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Archiv für die 'Spiritualität' Kategorie

Die Fastenzeit und die »Stimme verschwebenden Schweigens«

27. Februar 2012

1. Könige 19 ist eines der Kapitel aus der Bibel, die mich in den letzten zehn Jahren am meisten geprägt und begleitet haben. Immer wieder bin ich zurückgekommen zu der Geschichte Elias. In Kapitel 18 hatte dieser Prophet hunderten Baalspriestern die Stirn geboten, das ganze Volk konfrontiert und ein machtvolles, »übernatürliches« Eingreifen Gottes erlebt. Auf dem Berg Karmel war Elia auf dem Gipfel. Das nachfolgende Kapitel führt ihn dann ins Tal, durch die Wüste und wieder auf den nächsten Berg. Euphorisiert vom Erfolgserlebnis auf dem Karmel trifft ihn die Ansage Isebels wie ein Hammerschlag: »Ich werde Dich töten!« Plötzlich bricht alles zusammen:

Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. (1Kö 9,3f)

Ganz unten ist Elia. Er, der gedacht hatte, er könnte Gottes Volk im Alleingang auf den rechten Weg bringen und es besser machen als alle seine Vorgänger, ist mit seinem Latein am Ende. Er will sterben und schläft erst mal ein. Als er wieder aufwacht, rührt ihn ein Engel an und gibt ihm zu essen und zu trinken. Wieder schläft er ein, wieder weckt ihn ein Engel und sagt: »Steh auf und iss, denn Du hast einen weiten Weg vor dir.« Die nächsten Verse lauten:

Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb. Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des Herrn kam zu ihm: Was machst du hier, Elia? Er sprach: Ich habe geeifert für den Herrn, den Gott Zebaoth; denn Israel hat deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, dass sie mir mein Leben nehmen. (1Kö 19,8-10)

Drei Verse nur, die doch so viel aussagen. Interessant, was Schlaf, Nahrung und ein göttlicher Auftrag alles ausrichten können. Für Elia reicht das, um einen 40-Tages-Marsch auf sich zu nehmen. Man sollte meinen, Elia wäre während dieser langen Zeit vielleicht zu sich gekommen, hätte zur Reflexion und wieder in die innere Ruhe hinein gefunden. Vierzig Tage Wüste könnten dabei ja helfen. Elia verbringt die Nacht in einer Höhle im Berg. Wer weiß, mit welchen Erwartungen er zum Horeb gekommen ist. Schließlich war das ja – abgesehen vom Tempel in Jerusalem – der Ort, der am meisten mit der Gegenwart der Herrlichkeit Gottes vor seinem Volk assoziiert wurde. Ob Elia mit einer Privataudienz beim Allmächtigen gerechnet hat – so wie sie einst Mose bekommen hatte? Wahrscheinlich hat er lange darüber nachgedacht, was er Gott sagen würde, falls es dazu käme. Jedenfalls erzählt der Text lapidar: »Das Wort des Herrn kam zu ihm: Was machst Du hier, Elia?« Eine solch einfache Frage, die Gott mir (und vielleicht auch Dir?) durchaus deutlich öfter stellen könnte. Manchmal hilft ja allein schon diese Frage. Elia antwortet, und seine ganze Frustration bricht aus ihm heraus: »Ich habe mir den Arsch aufgerissen für Dich, Gott, denn alle sind sie abgefallen, keiner kümmert sich um Dich, ich bin der einzige, und jetzt wollen sie auch noch mich umbringen!« Ich höre in diesen Sätzen Frust, Enttäuschung, Arroganz, Ablehnung, Verletzung, Stolz, Traurigkeit, Anklage und vieles mehr heraus. Interessant ist die Tatsache, dass Elia im Vergleich zur Nacht unter dem Wacholderbusch zumindest einen Schritt weiter scheint – weder der Todeswunsch noch der Vergleich mit den Vätern wird hier artikuliert. Dennoch: Der Stachel sitzt tief, und Elias Blickfeld ist eingeschränkt auf seine verzerrte Wahrnehmung seiner selbst und des Gottesvolkes. Kurze Zeit später wird ihm Gott einen neuen Auftrag geben und ihm offenbaren, dass noch weitere siebentausend Menschen in Israel ihre Knie nicht vor Baal gebeugt haben. Ob die Zahl wörtlich oder symbolisch zu verstehen ist, sei dahingestellt, entscheidend ist die Kernbotschaft: Du bist nicht allein und ich kann Dich gebrauchen. Jetzt im Moment jedoch verspürt Elia nur den tiefen Stachel in sich. Die beiden nächsten Verse sind in die Geschichte eingegangen, sind mir die vielleicht beiden wertvollsten Verse im Alten Testament geworden:

Der Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den Herrn! Und siehe, der Herr wird vorübergehen. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. (1Kö 19,11f)

Immer und immer wieder habe ich über dieses Kapitel nachgedacht, bin ich den Weg Elias mit ihm mitgegangen, immer wieder habe ich mich in der einen oder anderen Situation mit Elia identifiziert und Gott auch bisweilen meinen Frust über sein Volk entgegengeschleudert. Und immer wieder hatte ich das Gefühl, dass Gott mich raus aus der Höhle ruft, hin zu seiner Gegenwart. (So habe ich 2005 auch mal versucht, diese Geschichte in einem Gedicht/Gebet zu verarbeiten, das ich der Vollständigkeit halber demnächst auch posten werde.) Und immer wieder habe ich über die drei Worte nachgesonnen, die in meiner präferierten Luther ’84 mit „stilles, sanftes Sausen“ übersetzt werden. Und immer wieder hatte ich das Gefühl, dass das der Gott ist, den ich auch kenne. Der sich nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer manifestiert und offenbart, sondern im „ganz leisen Hauch“ (Gute Nachricht), im „Ton leisen Wehens“ (Elberfelder), im „leisen, sanften Säuseln“ (Einheitsübersetzung, Menge und ähnlich auch Schlachter). Diese drei hebräischen Worte sind die beiden Substantive „Stille“ und „Stimme“ sowie das Adjektiv „dünn“. Eine „Stimme dünner Stille“ also. Ein bleibendes Faszinosum. Aber irgendwie für mich die definitive Gottesoffenbarung. Die „still, small voice“ der King James ist auch im englischen Sprachraum zum Klassiker geworden, der auch in manchen Buchtiteln auftaucht.

Vor zwei Wochen habe ich dann in Stephen Shoemakers sehr empfehlenswerten Buch GodStories: Scriptural Narratives for Today das Kapitel über Elia gelesen und bin auf interessante Gedanken gestoßen. Shoemaker schreibt:

„And after the fire a ’still small voice'“ has been the translation we’ve learned. The „still, small voice“ has become almost a spiritual cliché. But what happened was the opposite of a cliché; it was the annihilation of all spiritual expectation, stated in three Hebrew words, voice, silence, crush. In a translation both literal and poetic, what happened was the „sound of crushed silence.“ A silence that was at the same time empty and full, an utmost silence that was at the same time the opposite of what was expected and more than what was expected, a deafening quiet.

416Rumzn1Hl. Ss500

Shoemaker sinnt ein wenig über den Wind, das Erdbeben und das Feuer nach. Alle drei waren mächtige Erscheinungs- und Offenbarungsformen Gottes. Der Wind, der das Rote Meer geteilt hatte, das Erdbeben, das denselben Berg ins Wanken gebracht hatte, als das Volk vor dem Berg stand und Mose später die Zehn Gebote empfing, und das Feuer, das Elia selbst auf dem Karmel hatte vom Himmel fallen sehen. Aber weder im Wind, noch im Erdbeben, noch im Feuer war Gott. Alle Offenbarungsformen, die Elia kannte, kamen und gingen, und Gott war nicht in ihnen.

Dieser Gedanke hat etwas in mir getriggert, bin ich doch auch jemand, in dessen Leben sich unterschiedliche Zugangswege zu Gott geöffnet und bisweilen auch wieder verschlossen haben. Und ich verbinde vieles mit für mich heiligen Orten, sakralen Räumen, »thin places« eben. Immer wieder bin ich, wenn ich Gottes Gegenwart gesucht habe, an Orte gegangen, an denen ich sie in der Vergangenheit erfahren hatte. Gelegentlich hat es sich gelohnt, oft aber auch nicht. Seit der Kreuzigung Jesu ist der Vorhang im Tempel zerrissen. Zweierlei steckt in diesem Bild: Der Weg in die Gegenwart Gottes ist offen, aber vielleicht ist Gott ja gar nicht im Tempel, weil der ihn nicht halten konnte. Gott ist überall und nirgendwo, immer wieder anders, mir immer wieder vorausgegangen. Immer wieder ist er dort, wo ich ihn nicht erwarte, manchmal muß ich diese »crushed silence« aushalten, manchmal umweht mich ein stilles, sanftes Säuseln, manchmal pulsiert mein Herz, manchmal nicht.

Vierzig Tage und Nächte war Elia unterwegs. Vierzig Tage dauert die Fastenzeit (ohne Sonntage), in der wir uns innerlich auf den Weg zu Kreuz und Auferstehung machen. Ich glaube, dieses Jahr werde ich einige Fragen bewegen, die sich aus 1.Könige 19 immer wieder neu ergeben. Vielleicht können diese Fragen ja auch Dir helfen…

  • Wo trachte ich danach, besser zu sein als meine Väter?
  • Inwiefern glaube ich, ich weiß es besser als das Volk Gottes?
  • Wo bin ich in Gefahr, Gott in den ausgetretenen Pfaden zu suchen?
  • Wo bin ich stehen geblieben, obwohl Gott schon weiter gegangen ist?
  • Aus welcher Höhle sollte ich treten, heraus auf den Berg vor den Herrn?

Gestern saß ich während des Lobpreisteils im Gottesdienst der Stuttgarter Jesus Freaks mit geschlossenen Augen da, als sich plötzlich wieder so ein sanftes Säuseln um mich legte und ich den Impuls hatte, raus in den Park zu gehen und mir nochmals 1.Könige 19 durchzulesen. Gesagt, getan, und in der Accordance-App sprang mir die Übersetzung von Buber und Rosenzweig ins Auge, deren Übertragung der Verse 11 und 12 seitdem in mir schwingen:

Es sprach: Heraus, steh hin auf den Berg vor MEIN Antlitz!
Da vorüberfahrend ER: ein Sturmbraus, groß und heftig, Berge spellend, Felsen malmend, her vor SEINEM Antlitz: ER im Sturme nicht —
und nach dem Sturm ein Beben: ER im Beben nicht —
und nach dem Beben ein Feuer: ER im Feuer nicht — ,
aber nach dem Feuer eine Stimme verschwebenden Schweigens.

Welch eine Sprache! Kein Wort zuviel und auch kein unnötiges Wort. Diese Worte klingen in mir nach. Die »Stimme verschwebenden Schweigens«. Ich bin mit 1.Könige 19 noch lange nicht am Ende…

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Die Fastenzeit 2011 bewußt(er)leben

7. März 2011

[Ein gemeinsames Projekt von Daniel und mir, läuft eigentlich lokal in Heimerdingen, könnte aber auch andere interessieren, daher poste ich hier mal die Beschreibung, die wir den Teilnehmenden gemailt haben. Solltest Du auch Interesse an den täglichen Mails haben, laß einen Kommentar da, und ich nehme Dich in den Verteiler.]

Wie es zum Projekt kam
Als wir uns überlegten, die traditionelle Ostermorgenandacht des CVJM Heimerdingen in diesem Jahr zu gestalten, da dachten wir uns, es wäre schön, wenn wir die Weite von Ostern erfassen könnten – die Auferstehung Jesu hat ja nicht nur damit zu tun, daß wir alle dermaleinst auch vom Tod auferstehen werden. Ostern ist der entscheidende Wendepunkt der Weltgeschichte mit Auswirkungen bis tief in unser tägliches Leben hinein. Damit Ostern nicht einfach so wirkungslos an uns vorbeizieht, haben wir uns mehrere Bausteine überlegt, zu denen wir Dich herzlich einladen.

Die Fastenzeit – aus Tradition gut
Für manche ist »Tradition« ein negativ besetztes Wort – für uns nicht, denn wir haben erkannt: Menschen, die in der Vergangenheit ihr Leben mit Gott gelebt haben, haben gewisse Praktiken entwickelt, die sie so gut fanden, dass sie sie immer wieder getan haben – daraus wurde dann eine Tradition. Wir sind dankbar für die vielen guten Dinge, die wir von ihnen lernen und übernehmen können. Es ist gut, das Rad nicht neu erfinden zu müssen, sondern in den Fußstapfen weiser Männer und Frauen gehen zu können.
Etwas, das sich in der Kirchengeschichte bewährt hat, ist das bewußte Leben und Erleben der sieben Wochen vor Ostern – als eine Zeit der inneren Umkehr und Vorbereitung auf die Ereignisse der Karwoche. Traditionell dachte man dabei an den Vergleich mit der Taufe (Röm 6): Das Sterben das alten Menschen und die Neugeburt / Auferstehung des neuen Menschen in Christus. Immer wieder spricht Paulus in seinen Briefen davon, daß wir den alten Menschen aus- und den neuen Menschen anziehen sollen. Die Fastenzeit eignet sich besonders dafür, das eigene Leben im Angesicht Gottes zu prüfen und dann an Ostern einen Neustart zu wagen. Gut charismatisch und positiver formuliert könnte man sich auch fragen: Wo will Gott in meinem Leben durchbrechen?

Der Sinn des Fastens
Biblisches Fasten ist immer zuerst eine Antwort auf etwas Heiliges und Ernsthaftes, das uns widerfährt. Es geht dabei nicht darum, daß wir auf einen besonderen geheimen geistlichen Knopf drücken, der uns mehr Vollmacht verleiht. Nein, Fasten ist Teil unserer Beziehung zu Gott – wir fasten als Reaktion auf die Umstände, unser ganzer Körper betet mit und macht deutlich, wie sehr uns eine Sache bewegt. Manchmal reagiert Gott auf unsere Hingabe und erhört unser Gebet – aber das ist nicht die Hauptsache beim Fasten. Wer mehr darüber wissen will, schaue sich Scot McKnights brillantes Buch Fasting an, leider nur auf Englisch, aber dennoch recht einfach zu lesen.
Warum wir fasten – das kann viele Gründe haben. Vielleicht, weil ein lieber Mensch krank oder verstorben ist. Vielleicht, weil wir Gottes Wirken und/oder Gegenwart in unserem Leben vermissen. Vielleicht, weil wir eine wichtige Entscheidung zu treffen haben. Eben weil uns eine Sache so sehr auf dem Herzen liegt, daß wir unseren Körper das sagen lassen wollen, was wir nicht in Worte fassen können.

Die Einladung
Wir laden Dich dazu ein, die Fastenzeit 2011 gemeinsam mit uns bewußt(er) zu (er)leben. Dazu gehört, sich in diesen Wochen bewußt(er) Raum und Zeit für das Hören auf Gott zu nehmen. Vielleicht möchtest Du das Ganze mit Fasten (Verzicht auf Essen, in seltenen Fällen auch auf Trinken) oder Abstinenz (Verzicht auf gewisse Nahrungsmittel oder sämtliche anderen Dinge, auf die zu verzichten Dir sinnvoll erscheint) begleiten. Wir ermutigen Dich dazu. Darüber hinaus laden wir Dich erstens zum gemeinsamen Gebet und Bibellesen sowie zweitens zu drei besonderen Veranstaltungen ein.

Gemeinsam beten
Wir laden Dich dazu ein, ein von uns vorformuliertes Gebet, das sich jede Woche in Nuancen verändern wird, täglich zu beten. Wir haben beide den Wert vorformulierter Gebete schätzen gelernt und sind auch ein wenig traurig darüber, daß solche Gebete heute nicht mehr einen solchen Stellenwert zu haben scheinen, wie das zu anderen Zeiten der Kirchengeschichte der Fall war. Wer vorformulierte Gebete seltsam findet, frage sich einmal, was denn beim Singen von Chorälen und Lobpreisliedern geschieht… Unser Gebet besteht hauptsächlich aus Bibelversen (davon die meisten natürlich aus den Psalmen) und soll uns dabei helfen, die Fastenzeit bewußt(er) zu (er)leben, indem es uns hilft, auf Jesus zu sehen und uns vor Gott selbst zu prüfen. Dieses Gebet kann persönlich zu Hause gebetet werden oder aber auch gemeinsam mit anderen. Daniel bietet das wieder montags bis freitags um 6:45 Uhr in der Heimerdinger Kirche an. In der Karwoche wird es allerdings aufgrund des Frühabendmahls, das um 6:30 Uhr stattfindet, ausfallen.

Gemeinsam Bibel lesen
Wir laden Dich außerdem zum gemeinsamen Bibel lesen ein. Dazu haben wir Texte aus der traditionellen Wochenlesung ausgewählt. Diese Texte haben sich in der Kirchengeschichte bewährt, weil auch sie uns dabei helfen, die Fastenzeit bewußt(er) zu (er)leben. Wir laden dazu ein, denselben Text eine Woche lang jeden Tag zu lesen, weil wir glauben, daß wir dadurch in die Tiefe gelangen und der Text stärker an uns wirken kann, wenn er uns eine ganze Woche lang begleitet. Darüber hinaus bieten wir täglich neue Inspiration an – 35 Menschen aus dem CVJM Heimerdingen und dem p-shuttle haben sich bereit erklärt, einen kurzen Impuls zu schreiben. Diesen bekommst Du, wenn Du möchtest, täglich von uns per E-Mail in Deinen Posteingang geliefert. Darüber hinaus wirst Du in dieser E-Mail neben dem Gebet der Woche auch einen Downloadlink zu einer MP3 finden, die den Text der Woche enthält, falls Du diesen gerne auch anhören würdest.

Der Start: Aschermittwoch, 9. März
Traditionell beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch. Darum wollen wir uns am 9. März um 19 Uhr in der Heimerdinger Kirche treffen, um gemeinsam bewußt in diese heilige Zeit zu starten, nochmals über ihren Sinn nachzudenken und herauszufinden, warum dieser Tag Aschermittwoch heißt.

Tief in das Leiden Jesu schauen – »Die Passion«
Am Karfreitag Nachmittag werden wir gemeinsam im CVJM-Heim in Heimerdingen den Film »Die Passion« anschauen. Die genaue Uhrzeit geben wir noch durch.

Ostermorgenandacht Teil 1 – Die abendliche Besinnung am Karsamstag
Das Licht des Ostermorgens leuchtet hell, sehr hell sogar. Am hellsten leuchtet es aber, wenn wir uns der Dunkelheit bewußt sind, die uns umgibt. Daher werden wir dieses Jahr die Ostermorgenandacht halbieren. Am Karsamstag war Jesus tot und lag im Grab. Für die Jünger war alles aus, ihre Hoffnung war am Ende, sie schlossen sich ein und weg. Wir wollen das nachvollziehen. Darum treffen wir uns am Karsamstag Abend wieder in der Heimerdinger Kirche, um gemeinsam der Dunkelheit dieser Welt ins Angesicht zu schauen. So vieles in und um uns ist zerbrochen, so vieles schmerzt uns, so viel Leid und Unheil ist in der Welt. Diesem Schmerz wollen wir Raum geben in der Gegenwart Gottes, denn dort ist er am Besten aufgehoben. Wir wollen diesen Schmerz nicht verdrängen, ignorieren oder zur Seite schieben, sondern wir wollen ihm in die Augen sehen und ihn bewußt aushalten. Wir wollen über alles nachdenken, was gott-los ist in der Welt und uns dabei fragen, was wohl wäre, wenn Jesus nicht auferstanden wäre. Wir glauben, daß uns dadurch der Sinn des Osterfestes noch einmal ganz neu aufgehen kann und wird.

Ostermorgenandacht Teil 2 – Das neue Leben feiern
Am Ostersonntag werden wir um 6 Uhr morgens die traditionelle Ostermorgenandacht des CVJM in der Heimerdinger Kirche feiern. Währenddessen wird die Sonne aufgehen und wir werden gemeinsam die Auferstehung Jesu und den Beginn der neuen Schöpfung feiern und uns dabei fragen, wie wir selbst Teil dieser neuen Schöpfung sein und werden können. Im Anschluß findet wieder das gemeinsame Frühstück im Gemeindehaus statt.

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[Foster] Radikales Gebet

2. Juli 2008

{Heute löse ich eine alte Schuld ein, indem ich den Post zum letzten Kapitel von Richard Foster’s Buch Prayer: Finding the Heart’s True Home verfasse. Die Vorgänger erschienen zwischen Januar und September 2007 und sind hier zu finden: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16| 17|18|19|20|21|22|23|24|25}

Die Hände zum Gebet zu falten ist der Beginn des Aufstands gegen das Durcheinander in der Welt. (Karl Barth)

Radikales Gebet geht an die Wurzel, zum Herz, zum Zentrum. Radikales Gebet läßt uns nicht am Rande der großen Probleme des Lebens stehenbleiben. Es wagt den Glauben, daß die Dinge sich ändern können. Es zielt auf die totale Veränderung von Personen, Institutionen und Gesellschaften ab. Radikales Gebet ist prophetisch.

Der prophetische Botschafter
Wir haben lange für eine neue Art von prophetischen Leitern gebetet. Ich glaube, wir sehen sie jetzt – viele von ihnen in Ländern der dritten Welt -, wie sie Menschen in neue Ausdrucksformen von Treue und Gehorsam rufen. Sie kommen aus jeder sozialen Schicht und jeder menschlichen Schublade. Sie lieben Jesus von ganzem Herzen. Sie spüren den Ruf Gottes auf ihrem Leben und die Hand Gottes auf ihrem Dienst. Unter ihrer Leitung und durch die Kraft des Heiligen Geistes wird das Volk Gottes ein weiteres Mal versammelt – nicht als Organisation, sondern als Organismus. Sie sehen eine neue Zukunft von Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. Sie sind nicht mehr Sklaven von Menschen. Sie können nicht mehr bestochen, manipuliert oder umschmeichelt werden. Sie lieben ihre Feinde und beten für die, die sie hassen und verachten. Ihre Gegenwart und ihr Handeln wird die Strukturen, die von Gier, Angst und Stolz erhalten werden, zum Fallen bringen. Die schlichte Tatsache, daß sie nicht bei der Unterdrückung, den Vorurteilen und dem Klassendenken der modernen Kultur mitmachen, wird die Welt verändern.

Geistlicher Widerstand
Es geht um eine geistliche Widerstandsbewegung im Untergrund. Wir werden die Stimme derer, die keine Stimme haben, bringen ihre Sache vor den Thron im Himmel. Wir verlangen, angehört zu werden. Wir werden uns fest und streitlustig gegen alle Ungerechtigkeit und Unterdrückung wenden. Die Waffen unseres Widerstands lassen uns in den Augen einer Welt, die auf Macht, Effizienz und Kontrolle beruht, absolut irrelevant aussehen. Wir sprechen die Wahrheit. Wir beten für unsere Feinde. Wir weigern uns, mit Ungerechtigkeit zusammenzuarbeiten. Und doch, so unglaublich wie es scheinen mag, haben diese Waffen die Macht, Festungen einzureißen und das gerechte und friedfertige Königreich Jesu hervorzubringen.

Soziale Heiligkeit
Die wahre prophetische Botschaft ruft uns immer zu „sozialer Heiligkeit“, um eine Formulierung John Wesleys zu verwenden. Durch unser Gebet und unser Leben sabotieren wir alle Unterscheidungen, die auf Klasse, Rang und Status beruhen. Für die Kinder des Reiches ist es nicht wichtig, wer eine Person ist, nur daß eine Person ist.

Die ganze Welt in die Arme schließen
Die wahre prophetische Botschaft ruft uns dazu, unsere Arme weit auszustrecken und die ganze Welt einzuschließen. In heiliger Kühnheit bedecken wir die Erde mit der Gnade und Barmherzigkeit Gottes. Wir schlagen unsere Bedenken in den Wind und beten nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für ganze Nationen, nicht nur für die Erneuerung der Kirche, sondern auch für die Transformation der Welt. Wir beten und setzen uns dafür ein, daß das Reich Gottes auf die Erde – die ganze Erde – kommt, so wie es im Himmel ist.

Christliche Gemeinschaft
Geistliche Mentoren haben die Gabe der Unterscheidung, der Weisheit und der Erkenntnis. Ihre Aufgabe ist es, anderen Menschen dabei zu helfen, die Fußspuren Gottes in ihrem Leben zu erkennen und sie hin und wieder dazu zu drängen, in eine Richtung zu gehen, in die sie sonst vielleicht nicht gehen würden. Wie auch immer die Form unseres gemeinsamen Lebens aussieht – es ist von äußerster Wichtigkeit, daß wir in Gemeinschaft beten. Dallas Willard schreibt: „Gottes Ziel in der Geschichte ist es, eine alles umfassende Gemeinschaft liebender Personen zu schaffen, mit ihm selbst in ihrer Mitte als grundlegendem Erhalter und herrlichstem Bewohner.“

Das königliche Gesetz
Göttliche Liebe, agape, allein kann die Gemeinschaft erhalten, die Gott ins Dasein ruft; darum ruft uns die wahre prophetische Botschaft immer zu dieser dynamischen Liebe zu Gott und dem Nächsten auf, die im Kern des Evangeliums ist. Wir lieben Gott, indem wir unseren Nächsten lieben, und wir können unseren Nächsten nur lieben, wenn wir Gott lieben. Diese beiden Gebote formen ein saumloses Gewand. Gebet läßt unsere Liebe frei fließen – sowohl vertikal als auch horizontal. Wenn wir beten, werden wir in die Liebe Gottes hineingezogen, die uns unwiderstehlich zur Liebe unseres Nächsten führt. Wenn wir versuchen, unseren Nächsten zu lieben, erkennen wir unsere Unfähigkeit dazu, was uns unwiderstehlich zurück zu Gott führt. Und so treten wir in diese niemals endende Liebesgemeinschaft ein, die der christlichen Gemeinschaft ihr Leben gibt.

EIN SEGEN
Mögest Du nun, durch die Kraft des Heiligen Geistes, den Geist des Gebets empfangen. Möge er, im Namen Jesu Christi, zur kostbarsten Beschäftigung Deines Lebens werden. Und möge der Gott allen Friedens Dich stärken, segnen und Dir Freude geben.
Amen.

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Blogstöckchen: Fasten

21. Januar 2008

Björn hat mir ein Stöckchen zugeworfen, das sich mit der Fastenzeit auseinandersetzt. Hier meine Antworten auf seine Fragen:

1. Hast Du schon einmal bewußt gefastet?
Da ich Mitglied der evangelischen Landeskirche bin und in einem 3.500-Seelen-Dorf wohne, kenne ich die Aktion „Sieben Wochen ohne“ schon seit längerem. Das erste Mal bewußt habe ich meines Wissens mit 16 gefastet – das war 1996 und verzichtet habe ich auf Zigaretten. Vor der Fastenzeit war ich Gelegenheitsraucher, nach der Fastenzeit habe ich 5 Jahre lang täglich eine Schachtel geraucht 😉
In weiteren Jahren habe ich in der Fastenzeit vorrangig auf Alkohol und Süßigkeiten verzichtet. Später habe ich mich intensiver mit dem Fasten auseinandergesetzt und wollte dann sieben Wochen lang nur Wasser und Saft zu mir nehmen. Nach einer Woche war mein Kreislauf so am Ende, daß ich das Experiment aufgegeben habe. Mittlerweile bin ich bei der Praxis angelangt, daß ich in den traditionellen kirchlichen Fastenzeiten (Advent und Aschermittwoch bis Ostern) auf feste Nahrung verzichte, statt dessen aber viel Milch trinke, so daß mein System nicht ganz herunterfährt. Auch ist das Fastenbrechen sehr einfach, da die Verdauungsorgane ja die Milch verarbeiten müssen. Dazu verzichte ich im Normalfall auf Cola und Alkohol.
Weil ich nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade lebe, habe ich das Prinzip „Festtag schlägt Fasttag“ eingeführt – sollte ich eine Feier o.ä. besuchen, kann es durchaus sein, daß ich esse oder Alkoholisches trinke. Allerdings habe ich im Dezember den Fehler gemacht, daß ich zu viele Tage zu Festtagen erklärt habe 8)
Bisweilen habe ich auch wegen eines Gebetsanliegens alleine oder in Gemeinschaft gefastet.

2. Was ist der Sinn von Fasten Deiner Meinung nach?
Fasten ist für mich der freiwillige Verzicht auf Nahrung. In der körperlichen Schwäche lebe ich bewußter und lerne „alltägliche“ Lebensmittel wie Brot, Wurst und Käse neu wertzuschätzen. Oftmals habe ich auch das Empfinden, für das Wirken Gottes empfänglicher zu sein. Es wird deutlich: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Das Hungergefühl diktiert mich nicht. Das Leben wird (manchmal) entschleunigt. Ich fühle mich Gott näher. Fasten ist manchmal auch die Intensivierung einer Gebetshaltung.
Ausführliches zum Sinn des Fastens habe ich hier geschrieben.
Das Beste, was ich zum Fasten gelesen habe, ist Anselm Grün – Fasten und ein Kapitel bei Richard Foster – Nachfolge feiern.

3. Wirst Du in diesem Jahr in der Fastenzeit fasten?
Ja, wie unter 1. beschrieben.

4. Ist Fasten ein Thema in der Gemeinschaft, in der Du lebst?
In meinem Umfeld im CVJM Heimerdingen verzichten viele während der Zeit von Aschermittwoch bis Ostern auf irgendetwas – Alkohol, Süßigkeiten und Fernsehen stehen meines Wissens hoch im Kurs. Letztes Jahr haben wir in der p-shuttle.Gemeinschaft bewußt die Fastenzeit thematisiert und Texte zur Reflektion und Meditation über Ereignisse aus den Tagen vor der Kreuzigung Jesu geschrieben, die Du hier noch einsehen kannst. Aus dem Nachdenken über diese Texte habe ich einige Gedichte geschrieben, die Dich vielleicht auch in dieser Fastenzeit inspirieren könnten – über den Einzug Jesu in Jerusalem (oder Heimerdingen…), die Tempelreinigung, die Salbung Jesu durch die Sünderin, über Judas Ischariot, die Fußwaschung, das Abendmahl, Jesus im Garten Gethsemane, die Kreuzigung.

Weiter geht’s
Ist Fasten ein Thema für Dich? Ich werfe das Stöckchen weiter und bin gespannt, wer es auffängt – vielleicht TobiK, Hufi, Mike, [depone], kapeka oder Arne? Oder jemand anderes? Fühl‘ Dich angesprochen!

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[Foster] Vollmächtiges Gebet

14. September 2007

{Dies ist – wieder einmal nach langer Unterbrechung – der fünfundzwanzigste Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16| 17|18|19|20|21|22|23|24}

Gott hat das Gebet eingerichtet und damit seinen Geschöpfen die Würde gegeben, selbst zu schaffen. (Blaise Pascal)

Im vollmächtigen Gebet rufen wir den Willen des Vaters auf die Erde herab. In diesem Fall sprechen wir nicht so sehr zu Gott, sondern für Gott. Wir bitten Gott nicht darum, etwas zu tun, sondern wir verwenden die Autorität Gottes, um zu gebieten, daß etwas geschieht. Dies ist die Art von Gebet, die Gott benutzt, um in feindliches Territorium einzudringen und seine Herrschaft zu errichten.

Autorität verbunden mit Erbarmen

Ich habe festgestellt, daß die Exzesse im vollmächtigen Gebet meist daher rühren, daß Menschen es nicht schaffen, bei der Ausübung der Autorität Christi diese mit dem Erbarmen Christi zu verbinden. Viel zu oft denken wir, daß sich Vollmacht und Mitgefühl gegenseitig ausschließen, aber in Jesus waren sie auf schöne Weise miteinander vermählt. Autorität braucht das Mitgefühl, um nicht zerstörerisch zu werden. Erbarmen schafft den Raum, in dem Vollmacht angewandt werden kann.

Einsicht und Umsicht als Leitplanken

Wir brauchen ebenso die geistliche Gabe der Unterscheidung und die Kardinaltugend der Klugheit, um Leitplanken für die rechte Ausübung des vollmächtigen Gebetes zu haben. Unterscheidung ist die göttliche Fähigkeit, das zu sehen, was in Wahrheit abläuft und zu wissen, was in einer bestimmten Situation getan werden muß. Der beste Weg, mehr über die Unterscheidungsgabe herauszufinden, ist sich an Leute zu halten, die diese Gabe besitzen. Klugheit bzw. Umsicht ist nach C.S. Lewis der praktische Menschenverstand, der sich Zeit nimmt, über das eigene Handeln und dessen Resultate nachzudenken. Wir müssen weise und sensibel sein, so daß wir im Glauben nur dann gebieten, wenn es recht und angemessen ist.

Die Führung unseres Meisters

Wir müssen aber auch zuversichtlich sein, so daß wir das vollmächtige Wort dann auch sprechen, wenn es recht und angemessen ist. Jesus hat das gebietende Gebet ausgeübt und er hat dieselbe Autorität auch anderen, nämlich seinen Nachfolgern, übertragen.

Einige Ratschläge

Wenn die Kraft Gottes gegenwärtig ist, dann müssen wir keine Showeffekte benutzen, und wenn die göttliche Vollmacht fehlt, dann nutzen auch keine Verrenkungen. Oftmals erfahren wir eine außergewöhnliche Salbung des Heiligen Geistes in besonderen Situationen im Dienst. Während wir dem Bösen fest und entschlossen gegenübertreten, bleiben wir der Einzelperson gegenüber sanft und mitfühlend. Vollmächtiges Gebet ist kein Ersatz für ein diszipliniertes Leben. Im vollmächtigen Gebet tun wir gut daran, mit anderen verbunden zu bleiben. Während wir immer in der Kraft Gottes stark sein wollen, müssen unsere Anstrengungen in die tiefste Demut des Geistes getaucht sein.

Vom Himmel auf die Erde

Wir bringen die Ressourcen des Himmels in Verbindung mit einem besonderen Fall auf der Erde. Es ist sozusagen abwärts gerichtetes Gebet. Nicht allein Jesus wurde in eine Autoritätsposition über alle geschaffenen Dinge erhoben – wir sind auch dort platziert worden. Wir üben das vollmächtige Gebet von dieser himmlischen Autoritätsposition aus.

Den Krieg des Lammes führen

Als ein Mittel zum Voranbringen des Reiches Gottes richtet sich vollmächtiges Gebet gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis dieser Welt. Im vollmächtigen Gebet sind wir in den Kampf des Geistes gegen das Reich der Finsternis eingebunden. Ole Hallesby schreibt: »Die verborgene Gebetskammer ist ein blutiges Schlachtfeld. Hier werden gewaltsame und entscheidende Schlachten ausgetragen.« Das Reich der Finsternis zieht sich zurück, wenn wir die ganze Waffenrüstung Gottes tragen.

Unsere Autorität ausüben

Geistlicher Kampf ist nicht etwas, über das wir reden; es ist etwas, das wir tun. Wie tun wir das? Wir tun es, indem wir alle zerstörerischen Bindungen – bewußte und unbewußte – brechen, die über dem Leben der Menschen liegen. Wir tun das, indem wir die Autorität über Krankheit des Verstandes, des Körpers und Geistes brechen. Wir tun das, indem wir uns gegen jede „Höhe“ wenden, die unseren Fortschritt in Gott behindert. Wir tun es, indem wir Dämonen austreiben. Wir tun es, indem wir uns gegen alle soziale Bosheit und institutionelle Ungerechtigkeit wenden.

In dem starken Namen Jesu Christi stehe ich gegen die Welt, das Fleisch und den Teufel. Ich widerstehe jeder Kraft, die mich von meinem Zentrum in Gott wegziehen will. Ich weise die verdrehten Konzepte und Gedanken zurück, die Sünden plausibel und wünschenswert machen.Ich stehe auf gegen jeden Versuch, der mich von umfassender Gemeinschaft mit Gott abhalten will.
In der Kraft des Heiligen Geistes spreche ich direkt zu den Gedanken, Emotionen und Sehnsüchten meines Herzens und gebiete euch, in der unendlichen Mannigfaltigkeit Gottes Zufriedenheit zu finden anstatt des faden Speiseplans der Sünde. Ich rufe das Gute, Wahre und Schöne in mir zum Aufstieg und das Böse zum Abklang. Ich bitte um ein Anwachsen in Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.
In der Autorität des allmächtigen Gottes reiße ich die Festungen Satans in meinem Leben, in den Leben meiner Liebenden und in der Gesellschaft, in der ich lebe, nieder. Ich nehme in mich die Waffen der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Friedens, des Heils, des Wortes Gottes und des Gebets. Ich gebiete jedem Einfluß des Bösen zu gehen; ihr habt hier kein Recht und ich gewähre euch keinen Zutritt. Ich bitte um ein Anwachsen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, so daß ich durch die Kraft Gottes ein Licht auf einem Berg sein kann, das Wahrheit und Gerechtigkeit zum Blühen bringt.
Dies bitte ich im Namen dessen, der mich geliebt und sich selbst für mich gegeben hat.
Amen.

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Mutter Teresa und die Zweifel im Glauben

26. August 2007

Im September erscheint ein Buch, das meinem Empfinden nach viel Diskussionsstoff bieten wird: Komm, sei mein Licht! Die geheimen Aufzeichnungen der Heiligen von Kalkutta. Den Hinweis darauf verdanke ich einmal mehr Scot McKnight. Ein umfassender und empfehlenswerter Artikel hierzu findet sich in der »Time«.
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Manche vergleichen es schon mit Klassikern der »geistlichen Autobiographie« wie die ebenfalls sehr an’s Herz zu legenden Bekenntnisse von Augustinus oder Der Berg der sieben Stufen von Thomas Merton. Mich erinnert es allerdings an Johannes vom Kreuz‘ Dunkle Nacht der Seele. Man mag zu solcher Literatur stehen wie man will – ich erachte sie als Düngemittel für mein Leben-mit-Gott, auch wenn sie zur Individualisierung und Verinnerlichung der Beziehung zu Gott beitragen.
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Mutter Teresa – das Vorbild im Glauben
Viele sehen in Mutter Teresa ein leuchtendes Glaubensvorbild – eine Heilige, die sich in der Nachfolge Christi den Ärmsten und Geringsten zuwendete und ihnen diente.

Zuerst denken wir über Jesus nach – und dann gehen wir hinaus, um herauszufinden, wie er sich verkleidet hat.

Dieser Satz fand sich auf der Rückseite der Mai-Juni-Ausgabe von AufAtmen und hat sicher nicht nur mich zum Hinterher-Denken inspiriert. Mutter Teresa ist zum Sinnbild gelebten Christseins geworden, ihr selbstloser Dienst am Nächsten wurde Vorbild und Wegweisung für Millionen von Menschen weltweit. Zurecht wurde sie mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Mutter Teresa – von Zweifeln gepeinigt
Diese Überschrift mutet übertrieben an. Geradezu reißerisch. Ist sie aber nicht. Ein Jahrzehnt nach dem Tod Mutter Teresas erscheint nun »Komm, sein mein Licht«. Dabei handelt es sich um Briefe und private Aufzeichnungen, welche die Tote selbst immer vernichtet wissen wollte. Dennoch sind sie veröffentlich worden. Warum? Diese Schriften enthüllen Mutter Teresas Innenleben. Ihr innersten Kämpfe. Die zur Heiligen hochstilisierte Frau kämpfte ein halbes Jahrhundert lang gegen Glaubenszweifel an, die sie selbst die »Hölle« nannte. Jesus bezeichnete sie als »den Abwesenden«. Den Zustand ihrer Seele empfand sie als »Trockenheit«, »Dunkelheit«, »Einsamkeit«, »Folter«. Mutter Teresa ging von einem Beichtvater oder Seelsorger zum Nächsten. Die Zweifel, die sie peinigten, wurde sie jedoch offensichtlich nie los. Die »dunkle Nacht der Seele« dauerte Jahrzehnte lang an.

Vom Umgang mit dem Zweifel
Wie geht man mit Zweifeln im Glauben um? Was sage ich dem, der zweifelt? Und wenn ich selbst nicht (mehr) glauben kann? Wenn ich selbst von Zweifeln gemartert werde? »Wer zweifelt, glaubt nicht richtig!«, so habe ich schon reden gehört. Aber auch die Negation dieses Satzes, »Wer nicht zweifelt, glaubt nicht richtig!« ist in meiner Gegenwart schon gefallen. Welcher Satz ist richtig? Welcher falsch? Ich weiß es nicht und will mich auch vor einer Antwort hüten. Statt dessen will ich die Frage nach dem Fundament des Glaubens stellen. Für manche gründet der Glaube in der Schrift. »Weil’s in der Bibel steht.« »Aber«, so wird ein Zweifelnder fragen, »woher weiß ich denn, daß das stimmt, was in der Bibel steht?« Andere wiederum sehen das Fundament ihres Glaubens in ihrer Biographie: »Ich habe Gott erlebt«. »Aber«, so wird eine Zweifelnde sagen, »woher weiß ich denn, daß ich mir das nicht alles eingebildet habe?«

Eine Anfrage an die zeitgenössische (»Lobpreis«-)Frömmigkeit
Ein Problem sehe ich in den gefühlsbetonten Texten mancher Lobpreislieder. Unfaßbar, wie die Beziehung zu Gott romantisiert wird. Wie die »Lobpreiszeit« danach bewertet wird, was ich dabei subjektiv empfunden habe. Gut war es, wenn ich Gott »gespürt« habe. Ihm »begegnet« bin. Ihn »erlebt« habe. Welch eine Perversion! Und wie schrecklich für diejenigen, die Gott nicht »begegnen«, ihn nicht »spüren«, ihn nicht »erleben«. Keine Frage, ich liebe es, die Berührung Gottes – auf welche Weise auch immer – wahrzunehmen. Und will mich nach ihr ausstrecken. Aber kann das alles sein? Ist mein Glaube nur dann gesund, wenn ich Gott »spüre«? Nein, das glaube ich nicht.

Ende mit einem Doppelpunkt
Was ich hier äußere, sind unfertige Gedanken. Darum nagele mich bitte nicht darauf fest. Ich liebe es auch, in Diskussionen immer erst mal die Gegenposition zum Anderen zu übernehmen. Darum sind das hier unfertige Gedankensplitter. Mein Glaube fußt auf der Schrift. Ich glaube viele Dinge einfach nur deshalb, weil sie in der Bibel stehen. Und ich glaube der Bibel deshalb, weil ich das subjektive Empfinden habe, daß Gott sich mir offenbart hat, weil ich ihn erlebt habe. Ich habe die persönliche Erfahrung gemacht, daß ich der Bibel vertrauen kann. Darum glaube ich, daß alles, was in der Bibel steht, so drin steht, wie Gott es haben wollte, und daß alles, was in der Bibel berichtet wurde, historisch so geschehen ist, wie es in der Bibel steht. Warum ich das glaube? Weil ich zu der Überzeugung gelangt bin, daß das Gesamtzeugnis der Bibel dafür spricht. Warum ich dem Gesamtzeugnis der Bibel glaube? Nun, weil ich Gott subjektiv erfahren habe… Die Katze beißt sich in den Schwanz. Ist das intellektuell redlich? Mir doch egal! Ist das eine Antwort, die für Dich funktioniert? Keine Ahnung. Ist das postmodern? Was soll’s… Ich kann mit Jesaja von meinem Schöpfer sagen: »Fürwahr, Du bist ein verborgener Gott, Du Gott Israels« (Jes 45,15) und ich kann zur selben Zeit mit David sagen: »Ich gehe nicht um mit großen Dingen, die mir zu wunderbar sind. Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein kleines Kind bei seiner Mutter; wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.« (Ps 131) Gleichzeitig sage ich mit Hiob: »Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.« (Hi 42,5) Ich freue mich auf das Buch von Mutter Teresa und bin froh, daß diese Schriften veröffentlicht wurden. Wahrhaft geistliches Schwarzbrot, das wohl lange gekaut werden muß.

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[Foster] Gebet aus dem Leiden

1. Juli 2007

{Dies ist der vierundzwanzigste Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16| 17|18|19|20|21|22|23}

Es ist das Gebet aus Agonie, das die Welt rettet. (St. Maria von Jesus)

Im Gebet des Leidens lassen wir unsere Bedürfnisse und Wünsche, ja selbst unsere Umwandlung und Vereinigung mit Gott, weit zurück. Hier geben wir Gott die verschiedenen Beschwerlichkeiten und Prüfungen, denen wir gegenüberstehen und bitten ihn, sie zu unserem Heil zu benutzen. Außerdem nehmen wir freiwillig die Sorgen und Mühen anderer auf uns, um sie freizusetzen. In unserem Leiden können die Leidenden das Angesicht des leidenden Gottes sehen.

Kein größeres Bild

Es gibt kein größeres Bild von dieser leidenden, erlösenden Liebe als Jesus, der an das Kreuz von Golgatha genagelt ist und die Worte der Absolution ausstößt: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Luk 23,34). Diesen höchsten Akt der Erlösung können wir nicht wiederholen, aber Christus lädt uns ein, seine Leiden zu teilen und auf diese Weise mit ihm an der Erlösung der Welt teilzuhaben. Wir sind aufgerufen, Partner Christi zu sein, indem wir an der „Gemeinschaft seiner Leiden“ (Phil 3,10) partzipieren.

Erlösendes Leiden

Es gibt Leiden, das Sinn und Bedeutung hat. Es bereichert das Leben anderer und bringt der Welt Heilung. Auf der rein menschlichen Ebene können wir das im Hinblick auf unsere Kinder verstehen; wir bringen gern manches Opfer, damit sie ein besseres Leben haben können. Papst Paul VI schreibt: „Der Christ kann zur selben Zeit zwei unterschiedliche, gegensätzliche Erfahrungen machen – Sorge und Freude -, die einander ergänzen.“ In erlösendem Leiden stehen wir mit Menschen in ihrer Sünde und ihren Sorgen. Wir werden nicht nur für andere „gekreuzigt“, sondern mit ihnen. Im Leiden beten wir und werden dadurch verändert. Wir reden nicht mehr über „sie“, sondern über „uns“ und „wir“. Alle vermeintliche Überlegenheit – ob intellektuell, kulturell oder geistlich – wird schlicht weggeschmolzen. Wir stehen gemeinsam unter dem Kreuz.

Freude, nicht Elend, ist die treibende Kraft hinter erlösendem Leiden. Es geht darum, daß Gott uns zum Besten aller benutzt – was eine ziemlich erstaunliche Vorstellung ist, wenn wir uns die Zeit nehmen, darüber nachzudenken.

Den Nutzen erkennen

Der Wert des Gebets aus dem Leiden ist Legion. Zunächst einmal schützt es uns vor einem oberflächlichen Triumphalismus. „Kein Kreuz, keine Krone“, wie William Penn sagte. Für Nachfolger Jesu gehört das Leiden mit dazu. Thomas Kelly bemerkt: „Gott hat das Kreuz neben die Straße des heiligen Gehorsams gepflanzt“. Aber jetzt kommt das Erstaunliche: Das Leiden ist nicht umsonst! Gott nimmt es und gebraucht es für etwas Schönes, etwas, das jenseits unserer Vorstellung liegt.

Ein weiterer Nutzen: Durch das Leiden werden unsere Herzen erweitert und sensibilisiert. Wir werden zu „verwundeten Heilern“, wie Henri Nouwen uns zu sagen gelehrt hat. Wir erkennen das Leid unserer Zeit in unseren Herzen, und das wird der Ausgangspunkt für unseren Dienst.

Was tun wir?

Unsere Frage lautet nicht: „Warum gibt es Leiden in der Welt?“, sondern „Wie kann ich in das Leiden in der Welt auf eine Weise eintreten, die Erlösung und Heilung bringt?“ Wir müssen nach der Praxis fragen. Es geht nicht um Leiden um des Leidens willen. Es geht nicht um eine Sehnsucht nach dem Martyrium. Dies ist ein bewußtes Schultern der Sünden und Sorgen anderer, damit sie geheilt werden und ein neues Leben bekommen mögen. George MacDonald bemerkt: „Der Sohn Gottes litt bis an den Tod, nicht, damit die Menschen nicht mehr leiden müßten, sondern, damit ihr Leiden wie seines sein möge“.

Die passive und die aktive Seite

Jean Nicholas Grou schrieb:

Laß Dein Leiden für Gott getragen werden; leide in Unterwerfung und Geduld und leide in Einheit mit Jesus Christus und Du wirst ein höchst exzellentes Gebet darbringen.

Gott, der alles weiß und alles sieht, wird am Ende alle Dinge gerade rücken. Besser noch: Er wird jede Träne trocknen. In der Zwischenzeit nimmt er unsere Sorgen und verwendet sie auf geheimnisvolle Weise dazu, der Welt Heilung zu bringen. Mit geistlicher Reife kommt die Fähigkeit, zwischen den Prüfungen, die zum normalen Leben unter dem Kreuz dazugehören, und den Ungerechtigkeiten einer bösen Welt, die Korrektur verlangen, zu unterscheiden.

Wir müssen uns nicht ständig die Lasten anderer auf unsere Schultern laden, sondern sie in die Arme des Vaters übergeben. Tun wir das nicht, wird uns die Last zu schwer werden und Depression wird uns übermannen. Und außerdem ist es nicht nötig. Unsere Aufgabe ist in Wirklichkeit eine recht kleine: Die Agonie anderer einfach so lange zu halten, daß sie sie selbst loslassen können. Dann können wir gemeinsam alles Gott überlassen.

Stellvertretend für andere Buße tun

Das Gebet aus dem Leiden zeigt seine ganze nackte Wirklichkeit, wenn uns die Gnade gegeben ist, stellvertretend für andere Menschen Buße zu tun – insbesondere für unsere Feinde, wenn wir ihnen vergeben und sie freisetzen. Natürlich muß jeder dort umkehren, wo er die göttliche Barmherzigkeit verwundet hat. Aber unser stellvertretendes Buße-Tun für andere scheint es ihnen irgendwie leichter zu machen, selbst umzukehren.

Das Stöhnen eines ringenden Glaubens

Ein solches Stehen zwischen Gott und Menschen beinhaltet eine Art Ringen mit Gott. Dies ist ein Teil unseres Leidens, vielleicht ein wenig mit einem Wortwechsel mit unserem besten Freund zu vergleichen. Solch ein Ringkampf ist mit Liebe vereinbar, denn es handelt sich dabei um einen Ausdruck unseres Sorgens für andere. Es ist nicht Ärger, Wut oder Gejammer, sondern – wie Martin Luther es ausdrückte – „ein beständiges, gewaltsames Handeln des Geistes, während er sich zu Gott erhebt“. Wir haben es hier mit ernsten Dingen zu tun. Unsere Gebete sind wichtig. Sie haben eine Auswirkung bei Gott. Wir wollen, daß Gott weiß, wie ernst es uns in unserem Herzen ist. Wir hämmern an die Tür des Himmels, weil wir dort oben gehört werden wollen. Wir quälen uns. Wir schreien auf. Wir rufen. Wir beten schluchzend und unter Tränen. Unsere Gebete werden zum Stöhnen eines ringenden Glaubens.

Fasten ist ein Ausdruck unseres Ringens. Fasten ist der freiwillige Verzicht auf eine normale Funktion um intensiver geistlicher Aktivität willen. Unser Fasten ist ein Zeichen dafür, daß uns nichts in unserem Ringen im Namen der Gebrochenen und Unterdrückten aufhalten wird. Unser Fasten ist Teil unseres Ringens mit Gott. Es ist Teil der Geburtswehen, die wir durchmachen, um neues Leben aufbrechen zu sehen.

Das Ringen mag schmerzhaft sein, aber das Endresultat ist des Kämpfens wert, denn, so erinnert uns Kierkegaard, wir gewinnen – und Gott ebenfalls: „Der Gerechte ringt im Gebet mit Gott und überwindet – und darin überwindet Gott.“

Mit dem Leib Christi leiden

Die Bezeichnung „Leib Christi“ für die Gemeinschaft der Gläubigen ist keine romantische Metapher, sondern echte Wirklichkeit. Durch den Heiligen Geist lebt Jesus Christus in seiner Gemeinde, und unser Leiden ist sein Leiden. Genauso ist sein Leiden unser Leiden. Von Zeit zu Zeit wird uns das Vorrecht verliehen, das Leiden Christi aufgrund eines besonderen Notstandes in seinem Leib zu teilen.

Oh Heiliger Geist Gottes,
so viele leiden heute. Hilf mir, mit ihnen in ihrem Leiden zu stehen. Ich weiß nicht wirklich, wie das geht. Ich bin in Versuchung, ein kurzes Gebet zu sprechen und sie dann wegzuschicken, anstatt mit ihnen die Troslosigkeit des Leidens auszuhalten. Zeige mir den Pfad in ihren Schmerz.
Im Namen Jesu und um Jesu willen.
Amen.

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[Foster] Für Heilung beten

22. Juni 2007

{Dies ist der dreiundzwanzigste Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16| 17|18|19|20|21|22}

Viele große und wunderbare Dinge wurden in jenen Tagen von der himmlischen Macht vollbracht, denn zum Erstaunen vieler entblößte der Herr seinen allmächtigen Arm und machte seine heilende Kraft offenbar, durch die viele von schweren Gebrechen erlöst wurden. (George Fox)

Heilendes Gebet gehört zum normalen Leben als Christ. Es sollte nicht über irgendeinen anderen Dienst in der Gemeinschaft des Glaubens erhoben werden, noch sollte es zu gering geachtet werden. Es ist schlicht ein Aspekt dessen, was es bedeutet, unter der Herrschaft Gottes zu leben. Dies sollte keine Überraschung für uns sein, da es sich hierbei um eine deutliche Bestätigung des inkarnatorischen Wesens unseres Glaubens handelt. Gott sorgt sich um den Körper genauso sehr wie um die Seele, die Emotionen oder den Geist. Die Erlösung in Jesus ist umfassend; sie bezieht jeden Aspekt der Person mit ein – Körper, Seele, Verstand, Wille, Gefühle, Geist.

Grenzenlose Vielfalt

Wir sind froh über die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, die Gott benutzt, um seinem Volk Gesundheit und Wohlbefinden zu schenken. Dazu gehören Ärzte, Psychologen, Psychiater, Therapeuten und Menschen, welche darin wachsen, die heilende Macht Christi zu anderen zu bringen – zur Herrlichkeit Gottes und zum Besten aller Betroffenen. Die alten Hebräer sahen die Person als Einheit; es wäre für sie undenkbar gewesen, dem Körper zu dienen ohne gleichzeitig dem Geist zu dienen – und umgekehrt. Es mag Zeiten geben, in denen Gott uns leitet, uns nur auf Gebet zu verlassen. Aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Die Weigerung, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, kann ein Akt des Glaubens sein – viel öfter handelt es sich dabei um einen Ausdruck geistlichen Stolzes. Im Normalfall sollten wir gleichzeitig und mit demselben Eifer Gebet und ärztliche Hilfe suchen, denn beides sind Gaben Gottes.

Kleine Anfänge

[Foster erzählt seine persönlichen Erfahrungen mit dem Gebet um Heilung. Dabei sagte eine ältere Dame, mit der er zu tun hatte, zu ihm:] Wenn Du damit beginnst, um Heilung zu beten, dann fang‘ nicht mit den schwierigsten Fällen an … wie Krebs oder Arthritis. Statt dessen beginne auf einfachere Weise.

Die verwirrende Frage

Wie gehen wir damit um, daß nicht jeder geheilt wird, für den gebetet wird? Jesus ist der einzige, von dem gesagt werden kann: „Er heilte sie alle“ (Mt 12,15). Die direkteste Antwort auf diese verwirrende Frage ist: „Ich weiß es nicht.“

Einerseits ist heilendes Gebet unglaublich einfach, wie ein Kind, das seinen Vater um Hilfe bittet. Andererseits ist es unglaublich komplex, handelt es sich dabei doch um das verknotete Zusammenspiel zwischen Menschlichem und Göttlichem, zwischen Verstand und Körper, zwischen Seele und Geist, zwischen Dämonen und Engeln. Wir leben in einer gefallenen Welt, wo Krankheit, Leiden und Schmerz zum Existenzmuster gehören. Manchmal stellen wir eine falsche Diagnose und beten z.B. um körperliche Heilung, wenn das wahre Bedürfnis emotionale Heilung ist. Manchmal vernachlässigen wir natürliche Wege wie gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Sport. Manchmal erkennen wir Medizin nicht als eine Weise an, auf die Gott heilt. Manchmal beten wir nicht spezifisch genug oder dringen nicht zur Wurzel des Problems durch. Manchmal sind wir kein adäquater Kanal für den Strom von Gottes Liebe und Kraft, weil Glaube und Mitgefühl nicht weit genug in uns entwickelt sind. Manchmal ist Sünde in unserem Leben, die Gottes Wirken hindert. Ich könnte noch weiter machen, denn die Gründe, warum evtl. keine Heilung geschieht, sind unzählig. Aber was immer die Gründe sind, es ist eine traurige Tatsache, daß wir manchmal jemandem gegenüberstehen, für den wir gebetet haben, und der nicht geheilt wurde. Was sollen wir dann tun?

Nun, zunächst einmal will ich Dir sagen, was wir nicht tun. Unter keinen Umständen sollten wir denen, die Gebet empfangen haben, sagen, daß es ihre Schuld sei: Daß ihnen der Glaube fehlt, oder daß Sünde in ihnen ist, die das Gebet behindert oder irgend etwas in dieser Richtung. Wenn wir jemandem die Schuld geben wollen, dann lieber uns selbst – vielleicht ist es unser Mangel an Glauben oder unsere Sünde, die den Strom von Gottes Gnade und Barmherzigkeit aufhält. Eigentlich geht es auch gar nicht darum, wer schuld ist. Es ist einfach so, daß wir über heilendes Gebet lernen, und dabei gibt es Vieles, was wir nicht verstehen. Das einzige, was wir tun sollen, ist Mitgefühl/Erbarmen zu zeigen.

Hände auflegen

Das Auflegen der Hände ist eines der elementaren Dinge im Evangelium, ohne das wir nicht zur Reife gelangen können (Hebr 6,1-6). Das Auflegen der Hände allein heilt den Kranken nicht – Christus heilt den Kranken. Das Auflegen der Hände ist einfach ein Akt des Gehorsams, der unseren Glauben beschleunigt und Gott die Möglichkeit gibt, Heilung zu übertragen. Oftmals wird man auch das Salben mit Öl mit einbeziehen und damit dem Rat von Jakobus 5,14 folgen.

Konkrete, direkte Schritte

Als Erstes hören wir zu. Dies ist der erste Schritt zur Einsicht. Wir hören den Menschen zu und wir hören auf Gott. Manchmal teilen uns die Leute ihre tiefsten Bedürfnisse zufällig und beiläufig mit. Aber wenn wir zuhören, wirklich zuhören, dann steigt oft in uns ein inneres „Ja“ auf, die göttliche Einladung zum Gebet. Wir hören auch auf Gott, bitten ihn, uns den Schlüssel zum Problem zu zeigen. Dieser kommt bisweilen in einer direkten Offenbarung, manchmal beim Hören auf die Worte zwischen den Zeilen, und manchmal ist es eine Mischung aus beidem.

Als Zweites bitten wir. Dies ist der Schritt des Glaubens. Wenn wir über das, was gebraucht wird, Klarheit haben, laden wir Gottes Heilung ein, zu kommen. Wir deklarieren klar und direkt, was sein soll. Wir schwächen unser Anliegen nicht mit „wenns“ und „abers“ ab.

Als Drittes glauben wir. Dies ist der Schritt des Vertrauens. Wir glauben mit unserer ganzen Person: Körper, Verstand, Geist. Bisweilen müssen wir mit dem Vater des dämonisierten Kindes bekennen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24). Aber unabhängig davon, ob wir uns stark oder schwach fühlen, denken wir daran, daß unser Vertrauen nicht auf unserer Fähigkeit, ein besonderes Gefühl herbeizuzaubern, basiert. Statt dessen verlassen wir uns in fester Zuversicht auf die Treue Gottes.

Als Viertes danken wir. Dies ist der Schritt der Erkenntlichkeit. Schlichte Höflichkeit bringt uns dazu, für das zu danken, was wir erbeten haben.

Gesunder Skeptizismus und heilsamer Glaube

Vielleicht stehst Du dem Gebet um Heilung immer noch skeptisch gegenüber. Das ist nicht ganz schecht – es gibt einige in unseren Tagen, denen etwas gesunder Skeptizismus ganz gut tun würde. [Foster erzählt von Augustinus, der den Wert des Gebets um Heilung anzweifelte. Je mehr Heilung er allerdings miterlebte, desto mehr änderte sich seine Haltung.] Mögen wir – wie Augustinus – unseren gesunden Skeptizismus in heilsamen Glauben tauschen, wenn wir das demütige Zeugnis derer, die eine heilende Berührung Gottes empfangen haben, hören.

Mein Herr und mein Gott,
mir fallen tausend Argumente gegen heilendes Gebet ein.
Du bist das einzige Argument, das dafür spricht. … Du gewinnst.
Hilf mir, ein Kanal zu werden, durch den Deine heilende Liebe zu anderen fließen kann.
Um Jesu willen.
Amen.

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[Foster] Fürbittegebet

11. Juni 2007

{Dies ist der zweiundzwanzigste Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16| 17|18|19|20|21}

Fürbittendes Gebet ist das reinigende Bad, in welches der Einzelne und die Gemeinschaft täglich eintreten müssen. (Dietrich Bonhoeffer)

Wenn wir die Menschen wirklich lieben, dann wünschen wir uns viel mehr für sie, als wir ihnen geben können, und das wird uns in’s Gebet führen. Fürbitte ist eine Möglichkeit, andere zu lieben. Im andauernden Werk des Reiches Gottes ist nichts wichtiger als fürbittendes Gebet. Als Priester, die von Gott eingesetzt und gesalbt wurden, haben wir die Ehre, im Interesse anderer vor den Höchsten zu treten. Dies ist keine Option, sondern die heilige Pflicht – und das köstliche Vorrecht – aller, die das Joch Christi auf sich nehmen.

Weil Jesus als ewiger Priester vor dem Thron Gottes steht, können wir mit ganz neuer Autorität für andere beten. Unser Dienst der Fürbitte ist nur aufgrund des beständigen Fürbittedienstes Christi möglich.

Im Namen Jesu

Im Namen Jesu zu beten bedeutet, in der vollen Gewißheit des großen Werkes zu beten, das Christus vollbracht hat – in seinem Leben, mit seinem Tod, durch seine Auferstehung und durch sein andauerndes Regieren zur rechten Hand Gottes, des Vaters. Im Namen Jesu zu beten bedeutet, daß wir in Übereinstimmung mit dem Weg und der Natur Christi beten. Es bedeutet, daß wir solcher Art Fürbitte tun, wie er es tun würde, wenn er im Fleisch unter uns wäre. Wir sind seine Botschafter, von ihm beauftragt. Uns ist sein Name gegeben worden, damit wir ihn in seiner vollen Autorität benutzen. Darum muß unser Gebet mit seiner Natur übereinstimmen.

Wie beten wir also im Namen Jesu, in Übereinstimmung mit seiner Natur? Jesus selbst sagt: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.“ (Joh 15,7) Dieses „in-Jesus-bleiben“ ist die entscheidende Bedingung für wirkungsvolles Gebet. Es ist der Schlüssel zum Gebet im Namen Jesu. Wenn wir lange genug im Weg Jesu leben, können wir Evangelium riechen. Darum bitten und tun wir das, von dem wir wissen, daß er es bitten und tun würde. Du könntest jetzt vielleicht fragen: Wie können wir wissen, was er tun würde? Nun, wie weiß ein Ehepaar, das viele liebende Jahre verheiratet ist, was der andere denkt und möchte und fühlt? Wir erkennen, wie wir erkannt sind. Und so beten wir im Namen Jesu.

Ausdauer, die überwindet

Wenn wir für andere zu beten beginnen, stellen wir schnell fest, daß es leicht ist, sich von den Ergebnissen entmutigen zu lassen, die so frustrierend langsam und ungleichmäßig zu kommen scheinen. Das liegt daran, daß wir diese seltsame Mischung von göttlichem Einfluß und menschlicher Autonomie betreten haben. Gottes Weise ist wie Regen und Schnee, die sanft zur Erde fallen, im Boden verschwinden und ihn nähren. Zur rechten Zeit wächst neues Leben auf. Keine Manipulation, keine Kontrolle; vollkommene Freiheit. Das ist Gottes Art (Jes 55,8-11).

Zu Flehen bedeutet, mit Ernsthaftigkeit, mit Intensität, mit Ausdauer zu bitten. Es ist eine Erklärung, daß es uns mit dieser Gebetssache todernst ist. Wir werden daran festhalten und nicht aufgeben. So wie Gott in unsere Spiritualität Kondition und Stehvermögen einwebt, müssen wir es heute lernen, die ewige Flamme des Gebets auf dem Altar der Hingabe brennen zu lassen.

Organisiertes, gemeinsames Fürbittegebet

Gott möchte Einzelpersonen und Familien zum rettenden Glauben bringen. Gott möchte Menschen freimachen von Abhängigkeit an Drogen, Sex, Geld, Status. Gott möchte Menschen von Rassismus, Sexismus, Nationalismus und Konsumerismus befreien. Gott möchte ganze Städte und Dörfer zum Vertrauen an das Evangelium bringen. Organisiertes, gemeinsames Fürbittegebet ist ein entscheidendes Mittel zur Erfüllung dieser Wünsche im Herzen Gottes.

Zum Wohle anderer

Es gibt so viele Zugänge zur Fürbitte, wie es Menschen gibt. Manche schreiben sich Listen mit Menschen [oder Anliegen], für die sie regelmäßig beten wollen. Ich selbst [Richard Foster] bete zunächst für meine unmittelbare Familie und warte dann still, bis mir spontan Einzelpersonen oder Situationen bewußt werden. Dann lege ich diese vor Gott hin und versuche zu hören, ob ich eine besondere Einsicht bekomme, die den Inhalt des Gebetes bestimmt. Anschließend spreche ich das aus, was mir am Passendsten erscheint und vertraue darauf, daß Gott zuhört und antwortet. Nach der lauten Fürbitte warte ich eine Zeit lang und lade den Heiligen Geist ein, „mit unaussprechlichem Seufzen“ durch mich zu beten. Ich bleibe so lange bei einer bestimmten Person oder Situation, bis ich mich von dem Gebetsanliegen entlassen fühle. Während dieser Zeit mache ich mir vielleicht kurze Notizen in mein Gebetstagebuch, wenn ich empfinde, daß mich der Geist Gottes unterweist. Diese Notizen sind oft sehr hilfreich, da im Laufe der Zeit ein Muster von den Bedürfnissen dieser Person entsteht, das dann die Richtung zukünftiger Fürbitten anregt.

Gnädiger Heiliger Geist,
so Vieles in meinem Leben scheint sich um meine Interessen und mein eigenes Wohlbefinden zu drehen. Ich würde gerne einmal nur einen Tag lang leben, an dem alles, was ich tue, jemandem außer mir dient. Vielleicht ist das Gebet für andere ein Anfang. Hilf mir, das zu tun, ohne Lob oder Belohnung zu erwarten.
Im Namen Jesu.
Amen

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[Foster] Bittendes Gebet

23. März 2007

{Dies ist der einundzwanzigste Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16|17|18|19|20}

Ob es uns gefällt oder nicht, zu bitten ist die Regel des Königreiches. (C. H. Spurgeon)

Weißt Du, warum der mächtige Gott des Universums sich dafür entscheidet, Gebet zu beantworten? Weil seine Kinder bitten. Gott freut sich über unsere Bitten. Sie erwärmen sein Herz.

Das bittende Gebet wird zeit unseres Lebens im Vordergrund stehen, weil wir für immer von Gott abhängig sind. Darüber kommen wir niemals hinweg, und das sollten wir auch gar nicht wollen. Sei ermutigt: Gott wünscht sich echten Dialog, dass wir das aussprechen, was auf unseren Herzen ist, daran ist Gott zutiefst interessiert.

Unbeantwortete Gebete

Wie gehen wir mit unbeantwortetem Gebet um? Über diesen Punkt dürfen wir nicht vorschnell hinweggehen, indem wir sagen, dass Gott entweder mit „Ja“, „Nein“ oder „Warte“ antwortet. Zunächst einmal müssen wir zugeben, dass wir ein echtes Problem haben. Erst im kommenden Zeitalter werden wir ganz verstehen und dabei möglicherweise erkennen, dass manches von dem, was Gott uns verweigert hat, die beste Antwort auf unser Gebet war. Desweiteren müssen wir verstehen, dass unsere Gebete bisweilen auf eine Art und Weise beantwortet werden, die wir schlicht übersehen. Außerdem wissen wir viel zu wenig über die Wege und Zeitpunkte Gottes. Auch Sünde hindert unser Gebet, indem sie uns ihrem Wesen nach von Gott trennt, uns verhärtet und wir dadurch das Herz Gottes weniger erkennen können und infolgedessen schräge Bitten aussprechen.

Das Vaterunser

Im Gebet des Herrn geht es um’s Bitten. Anbetung steht am Anfang und am Schluß, aber den Schwerpunkt nehmen die Bitten ein. Von den sieben Anliegen drehen sich drei um persönliche Belange: Gib, vergib, erlöse. Diese drei Verben bilden ein Paradigma für Bittendes Gebet, mit dem alle unsere anderen Anliegen verbunden sind.

Unser tägliches Brot gib uns heute: Wir bitten um tägliches Brot, indem wir Gott all die kleinen Dinge bringen, die den Großteil unseres Tages ausmachen. Im Herzen des Universums steht das Verlangen Gottes, zu geben und zu vergeben. Letzteres ist an eine Bedingung geknüpft: Uns wird vergeben, wenn wir vergeben.

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern: Es ist ein Prinzip der Schöpfungsordnung, dass wir erst geben müssen, bevor wir empfangen können. Vergebung bedeutet nicht, dass es nicht mehr schmerzt. Vergebung bedeutet nicht, dass wir vergessen werden. Natürlich erinnern wir uns, aber wir verwenden die Erinnerung nicht mehr gegen andere. Vergebung bedeutet nicht, dass wir vorgeben, das was uns angetan wurde, würde uns nichts ausmachen. Vergebung bedeutet nicht, so zu tun, als ob alles so sei wie vorher. Was ist dann Vergebung? Vergebung ist ein Wunder der Gnade, durch welches das Vergehen nicht mehr trennt. Vergebung bedeutet, dass wir das Vergehen nicht mehr länger dazu benutzen werden, einen Keil zwischen uns zu treiben und uns dabei zu verletzen und zu verwunden. Vergebung bedeutet, dass die Kraft der Liebe, die uns zusammenhält, größer ist, als die Macht des Vergehens, das uns trennt. Das ist Vergebung. Wenn wir vergeben, lassen wir die an uns schuldig gewordenen frei, Gottes Gnade zu empfangen. Wir laden sie wieder ein in den Kreis der Gemeinschaft.

Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen: Gott versucht uns nur dann, wenn etwas in unserem Herzen Verborgenes offenbart werden muss. Was die Bitte „erlöse uns von dem Bösen“ anbelangt: Der Urtext macht ziemlich deutlich, dass es sich dabei nicht um Böses im Allgemeinen handelt, sondern um den Bösen, nämlich Satan.

Ohne Bittendes Gebet hätten wir ein verstümmeltes Gebetsleben. Ich will uns nochmals daran erinnern, wie sehr sich Gott über unsere Bitten freut, weil er dann eine Ausrede hat, um uns zu beschenken.

Lieber Vater,
ich will Dich nicht so behandeln, als wärst Du der Weihnachtsmann, aber ich muss Dich um gewissen Dinge bitten.
Bitte, gib mir heute Nahrung zu essen. Ich frage nicht nach Morgen, sondern bitte für heute.
Bitte vergib mir die vielen Vergehen gegen Deine Güte, die ich heute wieder fabriziert habe. Ich bin mir der meisten von Ihnen nicht einmal bewußt. Ich lebe zu unbewusst. Das ist an sich schon eine Sünde gegen den Himmel. Es tut mir leid. Stärke meine Wahrnehmung.
Und wenn ich in meiner Unwissenheit um Dinge gebeten habe, die zerstörerisch sein würden, dann gib sie mir bitte nicht – führe mich nicht in Versuchung. Bewahre mich vor dem Bösen.
Um Jesu willen.
Amen.

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[Foster] Alltägliches zum Gebet machen

21. März 2007

{Dies ist der zwanzigste Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16| 17|18|19}

Vergiß nicht, daß das Wertvolle und Interessante am Leben nicht so sehr darin liegt, außergewöhnliche Dinge zu tun, … als vielmehr darin, alltägliche Dinge mit einer Sicht für ihren enormen Wert zu erledigen. (Teilhard de Chardin)

Wir können das Alltägliche auf dreierlei Weise zum Gebet machen: Zunächst, indem wir gewöhnliche Erfahrungen in ein Gebet verwandeln, dann, indem wir Gott in den alltäglichen Erfahrungen des Lebens entdecken und schließlich, indem wir während der ganz alltäglichen Erfahrungen des Lebens beten. Wenn wir Gott nicht in den bekannten Abläufen zuhause und beim Einkaufen entdecken, werden wir ihn überhaupt nicht finden. Wir brauchen eine symphonische Frömmigkeit, durch die alles Tun wie Arbeit, Spiel, Familienleben, Anbetung, Sex und Schlaf zu heiligen Lebensräumen des Ewigen werden.

Jesus erkannte die Wirklichkeit Gottes in der Zimmermannswerkstatt an, bevor er in seinem Dienst als Rabbi von der Wirklichkeit Gottes sprach. Gebet ist keine weitere Aufgabe, die einem bereits übervollen Terminkalender hinzugefügt werden müßte. Wenn wir das Alltägliche zum Gebet machen, werden wir kein weiteres Hindernis bekommen, sondern einen Aktivposten. Es ist unsere Berufung, ein Aktivposten im Gebet zu sein, weil unsere Arbeit zum Gebet wird. Das ist Gebet in Aktion. Das Werk unserer Hände und unseres Verstand wird zum ausgelebten Gebet, eine Opfer aus Liebe zum lebendigen Gott. Wir brauchen kein gutes Gefühl oder ein warmes Glühen zu verspüren, um zur Herrlichkeit Gottes zu arbeiten. Wir verherrlichen Gott durch unsere Arbeit, weil wir dem Schöpfer am nächsten kommen, wenn wir schöpferisch tätig werden – arbeiten. Ich schätze den Wert der Arbeit als Reflektion des Bildes Gottes in uns so hoch ein, dass nach meiner persönlichen Überzeugung ein Teil der Wonne des Himmel freudiges, schöpferisches, produktives Arbeiten sein wird.

Wir machen auch dann das Alltägliche zum Gebet, wenn wir Gott in den gewöhnlichen Erfahrungen des Lebens entdecken. Warten z.B. wird zum Gebet, wenn wir Gott unser Warten geben. Im Warten kommen wir mit den Rhythmen des Lebens in Berührung – Stille und Aktion, Zuhören und Entscheiden. Das sind die Rhythmen Gottes.

Eine andere Weise, das Alltägliche zum Gebet zu machen ist, durch die gewöhnlichen Erfahrungen des Lebens zu beten – für das, was wir in der Zeitung lesen, für die Menschen, denen wir auf der Straße begegenen, etc.

Allmächtiger, heiligster, höchster Gott,
Danke, daß Dir die kleinen Dinge wichtig sind.
Danke, daß Du dem unbedeutenden Wert gibst.
Danke, daß Du Dich für die Lilien auf dem Feld und die Vögel in der Luft interessierst.
Danke, daß Du für mich sorgst.
In Jesu Namen.
Amen.

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Fast8: Nachsinnen über Judas

18. März 2007

In dieser Woche wollen wir über Judas Iskariot nachdenken. Das bedeutet, dass auch schon Ereignisse in unser Blickfeld treten, die wir erst in späteren Woche intensiver beleuchten werden. Konzentriere Dich in dieser Woche einfach nur auf Judas. Das ist für mich (DoSi) der herausforderndste Abschnitt von allen Episoden, mit denen wir uns während der Fast8-Wochen auseinandersetzen. Nimm Dir Zeit in der Stille mit Gott dafür. Lies diesen Text nicht einfach runter, sondern geh den Fragen hinterher. Erlaube Gott, zu reden, Dich zu hinterfragen und zu verändern.

Als Jesus zu Beginn seiner Tätigkeit aus seinen Nachfolgern einen engeren Kreis von zwölf Jüngern auswählt, die er auch „Apostel“ (also „Gesandte“) nennt, ist auch Judas dabei. Dazu wird gleich erwähnt, dass er Jesus später verraten hat (Mt 10,4; Mk 3,19). Lukas schreibt präziser, dass Judas „zum Verräter wurde“ (Luk 6,16). Jesus wußte genau Bescheid, denn in Johannes 6,70 fragt er: „Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und einer von euch ist ein Teufel.“

  • Was denkst Du, wenn Du diesen Text liest? Es scheint so, als sei am Anfang schon alles klar gewesen, oder? Hatte Judas überhaupt noch einen Ausweg? Oder war alles vorherbestimmt?
  • Judas wird vorgestellt als der, der Jesus verraten hat. Diese Tat ist das einzige, was von seinem Leben übrig bleibt. Dafür ist Judas bekannt geworden. Was soll einmal von Dir gesagt werden? Wofür willst Du bekannt werden? Was kannst Du heute schon dafür tun? Wie willst Du darauf hinleben?
  • Stell Dir diese Situation vor, wie Jesus nach einer Nacht im Gebet seine Jünger zu sich ruft und zwölf besonders auswählt. Schau in ihre Gesichter. Was geht in ihnen vor? Sind sie stolz? Ist es ihnen mulmig? Was mag wohl Petrus gedacht haben, der wahrscheinlich einer der Ältesten war, weil er verheiratet war?
  • Meditiere darüber, was es wohl in den Jüngern ausgelöst hat, als Jesus sagte, einer von ihnen sei ein Teufel. Waren sie geschockt? Haben sie diese Aussage komplett abgelehnt? Bekamen sie Schuldgefühle? Haben sie ihr Herz und ihre Gedanken geprüft? Was mag wohl das Ergebnis gewesen sein? Haben sie innerlich andere beschuldigt?
  • Stell Dir vor, Jesus sagt das zu Dir und Deiner Glaubensgemeinschaft, Deiner Gemeinde, Deinem CVJM, Deinem Hauskreis, dem p-shuttle. Wie reagierst Du?
  • Denke nach über die Dunkelheit in Dir. Kannst Du eingestehen, dass auch in Deinem Leben, Deinen Gedanken, Deinen Haltungen und Handlungen Aspekte sind, die im Licht Jesu nicht gut wegkommen? Wie gehst Du damit um? Nimm Dir Zeit, das, was Gott Dir zeigt, vor ihm und vielleicht anderen zu bekennen. Wenn es Dir hilft, schreib alles auf und verbrenne den Zettel. Bitte den Heiligen Geist, Dich wieder neu zu durchdringen, so wie es schon der Fall ist.
  • Bete durch Psalm 139. Erkenne Deinen einzigartigen Wert als Geschöpf Gottes, nimm seine allumfassende Nähe wahr und übe Dich in einen Lebensstil der beständigen Umkehr ein.
  • Lies Römer 8 und erfreue Dich daran, dass Du nicht negativ über Dich denken musst, sondern Gott ganz für Dich ist. Drücke Deinen Dank aus, auf welche Weise auch immer es Dir passend erscheint.

Das nächste Mal tritt Judas bei der Salbung in Bethanien auf den Plan, mit der wir uns in der vergangenen Woche beschäftigt haben. Er regt sich darüber auf, dass das kostbare Öl, mit dem Maria Jesus salbte, seiner Ansicht nach verschwendet wurde: „Warum ist dieses Öl nicht für dreihundert Silbergroschen verkauft worden und den Armen gegeben?“ (Joh 12,5) Es wird aber gleich klar gemacht: „Das sagte er aber nicht, weil er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb, denn er hatte den Geldbeutel und nahm an sich, was gegeben war.“ (Joh 12,6) Irgendwas war also schon in Judas vorgegangen. Er war innerlich schon vom Weg abgekommen.

  • Meinst Du, die anderen Jünger hätten Judas verurteilt dafür, dass er die Salbung für eine Verschwendung hielt? Hatten sie andere Gedanken? Wie denkst Du darüber?
  • Judas hatte den Anschein des treuen Nachfolgers Jesu. In Wahrheit war er ein Dieb, der die gemeinsame Kasse plünderte. Warum fällt es uns heute immer noch so schwer, ehrlich und echt zu sein? Was müsste sich ändern, damit Christen voreinander nicht immer nur die fromme Fassade zeigen müssten?
  • Fange damit an, ehrlich und authentisch vor anderen zu leben. Gehe kleine Schritte. Wie könnten die aussehen?

Danach berichtet uns Lukas: „Es fuhr aber der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zur Zahl der Zwölf gehörte.“ (Luk 22,3).

  • Das ist eine krasse Aussage, oder? Wie konnte das geschehen? Die Bibel schweigt dazu. Jedenfalls war vorhin schon klar, dass nicht alles in Ordnung war. Jesus hatte Judas als „Teufel“ bezeichnet, und Judas hatte beständig die anderen bestohlen. Er war vielleicht offen für Satan.
  • Trug Judas Schuld daran, dass Satan in ihn fuhr? Oder war er er nur ein wehrloses Opfer?
  • Kann Dir das auch passieren? Warum? Oder warum nicht? Wie kannst Du leben, damit das vielleicht unwahrscheinlicher wird?

Judas geht zu den Hohenpriester und macht einen Deal mit ihnen: Für dreißig Silberlinge wird er ihnen Jesus verraten. Von da an sucht er eine Gelegenheit dazu, wo das ohne Aufsehen möglich war (Mt 26,14-16; Mk 14,10f; Luk 22,4-6).
Jetzt wird das Doppelleben von Judas krasser. Er selbst trifft aktiv die Entscheidung, Jesus zu verraten. Allerdings ohne Aufsehen. Es soll am besten keiner erfahren. Heute wissen wir, dass diese Rechnung nicht aufgegangen ist…

  • Was ist Verrat?
  • Hast Du Jesus auch schon einmal verraten? Absichtlich oder aus Versehen? Was ist der Unterschied zu Judas? Für welchen Lohn würdest Du Jesus heute verraten?

Später treffen wir Judas beim Abendmahl an. Die Dramatik nimmt immer mehr zu, strebt hier ihrem eigentlichen Höhepunkt zu. Der Handel mit den Hohenpriestern steht. Im vollen Bewusstsein dessen, dass er Jesus demnächst verraten wird, erlebt Judas, wie Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht (Joh 13,2ff). Im Gespräch mit Petrus sagt Jesus: „Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als daß ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.“ (Joh 13,10). Damit meint er Judas (Joh 13,11). Im Anschluss daran spricht Jesus darüber, dass seinen Jünger einander dienen sollen (Joh 13,12-17). Dann spricht Jesus von Judas: „Ich weiß, welche ich erwählt habe. Aber es muß die Schrift erfüllt werden: »Der mein Brot ißt, tritt mich mit Füßen.«“ (Joh 13,18). Und Jesus wird ganz konkret: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.“ (Joh 13,21). Den Jüngern wird es richtig mulmig, sie versuchen herauszufinden, von wem Jesus redet, bis Petrus Johannes ein Zeichen gibt und der Jesus fragt, wer es ist, der ihn verraten wird (Joh 13,22-26). Und dann der dramatische Höhepunkt:

„Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln, ihn zu fragen: Herr, bin ich’s? Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.“ (Mt 26,22.24). „Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.“ (Joh 13,27 „Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich’s, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es. Und als der den Bissen nahm, fuhr der Satan in ihn.“ (Mt 26,25) „Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! Aber niemand am Tisch wußte, wozu er ihm das sagte. Einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder daß er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.“ (Joh 13,28-30)

  • Wahnsinn! Stelle Dir dieses letzte Abendessen vor. Lies den letzten Text ein paar mal langsam durch. Stell Dir vor, was in Judas vorgeht, als Jesus immer genauere Andeutungen macht. Und dann stellt Jesus vor allen Jüngern klar, dass es Judas ist, der ihn verraten wird! Was ist da in Judas vorgegangen? Was dachte er, was Jesus über ihn denkt? Was hat Jesus über ihn gedacht? Was denkt Jesus über Dich? Was dachte Judas, was die anderen über ihn denken? Was denkst Du, dass die anderen über Dich denken? Was denken sie wirklich über Dich?
  • Die Jünger haben es offensichtlich nicht gecheckt, obwohl Jesus ganz deutlich war. Ob wir es auch oft nicht checken, wenn Jesus uns was sagen will? Was kannst Du tun, um zu hören, was Jesus Dir sagen will?
  • Wann war die Entscheidung getroffen? Gab es für Judas noch ein Zurück? Oder war schon alles vorbei? Glaubst Du auch manchmal, dass es kein Zurück gibt, dass Du es eben durchziehen musst? Hätte Jesus Judas noch vergeben?

Judas ist gegangen. Jesus bricht das Brot, spricht über die Bedeutung seines Todes, führt weitere Gespräche mit seinen Jüngern, kündigt seine Verleugnung durch Petrus an und verlässt mit seinen Jüngern das Haus. Sie gehen zum Ölberg, in der Garten Gethsemane, wo Jesus nur Petrus, Jakobus und Johannes mitnimmt. Er ringt im Gebet mit seinem Vater und übergibt sein Schicksal in die Hände Gottes. All das wird uns in den kommenden Wochen noch beschäftigen. Jetzt ist Jesus wieder in Gegenwart seiner Jünger und sagt ihnen dass sein Verräter nahe ist.

„Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes. Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen genannt und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist’s; den ergreift. Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi! und küßte ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, dazu bist du gekommen? Da traten sie heran und legten Hand an Jesus und ergriffen ihn.“ (Mt 26,47-50)

  • Judas hat seine Entscheidung getroffen, der Verrat ist geschehen. Denke nach über Judas und die anderen Jüngern. Sieh in die Gesichter. Stelle sie Dir vor. Was ist in ihnen vorgegangen beim Abendmahl, im Garten und beim Verrat? Wie ging es Jesus? Wie ging es Petrus? Wie geht es Dir?

Die Erzählung geht weiter. Es gibt einen Tumult. Petrus schlägt Malchus, einem Knecht des Hohenpriesters das Ohr ab. Jesus heilt es und gibt zu verstehen, dass ihm sein Vater zu seiner Rettung mehr als zwölf Legionen Engel schicken würde, wenn er ihn darum bitten würde. Die Jünger fliehen und Jesus wird zur Verhandlung gebracht, die mit dem Todesurteil endet. Daraufhin wird Jesus zu Pilatus geführt. Über das Ende des Judas berichtet Matthäus:

Als Judas, der ihn verraten hatte, sah, daß er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück und sprach: Ich habe Unrecht getan, daß ich unschuldiges Blut verraten habe. Sie aber sprachen: Was geht uns das an? Da sieh du zu! Und er warf die Silberlinge in den Tempel, ging fort und erhängte sich. (Mt 27,3-5)

Offensichtlich hat das mit dem Erhängen nicht so richtig geklappt, denn Petrus erzählt in der Apostelgeschichte, Judas sei „vornüber gestürzt und mitten entzwei geborsten, so daß alle seine Eingeweide hervorquollen“. (Apg 1,18)

  • Judas hat ein schreckliches Ende genommen. Viele Fragen bleiben offen. Klar ist, dass er nicht wollte, dass Jesus getötet wird. Was wollte er dann? Darüber ist viel spekuliert worden. Vielleicht erhoffte sich Judas, dass Jesus bei der Konfrontation mit den Hohenpriestern sein wahres Gesicht als Messias und König Israels zeigen würde, der letztendlich die Römer aus dem Land wirft. Vielleicht ist er deshalb beim Abendmahl gegangen, weil er verstanden hat, dass Jesus sich opfern und sterben würde. Vielleicht wollte Judas das verhindern. Wir wissen es nicht. Sollte es aber so gewesen sein, dann ist uns Judas sehr nahe. Sinne darüber nach, ob Du nicht auch manchmal Gott für Deine Zwecke gebrauchen willst, Gott dazu benutzen willst, dass Deine Gedanken, Programme, Ideen, Ziele, Pläne, Konzepte, Träume, Hoffnungen, Visionen wahr werden. Kennst Du den Willen Gottes? Kennst Du Deine Berufung? Bist Du auch in Gefahr, das, was in Deinem Herzen ist, für den Willen Gottes und für Deine Berufung zu halten? Wie weit würdest Du gehen, damit das was Du Dir erwünscht, was Du für Gottes Willen hältst, wahr wird? Formuliere Deine Wünsche, Träume, Ziele, Visionen für Dein Leben. Halte sie Gott hin. Sei bereit, sie alle aufzugeben, für den Fall, dass es Gottes Plan und Ansicht entspricht. Bitte ihn, immer wieder zu Dir zu reden, und Deinen Willen nicht mit seinem zu verwechseln. Lebe aus der Stille und aus dem Hören auf Gott. Halte nie Deine Träume für den Willen Gottes. Denke an das Gebet Jesu im Garten Gethsemane.
  • Ob Judas das ewige Leben ererbt hat, ist zweifelhaft, aber nicht unmöglich. Er hat seine Tat zwar bereut, hat aber (offensichtlich) nicht Buße getan. Vielleicht war er auch depressiv veranlagt, so dass es zum Selbstmord kam. Petrus hat Jesus verleugnet und Jesus hat ihm später vergeben. Am Kreuz hat Jesus um Vergebung für seine Peiniger gebetet. Über das ewige Schicksal des Judas finden wir in der Bibel keinen Hinweis.
  • Denke nach über die letzten Stunden im Leben des Judas – vom Verrat, über die Verhandlung, seine Reue und Verzweiflung bis zu seinem furchtbaren Tod. Was empfindest Du? Was empfindet Jesus? Rede mit ihm darüber. Lass Deine Gedanken zu und bleibe in der Gegenwart Gottes.

(Mehr zur Fast8-Aktion des p-shuttle findest Du hier.)

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Fast8, die Dritte

13. März 2007

Hätte ich fast vergessen: Zur Dritten Fastenwoche ein Text über die Salbung Jesu in Bethanien.

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[Foster] Die Bewegung nach außen – Nach dem Dienst streben, den wir brauchen

8. März 2007

{Dies ist der neunzehnte Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16| 17|18}

Transformation und Intimität rufen beide nach Dienst. Wir werden durch den Ofen der Reinheit Gottes nicht nur um unsertwillen geführt, sondern auch um anderer willen. Wir werden in den Schoß der Liebe Gottes nicht allein deswegen gezogen, damit wir Annahme erfahren, sondern auch, damit wir anderen seine Liebe geben können. Jetzt wissen wir, daß unser Dienst aus der Fülle fließen muß. Bernhard von Clairvaux schreibt:

Wenn Du weise bist, wirst Du eher ein Reservoir sein wollen, als ein Kanal. Denn ein Kanal gibt das Wasser weiter, sobald er es empfängt. Ein Reservoir hingegen wartet, bis es überfließt. In der heutigen Kirche haben wir viele Kanäle, aber wenige Reservoirs.

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[Foster] Kontemplatives Gebet

6. März 2007

{Dies ist der achtzehnte Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12| 13|14|15|16|17}

O mein göttlicher Meister, lehre mich diese stumme Sprache, die soviel sagt. (Jean-Nicholas Grou)

Kontemplatives Gebet läßt uns in die Stille Gottes eintauchen. In den modernen Welt brauchen wir diese wortlose Taufe so sehr! Der syrische Mönch Isaak von Ninive erkannte: „Wer sich in einer Vielzahl von Worten gefällt, ist innerlich leer, wenn er auch bewundernswerte Dinge zu sagen weiß.“ Kontemplatives Gebet ist diejenige geistliche Übung, die uns von unserer Abhängigkeit an Worte befreien kann. Fortschreitende Intimität mit Gott bedeutet Fortschritt hin zum Schweigen. Kontemplatives Gebet ist nichts für den Novizen. Das sage ich über keine andere Gebetsform. Ohne Rücksicht auf Befähigung oder Leistung ist jeder willkommen zu Anbetung und Meditation und Fürbitte und einer Menge anderer Zugänge zum Gebet. Aber Kontemplation ist etwas anderes. Während wir in den Augen Gottes alle gleich wertvoll sind, so sind wir doch nicht alle in der selben Weise bereit dazu, „Gottes Reden in seiner wundersamen, schrecklichen, sanften, liebenden, allumfassenden Stille“ zu hören.

C .S. Lewis schrieb seinem Freund Malcolm:

Ich glaube immer noch, daß das Gebet ohne Worte das beste ist – wenn es jemand wirklich fertigbringen kann. Aber jetzt erkenne ich, indem ich es zu meinem täglichen Brot gemacht habe, daß ich auf eine größere mentale und geistliche Stärke zurückgreifen kann, als ich sie eigentlich habe. Um erfolgreich ohne Worte zu beten, muß man „an der Spitze seiner Form“ sein.

In der Tat suchen geistliche Ratgeber immer nach Zeichen eines reifenden Glaubens, bevor sie jemanden zum kontemplativen Gebet ermutigen. Zu diesen Merkmalen gehört eine zunehmender Hunger nach Intimität mit Gott, die Fähigkeit, anderen zu einem hohen persönlichen Preis vergeben zu können, ein lebendiges Verständnis davon, daß nur Gott die Sehnsucht des menschlichen Herzens erfüllen kann, eine tiefe Freude am Gebet, eine realistische Einschätzung der eigenen Befähigungen und Unzulänglichkeiten, ein Frei-Sein vom Ruhm über geistliche Errungenschaften und eine sichtbar gewordene Fähigkeit, den Anforderungen, die das Leben an einen stellt, in Geduld und Weisheit zu entsprechen. In diesen Bereichen wird keine Perfektion von uns verlangt. Aber ein beständiger Fortschritt muß erkennbar sein. Als ein weiteres Wort der Warnung möchte ich voranschieben, daß wir in der stillen Kontemplation Gottes tief in das geistliche Reich eintreten. Und dort gibt es auch ein übernatürliches Geleitet-werden, das nicht von Gott kommt.

In seiner grundsätzlichsten Ausdrucksform ist kontemplatives Gebet ein liebendes Aufmerken auf Gott. Wir warten auf ihn, der uns liebt, der uns nahe ist und uns zu sich zieht. Im kontemplativen Gebet tritt das Reden in den Hintergrund und Gefühle rücken nach vorne. Es handelt sich mehr um eine Erfahrung des Herzens, als des Kopfes. Das Ziel kontemplativen Gebets ist die Vereinigung mit Gott. Das bedeutet nicht, daß wir unsere Identität verlieren würden, sondern daß wir vielmehr unser volles Menschsein gewinnen. Wir werden zu allem, wozu Gott uns geschaffen hat.

Während die Vereinigung das Werk Gottes an unserem Herzen ist, gibt es zwei wichtige Dinge, wie wir uns darauf vorbereiten können: Gott zu lieben und das Herz zu reinigen. Einfach ausgedrückt empfangen wir seine Liebe und lieben ihn zurück. Diese Liebe führt uns zur Reinheit des Herzens. Wenn wir beständig von der stürmischen Erfahrung der Liebe Gottes bombardiert werden, ist es nur natürlich, so werden zu wollen wie der Geliebte. Unreinheit ist für die Vereinigung mit Gott fatal. Gottes Weisheit brennt alles Unreine weg, so daß wir bereit sind zur göttlichen Vereinigung. Kierkegaard meinte: „Reinheit des Herzens bedeutet, nur Eines zu wollen.“ Wir lassen alles andere los und werden äußerst empfänglich für den himmlischen Wächter. Wir sehen nur, was der Vater sieht, sagen nur, was der Vater sagt, tun nur, was der Vater tut. Wir wollen nur Eines: Das Gute, das Gott ist. Dies ist die Reinheit des Herzens.

Es gibt drei grundlegende Schritte zum kontemplativen Gebet: Das erste ist Sammlung oder Zentrierendes Gebet. Dies bedeutet, alle anderen Zerstreuungen loszulassen, bis wir dort, wo wir sind, ganz gegenwärtig sind. Weil der Herr bei uns gegenwärtig ist, können wir entspannen und uns von allem anderen trennen, weil in seiner Gegenwart nichts anderes von Bedeutung ist, als uns auf in auszurichten. Wir lassen es zu, daß innere Ablenkungen und Frustrationen vor ihm weggeschmolzen werden wie Schnee von der Sonne. Wir lassen es zu, daß er die inneren Stürme zur Ruhe bringt und daß seine große Stille unsere unruhigen Herzen in den Frieden führt.

Wenn wir mit der Gnade der Sammlung vertraut sind, dann schreiten wir zum zweiten Schritt des kontemplativen Gebets, den Teresa von Avila das Gebet der Ruhe nennt. Diese Erfahrung ist tiefgründiger als bloße Stille oder die Abwesenheit von Worten. Es ist eine zuhörende Stille. Tief in uns ist irgendetwas erwacht und an die Oberfläche gekommen. Unser Geist steht auf den Zehenspitzen – aufmerksam und hörend. Unser Herz schaut auf den Herrn. Wir sonnen uns in der Wärme seiner Gegenwart. Wir spüren seine Nähe und seine Liebe. Und wir lauschen. Wir hören richtig hin. Wir hören mit dem Verstand, dem Herzen, dem Geist, den Knochen und Muskeln und Sehnen. Wir lauschen mit unserem ganzen Sein. Während wir so vor dem Herrn warten, bekommen wir gnädig einen belehrbaren Geist geschenkt. Natürlich ist es das Ziel, diese Haltung des aufmerksamen Gebets in den Alltag zu transportieren. Das geschieht nicht sofort. Trotzdem erfahren wir mit der Zeit eine zunehmende Aufmerksamkeit auf das göttliche Flüstern in allen Lebenslagen.

Der letzte Schritt in konstemplatives Gebet hinein ist geistliche Ekstase. Es ist unsere Verantwortung, beständig offen und empfänglich dafür zu sein, daß der Geist Gottes in uns wohnen kann. Wenn es um Ekstase geht, dann ist das die Angelegenheit Gottes und nicht unsere.

Eine letzte Ermutigung in Bezug auf das kontemplative Gebet. Einer seiner größten Vorteile wird uns erst bewußt, wenn die Sonne unseres Lebens sich zum Untergang neigt und unsere Kapazitäten unseres Verstandes nachlassen. Es kann eine Zeit kommen, in der wir keine Worte mehr sagen können, aber – und hier ist die Herrlichkeit – wir sind immer noch in der Lage, zu beten, ohne Worte zu beten. Am Ende des Lebens, ebenso wie zu Beginn, finden wir uns selbst (um mit den Worten von Gerhard Tersteegen zu sprechen), wie wir „einen Gott anschauen, der immer gegenwärtig ist, und lassen ihn uns anschauen“.

Mein Herr und mein Gott,
zuzuhören fällt mir schwer. Naja, eigentlich nicht schwer, denn dabei geht es ja mehr um’s Empfangen als darum, etwas zu versuchen. Was ich meine, ist, daß ich so handlungsorientiert bin, immer auf das Ergebnis schaue, so daß das Tun für mich leichter ist als das Sein. Ich brauche Deine Hilfe, wenn ich still sein soll und lauschen. Ich würde es gerne versuchen. Ich würde es gerne lernen, in das Licht Deiner Gegenwart zu sinken, bis ich mich in dieser Haltung wohlfühle. Hilf mir, es jetzt zu versuchen. Amen.

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Fast Acht, die Zweite

5. März 2007

In der zweiten Fastenwoche nehmen wir uns die Zeit, über die Tempelreinigung nachzudenken. Link zum Text.

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[Fast Acht] Meditation zum Einzug Jesu in Jerusalem

26. Februar 2007

[Vor kurzem habe ich über unsere Fast-Acht-Aktion in der Fastenzeit gepostet. Hier mein Text für die erste der sieben Wochen; Gedanken, die zur Auseinandersetzung mit dem Einzug Jesu in Jerusalem anregen sollen. – Die Website zu Fast Acht findest Du hier.]

Synoptischer Text
(Zusammenfassung von Mt 21,1-11; MK 11,1-11; Luk 19, 28-44)
Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien an den Ölberg, da sandte Jesus zwei seiner Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin, in das Dorf, das vor uns liegt, und sobald ihr hineinkommt, werdet ihr eine Eselin und auch ein Füllen bei ihr angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und bringt es zu mir! Und wenn euch jemand fragen wird: Warum bindet ihr es los?, so sprecht: Der Herr bedarf seiner, und er sendet es alsbald wieder her. Sogleich wird er es euch überlassen. Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.” Und die er gesandt hatte, gingen hin und fanden’s, wie er ihnen gesagt hatte, das Füllen angebunden an einer Tür draußen am Weg und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte. Sie banden es los. Als sie aber das Füllen losbanden, sprachen seine Herren, die da standen, zu ihnen: Warum bindet ihr das Füllen los? Sie aber sprachen, wie ihnen Jesus geboten hatte: Der Herr bedarf seiner. Und sie ließen’s zu Und sie brachten es zu Jesus und legten ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf. Als er nun hinzog, breiteten sie und eine sehr große Menge ihre Kleider auf den Weg; andere hieben grüne Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger, die ihm voranging und nachfolgte, an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige der Pharisäer in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien! Und als er nahe hinzukam, sag er die Stadt und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen. Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen, und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkanntest, in der du heimgesucht worden bist. Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte: Wer ist der? Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa. Und Jesus ging hinein nach Jerusalem in den Tempel, und er besah ringsum alles, und spät am Abend ging er hinaus nach Betanien mit den Zwölfen.

Einführung
Der nachfolgende Text ist nicht zum einfachen Durchlesen gedacht. Er soll Dich zum Nachdenken bringen, zur Kontemplation, zur Meditation. Es steckt zu viel in den Gedanken zum Text, als daß Du sie mit einem Mal erfassen könntest. Darum will ich Dich ermutigen, Dich eine ganze Woche lang mit derselben Geschichte zu beschäftigen, bis du tief in sie eingedrungen bist. Lies den Bibeltext immer wieder durch, bis Du genau weißt, was geschehen ist. Und dann tauche ein in die Geschichte. Erlebe sie mit. Lauf mit den Jüngern mit. Höre zu. Beobachte. Sieh Dich um. Rede mit den Beteiligten. Reagiere auf das, was der Heilige Geist anstößt. Schreib Dir auf, was Dir wichtig ist. Die nachfolgenden Gedanken zum Text sind einfach nur als Anregungen gedacht, die Dich inspirieren können. Du mußt sie nicht “durcharbeiten” oder am Ende der Woche alle abhaken können. Reagiere nur auf das, was in Dir einen Widerhall findet.

Gedanken zum Text
Ein langer Weg liegt hinter ihnen. Schon lange hat Jesus davon gesprochen, daß er in Jerusalem leiden und sterben muß. Mach die Augen zu und stelle Dich zwischen die Jünger auf den staubigen Weg. Sieh hinauf nach Jerusalem – wie es dort oben auf dem Berg liegt, der Tempel als höchster Punkt und die Festung Antonia als Symbol der Besatzung. Halt inne. Denke nach über den Tempel als den Ort, an dem Gott seinem Volk begegnen wollte. Eine lange Reise, ein Pilgerweg liegt hinter den Jüngern. Sie kommen mit Erwartungen, freuen sich auf Jerusalem, sind gespannt auf das, was Gott tun wird und wie Jesus jetzt handeln wird. Überlege, was in ihren Köpfen vorgeht. Mehrere Jahre des gemeinsamen Lebens mit Jesus liegen hinter ihnen. Worüber denken sie nach? Über all die Wunder, die er getan hat, die Zeichen und die Heilungen? Ob sie an die Menschen denken, die sie durch Jesus kennengelernt haben? Jetzt geht es nach Jerusalem. Instinktiv spüren sie, daß jetzt etwas Entscheidendes geschehen muß. Es geht zu Ende – so oder so. Ob sie sich daran erinnern, was Jesus gesagt hat, davon, daß er sterben wird? Überlege, was jetzt wohl in Petrus vorgeht, dem Anführer der Jünger. Ob sich in seinem Kopf alles bündelt? Ob er müde ist vom Staub der Straße, hungrig und durstig? Euphorisch, weil sein Jesus jetzt zeigen muß, was er drauf hat? Nachdem er vormals immer wieder geflohen ist und die Menschenmassen gemieden hat, kann er ihnen nun nicht mehr ausweichen. Siehst Du das Gesicht von Petrus? Siehst Du die anderen Jünger? Wende Dich zu Jesus. Was bestimmt jetzt seine Gedanken? Was wünscht er sich jetzt? Von Gott? Von seinen Jüngern?

  • Jetzt stehst Du auch vor Jerusalem. Sieben Tage liegen zwischen den Jüngern und dem Ostermorgen. Sieben Wochen sind es, die Dich jetzt vom Ostermorgen trennen. Vielleicht wird diese Zeit für Dich nicht so entscheidend sein, wie sie für die Jünger war. Dennoch will ich Dich ermutigen, diese sieben Wochen bewußter zu leben, als sonst, mehr Raum zu schaffen für die bewußte Begegnung mit Gott.
  • Von ferne sehen die Jünger Jerusalem, denken vielleicht nach über Zeit mit Jesus. Vielleicht willst auch Du innehalten und zurückblicken auf die Zeit, die Gott mit Dir verbracht hat. Vielleicht nimmst Du Dir Zeit, darüber nachzudenken, auf welche Weise Gott in Deinem Leben zu finden war. Vielleicht schreibst Du ihm einen Dankesbrief für Dinge, die Du im Trubel vergessen hattest – vielleicht auch einfach so. Vielleicht wird es aber auch eine Klageschrift – darüber, wo Du Gott vermißt hast, ihn nicht verstanden hast, ein Tränenbrief, der von Trauer und Schmerz handelt und alles enthält, was Du schon immer einmal auf dem Schoß Gottes hättest ausweinen sollen. Falls Du Inspiration brauchst, dann blättere doch einfach mal durch die Psalmen…
  • Über die Erwartungen der Jünger hast Du schon nachgedacht. Gleich werden sie Jesus feiern wie einen König. In ihren Gedanken war kein Raum dafür, daß Jesus sterben könnte, daß es vielleicht anders kommen könnte, als sie dachten. Denke mal nach über Deine Wünsche, Träume, Sehnsüchte. Über das, was Du Dir wünschst für Dein Leben. In allen Bereichen – Beruf, Familie, Besitz, Körper/Gesundheit, Staat/Gesellschaft, Reich Gottes. Schreibe es auf. Bitte Gott darum, wenn es Dir ernst ist damit. Aber überleg Dir auch, was geschehen wird, wenn alles anders kommt. Wenn sich Deine Träume nicht erfüllen. Bist Du bereit, das Blatt, auf dem Deine Wünsche stehen, zerreißen zu lassen? Bist Du bereit, Gott ein weißes Blatt zu geben, auf das der Heilige Geist alles nach seinen Vorstellungen schreiben kann? Was zählt in Deinem Leben? Eine gute Frage für die Fastenzeit…
  • Der triumphierende König wird am Kreuz verenden. Das hätten sich die Jünger nicht gedacht. Gott hat ganz anders gehandelt, als sie es sich vorgestellt hatten. Und doch im Einklang mit der Heiligen Schrift. Sie hatten auf einen königlichen Herrscher gewartet; es kam der leidende Knecht. Wann hat Gott Dinge getan, die für Dich überraschend waren? Wie oft hat sich Dein Bild von Gott im Laufe der Jahre geändert? Wer, wie und was ist Gott jetzt für Dich? Kannst Du das ausdrücken, malen oder schreiben?

Weil Jesus die Prophezeiung aus Sacharja 9,9 kennt und erfüllen will, schickt er zwei Jünger los, die das Füllen holen. Er weiß genau, was er will, sieht auch schon voraus, daß die Jünger Probleme bekommen werden, wenn sie das Tier losbinden und gibt ihnen schon die rechte Antwort für die Besitzer des Esels mit. Ob das den Jüngern komisch erschienen ist? Was sie wohl gedacht haben? Wo war Petrus? War er dabei, als sie das Füllen geholt haben? Hat er sich gewundert, was Jesus da wohl will? Ein König reitet doch auf einem Pferd, ein Eselsfüllen wirkt da eher lächerlich…

  • Was an den Wegen Gottes kommt Dir im Moment sonderbar vor? Wo verstehst Du Gott nicht? Willst Du ihm dennoch folgen?

Dann legen die Jünger ihre Kleider auf den Esel und Jesus setzt sich darauf.

  • Wärst Du auch bereit, den Esel zu machen, damit Jesus groß rauskommt?

Die Menge fängt an, ihre Kleider auf den Weg zu legen, schlägt Zweige von den Bäumen und holt welche vom Feld, um sie auf den Weg zu streuen. Sie jubeln Jesus zu. Schau in die Gesichter der Menschen. Siehst Du ihre Begeisterung? Warum jubeln sie? Wer ist Jesus für sie? Nimm Dir Zeit, die Menge zu betrachten. Siehst Du ihre Euphorie? Suche die Jünger. Wo sind sie? Gehen sie dem Esel voraus? Kommen sie hinterher? Laufen sie an der Seite Jesu? Schau in ihre Gesichter. Wie sehen sie aus? Wie geht es ihnen? Was spiegelt sich auf ihren Gesichtern? Was geht in ihnen vor? Siehst Du Petrus? Wie sieht er aus? Was sind jetzt die Gedanken, die ihm durch den Kopf schießen? Und dann schau Jesus an. Siehst Du den jungen Esel? Siehst Du Jesus? Siehst Du seine Kleidung? Siehst Du sein Gesicht? Was sagt der Blick seiner Augen? Wie sieht er die Menschen an? Wie reagiert er auf die Begeisterung der Menge?

  • Wo stehst Du in der Menge? Jubelst Du auch? Was würdest Du Jesus zurufen oder zusingen, wenn er in Deine Stadt/Dein Dorf kommen würde? Mach es praktisch: Singe ihm ein Lied, schreibe ihm einen Psalm. Sieh die Kleider, die die Menschen auf den Weg gelegt haben. Was würdest Du hergeben, um Jesus freie Bahn zu schaffen? Wie würden die Menschen reagieren, wenn Jesus in Deine Stadt kommen würde? Würden viele am Straßenrand stehen und jubeln? Heute jubeln sie, am Karfreitag werden sie den Tod Jesu verlangen – Menschen sind so wechselhaft. Gut, daß auf Gott Verlaß ist. Schau Jesus an, in diesem Moment, als alle ihm zujubeln. Was sagt er Dir? Wie reagierst Du darauf? Vielleicht willst Du auch einen Weg bereitmachen, damit Jesus in Dein Leben kommt. Wie geht das? Wie kannst Du das ausdrücken? Ob Du auch Zweige streust?

Die Pharisäer fühlen sich nicht wohl dabei, daß die Menge Jesus zujubelt. Jesus entgegnet nur: “Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!” Schon sind die Kritiker wieder da. Was geht in den Pharisäern vor? Warum jubeln sie nicht? Wie reagiert Jesus? Was denken die Jünger? Was geht in Petrus vor, als er diesem Gespräch zuhört?

  • Wen kennst Du, der von Jesus auch nicht so begeistert ist, der sich aufregt, wenn Jesus gefeiert wird? Warum ist das so? Was kannst Du für diesen Menschen tun? Beten? Vielleicht Jesus anders vorleben? Reden? Was willst Du Dir konkret vornehmen, um dazu beizutragen, daß es mehr Menschen gibt, die von Jesus begeistert sind? Wie geht es Dir – würdest Du eher Jesus zujubeln oder ist Dir die Begeisterung über ihn eher etwas fremd? Warum ist das so? Vielleicht redest Du mit Jesus darüber…
  • Wenn die Menschen schweigen, dann werden die Steine schreien. Sagt Jesus. Hat er das jetzt wörtlich gemeint? Oder übertragen? Such Dir doch einen Stein. Draußen, auf dem Feld, im Wald oder im Garten. Schau Dir diesen Stein an. Ob der schreien wird? Wow… Auf welche Weise verkündet dieser Stein das Lob Gottes? Vielleicht ist die Festigkeit des Steines ein Beispiel für die Treue Gottes? Was fällt Dir noch auf, wenn Du Dir die Schöpfung ansiehst? Wie redet sie von der Herrlichkeit Gottes?

Jesus weint über Jerusalem. Er ist traurig darüber, daß die Menschen ihn nicht angenommen haben und denkt daran, daß die Stadt in einigen Jahrzehnten zerstört werden wird. Wie geht es Petrus dabei, wenn er Jesus weinen sieht?

  • Deutlich spricht die Bibel davon, daß ein ohne bzw. nicht für Jesus gelebtes Leben bittere Konsequenzen haben kann. Bist Du Dir dessen bewußt? Wie gehst Du damit um? Schau Jesus an, wie er weint. Wie er um Jerusalem weint. Wie kannst Du seinen Schmerz teilen? Worüber weint Jesus wohl heute? Wie willst Du darauf reagieren?

Die ganze Stadt erregt sich und man fragt danach, wer Jesus ist. Die Antwort: “Der Prophet aus Nazareth in Galiläa.” Aufruhr in der ganzen Stadt! Jesus ist hier! Was das wohl bedeutet? Nimm Dir Zeit, durch die Straßen Jerusalems zu schlendern, den Menschen zuzuhören und mit ihnen zu plaudern.

  • Stell Dir vor, Jesus käme in Deine Stadt. Was würdest Du den Menschen antworten, wenn sie Dich danach fragen würden, wer Jesus ist? Und wer ist Jesus für Dich wirklich?

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[Foster] Meditatives Gebet

23. Februar 2007

{Dies ist der siebzehnte Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12| 13|14|15|16}

Meditation ist die Zunge der Seele und die Sprache unseres Geistes. (Jeremy Taylor)

Wenn wir über die Wahrheit meditieren, dann bewegt sie sich vom Mund in den Verstand und sinkt dann in’s Herz. Durch Nachsinnnen und Wiederkäuen erwirkt sie in dem Betenden eine liebende, glaubensvolle Antwort.

Manipuliere Gott nicht. Empfange nur. Gemeinschaft mit ihm ist nichts, was Du hervorbringen könntest. Sie ist wie Schlaf. Du kannst Dich nicht selbst zum Schlafen bringen, aber Du kannst die Bedingungen schaffen, die nötig sind, damit Schlaf geschieht. Alles, was Du tun mußt, ist die Bedingungen schaffen: Öffne Deine Bibel, lies sie langsam, höre auf sie und sinne über sie nach. Zuerst müssen wir uns Kopf und Verstand von der Heiligen Schrift füllen und in Zucht nehmen lassen, bevor wir mit echtem Gewinn in unmittelbarer Gemeinschaft in die Gegenwart des Heiligen treten können.

Im Meditativen Gebet hört die Bibel auf, ein Nachschlagewerk für Zitate zu sein und wird stattdessen zu wunderbaren Worten des Lebens, die uns zu dem Wort des Lebens führen. Das meditative Gebet unterscheidet sich auf vom Studium der Schrift. Wo letzteres die Exegese betont, konzentriert sich die Schriftmeditation darauf, den Abschnitt innerlich aufzunehmen und ihn persönlich anzuwenden. Das geschriebene Wort wird zum lebendigen Wort, das sich an uns richtet. In dieser besonderen Zeit müssen wir alle Arroganz zur Seite legen und mit demütigem Herz auf das hören, was uns gesagt wird.

Die einfachste und grundlegendste Weise, den Text der Schrift zu meditieren, geschieht durch die Vorstellungskraft. Wir sehnen uns danach, die biblische Narrative zu sehen, zu hören und zu berühren. Auf diese einfache Weise fangen wir an, die Geschichte zu betreten und sie zu unserer eigenen zu machen. Statt nur passiv zu beobachten nehmen wir aktiv teil. Indem wir unsere Vorstellungskraft verwenden, bringen wir auch unsere Emotionen mit in die Gleichung, so daß wir mit Herz und Verstand zu Gott kommen. Es ist lebenswichtig, die Schrift intellektuell zu verstehen, aber wenn wir sie nicht emotional erlebt haben, dann haben wir sie nicht vollständig verstanden. Wir streben danach, die Gedanken Gottes nach-zudenken, uns an seiner Gegenwart zu erfreuen, wünschen uns seine Wahrheit und seinen Weg. Je mehr wir auf diese Weise leben, desto mehr benutzt Gott unsere Vorstellungskraft für seine guten Absichten.

Als praktische Hilfe schlägt Ignatius von Loyola vor, alle unsere Sinne dafür zu verwenden, die Schrift zu erleben. Wir riechen das Meer. Wir hören, wie das Wasser gegen das Ufer drängt. Wir sehen die Menschenmenge. Wir fühlen die Sonne auf unserem Kopf und den Hunger in unserem Magen. Wir schmecken das Salz in der Luft. Wir berühren den Saum seines Gewandes.

Denk daran, daß Gott sich im meditativen Gebet immer an unseren Willen wendet. Christus konfrontiert uns und stellt uns vor die Entscheidung. Wenn wir seine Stimme gehört haben, müssen wir seinem Wort gehorchen.

Es gibt einen Spezialausdruck für diese Art des Bibellesens, und vielleicht hilft es Dir, ihn zu kennen – lectio divina (götttliches Lesen). Dies ist eine Art des Lesens, bei der der Verstand in’s Herz hinabsteigt und beide in die LIebe und Güte Gottes gezogen werden. Natürlich ist die Bibel die primäre und reine Quelle für lectio divina. Aber wir können auch aus den großen geistlichen Schriften Vorteil ziehen, von denen sich Christen über die Jahrhunderte hinweg genährt haben. Das sind Worte, die aus denen fließen, die auf dem Berg Sinai leben, aber dennoch gewöhnliche Männer und Frauen auf deren Ebene ansprechen. Beispiele für solche Schriften sind: Das Leben des Mose (Gregor von Nyssa), die Bekenntnisse (Augustinus), Die kleinen Blümlein des heiligen Franziskus, Offenbarungen göttlicher Liebe (Juliana von Norwich), die Nachfolge Christi (Thomas von Kempen), die Tagebücher John Woolmans, das Leben des Heiligen Antonius, die Autobiographie von Teresa von Avila etc. Eine der lohnenswertesten Erfahrungen beim Lesen der geistlichen Meister ist die Entdeckung, wie schnell sie von präziser Beschreibung in leidenschaftliches Gebet und dann wieder in’s Erzählen übergehen – ohne daß es im Geringsten gekünstelt erscheint.

Im meditativen Gebet spricht Gott uns persönlich an. Es ist nichts, was wir bewirken könnten.

Herr, jetzt will ich über Deine unbequemen Worte „Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden“ (Luk 12,49) meditieren. Was bedeuten sie? Was bedeuten sie für mich?
Gibt es Dinge in mir, die ausgebrannt werden müssen? … Stolz? … Furcht? … Wut? Verzehre sie, alle zusammen.
Gibt es Dinge in dieser Welt, die Du zerstören willst – die religiösen Systeme, die wir vor Dir zu verbergen suchen – die künstlichen Grenzen, die uns von einander trennen: Schwarze von Weißen, Männer von Frauen, Eltern von Kindern – die schreckliche Ungerechtigkeit, die den Schwachen und Hoffnungslosen zugefügt wird – die unaussprechliche Gewalt, die Frauen und ungeborenen Kindern angetan wird?
Vergib uns, oh Herr.
Um Jesu willen.
Amen.

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Fast Acht mit Bedacht

21. Februar 2007

Heute ist Aschermittwoch, der traditionelle Start in die Fastenzeit, wie ZDFheute weiß. Ein guter Tag, um innezuhalten, den ein oder anderen Verzicht zu starten und bewußt auf Ostern hin zu beten und zu leben. Wir im p-shuttle wollen sieben Wochen („fast acht“) lang auf etwas verzichten und stattdessen versuchen, mehr Raum für die bewußte Begegnung mit Gott freizuräumen. Dazu gibt es auf der Fast-Acht-Homepage eine Einführung in’s Fasten und unsere Aktion (gekürzte Fassung meiner Message vom letzten Mal), Praktische Tipps und seit heute den Vorspann mit Einstiegsfragen. Die eigentliche Freude beginnt dann am Sonntag. Dann wird der erste Text mit Gedanken/Meditationen zu jeweils einer biblischen Geschichte und evtl. praktischen Anstößen veröffentlicht werden. Inhaltlich beschäftigen wir uns vorrangig mit der letzten Woche vor dem irdischen Tod Jesu, also vom Einzug nach Jerusalem bis zur Auferstehung. Die Texte auf der Homepage wollen uns ermutigen, tiefer in die Bibel zu kommen, damit die Schrift tiefer in uns kommt und wir Jesus vielleicht nochmals neu und auf andere Weise kennenlernen. Fast Acht Wochen mit Bedacht leben – bist Du dabei?

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[Foster] Das Gebet des Herzens

20. Februar 2007

{Dies ist der sechzehnte Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12| 13|14|15}

Herz spricht zu Herz (John Henry Newman)

Das Gebet des Herzens ist das intime Gebet. Es ist das liebevolle und zärtliche Gebet des Kindes zu Gott dem Vater. Wie die Mutterhenne, die ihre Küken unter ihren Flügeln sammelt, ermöglichen wir Gott durch das Gebet des Herzens, uns zu ihm zu sammeln – uns zu halten, zu knuddeln, zu lieben (Luk 13,34). Das Gebet des Herzens ist Abba-Gebet.

In ihrem Wesen ist die Beziehung Jesu zu Gott dem Vater natürlich absolut einzigartig, aber erfahrungsgemäß sind wir zur selben Intimität mit Gott dem Vater eingeladen, die Jesus kannte, als er im Fleisch war. Wir werden ermutigt, auf den Schoß des Vaters zu krabbeln und seine Liebe, Trost, Heilung und Stärke zu empfangen. Wir können lachen und wir können weinen, frei und offen. Wir können uns umarmen lassen und in seinen Armen Trost finden. Und wir können tief in unserem Geist anbeten.

Was ist das Gebet des Herzens? Es ist, ganz einfach, der Heilige Geist, der in uns betet. Im Gebet des Herzens sind wir am Ende unserer Kraft angekommen. Wir versuchen, Worte zu verwenden, aber die Worte schlagen fehl. Wir ringen darum, unser Herz auszudrücken und sind uns schmerzhaft dessen bewußt, wie weit unsere Worte von der Realität entfernt sind. Und hier kommt der Heilige Geist mit „unaussprechlichem Seufzen“ (Röm 8,26) in’s Spiel. Im Gebet des Herzens erfahren wir ehrfürchtige Freundschaft. Der Heilige Geist führt uns in die tiefste Intimität hinein, und wir werden wie eine ruhiges Wasserbecken, das die Sonne vollkommen widerspiegelt.

Das Gebet des Herzens drückt sich auf unendliche und unterschiedliche Weise aus – entsprechend der Fülle und Weite Gottes. Wir dürfen das Wehen des Geistes nicht in Schubladen stecken. Trotzdem kann es bisweilen hilfreich sein, einige der häufigen Weisen zu erwähnen, auf die der Heilige Geist sich im Gebet des Herzens unter seinem Volk bewegt. Da sind zunächst besondere Formen der Offenbarung und Worte, die der Geist dem Einzelnen schenkt. Ein anderer Ausdruck des Herzensgebets ist Glossolalie – das Reden in Zungen, wenn der Heilige Geist durch uns betet und wir über das Rationale hinausgehen und eine himmlische Sprache verwenden, um das zu sagen, was wir anders nicht ausdrücken können. Wieder eine andere Form des Gebets des Herzens ist das, was manchmal „Ruhen im Geist“ genannt wird, wo jemand so sehr von der Kraft des Heiligen Geistes ergriffen wird, daß er sein Bewußtsein der Zeit verliert. Oder „Heiliges Lachen“, wenn die Freude des Heiligen Geistes Dich überflutet. Wahres Lachen, wahre Fröhlichkeit kommt immer von Gott. Er schenkt es uns zu unserer Heilung und Freude, für unsere Ganzheitlichkeit. Mit diesen Beispielen soll nicht gesagt sein, daß sich das Gebet des Herzens immer nur im Ekstatischen ausdrückt, denn das ist vielmals nicht der Fall. Oft wird einfach das Herz für die Dinge Gottes erwärmt.

Im Herzensgebet gibt es auch für uns etwas zu tun, auch wenn es sich dabei nur um eine Reaktion auf den Anstoß des Geistes Gottes handelt. Aber unsere Ansprechbarkeit ist wichtig und bedarf unserer Aufmerksamkeit. Der erste Weg zum Gebet des Herzens ist einfach Liebe. Sie ist die Antwort des Herzens auf Gottes überwältigende Güte. Darum komm einfach zu Gott und sprich ehrlich mit ihm. Vielleicht hast Du einen besonderen Namen für Gott, den Du immer wiederholst, um Dich in seine Gegenwart zurückzurufen, wie etwa „Abba, Vater“ oder „Mein Geliebter“ aus dem Hohelied Salomos. Sprich Worte der Liebe und des Mitgefühls zum Vater. Es macht nichts aus, wenn Du im Gebet einschläfst, denn Du kannst in Gottes Gegegenwart ruhen.

Abba, lieber Abba, Du weißt daß mir die Sprache der Liebe nicht leicht fällt. Über Mut und Glauben und haufenweise andere Dinge kann ich leichter sprechen als über die Liebe. In mancherlei Weise scheint es einfacher, meinen Leib verbrennen zu lassen, als zu lieben.
Oh Wein meines Herzens, mach mich trunken mit Deiner Liebe.
Um Jesu willen.
Amen.

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