9. Juli 2007
Ein Blick hinter die Kulissen
Während der Eroberung Jerichos vergreift sich Achan aus dem Stamm Juda an den gebannten Gütern aus der Stadt. Gottes Zorn entbrennt über Israel.
Eine unerwartete Niederlage
Josua schickt nun Spione aus, um Ai, die nächste Stadt, die es einzunehmen gilt, auszukundschaften. Ihr Fazit: Es ist nicht nötig, das ganze Heer zu schicken, zwei- bis dreitausend Mann sind genug. 3.000 Mann ziehen also los, es kommt zum Kampf, die Israeliten fliehen vor den Kriegern Ais, 36 Mann werden getötet und “das Herz des Volkes schmolz und wurde wie Wasser”.
Trauer und Klage
Josua und die Ältesten Israels zerreißen ihre Kleider, streuen sich Staub über den Kopf, fallen auf ihr Angesicht vor der Bundeslade. Josua klagt: “Gott, warum hast Du uns überhaupt hierher gebracht? Wenn wir vernichtet werden, was wirst Du dann für Deinen Namen tun?”
Mir fällt auf, daß Josua zwar auf die Ehre des Namens Gottes bedacht ist, aber dennoch Gott als den Schuldigen für die Niederlage ausmacht und nicht nach möglichem eigenen Versagen fragt. Josua hatte meinem Empfinden nach eigenmächtig gehandelt, indem er auf das Wort der Kundschafter hin seinen Schlachtplan entworfen hatte. Immer wieder wird dieses Motiv im Buch Josua auftauchen: Strebt das Volk aktiv nach einer Offenbarung des Willens Gottes, so sind ihre Unternehmungen von Erfolg gekrönt. Handelt Josua aber eigenmächtig, muß er empfindliche Rückschläge hinnehmen. Hätte er in dieser Situation die Gegenwart Gottes gesucht, wäre er, so denke ich, auf die Übertretung Achans aufmerksam gemacht worden.
Die Antwort Gottes
Gott spricht: “Warum liegst Du da? Israel hat gesündigt, den Bund übertreten, gestohlen. Darum haben sie keine Chance gegen ihre Feinde. Ich werde nicht mit Euch sein, wenn das Gebannte nicht zerstört wird.”
Das aktive Übertreten der Weisung Gottes katapultiert das Volk aus dem Bund und entzieht Gottes Beistand.
Die Entlarvung des Übertreters
Auf das Geheiß Gottes hin wird Achan am nächsten Tag vor dem ganzen Volk als der Schuldige entlarvt. Er bekennt, einen schönen Mantel, Silber und Gold gesehen, begehrt und gestohlen zu haben.
Eine psychologische Einsicht: Auf das Sehen folgt das Begehren, welches zur sündigen Handlung führt. Hier denke ich an Jesu Wort in Mt 5,28: “Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.” Auch werde ich an Jak 1,14f erinnert:
Ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.
Hier zeigt sich dieselbe Reihenfolge: Aus dem Sehen wird Begehren, das zur Sünde führt. Gut, daß der Heilige Geist im Herzen des Gläubigen Genügsamkeit wirkt. Warum alles konsumieren und erstreben und haben müssen, wenn unser himmlischer Vater versprochen hat, uns zu versorgen (Mt 6,31-34; 1Tim 6,6-11)?
Die Bestrafung des Übertreters
Josua “und ganz Israel” nehmen Achan, das Diebesgut (Mantel, Silber, Gold), seine Söhne und Töchter sowie sein Vieh und sein ganzes Eigentum, steinigen und verbrennen sie. Danach wird ein großer Steinhaufen auf ihnen errichtet – ein Erinnerungs- und Mahnmal. Gottes Zorn wendet sich von seinem Volk.
Warum eine solch harte Strafe? Der Text liefert eine Letztbegründung nicht. Das Gebannte in Jericho sollte zerstört werden bzw. Gottes Eigentum sein. Vielleicht wurde hier auch während der Jungfernzeit des Volkes im verheißenen Land ein Exempel statuiert, ähnlich wie das bei der Rotte Korach nach dem Exodus (Num 16) und Hananias und Saphira in der jungen Gemeinde (Apg 5) war. Jedenfalls ist klar: Sünde schadet nicht nur der eigenen Person, den Mitmenschen und der Welt, sondern ist immer auch (und vorrangig) ein Vergehen gegen Gott und darum ernst zu nehmen.
Ein Blick auf Christus
Die Sünde eines Israeliten bringt Verderben über das ganze Volk, so wie die Sünde Adams allen Menschen den Tod gebracht hat (vgl. Röm 5,12). Durch die Bestrafung Achans wird der Zorn Gottes vom Volk genommen. Hier denke ich an die Worte von Paulus aus Röm 5,18-21:
Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt. Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten. Das Gesetz aber ist dazwischen hineingekommen, damit die Sünde mächtiger würde. Wo aber die Sünde mächtig geworden ist, da ist doch die Gnade noch viel mächtiger geworden, damit, wie die Sünde geherrscht hat zum Tode, so auch die Gnade herrsche durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unsern Herrn.
Die Zeiten haben sich geändert. Das ist gut. Aber auch für uns gilt: Sünde ist zu erkennen, zu benennen und zu bekennen. Gottes Vergebung ist gewiß (1Jo 1,9).
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