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Archiv für die 'Dünger' Kategorie

Hebammen der Gottesgeburt

26. September 2009

In der aktuellen Ausgabe von Christ in der Gegenwart findet sich mit »Der Priester von heute« ein interessanter Artikel von Johannes Röser über das Verständnis des Priesteramtes in der römisch-katholischen Kirche. Daraus folgendes Zitat:

Priester sollen die Menschen auf das Reich Gottes vorbereiten. In gewisser Weise sind sie so etwas wie Hebammen der Gottesgeburt im Menschen und beim Menschen. Sie nehmen dem Einzelnen das religiöse Gebären nicht ab, leiten ihn aber aufgrund besseren Wissens und tiefer Erfahrung an und greifen manchmal erleichternd ein, mitten im schmerzhaften Prozess. Priester sollen in diesem Sinne Hebammen des Religiösen sein, mit Führungssinn und Führungsverantwortung, aber ohne Besserwisserei, ohne den heute nur noch peinlichen sakral-magischen Dünkel eines besonderen „Auserwähltseins“ und „Geweihtseins“, als ob die vielen wetlichen Berufungen des Menschen keine göttliche Dignität hätten.

Aus: Christ in der Gegenwart Nr. 39 / 2009, S. 428

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Das Kriterium für Einheit

15. September 2009

Ein vorerst letztes Zitat von Ernst Käsemann, das seine Aktualität nicht verloren hat:

Das entscheidende Kriterium der Gemeinde und der Jüngerschaft kann doch nicht sein, welche Überzeugungen wir hegen, zumal Überzeugungen sich selbst bei Christen wandeln und wir nie fertig sind, sondern alle zu wachsen haben. Entscheidendes Kriterium der Einheit wie Trennung im Glauben kann nur sein, wieweit Jesus als dem Herrn in der Nachfolge gedient und wieweit er fromm oder unfromm als Herr von uns desavouiert wird.
(Aus: Paulinische Perspektiven, S. 97)

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Walk the talk

14. September 2009

Nochmals Ernst Käsemann:

Es besagt gar nichts, daß Jesus als Herr proklamiert und geglaubt wird. Alles hängt vielmehr daran, ob christliche Frömmigkeit, um mit Kähler zu sprechen, bis in den Alltag hinein am Kreuz den Grund und ihr Maß findet.
(Aus: Paulinische Perspektiven, S. 72)

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Sichtbar gewordene Erlösung

12. September 2009

Ein weiteres Zitat von Ernst Käsemann, welches an Newbigin erinnert:

Gegenwärtige Erlösung läßt sich nur behaupten, wenn einzelne Menschen, in sichtbarer Gemeinde zusammengefaßt, sie in ihrer Leiblichkeit anstößig und glaubwürdig vertreten und mit ihrer Existenz klarmachen, welchen Sachzwängen sie nicht mehr letztlich unterliegen. Heil, das nicht in gelebter Jüngerschaft sich bekundet, wird zum religiösen Postulat und zur unverständlichen Ideologie. Auch der christliche Glaube kann zum Aberglauben werden.
(Aus: Paulinische Perspektiven, 52f.)

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Vor 40 Jahren…

10. September 2009

… erschien Ernst Käsemanns Aufsatzband Paulinische Perspektiven, den ich heute nochmals quer gelesen habe. Dabei bin ich auf einige Aussagen gestoßen, die auch für die Leser dieses Blogs von Interesse sein könnten. Den Anfang macht folgende Feststellung Käsemanns:

Die unverkennbare Grundlagenkrise aller Geisteswissenschaften mit Einschluß der Philosophie hat etwas damit zu tun, daß wir dem idealistischen Erbe des sogenannten christlichen Abendlandes nicht kritisch genug gegenüberstehen. (S. 26)

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Äh – welche Perspektive?

9. September 2009

Zur Zeit stelle ich Material zu einer Arbeit über die Heilslehre des Paulus zusammen. Grundsätzlich fühle ich mich dabei der New Perspective on Paul verbunden, ohne dass ich die Erkenntnisse der Altvorderen über Bord werfen wollte. Wenn ich jetzt so die einst gelesenen Bücher durchgehe, dann findet sich da so manches Kleinod, welches einmal mehr deutlich macht, dass die Grenzen längst verschwommen sind. Als Beispiel mag Peter Stuhlmacher dienen, der in seiner Kritik an der New Perspective beispielsweise schreibt:

For the apostle, the righteousness of God, the Christ of God, the people of God and the kingdom of God all belong inseparably together. … Romans 4:25 and 8:34 give a wide eschatological span to christology: on Good Friday, Christ was delivered up to death by God, and since Easter he makes his death effective before God‘s judgment throne on behalf of all who confess him as Lord (cf. Rom 10,9-11). If they remain true to him, he remains their advocate until the final judgment so that nothing and no one will be able to separate them from the love of God shown them in Christ Jesus (cf. Rom 8:38-39). … By confessing Christ as Lord and Savior (cf. Rom 6:17 with 1Cor 15:3-5 and Rom 10:9-10) and by being baptized in his name, the baptized gain a share in his death on the cross and in the power of his new life. Through Christ‘s sacrifice they are freed from slavery to sin and are sanctified. Henceforth they are his property and are placed in the service of righteousness, which is God‘s will. Justification and sanctification are bound together and condition each other. … Justification means the establishment of a new being before God (cf. 2Cor 5:17,21). Therefore, the controversial and (…) much discussed distinction between „imputed“ righteousness (which is only credited to the sinner) and „effective“ righteousness (which transforms the sinner in his or her being) cannot be maintained from the Pauline texts. Both belong together for the apostle. … Therefore, justification by faith alone is justification by virtue of the grace of God alone, which opens to people the saving way of faith and gives them the power to live this way by the Holy Spirit. … The Pauline doctrine of justification is the doctrine about the implementation of God‘s righteousness through Christ for the entire creation. Its goal is the establishment of the kingdom of God. This doctrine therefore shows in its own way both that and how God will bring the first and second petitions of the Lord‘s prayer to their fulfillment (…).

Aus: Peter Stuhlmacher, Revisiting Paul‘s Doctrine on Justification: A Challenge to the New Perspective, 52.59.60.62.65.73.
Stuhlmacher

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Blaise Pascal über den »Gott der Christen«

1. September 2009

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(Bild: Wikipedia)

Der Gott der Christen ist seinem Wesen nach kein Gott, der lediglich ein Schöpfer geometrischer Wahrheiten und der Ordnung der Elemente wäre; das ist den Heiden und Epikureern eigen. Er ist seinem Wesen nach auch nicht lediglich ein Gott, der seine Vorsehung über das Leben und die Güter der Menschen walten läßt, um jenen eine glückliche Folge von Jahren zu geben, die ihn anbeten; das ist den Juden vorbehalten. Aber der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, der Gott der Christen ist ein Gott der Liebe und des Trostes; es ist ein Gott, der sie im Inneren ihr Elend und seine unendliche Barmherzigkeit fühlen läßt, der sich mit ihnen in ihrer tiefsten Seele vereinigt und sie mit Demut, Freude, Vertrauen und Liebe erfüllt, der sie unfähig macht, ein anderes Ziel als ihn selbst zu haben.

(Gedanken, Röderberg 1988, S.190f)

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Gott verstehen?

4. Oktober 2008


Warum sich über das Verstehen Sorgen machen? Wenn Du es verstehst, ist es nicht Gott.

Augustinus von Hippo, gefunden bei: Jason Boyett, 11 Arten ein Ei zu kochen, S. 275

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Von Kindern lernen

29. September 2008


Der Musiker Jason Upton erzählte bei einem Konzert einmal folgende Begebenheit: »Ich hielt meinen kleinen Sohn im Arm und fragte mich, wie ich es je schaffen könnte, ein guter Vater für ihn zu sein, ihm all das beizubringen, was ich wusste und ihn zu einem verantwortlich handelnden Menschen zu erziehen. Als ich über all das nachdachte, empfand ich plötzlich, dass Gott zu mir sprach: „Ich habe ihn dir nicht anvertraut, damit er so wird wie du, sondern damit du so wirst wie er.“«

Gefunden bei: Kerstin Hack, Swing, S. 101.

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Wo wohnt Gott?

11. September 2008


Als Rabbi Jizchak Meir ein kleiner Junge war, brachte ihn seine Mutter einmal zum Maggid von Kosnitz. Da fragte ihn jemand: »Jizchak Meir, ich gebe dir einen Gulden, wenn du mir sagst, wo Gott wohnt.« Er antwortete: »Und ich gebe dir zwei Gulden, wenn du mir sagen kannst, wo er nicht wohnt.«

Aus: Martin Buber, Die Erzählungen der Chassidim, S. 821.

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Intolerant und einer Meinung mit den Kritikern emergenten Gedankenguts

22. August 2008


The early church was important because it was intolerable, and it was intolerable because it was intolerant. Not socially intolerant or coldhearted or obnoxiously abrasive, but intolerant of any salvation but the cross, any God but theirs, and any Lord but Christ. (S. 204)

Whywe'renotemergent
Ein Aussage, an der man sich wunderschön reiben kann. Ein Zitat aus einem Buch, das mir nicht nur aufgrund seines ansprechenden Designs immer wieder einige Freude bereitet, wenn ich neben Arbeit und Olympiaübertragung noch zum Lesen komme: Why We’re Not Emergent (By Two Guys Who Should Be) von Kevin DeYoung und Ted Cluck. Das ist das Buch auf das ich gewartet habe: Kritik, die mich manchmal zur Weißglut, manchmal zum Grinsen, manchmal zum Kopfschütteln und manchmal zum zustimmenden Kopfnicken bringt, die aber immer in angeregtes Nachdenken über emergentes Gedankengut mündet. Die Autoren schreiben nicht von oben herab, sondern verstehen sich selbst als Gesprächspartner, die sich zu dem äußern, was sie in Büchern von Brian McLaren, Rob Bell, Peter Rollins u.a. befremdlich finden. Ja, sie machen dieselben Fehler wie andere: Reißen Aussagen aus dem Zusammenhang, bringen unverhältnismäßig viele McLaren-Zitate und antworten so, wie es ihre (reformierte) Prägung und ihr Verständnis der Bibel vorgibt.
Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich mich zum Inhalt äußern, möchte allerdings schon jetzt eine Empfehlung aussprechen: Solltest Du auf der Suche nach einem Buch sein, das sich kritisch mit der emergenten Bewegung auseinandersetzt und dabei noch leicht zu lesen ist, dann lege ich Dir dieses ans Herz. Natürlich findet sich auch einiges an Polemik in diesem Buch, aber das ist ja in unseren emergenten Kreisen nicht anders 😉 Franz Kafka wird der Rat zugeschrieben, man solle nur Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Dies ist eines davon.

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Evangelium, Evangelisation und Bekehrung nach Tom Wright

6. August 2008

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In seinem aktuellen Werk Surprised by Hope legt N.T. Wright zunächst in einer Zusammenfassung seines Monumentalwerkes The Resurrection of the Son of God dar, warum er an die Auferstehung Jesu glaubt und wie er sich die kommende Auferstehung der Gläubigen denkt. Anschließend erläutert er das Leben nach dem Tod sowie das Leben nach dem Leben nach dem Tod. Weil wir seiner Ansicht nach nicht das Reich Gottes, sondern für das Reich Gottes bauen können, ruft er die Kirche zum Eintreten für Gerechtigkeit und kreativen Umgang mit der Schönheit der Schöpfung auf. Dort bleibt er aber nicht stehen, sondern fügt einen für ihn entscheidenden dritten Punkt hinzu: Evangelisation – ein Wort, das manche heute schon gar nicht mehr hören wollen. Was Wright unter dem Evangelium versteht und wie er sich Evangelisation vorstellt, macht dieser etwas längere Abschnitt deutlich, der mir aus dem Herzen spricht:

The gospel, in the New Testament, is the good news that God (the world’s Creator) is at last becoming king and that Jesus, whom this God raised from the dead, is the world’s true lord. … The power of the gospel lies not in the offer of a new spirituality or religious experience, not in the threat of hellfire (certainly not in the threat of being „left behind“), which can be removed if only the hearer checks this box, says this prayer, raises a hand or whatever, but in the powerful announcement that God is God, that Jesus is Lord, that the powers of evil have been defeated, that God’s new world has begun. This announcement, stated as a fact about the way the world is rather than as an appeal about the way you might like your life, your emotions, or your bank balance to be, is the foundation of everything else. Of course, once the gospel announcement is made, in whatever way, it means instantly, that all people everywhere are gladly invited to come in, to join the party, to discover forgiveness for the past, an astonishing destiny in God’s future, and a vocation in the present. And in that welcome and invitation, all the emotions can be, and one hopes will eventually be, fully engaged. …
If a church is actively involved in seeking justice in the world, both globally and locally, and if it’s cheerfully celebrating God’s good creation and its rescue from corruption in art and music, and if, in addition, its own internal life gives every sign that new creation is indeed happening, generating a new type of community – then suddenly the announcement makes a lot of sense. … Stating the matter like this avoids three problems into which evangelism can run.
First, it makes clear that to become a Christian is not to say no to the good world, which God has made. It is, of course, to turn one’s back on all the corruptions into which the world has fallen and into which each individual has fallen. …
Seond, to see evangelism in terms of the announcement of God’s kingdom, of Jesus’s lordship and of the consequent new creation, avoids from the start any suggestion that the main or central thing that has happened is that the new Christian has entered into a private relationship with God or with Jesus and that this relationship is the main or only thing that matters. … Seeing evangelism and any resulting conversions in terms of new creation means that the new convert knows from the start that he or she is part of God’s kingdom project, which stretches out beyond „me and my salvation“ to embrace, or rather to be embraced by, God’s worldwide purposes. Along with conversion there will then go, at least in principle, the call to find out where in the total project one can make one’s won contribution. …
Third, putting evangelism and conversion within the context of new creation means that the convert, who has heard the message in terms of the sovereign and saving lordship of Jesus himself, will never be inclined to think that Christian behavior – saying no to the things that diminish human flourishing and God’s glory and saying yes to the things that enhance them – is an optional extra or simply a matter of wrapping your head around some rather strange rules and regulations. … To speak of Jesus’s lordship and of the new creation, which results from his victory on Calvary and at Easter, implies at once that to confess him as Lord and to believe that God raised him from the dead is to allow one’s entire life to be reshaped by him, knowing that though this will be painful trom time to time, it will be the way not to a diminished or cramped human existence but to genuine human life in the present and to complete, glorious, resurrected human life in the future. (S. 226-230)

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Das Millennium als Gegenbild der Hoffnung

10. Juli 2008

Überrascht und erfreut habe ich Jürgen Moltmann’s Buch Das Kommen Gottes: Christliche Eschatologie folgende Zeilen gefunden:

Christliche Theologie ist keine Theologie der Universalgeschichte, sondern eine geschichtliche Theologie des Kampfes und der Hoffnung. Sie lehrt darum nicht, wie der naive moderne Fortschrittsglaube, dieser säkulare Gegenwartschiliasmus, daß in Zukunft alles immer besser werde. Sie lehrt auch nicht, daß in Zukunft alles immer schlechter werde wie die gleichfalls naive moderne Apokalyptik. Sie schärft aber ein, daß es in der Zukunft dieser Welt immer kritischer wird. (…)
Das »tausendjährige Reich Christi«, das »Friedensreich«, ist das positive Gegenbild der Hoffnung gegen die antichristliche Weltzerstörung im Feuersturm und für jedes alternative Leben und Handeln gegen die Weltverwüstungen hier und jetzt unerläßlich. Ohne chiliastische Hoffnung verliert die christliche Ethik des Widerstands und der konsequenten Nachfolge Christi ihre stärkste Motivation. Ohne die Erwartung eines alternativen Reichs Christi verliert die Gemeinde Christi ihren Charakter als »Kontrastgemeinde« zur Gesellschaft. Weil der ursprüngliche jüdische und christliche Chiliasmus Märtyereschatologie war, ist er das genaue Gegenteil eines jeden eschatologischen Eskapismus und einer jeden heilsgeschichtlichen Besserwisserei. (S. 226f)

Seit einiger Zeit lese ich alles, was ich von Moltmann in die Finger bekomme, und ich bleibe begeistert. Einiges des von ihm kritisierten »naiven modernen Fortschrittsglaubens« bzw. »säkularen Gegenwartschiliasmus« glaube ich bisweilen im US-amerikanischen Teil der emergenten Bewegung erkennen zu können, so ganz nach dem Motto: »Mit Gott auf unserer Seite werden wir die Welt schon verändert bekommen.« Dies ähnelt mir allzu sehr der triumphalistischen Eschatologie der »siegreichen Gemeinde«, der ich in manchen pfingstlich-charismatisch geprägten Kreisen begegnet bin.

Das Bild, das sich mir in den Schriften des Neuen Testamentes von der Gemeinde darbietet, ist das der Kontrastgesellschaft, des Restes, des wenigen Salzes, derjenigen, die als Gefangene im Triumphzug Christi herumgeführt werden, die kruziform leben und in deren Schwäche die Herrlichkeit Gottes aufstrahlt, die sich dahingeben für Gottes Reich und ihren Nächsten – deren Hingabe allerdings fragmentarisch bleibt und deren Bemühen beständig von anderen Mächten durchkreuzt wird, und die deshalb sehnsuchtsvoll auf den Augenblick warten, da der Messias wiederkommt und »eigenhändig« sein Reich aufrichtet, in dem das vergolten wird, was zuvor erlitten wurde. Und nach den Tausend Jahren erklingt die Stimme: »Siehe, ich mache alles neu.«

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Emergente Theologie und Jürgen Moltmann

5. Juli 2008

In einer seiner 20 Depeschen schrieb Tony Jones: »Für Emergente ist Theologie ort- und zeitgebunden und geschieht im Dialog. Um den theologischen Riesen der Vergangenheit gegenüber treu zu sein, streben Emergente danach, deren theologisches Gespräch weiterzuführen.« Wie ein Selbstverständnis emergenter Theologie aussehen kann, führt Jürgen Moltmann im Vorwort seines 1995 erschienenen Buches Das Kommen Gottes: Christliche Eschatologie aus:

Bis heute ist Theologie für mich ein ungeheures Abenteuer, Entdeckungsreise in ein mir unbekanntes Land, Ausfahrt ohne gewisse Rückkehr, Weg ins Unbekannte mit vielen Überraschungen und nicht ohne Enttäuschungen. Wenn ich eine theologische Tugend habe, dann eine, die bisher nicht als solche anerkannt wurde: Neugier.
Ich habe Theologie nie als Verteidigung von alten Lehren oder kirchlichen Dogmen betrieben, sondern immer als Entdeckungsreise. Darum ist mein Denkstil experimentell: ein Abenteuer der Ideen, und mein Mitteilungsstil: die Form des Vorschlags. Ich verteidige keine unpersönlichen Dogmen, ich äußere aber nicht nur meine persönliche Meinung: ich mache Vorschläge in einer Gemeinschaft. Die Sätze, die ich schreibe, sind darum ungesichert und – wie manche meinen – waghalsig. Sie sollen zum eigenen Denken herausfordern und natürlich auch zum sachlichen Widerspruch. Auch Theologen gehören zur communio sanctorum, wenn denn die wahren Heiligen nicht nur die gerechtfertigten Sünder, sondern auch die angenommenen Zweifler sind und also ebenso sehr zur Welt wie zu Gott gehören.
Theologie ist eine Gemeinschaftsaufgabe: Daraus folgt, daß die theologische Wahrheit wesentlich – und nicht nur zur Unterhaltung – dialogisch ist. Es gibt theologische Systeme, die nicht nur in sich selbst widerspruchsfrei, sondern auch von außen unwidersprochen zu bleiben beabsichtigen. Sie sind wie die Festungen, die nicht eingenommen werden können, aus denen man aber auch nicht ausbrechen kann, und die darum ausgehungert werden. Ich habe nicht den Wunsch, mir eine solche theologische Festung zu bauen. Mein Bild ist der Exodus des Volkes und ich warte auf theologische Schilfmeerwunder. Theologie ist für mich keine kirchliche Dogmatik und keine Glaubenslehre, sondern Phantasie für das Reich Gottes in der Welt und für die Welt in Gottes Reich und darum immer und überall öffentliche Theologie, aber niemals und nirgendwo religiöse Ideologie der bürgerlichen und politischen Gesellschaft, auch nicht der sog. »christlichen«. Manche haben gemeint, ich sage theologisch zuviel und mehr über Gott, als man wissen könnte. Ich fühle tiefe Demut vor dem Geheimnis, das wir nicht wissen können, darum sage ich alles, was ich mir denke. (Moltmann, Das Kommen Gottes, 14f)

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Destillat: Die 20 Depeschen aus »The New Christians«

1. Juli 2008

Nach meiner Serie zu The New Christians, deren Posts mittlerweile auf dieser Seite zu finden sind, hier nochmals die 20 Depeschen als Zusammenfassung.

1. Für Emergente sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Geschmacksformen des Christentums von nicht allzu großer Bedeutung. Stattdessen praktizieren sie eine weitherzige Orthodoxie, welche den Beitrag aller christlichen Bewegungen willkommen heißt.

2. Emergente lehnen die Politik und Theologie sowohl der Linken als auch der Rechten ab. Weil sie beide Seiten als ein Überbleibsel der Moderne ansehen, richten sie den Blick nach vorne auf eine komplexere Realität.

3. Das Evangelium ist wie Lava: Egal wie viel Kruste sich über ihm gebildet hat – es wird immer einen schwachen Punkt finden und hindurch brechen.

4. Die emergente Bewegung erschien in den späten 1990er Jahren auf der Bildfläche, als sich eine Gruppe christlicher Leiter darüber auszutauschen begann, wie sich die Postmoderne auf den Glauben auswirkt.

5. Die emergente Bewegung lebt nicht nur in Nordamerika, sondern wächst rund um den Globus.

6. Emergente sehen Gott in jedem Bereich der Kultur am Wirken und weisen die Unterscheidung zwischen heilig und profan (oder sakral und säkular) zurück.

7. Emergente sind der Ansicht, daß das Bemühen um Freundschaft und Versöhnung alle Diskussionen um Dogma und Doktrin einhüllen muß.

8. Emergente finden den biblischen Ruf zur Gemeinschaft attraktiver als den demokratischen Ruf nach individuellen Rechten. Die Herausforderung liegt darin, beiden Idealen gerecht zu werden.

9. Die emergente Bewegung ist stark theologisch geprägt und von der Grundüberzeugung geleitet, daß Theologie und Praxis untrennbar verbunden sind und einander beständig befruchten.

10. Für Emergente ist Theologie ort- und zeitgebunden und geschieht im Dialog. Um den theologischen Riesen der Vergangenheit gegenüber treu zu sein, streben Emergente danach, deren theologisches Gespräch weiterzuführen.

11. Emergente glauben, daß das Bewußtsein unseres relativen Standpunktes – zu Gott, zu einander, zur Geschichte – biblische Demut hervorbringen sollte und nicht relativistische Apathie.

12. Emergente nehmen die ganze Bibel an – die Herrlichkeit und den Pathos.

13. Emergente glauben, daß Wahrheit genauso wie Gott von endlichen menschlichen Wesen nicht endgültig artikuliert werden kann.

14. Emergente umarmen Widersprüche – insbesondere diejenigen, die Kernelemente der christlichen Erzählung sind.

15. Emergente haben eine von Hoffnung erfüllte Eschatologie: Als Jesus zum ersten Mal kam, war das eine gute Nachricht, und so wird es auch bei seiner Rückkehr sein.

16. Emergente sind der Ansicht, daß die Kirche eher wie ein Open-Source-Netzwerk funktionieren sollte als wie eine Hierarchie oder Bürokratie.

17. Emergente starten neue Gemeinden nicht aus evangelistischen Gründen, sondern um ihren eigenen Glauben zu retten.

18. Emergente sind der festen Überzeugung, daß Gottes Geist – und nicht ihre eigenen Bemühungen – für das Gute in der Welt verantwortlich ist. Es ist die Aufgaben der Menschen, mit Gott darin zusammenzuarbeiten, was Gott bereits tut.

19. Emergente spielen den Unterschied zwischen Klerus und Laien herunter – oder lehnen ihn rundheraus ab.

20. Emergente glauben, daß Kirche genauso schön und chaotisch sein sollte wie das Leben.

Was denkst Du zu diesen 20 Thesen? Werden sie der emergenten Bewegung gerecht? Welche Depesche würdest Du ergänzen?

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Sterbliches Fleisch

24. Juni 2008


The consequence of the incarnation is the crucifixion.

Erika Carney Haub – Missional: To dwell and to die.

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Die Transformation des Willens

6. Mai 2008


Unser Wille muss Sohneswille werden. Dann können wir sehen. Sohnsein aber heißt Bezogensein; es ist ein Relationsbegriff. Es bedeutet das Ablassen von der Autonomie, die sich in sich selbst verschließt; es schließt das ein, was Jesus mit dem Wort vom Kindwerden sagt. So verstehen wir auch das Paradox, das im Johannes-Evangelium weiter ausgeweitet ist: dass Jesus einerseits sich ganz dem Vater als Sohn unterordnet und dass er gerade so ganz in der Gleichheit mit dem Vater steht; ihm wirklich gleich, eins mit ihm ist.

Aus: Joseph Ratzinger/Beneditkt XVI. – Jesus von Nazareth, 394.

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Liedgut atmet – Theologie auch

10. April 2008

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Ein sehr feines Buch im gigantischen Großformat, das die Geschichte U2s in ihren eigenen Worten erzählt, geschmückt von vielen wunderbaren Fotos. Darin habe ich gestern folgende Gedanken Bono’s über den Song »Bad« gefunden:

That is potentially a truly great song … if I had finished it. And in a way I do finish it every night, live. I change the lyric. Poets have no problem with revising their work. Songs shouldn’t be set in stone. If they are any good, they are living, breathing organisms. (Aus: U2 by U2, 155.)

Liedgut atmet also. Theologie auch? Ja, meint James D. G. Dunn beim Nachdenken über den Apostel Paulus. Viele Versuche wurden gemacht, den Kern der paulinischen Theologie herauszufiltern. Darunter: Die Spannung zwischen Juden und Nichtjuden (F.C. Baur), Rechtfertigung aus Glauben (Bultmann, Käsemann), Teilhaben an Christus oder Christus-Mystizismus (Schweitzer), Kreuzestheologie (Wilckens). Oder geht Paulus von einem alles vereinenden Grundprinzip aus – so z.B. die Anthropologie, die Heilsgeschichte, oder die Erzählung des Bundes in Christus? Dunn, wie ich heute gelesen habe, bemerkt dazu:

The problem with the imagery of centre or core or principle, however, is that it is too fixed and inflexible. It encourages the impression from the start that Paul’s theology was static and unchanging. (Aus: J.D.G. Dunn, The Theology of Paul the Apostle, 20.)

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Gestern Bono, heute Dunn. Nett, wie sich ein irischer Rockstar und ein englischer Neutestamentler ergänzen. Bei jeder Arbeit, die ich verfasse, jeder Predigt und jedem Artikel habe ich das Gefühl des Vorletzten, des Bruchstückhaften und Unfertigen. Schon Monate später würde ich den Schwerpunkt anders setzen, würde andere Gedanken einbringen. „Unsere Erkenntnis ist Stückwerk“ erkannte schon der erwähnte Paulus. Wie recht er hat! Theologie atmet, ist nicht in Stein gemeißelt. If it is good, it is a living, breathing organism.

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Anselm Grün über Nachfolge Jesu

9. April 2008


In den letzten Jahren hat sich meine Beziehung zu Jesus wiederum gewandelt. Jetzt geht es mir vor allem um die Frage, wie Jesus meinen Alltag prägt und wie ich im Gestalten und Aushalten der täglichen Konflikte immer mehr in die Gestalt Jesu hineinwachse. Ob ich an Jesus glaube oder nicht, das entscheidet sich nicht in erster Linie am richtigen Bekenntnis, im Wiederholen der theologischen Formulierungen. Es zeigt sich für mich vielmehr daran, ob ich in den alltäglichen Konflikten und Enttäuschungen, in den Erfahrungen von Nichtverstandenwerden und Einsamkeit, von Verletztwerden und Verlassenwerden bitter werde und hart, oder ob ich mich gerade dort, wo niemand zu mir steht, wo andere mich kränken und in meinen alten Wunden wühlen, vom Geist Jesu prägen lasse. … Und ich spüre, wie es täglich neu darum geht, ob ich mich innerlich verschließe oder ob ich mich von Jesus aufbrechen lasse für die Liebe, Barmherzigkeit und Milde. Darin besteht für mich die Nachfolge Jesu.

Aus: Anselm Grün, Bilder von Jesus, 214f.

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Die Freiheit des Geschöpfes zum Bösen

2. April 2008


Gott hat keine Gewalt wider sich. Es gibt nichts, das wider Ihn in Betracht käme. Ebensowenig wider Christus, den Sohn Gottes. Alles, was es gibt, ist Gottes Geschöpf. Dieses Geschöpf ist aber frei und kann böse werden; und da Gott die Freiheit achtet, hat der böse Wille, solange die Zeit währt, eine furchtbare Macht.

Aus: Romano Guardini, Der Herr, 654

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