Der Sämann

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Archiv für die 'Bedenkenswert' Kategorie

Mehr Arbeiten ist nicht die Lösung

20. Januar 2009

Wenn Sie es schaffen, 30 Prozent mehr zu arbeiten, wird Ihnen Ihre Umwelt 80 Prozent mehr Arbeit übertragen.
Dieses Rennen können Sie nicht gewinnen.

Eben gehört in einem Podcast auf einer Promo-CD der Wirtschaftswoche.

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Die größte Versuchung

8. November 2008

Living in the Red Light District in Amsterdam, the greatest temptation was not sex.
Living in Afghanistan, the greatest temptation wasn’t fear.
The greatest temptation is hardness.

Floyd McClung auf der novavox-Konferenz in Wuppertal

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Offener Brief an Rudolf Ebertshäuser

29. Mai 2008

Lieber Herr Ebertshäuser,

es ist lieb von ihnen, dass Sie wieder einmal den Wachhund spielen. Was wäre die Gemeinde in Deutschland ohne solch gewissenhafte »Wächter auf der Mauer« wie Sie?
Messerscharf analysieren Sie seit Jahren sogenannte Irrlehren und prangern alles an, was nicht ihrer eigenen Rechts-Außen-Fundamentalismus-Sichtweise entspricht. Woher dieses Sendungsbewußtsein? Wer gibt Ihnen das Recht, in der Öffentlichkeit des Internets ein Pamphlet zu verbreiten, das von willkürlich aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelstellen nur so strotzt und zu folgendem Fazit kommt:

Ich kann nur vor der Bewegung der „Emerging Church“ warnen. Sie kommt nicht aus dem Geist Gottes,
sondern aus den verführerischen Geistesmächten, die in der Endzeit immer offener eine falsche Chri-
stenheit aufbauen, die die Bibel und den wahren Herrn Jesus Christus verlassen hat und auf einem ver-
schlungenen Weg zu der Endzeit-Welteinheitsreligion ist. Dort wo die Bibel als absolute Wahrheit und
verbindliche Grundlage für Denken und Leben verlassen wird, da gibt es keinen festen Halt mehr, und
der Strom des gegenwärtigen Zeitlaufs trägt die irregeführten „modernen“ und „postmodernen“ Christen
immer weiter in den Abgrund der Hure Babylon, deren Ende das Gericht und der Feuersee ist.

Gut, daß Sie es erkannt haben! Eigentlich heißt es ja, die Liebe »erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles«. Aber Sie haben recht – was zuviel ist, ist zuviel! Also werfen Sie nicht nur mich, sondern auch einige andere meiner persönlichen Freunde, Bekannten und Vertreter der deutschsprachigen Bloggerszene (u.a. Peter Aschoff, Mike Bischoff, Daniel Ehniß, Martin Dreyer, Tobias Faix, Tobias Künkler, Mark Reichmann, Reinhold Scharnowski, Storch, die Werkstatt für Gemeindeaufbau, die Autoren des ZeitGeist-Buches und Emergent Deutschland sowieso) in einen Topf und gießen alles über uns aus, was Ihre Tastatur so her gibt. Warum sollten Sie auch das persönliche Gespräch mit uns suchen? Hätte Jesus sicher auch nicht so gemacht, oder? Einfach mal aus der Ferne mit Schrot geschossen. Ich weiß nicht, was mich am meisten an ihrem Schriftstück aufregt – ist es der arrogante Ich-weiß-alles-am-Besten-Tonfall? Der fragwürdige Umgang mit der Heiligen Schrift? Die Vor-Urteile, die vorausgesetzt werden? Die Tatsache, daß Sie die Micha-Initiative als »völlig verkehrt« und Karl Barth, Jürgen Moltmann und N.T. Wright als »Irrlehrer« bezeichnen? Nicht nur, daß sie den schriftgemäßen Umgang mit etwas, das Sie aus Ihrer Sicht als bedrohlich empfinden, verlassen – nein, was Sie betreiben ist Rufmord. Ist das, was Sie antreibt, wirklich die Liebe Christi? Oder zeigt sich hier wieder die häßliche Fratze jenes Geistes, der Paulus dazu antrieb, die Nachfolger Jesu zu verfolgen und der auch in der mittelalterlichen Inquisition sein Unwesen trieb? Sie machen mich traurig, Herr Ebertshäuser. Wie können Sie im Umgang mit Brüdern und Schwestern in Christus ein solches Verhalten an den Tag legen? Erinnern Sie sich an den Aufruf unseres Herrn: »Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet« und tun Sie Buße!
Ich lade Sie ein, mit mir und evtl. einigen emergenten Freunden bei Kaffee und Kuchen das Gespräch zu suchen. Dialog statt engstirnigem Fanatismus scheint mir der bessere Weg zu sein. Vielleicht würden Sie dann erfahren, daß auch wir nicht alles blind unterschreiben, was die Autoren, die wir zitieren, so von sich geben. Aber wir trauen es dem mündigen Nachfolger Christi zu, selbst zu prüfen und das Gute zu behalten.

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Aufgeschnappt und festgehalten: Vom Wachsen und Schrumpfen der Liebe

4. Mai 2008

Liebe ist etwas, das beim Gehen wächst und beim drüber Nachdenken immer schrumpft.

Sam Zimmer im Gespräch mit einem Bekannten.

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[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« VIII – Nachtrag II – Splitter

30. Dezember 2007

Bei der Durchsicht meiner handschriftlichen Notizen habe ich noch einige Splitter vom Symposium in Greifswald gefunden, die es wert sind, festgehalten zu werden, während der Rest im Papierkorb gelandet ist.

  • Bei Umfragen nach der Gottesdienstteilnahme geben deutlich mehr Befragte an, zur Kirche zu gehen, als tatsächliche Erhebungen belegen. Karl Gabriel meint dazu: »Man möchte in die Kirche gegangen sein.«
  • Nach dem Eindringen wissenschaftlicher Ansprüche in die Bibelexegese bildete sich ein »moderner Fundamentalismus« (Karl Gabriel)
  • »God rules in mysterious ways« (Lamin Sanneh)
  • Theologische Wahrheit ist nicht gleich gesellschaftliche oder politische Wahrheit (Andreas Feldtkeller)
  • Wir brauchen eine Kirche des Weges, die aufbricht aus sicheren, modernen Formaten und offen ist für alle, die mühselig und beladen sind – nicht nur sozial Schwache, sondern auch unter Angst, Einsamkeit und Arbeitslosigkeit leiden. Damit wird die Diakonie vom beliebigen Standbein zum entscheidenden Spielbein. Es braucht Modelle unverbindlicher Mitarbeit und Angebote gestufter Mitgliedschaft. (Heinz-Peter Hempelmann)
  • »We must speak at the edge of blasphemy to reach into the thinking of so many men and women.« (John G. Finney)
  • »Structure matters: the medium is the message.« (Linda Woodhead)

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Emergent Deutschland – Offene Fragen

12. Dezember 2007

Anfang des Jahres haben wir uns als Koordinationsteam zum ersten Mal getroffen. Ein durchaus bunter Haufen. Mittlerweile rückt das Jahresende näher. Studientage und Forum sind vorbei. Emergent Deutschland ist gestartet. Einige Fragen sind beantwortet. Zum Beispiel die Frage, ob sich das Koordinationsteam als Leiter von Emergent Deutschland sieht. Nein, tun wir nicht. Eher als Moderatoren der Konversation und Ermöglicher der Infrastruktur. Oder die Frage nach der Resonanz. Die war gut, sehr gut sogar. Gut besuchte Studientage und ein Forum mit vielen wunderbaren Menschen, die Emergent Deutschland verkörpern und ein Gesicht geben. Einige interessante Initiativen sind entstanden. Ich freue mich noch immer.

Einige Fragen (nicht an das Koordinationsteam, sondern an alle, die sich mit Emergent Deutschland identifizieren) sind offen. Für mich z.B. folgende:

  • Werden wir es schaffen, einen sicheren Raum zu schaffen (»to save safe space«), in dem die Konversation stattfinden kann?
  • Wird sich das emergente Virus ausbreiten und an vielen Orten viele neue Initiativen hervorbringen?
  • Werden es Außenstehende und Kritiker verstehen, daß diese Konversation bzw. Bewegung keine zentrale Leitung besitzt, die für alle sprechen kann?
  • Wie werden wir mit Kritik umgehen? Demütig genug, um das berechtigte Anliegen herauszuhören, aber auch selbstbewußt genug, um Falsches zurückzuweisen?
  • Werden wir Arroganz, Elite-Denken und Besserwisserei ablegen können?
  • Wird es uns gelingen, die Puriformität und Breite der Bewegung nicht nur beizubehalten, sondern auszuweiten?
  • Werden wir es schaffen, unsere hochtrabenden Gedankengänge praxisrelevant zu machen?
  • Werden wir irgendwann auch über Gemeindemodelle, -formen und -strukturen reden?
  • Werden wir den Herrschaftsanspruch Jesu im Blick behalten?
  • Werden wir uns mit der evangelikalen Vergangenheit, welche die meisten von uns teilen, aussöhnen können?
  • Werden wir es im Blick behalten können, daß es nicht um Emergent Deutschland oder unser cooles Ding geht, sondern um das Reich Gottes, das nicht mit Emergent Deutschland gleichzusetzen ist?
  • Werden wir freundliche Kritiker haben, die uns auf unsere blinden Flecken hinweisen?
  • Werden wir es schaffen, andere in ihrem Denken und Paradigma stehen zu lassen?
  • Wird es uns gelingen, daß auch Frauen nicht nur eine Vielzahl von Stimmen bekommen, sondern den Austausch prägend mitbestimmen?
  • Werden wir eigene Grabenkämpfe vermeiden können?

Das sind einige der Fragen, die mich im Moment bewegen und die ich auch mir selbst stelle. Was sind Deine Fragen?

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Free Burma

4. Oktober 2007

Free Burma 06
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Frage und Antwort

5. September 2007

Fragen waren das Thema einiger der letzten Posts bzw. Diskussionen auf diesem Blog – darunter die Frage nach der Gegenwart bzw. Abwesenheit Gottes am Beispiel Mutter Teresas oder die Frage nach dem rechten Verständnis der Anfangskapitel der Bibel. Manchmal frage ich mich, ob wir nicht den tendenziell unwichtigeren Fragen zu viel Raum geben, weil wir uns versichern möchten, daß wir die richtigen Antworten bereits besitzen. Darum scheint es dabei am Ende des Tages gar nicht um die Frage, sondern um die bereits sichere Antwort zu gehen. Andere wiederum gehen davon aus, daß die Antwort im Fragen an sich liegt – es geht nur darum, alles in Frage zu stellen, weil das eben so sein muß, weil eben nichts sicher ist. Darum ist das einzige Gewisse der Zweifel. Und somit beißt sich das Kätzchen in’s Schwänzchen. Wer nur Fragen hat, hat schon auf seine Weise seine einfache Antwort gefunden. Und ob die Antwort in der propositionalen Aussage liegt oder aber in der pauschal dekonstruierenden Frage – beide Seiten machen, so zumindest mein Eindruck, die Antwort zu einfach. In den letzten Tagen bin ich auf einige Zeilen von Thomas Merton gestoßen, die es wert sind, nach-gedacht zu werden, scheint Merton doch zur Überzeugung gelangt zu sein, daß es um die entscheidenden Fragen geht. Um die nämlich, die es wert sind, verfolgt zu werden, umarmt zu werden, in mein Leben aufgenommen zu werden. Und das nicht, weil sie keine Antwort haben, sondern weil das Suchen, Fragen und Forschen nach Antworten, der bloße Umgang mit der Frage also, unser Leben transformiert.

Am Anfang, als ich Mönch wurde, ja, da war ich mir sicherer, über ‘Antworten’ zu verfügen. Aber je älter ich im Mönchsleben werde und je tiefer ich in die Einsamkeit eindringe, desto deutlicher werde ich mir dessen bewußt, daß ich erst damit angefangen habe, die Fragen zu suchen. (Thomas Merton, Ein Tor zum Himmel ist überall, S. 119)

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Woran Du einen Überwinder erkennst – Gedanken über Jakob in Pniel und die Glaubensbewegung

17. Juli 2007

Im Rahmen meiner entspannten Klausur- und inneren Einkehrwoche lese ich gerade alte Tagebucheinträge. Dazu gehören Gedanken zu Bibeltexten aus der Zeit, da ich sie noch nicht als Wegmarken bloggte. Möglicherweise wird sich noch mehr davon hier einfinden. Nachfolgender Text datiert vom 05.02.2006 und entstammet meinem Nachdenken über Genesis 32, Jakob in Pniel am Jabbok.

Morgens schon hatte Jakob die Engel gesehen und am Abend hatte er die intensivste Gottesbegegnung, die je ein Mensch hatte: Stundenlanger Ringkampf. Nun hat Jakob einen neuen Namen, eine neue Identität; er besitzt den Segen Gottes und ist äußerlich gezeichnet. Überwinder reiten nicht auf hohem Roß, nein, sie hinken und werden im Triumphzug Christi mitgeführt. [Vieles ließe sich über absonderliche Deutungen des "Triumphzugs Christi" schreiben, von dem Paulus in 2Kor 2,14 spricht.] Überwinder sind nicht strahlende Sieger, sondern hinkende Überwundene. Und darin sind sie gesegnete Gottesstreiter, in deren Schwachheit die Kraft Gottes im Überschwang zur Wirkung kommt. Sie tragen das Mal Gottes auf ihrem Leben, sie sind gezeichnet von der Hand Gottes. Sie sind gestorben und Christus lebt in ihnen. So war es bei Jakob. Ganz auf sich allein gestellt, frei von allem Eigentum und jedweder Ablenkung wirft er den ganzen Mann in die Waagschale und empfängt das Siegel Gottes. Ähnlich war es bei Abraham auf dem Berg Morija. Schadrach, Meschach und Abed-Nego vor dem goldenen Standbild. Jona an Bord des Schiffes im Sturm. Nicht alle haben ein Pniel. Aber jeder wird immer wieder in Situationen geführt, in denen er geprüft wird, in denen sein Schicksal sich wenden kann: David unter der Anklage Nathans, Joseph vor Potifars Frau, Daniel nach dem Gesetzeserlaß usw. (…) Oft zeigt sich erst hinterher, welche Bedeutung in einer solchen Situation lag. (…) Die Tiefe des Geheimnisses des Lebens in Gemeinschaft mit Gott wird uns nicht spontan zuteil. Das Leben des Jüngers ist ein beständiges Wachsen, Reifen und Geformt-werden. Lebenslange 24/7-Transformation. Vgl. Bonhoeffers Gedicht “Stationen auf dem Wege zur Freiheit”. Es gibt Schlüsselerlebnisse wie Pniel. Beschnitten und gezeichnet werden vor dem Angesicht Gottes. Aber: Diese Formung ist ein Prozeß. Die Hand Gottes spüren und unter ihr vorwärts gehen. Nicht “bekennen, glauben und haben”, sondern in Lebens-Gemeinschaft mit Gott verwandelt werden, immer wieder neues Sterben und Auferstehen, dem eigenen Leben absagen, die Sorgen auf Gott werfen, das Kreuz Jesu auf sich nehmen, sich unter sein sanftes Joch beugen, die Hand Gottes ergreifen und sagen: “Dein Wille geschehe”. Den Kelch trinken und das Leben feiern. In Schwachheit Gott zum Wirken kommen lassen. So zu Salz und Licht werden. Und in der Rückschau mit Kevin Prosch sagen: “I am not prepared for so much grace to fall on me”. Keine Instant-Verwandlung oder -Heiligung, sondern beständiges Vorwärts-Schreiten an der Hand Gottes, sitzend auf seinem Schoß im Aufschauen auf Christus erfüllt sein von Gottes Liebe und seiner Mission, die unser Leben bestimmt und zu unserem Dienst und Auftrag wird: “Alles geben für das Königreich Gottes” –> d.h. Gott und Menschen tatkräftig lieben.

Interessant, diesen Text nach über einem Jahr zu lesen, irgendwo in den Tiefen meines Tagebuchs. Vor kurzem hatte ich mich mit zwei Mitstreitern über gewisse von uns als extrem empfundene Ausformungen der Glaubensbewegung unterhalten. Obige Gedanken treffen ziemlich genau das, was mir an diesem Teil des Leibes Christi immer suspekt war: Von einem sonderbaren Wort-Gottes-Verständnis geprägt, steigern sich manche Geschwister in einen anderen Bewußtseinszustand hinein, indem sie willkürlich ausgewählte, oft auch noch aus dem Kontext gerissene Schriftstellen mantra-mäßig vor sich her sagen. Gerne wird dafür z.B. “Ich vermag alles durch Gott, der mich mächtig macht” verwendet – dieser Vers sagt nicht, daß Du plötzlich zu Superman geworden bist, sondern daß Gott Paulus die Ausdauer und Festigkeit schenkte, um auch extreme Belastungen durchzustehen. Von einer Siegestheologie ist Philipper 4 außerordentlich weit entfernt. Leben-mit-Gott ist ein Beziehungsgeschehen, in welchem der Heilige Geist unser Inneres transformiert und dem Willen, den Gedanken, Träumen und der Weisung Gottes konform gestaltet. Es ist ein Teil dieser Beziehung, über das Wort Gottes nachzusinnen. Aber lectio divina und positives Denken ist nicht dasselbe. Wenn in der Meditation über eine Schriftstelle das Wort Gottes in meinem Herzen, dem inneren Kern meiner Person, explodiert, so daß Wärme und Licht ausströmt, dann wird die Wahrheit dieser Schriftstelle zu einem Teil meiner Person, ich muß sie mir nicht mehr solange einreden, bis ich sie endlich glaube. Leben-mit-Gott ist ein Beziehungsgeschehen. Dazu gehören immer wieder auch solche Pniel-Erlebnisse, von denen der obige Text spricht, den wiedergefunden zu haben ich mich freue…

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“Missional” und “missionarisch” – was ist der Unterschied?

11. Juli 2007

In einem Kommentar zu einem älteren Post von mir fragt Schrotty (der auf seinem Blog über missionarische Jugendarbeit nachdenkt), was aus meiner Sicht “missional” und “missionarisch” unterscheidet. Ich habe im Kommentarformular zu antworten begonnen, dann aber festgestellt, daß es dieser Kommentar verdient hätte, ein eigener Post zu sein. Darum nachfolgend meine spontanen, unreflektierten und sehr komprimierten Gedanken zum Thema.

Meinem persönlichen Empfinden nach ist “missionarisch” in mancher Hinsicht schon sehr gelabelt. Einerseits vom akttraktionellen Gemeindemodell: Missionarisch bedeutet “hinaus in die Welt gehen” und “die Leute in die Kirche holen” – Netz auswerfen, Menschen fangen, Übergabegebet sprechen lassen etc. Zweitens wird missionarisch dem Missionar zugeordnet. Und der ist für viele immer noch einer, der zu den Menschen in Afrika geht und ihnen von Jesus erzählt.

Missional hingegen verstehe ich ganzheitlicher. Gott hat den Menschen zur Harmonie mit Gott, sich selbst, dem Mitmenschen und der Welt geschaffen – Schalom eben. Nach dem Sündenfall ist in allen vier Richtungen etwas zerrissen, was sich seitdem multipliziert hat, so daß der Mensch in Disharmonie mit seinem Schöpfer und dessen Schöpfung lebt – das bezieht die eigene Person, die Nächsten und die Umwelt mit ein. Die Schaffung von umfassendem, ganzheitlichem Schalom ist daher meiner Ansicht nach der Kern der Missio Dei. Jesus hat in seinem Leben dies in mannigfaltigen Facetten demonstriert, durch seinen Tod die Kluft zwischen Gott und Menschen geschlossen und die widergöttlichen Mächte ihrer Gewalt entkleidet. Seitdem ist ein entscheidender Unterschied möglich: Im Nachfolger Jesu lebt der Heilige Geist, der uns im Inneren transformiert, den Willen Gottes in unser Herz schreibt, die Frucht des Geistes hervorbringt und in zunehmendem Maße die Harmonie mit Gott, mir selbst, meinen Nächsten und der Schöpfung möglich macht. Die Gemeinschaft der Jesus Nachfolgenden trägt dies hinaus in die Welt – das ist unsere Sendung.

Damit schließt “missional” für mich den Kern des oben leicht polemisch skizzierten Verständnisses von “missionarisch” ein, geht aber weit darüber hinaus. Nicht nur Buße und Bekehrung, sondern darüber hinaus auch Nachfolge, Jüngerschaft, Reich Gottes, soziale Gerechtigkeit, positiv verstandene Gesellschaftstransformation, Verantwortung gegenüber der Tier- und Pflanzenwelt usw. Dazu sind wir gesandt. Das will ich (zu) leben (versuchen). Und damit wird “missional” mehr als eine Strategie, mehr als ein Eigenschaftswort. Missional heißt für mich, dem “von Gott Gesandt-Sein” in allen Belangen Rechnung zu tragen, in jeder Hinsicht nach dem zu streben, was auf dem Herzen Gottes ist. So zu leben, wie Jesus leben würde, wenn er mein Leben leben würde. Somit wird missional zum Lebensstil, zum Mindset.

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Verzweiflung

17. Januar 2007

Im Moment komme ich seit ein paar Tagen nicht dazu, ausreichend Zeit in den Blog zu investieren. Darum würde ich mir wünschen, daß der nächste Input von Dir kommt, und zwar als Reaktion auf einige Fragen, die Judith als Kommentar zu Foster’s Gebet der Verlassenen gestellt hat:

Was mach ich, wenn sogar Vertrauen mir vorkommt wie zuviel verlangt? Wenn ich die Gewissheit verliere, dass Gott wirklich gut ist? Oder dass er überhaupt existiert? Wenn ich am Liebsten meinen ganzen Glauben wegschmeißen würde, weil ich keinen Sinn mehr drin sehe? (Vielleicht ändern sich auch die Zeiten, aber die Fragen bleiben.) Ich hoffe, du kannst mir da halbwegs eine Antwort drauf geben…

Was meinst Du, lieber Leser, liebe Leserin? Hat dieser Kommentar eine Antwort verdient? Kann man überhaupt antworten, oder sind Worte manchmal nur leer und hohl? Hast Du eine Antwort, einen Rat, den Du mit uns teilen willst?

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Friend of Missional – Kennzeichen einer missionalen Gemeinde III

11. Oktober 2006

Einer missionalen Gemeinde kommt es nicht nur darauf an,

  • … wie viele Menschen in den Gottesdienst kommen, sondern wie vielen Menschen die Gemeinde dient
  • … wie viele Menschen ihrem Dienst beitreten, sondern wie viele Menschen zum Dienst befähigt wurden
  • … wie viele Menschen in der Gemeinde dienen, sondern wie viele Menschen außerhalb der Gemeinde dienen
  • … ihre Glieder heil zu machen, sondern sie zu befähigen, ihrer Umgebung Heilung zu bringen
  • … wie viele Dienst sie beginnt, sondern wie viele Dienst sie unterstützt
  • … wie viele Ungläubige zur Glaubensgemeinschaft stoßen, sondern wie viele “Gläubige” gesunde Gemeinschaft erfahren
  • … die Verletzung der Vergangenheit aufzuarbeiten, sondern gemeinsam mit dem Heiligen Geist danach zu streben, ganz zu werden
  • … mit der Kultur in Verbindung zu treten, sondern sich mit der Kultur auseinanderzusetzen und sich in ihr zu engagieren
  • … einzelnen Menschen Frieden zu bringen, sondern der Welt
  • … in ihrem Auftrag effektiv zu sein, sondern Gott gegenüber treu
  • … Einheit in der Ortsgemeinde anzustreben, sondern Einheit der Christen am Ort und in der Welt
  • … den biblischen Text in allen Details auszulegen, sondern treu in der Geschichte Gottes zu leben
  • … sich um das Wohlergehen der eigenen Nation zu sorgen, sondern das anderer Länder
  • … wie viele Menschen sie in’s Reich Gottes bringt, sondern wie viel vom Reich Gottes sie auf die Erde bringt

Quelle: Friend of Missional (Übersetzung: DoSi)

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Friend of Missional – Kennzeichen einer missionalen Gemeinde II

11. Oktober 2006

Was eine missionale Gemeinde nicht ist:

  • ein Angebot für geistliche Güter, bei dem sich jeder bedienen kann
  • ein Ort, an dem reife Christen gefüttert werden und ihre Bedürfnisse gestillt bekommen
  • ein Ort, an dem “Hauptamtliche” angestellt werden, um die Arbeit der Gemeinde zu erledigen
  • ein Ort, an dem “Hauptamtliche” Kinder und Jugendliche unterrichten, um die Eltern aus der Verantwortung zu nehmen
  • eine Gemeinde mit einem Programm (oder einer Abteilung) für “Mission” – die Menschen sind das Programm für die Mission; sie gehen nach “Jerusalem, Judäa, Samaria und bis an die Enden der Erde”
  • eine neue Strategie zur Evangelisation
  • missional, weil das eben zeitgemäß, hip, postmodern, sucherorientiert, traditionell oder sonstwas ist
  • fokussiert auf Programme und Organisationen, die Gottes Mission erfüllen sollen. Das bedeutet nicht dass es keine Programme oder Organisationen geben muß, aber sie treiben die Mission nicht an, sondern dienen den Menschen, die gesandt sind.
  • auf eine politische Partei hin orientiert

Quelle: Friend of Missional (Übersetzung: DoSi)

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Friend Of Missional – Kennzeichen einer missionalen Gemeinde

9. Oktober 2006

Was macht eine missionale Gemeinde aus?

  • Menschen erkennen und erfahren auf’s Neue ihre Identität und Berufung darin, Gesandte Jesu zu sein
  • Ihre Glieder wollen in ihrem spezifischen Umfeld kulturübergreifend als Volk Gottes leben
  • Kulturelles Engagement, ohne von der Kultur aufgesogen zu werden
  • Aufgrund der Einsicht, dass Gott überall gegenwärtig ist, besteht keine Notwendigkeit, Menschen aus ihrer Kultur heraus an einen “heiligen Ort” zu bringen
  • Die Absicht, alle Arten von missionalen Gemeinschaften zu gründen
  • Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat
  • Alle Aktivitäten und Vorgehensweisen werden an der missio Dei, der Mission/Sendung Gottes ausgerichtet
  • Das Wohl des Nächsten steht über dem eigenen
  • Integrität, Charakter, Moral, Leidenschaft, Liebe und das Leben aus der Auferstehungshoffnung heraus haben einen höheren Stellenwert als das wohlformulierte mündliche Glaubensbekenntnis
  • In Gastfreundschaft werden Fremde in die Gemeinschaft aufgenommen
  • Eine missionale Gemeinde versteht sich als familiäre Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Mission
  • Der Wunsch, Jesus zu repräsentieren und seinem Namen Ehre zu bringen
  • Eine in allen Belangen absolute Abhängigkeit von Gott, die in’s Gebet führt
  • Ein orthodoxes Verständnis von Evangelium und Heiliger Schrift bei gleichzeitiger kultureller Relevanz in Handeln und Methodik
  • Der Umgang mit der Bibel ist Teil des Alltagslebens
  • Alle Glieder befinden sich auf dem Weg der Nachfolge Jesu und wachsen in sein Bild
  • Menschen werden dabei unterstützt, ihre von Gott geschenkten Gaben und Fähigkeiten zu entdecken, zu entwickeln und zu gebrauchen
  • Eine heilende Gemeinschaft, in der die Lasten des Nächsten getragen werden

Quelle: Friend of Missional (Auswahl und Übersetzung: DoSi)

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[Bedenkenswert] Friend Of Missional – Einführung – missio Dei

7. Oktober 2006

Vielleicht hast Du am Ende meiner Sidebar den Button “Friend Of Missional” entdeckt. Ich habe ihn aufgenommen, weil ich das Gedankengut derer, die hinter dieser Initiative stehen, teile. In den nächsten Tagen möchte ich Dich damit vertraut machen und Auszüge aus der FoM-Homepage übersetzen und hier posten. “Friend Of Missional” fasst einiges zusammen, was mir und einigen anderen wichtig geworden ist, wenn wir darüber nachgedacht haben, was Gemeinde oder Kirche ist, bzw. was dabei herauskommt (oder herauskommen sollte), wenn sich Menschen zusammenschließen, die das Leben-mit-Gott auf die Art Jesu nach der Bibel leben.

Friend Of Missional wurde von Rick Meigs initiiert, er bloggt als Blind Beggar (der blinde Bettler) und nennt sich auf seinem Blog selbst Bartimaeus.

Was bedeutet eigentlich “missional”? Darüber haben sich schon klügere Leute als ich den Kopf zerbrochen, darum will ich keine deutsche Übersetzung versuchen, sondern dafür plädieren, den Begriff einzudeutschen. Die beste Umschreibung wäre vielleicht “auf die Sendung bezogen”, vielleicht auch “sendungsbewußt”. Natürlich handelt es sich hierbei um keine TV- oder Radiosendung, sondern um die Sendung Gottes. In der Theologie lautet der Fachbegriff “missio Dei” – Gott hat also eine Mission. Gott hat ein Projekt laufen mit der Welt und den Menschen. Eine Welt, die durch den Fall Adams und den Einbruch Satans nicht mehr das ist, was sie mal war. Die Folgen kannst Du in 1.Mose 3 nachlesen. Dieser Zustand ist nicht akzeptabel und Gottes Wille ist die volle Wiederherstellung der Menschen zum erfüllten Leben-in-Gemeinschaft miteinander und mit Gott. Scot McKnight, dessen Blog ich sehr schätze, spricht von der “restoration of cracked eikons to communion”. Und weil diese Wiederherstellung nicht nur Gottes Wille, sondern auch sein Projekt, seine “Mission” ist, lassen sich die Spuren dieser Mission in der ganzen Bibel verfolgen. Israel als Modell der Gemeinschaft eines Volkes mit Gott ist nur ein Hinweis darauf. Die Mission Gottes ist die Mission Jesu – erinnere Dich daran, wie oft er davon gesprochen hat, warum und wozu er gekommen ist. Das geht von “die Werke des Teufels zu zerstören” über “zu suchen und selig zu machen, was verloren ist” bis zu “dass sie das Leben und volle Genüge haben sollen”. Nun da Jesus in den Himmel aufgefahren ist, stellt die Kirche/Gemeinde/Gesamtheit der Nachfolger Jesu/… seinen Leib auf der Erde da. Und darum ist seine Mission auch unsere Mission, seine Sendung auch unsere Sendung – missio Dei = missio ecclesiae. Natürlich ist die Gemeinde nur ein Teil des Projektes Gottes, aber zugegebenermaßen derjenige mit dem wir am meisten zu tun haben sollten. Denn wir sind gesandt: Jesus sagte in Joh 20 zu seinen Jüngern: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch. Wozu gesandt: Alle Nationen zu Nachfolgern Jesu zu machen, die alles halten, was er befohlen hat. Die der Welt dienen. Die als Gesandte die Mission Jesu weiter tragen. Mehrere Nachfolger Jesu an einem Ort sind “Gemeinde”. “Missional church” werde ich demzufolge als “missionale Gemeinde” übersetzen, weil mir die Formulierung “Gemeinde, die die Sendung Gottes ernst nimmt, zu ihrer Mission macht und im Bewußtsein dieser Sendung als Gesandte lebt” dann doch zu umständlich ist. Wenn ich aber von einer “missionalen Gemeinde” sprechen werde, dann ist genau das gemeint.

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[Bedenkenswert] Leben-mit-Gott ist wie HeiligAbend

22. September 2006

Bin während eines Gesprächs mit Lea bei Live2Gether (auch schon ne Weile her…) zu folgenden Gedanken inspiriert worden, die ich Dir nicht vorenthalten will.

Einige Menschen in meinem Umfeld durchleben in ihrer Beziehung zu Gott gerade eine Wüstenphase – Gott ist nicht mehr so zu spüren wie ehedem, der Alltag ist grau geworden, das Feuer ist weg. Da Krisen immer Chancen sind, will ich mit ihnen vom Übergang in eine neue Phase träumen. Und dabei das Leben-mit-Gott mit Weihnachten, speziell Heiligabend vergleichen.

Denke ich an meine Teenie-Zeit, dann war meine Gottesbeziehung stark erlebnisfixiert, “Gott spüren” im Lobpreis, “Gott hören” während der “Stillen Zeit”, ja vor allem “Zeit mit Gott verbringen” – darauf kam es mir an, das war wichtig. Natürlich war Gott ja immer irgendwie “da”, irgendwie gegenwärtig, aber wenn ich “Zeit mit ihm verbrachte”, dann schien er irgendwie mehr “da”. Und der Gipfel waren Erlebnisse während Anbetungszeiten - Gottes Gegenwart körperlich spüren, das war während der Zeit des Toronto-Segens das Wichtigste für mich, die Bonbons, der Killer.

Nun drängt sich mir der Vergleich mit Heiligabend auf: Als Kind waren nur die Geschenke wichtig, der Rest war Nebensache. Ganz wichtig: Endlich auspacken! Und sich freuen! Familie, Essen, Lieder – naja, das gehörte eben dazu. Heute bietet sich ein anderes Bild. Heiligabend ist ein ganzes Erlebnis für mich geworden. Anlegen der “Festtagskleidung”, knirschender Schnee unter den Schuhen auf dem Weg zur Kirche, Lieder wie “Fröhlich soll mein Herze springen”, “Ich steh an Deiner Krippen hier” oder “Tochter Zion”, das Hören auf die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2, meditatives Staunen über Gott als Kind in der Krippe, gemeinsames Singen von “Oh Du fröhliche” bei gelöschtem Licht, leuchtendem Christbaum, Pauken und Trompeten, gegenseitige Segenswünsche nach dem Gottesdienst, Essen im Familienkreis, Entzünden der Kerzen am Christbaum, Singen, nächtlicher Spaziergang zum CVJM-Heim, Glühweintrinken mit der Schoßhocker-Crew – das ist Heiligabend für mich geworden. Und die Geschenke? Keine Ahnung, die werden meist erst am 2. Weihnachtstag geöffnet. Sie sind nebensächlich geworden. Der ganze Abend ist ein einziges, ganzes, rundes Erlebnis, alles ist Heiligabend.

So ist das Leben-mit-Gott. Plötzlich ist es ein einziges, ganzes, rundes Erlebnis geworden. Ist das ganze Leben von Gott durchweht, – ob jobben im Büro, DVD sehen, Bibel lesen, feiern, leiden, bewußtes Beten etc. – es ist Gottes sanfte Gegenwart, die alles erfüllt, die in allem steckt, die ihn überall finden läßt. Und die Erlebnisse, die Berührungen? Sie sind nebensächlich geworden, aber immer noch hochwillkommen.

Der Übergang von der Erlebnisphase zur Gottes-Gegenwart-überall-wahrnehm-Phase war nicht einfach. Hat sich aber gelohnt.

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[Bedenkenswert] Was tun, wenn’s brennt?

30. Mai 2006

Hab letzte Nacht mit “Was tun, wenn’s brennt?” einen meiner liebsten deutschen Filme gesehen. Hat mich mal wieder in’s Nachdenken gebracht: Der Film porträtiert eine Gruppe Punks, welche Ende der 80er Jahre in einem besetzten Haus in Berlin leben, sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern und eine selbstgebastelte Bombe, welche allerdings nicht explodiert, in einer Nobelvilla deponieren. Im Jahr 2000 geht die Bombe aufgrund unglücklicher Umstände hoch, die Polizei beginnt zu ermitteln. Davon aufgeschreckt treten die Punks wieder auf den Plan, treffen sich nach elf Jahren zum ersten Mal wieder. Tim und Hotte leben immer noch im besetzten Haus, Maik hat ein StartUp-Unternehmen am Neuen Markt, Terror ist Anwalt geworden, Flo Maklerin und Nele alleinerziehende Mutter. Welten prallen aufeinander. Tim wirft den anderen vor, ihre Werte verraten zu haben, sie sehen in ihm einen in der Vergangenheit lebenden Träumer. Nette Komödie, angenehm gezeichnete Charaktere mit Ecken und Kanten, gute Gags, interessante Konflikte, Action, Romantik, Tränen – alles, was das Herz begehrt.
Am Ende frage ich mich: Lebst Du Deine Träume? Hast Du sie begraben und schiebst Dienst nach Vorschrift? Sind Dir Deine Werte und Ideale bewußt? Kannst Du Gottes Stimme und Deine Träume unterscheiden? Lebst Du in der Vergangenheit? Oder mit dem gegenwärtigen Gott in die Zukunft hinein?
Begeisternd die Leidenschaft, welche im Film rüberkommt. Die will ich bewahren.

Ein Zitat vom Meister aus Luk 12,49:
Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!

Achja, die Antwort auf die Frage: “Was tun, wenn’s brennt?” lautet natürlich: “Brennen lassen!”

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[Bedenkenswert] Tagträume von einer neuen Art Gemeinde

10. Mai 2006

Dieser Post basiert auf einem Kommentar, den ich im Februar hier bei Toby spätnachts verfasst habe und der hier bei Mark nochmals auftauchte. Ich hab ihn ein bißchen umgebaut, um einen Teil meiner Gedanken zusammenzufassen. Viel Spaß dabei.

Ich bin zur EmergingChurch-Diskussuion gekommen, weil da Dinge aus meinem Herzen waren, die ich bei anderen Menschen wiedergefunden habe, plötzlich festgestellt habe: Diese Leute ticken wie ich! Offensichtlich hat Gott uns dieselbe Sehnsucht geschenkt. Die kulturelle Reflektion kam erst hinterher, unterstützt durch meinen lieben Freund [depone].

Aber was ist EC? Ein schwammiger, weiter Begriff – und vielleicht schon zu sehr durch Kimballs Buch ge”labelt”. Wer bestimmt, was EC ist – und wer nicht? Ab wann bist Du EC – wann nicht mehr? Kester Brewin hat mal schön dazu gebloggt unter dem Titel “Will the emerging church be a denomination?”

Wie können wir andere durch Worte von dem begeistern, was in uns brennt? Wie kann ich anderen erklären, was ein bestimmtes Musikstück für mich bedeutet, welche Emotionen und innere Eruptionen es freisetzt, wenn sie das nicht selbst empfinden? Oder wie N.T. Wright von einer Ballet-Tänzerin erzählte, die, nach der Bedeutung ihres Tanzes gefragt, antwortete: “If I could explain it, I wouldn’t have to dance it!”

Ist das mit EC nicht ähnlich? Die Erfahrung macht mir immer wieder deutlich, zuletzt bei Innovation und Transformation: Es geht um ein neues Paradigma. Wir ticken anders, wir träumen anders, wir glauben daran, daß Gemeinde MEHR sein kann, mehr als nur eine Organisation, eine Institution. Mehr als das Sitzen in der Kirchenbank. Mehr als das gemeinsame Trällern von Lobpreisliedern. Wir träumen von echtem, purem Leben, das wir von Gott empfangen, miteinander teilen und an andere weitergeben. Wir integrieren Traditionen, Praktiken, Zugangsweisen zu Gott aus jedem Winkel der Kirchengeschichte, weil wir glauben, daß “der Wind weht, wo er will”. Wir wollen 24/7 mit Gott leben und die sakral/profane Trennung Geschichte werden lassen. Gott von ganzem Herzen mit all unseren Gaben in unserer ganzen Weite anbeten. Dinge ausprobieren. Wege finden, wie Gemeinde auch noch sein kann. Gottes Auftrag neu leben. Gemeinsam leiten. Wir haben einen Teil der gigantischen Weite Gottes erlebt und wollen darin weitergehen. Miteinander unterwegs sein. Ins Dunkel stolpern. Gottes Reich ganzheitlich verstehen. Und und und…

Wo fängt EC an? Wo hört EC auf? Es gibt nicht DIE Merkmale von einer “Absolutely-true-authentic EMERGING CHURCH”. Das wird mir immer wieder neu bewußt. Keiner kann diesen Begriff für sich vereinnahmen, es ist eben “im Anbrechen befindliche Gemeinde”. Es ist kein Label. Es ist eine Bewegung des Geistes Gottes. Vielleicht neuer Wein, der nicht in alte Schläuche passt. Vielleicht aber auch nur rebellische Überreaktionen von post-evangelikal & post-charismatisch Deprimierten, die von dem, was sie kennen, frustriert sind und jetzt ihr eigenes Ding durchziehen wollen, was weiß ich. Jedenfalls ist es etwas, das ich im Herzen trage.

Kann man das erklären oder in Seminaren vermitteln?
Ja und Nein. Prinzipien kann man lehren. Gedanken kann man teilen. Träume kommen aus den Menschen selbst (oder, fromm gesagt: von Gott, der sie in die Herzen legt). Ich kann Dir nicht rational vermitteln, warum ich während der letzten Minuten von “Stadt der Engel” weine. Das passiert einfach.

EC ist nicht “das Ding”, aufgrund dessen man alles vorhergehende vergessen kann. Es darf nicht nur eine neue Methode sein, eine missionarische Strategie um PoMo-Kids zu erreichen. Möge jeder das tun, was er vor Gott als seinen Weg erkannt hat. Echtheit, Wahrhaftigkeit, Authentizität ist der Kern. Man wendet jetzt nicht mal eben EC-Strategien an, um damit erfolgreich zu sein. Entweder das kommt aus Dir selbst, oder vergiß es.

Laß uns gemeinsam forschen, wie Nachfolge Jesu aussehen kann – und als seine Jünger leben.
Laß uns gemeinsam über Gottes Größe staunen als anbetende Gemeinde.
Laß uns gemeinsam träumen, wie erfülltes Leben-in-Gemeinschaft aussehen kann – und es leben als Leib mit vielen Gliedern.
Laß uns gemeinsam entdecken, wie Leitung nicht nur vom Guru ausgeübt wird – ohne dass wir sie ganz über Bord werfen, sondern einen biblischen Weg finden.
Laß uns gemeinsam nachsinnen, welchen Auftrag Gott uns gegeben hat – und diesen leben als missionale Gemeinde.
Laß uns gemeinsam ein Auge für die Menschen unserer Umgebung bekommen – und für sie da sein als dienende und inkarnatorische Gemeinde, und sie zu Jüngern Jesu machen statt zu Bekehrten.
Laß uns den Reichtum der Glaubensgeschichte erkennen und das Erbe von so hochgradig unterschiedlichen Menschen wie Augustinus, Luther, Finney, Bonhoeffer, Lewis, Wesley, Fletcher, Benedikt, Brainerd, Zinzendorf, Franziskus, Br. Lorenz, Woolman uvm. ausschöpfen als ökumenische Gemeinde und erkennen, dass Gott in jeder Bewegung immer zumindest einen Aspekt offenbart, den es wahrzunehmen gilt.

Kontemplativ-asketisch die einsame Betrachtung suchen, hingegeben nach Reinheit streben, die volle Kraft des Heiligen Geistes annehmen, die eigenen Gaben gebrauchen, in der Schrift zuhause sein, aktiv nach Gerechtigkeit streben usw.

Ich kann Ablehnungen und Abgrenzungen nicht mehr hören – durch Fingerzeigen das eigene Profil schärfen, durch Kritik anderer sich selbst erhöhen. Das ist auch meine Krankheit. Aber ich hasse (!) Pauschalaussagen wie “Dieses Gemeindemodell ist nicht biblisch” oder “Wir brauchen keine Leitung mehr” oder “wir müssen jetzt alles neu definieren” – Ich bin ein sowohl-als-auch-Mensch geworden. Saatgut aus der Fülle des Lebens-mit-Gott betont die FÜLLE. Wenn ich von einer neuen Art Gemeinde träume, dann will ich die alten stehenlassen. Mein Paradigma nicht anderen aufdrängen müssen. Und immer im Dialog mit Schrift, Kultur, Tradition und v.a. Gott die Frage stellen, ob mein Traum auch Gottes Traum ist. Ob das Ding, das ich durchzuziehen gedenke, nur auf meinem Mist gewachsen ist, oder ob es Gottes Idee war.

Ich träume von dieser de-institutionalisierten Struktur, diesem Netzwerk, das sich verbreitet, mulitpliziert, weil es in Christus seinen gemeinsamen Kern hat, von dieser Al-Q*ida-Struktur, von der Alan Hirsch spricht.
Am Ende des Tages muß sich Gemeinde immer noch an den 5 Aufträgen orientieren, die Rick Warren herausgefunden hat, der ja eigentlich nicht cool ist, weil er noch für das öde alte Paradigma steht (Achtung: Ironie). Aber Anbetung, Jüngerschaft, Dienst, Evangelisation und Gemeinschaft sind halt doch biblisch. Und letztenendes wird jede (Orts-)Gemeinde (oder meinetwegen “christliche Gemeinschaft” oder “Menschen, die gemeinsam Jesus folgen” oder was auch immer) dann doch wieder

Christuszentriert
Menschenfreundlich
Weltoffen

sein. Und der alte Satz von Luter gilt: Ekklesia semper reformanda – Die Gemeinde/Kirche hat sich beständig zu verändern, an ihren Kontext anzupassen, die passende Form für die sozio-kulturelle Umgebung zu finden. Diese Ansicht ist mittlerweile fast 500 Jahre alt. Schön, dass sie langsam umgesetzt wird. Spannende Zeiten…

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[Bedenkenswert] Die Melodie Gottes – Erfülltes Leben-in-Gemeinschaft

14. April 2006

Die Kameraden von Kubik sind ja im Moment dabei, sich ein wenig neuzudefinieren. Dabei haben sie ein schönes Bild entwickelt: Der Glaube eines jeden ist eine Mischung aus Gottes Idee und der Kultur des Menschen, so wie ein DJ aus zwei verschiedenen Platten einen neuen Mix generiert. Hier sind wir der Frage nachgegangen, wie eigentlich dieser Gott-Beat zu identifizieren ist, wohl als die große Linie der Bibel. Was zieht sich durch? Und inspiriert von dieser Diskussion bei Mike habe ich meine Gedanken sortiert.
Weil ich weniger auf Beats und mehr auf Musik 8) stehe, möchte ich die große Linie der Bibel nicht als Gottes Beat, sondern als Gottes Melodie bezeichen. Eigentlich das God-Theme, welches sich durchzieht und immer wieder (manchmal in abgewandelter Form) neu erklingt.

Die Melodie Gottes ist für mich erfülltes Leben-in-Gemeinschaft. Das drückt die Dreineinigkeit aus – Gott selbst lebt erfülltes Leben-in-Gemeinschaft. Diese Fülle verschenkt er an uns. Gott schafft eine Menschheit als Ebenbild Gottes. ACHTUNG: Nicht ein Individuum, sondern eine Gemeinschaft ist Ebenbild Gottes! Das erfüllte Leben-in-Gemeinschaft der Menschen ist eine Reflektion der Trinität. Diese Melodie erklingt in der Sehnsucht Adams nach Eva und in der Einsetzung der Ehe. Erste Dissonanz hören wir am Sündenfall – aus dem erfüllten Leben-in-Gemeinschaft des Menschen mit Gott wird ein Drehen des einzelnen Menschen um sich selbst. Gottes Absicht mit Israel war es, ein Volk zu haben, in dessen Mitte er wohnen konnte. Seine Gebote dienten dazu, Beziehungen der Glieder des Volkes zu regeln. Durch diese Orientierungen wird Leben-in-Gemeinschaft möglich. Leider allerdings hat das nicht funktioniert, keiner hat sich dran gehalten und wo die Gemeinschaft der Menschen untereinander zerstört war, war auch keine Gemeinschaft mit Gott möglich, was die Propheten ja so sehr angeprangert haben. Durch Jesu Versöhnungstat ist Leben-in-Gemeinschaft mit Gott wieder möglich. Und aus der Umgestaltung durch den Heiligen Geist in uns folgt eine zunehmende Befähigung zum Leben-in-Gemeinschaft unter Menschen. Und damit ist das Gesetz/die Weisung Gottes, das Doppelgebot, die Bergpredigt und Jesu neues Gebot erfüllt – die sich alle auf einen Satz herunterbrechen lassen: Lebe erfüllte Gemeinschaft mit Gott und Menschen! Das Ziel aller Geschichte ist das neue Jerusalem, voll von Menschen, die erfülltes Leben-in-Gemeinschaft miteinander und mit Gott genießen. Wo diese Melodie heute erklingt, ist für mich Reich Gottes, grüßt uns das schon, was einst kommen wird.

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[Bedenkenswert] Emerging Church – ein klassisch modernes Phänomen?

10. April 2006

Hab heute das Philosophische Quartett im ZDF genossen. War sehr interessant, kurzweilig, voll bissiger Ironie und inspirierenden Gedanken. Hängen geblieben bin ich bei einem Satz von Peter Sloterdijk, der sinngemäß lautete: “Charakteristisch für die Moderne ist das Brechen mit dem Althergebrachten und der ständige Neuanfang”. Dann sind wir ja mehr modern als nachmodern, oder? 8)
Update: Einen ersten Aufriß meiner Gedanken zu EC findest Du unter: “Tagträume von einer neuen Art Gemeinde

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