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Archiv für die 'Aus dem Leben' Kategorie

Nach dem EmergentForum…

2. Dezember 2008

.. sitze ich zu Hause und der Alltag (was ist das eigentlich?) pendelt sich wieder ein. Dabei leide ich an einem Schmerz, den ich früher als »Nach-Freizeit-Loch« bezeichnet habe und der immer im Anschluß an eine intensive Zeit mit lieben Menschen eintritt. Eigentlich hatte ich mich ja in den Wochen vor dem Forum damit abgefunden, dieses Jahr aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein zu können. Aber der von vier (!) verschiedenen Ärzten diagnostizierte Sinus pilonidalis war entweder keiner oder kam glücklicherweise nicht zur Entfaltung. Nachdem ich dem Koordinationskreis am Donnerstag Nachmittag mitgeteilt hatte, dass ich nicht zum Forum kommen würde, erklärte der fünfte Weißkittel zur freitäglichen Mittagszeit: »Herr Sikinger, das ist ausgeheilt«. Soli Deo Gloria!

So kam ich dann doch noch nach Erlangen. Weniger Teilnehmer als letztes Jahr und weniger Input von vorne, dafür mehr dezentrale Interaktion. Ein Weg, von dem ich denke, daß wir ihn weitergehen werden. Zu den Inhalten wurde andernorts schon genug geschrieben, so daß mein Senf sicher nicht mehr vonnöten ist. Für mich sind es auch nicht primär die Inhalte, die Emergent Deutschland ausmachen, sondern die Beziehungen, die vernetzte-Gemeinschaft-auf-dem-Weg, die »growing, generative friendship«, wie es emergent village formuliert haben. Das Forum ist zu einer Art Familientreffen geworden. So soll es sein.
Darum, liebe kritischen Begleiter von Emergent Deutschland: Reduziert uns nicht auf die wenigen unserer Gesprächsbeiträge, die ihr in die Finger bekommt. Sie sind oftmals mit heißer Nadel gestrickt. Nicht jeder, dessen Blog ein emergentes Banner ziert, ist mit allem einverstanden, was alle anderen sagen. Nur weil wir Fragen stellen, geben wir noch lange nicht vor, die Antworten zu wissen. Als Nachfolger Jesu ringen wir gemeinsam darum, wie diese Nachfolge in unserer Zeit aussehen kann. Vielleicht werden einmal die Worte aus T.S. Eliots »Little Gidding« auf uns zutreffen:

We shall not cease from exploration
And the end of all our exploring
Will be to arrive where we started
And know the place for the first time.

Wer weiß? Was ich weiß, ist daß ich weiter meinem Messias hinterhergehen will. Und daß mir die Hutschnur reißt, wenn wieder einmal jemand diesen Jesus verkürzt darstellt oder für seine eigenen Zwecke vereinnahmen will und ihn dann als Waffe gegen andere verwendet. Nein, Jesus paßt nicht in eine menschliche Agenda. Die Frage ist, ob wir uns von ihm in Beschlag nehmen lassen, ihn den uneingeschränkten Herrn sein lassen. Das ist schwer und unbequem. Ich brauche die Gemeinschaft anderer, die ebenfalls Jesus nachfolgen und mich korrigieren. Das ist ein Dienst, den die emergente Familie an mir leistet und für den ich dankbar bin. »InternetMonk« Michael Spencer gehört ebenfalls zu meinen Inspirationsquellen. Sein Post The Abbreviated Jesus bewegt mich weiter. Ich lege ihn Dir ans Herz. Ein kleiner Auszug:

I actually think the abbreviated Jesus doesn’t like to be bothered with issues of morality, character or behavior. He’s mostly interested in larger political and cultural issues, or your experience at your local church, or how you’re doing in your relationships. …
The abbreviated Jesus can convincingly seem like the real Jesus, until you look and listen closely. …
The abbreviated Jesus is Jesus without the Biblical context, Jesus without church history, Jesus without Jesus theology, Jesus without costly discipleship, Jesus without offensive teaching or mysterious parables. The abbreviated Jesus is so easily explained, so comprehensible and user-friendly that anyone can follow him, even without instructions. In millions of cases, the abbreviated Jesus is Jesus without the church. He’s Jesus who lets you pick your friends, pick your community and pick your comfortable seat. He’s OK with whatever your plans are for the weekend. He’s not making demands on your time. (He’s a major spokesperson for unplugging the fourth commandment.) He’s not making any demands on your money that don’t follow your emotions. (He wants you to feel personally fulfilled about whatever you choose to support.) The abbreviated Jesus seems to always need one more book to really get down to what he actually means. …
I don’t trust the abbreviated Jesus. Sometimes, he’s been in my house, my head, my heart and my preaching. And I don’t like him. He’s flat. Empty. Easy. Moldable. He’s not full of the Holy Spirit. He’s full of us.

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Verschiedene Orte, gemeinsame Praxis – wie kann heute eine »Ordensregel« aussehen?

29. September 2008

1997 war ich Teil des Leitungsteams einer Jungschargruppe, deren Teilnehmer ca. 10 Jahre alt waren. 1999 äußerten einige der Jungs während eines Zeltlagers den Wunsch, auch zu Hause solche Bibelarbeiten durchzuführen, wie sie sie von der Freizeit gewohnt waren. Zusammen mit einem Mitverschwörer, der neben zwei weiteren Personen mit mir diese Jungschar leitete, begannen wir von diesem Zeitpunkt an, uns wöchentlich zu treffen und kapitelweise das Johannesevangelium durchzugehen. Es folgte der Römerbrief und im Anschluß dann das Buch Nicht wie bei Räubers, welches den Namen inspirierte, den wir unserer Gemeinschaft gaben: »Schoßhocker«, denn wir wollen – schwäbisch geschwätzt – bei unserem himmlischen Vater »auf dem Schoß hocken«. Einiges hat sich seitdem getan, einige Jungs haben sich verabschiedet, zwei Mädels sind dazu gekommen, wir haben viel gemeinsam erlebt, sind durch unterschiedliche Prozesse gegangen, haben gefeiert, aneinander gelitten und sind miteinander gewachsen. Irgendwann kristallisierte sich dann unser Motto heraus: »Gemeinsam verbindlich Jesus folgen«. Durch die bewußte Entscheidung, in der engen Verbindung mit genau diesen Mitmenschen den Weg der Nachfolge zu gehen, aufgrund der gemeinsamen Geschichte und aufgrund der beteiligten Persönlichkeiten 😉 paßte diese Truppe nie so ganz zur traditionellen Gemeindelandschaft, bekam aber vom örtlichen CVJM ausreichend Raum zum Experimentieren und zur Entfaltung. Ein beständiger Ratgeber auf unserem Weg war dabei Bonhoeffers Gemeinsames Leben. Viele meiner persönlichen Überzeugungen haben sich in diesem Kontext geformt.
Mittlerweile sind wir alle in den Zwanzigern, einer ist verheiratet, und während die eine Hälfte noch in der beschaulichen Heimat wohnt, sind die anderen ausgeflogen – nach München (wo sich momentan vier von uns befinden), Berlin, Karlsruhe und Urberach. Da wir jedoch immer davon überzeugt waren, daß die Bande dieser Gemeinschaft enger geknüpft sind als in den meisten kirchlichen Kleingruppen, war klar, daß es – inspiriert von Zinzendorfs Senfkornorden – auf eine neue Weise weitergehen würde. Und so denken wir nun schon seit Längerem an einer Art »Ordensregel« herum. Allerdings dreht sich diese weniger um die evangelischen Räte Armut, Keuschheit und Gehorsam, sondern wir suchen nach konkreten Praktiken oder geistlichen Übungen, die uns zusätzlich zu unserem vierteljährlichen persönlichen Treffen miteinander und mit Jesus verbinden sollen. Die Herausforderung liegt darin, den unterschiedlichen Persönlichkeiten, Lebensrhythmen und Orten gerecht zu werden und Dinge zu finden, die von jedem auf seine Art gefüllt werden können. Auf Folgendes sind wir bislang u.a. gekommen:

  • ein tägliches, vorformuliertes, kurzes Gebet, das unsere Werte und Identität ausdrückt
  • eine wöchentliche Gebetszeit für die Gemeinschaft als Ganze und die einzelnen Glieder
  • zwischen den Treffen die Beschäftigung mit dem gleichen Bibelbuch und Notizen dazu, was für die Einzelperson und/oder die Gemeinschaft als Ganze wichtig wird
  • die Übernahme der Patenschaft für ein Kind in der dritten Welt

Warum ich das schreibe? Nicht, weil ich denke, daß wir den Dreh raus haben. Wir sind nicht die Ersten damit. Auch nicht, weil ich glaube, daß dies ein Beitrag zu einer neuen Gemeindeform sein könnte. Meiner Ansicht nach sollte jeder Christ in einer lokalen Gemeinschaft mit realen Menschen verwurzelt sein, die er öfter sieht als viermal pro Jahr. Alle Möglichkeiten des Web 2.0 können diese meiner Ansicht nach nicht ersetzen.
Ich schreibe das, weil ich mit den vier oben genannten Punkten nicht zufrieden bin und weil ich mir von Dir weitere Anregungen erhoffe. Leben-mit-Gott ist soviel mehr als diese Punkte. Was denkst Du dazu? Welche Praktiken/Übungen fallen Dir noch ein, die der Liste hinzugefügt werden könnten? Und vielleicht kennst Du ja ein kostenloses, einfach zu bedienendes Webtool, mit dem unter Ausschluß der Öffentlichkeit a) ein Austausch über das gemeinsam zu lesende Bibelbuch, b) die Koordination gemeinsamer Termine und c) die Information über Gebetsanliegen, Orga u.ä. möglich wäre – die Beiträge am Besten noch abonnierbar per Mail oder RSS-Feed? (Die Kombination mehrerer Tools macht keinen Sinn, da nicht alle Glieder der Gemeinschaft soviel Zeit im Web verbringen wie der Autor dieser Zeilen.)

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Lost in Urberach

28. August 2008

Ein lieber Freund, langjähriger Weggefährte und Mitverschwörer von mir ist nach Urberach gezogen. Solltest Du von diesem Ort schon gehört haben und eine Gemeinde / christliche Gemeinschaft / was auch immer in der Umgebung wissen, in der sich jemand wohl fühlen könnte, der die Mehrheit des auf diesem Blog vertretenen Gedankenguts teilt, würde ich mich freuen, im Kommentar darüber zu lesen und die Infos weiterzuleiten. Selbstverständlich trinkt er auch gerne Kaffee oder Bier und würde sich über ein Treffen freuen.

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Rom im Oktober

4. August 2008

Nachdem mein letzter Besuch in der ewigen Stadt nun schon vier Jahre zurück liegt, werde ich im Oktober eine Woche in Rom verbringen. Falls Du irgendwelche Tipps für mich hast – Quartier, Locations, Läden, Antiquariate, Kneipen etc. – freue ich mich über Deinen Kommentar!

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Sehen wir uns im November?

25. Juli 2008

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30 Jahre Garfield!

24. Juni 2008

30Jahregarfield
Mit fünftägiger Verspätung gratuliere ich einem meiner Helden zur Vollendung des dritten Lebensjahrzents.
Am 19. Juni 1978 erschien der erste Garfield-Strip. Auch im Jahr 2008 nehme ich diese Bücher immer wieder gerne in die Hand.
Mehr auf Garfield.com, woher auch das obige Bild stammt.

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Monbachtal, Berlin und die EM

16. Juni 2008

Eine interessante Woche liegt hinter mir. Den Start in die Fußballeuropameisterschaft erlebte ich auf einer Wochenendfreizeit im Schwarzwald, während der ich das Vergnügen hatte, mit Teenagern über die Bibel als Gottes Drama in fünf Akten zu reden. Sprung aus dem theologischen Elfenbeinturm ins pralle Leben. Schön auch die Möglichkeit, am Bach im Wald etwas aufatmen zu können.

Monbachtal
Etwas lauter ging es beim Mittagessen zu. Diverse Schulklassen sorgten für einen ordentlichen Lautstärkepegel. Hier der Blick auf den Leiter der Freizeit, der das Dankeslied für das Küchenteam dirigierte.
Bm
Zurück im schönen Heimerdingen genieße ich seit Montag die EM-Spiele auf der Großleinwand bei unserem CVJM-Haus am Waldrand. Abgesehen vom Wetter und den Darbietungen der deutschen Elf sehr nett – schöner Fußball, liebe Menschen und kreative Darstellungen der deutschen Nationalflagge, wie hier bei Lotte:
Scharlie
Samstag/Sonntag ging es dann kurzerhand nach Berlin, um Simon zu besuchen und an einem Worshipevent teilzuhaben. Letzteres brachte bei mir wie immer gemischte Gefühle hervor, die positiven überwiegen aber. Zwei Bilder aus der Kapitale:
Twins
Zwillingsbrüder beim Abschiednehmen.

Graffiti
Ein kunstvoll besprühtes Haus.

Und noch ein Grund zur Freude. Nach zwölf Jahren und diversen ausgetauschten Gläsern und Bügeln, bin ich seit Samstag in den Genuß einer neuen Brille gekommen, die mir – wie unschwer zu erkennen ist – endlich wieder den vollen Durchblick beschert.
Brille

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Lebenszeichen

19. Mai 2008

Kurzes Update aus dem Leben des Sämanns: Zwei Hochzeiten enger Freunde an den letzten beiden Samstagen und einiges an Arbeit, um die Kontakte des Christivals aufzuarbeiten, haben mich in den letzten Wochen in Beschlag genommen. Parallel dazu schreibe ich gelegentlich an meiner aktuellen Seminararbeit über Leben, Dienst und Botschaft Jesu und lese gleichzeitig Material für die nächste Seminararbeit über die Botschaft des Paulus.

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Außerdem habe ich ein neues Ritual eingeführt – das »Buch am Feiertag«: Sollte ich an einem Sonn- oder Feiertag nicht außer Haus sein, gönne ich mir nach spontaner Laune ein Buch aus meinem »Ungelesen«-Regal. Meist handelt es sich dabei um einen Roman. Gestern war Nicholas Shakespeare’s In dieser einen Nacht dran – Liebesgeschichte und Gesellschaftsproträt des geteilten und wiedervereinigten Deutschlands. Da ich gestern erst um 23:30 Uhr mit dem Buch begonnen habe und es nicht wieder weglegen konnte, habe ich es eben „in dieser einen Nacht“ durchgelesen. 8) Gelohnt hat es sich allemal.

Mein an anderer Stelle bereits geschilderter Zahnarztmarathon ist heute zu einem guten Ende gekommen. Zwei nebeneinanderliegende Backenzähne wurden überkront und verhalten sich ruhig. Auf daß dies noch lange so bleiben möge!

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Von den Büchern, die ich gerade parallel lese (siehe rechte Sidebar) machen mir im Moment insbesondere Jamie Smith’s Who’s afraid of Postmodernism? und Tony Jones‘ The New Christians Freude. Ersterer nimmt Derrida, Lyotard und Foucault mit in die Kirche, letzterer sendet Depeschen aus dem Grenzland zwischen kirchlicher Zivilisation und emergenter Wildnis. Sobald ich mit beiden durch bin, wird es hier mal wieder zwei kurze Buchserien geben. Als kleinen Vorgeschmack ein besonderes Schmankerl. Tony erzählt in seinem Buch die Geschichte von Trucker Frank. Freundlicherweise kann sich jeder, der den Frank des Buches mochte, einen etwas intensiveren Einblick in das Leben und Denken des Truckers verschaffen, da Tony eine Serie kurzer Videos produziert hat – On the Road with Trucker Frank. Sehr fein. Weil sie so schön ist, kannst Du Dur die aktuelle Folge direkt hier ansehen. Frank kommt zwar nur am Rande vor, aber wenn Du ein wenig emergentes Gedankengut in Dir trägst, wirst Du bei diesem Clip nicht ohne Emotionen bleiben. Versprochen.

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Komisches Gefühl

1. Mai 2008

Ich sitze gerade am Stand der Werkstatt für Gemeindeaufbau in der Messe Missionarischer Möglichkeiten auf dem Christival und erlebe ein komisches Gefühl. Ich möchte mich nicht einreihen in den Wettbewerb der freien Werke und Ausbildungsstätten, die ihr Angebot anpreisen und mit den unterschiedlichsten Aktionen Aufmerksamkeit zu erregen suchen. Andererseits bin ich überzeugt vom Konzept der WfG und freue mich über jeden, der aufrichtiges Interesse zeigt.

Gleichzeitig denke ich an gestern Abend. Wir waren unterwegs vom Quartier zur Eröffnungsfeier, als plötzlich Polizeisirenen ertönen und diverse Mannschaftswagen unserer Freunde und Helfer in Richtung Christival fahren. Wir kommen dann doch nicht mehr zum Parkplatz, weil uns die Polizei den Weg versperrt. Spezialkräfte springen aus dem Wagen und eskortieren mehrere hundert Demonstranten, von denen etliche schwarz vermummt sind. Ca. 100 von ihnen brechen durch den Sicherheitszaun, der den Parkplatz von der Eröffnungsfeier trennt. Die Ordner sind hilflos. Feuerwerkskörper fliegen. Ein Polizist wird verletzt. Die Protestierenden halten Schilder hoch, auf denen z.B. »Gott liebt alle ihre Kinder« zu lesen ist. Die Polizei treibt sie zurück und der Konvoi bewegt sich weiter in die Innenstadt hinein. Eine Stimme verkündet durchs Mikrofon, daß die politisch eher links orientieren Demonstranten doch bitte zusammenbleiben sollen, da sie in der City voraussichtlich von politisch eher rechts orientierten Hooligans erwartet werden. Ob es zu diesem Zusammenstoß kam, ist mir nicht bekannt. Parallel zur Demo, von der die meisten Besucher des Christivals nichts mitbekommen, spricht Torsten Hebel auf der Bühne der Autaktveranstaltung davon, daß die ersten Christen »Gunst beim ganzen Volk« hatten und er sich das für uns heute auch wünscht. Hunderte von Menschen demonstrieren gegen ein christliches Jugendfestival, weil sie ihre Freiheit und Menschenrechte gefährdet sehen. Ein komisches Gefühl, das mir gar nicht gefällt.
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Meet Me @ Christival

24. April 2008

Nächste Woche werde ich mit dem Stand der Werkstatt für Gemeindeaufbau beim Christival sein. Bei der Messe Missionarischer Möglichkeiten ist unsere Standnummer 1.23. Solltest Du auch in Bremen sein, komm doch einfach mal vorbei und sag Hallo!

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Magische Nacht

10. April 2008

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Dreizehn Jahre alt war ich, als Bloodgood in Ludwigsburg spielten. Freunde hatten mich gefragt, ob ich mitwollte. Nein, DoSi hatte keinen Bock. Wer war überhaupt Bloodgood? Wochen später entdeckte ich die Band für mich. Langsam begann ich mich darüber aufzuregen, daß ich das Konzert nicht besucht hatte. Ein Jahr später wurde dieser Auftritt in limitierter Auflage als Live-Album unter dem Namen »To Germany with Love» veröffentlicht. Bloodgood lösten sich auf. Ich besorgte mir ein Tape des mittlerweile vergriffenen Albums und hörte es in meinem Sony-Walkman rauf und runter. Jahre später hatte ich den Führerschein, und im Tapedeck des Autoradios wechselte sich Bloodgood mit meiner Auslese von Larry Normans Trilogie ab. Später kam ein drittes Tape mit einer Auswahl des Schaffens von Delirious? dazu. Keine Kassette aber habe ich jemals annähernd so oft gehört wie die von Bloodgood. Sie begleitete mich auf Freizeiten, Busfahrten, beim Zeitungsaustragen. Wo immer ich war – dieses Tape war dabei. Einige Male wurden in Heimerdingen (und auch einmal mit meiner Beteiligung beim Schulgottesdienst in Ditzingen) bei evangelistischen Einsätzen (die gab es damals noch) zu den Klängen von Bloodgoods Crucify und The Messiah die Ereignisse um die Kreuzigung und Auferstehung Jesu schauspielerisch dargeboten. Bloodgoods Top of the Mountain gehört zu den Liedern, die ich am liebsten verwende, um meinem König und Meister auszudrücken, was er mir bedeutet. Diese Band hat meiner Seele ihren Stempel aufgedrückt.
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Seit vielleicht zwei Jahren ist das alte Tape verschollen, aber in der Zwischenzeit wurde To »Germany with Love« wiederveröffentlicht und ziert wie die anderen Alben dieser feinen Combo meinen Plattenschrank. Vor kurzem gesellte sich auch noch »All Stand Together» hinzu, das mir [depone] freundlicherweise überließ. Das Liedgut Bloodgoods fand seinen Weg auf meinen Sony Clié und meinen Palm Lifedrive. Wehmütig dachte ich immer wieder an die verpasste Chance in Ludwigsburg zurück, und hätten es meine Anatomie und Motorik zugelassen, so hätten meine Zähne ihren Weg in meinen Allerwertesten gefunden…
BloodgoodDetonationRockinahardplace
AliveinamericaOutofthedarknessThecollection
Allstandtogether

Seit 2002 mehrten sich die Gerüchte, Bloodgood versuche sich an einem Comeback. 2006 spielten sie dann tatsächlich beim Cornerstone Festival, 2007 ebenfalls, und das, was meine Hauspostille HM Magazine in der Rückschau zu diesen Auftritten verlauten ließ, war durchaus vielversprechend. Viel Skepsis (Bandleader Michael Bloodgood hatte mittlerweile sein fünftes Lebensjahrzehnt vollendet) paarte sich mit einem zart aufwachsenden Hoffnungspflänzchen, ob es mir vielleicht doch noch einmal vergönnt sein würde, die Jungs live zu sehen.

Letzten Samstag erfüllte sich dieser Traum bei Legends of Rock in Ennepetal.

Nach 15-jähriger Wartezeit bin ich nun 28 Jahre alt, evangelistische Einsätze der alten Spielart haben wir Emergenten abgeschafft, „White Metal“ gibt es nicht mehr, Grunge und Crossover haben mein Lieblingsgenre in den 1990er Jahren ins Koma versetzt. Die „christliche Musikszene“ härterer Gangart scheint mir ein arges Ghetto zu sein, in dem sich mehrheitlich in den 80ern Steckengebliebene finden, „christliche Musiker“ lassen auf der Bühne schlimme Plattitüden vom Stapel, und das Publikum jubiliert jedes Mal, wenn es vom Star auf der Bühne einen Satz hört, dem es dogmatisch zustimmt. Wieder einmal erlebe ich, daß ich mich in dieser Menge unwohl fühle, fremd und gleichzeitig zu Hause. Ein Gefühl, das ich aus fast jedem Gottesdienst und jeder gemeindlichen Veranstaltung kenne und das ich auch beim Christival wieder erleben werde.

Das unangehme Gefühl verläßt mich, als ich mit Narnia Long Live the King schmettere, die ganzen Whitecross-Klassiker mitsingend feiere und danach die Performance von Glenn Kaiser in mich aufsauge. Nach einer Pause während des Gigs von Blindside schüttet dann beim Auftritt von Bloodgood mein System innerhalb kürzester Zeit derart viele Gückshormone aus, daß ich die Befürchtung habe, mein Körper könne die Emotion nicht aushalten und müsse zerspringen.

Magst Du elektronische Musik, Emo oder was auch immer hören – es sei Dir zugestanden. Aber auf meinem aktuellen Walkman-Handy von Sony werden Bloodgood ihren Stammplatz behalten.

Auf YouTube finden sich auch Mitschnitte von Bloodgood. Ich habe mich dafür entschieden, ein Lied von Whitecross einzubinden, den Klassiker schlechthin, der mich immer wieder neu berührt und der tief in meine Identität eingegangen ist. Eine magische Nacht.

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Sechs Tage sollst Du arbeiten, am siebten sollst Du ruhen

30. März 2008

Das ist in Ordnung, habe ich mir gedacht und mich daran gehalten.

Samstag
Dsc01383

Sonntag
Dsc00101

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Nach dem Forum ist vor dem Forum

29. Februar 2008

Solltest Du aus unerfindlichen Gründen das Emergent Deutschland Forum im letzten Jahr verpaßt haben, solltest Du Dir schon jetzt die Tage vom 28.-30. November 2008 vormerken, an denen das zweite Forum stattfinden wird. Studientage wird es dieses Jahr voraussichtlich nicht geben. Nähere Infos und was sich sonst noch tut demnächst auf dem Blog von Emergent Deutschland.

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In memoriam Larry Norman

25. Februar 2008

Gestern ist Larry Norman verstorben. Ein Pionier Jesus-inspirierter Popularmusik im 20. Jahrhundert. Weit über den Lagerfeuer-Klassiker „Man sagt, er war ein Gammler“ hinaus war seine Liebe zu Jesus eine beständige Inspiration für mich. Eine Freude war es, seine Musik auf dem Soundtrack des Filmes über Lonnie Frisbee zu finden. purgatorio hat Larry’s letzte Botschaft:

I feel like a prize in a box of cracker jacks with God’s hand reaching down to pick me up. I have been under medical care for months. My wounds are getting bigger. I have trouble breathing. I am ready to fly home.

My brother Charles is right, I won’t be here much longer. I can’t do anything about it. My heart is too weak. I want to say goodbye to everyone. In the past you have generously supported me with prayer and finance and we will probably still need financial help.

My plan is to be buried in a simple pine box with some flowers inside. But still it will be costly because of funeral arrangement, transportation to the gravesite, entombment, coordination, legal papers etc. However money is not really what I need, I want to say I love you.

I’d like to push back the darkness with my bravest effort. There will be a funeral posted here on the website, in case some of you want to attend. We are not sure of the date when I will die. Goodbye, farewell, we will meet again.

Goodbye, farewell, we’ll meet again
Somewhere beyond the sky.
I pray that you will stay with God
Goodbye, my friends, goodbye.

Larry

Larrynormanlate
Im Andenken an Larry der Text eines seiner größten Klassiker, der einiges von seinem Herz und seinem augenzwinkerden Humor verrät:

I want the people to know
That He saved my soul
But I still like to listen to the radio
They say that rock and roll is wrong, we’ll give you more chance
I say I feel so good I gotta get up and dance

I know what’s right, I know what’s wrong and I don’t confuse it
Why should the devil have all the good music?
I feel good every day
‚Cause Jesus is the Rock and He rolled my blues away

Well now they say to cut my hair
They’re driving me insane
I grew it out long to make room for my brain
But sometimes people don’t understand
What’s a good boy doing in a rock and roll band

There’s nothing wrong with playing blues licks
But if you got a reason tell me to my face
Why should the devil have all the good music
There’s nothing wrong with what we play
‚Cause Jesus is the Rock and He rolled my blues away

Roll ‚em away now!

I ain’t knocking the hymns
Just give me a song that has a beat
No I ain’t knocking the hymns
Give me a song that moves my feet

Jesus told the Truth
Jesus showed the Way
There’s one more thing I’d like to say
They nailed Him to a cross
And they laid Him in the ground
But they shoulda known they can’t keep a Good Man down

And I feel good every day
I refuse to lose it
All I wanna I know from all of you is
Why should the devil have all the good music
‚Cos I been filled I feel okay because Jesus is the Rock and He rolled all my blues
Jesus is the Rock and He rolled all my blues
Jesus is the Rock and He rolled all my blues

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Hilfe! Parallels upgedatet und Vista will einen neuen Product Key

15. Januar 2008

Hilfe, was ist das denn? Ich habe heute Parallels Desktop von Ver. 2 auf Ver. 3 upgedatet. Leider meint jetzt allerdings Windows Vista Ultimate, eine Änderung der Hardwarekonfiguration erkannt zu haben und will deswegen einen neuen Product Key. Weiß jemand Rat?

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»Ich denk‘ es war ein gutes Jahr« – Rückblick 2007

31. Dezember 2007

Rückschau
Wenn ich in diesen Tagen das vergangene Jahr Revue passieren lasse, dann fällt mir zuerst der Titel eines Liedes ein, das Reinhard Mey (den ja auch Haso kürzlich treffend zitiert hat) bereits 1967 veröffentlichte: »Ich denk‘ es war ein gutes Jahr«, das jetzt in seinen letzten Zügen liegt.

Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? (Jes 43,19 – Jahreslosung 2007)

Eigentlich bin ich ja kein Freund der Tageslosung (was sich allerdings im nächsten Jahr dank der Losungen in der Ursprache ändern wird), die Jahreslosung allerdings hatte es mir immer angetan und als ich hörte, daß obiges Wort über dem Jahr 2007 stehen sollte, machte sich Vorfreude in mir breit. Das Jahr hielt, was die Losung versprach und so blicke ich in diesen Tagen dankbar zurück und erinnere mich u.a. an Folgendes:

  • nach knapp siebenjähriger Aushilfstätigkeit in einem mittelständischen Unternehmen verdiene ich meine Brötchen seit Februar komplett bei der Werkstatt für Gemeindeaufbau
  • 2007 ist das erste komplette Kalenderjahr, das ich in meinem neuen Zuhause – dem Haus meiner verstorbenen Großeltern – verbracht habe. Endlich Raum für Übernachtungsgäste, zum Feiern, Gespräche führen und Filme schauen sowie ein feines Arbeitszimmer mit Platz für meine geliebten Bücher und einem großen Schreibtisch – meine neue Homebase
  • ich wurde Eigentümer eines MacBook Pro, dem ich zu Weihnachten Leopard und iWork ’08 geschenkt habe
  • meine Diplomarbeit wurde mit »summa cum laude« bewertet, ich habe zumindest den BA-Abschluß eingetütet und die erste MA-Arbeit geschrieben
  • in der Jugendarbeit meiner Heimatgemeinde scheint sich seit langem mal wieder was zu bewegen
  • der Fußballverein meines Herzens ist Deutscher Meister geworden – welch ein Freudenfest!
  • trotz vollem Terminkalender hatte ich die Möglichkeit, einige Tage im goldenen Prag zu verbringen, sowie Freunde in Leipzig und Berlin zu besuchen
  • ich hatte die Ehre, einen Artikel zum ZeitGeist-Buch beizutragen
  • es war eine Freude, Neal Morse und Mortification mal wieder live zu sehen
  • wir sind mit Emergent Deutschland an den Start gegangen und meine Hoffnungen und Erwartungen sind übertroffen worden
  • selten habe ich in einem Jahr so viele neue und interessante Menschen kennengelernt, die mein Leben bereichert haben

Ausblick
Ein gefüllter Terminkalender und verschiedene mir übertragene Verantwortungsbereiche bringen Herausforderungen mit sich, die unterschiedlichen Bereiche meines Lebens in guter Balance zu halten, und lassen mich die alten Vorsätze wieder neu fassen:

  • mich selbst nicht zu wichtig nehmen
  • mehr Zeit für Stille vor Gott und Reflektion nehmen – ohne Agenda wie »Ich sollte für dieses beten oder jenen Bibeltext lesen«
  • mehr Tagebuch schreiben
  • die Wegmarken-Reihe fortsetzen
  • die Zeit in der Blogosphäre effizienter nutzen
  • ein Gleichgewicht zwischen Studium, Arbeit, Fortbildung und Erholung finden, das allem gerecht wird
  • GTD weiter implementieren
  • Menschen vor Aufgaben setzen und ihnen einen angemessenen Platz einräumen, der mich nicht knechtet und ihnen gerecht wird
  • Dringendes und Wichtiges unterscheiden
  • Herausforderungen annehmen und neue Projekte ohne Menschenfurcht angehen
  • meine Wünsche und das Reden Gottes unterscheiden

Was sind Deine Vorsätze?

Als christlicher Hedonist freue ich mich natürlich auch über die Jahreslosung 2008: »Ich lebe und ihr sollt auch leben« 😉 In diesem Sinne: Feuer frei!
Budapest - Von Burg Aus - Feuerwerk IvDsc00557

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[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« VII – Nachtrag

30. Dezember 2007

[Im Rahmen meiner Rückschau auf das vergangene Jahr habe ich auch über das Symposium in Greifswald nachgedacht und lustigerweise noch einen alten, nicht veröffentlichten Post zum Vortrag von Karl Gabriel gefunden, den ich jetzt der Vollständigkeit halber nachreiche.]

Karl Gabriel – Im Spannungsfeld von Entkirchlichung, individualisierter Religiosität und neuer Sichtbarkeit der Religion: Der gesellschaftliche Ort der Kirche in der Gegenwartsgeschichte.

1. Moderne Gesellschaft und Religion in Spannung
Die Spannung hat ihre Ursache, in den Grundlagen moderner Gesellschaften, die in der Postmoderne weiterbestehen. Alle gesellschaftlichen Funktionen haben selbständige Handlungsstrukturen; es existiert keine übergeordnete Ordnung. Die Moderne bindet sich im Ansatz an die ratio. Das Individuum muß seine Weltsicht/seinen Sinn selbst deuten. Religion ist strukturell ein Teilsystem unter anderen; kulturell eine Wirklichkeitsperspektive unter anderen. Daher handelt es bei der Postmoderne, deren Weltsicht im Kern vom Verlust einer Zentralperspektive gekennzeichnet ist, um die radikalisierte, zugespitzte Moderne.

2. Tendenzen fortschreitender Entkirchlichung
Auf lange Sicht ist ein Rückgang der kirchlich institutionalisierten Religion, die sich im Glauben an ein Leben nach dem Tod und an einen persönlichen Gott ausdrückt, zu erwarten. Die Bindung an die Institution Kirche schwächt sich ab, regelmäßiger Gottesdienstbesuch und regelmäßige Gebetszeiten nehmen ab. Deutschland befindet sich in einer besonderen Lage in zwei kulturellen Bereichen: Im industrialisierten Westen liegt die Kirchenbindung im europäischen Mittelfeld; der Osten gehört zur nordosteuropäischen Region mit Estland und der tschechischen Republik, die den kirchendistanziertesten Gürtel der Welt darstellt. Der kirchliche Glaube verliert an Selbständigkeit und Normalität; die kirchliche Religion hat ihren Charakter als zwingende Primärinstitution verloren und ist zu einer (ab-)wählbaren Sekundärinstitution geworden. Die Selbstverständlichkeit, mit der die kirchliche Religion einen entscheidenden Posten in der Gesellschaft innehatte, löst sich auf.

3. Religiöse Individualisierung
An die Stel der institutionalisierten Religion mit klarer Repräsentanz ist keine vergleichbare Instanz getreten; das einst von einem Monopolanbieter bestellte religiöse Feld wandelt sich zu individuell zusammenbastelbarer Religiosität, eine Vielzahl von Kirchgängern nimmt problemlos Elemente östlicher Religionen wie z.B. die Reinkarnation in ihr Glaubenssystem auf – das religiöse Feld verengt sich nicht, sondern erweitert sich (Wiederkehr des Okkulten, Tendenz zur Sakralisierung von Liebesbeziehungen), der Erlebnis- und Erfahrungsbezug des Glaubens nimmt zu. Der Markt der Sinnangebote bietet Substitute für Glauben, auf die zurückgegriffen werden kann, z.B. Versicherung zur Sicherheit oder Idole zum Anbeten. Psychokulte und Therapien sind insbesondere unter Großstädtern zw. 30-50 verbreitet, welche sich diese Angebote überhaupt leisten können. Das Fernsehen ist geprägt von Information und Sensation bei stark überzeichneter Qualität und Quantität , aber großer kultureller Auswirkung.

4. Pluralisierung der und in den Religionen

  • Zunahme der religiösen und konfessionellen aber auch innerkirchlichen Verschiedenheit
  • die praktizierte Ökumene ist weiter fortgeschritten als viel wahrhaben wollen
  • Differenz des Glaubens auf der individuellen Ebene
  • es gibt keine konfessionell geprägten persönlichen Beziehungsnetzwerke mehr
  • wachsende religiöse Pluralisierung betrifft die institutionell-organisatorische Ebene genauso wie die persönliche mit Patchwork-Religiosität – das wird auch so weitergehen

5. Neue Tendenzen seit der Wende zum 21. Jahrhundert
Die neuen Tendenzen sind schwer einzuordnen, liegen aber auf der Hand: Die öffentliche Präsenz der Religionen (z.B. in den Medien) hat zugenommen, auch gibt es unter den Journalisten und Spitzenpolitikern wenige Atheisten. Die Säkularisierungsthese muß als widerlegt gelten: „In dem Maße, wie sich der aufklärerische Glaube an Fortschritt … abdunkelt, nimmt die Religiosität zu.“ Die Entwicklungen der neuen Lage von Religion und Kirchen im Globalisierungsprozeß weisen in eine doppelte Richtung:

  • ein weltweites Referenzsystem in Sachen Religion ist im Entstehen begriffen (asiatische Religionen müssen dazu erst zur Religion werden), um dessen Ausgestaltung im Moment bei nicht absehbarem Ergebnis gerungen wird. Benedikt XVI. und Johannes Paul II. brachten in diese Diskussion ein, daß der Gott der Christen sich als Gott der Liebe offenbart und der Glaube sich dem kritischen Korrektiv der Vernunft stellt aber gleichzeitig die Vernunft von ihren blinden Flecken befreit.
  • neue Bedeutung für traditionelle Kirchen- und Religionsgemeinschaften, die neben den Charismatikern etabliert sind; die Kirchen sind trotz ihrer oft zu negativen Selbstwahrnehmung aus der religiösen Landschaft nicht wegzudenken, da viele andere religiöse Formen von ihrem Gegenüber zur institutionalisierten Religion leben

6. Herausforderungen für die Religionen und Kirchen
Die neue Frage lautet: Wie können wir zum religiösen Frieden und zur Minderung religiöser Konflikte beitragen? Daraus ergibt sich die Verpflichtung zur Verarbeitung der Dissonanzen in der Begegnung mit den anderen Konfessionen und Religionen. Neben dem religiösen Pluralismus muß sich die Religion mit der modernen Wissenschaft und ihrem Anspruch, für das geltende Weltwissen verantwortlich zu sein, auseinandersetzen und den säkularen Verfassungsstaat sowie die Menschenrechte, die beide nicht mehr auf Gott gründen, anerkennen. Die religiösen Institutionen können ihren Beitrag erst dann leisten, wenn sie auf Macht vom Staat verzichten und die Religionsfreiheit akzeptieren. „Alle Völker werden immer mehr eine Einheit, Traditionen und Kulturen kommen in Beziehung – um Frieden zu schaffen muß überall auf Erden die Religionsfreiheit einen Rechtsschutz genießen.“ Das Vaticanum II ist eine innere Revolution der römisch-katholischen Kirche – was kann die islamische Tradition daraus lernen?

7. Kirchen als Akteure der Zivilgesellschaft
Die verrechtlichte Religion in Europa ist ein Problem, aber weder die radikale Trennung noch die Staatsreligion wäre eine Lösung – ist der Religionsmarkt überreguliert? „In Europa hat es das Christentum zugelassen, eng mit den weltlichen Mächten verknüpft zu werden. Jetzt sind sie zusammengestürzt, und es liegt unter ihren Trümmern. Es ist ein Lebendiger, den man an einen Toten binden wollte. Befreit ihn von den Fesseln!“ (Tocqueville) Das Christentum muß sich vom Charakter der staatsanalogen Institution verabschieden und darf sich auch nicht mit einer politischen Partei verknüpfen. Die Kirchen müssen ihren Freiraum gegen den Säkularismus erstreiten, der ihnen nur Raum im Privaten zugestehen will. Das innerkirchliche Sälularisierungsdenken, das einen Rückzug in eine Enklave am Rande der Gesellschaft erstrebt, muß überwunden werden. Ziel ist eine in die Gesellschaft als ganze integrierte Zivilreligion. Die Aufgaben der Kirchen sind die Verteidigung der Menschenrechte und der Würde der Person (begründet im Imago Dei), die Übernahme öffentlicher Verantwortung und ein Gegengewicht zum radikalen Individualismus durch Einbringen ihrer Positionen z.B. beim Embryonenstreit, damit sich das Gemeinwohl nicht auf die Gesamtsumme individueller Positionen reduziert.

8. Kirchen als intermediäre Organisationen

  • individuelle Religiosität der Menschen wecken, fördern und begleiten – Abschied von der Zwangsinstitution
  • Vermittlung des persönlichen Glaubens in die Deutungsgemeinschaft der Kirche
  • Praxis der Entprivatisierung des Glaubens
  • Orientierung am Ursprung, an der Gesellschaft und an der Religiosität des Menschen

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Staunend anbeten

24. Dezember 2007

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

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Emergent Forum – Rückschau (3) – Splitter

10. Dezember 2007

Brian McLaren und Jason Clark
Wenn ich auf die Zeit in Erlangen zurückblicke, empfinde ich Freude und Dankbarkeit. Brian und Jason habe ich erlebt, wie ich sie erwartet hatte – offen, herzlich, geerdet und nahbar. Insbesondere Brian stellte alle Vorurteile (woher kommen die eigentlich?) auf den Kopf. Er nahm sich Zeit für uns, war gekommen, um zu lernen, interessierte sich für die Geschichte Deutschlands, für die deutsche Sprache, für die persönliche Situation seiner Gesprächspartner, stellte Fragen wie: »Woher kommst Du? Was machst Du? Was bewegt Dich?« Faszinierenderweise hat sich das Bild, das ich mir von ihm durch das Hören von Podcasts und das Lesen seiner Bücher gemacht hatte, exakt bestätigt. Das nennt man wohl Authentizität. Fazit: Diesen Kerl muß man einfach mögen. Kein abgehobener Stargast, sondern ein Gefährte auf dem Weg.

Persönliche Begegnungen
In diversen Beiträgen zum Forum wurde ein Aspekt deutlich, der auch für mich das Highlight war – der persönliche Austausch und Kontakt mit Gleichgesinnten. Ich gehöre zu einer Generation von Nachfolgern Jesu, die sich für das denominationelle Label ihrer Gesprächspartner nur noch insofern interessiert, als es hilft, die Wurzeln und die (geistliche) Biographie des anderen besser zu verstehen. Alle Glieder am Leib Jesu erfahren Wertschätzung – die bunten Schafe ebenso wie die (nur auf den ersten Blick) grauen Mäuse. Das ist cool. Schön ist es, wenn aus online-Kontakten offline-Begegnungen werden. Von Freundschaften läßt sich nach so kurzer Zeit noch nicht sprechen, aber was noch ist, kann ja noch werden. Meine besten Zeiten auf dem Forum hatte ich außerhalb des Vortragsraumes – in der Kneipe, im Restaurant, beim Kaffee oder irgendwo zwischen Tür und Angel.

Der sonntägliche Doppelpunkt
Am Sonntag setzten wir gemeinsam einen Doppelpunkt hinter das Forum: In »Open Space«-Manier fanden sich diverse Initiativgruppen zu den unterschiedlichsten Schwerpunkten zusammen. Die Bandbreite reicht von der emergenten Damenwelt über kommunitäres Leben bis zur theologischen Arbeit. In Kürze wird sich eine Auflistung dieser Gruppen auf der Emergent Deutschland Website finden. Mögen die Initiativen fruchtbar sein und sich vermehren! Ich freu mich drauf.

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Emergent Forum – Rückschau (2) – Samstag Nachmittag und Abend

7. Dezember 2007

Nach dem entspannten Mittagessen stehen die Workshops an. Meiner dreht sich um »Missionale Kirche«. [Wen es interessiert – mehr auf diesem Blog gibt’s hier: „Missional“ vs. „Missionarisch“. Solltest Du auf diesem Blog neu sein und Dich dafür interessieren, was ich unter »Emerging Church« verstehe, dann lies doch mal dies und das. Ob Dich der missionale Virus angesteckt hast, erfährst Du hier.] Interessante Teilnehmer, leider aber driftet das Gespräch ab und dreht sich schwerpunktmäßig um die Frage, wie denn Außenstehende zu erreichen sind. Das ist zwar schade, aber in Ordnung.
Weil wir ein wenig überzogen haben, stehen für mich erstmal Kaffee und Zigarillo an. Währenddessen läuft schon die »Open Space«-Zeit. Beeindruckt registriere ich, wie viele Themen auf dem Flip-Chart stehen und wie engagiert im Raum diskutiert wird. Klasse! Die Themen sprechen mich nicht direkt an, mein Körper tendiert zu Mittagsschlaf. Den kriegt er aber nicht.

Abends spricht Brian wieder. Wir sehen ein Video mit Basketballspielern, ein weiß und ein schwarz gewandetes Team. Jedes hat einen Ball, den es sich gegenseitig zuspielt. Der Raum wird in drei Gruppen aufgeteilt. Unsere zählt die Pässe des weißen Teams. Nach einer Minute ist der Film vorbei und Brian fragt, wer den Gorilla gesehen habe. Welcher Gorilla? Die andere Hälfte des Raumes streckt und mir schwant: Da muß ein schwarzer Gorilla gewesen sein, den wir auf weiß Fokussierte nicht gesehen haben. Der Clip läuft ein zweites Mal, und tatsächlich: Ein Mensch im Affenkostüm läuft entspannt zur Mitte des Bildes, winkt in die Kamera, bleibt stehen und läuft danach entspannt wieder aus dem Bild. Krass. Brian bemerkt dazu: »What you focus on determines what you see.« Hier haben wir wieder eine Lektion gelernt. Schade, daß die Pluriformität der biblischen Botschaft selten wahrgenommen wird. Wie es anders geht, zeigt eine Predigt von Jens Stangenberg, die ich hiermit empfehle: Die sieben Farben des Evangeliums. Jens demonstriert, wie wir aufgrund unterschiedlicher Frequenzen nur Facetten des Evangeliums wahrnehmen. Sehr cool.
Brian erzählt weiter. Er spricht von Theologie als dem Prozess, ein Weltbild zu entwerfen, das auf Annahmen über Gott basiert. Wenn wir nun diese Annahmen hinterfragen, werden Menschen eingeschüchtert, weil ihr Weltbild zusammenbricht. In diesem Zusammenhang beschäftigt mich die Frage, inwiefern es sinnvoll ist, einfach nur aus Prinzip das Weltbild anderer zu erschüttern, nur um die eigene intellektuelle Überlegenheit zu demonstrieren. Wer in einem anderen Paradigma zu Hause ist, darf es meines Erachtens gerne behalten. Das neue Paradigma ist indes noch offen. Brian nennt Fragestellungen, die in unserem Jahresring aktuell seien, z.B.:

  • Wie stellt sich Gott unseren Umgang mit der Bibel vor?
  • Wovon ist Jesus uns zu retten gekommen?
  • Was ist das Evangelium?
  • Wie ist Gott?

Einmal mehr denke ich, daß die Antwort nur aus der Bibel kommen kann. Und wenn wir sie lesen, sollten wir uns nicht in einem solchen Maße auf den Gorilla konzentrieren, daß wir plötzlich die Basketballspieler aus dem Blick verlieren. Die ganze Breite sehen. Aussagen, die mir schwer im Magen liegen, auch mal aushalten.
Im Anschluß an diesen Part erfolgt für mich das Herz des Forums: Der Austausch in kleinen Gruppen über Fragen, die uns bewegen, oder die andere Menschen – Christen und Nicht-Christen – uns stellen, und die wir nicht einfach so beantworten können. Ich mag diesen Teil. »Safe Space«. Brian hat eine Atmosphäre geschaffen, die Offenheit und Wahrhaftigkeit ermöglicht. So stelle ich mir die Zukunft von »Emergent Deutschland« vor. Raum für offenen Austausch und Fragen. Andererseits stelle ich auch das in-Frage-stellen selbst in Frage. Wenn die Antwort auf eine Frage der Zweifel ist, dann ist das zwar Zweifel, aber auch eine Antwort. Als Dialektiker mag ich Menschen mit Überzeugungen. Auch wenn ich die Überzeugung an sich vielleicht nicht mag – sie ist mir lieber als ein im Brustton der Überzeugung gesprochenes: „Das kann man eh nicht wissen“. Das klingt wie: „Es ist eine objektive Wahrheit, daß es keine objektive Wahrheit gibt“. Oder: „Die einzig gültige Metanarrative ist die Ablehnung der Metanarrativen“. Das Kätzchen beißt sich in’s Schwänzchen… Lieber sage ich: „Ich weiß es nicht“. Das weiß ich dann aber sicher…
Im weiteren Verlauf des Abends geht Brian auf die Fragen ein. Ein interessanter Aspekt: Für ihn kann auch ein Anhänger einer nichtchristlichen Religion Jesus folgen. Hier wird das Eis so dünn, daß ich nicht mehr drüber laufen will. Die Nachfolge Jesu im neutestamentlichen Sinn beginnt für mich mit dem Bekenntnis: »Kyrios Iesus – Jesus ist Herr!“ Soteriologische und eschatologische Fragen kommen in’s Spiel. Wo wird ein Anhänger einer anderen Religion das neue Äon verleben? Ich weiß es nicht. Vielleicht gilt, was C.S. Lewis in den Chroniken von Narnia formuliert hat: Wer in der rechten Haltung kommt, landet immer bei Gott. Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist, daß Jesus seine Nachfolger aussendet, alle Nationen zu Nachfolgern zu machen, indem sie sie auf den dreieinigen Gott taufen und sie alles halten lehren, was Jesus geboten hat. In dieser Spur will ich weiter gehen. Aber wie sagte Brian: »DoSi, we may disagree, but we are friends«. Yo.

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