Manches kann zur Obsession werden
29. Mai 2009
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19. Mai 2009
[Ist doch ein scheinbar bedeutungsschwangerer Titel für einen neuen Post nach sechs Wochen Funkstille, oder?] In den letzten Wochen bin ich immer wieder on- und offline auf Publikationen gestoßen, in denen entweder dieser Blog oder mein kleiner Artikel in ZeitGeist zitiert wurde, wenn es darum ging, zu beweisen, dass und warum die »Emerging Church«-Bewegung doof ist. Und ich muß nun damit leben, als »einer der Vordenker dieser Bewegung im deutschsprachigen Raum« bezeichnet zu werden. Das macht mir ja eigentlich auch nichts aus; schließlich ist ja jeder selbst schuld, wenn er – ohne selbst nach-zudenken – einfach das übernimmt, was ich ihm vor-gedacht habe. Und außerdem denke ich mir ja manchmal was bei dem, was ich denke und dann auch äußere. Aber leider beschleicht mich immer häufiger das Gefühl, dass das, was mir gedacht zu haben nachgesagt wird, gar nicht aus meinem Kopf stammt. Dann sehe ich genauer hin und stelle fest: Es sind tatsächlich Worte, die ich geschrieben habe – nur scheinen sie im neuen Kontext nicht das zu sagen, was ich ursprünglich gemeint hatte. Es wird also nicht das nach-gedacht, was ich vor-gedacht habe, sondern es wird mir etwas angedichtet, was ich nie gedacht hätte. Und das ist schade. Insbesondere deshalb, weil plötzlich Mauern errichtet werden, wo Brücken sein könnten. Faszinierenderweise sind mir viele andere Beiträge in den erwähnten doch ungenannt bleibenden Publikationen oft sehr sympathisch, weil sie sich darum bemühen, Gedanken aus der Heiligen Schrift verständlich zu machen. Ich lese diese Beiträge, nicke zustimmend mit dem Kopf und freue mich über sie. Sind ja doch eigentlich Brüder (warum schreiben in diesen Publikationen eigentlich nie Frauen? und warum reden sie sich so oft mit der Kombination aus »Bruder«+Nachname an?) im Geiste (auch wenn sie gerne diejenigen, die den Heiligen Geist betonen, etwas schief ansehen oder aber gleich verteufeln). Aber irgendwie kommen diese Brüder im Geiste immer zu dem Schluss, dass die Bewegung, derer sie mich als einen deutschsprachigen Vordenker zuordnen, böse (und oft: »vom Teufel«) ist. Das finde ich wie gesagt sehr schade. Dachte ich doch, dass niemand Jesus den Herrn nennen kann, außer durch den Heiligen Geist. Wenn also ich Jesus den Herrn nenne und sie es auch tun, dann gehören wir doch auf dieselbe Seite, oder?
Nun da Du, lieber Bruder im Herrn, kein Vertreter emergenten Gedankenguts mehr werden wirst und das auch nicht sollst, dieses Blog liest, mich für böse oder verblendet hältst und nach Munition für weitere Anti-Emerging-Artikel suchst, mache ich Dir ein Angebot: Lade hier kostenlos meine Diplomarbeit (Bachelor-Thesis) herunter, die ich an der Werkstatt für Gemeindeaufbau geschrieben habe. Das gute Stück ist drei Jahre alt und heißt Theologia Semper Reformanda: Grundlinien für theologisches Arbeiten in der Zeit nach der Moderne. Ja, ich weiß, das klingt ein wenig protzig. Mir ist damals kein besserer Titel eingefallen, aber irgendwie find ich’s auch heute noch ein bißchen cool. Wenn Du über den Titel hinweg sehen kannst, dann schau Dir das pdf mal an. Darin lege ich u.a. dar, wie ich die Bibel verstehe und mir den Umgang mit ihr vorstelle. Und warum ich glaube, dass wir in manchem, wie wir die Bibel verstehen, umdenken sollten, weil wir dem, was uns die Autoren vor-gedacht haben, des Öfteren etwas hinzu-gedacht und ihre Gedanken in unsere Verständnisse hinein-gedacht haben. Du darfst es lesen und zitieren, und ich hoffe, dass wenn zukünftig mein Name im Zusammenhang mit dem »Schriftverständnis der Emerging Church«-Bewegung fällt, diese Arbeit zumindest berücksichtigt wird. Natürlich kann man auch in dieser Arbeit manches falsch verstehen oder aus dem Zusammenhang reißen. Aber vielleicht stellst Du ja fest, dass wir unter Umständen gar nicht so weit auseinander liegen und es möglicherweise an der Zeit wäre, die eine oder andere Brücke zu bauen. Ich würde mich jedenfalls freuen. Ganz ehrlich.
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