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[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« VII – Nachtrag

30. Dezember 2007

[Im Rahmen meiner Rückschau auf das vergangene Jahr habe ich auch über das Symposium in Greifswald nachgedacht und lustigerweise noch einen alten, nicht veröffentlichten Post zum Vortrag von Karl Gabriel gefunden, den ich jetzt der Vollständigkeit halber nachreiche.]

Karl Gabriel – Im Spannungsfeld von Entkirchlichung, individualisierter Religiosität und neuer Sichtbarkeit der Religion: Der gesellschaftliche Ort der Kirche in der Gegenwartsgeschichte.

1. Moderne Gesellschaft und Religion in Spannung
Die Spannung hat ihre Ursache, in den Grundlagen moderner Gesellschaften, die in der Postmoderne weiterbestehen. Alle gesellschaftlichen Funktionen haben selbständige Handlungsstrukturen; es existiert keine übergeordnete Ordnung. Die Moderne bindet sich im Ansatz an die ratio. Das Individuum muß seine Weltsicht/seinen Sinn selbst deuten. Religion ist strukturell ein Teilsystem unter anderen; kulturell eine Wirklichkeitsperspektive unter anderen. Daher handelt es bei der Postmoderne, deren Weltsicht im Kern vom Verlust einer Zentralperspektive gekennzeichnet ist, um die radikalisierte, zugespitzte Moderne.

2. Tendenzen fortschreitender Entkirchlichung
Auf lange Sicht ist ein Rückgang der kirchlich institutionalisierten Religion, die sich im Glauben an ein Leben nach dem Tod und an einen persönlichen Gott ausdrückt, zu erwarten. Die Bindung an die Institution Kirche schwächt sich ab, regelmäßiger Gottesdienstbesuch und regelmäßige Gebetszeiten nehmen ab. Deutschland befindet sich in einer besonderen Lage in zwei kulturellen Bereichen: Im industrialisierten Westen liegt die Kirchenbindung im europäischen Mittelfeld; der Osten gehört zur nordosteuropäischen Region mit Estland und der tschechischen Republik, die den kirchendistanziertesten Gürtel der Welt darstellt. Der kirchliche Glaube verliert an Selbständigkeit und Normalität; die kirchliche Religion hat ihren Charakter als zwingende Primärinstitution verloren und ist zu einer (ab-)wählbaren Sekundärinstitution geworden. Die Selbstverständlichkeit, mit der die kirchliche Religion einen entscheidenden Posten in der Gesellschaft innehatte, löst sich auf.

3. Religiöse Individualisierung
An die Stel der institutionalisierten Religion mit klarer Repräsentanz ist keine vergleichbare Instanz getreten; das einst von einem Monopolanbieter bestellte religiöse Feld wandelt sich zu individuell zusammenbastelbarer Religiosität, eine Vielzahl von Kirchgängern nimmt problemlos Elemente östlicher Religionen wie z.B. die Reinkarnation in ihr Glaubenssystem auf – das religiöse Feld verengt sich nicht, sondern erweitert sich (Wiederkehr des Okkulten, Tendenz zur Sakralisierung von Liebesbeziehungen), der Erlebnis- und Erfahrungsbezug des Glaubens nimmt zu. Der Markt der Sinnangebote bietet Substitute für Glauben, auf die zurückgegriffen werden kann, z.B. Versicherung zur Sicherheit oder Idole zum Anbeten. Psychokulte und Therapien sind insbesondere unter Großstädtern zw. 30-50 verbreitet, welche sich diese Angebote überhaupt leisten können. Das Fernsehen ist geprägt von Information und Sensation bei stark überzeichneter Qualität und Quantität , aber großer kultureller Auswirkung.

4. Pluralisierung der und in den Religionen

  • Zunahme der religiösen und konfessionellen aber auch innerkirchlichen Verschiedenheit
  • die praktizierte Ökumene ist weiter fortgeschritten als viel wahrhaben wollen
  • Differenz des Glaubens auf der individuellen Ebene
  • es gibt keine konfessionell geprägten persönlichen Beziehungsnetzwerke mehr
  • wachsende religiöse Pluralisierung betrifft die institutionell-organisatorische Ebene genauso wie die persönliche mit Patchwork-Religiosität – das wird auch so weitergehen

5. Neue Tendenzen seit der Wende zum 21. Jahrhundert
Die neuen Tendenzen sind schwer einzuordnen, liegen aber auf der Hand: Die öffentliche Präsenz der Religionen (z.B. in den Medien) hat zugenommen, auch gibt es unter den Journalisten und Spitzenpolitikern wenige Atheisten. Die Säkularisierungsthese muß als widerlegt gelten: „In dem Maße, wie sich der aufklärerische Glaube an Fortschritt … abdunkelt, nimmt die Religiosität zu.“ Die Entwicklungen der neuen Lage von Religion und Kirchen im Globalisierungsprozeß weisen in eine doppelte Richtung:

  • ein weltweites Referenzsystem in Sachen Religion ist im Entstehen begriffen (asiatische Religionen müssen dazu erst zur Religion werden), um dessen Ausgestaltung im Moment bei nicht absehbarem Ergebnis gerungen wird. Benedikt XVI. und Johannes Paul II. brachten in diese Diskussion ein, daß der Gott der Christen sich als Gott der Liebe offenbart und der Glaube sich dem kritischen Korrektiv der Vernunft stellt aber gleichzeitig die Vernunft von ihren blinden Flecken befreit.
  • neue Bedeutung für traditionelle Kirchen- und Religionsgemeinschaften, die neben den Charismatikern etabliert sind; die Kirchen sind trotz ihrer oft zu negativen Selbstwahrnehmung aus der religiösen Landschaft nicht wegzudenken, da viele andere religiöse Formen von ihrem Gegenüber zur institutionalisierten Religion leben

6. Herausforderungen für die Religionen und Kirchen
Die neue Frage lautet: Wie können wir zum religiösen Frieden und zur Minderung religiöser Konflikte beitragen? Daraus ergibt sich die Verpflichtung zur Verarbeitung der Dissonanzen in der Begegnung mit den anderen Konfessionen und Religionen. Neben dem religiösen Pluralismus muß sich die Religion mit der modernen Wissenschaft und ihrem Anspruch, für das geltende Weltwissen verantwortlich zu sein, auseinandersetzen und den säkularen Verfassungsstaat sowie die Menschenrechte, die beide nicht mehr auf Gott gründen, anerkennen. Die religiösen Institutionen können ihren Beitrag erst dann leisten, wenn sie auf Macht vom Staat verzichten und die Religionsfreiheit akzeptieren. „Alle Völker werden immer mehr eine Einheit, Traditionen und Kulturen kommen in Beziehung – um Frieden zu schaffen muß überall auf Erden die Religionsfreiheit einen Rechtsschutz genießen.“ Das Vaticanum II ist eine innere Revolution der römisch-katholischen Kirche – was kann die islamische Tradition daraus lernen?

7. Kirchen als Akteure der Zivilgesellschaft
Die verrechtlichte Religion in Europa ist ein Problem, aber weder die radikale Trennung noch die Staatsreligion wäre eine Lösung – ist der Religionsmarkt überreguliert? „In Europa hat es das Christentum zugelassen, eng mit den weltlichen Mächten verknüpft zu werden. Jetzt sind sie zusammengestürzt, und es liegt unter ihren Trümmern. Es ist ein Lebendiger, den man an einen Toten binden wollte. Befreit ihn von den Fesseln!“ (Tocqueville) Das Christentum muß sich vom Charakter der staatsanalogen Institution verabschieden und darf sich auch nicht mit einer politischen Partei verknüpfen. Die Kirchen müssen ihren Freiraum gegen den Säkularismus erstreiten, der ihnen nur Raum im Privaten zugestehen will. Das innerkirchliche Sälularisierungsdenken, das einen Rückzug in eine Enklave am Rande der Gesellschaft erstrebt, muß überwunden werden. Ziel ist eine in die Gesellschaft als ganze integrierte Zivilreligion. Die Aufgaben der Kirchen sind die Verteidigung der Menschenrechte und der Würde der Person (begründet im Imago Dei), die Übernahme öffentlicher Verantwortung und ein Gegengewicht zum radikalen Individualismus durch Einbringen ihrer Positionen z.B. beim Embryonenstreit, damit sich das Gemeinwohl nicht auf die Gesamtsumme individueller Positionen reduziert.

8. Kirchen als intermediäre Organisationen

  • individuelle Religiosität der Menschen wecken, fördern und begleiten – Abschied von der Zwangsinstitution
  • Vermittlung des persönlichen Glaubens in die Deutungsgemeinschaft der Kirche
  • Praxis der Entprivatisierung des Glaubens
  • Orientierung am Ursprung, an der Gesellschaft und an der Religiosität des Menschen

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Ein Kommentar zu “[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« VII – Nachtrag”

  1. Andere berichten aus Greifswald at einAugenblick.de sagt:

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