An die Kritiker der Emerging Church im Allgemeinen und Emergent Deutschland im Besonderen
21. November 2007
In der letzten Zeit bin ich auf einige Blog-Posts gestoßen, in denen Ihr Euch sehr negativ zu Wort gemeldet hat. Das schmerzt mich. Zerteilt man denn das Fell eines Bären, bevor er erlegt ist? Könnt Ihr etwas kritisieren, das Ihr gar nicht kennt? Hat nicht unser gemeinsamer Herr und Meister gesagt: “Richtet nicht andere, auf daß Ihr nicht gerichtet werdet?” Ich gehöre zu den zwei Handvoll Menschen, die sich ganze zwei (!) Mal getroffen haben, um über Emergent Deutschland nachzudenken und es aus der Taufe zu heben. Und wißt Ihr was? Ich weiß selbst nicht genau, wie Emergent Deutschland werden wird. Wenn Ihr wissen wollt, wofür Emergent Deutschland steht, dann schaut Euch doch mal unser vorläufiges Selbstverständnis an. Darin haben wir u.a. Folgendes formuliert:
# Alles Überlegen, Diskutieren und Anwenden geschieht in dem Bewusstsein, dass sich der dreieinige Gott in Jesus von Nazareth geschichtlich offenbart und die Welt mit sich versöhnt hat. Unser Leben erhält seinen Sinn in der Ausrichtung auf ihn.
# Als seine Nachfolger kultivieren wir unter uns und bei anderen eine lernbereite Atmosphäre, streben nach Integration von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung und fördern als Teil des Leibes Christi bestmöglich die Ausbreitung des Reiches Gottes inmitten dieser Welt.
# Wir begrüßen es, wenn Emergent Deutschland als ökumenisch ausgerichtetes Netzwerk wächst und durch unterschiedliche Begabungen und biographische Prägungen bereichert wird.
Was an diesen Worten habt Ihr nicht verstanden? Wie könnt Ihr denn die theologischen Schwerpunkte von Emergent Deutschland kennen, die nicht einmal wir kennen? Wie könnt Ihr Emergent Deutschland mit »klassisch liberaler Theologie« gleichsetzen? Warum könnt Ihr nicht zwischen Emergent Village und Emergent Deutschland unterscheiden? Warum hackt Ihr auf Eure Brüder und Schwestern in Christus ein? Habt Ihr nichts Besseres zu tun? Wie wär’s mal mit “Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor Deinem Gott”? Warum setzt Ihr Emergent Village mit Brian McLaren gleich? Warum setzt Ihr Emergent Deutschland mit Brian McLaren gleich? Wenn wir Brian als Redner einladen, dann ist er ein Dialogpartner, der uns inspirieren kann – nicht unser geistlicher Führer. Wenn ich seine Bücher auf meinem Blog vorstelle, dann tue ich das deswegen, weil ich der Ansicht bin, daß die Auseinandersetzung mit seinem Gedankengut förderlich sein kann. Weite Teile seiner Theologie teile ich nicht – den Ansatz schon: Aus den vielfältigen Strömen christlicher Glaubensgeschichte schöpfen und die Botschaft Jesu nicht nur auf das Leben nach dem Tod reduzieren. Mich regt Eure Kritik auf. Ihr hört Vorträge, aber kennt die Menschen nicht, lest Bücher selektiv und prüft sie anhand Eurer persönlichen Theologie, die natürlich der Maßtab ist – was denn auch sonst? Die katholische Kirche ist aus Eurer Sicht sowieso mit der großen Hure Babylons zu identifizieren, die Kirchengeschichte hat wahlweise mit der Gründung Eurer Denomination/Gemeinde oder aber Eurer Geburt begonnen, und es wird nicht lange dauern, bis Ihr die Emerging Church (die es ja gar nicht gibt, aber das wollt Ihr ja auch nicht einsehen) auch noch in irgendeiner diffusen Sicht der Johannesoffenbarung ausgrabt. Ist das nötig?
[Mein persönliches Verständnis von Emerging Church findet sich übrigens hier: 1|2|3. Vielleicht solltet Ihr diese Posts mal lesen und Eure Gedanken in den Kommentaren äußern.]
Warum kommt Ihr nicht einfach (zu den Studientagen oder) zum Forum nach Erlangen, trinkt mit uns einen Kaffee und lernt uns persönlich kennen? Sind wir nicht durch einen Geist alle zu einem Leib getauft? Warum können wir nicht gemeinsam im Namen Jesu das Reich unseres himmlischen Vaters ausbreiten und in der Kraft des Heiligen Geistes darauf hinwirken, daß mehr und mehr Menschen a) mit ihrem Munde bekennen, daß Jesus der Herr ist, b) in ihrem Herzen glauben, daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat und c) mit ihrem Leben danach trachten, alles zu halten, was er uns geboten hat? Na, wie wär das? Können wir, die wir doch Schwestern und Brüder sind, nicht auch Freunde werden? Ich jedenfalls würde mich freuen – Herzliche Einladung!
Technorati Tags: Emergent Deutschland, Emerging Church




















































Mittwoch 21. November 2007 um 22:07
Äh, Dosi – für die Kritiker ist der Studientag definitiv die bessere Adresse. Das Forum setzt doch ein gewisses Verständnis und eine Bereitschaft voraus, sich auf das Ganze einzulassen. Vielleicht kannst Du das oben nochmal klarstellen?
Mittwoch 21. November 2007 um 22:54
Sehr richtig! Gute geschrieben.
Deshalb fahre ich als EC-beobachtender Theologe auch nach Marburg, um am Gespräch teilzunehmen, um verstehen zu lernen, um kennen zu lernen und um dann auch eine eigene Meinung dazu formulieren zu können.
Ich finde es schade, dass viele andere dazu nicht bereit sind, gerade auch die Kritiker. Das fördert nur das Lagerdenken und erschwert es anderen, ausgewogene Kritik zu äußern, die nicht gleich eine Blockade-Reaktion von EC-Sympathisanten hervorruft.
Mittwoch 21. November 2007 um 23:36
@Peter: Ich denke, daß beim Forum mehr von uns deutschen Vertretern rüberkommt. Daher hab ich das geschrieben. Und da das Forum über zwei Tage geht, denke ich, daß da mehr Zeit vorhanden ist, auch an Abenden in’s Gespräch zu kommen. Ich glaube, daß das an den Studientagen weniger gut möglich ist. Außerdem werden an den Studientagen nicht alle dabei sein, die in der Vorbereitungsgruppe waren, und diese trifft die Kritik meiner Ansicht nach am stärksten. Vielleicht sollten wir das bei den Veranstaltungen nächstes Jahr bedenken, daß mehr native Stimmen zu Wort kommen und wir weniger mit den eingeladenen Rednern identifiziert werden.
Mittwoch 21. November 2007 um 23:40
@Karl: Danke für diese Grundhaltung. Ich kann selbst mit vielem nicht übereinstimmen, was im EC-Lager gesagt wird, und viele können mit mir nicht übereinstimmen. Für die Konservativen bin ich zu liberal, für die Liberalen zu konservativ. Theologisch bin ich viel näher bei Andrew Jones, Frost/Hirsch oder Dan Kimball als bei Brian McLaren oder Daoug Pagitt. Daher schmerzt es mich kolossal, wenn jetzt so getan wird, als ob ED nur was für Brian-Fans wäre. Nebenbei bemerkt nervt es mich ein wenig, daß ekklesiologische Fragen in den Diskussionen mittlerweile in den Hintergrund gerückt sind.
Leider klappt es bei mir mit Marburg nicht. Hätte Dich gerne mal offline kennengelernt. Solltest Du aber mal im Stuttgarter Raum sein – melde Dich. Kaffee oder Bier/Wein geht immer…
Donnerstag 22. November 2007 um 00:01
Es ist gut, dass dieses strikte Liberal/Konservativ-Aufteilung etwas bröckelt, auch wenn es furchtbar anstrengend sein kann, weil man so gerne labelt und auch diejenigen, die so wie du oder ich sagen, sie wäre den einen zu liberal und den anderen zu konservativ wiederum untereinander sehr verschieden sind. Vielleicht will “emergent” genau das meinen, dass man irgendwo dazwischen ist und nicht in Lager passt (dumm nur, dass aus “emergent” in der Aussenwirkung dann wiederum ein festes Lager wird, was es eigentlich gar nicht sein sollte und dann Leute wie ich, die nicht in dieses von aussen umrissene Lager gehören wollen den Begriff für sich streichen)
Tja schade dass du nicht nach Marburg kommst. Ich werde nicht nach Erlangen kommen, weil mir das zu teuer ist. Stuttgart ist leider auch nicht gerade die Gegend, wo ich mich alle Nase lang aufhalte
Aber sollte ich mal im Süden sein, dann werde ich darauf zurück kommen. Das gleich gilt, solltest du mal in Mittelhessen rumlungern
Donnerstag 22. November 2007 um 00:14
Alrighty, dann werde ich, der mich immer noch als tendenziell Konservativen verstehe (ich sehe vor meinem inneren Auge mindestens zwei Leute grinsend nicken), mich melden, sobald ich mal einen Samen in Mittelhessen säen werde.
Donnerstag 22. November 2007 um 00:21
*nicke grinsend*
Donnerstag 22. November 2007 um 00:24
Yo Boy, Du warst einer der beiden. Abgesehen davon solltest Du jetzt eigentlich schlafen – ich will Dich morgen fit sehen
Donnerstag 22. November 2007 um 08:13
Ich kann Deinen Ärger gut verstehen, weil ich ähnliches oft selbst erlebe. Ich weigere mich, Konfessionsgrenzen zu akzeptieren, denke und schreibe beharrlich von der Gemeinde / Kirche und meine sie alle, die Katholiken, Pfingstler, Evangelikalen, Charismatiker, Baptisten, Evangelischen, Reformierten… – was gibt es noch alles? Jede Menge.
Und wenn dann irgendwo ein Aufbruch, groß oder klein, geschieht, sind die Kritiker mit ihren Scheuklappen sofort zur Stelle. Sie haben die Weisheit über Emergent Deutschland mit Löffeln gefressen, bevor Emergent Deutschland überhaupt so richtig da ist.
Man möchte manchmal verzewifeln und aufgeben, aber das wäre wohl die falsche Lösung.
Donnerstag 22. November 2007 um 09:25
Lieber Dominik,
wenn Du sagen willst: Polemik hilft nicht weiter, stimme ich Dir voll und ganz zu, bin mit im Boot und ein Seite an Seite mit Dir denkender und handelnder Freund und Bruder. Wenn Du sagen willst: Bitte kritisiert uns EmCh’ler nicht, denn das ist unfair und verletzt, kann ich das nicht nachvollziehen. Jesus will doch mit der Warnung vor falschem Richten nicht sagen: Prüft nicht, was da so los ist! Oder?
Und noch etwas: Ich habe zu Hause ungefähr 15 Bücher aus dem EmCh-Lager. Einige davon fand ich sehr inspirierend, durch andere habe ich mich nur deshalb gequält, weil mein Beruf von mir verlangt, zu wissen, was los ist. Viele dieser Bücher triefen vor beißender Kritik am historischen und evangelikalen Christentum und am traditionellen jüdisch-christlichen Gottesbild und fordern manchmal dazu auf, Jesus endlich vom Christentum zu befreien. Die EmCh ist eben (auch) eine Protestbewegung und hat teilweise gute Gründe dafür, zu protestieren. Aber darf man, wenn man 2000 Jahre Kirchengeschichte kritisiert und mit dem Anspruch auftritt, eine der “innovativsten, theologischen Perspektiven für die Gemeindearbeit” anzubieten, “die je entdeckt wurden”, sauer sein, wenn das Widerspruch erregt?
Dir alles Gute und Gottes Segen, Ron
Donnerstag 22. November 2007 um 10:40
@Ron: Leider haben diejenigen, an welche sich dieser Post richtet, nicht Dein Niveau. Ich habe Deine Besprechung von McLaren’s »Generous Orthodoxy« im Factum gelesen und stimme Dir darin in fast Allem zu. Auch mich schmerzt Manches der Polemik, die ich – genauso wie Du – in den Büchern gefunden habe.
Andererseits identifiziert sich eine neue Bewegung meist durch Negation. Ich nehme an, daß die Bücher, die Du meinst, zum Großteil auch in meinem Regal stehen. Deren Autoren entstammen mehrheitlich dem evangelikalen Lager. Daher sehen sie natürlicherweise die Probleme der eigenen Familie deutlicher als die anderer Bewegungen, die oft unreflektiert gepriesen werden.
Natürlich soll die EmCh kritisiert werden, wir brauchen das als Bewegung. Ich will Kritik anhören, nach dem forschen, was berechtigt ist, und – wo nötig – umdenken. Aber wenn sich ein Kritiker nicht mehr als Dialogpartner versteht, sondern ex selbstgeschaffener cathedra alles und jedes ab- und verurteilt, dann ist das nicht die Weise Jesu, denke ich. Insbesondere schmerzhaft ist das, wenn nicht EmCh im Allgemeinden, sondern Emergent Deutschland im Besonderen verurteilt wird und dazu Gründe herangezogen werden, die einfach (Achtung, starkes Wort:) schwachsinnig sind. Denn ED existiert noch nicht, wird erst auf dem Forum in Erlangen starten. Im Moment ist noch Vieles offen; erst in Erlangen wird sich zeigen, wohin die Reise geht.
Auch ich kritisiere. Aber: Du wirst auf meinem Blog keinen Beitrag finden, in welchem einseitig negativ eine Bewegung oder Person verurteilt wird. Ein Beispiel: Ich kann beim Heilungsverständnis mancher Glaubenstheologen nicht mit. Darüber habe ich auf einem befreundeten Blog mit dem Autor und seinen Lesern diskutiert. Aber warum sollte ich hier einen Post schreiben, in welchem ich meine Ansicht darlege und namentlich vor den Blogs von a), b) und c) warne? Ich weiß doch, daß es sich bei den Autoren um Menschen handelt, die von Herzen Jesus nachfolgen und danach trachten, den Willen Gottes zu tun. Unsere Erkenntnis ist fragmentarisch. Ich könnte falsch liegen, obwohl ich das nicht glaube, weil ich von meiner Ansicht überzeugt bin und sie auch für biblisch reflektiert halte. Trotzdem sehe ich in denjenigen, die anderer Ansicht sieht, das Positive, was das Negative bei Weitem (!) überwiegt. Warum sollte ich gegen sie einen Post schreiben? Lieber präge ich auf diesem Blog affirmativ und vertrete meine Ansicht – in der Zuversicht, daß mündige Menschen alles prüfen und durch den Geist Gottes in die Wahrheit geführt werden. Ich muß nicht anderen alles vorkauen. Sie sind selber groß.
Donnerstag 22. November 2007 um 10:40
@Günter: Du sprichst mir aus dem Herzen.
Donnerstag 22. November 2007 um 10:48
Kannst Du besagte Blogs und Posting mal verlinken? Ich habe über technorati so gut wie nichts gefunden…
Donnerstag 22. November 2007 um 10:52
@Onkel Toby: Das sind nicht nur, aber auch Blog-Artikel. Aber ich wollte sie nicht verlinken, um nicht direkt mit dem Finger auf sie zu zeigen. Ich werde in den nächsten beiden Wochen einige Male weg sein, daher wird mir die Zeit fehlen, um via Blogs mit ihnen in’s Gespräch zu kommen. Außerdem dachte ich, daß wenn Emergent Deutschland kritisiert wird, sie dann auch bei denen vorbeischauen, die entweder als Herausgeber auf der Website stehen, oder aber das Banner auf dem Blog tragen.
Donnerstag 22. November 2007 um 11:08
Verstehe.
Donnerstag 22. November 2007 um 11:08
@Dominik: Ja, Deine Fairness, Weitsicht und Ausgewogenheit schätze ich sehr! Ich fühle mit Dir, was die Bewertung unnützer Polemik und das Ausscheiden Englands anbetrifft.
Donnerstag 22. November 2007 um 11:11
Donnerstag 22. November 2007 um 11:40
@ Ron: Fabian Vogt hat das nicht nur für mein Empfinden sehr unglücklich formuliert.
Aber ich habe nicht das Gefühl, dass irgendwo “2000 Jahre Kirchengeschichte kritisiert”, werden. Wohl aber einiges aus den letzten 200 Jahren und sicher der rechtslastige Bush-Evangelikalismus unserer Tage. Ebensowenig sehe ich eine ernsthafte Kritik am jüdisch(!)-christlichen Erbe, wohl aber an mancher neuplatonisch oder aristotelisch eingefärbter Variante.
Donnerstag 22. November 2007 um 11:44
@ DoSi: Warum so weinerlich? Ich finde, hier sind die Leute doch wirklich aufgeschlossen. Und dass aus bestimmten Ecken geballert wird, gehört doch zum Spiel einfach dazu. Nimm’s nicht so ernst.
Donnerstag 22. November 2007 um 12:02
@Peter: Cool, als weinerlich hat mich glaub ich noch niemand bezeichnet
Ich hab aber schon einiges an plötzlich entstehenden Kluften erlebt, daß ich darauf hin wirken möchte, daß das nicht mehr vorkommt. Und ich will eben auf eine Einheit in versöhnter Vielfalt hinwirken. Das ist mir ein Herzensanliegen.
Donnerstag 22. November 2007 um 13:16
ich hege zwar auch eine gewisse distanz zu einer bewegung, die ich überwiegend als sehr kopflastig empfinde, wünsche euch aber allen alles gute. wenn wir in deutschland eines brauchen sind das MEHR GEISTLICHE BEWEGUNGEN! und zwar ALLER art, hauptsache jesusmässig. wäre ja schlimm, wenn es da zu einer monokultur käme.
ich finde auch den dialog nicht immer als sinnvoll. wir verbrauchen zu viel energie mit diskussionen die wir gut brauchen könnten um unsere städte für gott zu gewinnen. wenn nach der eigentlichen arbeit noch zeit ist kann man diskutieren, aber zunächst sollten wir seite an seite SEIN reich ausbreiten.
übrigens lustich, dass ich jetzt auch “gkaubenstheologe” bin. glaubt man dem internet bin ich alles: vom glaubenszersetzenden liberalen jesus-sympathisanten bis hin zum gefährlich-radikalen schwarmgeistbesessenen charismaten. hurra – so sprengt man wohl grenzen.
Donnerstag 22. November 2007 um 13:34
@Storch: Um Seite an Seite gehen zu können, braucht es eben manchmal auch den Dialog. Den laut Jesus wird eben auch unsere Einheit ein Zeugnis für Gott sein, daß “die Welt” zur Erkenntnis führt.
Hagin gilt ja als Vertreter der “Glaubenslehre”, wenn auch der Begriff Quatsch ist. Und er ist für Dich ja ein wichtiger Bibellehrer, dem Du Dich in vielen Bereichen anschließt. Deshalb habe ich u.a. Dich als Glaubenstheologen bezeichnet. War das doof? Egal, Seite an Seite weiter!
Nett, daß Du Dich angesprochen fühlst
Donnerstag 22. November 2007 um 15:34
war nicht doof. ich fühle mich im moment auch recht glaubensbewegt. würde aber nicht sagen, dass ich dazu gehöre. ich wusste noch nie, zu welchem lager ich gehöre. das ist mir geblieben, ich bin mal hier, mal da und überall gefällt mir einiges das ich mit nehme wenn ich weiter gehe.
auch an der ganzen postmodernen diskussion und emch.
Donnerstag 22. November 2007 um 16:45
Hi,
ich bin ziemlich neu in dem ganzen Thema und muss ehrlich sagen, dass ich noch nicht wirklich erklären könnte, was genau die Emerging Bewegung beinhaltet.
Was mich aber aufregt und zugleich traurig macht ist der Umgang unter Christen, sobald etwas neues angedacht, angefangen und ausprobiert werden soll.
Wieso kann man nicht in Liebe diskutieren? Ich denke da oft an die Stelle in Kol. 5,14: “Wenn ihr einander beißt und verschlingt, dann gebt Acht, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt…”
Mich würde aber auch interessieren, wer und was genau kritisiert wird. Gar nicht um ein schlechtes Bild von diesen Personen zu haben, aber auch einfach mal die “andere Seite der Medaille zu sehen”.
Freitag 23. November 2007 um 13:06
@Peter: Na, wenn Doug Pagitt, Spencer Burke u.a. fordern, den Dualismus von Gott und Schöpfung zu überwinden, hat das wenig mit Aristotelis oder Platon zu tun, sondern schon eher etwas mit Spinoza. Der war zwar Jude, lehrte aber weder jüdisch noch christlich. Judentum und Christentum beginnen mit der Schöpfer-Schöpfung-Unterscheidung: Gott schuf! Auch Vorstellungen über einen Gott, der sich selbst findet, aus Fehlern lernt und die Zukunft nicht kennt, finde ich, wenn überhaupt, nur in den Randzonen traditionellen jüdisch-christlichen Denkens.
Dienstag 27. April 2010 um 10:59
Hi, ich heiße Hella, studiere in Graz (Österreich) Religionswissenschaft und schreibe derzeit an einer Masterarbeit über:
Christen auf Neuen Wegen: Zwischen Fundamentalismus und Säkulariiserung am Bsp.Evangelikale, Transformative Theologie, Emerging Churches.
Ordne mich irgendwie als postevangelikal ein, als
eigenverantwortlicher Christ in freier Wildbahn und fühle mich selber als durch und durch “emergente Person”.
Verfolge also sehr wohlwollend und interessiert Eure Blogs und bin interessiert an persönlichem Kennelernen. Haltete mich doch auf dem Laufenden. Liebe Grüße Hella
Donnerstag 29. April 2010 um 13:50
Hallo Hella, danke für Deinen Kommentar.
Am einfachsten auf dem Laufenden bleibst Du über Emergent-Deutschland.de. Falls Du es einrichten kannst, dann schau doch auf dem EmergentForum im November vorbei, da ist persönliches Kennenlernen vorprogrammiert.
Samstag 11. Februar 2012 um 08:21
Hi,
ich interessiere mich zurzeit für diese Auseinandersetzung, und zähle mich zu den Kritikern. Eine theologische Auseinandersetzung habe ich bisher nur im Bereich Mission (bzw. Missional?) gelesen.
Ich glaube, dass man (vor allem) dort die Kluft zwischen den beiden “Positionen” erkennen kann.
Das (Verständnis der Mission [missional]) scheint ja auch das zentrale Anliegen dieser “aufstrebenden” Bewegung zu sein, oder?
Das Problem liegt also meiner Meinung nach in der Auffassung unserer Stellung/Beziehung zur “Welt/zum weltlichen”. Es kann ja nicht geleugnet werden, dass wir, die wir das Wort Gottes im Glauben aufgenommen haben, nicht mehr Teil/Bürger dieser Welt sind (wir sind abgesondert/heilig – und nur so kann man Gemeinschaft haben).
Während die “Kritiker” meistens ein Problem mit Ökumene im Allgemeinen, und Irrlehren im Besonderen haben, scheint die “aufstrebende” Kirche gar keine Meinung mehr zu theologischen Auffassungen zu haben. Mag sein, dass ich (bzw. “die Kritiker”) bisweilen über das Ziel hinausschießen.. aber hat die “Emergent Church” eigentlich schonmal irgendeine Vorstellung oder Lehre abgelehnt? Durch den “Protestcharakter” dieser Bewegung scheint es mir so, als würde lediglich die “fundamentalistische” Auffassung von der Gemeinde (v.a. in der Beziehung zur Welt) abgelehnt zu werden.
Bitte versteht das erstmal nicht als Kritik.. ich versuche eigentlich nur, die “Differenz”, die verschiedenen Grundlagen der Diskussion herauszufinden. Wenn wir nicht wissen, wo wir uns im Kern unterscheiden, können wir meiner Meinung nach nicht in eine fruchtbringende Diskussion eintreten.
MfG