The Blue Parakeet Teil 2 – Hören: Wie soll ich mit der Bibel umgehen?
5. Juli 2009
[Dies ist der dritte Post zu Scot McKnight's Buch The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible.]

Die Bibel ist anders als alle andern Bücher; diese Worte sind Gottes Worte, dieses Buch ist Gottes Buch und diese Geschichte erzählt Gottes Geschichte. Nicht dass die Worte »Autorität« und »unterwerfen« falsch wären, aber das Lesen der Bibel umfasst viel mehr, als sich nur ihrer Autorität zu beugen. Ein relationaler Ansatz unterscheidet zwischen Gott und der Bibel. Gott gab uns die Bibel aus Papier, die uns lehren soll, ihn als Person zu lieben. Wenn wir mit dem Buch richtig umgehen wollen, dann müssen wir verstehen, dass es sich dabei um Worte handelt, die Gott zu seinem Volk gesprochen hat. Auf diese Worte sollen wir hören. Wir nehmen teil an dem Gespräch, das in der Bibel stattfindet (z.B. Hiobs Erfahrung im Vergleich zum Gehorsam-Segens-Determinismus im Deuteronomium oder die Unterhaltung über Glaube und Gehorsam zwischen den Briefen des Jakobus und Paulus) und an dem Gespräch, das die Kirche über die Bibel führt. So führt uns unsere Beziehung zur Bibel zu einer Beziehung mit dem Gott, der in der Bibel und durch die Bibel zu uns spricht. Gott gab uns die Bibel nicht zu dem Zweck, dass wir die Bibel verstehen, sondern damit wir durch sie Gott kennen sowie ihn und unsere Mitmenschen lieben lernen. Dies kann nur geschehen, wenn wir mit der richtigen Haltung auf die Stimme Gottes hören, das Gehörte mitten in unser Wesen dringen lassen und dann danach handeln. Gott erzählt uns seine Geschichte, damit wir in eine Beziehung zu ihm eintreten können, auf ihn hören und sein Wort in unserer Zeit auf unsere Weise ausleben können. Das nennt Scot »missionales Zuhören«. Gott gab der Bibel eine Mission: Gott spricht zu uns, damit wir Menschen nach seinem Willen werden und nach seinem Willen leben. Jegliches Lesen einer jeglichen Passage der Bibel, das nicht beim “dass” aus 2Tim 3,17 landet, ist unvollständig.
Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. (2Tim 3,14-17)
Ausgehend von diesen Versen stellt sich »missionales Zuhören« wie folgt dar: Es ist ein Lesen mit der Tradition; es ist die Verheißung, dass derselbe Geist, der über dem Autor bei der Abfassung des Buches brütete, nun im Leser am Wirken ist; es ist ein Prozess, in dem wir Lehre, Zurechtweisung, Besserung und Erziehung in der Gerechtigkeit erfahren, und der darin resultiert, dass wir “zu allem guten Werk geschickt” sind. Damit bilanziert Scot:
Wenn Du gute Werke tust, dann liest Du die Bibel richtig.
Wenn Du keine guten Werke tust, dann liest Du die Bibel nicht richtig. (S. 112)
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