussagen parat haben, für Probleme schnelle Lösungen und auch ein Zugehörigkeitsgefühl bieten. Wenn sich aber Denominationen und Gemeinden vor allem auf diese Zielgruppe konzentrieren, dann werden Menschen, die sich in eine kritische, von Fragen, Zweifeln, Leiden und Schwierigkeiten gekennzeichnete, Glaubensphase hinein bewegen, das Gefühl haben, dass es für sie keinen Platz gibt.
In den Gemeinschaften, die alle Glaubensphasen anzusprechen versuchen, wird eine Schönheit und Hoffnung sichtbar, die den unvermeidbaren Verlust an Kontrolle aufwiegt. Einer Gemeinschaft, die sowohl den Frischestbekehrten als auch den schroffsten Skeptikern Respekt und Verständnis entgegenbringen kann, haftet etwas ungemein Reiches an: wo Junge und Alte, Sichere und Unsichere eine fürsorgliche Gemeinschaft formen. In den verschiedenen Glaubensphasen brauchen die Menschen ganz unterschiedliche Unterstützung. Manchmal scheint es so, als ob die Sprachen, die sie sprechen nicht vereinbar seien. Denn wenn vor-kritische und post-kritische Menschen miteinander sprechen, dann können dieselben Worte verschiedene Bedeutungen und Nuancen haben. Insbesondere für diejenigen, die in der vor-kritischen Phase sind, kann das recht verwirrend sein.
Wenn wir uns in eine neue Phase bewegen, bedeutet das nicht, dass wir unser Verständnis für die vorige Phase oder deren Sprache verlieren; wir tragen sie weiter in uns. So wie manche Menschen mehrsprachig sein können, so können sie auch »mehr-phasig« sein, was die Glaubensphasen anbelangt. Wenn solche mehr-phasigen Menschen sich mit einer Sache des Glaubens auseinandersetzen, haben sie zwei oder mehr Sprachen, in denen sie darüber reden können. Wenn Menschen aus unterschiedlichen Glaubensphasen miteinander in Kontakt kommen, mögen die Kernelemente dieselben sein – z.B. das Leben, die Lehre, der Tod und die Auferstehung Jesu Christi -, aber sie werden unterschiedlich verstanden und ausgedrückt. Der mehrsprachige Ausdruck unseres Glaubens scheint allerdings nur dann zusammenzukommen, wenn wir in der post-kritischen Phase zu Hause sind. Die vor-kritische und hyper-kritische Phase scheinen nicht zueinander zu passen, solange die post-kritische Phase nicht zur Home Base wird. Menschen in der hyper-kritischen Phase begegnen vor-kritischen Ausdrucksformen oft mit Wut und Ablehnung. Wie Öl und Wasser können sie nicht ohne ein drittes Element vermischt werden, das sie verbindet und zusammenhält. Dieses dritte Element ist die Reise in eine post-kritische Ausdrucksform des Glaubens. Um zu lernen, wie man auf die unterschiedlichen Glaubensphasen hört und sie wertschätzt, braucht es nicht nur ein Verständnis davon, wie sich christlicher Glaube normalerweise entwickelt, sondern auch Respekt für die Menschen in jeder Phase. Es braucht Toleranz und Gnade. Diejenigen, die am weitesten gereist sind, müssen gnädig mit denen sein, die bislang eine kürzere Strecke zurückgelegt haben.
Wir brauchen Gemeinden, Gemeinschaften und Gespräche, wo Menschen aus den unterschiedlichen Glaubensphasen zusammenkommen können, um die Einzigartigkeit ihres eigenen Glaubensausdrucks erkennen können und dabei lernen, dass ihr Weg nicht der einzige ist und wie sie einander respektieren können. Wir brauchen nicht nur Stationen auf der Reise, die einzelne Menschen mit einer tiefen Theologie und post-kritischen Ausdrucksformen des Glaubens unterstützen, sondern auch Orte und Räume, wo Menschen aus allen Glaubensphasen zusammenkommen können, wo die Breite der christlichen Reise gefeiert werden kann, wo rohe Anfänger die Weisheit in den Geschichten derer hören können, die im christlichen Glauben weit gereist sind, und wo die Weitgereisten von der Leidenschaft und Überzeugung der Frischlinge ermutigt werden können. In diesen Orten und Räumen können fundamentalistische Absichten abgemildert und die Vielfalt und der Reichtum des christlichen Glaubens von der breiteren Gemeinschaft gesehen und erfahren werden.
Technorati Tags: Alan Jamieson, Chrysalis




































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Dienstag 17. März 2009 um 15:08
… und wie sieht das dann in der Praxis aus?!?
Montag 30. März 2009 um 19:43
ich sehe es so: wenn man nichts macht, wird es noch schwieriger, daher lass uns weiter, je nach Mögllichkeiten unterschiedliche Gemeniden bauen. Gott sei Dank!