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Archiv für die 'Bücher' Kategorie

Wie die Bibel Sinn macht: Ein altes Buch neu kennenlernen

14. September 2013

Wie die Bibel Sinn machtEs war lange still auf diesem Blog, das ist mir schmerzlich bewusst. Heute melde ich mich sozusagen in eigener Sache:

Nachdem ich bereits einige Artikel zu anderen Büchern beisteuern durfte („Bücher mit dem Sämann“ in der rechten Sidebar), erscheint Ende September in der Edition einfach emergent des Francke-Verlages mein erstes „eigenes“ Büchlein.

Wer mich näher kennt, weiß, daß ich schon immer eine besondere Beziehung zur Bibel hatte – ich mag sie einfach! In Wie die Bibel Sinn macht: Ein altes Buch neu kennenlernen habe ich jetzt auf 96 kompakten Seiten meine Gedanken zur Bibel und zu ihrer Botschaft zusammengefasst.

Ein solches Büchlein zu schreiben ist natürlich zunächst einmal ein Wagnis. Wie sollte man denn der Vielfalt und dem Facettenreichtum der Heiligen Schrift auf so wenig Platz gerecht werden? Natürlich müssen viele Fragen außen vor gelassen werden. Natürlich kann nicht jede der Antworten, die ich gefunden habe, ausreichend begründet werden. Und natürlich könnte ich deswegen der Irrlehre bezichtigt werden 😉

Wie die Bibel Sinn macht ist darum für mich zu einem spannenden Experiment geworden. Ich habe mich auf die Kerngedanken und Leitmotive der Bibel beschränkt und versucht, mich so weit wie möglich von der akademisch-wissenschaftlichen Sprache zu lösen. Ich wollte ein Buch schreiben, das man auch ohne Theologiestudium verstehen kann, das aber dennoch gesunde Theologie enthält. Ein Buch, das den Kern meines persönlichen Glaubens bezeugt und gleichzeitig anderen hilft, den roten Faden der Bibel besser zu verstehen. Ein Buch, das gemeinsam gelesen und diskutiert werden kann. Ein Buch, das kompakt genug ist, um es an einem Stück durchzulesen, das aber tief genug ist, um es immer wieder hervorzuholen. Ein Buch, das möglichst vielen Leserinnen und Lesern immer wieder ein Licht aufgehen lässt, nach dem Motto: „Stimmt – so macht das für mich Sinn!“ Wenn das geschieht, habe ich mein Ziel erreicht.

Der Promo-Text zum Buch lautet:

Vielen Menschen ist die Bibel fremd geworden. Sikinger lädt dazu ein, sich wieder neu auf sie einzulassen. Denn die Bibel erzählt die größte Geschichte aller Zeiten. Ein Drama in fünf Akten, das davon handelt, wie alles begann und wie alles enden wird. Eine Geschichte von einem großen Gott, der sich immer wieder klein macht. Eine Geschichte von Schmerzen, Entfremdung und der Hoffnung auf das große Happy End.
Dieses Buch ist eine Hilfe, die Bibel ganz neu zu lesen, zu verstehen und zu leben. Es ermutigt dazu, das heutige Wirken Gottes im Licht dieser alten Geschichte zu erkennen und daran teilzuhaben. Denn die Heilige Schrift macht erst dann Sinn, wenn wir unseren Platz im fünften Akt des Dramas gefunden haben. Zwar können wir das Ziel erahnen, aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt…

Erwerben kannst Du das Buch für entspannte 5,95€ bei Francke oder Amazon und sicher auch bald bei ONE. Ich bin gespannt auf die Rückmeldungen!

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Rückblick 2011 – Gedanken zum Lesestoff

6. März 2012

Schaue ich über das 2011 Gelesene fällt zuerst auf: 19 Shakespeare-Stücke habe mir Freude gemacht. Warum habe ich so lange gewartet? Offensichtlich war Macbeth in der Schule zu wenig, um mich für den guten Bill zu begeistern. Wird nun nachgeholt. Darüber hinaus finden sich diverse Romane und die üblichen Verdächtigen: Literatur, die sich mit der Kirche der Gegenwart, mit J.R.R. Tolkien und Johnny Cash auseinandersetzt. Das wird auch 2012 wieder so bleiben.
Weitere Splitter:

  • Christoph Biermanns Fußball-Matrix ist nett, bietet aber nichts, was einen 11Freunde-Leser noch überraschen könnte. Das Magazin für Fussballkultur ist immer diejenige Zeitschrift auf meinem Stapel, die ich als erstes in die Hand nehme.
  • Graphic Novels sind ja immer nett, letztes Jahr haben mich besonders die beiden Jesus-Bücher Manga Messias und Manga Jesus erfreut. Letzteres habe ich fast komplett auf einer Parkbank in Mailand gelesen, das sind natürlich immer nette Assoziationen 😉
  • G. K. Chestertons Man Who Was Thursday war einer der Klassiker, die schlicht Freude machen.
  • Ian Morgan Crons Chasing Francis wurde vor ein paar Jahren von Floyd McClung empfohlen, als ich ihn fragte, auf welche Weise er »Zeit mit Gott« verbringt. Ein wunderbares Buch, das eigentlich perfekt für die Edition Emergent Deutschland gewesen wäre… Wer die Hütte oder den Schrei der Wildgänse mochte, sollte Ich und Franziskus lieben.

Cf

  • Das Gegenstück dazu ist Sheldons In His Steps, ein Klassiker des »christlichen Romans«, der nun auch auf deutsch wieder aufgelegt wurde.
  • Die beiden ersten Bände von Hans Küngs Autobiographie (1|2) waren in vielerlei Hinsicht inspirierend. Besonderes aufmerksam habe ich die Anmerkungen zu seinem Lebens- und Arbeitsrhythmus sowie seinen Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil gelesen.
  • Das Besondere an PunkMonk waren für mich die Lebensregel und die liturgischen Ansätze der Boiler Rooms.
  • Bewegende Gedichte in der Verarbeitung seiner Krebserkrankung bietet Robert Gernhardts Später Spagat, auf das ich durch das ebenfalls sehr intensive Tanner geht aufmerksam wurde, das die innere Reise eines Todkranken bis hin zur Sterbehilfe schildert.
  • Nachdem ich 2011 viel Zeit mit LOST verbracht hatte, war Chris Seays Gospel According to LOST sehr willkommen. So sollen Bücher sein!
  • Don Millers Million Miles in a Thousand Years hat mich mehr beschäftigt als damals Blue Like Jazz. Ein interessanter Ansatz, das Drehbuch des eigenen Lebens zu betrachten und sich zu fragen: Welche Geschichte erzählt eigentlich mein Leben?
  • Der Paraclete Psalter war ein feiner Begleiter für das tägliche Psalmgebet. Wer liturgisches Gebet mag und die Psalmen schätzt, sollte sich dieses Büchlein mal ansehen. Alle Texte sind komplett abgedruckt, der ganze Psalter ist für einen Vier-Wochen-Zyklus aufbereitet, der zu meiner Freude auch Magnificat, Benedictus und Nunc Dimittis enthält.
  • Nachdenklich macht Reborn to Be Wild, in dem Ed Underwood als Beteiligter am JesusMovement die damalige Zeit reflektiert, über Stolperfallen nachdenkt und der heutigen jungen Kirche wohlmeinende Ratschläge zur Nachhaltigkeit gibt. Das ist mal eine ganz andere Stimme im aktuellen Diskurs, die manchen zu vergeistlicht erscheinen mag, aus meiner Sicht aber sehr hilfreich ist. Dieses Buch habe ich hauptsächlich auf dem Freakstock gelesen. Auch ne nette Assoziation.
  • Robert Webers Ancient-Future-Serie ist grundsätzlich wunderbar. Auch Ancient-Future Time enttäuscht nicht. Wer sich etwas stärker in der Tradition der Kirche verorten und den Sinn des Kirchenjahres ergründen will, liegt hier richtig. Für unsere Aktion in der Fastenzeit war dieses Buch eine wertvolle Ressource. Dasselbe gilt für Scot McKnights Fasting in welchem er Fasten nicht als Mittel zur Erreichung eines Zieles, sondern als angemessenen Ausdruck einer inneren Haltung als Reaktion auf äußere Umstände definiert. Sehr gut. Scots King Jesus Gospel war ebenfalls fein. Der Mann schreibt feine kleine Bücher, die es wert sind, gelesen zu werden. Langsam aber sicher würde ich mich freuen, wenn er sowas wie eine NT-Theologie angehen würde… Nebenbei: Lieber N.T. Wright, wann kommt endlich das »große« Paulus-Buch?
  • Mein kleines biblisch-theologisches Buch des Jahres 2011 war Timothy Gombis‘ Drama of Ephesians. Schön, wie er den Brief aufschließt, Hauptmotive und Strukturen herausarbeitet und das gleichzeitig praktisch werden lässt. Wunderbar.

Gombis

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Rückblick 2011 – 100 Bücher

25. Februar 2012

Vieles ist geschehen im vergangenen Jahr, das Leben wurde voller und der Blog blieb leer. Ob und wann ich mich dieser Plattform wieder intensiver widmen werde, kann ich im Moment nicht voraussagen. Dennoch: Anbei der Jahresrückblick auf den Lesestoff, meine anderen Listen (Musik und Filme) sind leider verloren gegangen. Folgende Werke habe ich 2011 gelesen:

Friedrich Ani – Hinter blinden Fenstern
Aravind Adiga – Der weiße Tiger
Peter Aschoff – Kaum zu fassen: Eine kleine Reise durch die große Welt des Glaubens
Jonny Baker – Curating Worship
Rob Bell – Jesus Wants to Save Christians: A Manifesto for the Church in Exile
Christoph Biermann – Die Fußball-Matrix: Auf der Suche nach dem perfekten Spiel
Barbara Bongartz – Perlensamt
Jason Boyett – O Me of Little Faith: True Confessions of a Spiritual Weakling
Mike Breen and Walt Kallestad – A Passionate Life
Humphrey Carpenter – The Inklings: C. S. Lewis, J. R. R. Tolkien, Charles Willams and Their Friends
G. K. Chesterton – The Man Who Was Thursday
Rob Chidley – The Third Tribe
Shane Claiborne and Chris How – Jesus for President: Politics for Ordinary Radicals
Ian Morgan Cron – Chasing Francis: A Pilgrim’s Tale
Madeleine Delbrêl – Der kleine Mönch: Ein geistliches Notizbüchlein
Nicolas Dickner – Nikolski
Mahmud Doulatabadi – Der Colonel
Günter Eddelbüttel – Wettsegeln der Sieben
Gerhard Falkner – Bruno
Robert Foster – The Complete Guide to Middle-Earth: Tolkien’s World from A to Z
Andy Freeman and Pete Greig – PunkMonk: New Monasticism and the Ancient Art of Breathing
Jostein Gaarder – Das Orangenmädchen
Robert Gernhardt – Später Spagat
Timothy G. Gombis – The Drama of Ephesians: Participating in the Triumph of God
The Handbook of Style: A Man’s Guide to Looking Good (Esquire Magazine)
Peter Handke – Die morawische Nacht
Mohammed Hanif – Eine Kiste explodierender Mangos
Iris Hanika – Treffen sich zwei
Nathaniel Hawthorne – The Scarlet Letter
Helene Hegemann – Axolotol Roadkill
Nick Hornby – 31 Songs
Tony Jones – The Teaching of the Twelve: Believing and Practicing the Primitive Christianity of the Ancient Didache Community
Jürgen Kaiser – Warum Schwaben alles können – wenn sie wollen: Historische Streifzüge in Schwaben
Walter Kappacher – Der Fliegenpalast
Daniel Kehlmann – Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten
Hape Kerkeling – Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg
Dan Kimball – They Like Jesus but not the Church: Insights from Emerging Generations
John W. Kiser – Die Mönche von Tibhirine
Michael Köhlmeier – Madalyn
Hidenori Kumai u.a. – Manga Messias
Hans Küng – Erkämpfte Freiheit: Erinnerungen
Hans Küng – Umstrittene Wahrheit: Erinnerungen
Siegfried Lenz – Landesbühne
Gilles Leroy – Alabama Song
Gabe Lyons – The Next Christians: How a New Generation is Restoring the Faith
George MacDonald – Diary of an Old Soul
Brett and Kate McKay – The Art of Manliness: Classic Skills and Manners for the Modern Man
Scot McKnight – Fasting
Scot McKnight – The King Jesus Gospel: The Original Good News Revisited
Dinaw Mengestu – Zum Wiedersehen der Sterne
Donald Miller – A Million Miles in a Thousand Years: What I Learned while Editing My Life
Lesslie Newbigin – A Walk through the Bible
Doug Pagitt – Church in the Inventive Age
The Paraclete Psalter: A Book of Daily Prayer
Kathrin Passig und Sascha Lobo – Dinge geregelt kriegen: ohne einen Funken Selbstdisziplin
Justin Paton – How to Look at a Painting
Christian Pernath – Ein Morgen wie jeder andere
Heinz Pollay – Es starten…
Wolfgang Prosinger – Tanner geht: Sterbehilfe – Ein Mann plant seinen Tod
Tilman Rammstedt – Der Kaiser von China
Peter Rollins – The Orthodox Heretic: And Other Impossible Tales
Meg Rosoff – Just in Case
Joe Sacco – Footnotes in Gaza
Bruce Sanguin – The Emerging Church: A Model for Change and a Map for Renewal
Ingo Schulze – Adam und Evelyn
Chris Seay – The Gospel According to LOST
William Shakespeare – A Midsummer Night’s Dream
William Shakespeare -All’s Well that Ends Well
William Shakespeare – As You Like It
William Shakespeare – The Comedy of Errors
William Shakespeare – King Henry IV. First Part
William Shakespeare – King Henry IV. Second Part
William Shakespeare – King Henry V.
William Shakespeare – King John
William Shakespeare – The Life and Death of King Richard II
William Shakespeare – Love’s Labour Lost
William Shakespeare – Measure for Measure
William Shakespeare – The Merchant of Venice
William Shakespeare – Merry Wives of Windsor
William Shakespeare – Much Ado about Nothing
William Shakespeare – The Taming of the Shrew
William Shakespeare – The Tempest
William Shakespeare – Twelfth Night; Or, What You Will
William Shakespeare – Two Gentlemen of Verona
William Shakespeare – The Winter’s Tale
Charles Sheldon – In His Steps
Tom Shippey – J.R.R. Tolkien: Author of the Century
Siku – The Manga Jesus: The Complete Story
Adam Soboczynski – Die schonende Abwehr verliebter Frauen
Michael Streissguth – Ring of Fire: A Johnny Cash Reader
Benjamin von Stuckrad-Barre – Auch Deutsche unter den Opfern
Ubekannter Autor – Silberpfeile am Start
Unbekannter Autor – Das Spiel ihres Lebens: Deutsche Fußballer erkämpfen die Weltmeisterschaft
Ed Underwood – Reborn to Be Wild: Reviving Our Radical Pursuit of Jesus
Miroslav Volf – Exclusion & Embrace: A Theological Exploration of Identity, Otherness, and Reconciliation
Pete Ward – Participation and Mediation: A Practical Theology for the Liquid Church
Marlin Watling – START: Gemeinden gründen – von der Vision zur Wirklichkeit
Robert Webber – Ancient-Future Time: Forming Spirituality through the Christian Year
Maryellen Weimer – Learner-Centered Teaching: Five Key Changes to Practice
Karen Wynn Fonstad – The Atlas of Tolkien’s Middle-Earth

Bevor ich demnächst noch einige Gedanken zu ausgewählt Büchern posten werde, würde mich interessieren, welche Bücher im letzten Jahr bei Dir hängen geblieben sind.

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Rückblick 2010 – Gedanken zum Lesestoff

23. Januar 2011

Das ist das dritte Jahr, in dem ich mir die 100 Bücher als Ziel gesetzt und erreicht habe. Das ist fein. Was bleibt hierzu zu sagen?

Zunächst einmal ist die Lyrik wieder etwas zu kurz gekommen. Aber ich arbeite dran. Immerhin hat es für die Droste und den Morgenstern gereicht.

Dafür hat sich der Wunsch nach mehr Romanen problemlos umsetzen lassen. Sonn- und Feiertage bieten dazu den optimalen Raum. Sabbat eben – Gang raus, Buch rein, einwandfrei. Besonders geeignet an Sonntagen ohne Formel 1 😉 Mit den Dämonen und dem Jüngling habe ich endlich meine Lücke geschlossen und die fünf »großen Romane« Dostojewskis voll. Nun ist nur die Frage offen, wann ich sie das nächste mal lesen werde… Ansonsten viel Nettes und nichts Besonderes. Von Kehlmanns Vermessung der Welt war ich nicht so aus dem Häuschen wie die gesammelte Kritikerschar. Über Die Zweifel des Salaí habe ich mich bereits geäußert, ebenso über Frank Schaeffers Calvin und Portofino. Der Krimi des Jahres war für mich Christine Lehmanns Allmachtsdackel, was auch mit dem schwäbischen Schauplatz der Handlung zu tun hat. Aber auch Deon Meyers Weißer Schatten hatte seine Momente. Die Erinnerung an dieses Buch ist auch deswegen süß, weil ich es im viertägigen Kurzurlaub in Alicante gelesen habe.

Charleswilliams
Charles Williams ist natürlich zu erwähnen, der Inkling von dem ich bislang gar nichts kannte. Sehr feine sieben Romane, kurz, aber intensiv. Anders als bei z.B. Lewis finden sich hier keine klaren Allegorien; anders als bei Tolkien spielt sich das Geschehen nicht komplett in einer kohärenten Fantasiewelt ab. Statt dessen bricht immer wieder die unsichtbare, mythische, übernatürliche Welt in das normale Geschehen herein. So ganz speziell, erinnert an George MacDonald.

Fromtheheart
Nachdem ich letztes Jahr etwas zu Vivian Cashs Biographie geschrieben hatte, war es nun an der Zeit, June Carter Cashs Sicht kennenzulernen. Naja. Schmalz pur.

Roadtomiddleearth
Das Werk J. R. R. Tolkiens habe ich nun bald erschlossen, dieses Jahr kam wieder einiges dazu, auch an Sekundärliteratur. Besonders empfehlenswert für alle, die von Mittelerde nicht genug bekommen können, ist Tom Shippeys The Road to Middle-Earth: How J.R.R. Tolkien Created a New Mythology. Wunderbares Buch mit sehr vielen Einsichten. Tolkien wird mich weiterhin bezaubern.

Bone
Nachdem mir 2009 Watchmen den Einstieg ins Reich der Graphic Novel bescherte, war ein neues Hobby geboren 😉 2010 kamen Kick-Ass, From Hell, Bone, Maus und Jimmy Corrigan hinzu. Besonders beindruckend waren Maus (über das Schicksal polnischer Juden während des Dritten Reiches) und From Hell (über die Jack-the-Ripper-Morde); Bone hat mir von allem, was ich im vergangenen Jahr gelesen habe, den meisten Spaß bereitet.

Sonstige Splitter:

  • Was war nochmal so toll an Seth Godins Tribes und Clay Shirkys Here Comes Everybody? Allgemeinplätze, wohin das Auge schaut. Oder bin ich einfach 20 Jahre zu jung, um die Genialität an Autoren zu erkennen, die das in Worte fassen, was im Web offensichtlich ist?
  • Florovskijs Sobornost bringt einen feinen Einstieg ins Denken der orthodoxen Theologie, die mir sehr sympathisch ist.
  • Von Christian Schwarz‘ 3 Farben Deiner Spiritualität bin ich so begeistert, dass ich es für die allermeisten AfL-Studenten zur Pflichtlektüre gemacht habe
  • Zwei Bücher von Erwin McManus gelesen und den Hype nicht ganz verstanden. Aber nett sind sie allemal.
  • Brian McLarens New Kind of Christianity hat mir bei aller Sympathie für sein integratives Wirken (wieder mal) gezeigt, dass unser Verständnis von »Christianity« nicht dasselbe ist.
  • Richard Fosters Longing For God ist empfehlenswert wie immer bei Foster.
  • Ein Jammer, dass Internet Monk Michael Spencer verstorben ist. Sein Buch Mere Churchianity ist da nur ein ganz schwacher Trost. Seine Stimme fehlt.
  • So You Don’t Want to Go to Church Anymore (deutsch: Der Schrei der Wildgänse) ist nicht ganz so gut wie The Shack (deutsch: Die Hütte), hat aber in derselben Weise sehr hübsch in mein Leben gepasst bzw. mich an meine eigene Geschichte erinnert.

Besonders erwähnenswert:

DeepchurchOtherOrganiccommunity
Jim Belchers Deep Church: A Third Way Beyond Emerging and Traditional, Kester Brewins Other: Loving Self, God and Neighbour in a World of Fractures und Joseph Myers Organic Community: Creating a Place where People Naturally Connect sind aus meiner Sicht die drei wertvollsten Bücher des Jahres aus der EmergingChurch-Conversation. Zu ihnen werde ich zu gegebener Zeit noch mehr schreiben, zumindest höchstwahrscheinlich 😉

Cruciformgod
Michael J. Gormans Inhabiting the Cruciform God: Kenosis, Justification and Theosis in Paul’s Narrative Soteriology war mein theologisches Buch des Jahres. Was, wenn der Christushymnus in Philippper 2 nicht mit den Worten beginnt: Obwohl er Gott gleich war, … sondern statt dessen: Gerade weil er Gott gleich war, … Gorman argumentiert mit guten Gründen für diese Übersetzung und zeigt Jesu Selbsterniedrigung als direkten Ausdruck seiner Göttlichkeit. Er erniedrigte sich nicht trotz seiner Göttlichkeit, sondern eben gerade weil es Gottes Wesen ist, sich zu erniedrigen, sich klein zu machen, sich zu verschenken – God is cruciform. Die Folgen für Soteriologie und praktische Nachfolge des Messias Jesus sind Hauptgegenstand des Buches. Rechtfertigung ist für Gorman ein beständiger Prozess des Umgestaltet-werdens in die Christusähnlichkeit hinein – eben »inhabiting the cruciform God« – in einem Wort: Theosis.

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Rückblick 2010 – 100 Bücher

21. Januar 2011

Nachfolgende Bücher habe ich 2010 gelesen. Ein paar lose Gedanken dazu im nächsten Post.

Kate Atkinson – Lebenslügen
Paul Auster – Mann im Dunkel
Jim Belcher – Deep Church: A Third Way Beyond Emerging and Traditional
Jan Böttcher – Nachglühen
Jens Böttcher – Der Tag des Schmetterlings: Short Stories
Kester Brewin – Other: Loving Self, God and Neighbour in a World of Fractures
Bill Bryson – Eine kurze Geschichte von fast allem
Michail Bulgakow – Der Meister und Margarita
John Bunyan – Die Pilgerreise
Peter Carey – Liebe: Eine Diebesgeschichte
Humphrey Carpenter – J.R.R. Tolkien: A Biography
Humphrey Carpenter (Hg.) – The Letters of J.R.R. Tolkien
June Carter Cash – From the Heart
Fjodor M. Dostojewskij – Die Dämonen
Fjodor M. Dostojewskij – Der Jüngling
Fjodor M. Dostojewskij – Der Spieler
Annette von Droste-Hülshoff – Werke
Zoran Drvenkar – Sorry
Alexandre Dumas – Der Graf von Monte Christo
Claude Duvernoy – Der Fürst und sein Prophet: Theodor Herzl und William Hechler. Die Wegbereiter der zionistischen Bewegung
Faix, Tobias u.a. (Hg.) – Die Welt verändern: Grundfragen einer Theologie der Transformation
Georgij V. Florovskij – Sobornost: Kirche, Bibel, Tradition
Richard Foster und Gayle D. Beebe – Longing for God: Seven Paths of Christian Devotion
Julia Franck – Die Mittagsfrau
Dwight J. Friesen – Thy Kingdom Connected: What the Church Can Learn from Facebook, the Internet, and Other Networks
Malcolm Gladwell – Outliers: Stories of Success
Malcolm Gladwell – The Tipping Point: How Little Things Can Make a Big Difference
Seth Godin – Tribes: We Need You to Lead Us
Michael J. Gorman – Inhabiting the Cruciform God: Kenosis, Justification and Theosis in Paul’s Narrative Soteriology
Graham Greene – The Honorary Consul
Allan Guthrie – Post Mortem
Katharina Hagena – Der Geschmack von Apfelkernen
Joseph Heath and Andrew Potter – The Rebel Sell: Why the Culture Can’t Be Jammed
Ute Horn – Meine Krise – Gottes Chance
Nick Hornby – Slam
Wayne Jacobsen und Dave Coleman – So You Don’t Want to Go to Church anymore: An Unexpected Journey
Karin Johne – Wortgebet und Schweigegebet
Daniel Kehlmann – Die Vermessung der Welt
Stephen King – Das Leben und das Schreiben
Dieter Kühn – Geheimagent Marlowe: Roman eines Mordes
Sarah Kuttner – Mängelexemplar
Christine Lehmann – Allmachtsdackel
George Lindbeck – The Nature of Doctrine: Religion and Theology in a Postliberal Age
Armin Mauerhofer – Gemeindebau nach biblischem Vorbild
Gordon MacDonald – Ordne Dein Leben: Perspektiven für den Umgang mit dem Leben und der Zeit
Rob McAlpine – Post-Charismatic: Where Are We Now? Where Have We Come From? Where Are We Going?
Brian McLaren – A New Kind of Christianity: Ten Questions that Are Transforming the Faith
Erwin Raphael McManus – An Unstoppable Force: Daring to Become the Church God Had in Mind
Erwin Raphael McManus – Wide Awake: The Future Is Waiting Within You
Deon Meyer – Weißer Schatten
Mark Millar and John Romita Jr. – Kick-Ass: The Graphic Novel
Ira Milligan – Understanding the Dreams You Dream: Biblical Keys for Hearing God’s Voice in the Night
Rita Monaldi und Francesco Sorti – Die Zweifel des Salaí
Alan Moore und Eddie Campbell – From Hell
Christian Morgenstern – Gedichte
Joseph R. Myers – Organic Community: Creating a Place where People Naturally Connect
Neues Testament: Neue Genfer Übersetzung
Roger von Oech – A Whack on the Side of the Head: How You Can Be More Creative
Pabst, Walter (Hg.) – Kirche für andere: Vorträge und Ansprachen im Bonhoeffer-Gedenkjahr 1970
Richard T. Pascale u.a. – Surfing the Edge of Chaos: The Laws of Nature and the New Laws of Business
Carl Raschke – GloboChrist: The Great Commission Takes a Postmodern Turn
Meg Rosoff – How I Live Now
Alan J. Roxburgh und Fred Romanuk – The Missional Leader: Equipping Your Church to Reach a Changing World
Göran Sahlberg – Sieben wunderbare Jahre
Dorothy L. Sayers – Clouds of Witness
Dorothy L. Sayers – Lord Peter Views the Body
Mark Scandrette – Soul Graffiti: Making a Life in the Way of Jesus
Frank Schaeffer – Calvin oder wie ich versuchte, meine Großmutter zu bekehren
Frank Schaeffer – Portofino
Julia Schoch – Mit der Geschwindigkeit des Sommers
Christian A. Schwarz – Die 3 Farben Deiner Spiritualität
Erich Segal – Love Story
Lothar J. Seiwert – Wenn Du es eilig hast, gehe langsam: Das neue Zeitmanagement in einer beschleunigten Welt
Tom Shippey – The Road to Middle-Earth: How J.R.R. Tolkien Created a New Mythology
Clay Shirky – Here Comes Everybody: The Power of Organizing Without Organizations
Jeff Smith – Bone (One Volume Edition)
Michael Spencer – Mere Churchianity: Finding Your Way Back to Jesus-Shaped Spirituality
Art Spiegelman – The Complete Maus
Jens Stangenberg – Tanz auf der Fontäne: Christliche Spiritualität in der Postmoderne und der Zukunft
Barbara Strachey – Journeys of Frodo: An Atlas of J.R.R. Tolkien’s Lord of the Rings
J. R. R. Tolkien – Letters from Father Christmas
J. R. R. Tolkien – Mr. Bliss
J. R. R. Tolkien – Roverandom
J. R. R. Tolkien – Sir Gawain and the Green Knight, Pearl and Sir Orfeo
J. R. R. Tolkien – Tree and Leaf. Smith of Wotton Major. The Homecoming of Beorhtnoth Beorhthelm’s Son
J. R. R. Tolkien und Donald Swann – The Road Goes Ever On
Tolkien’s World: Paintings of Middle-Earth
Oliver Uschmann – Voll beschäftigt
Andrew Walker and Luke Bretherton (Hg.) – Remembering Our Future: Explorations in Deep Church
Chris Ware – Jimmy Corrigan: The Smartest Kid on Earth
Rob Warner – Kirche im 21. Jahrhundert
Michael Welker – Gottes Geist: Theologie des Heiligen Geistes
Charles Williams – All Hallow’s Eve
Charles Williams – Descent into Hell
Charles Williams – Many Dimensions
Charles Williams – Shadows of Ecstasy
Charles Williams – Die Stätte des Löwen
Charles Williams – Die Trumpfkarten des Himmels
Charles Williams – War in Heaven
Feridun Zaimoglu – Liebesbrand

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Crazy for God IX – Dreimal O-Ton VI

19. Januar 2011

[Das ist der neunte und letzte Post in einer Serie zu Frank Schaeffers Buch Crazy for God. Alle Posts finden sich auf der Übersichtsseite zum Buch. Nun zum Abschluß der Serie noch die Anmerkung, dass die jeweils zitierten O-Töne Schaeffers nicht zwingend meiner persönlichen Ansicht entsprechen müssen. Das ist ja bei den auf diesem Blog zitierten Werken immer so, wird aber doch leider zu oft vergessen…]

Crazy For God-8

But what if absolute consistency on any issue from the left or the right, religious or secular, is an indication of mediocre intelligence and a lack of intellectual honesty? What if the world is a complex place? What if leadership requires flexibility? What if ideology is a bad substitute for common sense? What if ideological consistency, let alone „purity,“ is a sign of small-mindedness, maybe even stupidity? (347)

I think my problem with remaining an evangelical centered on what the evangelical community became. It was the merging of the entertainment business with faith, the flippant lightweight kitsch ugliness of American Christianity, the sheer stupidity, the paranoia of the American right-wing enterprise, the platitudes married to pop culture, all of it . . . that made me crazy. It was just too stupid for words. (389)

Faith is certainly not theology to me. Church is just one of the places I look for answers to the only real question I have: Why do we long for meaning? (403)

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Crazy for God VIII – Dreimal O-Ton V

12. Januar 2011

[Das ist der achte Post in einer Serie zu Frank Schaeffers Buch Crazy for God. Zu den anderen: 1|2|3|4|5|6|7]

Crazy For God-7

To one extent or another, my parents‘ children have had serious problems that relate to Mom and Dad and their work. And even though everyone can say the same, perhaps there is a little added pressure on the children of venerated saints that in private were far from saintly. (323)

There were three kinds of evangelical leaders. The dumb or idealistic ones who really believed. The out-and-out charlatans. And the smart ones who still believed – sort of – but knew that the evangelical world was shit, but who couldn’t figure out any way to earn as good a living anywhere else. (328)

The problem with the evangelical homeschool movement was not their desire to educate their children at home, or in private religious schools, but the evangelical impulse to „protect“ children from ideas that might lead them to „question“ and to keep them cloistered in what amounted to a series of one-family gated communities. (331)

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Crazy for God VII: Dreimal O-Ton IV

10. Januar 2011

[Dies ist der siebte Post zu Frank Schaeffers Buch Crazy for God. Zu den anderen: 1|2|3|4|5|6]

Crazy For God-6

Unlike Billy Graham, who made sure everyone knew he was the „chaplain to presidents,“ Dad made sure his conversations were private. He used to often say „You can be seen to do something, or actually do it.“ (296)

Falwell, Robertson, Dobson and others would later use their power in ways that would have made my father throw up. (299)

Once fundamentalists start to sniff out impurities, they don’t stop. (311)

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Crazy for God VI: Dreimal O-Ton III

7. Januar 2011

[Nach einem Todesfall im Freundeskreis erschien es mir angebracht, den vorherigen Post Nachruf eine angemessene Zeit oben auf der Startseite dieses Blogs stehen zu lassen. Mit Beginn des neuen Jahres ist es nun aber an der Zeit, das „reguläre“ Bloggen wieder aufzunehmen. Hier nun also der sechste Post in einer Serie zu Frank Schaeffers Buch Crazy for God. Zu den anderen: 1|2|3|4|5]

Crazy For God-5

The most ridiculous thing in the world is a PhD in theology, an oxymoron, if one ever existed. (102)

Prayer was a way to remind God not to let his attention wander or forget that we, and we only, really understood what he was supposed to be doing. … Theologically speaking, we believed in an absolutely powerful, omnipotent and sovereign Lord. But in practice, our God had to be begged and encouraged to carry out the simplest tasks (151).

My father taught that if the idea of biblical God-given absolutes was abandoned, there would be a real question as to where a new morality would come from. Since humankind did not like chaos, Dad warned, either would we turn to authoritarian systems (some sort of technocratic elite), or we would be ruled by the „tyranny of the majority, with no way to challenge the popular will, nothing higher to appeal to.“ (255)

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Crazy for God V: Dreimal O-Ton II

25. September 2010

[Dies ist der fünfte Post zu Frank Schaeffers Buch Crazy for God. Zu den anderen: 1|2|3|4]

Crazy For God-4

The more successful in the world you were before you got saved, the greater the triumph when you „returned from these worldly things to serve the Lord“. (71)

Mom drove me crazy with her pietistic spin on just about anything. She also drove my sisters and myself crazy by folding the most personal moments of our lives into her talks as further illustrations of God’s hand on us, or to make points on how to raise a family. (91)

Über Billy Graham: Did the followers of Billy know that he’d plucked his seventeen-year-old daughter out of her first semester at Wheaton College to marry a man almost twenty years older than her whom she had never met until Billy introduced her? Would they have cared? (100)

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Crazy for God IV: Dreimal O-Ton I

24. September 2010

[Dies ist der vierte Post zu Frank Schaeffers Buch Crazy for God. Zu den anderen: 1|2|3]

Crazy For God-3

Ich beende meine Serie zu Frank Schaeffers Buch Crazy for God mit einigen Posts, die jeweils drei Zitate aus dem Buch enthalten, die ich für bedenkenswert erachte.

Fundamentalists never can just disagree. The person they fall out with is not only on the wrong side of an issue; they are on the wrong side of God. … A church split builds self-righteousness into the fabric of every new splinter group, whose only reason for existence is that they decide they are more moral and pure than their brethren. (30)

We Schaeffers never compromised. At times it seemed that only God knew how important we were, how right, how pure. But isolation and rejection by „The World“ only confirmed our self-importance. The sense of being like the tribes of Israel wandering the desert, with enemies on all sides, was the underlying reality of my childhood. (31)

It is no coincidence that about 99 percent of evangelical books are written to help people order their lives according to an invisible world when everything in the visible world is challenging faith. (33)

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Crazy for God III: More than fiction

20. September 2010

[Das ist der dritte Post zu Frank Schaeffers Buch Crazy for God. Zu den ersten beiden: Einführung | Aufstieg und Ausstieg.]

Crazy For God-2
Nachdem Frank Schaeffer der religiösen Rechten seinen Rücken gekehrt hatte, versuchte er sich mit einigen Projekten über Wasser zu halten, die alle nicht von Erfolg gekrönt waren. Wie bereits erwähnt, erwiesen sich erst seine von ihm selbst als »semi-autobiographical« bezeichneten Romane als Wendepunkt, da sie sich überraschend gut verkauften. Darin nimmt er die Perspektive Calvin Beckers ein, Sprössling fundamentalistisch-evangelikaler US-Missionare, die in der Schweiz eine Kommunität gegründet haben. Ich habe nur die ersten beiden Teile der Becker-Trilogie gelesen – Portofino und Calvin: oder wie ich versuchte, meine Großmutter zu bekehren.
Portofino-2
Beide Bücher sind in deutscher Übersetzung günstig antiquarisch zu bekommen. »Portofino« handelt von den Abenteuern des elfjährigen Calvin im Italien-Urlaub. Sonne, Strand, italienische Lebensart und seine Freundin Jennifer aus England, deren Familie immer zeitgleich mit den Beckers in derselben Pension urlaubt, bringen ihm viel Freude. Auf der anderen Seite steht der religiöse Fanatismus der Eltern, für den er sich beständig schämt, personifiziert in seiner Mutter, die lautstark betend am Mittagstisch im Restaurant die Kellnerin ignoriert, Mitreisende im Zug mit Hilfe von aberwitzigen evangelistischen Hilfsmitteln (Jesus-Junk gab es wohl schon lange vor WWJD und Kawohl) die Mitreisenden zu bekehren versucht und immer wieder auf peinliche Weise Calvins sexuelle Aufklärung vorantreiben will. »Calvin: oder wie ich versuchte, meine Großmutter zu bekehren« spielt 5 Jahre später und handelt vom Leben in der Schweizer Kommunität/Missionsstation, von Kirchenspaltungen, familiären Konflikten und davon, wie Calvin es trotz vieler Herausforderungen letztlich doch schafft, wieder zur rechten Zeit nach Portofino zu kommen und Jennifer wieder zu sehen.
Calvin-2
Die Bücher sind wunderbar leicht und humorvoll geschrieben, lesen sich flüssig und lassen ein bitter-süß melancholisches Gefühl zurück. Ich wurde beim Lesen in die Geschichte hineingezogen und war etwas enttäuscht, dass der zweite Band fünf Jahre übersprang, weil ich wissen wollte, was in der Zwischenzeit geschehen war… Nach der Lektüre von »Crazy for God« faszinieren die Calvin-Becker-Romane, weil die Charaktere so eng an der Ursprungsfamilie Frank Schaeffers und Mitarbeitern L’Abris gehalten sind, dass es schwer fällt, nicht alles als quasi-autobiographisch zu verstehen. Dasselbe gilt für die Schauplätze und weitere Details. Frank Schaeffer gibt hier Einblick in das (erinnerte) Seelenleben seiner Kindheit, und so werden hier all die Themen, die in »Crazy for God« intensiv behandelt werden, spielerisch mit eingeflochten. Lesestoff für entspannte Stunden am Sonntagnachmittag, der zum Nachdenken einlädt. Meine Empfehlung.
(Dritter und letzter Teil der Calvin-Becker-Serie ist übrigens Zermatt).
Zermatt

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Crazy for God II – Aufstieg und Ausstieg

11. September 2010

[Dies ist der zweite Post zu Frank Schaeffers Buch Crazy for God. Hier geht’s zur Einführung.]

Crazy For God-1
Im weiteren Verlauf des Buches beschreibt Frank Schaeffer, wie sein Vater Francis immer bekannter und berühmter wurde, als er sich mit der säkularen Kultur zu beschäftigen begann. »He slipped into a second career as an art historian, pop culture analyst, and futurist.« (118) Die Veränderung wird auch optisch sichtbar: »Dad was wearing his hair longer and longer, and he grew a goatee. … Dad had evolved into a hip guru preaching Jesus to hippies, a precursor to, and the spiritual father of, the Jesus Movement that some of Dad’s disciples (…) founded after they studied at L’Abri« (208).

Francis Schaeffer veröffentlichte sein erstes Buch Escape from Reason und wurde zu einem der bekanntesten und einflußreichsten christlichen Leiter seiner Zeit. »Born-again Christians were confronted by a rebellious youth culture. Suddenly they needed Dad’s pop culture expertise.« (209) Je bekannter sein Vater wurde, desto intensiver wurde das Doppelleben Franks. Er schildert sein Aufwachsen, den ersten Geschlechtsverkehr u.ä., was ihm in L’Abri keinen Ruhm einbrachte. Gleichzeitig wird die Kluft zwischen dem öffentlichen Bild der Schaeffers und seiner Wahrnehmung seiner Eltern immer größer. L’Abri spaltet sich, und über seine Mutter schreibt Frank: »On one days, Mom was hiding bruises on her arms; on other days she was flirting shamelessly with Roger, a handsome „sensititve poet“ from SanFrancisco, twenty years younger than her. This was the source of my parents‘ biggest fights.« (216) Und zu aller Ironie wurden seine Eltern als Heilige wahrgenommen, die dafür gelobt wurden, dass sie „diese Hippies“ erreichten – dabei waren sie in Franks Augen selbst zu Hippies geworden. »But groupies have to believe in something or someone.« (217)

Mit der Zeit versucht sich Frank als Maler und lernt seine spätere Frau Genie kennen, die er auch gleich schwängert, was seinen Ruf weiter in den Keller zieht. Francis schreibt sein Buch How should we then live?, das Frank zu einer Filmserie verarbeitet, in deren zwei letzten Episoden Abtreibungsproblematik thematisiert wird. Die Filme werden im Rahmen einer Seminar-Tour in fünfzehn amerikanischen Städten vorgeführt – jeweils einen ganzen Tag lang wurden die halbstündigen Episoden gezeigt und eine Diskussion von Francis, später auch von Frank geleitete Diskussion schloß sich an. »By the end of the tour, Dad was one of the most sought-after and best-known evangelical leaders in the United States.« (269) Als nächstes folgte dann Whatever happened to the Human Race?, zu dem Frank auch eine Film-Serie produzierte. Das Ergebnis beschreibt er so:

The impact of our two film series, as well as their companion books, was to give the evangelical community a frame of reference through which to understand the secularization of American culture, and to point to the „human life issue“ as the watershed between a „Christian society“ and a utalitarian relativistic „post-Christian“ future stripped of compassion and beauty. (273)

In der Folgezeit sind die beiden Schaeffers ganz oben angekommen. Sie haben direkten Zugang zu allen Mitglieder der Republikanischen Partei. Nach seinen Worten waren er und sein Vater die ersten, die die amerikanischen Evangelikalen dazu aufforderten, politisch aktiv zu werden. Ihre Plattform erhielten sie durch das berühmt gewordene Roe-vs.-Wade-Urteil. »Abortion became the evangelical issue. Everything else in our „culture wars“ pales by comparison. The anger we stirred up at the grassroots was not feigned but heartfelt.« (289) Nach Franks Buch A Time for Anger und Francis‘ A Christian Manifesto begannen die Demonstrationen vor Abtreibungskliniken. Die Evangelikalen strömen ins amerikanische Fernsehen und die religiöse Rechte formiert sich. Auch wenn die beiden Schaeffers von dieser oft angewidert waren, spielten sie das Spiel mit.

To our lasting discredit, Dad and I didn’t go public with our real opinions of the religious-right leaders we were in bed with. We believed there was too much at stake, both personally, as we caught the power-trip disease, and politically, as we got carried away by the needs of the pro-life movement. (300) The public image of the religious right I met with so many times also contrasted with who they really were. In public, they maintained an image that was usually quite smooth. In private, they ranged from unreconstructed bigot reactionaries like Jerry Falwell, to Dr. Dobson, the most power-hungry and ambitious person I have ever met, to Billy Graham, a very weird man indeed who lived an oddly sheltered life in a celebrity/ministry cocoon, to Pat Robertson, who would have a hard time finding work in any job where hearing voices is not a requirement. (315)

Über seine öffentlichen Auftritte im Rahmen der Whatever happened to the Human Race?-Tour schreibt Frank:

I knew „The Speech“ so well, I could think about other things while I delivered it; for instance, about how I wished God had never made any men or women with a „ministry in music.“ I wished he’d strike them all down so I’d never have to spend another minute listening to another fat lady (even the men were „fat ladies“ to me) sing another Jesus-is-my-boyfriend song to synthesized violin playback. … Shorthand version: Abortion is murder; secular humanism is destroying us; turn back to our Christian foundation; vote Republican. (325)

Die innere Distanz Francis Schaeffers zur Religiösen Rechten wurde immer größer:

Dad seemed lost in a depressed daze. He had recently been saying privately that the evangelical world was more or less being led by lunatics, psychopaths, and extremists, and agreeing with me that if „our side“ ever won, America would be in deep trouble. (335) I still regard abortion as an unmitigated tragedy. … More than thirty years after helping to launch the pro-life movement, I am filled with bitter regret for the unintended consequences. (345) To the extent that the Republican Party benefited from the pro-life movement, my efforts and those of my father contributed to making the Republican congressional majorities of the 1980s and 1990s possible. We also indirectly helped make the elections of Reagan, Bush Sr., and Bush Jr. possible. (346)

Frank stieg aus. Verließ die evangelikale Bühne, führte bei einigen Hollywood-B-Movies Regie und begann zu schreiben. Zwischenzeitlich war er samt Frau und Kindern in finanziellen Schwierigkeiten, so dass bisweilen das Geld für Lebensmittel fehlte und Frank im Supermarkt einmal Steaks stahl.

I’d remember that if it came down to it, I’d rather be arrested for shoplifting than ever be an evangelical leader again. There was a certain basic and decent honesty about stealing pork chops that selling God had lacked. (376)

Frank versuchte Geld zu verdienen, schrieb Drehbücher für Filme, die aber abgelehnt wurden. 1990 trat er der Griechisch-Orthodoxen Kirche bei, arbeitet ein bißchen in seiner Ortsgemeinde mit. Das Urteil über seine Eltern fällt differenzierter aus, als es hier den Anschein haben mag. Sie bleiben ihm Vorbilder in ihrer Hingabe, Demut und der Opferbereitschaft für andere. Das Buch enthält auch sehr schöne Momente, wenn Schaeffer fast zärtlich über Vater und Mutter spricht. An der Orthodoxen Kirche schätzt er die Liturgie und die jahrhundertelange Kontinuität. Es scheint, er hat seinen Frieden gefunden. Auch wirtschaftlich ging es wieder aufwärts – die beiden semi-autobiographischen Romane Portofino (über Franks Kindheit) und Saving Grandma (deutsch Calvin oder wie ich versuchte meine Großmutter zu bekehren) verkauften sich recht gut und leiteten die Wende ein. Mehr zu diesen Romanen später in einem separaten Post.

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Crazy for God I – Einführung

6. September 2010

Im März hatte ich angekündigt, „in nächster Zeit“ mal was zu Frank Schaeffer’s Buch Crazy for God zu schreiben. Und voilà, nur ein halbes Jahr später ist es schon so weit 😉
Nun bin ich zwar in Evangelikalien aufgewachsen, kannte den Namen Francis Schaeffer (Vater von Frank) aber nur vom Hörensagen, ohne mich näher mit ihm auseinandergesetzt zu haben. So ist das, wenn man erst 1980 das Licht der Welt erblickte. Auf das 2007 erschienene »Crazy for God« bin ich über die englischsprachige Blogosphäre aufmerksam geworden, wo es einigen Staub aufgewirbelt hat und mir daher näherer Betrachtung wert schien. Der Untertitel spricht für sich: »How I grew up as one of the elect, helped found the Religious Right, and lived to take all (or almost all) of it back«. Klingt nach Autobiographie und nach Abrechnung, könnte also interessant werden.
Crazy For God
Interessant ist das Buch allemal, um mal ein wertneutrales Wort zu verwenden. Es ist untergliedert in die vier Teile »Childhood«, »Education«, »Turmoil« und »Peace«. Als Kind der amerikanischen Missionare Francis und Edith Schaeffer wuchs Frank in der Kommunität L’Abri in den Schweizer Bergen auf. Abgeschirmt von der heidnischen Welt und umgeben von geistlich Suchenden entfremdete er sich mehr und mehr vom calvinistischen Glauben seiner Eltern. Mit der Zeit wurde sein Vater Francis immer berühmter, so dass »Billy Graham’s daughter, President Ford’s son, even Timothy Leary« (2) häufig am Schaeffer’schen Esstisch anzutreffen waren. Francis und Edith Schaeffer stiegen auf der Leiter des Einflusses bis nach ganz oben, waren desöfteren im Weißen Haus und trafen dort die Präsidenten Ford, Reagan und Bush Sr. Im Prolog bilanziert Frank:

My life has been one of all-consuming faith – not my faith, but the faith of others that I seem to have caught like a disease and been almost obliterated by. What does God want? I still don’t know. … The only answer to „Who are you?“ is „When?“

Das macht neugierig. Und, wie gesagt, das Buch ist interessant. Schaeffer kann schreiben, ohne Frage. (Davon zeugen auch seine Romane, die zu Bestsellern wurden – mehr dazu später.) Aber nicht nur deshalb ist das Buch interessant. Beim Lesen finde ich mich ständig auf beiden Seiten wieder – viele der Überzeugungen von Franks Eltern teile ich. Und manche der schmerzlichen Erfahrungen, die Gefühl, in eine evangelikale Subkultur nicht ganz reinzupassen, einhergehen, teile ich auch. Ich leide mit und an den handelnden Personen. (Ein ähnliches Erlebnis übrigens wie bei den Gleichnissen Jesu – z.B. beim Verlorenen Sohn: Meine Identifikation und mein Verhalten springt zwischen allen drei männlichen Figuren im Gleichnis hin und her. Das Ziel ist zum Vater zu werden, schon klar…) Aber zurück zu Schaeffer. Er betont: »This is a memoir, not a biography« (6). Er erhebt nicht den Anspruch, die absolute Wahrheit über seine Familie zu erzählen, sondern auch mal Namen geändert und Jahreszahlen vertauscht zu haben. Aber er erzählt seine Geschichte, erzählt von seinen drei Schwestern, von dem oft geistig abwesenden Vater, der viel Zeit mit den Sinn suchenden Gästen und wenig Zeit mit seinem Sohn verbrachte und die Erziehung der Kinder in allen Belangen seiner Frau Edith überließ. Frank hatte keine einfache Beziehung zu seiner Mutter, die morgens um vier aufstand, um zu beten, selbst im Hotel im Urlaub vor allen Anwesenden am Essenstisch seeeehr lange und laut betete und in allem, was geschah, die Bestätigung Gottes für ihre Lebensweise sah, und sich gesandt wußte, den armen Schweizer Heiden das Evangelium zu bringen. Die Ironie ist nicht zu überlesen:

The overall feeling was that we were somehow displaced aristocrats, former royalty reduced to being dependent on less-cultured strangers, grateful yet resentful, sorry for ourselves for the sacrifices we were making for a higher cause, yet envious of those people who could lead normal lives (…) and made money from everyday jobs where you were paid instead of waiting for a series of miracles. (51f) We were outsiders doing everything we could to be mistaken for insiders and then convert them to being outsiders, like us, until everyone became an outsiders and therefore we got to be insiders forever! (52) What I never heard Mom or Dad explain was that if the world was so bad and lost, why did they spend so much time trying to imitate it and impress the lost? (53)

Wie Streiflichter tauchen die Erinnerungen auf. Über seine Schwager schreibt Schaeffer, dass sie erst »our kind of people« werden mußten: »My sisters were very good at training their husbands, just as Mom had trained Dad« (70). Bei den Hochzeiten seiner Schwestern gab es keinen Alkohol, keinen Tanz und die Predigten zielten jeweils auf die Eltern des Bräutigams ab, um ihnen klarzumachen »how, without a faith in Christ, a real faith, a faith like ours, no marriage could last.« (71) Dass an der Ehe seiner Eltern auch nicht alles Gold war, erzählt Schaeffer mit schonungsloser Offenheit:

God might have given Dad faith, but he never did manage to get him to be polite to his wife. … And when it came to how Dad sometimes treated my mother, the other L’Abri workers looked the other way. They must have heard the screaming, and some must have known there was abuse. They did nothing. (101) Dad was abusive at times, but my mother was in no way intimidated. In fact, she seemed to relish her martyr status. (104) Mom never showed any weakness. She could do everything, and she let us know it. (111) The spiritual pride that underlay Mom’s zeal made her children grow up with the feeling that no matter what we did for the Lord, it was never enough. Mom had gotten there first, and the rest of us weren’t even in the race. (113)

So weit für diesen Post. Genug Stoff um nach- und weiterzudenken.

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»Die Zweifel des Salaì« oder: Nur die toten Fische …

30. August 2010

Seit ca. anderthalb Jahren habe ich mir ein neues Hobby angeschafft – den „Sonntagsroman“. Soll heißen: An terminfreien Sonn- und Feiertagen gönne ich mir einen Roman. Das ist eine feine Sache und verstärkt das Sabbat-Gefühl enorm. Außerdem hilft es mir, auf die 100 im Jahr zu lesenden Bücher zu kommen 😉

Vor ein paar Wochen war Die Zweifel des Salaì dran. Ein historischer Roman, verfasst von einem italienischen Ehepaar, der Altphilologin Rita Monaldi und dem Musikwissenschaftler Francesco Sorti. Nachdem ihr erster Roman IMPRIMATUR in Italien boykottiert worden war, entschlossen sich die beiden, ihre Bücher international zu veröffentlichen, wo sie in über zwanzig Sprachen übersetzt und zu Bestsellern wurden. Die Zweifel des Salaì erschien 2008 und landete (wie das im Normalfall so läuft) über den Bücherbrief des Perlentauchers in meinen Suchaufträgen bei booklooker und einige Zeit später zum Schnäppchenpreis in meinem Briefkasten.
Der Plot: Leonardo da Vinci verbringt im Jahre 1501 einige Zeit in Rom, weil er von einem hohen Beamten der Kurie beauftragt wurde, herauszufinden, wer all die schlimmen Gerüchte über Papst Alexander VI. in Umlauf bringt. Leonardo wird von seinem Adoptivsohn Salaì begleitet. Aus dessen Briefen an seinen Florentiner Padrone Macchiavelli besteht die Erzählung. Locker, flüssig und humorvoll lesen sich die 400 Seiten der Korrespondenz. Im Stil des Schmelmenromans berichtet Salaì von zwielichtigen Gestalten und erotischen Abenteuern, von Scherzen und Gefahren. Im Laufe der Zeit stellt sich heraus, dass die Verschwörung mehrheitlich von Deutschen aus Straßburg ausgeht, die – durch Tacitus‘ Germania – von ihrer Überlegenheit überzeugt sind und den Papst schwächen wollen, auf dass eine Revolution kommen möge. Alles in allem ein nettes Buch, in welchem der Leser einiges über die damalige Zeit erfährt und ganz gut unterhalten wird.

Zweifeldessalai
Warum mir unter all den Sonntagsromanen gerade dieser einen Blogpost wert ist? Der Grund liegt weniger in den knapp 70 Briefen des Salaì, sondern vielmehr im 100-seitigen Apolog. Hier erfährt der Leser von den intensiven historischen Nachforschungen der Autoren und erkennt fasziniert, dass der rote Faden der Erzählung wahrer ist als gedacht, und dass es die Wahrheit durchaus mit erdichteten Kriminalromanen aufnehmen kann. Monaldi & Sorti berichten von Rodrigo Borgia, besser bekannt als Skandalpapst Alexander VI., dem Mätressen, Orgien, uneheliche Kinder etc. angehängt wurden und der bis heute als das schlechthinnige Sinnbild für den Abfall der römischen Kirche im Mittelalter gilt. Die Autoren geben in aller Kürze Rechenschaft über ihre Recherchearbeiten, verweisen auf weiterführende Literatur und präsentieren Ergebnisse, die ungeheuerlich aber glaubwürdig scheinen und die mich zum Nachdenken bringen. Zwei Ausschnitte:

  • Borgia war vor seiner Wahl zum Papst ein ehrenwerter Mann und ist es auch danach geblieben. Als Alexander VI. versuchte er, diverse Kirchenreformen anzustoßen, die ihm aus den unterschiedlichsten Gründen nicht gelangen. Briefe an den deutschen Klerus belegen, wie ernst es ihm damit war und wie sehr er sich damit in die Nesseln setzte. Manches von dem, was er angedacht hatte, wurde erst Jahrzehnte später im Tridentinum umgesetzt. Nun allerdings unter ganz anderen Vorzeichen.
  • Tacitus‘ Germania, von der ich im Lateinunterricht auch schon Teile zu übersetzen hatte, ist möglicherweise eine Fälschung, gerne aufgenommen von der Gruppierung Deutscher, die den Reformen Alexanders entgegen standen. Der darin enthaltene Gedanke der Überlegenheit und Rassenreinheit der Deutschen wurde später insbesondere von Himmler wieder aufgegriffen. Faszinierenderweise wurde die Echtheit der Germania immer wieder angezweifelt, aber das Werk, das diese Zweifel letztlich zu zerstreuen versuchte, wurde von einem Historiker in Diensten der SS verfasst, der ein besonderer Günstling Himmlers war und auch im Nachkriegsdeutschland bis 1990 (!) noch einen Lehrauftrag hatte.

Sollten Monaldi und Sorti mit ihren Thesen richtig liegen (was ich natürlich nicht beurteilen kann), dann stellt die Wirklichkeit Dan Browns Phantasie deutlich in den Schatten. In mancherlei Hinsicht bringt mich dieses zum Nachdenken: Was war das für ein Boden, auf dem die Reformation gewachsen ist (nicht dass ich ihre Kerninhalte in Frage stellen will)? Ob der ohne die Verleumdungen Alexanders auch so fruchtbar gewesen wäre? Ob die Kirchengeschichte möglicherweise ganz anders verlaufen wäre? Und wie ist dies im Nachhinein zu bewerten? Interessant auch, dass das, was als gesicherte Geschichte, als faktische Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen, als historisch abgesichert präsentiert wird, auf solch tönernen Füßen steht. Dass eine Lehrmeinung irgendwann zu einer Doktrin wird, die nicht mehr hinterfragt werden darf, das kommt mir aus der Theologie doch äußerst bekannt vor und gefällt mir überhaupt nicht. Wenn der Wind sich gedreht hat und das neue Paradigma etabliert ist, dann wird von intellektueller Redlichkeit gesprochen, von gesicherten Ergebnissen, und dann ist es vorbei mit der Toleranz – ob nun die Evolutionstheorie in Frage gestellt wird oder die Theorie des deuteronomistischen Geschichtswerkes mit jahwistischen, elohistischen und was-weiß-ich-was-Schriften oder die Frage, ob praktizierte Homosexualität Gottes gute Idee war (dem geneigten Leser werden sicherlich auch andere Beispiele einfallen). Wer das Hinterfragen und das Hinterfragt-werden des Hinterfragens nicht mehr zulässt, bewegt sich in eine Richtung, die ich nicht mitgehen möchte. Denn: Nur die toten Fische schwimmen immer mit dem Strom. Das ist natürlich auch eine platte Pauschalaussage, aber es gibt mir die Möglichkeit, einen ernsten Post augenzwinkernd mit einem Lied zu beenden, bei dem Du – falls Du genau zuhörst – im Hintergrund nicht nur meine Jungscharknaben, sondern auch mich sowas wie … ähm … singen hören kannst. Mann ist das lange her…

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Schön gesagt

8. April 2010

Tpa
Nach ca. fünf-monatiger Abstinenz wende ich mich mal wieder meinem Studium zu und versuche mich an paulinischer Soteriologie. Mitten in James Dunns Opus Magnum bin ich auf folgende Worte gestoßen, die mir in vielerlei Hinsicht gefallen:

The portrayal of a Jesus Messiah who functions severally as another Adam, firstborn from the dead and elder brother of the family of the resurrected, as divine Wisdom and life-giving Spirit, but also as co-regent with God and soon coming Lord, is bound to be confusing. Now we have also a Christ who is conceived as a „location“ into which the convert is „inserted“ and within which believers find themselves, or alternatively as a personal presence within believers; as GodÄs saving action with which believers can be identified, or as the medium through whom God pours out his grace and through whom believers approach God; as a body of which believers have identified; or yet again as a powerful presence equivalent to the Spirit of God. … It must in fact be seriously doubted whether Paul himself actually had a single conception of the risen Christ. … In this case any attempt to harmonize the diversity of Paul’s imagery and to resolve the inconsistencies of different images straining against each other would be to our loss rather than our gain. Better to let the richness of the vision, its poetry and harmonies, capture heart and spirit, even if conceptual clarity remains elusive.

James D.G. Dunn, The Theology of Paul the Apostle, 408f.

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Rückblick 2009: 100 Bücher

23. März 2010

Nun, da sich mittlerweile sogar der März 2010 langsam dem Ende zuneigt, wird es Zeit, meinen Rückblick auf das vergangene Jahr zu beenden. Voilá die Bücher, die ich 2009 gelesen habe.

Diogenes Allen – Philosophy for Understanding Theology
Gottfried Arnold – Unparteiische Kirchen- und Ketzerhistorie
James Matthew Barrie – Peter Pan in Kensington Gardens
James Matthew Barrie – Peter and Wendy
Marcia Bartusiak – Einsteins „Unvollendete“: Das letzte Rätsel der Relativitätstheorie
L. Frank Baum – The Wizard of Oz
Ludwig Bechstein – Deutsche Märchen und Sagen
Don Edward Beck und Christopher C. Cowan – Spiral Dynamics: Leadership, Werte und Wandel
Charles Burns – Black Hole
Lewis Carroll – Alice’s Adventures in Wonderland
Vivian Cash (with Ann Sharpsteen) – I Walked The Line: My Life with Johnny)
Hermann Cremer – Die paulinische Rechtfertigungslehre im Zusammenhange ihrer geschichtlichen Voraussetzungen
Loren Cunningham – Bist Du es, Herr?
Charles Dickens – A Christmas Carol
Doré-Bibel: Auszüge aus dem Alten und Neuen Testament mit 230 Illustrationen von Gustave Doré
Martin Dreyer – Die Volxbibel 2.0
Colin Duriez – Tolkien und C.S. Lewis: Das Geschenk der Freundschaft
Reiner-Friedemann Edel – Das Evangelium: Die Freudenbotschaft
Daniel Ehniß und Björn Wagner (Hg.) – Beziehungsweise Leben – Inspirationen zum Leben und Handeln im Einklang mit Gott und Menschen.
Will Eisner – The Best of „The Spirit“
Thomas Stearns Eliot – Ausgewählte Aufsätze, Vorträge und Essays
Tobias Faix u.a. (Hg.) – ZeitGeist 2: Postmoderne Heimatkunde
Jean Gebser – Ursprung und Gegenwart. 1. Teil: Die Fundamente der aperspektivischen Welt
Jean Gebser – Ursprung und Gegenwart. 2. Teil: Die Manifestationen der aperspektivischen Welt
Jean Gebser – Ursprung und Gegenwart: Kommentar
Albrecht Gralle – Als das Christkind erwachsen wurde: Elf wunderliche Weihnachtsgeschichten
Albrecht Gralle – Engel auf Erden: Geschichten von irdischen Boten und himmlischen Wesen
Albrecht Gralle – Weite Reise
Rainald Grebe – Global Fish
Harry Grey – The Hoods
Robert Farley, S.J. – Auf der Suche nach Jesus: Kontemplation und Unterscheidung der Geister
Michael Frost und Alan Hirsch – ReJesus: A Wild Messiah for a Missional Church
Douglas Harink – Paul among the Postliberals: Pauline Theology beyond Christendom and Modernity
Edvard Hoem – Die Geschichte von Mutter und Vater
The Holy Bible – New International Version: The New Testament
Nick Hornby – A Long Way Down
Nick Hornby – About a Boy
Nick Hornby – Fever Pitch
Nick Hornby – High Fidelity
Nick Hornby – How to be Good
John Irving – A Prayer for Owen Meany
Johannes von Damaskus – Genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens
E. Stanley Jones – Der Christus der indischen Landstraße
Ernst Käsemann – Paulinische Pe0rspektiven
Helmut Krausser – Eros
Helmut Krausser – Melodien
Helmut Krausser – Thanatos
Helmut Krausser – UC: Ultrachronos
Alfred Kuen – Gemeinde nach Gottes Bauplan
Milan Kundera – Die Identität
Larry Libb und Wayne McLoughlin – Mal mir ein Bild vom Himmel
Siegfried Lenz – Schweigeminute
C.S. Lewis – Till We Have Faces: A Myth Retold
Astrid Lindgren – Die Brüder Löwenherz
William MacDonald – Licht für den Tag: Tägliche Andachten
Scot McKnight – The Blue Parakeet: ReThinking how You Read the Bible
Jürgen Moltmann (Hg.) – Wie ich mich geändert habe
Alan Moore und Dave Gibbons – Watchmen
Mutter Teresa – Komm, sei mein Licht
Friedrich Nietzsche – Der Antichrist: Fluch auf das Christentum
Blaise Pascal – Gedanken
Pirke Avot: Sprüche der Väter
Adrian Plass – Tagebuch eines frommen Chaoten
Fritz Reuter – Das Leben auf dem Lande
Joseph Roth – Hiob: Roman eines einfachen Mannes
James Sallis – Deine Augen hat der Tod
Roberto Saviano – Gomorrha: Reise in das Reich der Camorra
Frank Schaeffer – Crazy for God: How I Grew Up as One of the Elect, Helped Found the Religious Right, and Lived to Take All (or Almost All) of It Back
Harald Schmidt – Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv: Eine Vermessung
David Sedaris – When You Are Engulfed in Flames
Eugène Sue – Die Geheimnisse von Paris
Henry David Thoreau – Walden and Other Writings
J. R. R. Tolkien – The Children of Húrin
J.R. R. Tolkien – Tales from the Perilous Realm
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 1: The Book of Lost Tales Part 1
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 2: The Book of Lost Tales Part 2
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 3: The Lays of Beleriand
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 4: The Shaping of Middle-Earth
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 5: The Lost Road and Other Writings
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 6: The Return of the Shadow
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 7: The Treason of Isengard
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 8: The War of the Ring
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 9: Sauron Defeated
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 10: Morgoth’s Ring
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 11: The War of the Jewels
J. R. R. Tolkien – The History of Middle-Earth Volume 12: The People’s of Middle-Earth
J. R. R. Tolkien – The Hobbit or There and Back Again
J. R. R. Tolkien – The Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring
J. R. R. Tolkien – The Lord of the Rings: The Two Towers
J. R. R. Tolkien – The Lord of the Rings: The Return of the King
J. R. R. Tolkien – The Silmarillion
J. R. R. Tolkien – Unfinished Tales of Numenor and Middle-Earth
J. R. R. Tolkien u.a. – The Hobbit (Graphic Novel)
Fred Uhlman – Der wiedergefundene Freund
Fritz Viering (Hg.) – Zur Bedeutung des Todes Jesu: Exegetische Beiträge
Bernhard und Hans-Jochen Vogel – Deutschland aus der Vogelperspektive: Eine kleine Geschichte der Bundesrepublik
Arne Völkel – Ausgebrannt für Jesus? Was Christen auslaugt – und was sie aufbaut
Ken Wilber – Integrale Spiritualität: Spirituelle Intelligenz rettet die Welt
Tom Wright – Justification: God’s Plan and Paul’s Vision
William P. Young – The Shack

Eine gute Mischung, scheint mir. Zu manchen der Bücher werde ich wohl bei Belegenheit noch etwas posten. Einige kurze allgemeine Gedanken: Beim Rückblick auf die in 2008 gelesenen Bücher hatte ich mir noch vorgenommen, 2009 mehr Lyrik und mehr Romane zu lesen. Ersteres hat nicht geklappt, letzteres jedoch durchaus. Dazu bin ich dem Rat zweier werbender Gefährten gefolgt – Peter schwärmte häufig von Nick Hornby, Toby von Helmut Krausser. Diesen beiden habe ich mich zugewandt und es genossen. Manche Kinderbuchklassiker habe ich neu oder wieder entdeckt und durch Watchmen den Zugang zum Genre der Graphic Novels gefunden. Sehr schöne Sache und ein neues Hobby. Ansonsten bleiben noch zwei Dinge besonders zu erwähnen:

Theshack
William Paul Youngs Bestseller The Shack fand ich toll. Ein Buch, das mit dem Herzen, nicht mit dem Verstand gelesen werden sollte (sorry, dass ich hieraus Gegensätze mache 😉 aber in diesem Fall evtl. angebracht). Ein Roman ist ein Roman ist ein Roman. Mir hat er viel vom Wesen Gottes vermittelt – und das vielleicht gar nicht so sehr in den „theologischen“ Passagen. Vielmehr war es so, dass ich mich während des Lesens Gott nahe fühlte und mein Herz weich und warm wurde – huch, welch subjektiv emotionaler Gefühlsdusel. Nichtsdestotrotz kommuniziert Young auch überzeugend biblisch-theologische Wahrheiten, auf die einzugehen den Rahmen dieses Posts sprengen würde.

Tolkien
Zum Schluß eine Bemerkung zu der Person, die meine Leseliste dominiert: 21mal John Ronald Reuel Tolkien. 15 und 17 Jahre alt war ich, als ich die Herr-der-Ringe-Trilogie die ersten beiden Male gelesen hatte. Lange währte das Warten und die Vorfreude auf Kinofilme, die ich mir seit Jahren in der ersten Januar-Woche am Stück ansehe. Tolkiens Bilder sind tief in meine Vorstellungswelt und meinen Wortschatz eingegangen und haben mich immens inspiriert, so dass es eigentlich nur eine Frage der Zeit war, bis ich mich seiner Welt und seinem Gesamtwerk intensiv widmen würde. Dieser Prozess hat nun im vergangenen Jahr begonnen und wird sich mit Sicherheit noch eine Weile hinziehen.

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Von der Leitung missionaler Gemeinden – oder: Was Alan Roxburgh zu sagen hat und warum er Gehör verdient

24. Februar 2010

Am 12.-14. März veranstaltet u.a. Emergent Deutschland ein Wochenende mit Alan Roxburgh in Erlangen. Diese Tage haben wir unter den Titel »Es geht ja doch! Missionaler Aufbruch in „ganz normalen“ Gemeinden« gestellt. Anmelden kannst Du Dich hier, am besten unverzüglich. Am Geld sollte Deine Teilnahme nicht scheitern, betragen die Kosten doch nur 50 für Normal- und 30 für Nichtverdiener. Ist das ein Angebot?!
Ed Roxburgh Flyer
Alan wird darüber sprechen, wie den gesellschaftlichen Umbrüchen in unseren Tagen begegnet werden kann, indem Veränderungsprozesse in Gemeinden verstanden, initiiert und begleitet werden. Sein Fokus liegt dabei auf dem Personenkreis der Gemeindeleitenden, wie auch der Titel des Buches The Misisonal Leader: Equpping Your Church to Reach a Changing World andeutet, das Alan zusammen mit Fred Romanuk verfasst hat. Hieraus nun einige Gedankensplitter, die darlegen, warum ich empfehle, vom 12.-14. März in Erlangen dabei zu sein.
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Weil das Wort »missional« zur Zeit inflationär verwendet wird, beginnen wir mit einer Definition dessen, was die Autoren unter einer »missionalen Gemeinde« verstehen:

A missional church is a community of God’s people who live into the imagination that they are, by their very nature, God’s missionary people living as a demonstration of what God plans to do in and for all of creation in Jesus Christ. (S. XV)

Um diese Art von Gemeinden zu leiten, braucht es ein neues Verständnis von Leiterschaft, da die meisten »missional« genannten Führungsmodelle oft nur alten Ansätzen einen neuen Anstrich verpassen, was aber in einer Zeit permanenten Wandels keinen Sinn mehr macht. Die Antwort auf die neuen Umstände ist für die Autoren nicht das Gründen neuer Gemeinschaften und Initiativen, sondern die Transformation bestehender Gemeinden. Dafür reichen die pastoralen Fähigkeiten, in denen viele aktuelle Gemeindeleiter ausgebildet wurden, allerdings nicht aus. Genauso wenig ist die Übernahme von Führungsmodellen aus der Wirtschaft eine Lösung, da dies der Einzigartigkeit von Gemeinde nicht gerecht wird. Der Geist Gottes ruht auf dem Volk Gottes.

Congregations matter. But they need leaders with the skills to cultivate an environment in which the Spirit-given presence of God’s future may emerge among the people of God. (S. 11) God’s future is among the regular ordinary people of God. It’s not primarily in great leaders or experts but among the people, all those people most leaders believe don’t get it. (S. 20f) Missional leadership is about cultivating the capacity and gifts of the people who are already part of the church. (S. 30)

Es ist die Aufgabe der Gemeindeleitung, den Gemeindegliedern Raum zu schaffen, um gemeinsam im Licht der großen Linien der Bibel über ihre persönliche Geschichte, die Geschichte der Gemeinde und den aktuell sich vollziehenden gesellschaftlichen Wandel zu reflektieren, sowie dem aktuellen Wirken und Reden Gottes in genau diesen Umständen nachzuspüren.

In this book we offer an alternative model of the missional leader who is a cultivator of an environment that discerns God’s activities among the congregation and in its context. It is leadership that cultivates the practice of indwelling Scripture and discovering places for experiment and risk as people discover that the Spirit of God’s lifegiving future in Jesus is among them. (S. 27)

Die Gemeindeleitung versucht darum, in der Gemeinde das Bewußtsein dafür zu schaffen,

  • was Gott unter denen tut, die zur Gemeinde gehören
  • wie die Gemeinde sich selbst als Kern dessen verstehen kann, was Gott tut
  • wie Gott im Umfeld der Gemeinde am Wirken ist

Dafür braucht es neue Zugänge zur Bibel, neue Wege des Austauschs unter den Gemeindegliedern und neue Formen des persönlichen und gemeinsamen Lebens in der Nachfolge Jesu. Aber die gute Nachricht lautet:

A congregation can be transformed into a missional community. It doesn’t need to be stuck in a cycle of growth, plateau, and decline. There are ways to innovate a new missional identity that is more than just an old pattern dressed in new words, but it requires some awareness and understanding of what is happening in congregations. (S. 39)

Im weiteren Verlauf des Buches führen die Autoren aus, wie dies geschehen kann. Dabei gehen sie auf die unterschiedlichen immer wiederkehrenden Phasen im Leben einer Gemeinde ein, welche Herausforderungen diese jeweils mit sich bringen und wie dem begegnet werden kann. Sie präsentieren das »Missional Change Model«, welches bei der Navigation durch Veränderungsprozesse hindurch hilft, erläutern, welche spezifischen Anforderungen an Leitungspersonen gestellt werden und stellen einen Weg vor, wie Pastoren in ihrer Persönlichkeit und ihren Fähigkeiten sich ganz praktisch auf einen Wachstumsprozess einlassen können, der sie fit für die neuen Aufgaben macht.

Mehr werde ich nicht mehr schreiben, weil das einerseits Peter schon getan hat (hier gehts zu seinen Posts zum Buch: 1|2|3|4|5|6|7), und ich andererseits sowohl das Buch als auch das Wochenende mit Alan im März sehr empfehle. Ich hoffe, wir sehen uns.

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Heute im Briefkasten: Beziehungsweise Leben

25. September 2009

Schön ist es, wenn Vorfreude nicht von Enttäuschung, sondern von Freude abgelöst wird. Letztere Emotion stellte sich heute bei mir ein, als ich ein Päckchen aus dem Briefkasten nahm, es öffnete und darin die beiden Belegexemplare von Beziehungsweise Leben: Inspirationen zum Leben und Handeln im Einklang mit Gott und Menschen fand. Konzipiert und herausgegeben wurde dieses Buch von Daniel und Björn, erschienen ist es in der Emergent Edition, einer Kooperation des Verlages der Francke Buchhandlung und Emergent Deutschland.

Bzwleben

Schön ist es, einen Teil zu einem deutschsprachigen christlichen Buch beigetragen zu haben, das auch dem Auge schmeichelt. Verantwortlich zeichnet dafür wieder einmal Denis Holzmüller. Ob auch der Inhalt zusagt, mußt Du selbst beurteilen. Darum: Kaufen! Mehrfach kaufen und weiter verschenken. Solltest Du unentschlossen sein, findest Du hier mehr Informationen.

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The Blue Parakeet Teil 4 – Frauen im heutigen Gemeindedienst: Wie liest Du die Bibel? Eine Fallstudie

23. August 2009

[Dies ist der fünfte und letzte Post einer Serie zu Scot McKnight’s Buch The Blue Parakeet: Rethinking How You Read the Bible. Faszinierenderweise wurde dieser Post schon im Juni geschrieben, aber ich bin nicht zur Veröffentlichung gekommen – procrastination, that is… Ab sofort finden sich alle Posts der Serie auch direkt auf dieser Übersichtsseite.]
Blue Parakeet-4
Ein netter Titel zwar für einen Post, aber ich werde diesen Teil nicht im Detail ausführen – etwas muss ich ja noch übrig lassen, das Dich zum Kauf des Buches motiviert 😉
Scot schreibt:

Allmählich veränderte sich meine Haltung, was zum allergrößten Teil an meinem Studium des Neuen Testamentes lag und an der Erkenntnis, dass das ganze Neue Testament der jüdischen und griechisch-römischen Kultur des ersten Jahrhunderts entstammt und von dieser Herkunft geprägt wurde – auch in dem, was es über Frauen sagt. (149)
Wir müssen etwas aussprechen, was nicht oft von Bibel lesenden und Gott lieben Christen zugegeben wird: He who writes the story controls the glory. (156)
Wollen wir die damalige kulturelle Welt und ihre Ausdrucksformen zurückholen, oder wollen wir dasselbe Evangelium zu einer anderen Zeit auf ein andere Art ausleben? (159)

Scot geht darauf ein, was Frauen im Alten und Neuen Testament getan haben und setzt sich intensiv mit den bekannten Texten aus dem 1.Korinther- und dem 2.Timotheusbrief auseinander. Ausgehend von der Prämisse, dass die Bibel immer im jeweiligen kulturellen Kontext gelesen, verstanden und ausgedrückt wird und das auch so sein soll – zu welchem Ergebnis kommt er wohl?
Auf den letzten Seiten fasst Scot nochmals seine Anleitung zum Lesen und Verstehen der Bibel zusammen (das schreit danach, kopiert und in der Gemeinde ausgelegt zu werden) und endet dann mit den Worten:

Wir können keine Sicherheit darin finden, einfach nur zurück zu gehen und in der Vergangenheit zu bleiben. Wir können nicht annehmen, dass unsere Aufgabe erledigt ist, wenn wir erst einmal herausgefunden haben, was Paulus oder Petrus meinten, wenn sie das Evangelium in ihrer Welt verkündigten. Statt dessen wird uns in der Bibel ein Verstehensmuster an die Hand gegeben – ein Muster, das direkt aus der dort erzählten Geschichte fließt und uns dazu bringt, auf das zu hören, was Gott in jener Welt gesagt hat, so dass wir verstehen können, was Gott uns durch unsere Welt sagt. So können wir erkennen, was Gott möchte, dass wir unserer Welt über diese Geschichte sagen – in der Art und Weise, wie es für unsere Welt verständlich ist.
Wenn wir die Bibel als die Geschichte Gottes lesen, dann schenkt sie uns die Zuversicht, in der Kraft des Heiligen Geistes mit der guten Nachricht von Jesus Christus der Zukunft entgegen zu treten. Gottes Geist, so erzählt uns die Geschichte, ist mit uns, um uns zu leiten und uns Erkenntnisvermögen zu schenken.
Die Geschichte der Bibel ist nicht nur die Geschichte unserer Vergangenheit; sie ist die Geschichte unserer Zukunft. (S. 212)

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