[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« IV – Samstag Vormittag
20. Oktober 2007
Darrell Guder – Die biblische Prägung missionarischer Gemeinden: Missionarische Ekklesiologie und Hermeneutik
Mission als Wesenszug der apostolischen Kirche
- Vaticanum II “Ad Gentes”: “Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, d.h. als Gesandte unterwegs, da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes … herleitet.”
- David Bosch: Als Europa christianisiert und das Christentum etablierte Kraft des römischen Reiches wurde, verlor die Theologie ihre missionarische Dimension.
- PoMo = allmählicher Zusammenbruch der westlichen Kirche – Ruf nach Mission wird lauter – vgl. Vaticanum II: Die ersten Kapitel von “Lumen Gentium”
- Es war das Ziel apostolischer Mission das von Gott bewirkte und in Jesus Christus erwirkte Heil in der ganzen Welt zu bezeugen. Dieser Prozess wurde eingeleitet von Jesus, der Jünger berief. Das Angekündigtes Heil wird am Kreuz zur guten Nachricht und revolutionären Wirklichkeit für die ganze Welt. Die Evangelien enden mit dem Missionsbefehl. Die Urgemeinde wurde getragen von der Aussage Jesu: “Ihr werdet meine Zeugen sein… “(Apg 1,8)
Fortsetzung der Berufung Abrahams und Israels: Segen für alle Nationen; erste Christen sind “Teilnehmer am Ev vom ersten Tag bis jetzt”, verbindung von Evangelisation und Katechese führt zum glaubwürdigen Zeugnis
Blick in die Geschichte
- die Wiederentdeckung des Misisonsbefehls ist vergleichbar mit Widerfindung des Gesetzbuches unter Josia 1Kö 22f
- 1952 Willingen: Missionarische Verpflichtung der Kirche: Auftrag Jesu an Kirche, daß alles, was er sagte und wofür er sich einsetzte, ernst genommen werden soll, v.a. Missionsbefehl. Kirche kann nicht Kirche sein, wenn sie ihrem Apostolat nicht treu ist. Kirche muß selber Mission werden. “Let the church be the mission!”
- Ambivalenz: Postmoderne Kritik an geistlicher Selbstsicherheit der Aufklärung gilt auch der selbstsicheren Ausbreitung des Evangeliums durch die Kirche
- westliche Situation ist ein nachchristlicher Kontext -
- altes Verständnis: Menschen aus der christlichen westlichen Welt bringen Menschen in nichtchristlicher Welt die Zivilisation; Bosch: “Mission unter dem Paradigma der Aufklärung” – der Ruf nach der Verchristlichung primitiver Gesellschaften ist Teil des Fortschrittsdenkens
- die Missionsbewegung und deren neugegründete Minderheitenkirchen nahmen das Problem westlicher Kirchenspaltung in den Blick, und aus ihrem Engagement ist eine direkte Linie zur Missionskonferenz in Edinburgh 1910 zu ziehen, auf der die moderne ökumenische Bewegung geboren wurde und erstmals Vertreter (wenn auch nur 17) der neuen, jungen Kirchen zu Wort kamen.
- Philip Jenkins (The Next Christendom): DIe Mehrheit der Christen leben südlich des Atlantiks. Afrika ist zum Zentrum der Weltchristenheit geworden.
Die westliche Christenheit als Missionsgebiet
- Newbigin: Westen ist nachchristlich. Als Missionstheologe erfaßte er diesen Sachverhalt: Weil der Westen zum Missionsgebiet geworden ist, lautet die entscheidende Frage: Wie kann die Kirche wieder missionarisch werden?
- Forderung: Kontextspezifisch arbeiten
- weil wir alle Erben der westlichen Tradition sind und mit dem Erbe des Konstatinismus konfrontiert sind, müssen wir uns mit dieser Situation auseinandersetzen.
- Mission im Corpus Barthianum: Brennpunkt seiner Theologie in der ganzen KD, nicht erst im letzten Band – Erwählung (II,2): Sendung ist Voraussetzung für alles. Sendung ist nötig … zur Begegnung mit der Offenbarung.
- im stabilen Corpus Christianum wirkt die Institution als Heilsanstalt (nach Troeltsch). Der Einzelne nimmt das Heil (ein Status, ein Zustand, dessen Besitzes man sicher sein kann). Die Kirche soll ihren Dienst flächendeckend anbieten. Europa ist in dieser Sichtweise kein Missionsgebiet mehr.
- Kritik am aus der Wirtschaft orientierten Wachstumsdenken
- die postmoderne Kirche sucht die Probleme mit immer neuen Methoden zu lösen
- es ist kein Strategieproblem, sondern ein Problem der Fundamentaltheologie der Kirche: Was ist die Kirche? Wozu ist sie da?
Die missionarische Bestimmung der konkreten Gemeinde
- Hauptträgerin des missionarischen Auftrages ist die lokale Gemeinde
- nicht Erhaltung des Gewesenen, sondern Treue zum missionarischen Wesen
- es geht um die kontinuierliche Bekehrung der Kirche
- es gibt heute sehr viele neue Formen von Kirche, die das Evangelium in die postmoderne Kultur inkarnieren: Bsp. Emergent
- ob diese neu hervortretenden Formen alle Reste des Corpus Christianum vermeiden, ist bislang noch eine offene Frage
- Paulus: Menschen finden, die vom Geist Gottes auf den Empfang der guten Nachricht vorbereitet. Die neue Gemeinde wurde in den Zeugendienst eingeführt, für den die Taufe eine Ordination war. Die Apostel blieben eine Weile, um zu unterweisen, damit die Gemeinde dann ihren lebensumfassenden Dienst gesendet werden konnte. Es geht darum, die eigene Umgebung mit den Augen Jesu zu sehen: “Wie Schafe, die keinen Hirten haben” (Mt 9,36)
- die Texte des NT-Kanons wurden alle an schon bestehende neue Gemeinden gerichtet und daher immer in eine spezifische Situation hineingeschrieben. Zurüstung in den Evangelien: Mit Jesus sein und seine Botschaft hören und erleben. Rudolf Pesch: Christologische Prägung der apostolischen Gemeinden. Mit der Platzierung der Berufungserzählung zu Beginn des Markusevangeliums ist das Programm klar. Der Ruf in die Jüngerschaft mündet in das Apostolat, dessen Ziel die Gründung von Zeugnisgemeinden ist. “Das ganze Buch des Markus ist Missionsbuch”. Auf dynamische Art und Weise ermächtigt der Heilige Geist durch die Schriften die Gemeinde zu ihrem Zeugendienst. Die Autorität der Bibel dient der Missio Dei.
Die Missionsvorbereitung im Dienst der Zeugnisgemeinde
- wir brauchen eine Missionshermeneutik, die von der Annahme, Kirche sei ihrem Wesen nach Mission. Diese MH ist augenblicklich noch im Werden. Die Missionstheologie braucht nun die praktische Übersetzung in die Gemeindepraxis, jenseits von Methoden und einheitlichem Vorgehen.
- wir müssen die Bibel als missionarische Zurüstung lesen
- das “Christendom”-Denken stellt Linsen vor die Augen, welche die missionarische Triebkraft der biblischen Schriften so weit ausblenden, daß fast nichts übrig bleibt
- wir brauchen eine Bekehrung der Gemeinde und des Einzelnen zum missionarischen Auftrag – dazu bedarf es einer missionarischen Evangelisation als innere Dimension des Gemeindedienstes, welche die Arbeit des Pastors bestimmen muß – ganzes Evangelium von Rechtfertigung, Heilung und Berufung predigen – neue Erwartung: Gemeinde versammelt ihre Glieder um Jesus, damit er die Zeugen zurüstet, stärkt und in den apostolischen Dienst aussendet.
- Immer wieder fragen: Wie zeigt diese Gemeinschaft in ihren Taten und Worten, was der Anbruch der Gottesherrschaft wirklich bedeutet. Paulus: “Führet Euren Wandel würdig des Evangeliums von Jesus Christus” Eph 4,1: “Wandelt würdig der Berufung, zu der ihr berufen seid.” Diese Berufung zum Zeugendienst verlangt einen entsprechenden Wandel. Es geht um den Gehorsam dem Sendungsauftrag gegenüber. Es geht um das volle Verständnis des Heilswerkes, wie es z.B. im Epheserbrief dargestellt wird. Nachfolge Christi gemäß Philipper 2. Wie hat es Jesus getan? Wie sollten wir es tun? “Das biblische Analphabetentum ist ein großes Problem für die missionarische Zurüstung.”
- den Sabbat zur Zurüstung ernstnehmen, damit die Gläubigen an den sechs anderen Tagen ihr Apostolat ausleben können.
- bewußte Gestaltung der Liturgie zur Begegnung mit dem auferstandenen Christus, der uns in Wort und Sakrament stärkt und begegnet, damit wir den Sendungsauftrag leben können
- Experimente starten, Risiken eingehen
- Gebet der Gemeinde als Fortsetzung des apostolischen Gebets
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Samstag 20. Oktober 2007 um 13:22
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Dienstag 23. Oktober 2007 um 07:21
[...] über alle bisher geposteten Beiträge zusammen gestellt. Hochinteressante Vorträge wie z.B. Darrel Gruder “Die biblische Prägung missionarischer Gemeinden: Missionarische Ekklesiologie … (Dosi – mein Mitschreibeheld…) werden im Netz zusammen gefasst. Übervoll war es, aber [...]
Dienstag 30. Oktober 2007 um 14:56
[...] Westen eine viel höhere traditionelle, distanzierte Kirchlichkeit aufweist (Darrel Guder nannte es in Greifswald “Kulturchristentum” und fand, davon gebe es in den USA auch mehr, als [...]