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[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« II – Freitag Nachmittag

19. Oktober 2007

[Diesmal direkt die Notizen, unreflektiert festgehalten. Die Notizen geben die Gedanken des Referenten wieder.]

Ralph Kunz – Keine Kirchenreform ohne Taufreform. Chancen und Fallstricke eines tauforientierten Gemeindeaufbaus
– jedes Jahr verschwindet in der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich eine Gemeinde
– die institutionelle Religion übernimmt (immer noch) die Funktion der Hintergrundserfüllung. Sie funktioniert wie eine Versicherung. Man ist froh, wenn man eine hat und ebenso froh, wenn man sie nicht braucht
– das Verhältnis von Kern- und Schalengemeinde ist eine kybernetische Knacknuss (Kern: GoDi-Besucher, Schalen: Getaufte)
– Mission ist nicht die Lösung für Probleme der ehemaligen Volkskirchen. Kein Gemeindeaufbau ohne Kirchenreform – und umgekehrt!
– Wenn Mission zu einem Glauben reizen, wecken und verlocken soll, der eine integrale Lebenspraxis ist, kann die Erhaltung der Grosskirche à tout prix nicht ihr primäres Ziel sein
– Ernst Troeltschs Unterscheidung der drei Sozialgestalten der Kirche:

„Sekte“ als Urform der Jesusbewegung ist eine Gemeinschaft der Geretteten. – „Bewegung“
Die „Heilsanstalt“ (verwaltet das Heil) ist das Resultat eines Institutionalisierungsprozesses, in dessen Verlauf sich der Klerus ausgebildet hat. – „Institution“
– Großkirchen tragen das heilige Feuer der Jesusbewegung in sich und ebenfalls den Großinquisitor Dostojewskijs
– Großkirchen sind Gebilde, in denen sich bewegung, Institution und Organisation spannungsvoll ergänzen und begrenzen
Die Auflösung der Institution mündet in den „mystischen Spiritualismus“, der sich als konsequente Entkoppelung von Mitgliedschaft und Beteiligung manifestiert.

Weder Organisationen noch Institutionen missionieren. Sie machen Mission möglich oder unmöglich. Mission ist Sache der Bewegung von Menschen, die angezündet sind vom Feuer der Liebe Jesu, sie ist Sache des Leibes Jesu. Die Schar der Anhänger der Großkirchen ist pluriform geprägt.
Der „religiöse Frieden“ innerhalb Großkirchen ist solange nicht gefährdet, als die Bewegungen, die unter dem Dach der Kirche missionieren, die Grundregel der Organisation akzeptieren. (Und diese ist Religionsfreiheit.) Die Religionsfreiheit und politische Freiheit sind nicht christliche Freiheit, da letztere viel komplexer ist. Zwischen dem mystischen Spiritualismus und der liberalen Theologie ist eine enge Verbindung, wir haben liberale Ekklesiologien in Stein gegossen. Die (Kinder-)Taufe macht den Menschen zum Christen, verpflichtet ihn aber nicht dazu, Christ zu werden. Die Zeit der Großkirchen ist noch nicht (überall) zu Ende, aber es ist offensichtlich, daß es lose Enden gibt, die neu verknüpft werden müssen. Hinsichtlich der Institution ist die Taufe ein Sakrament, für die Bewegung das Zeichen zur Zugehörigkeit, für den Spiritualismus eine symbolische Inszenierung.
Es zeichnet sich eine deutliche Positionierung der Gemeindetypen innerhalb der Organisationen ab.

Unter „Postmoderne“ sind Prozesse der strukturellen Individualisierung zu verstehen, die gleichzeitig die Ausdifferenzierung kultureller Milieus und die Ausbildung von Patchworkidentitäten fördern. Die Gleichung „Postmoderne“ hat viele Variablen. Sie beschreibt nicht das Ende, sondern neue Verknüpfungsvarianten der losen Enden der Modernisierung, die wiederum eine Radikalisierung und Steigerung der Moderne bewirken. Die 1920er waren ein Probelauf der Postmoderne, der im grossen Modernisierungsschub der 1960er und 1990er Jahre seine Fortsetzung fand.

Bonhoeffer in SC: Wie kann die geistliche Größe der Kirche sozial gestaltet bzw. umgesetzt werden? Drei Stufen der Christlichkeit: a) Taufgemeinde, b) Wortgemeinde, c) eucharistische Gemeinschaft – damit hat dieses Modell eine geistliche Mitte. Der Webfehler an diesem Modell: Die Taufe gehört nicht an den Rand, sondern ins Zentrum der Kirche.

Jürgen Moltmann rückt ebenfalls die Taufe ins Zentrum. Er versucht dabei eine pneumatologische und eschatologische Perspektive wieder ins Licht zu rücken. Taufe ist nach Moltmann ein kreatives Geschehen, weil sie die Gemeinde in der Gesellschaft umkehrt. »Die Taufe kann ihrem Sinn entsprechend nur praktiziert werden, wenn zugleich die öffentliche Gestalt und Funktion der Kirche in der Gesellschaft verändert wird und die Kirche als messianische Gemeinschaft Christi erkennbar und aktiv wird. Eine glaubwürdige Taufpraxis kann nur zusammen mit einer glaubwürdigen Kirche gewonnen werden. Keine Taufreform ohne Kirchenreform, und keine Kirchenreform ohne Taufreform!« (Kirche in der Kraft des Geistes, 252-268.58) Moltmann orientiert sich an der Gottesherrschaft. Gemeinsame Umkehr ist geboten. Das „öffentliche Lebenszeichen des Heiligen Geistes“ ist kein Privatereignis. Ein Mensch, der in die trinitarische Geschichte Gottes hinein gestellt wird, tritt ein in die messianische Gemeinschaft Jesu Christi. Wenn es bei der volkskirchlichen Säuglingstaufe bleibt, fällt diese Dimension aus. Darum: Nur in dem Maße, wie die Kirche zu einer erkennbaren messianischen Dienstgemeinschaft am Reich Gottes wird, können Einzelne ihre Berufung im beschriebenen Sinn realisieren. Umgekehrt aber entsteht eine solche Gemeinschaft erst aus bekennenden Glaubenden.

Brauchen wir einen solch radikalen Paradigmenwechsel, wie Moltmann ihn fordert? Nein, nicht die Alternative Säugling oder Erwachsener, sondern es geht um die Wertschätzung und Befreiung der Erwachsenentaufe. Die Kritik an der Entkoppelung von Mitgliedschaft und Beteiligung kritisiert den Taufautomatismus. Kritik am „ex opere operato“-Modell. Die Gemeinde aktualisiert, was Gott realisiert. Die Erwachsenentaufe ist keine Lösung für das Problem der Volkskirchen. Aber der Taufautomatismus ist ein Problem geworden, weil er die Krise der Kirche in der Postmoderne verschärft und kreative Lösungen verhindert. Es geht darum, die Taufe beherzt ins Zentrum der Gemeinde zurückzuholen, dort wo sie eigentlich hingehört. Die automatische Säuglingstaufe ist das theologische Feigenblatt einer geistlich entblössten Kirche geworden, in der Konfirmation deformiert wurde. Eine automatische Erwachsenentaufe wäre genauso falsch. Wo der Taufakt von der Gemeinschaft erzwungen wird, wird Konversion pervertiert. Gemeinde ist die Verbindung von Christenmenschen durch den gekreuzigten und auferstandenen Christus. Die Entscheidung für Taufe und Tauferinnerung ist ein Akt des sich-in-Gottes-Arme-werfens. Es geht um die Erfahrung des Erfassens der Gottesgemeinschaft und der neuen Selbstwahrnehmung als transformiertes Geschöpf. Mystisch „ich in Dir und Du in mir“. Die Taufreform hat die geistliche Konzentration der Gemeinde zum Ziel. Wenn Menschen in ihren Gemeinden Gott erfahren, ist »Kirche der Freiheit« keine leere Formel mehr.

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6 Kommentare zu “[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« II – Freitag Nachmittag”

  1. toby sagt:

    Danke fürs mithineinnehmen. Hört sich sehr spannend an. Gibt es mp3s von den Vorträgen? Und Grüße an Peter & depone!

  2. DoSi sagt:

    MP3s gibt es keine, aber es wird „zeitnah“ ein Buch veröffentlicht werden. Grüße sind ausgerichtet und kommen zurück!

  3. peregrinatio » Greifswald, zweiter Tag: Neues von der Ostmoderne sagt:

    […] Beliebigen stecken). Die letzte Reihe hat sich zur Mac- und Blogger-Ecke entwickelt. Neben mir hat DoSi minutiös einiges protokolliert, daher kann ich mir das nun schenken. Immer wieder gibt es eher […]

  4. Pastor Sandy sagt:

    Vielen Dank fürs ausführliche Berichten! Man Spaß nachzulesen, was so in Greiflswald in der Mac- und Blogger Ecke los ist.

  5. Andere berichten aus Greifswald at einAugenblick.de sagt:

    […] Dominik Sikinger: • Auf Reisen – »Kirche und Postmoderne« in Greifswald • [Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« II – Samstag Nachmittag […]

  6. Keine Kirchenreform ohne Taufreform | Vries-Land.de sagt:

    […] Beiträge zum Vortrag von Ralph Kunz: Daniel Schlunk – Das eigentliche Taufproblem DoSi – Kirche und Postmoderne II – Freitag Nachmittag Peter Aschoff – Greifswald, zweiter Tag – Neues von der Ostmoderne Simon Laufer – Einmal Galaxis […]


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