[Chrysalis] Kapitel 2: Kann nicht genug bekommen – Wachstum
29. Januar 2009
[Das ist der dritte Post zu Alan Jamiesons Buch Chrysalis: The Hidden Transformation in the Journey of Faith.]

In der frühen und normalen Phase im christlichen Leben von Erwachsenen wird unser Wachstum hauptsächlich von dem bestimmt, was wir tun. Zwischen Aktivitäten wie z.B. dem Lesen der Heiligen Schrift, Gebet, missionarischem Wirken und unserem Wachstum im Glauben scheint ein enger Zusammenhang zu bestehen. Die Gefahren (“die Vögel des Himmels” aus dem Gleichnis vom Sämann) in dieser Phase sind Geiz, Lust, Faulheit und Sichgehenlassen. Trotz der Bedrohungen ist dieser Abschnitt im Glaubensleben für die meisten Christen sehr bereichernd; sie tragen auf wundervolle Weise zum Wohl ihrer Gemeinschaft und Not leidender Menschen bei. Sie werden zu guten Samenkörnern, die zu Bäumen wachsen und Frucht bringen.
Diese Phase gleicht im Bild vom Schmetterling der Raupe, die immer frißt und beständig wächst. Wie sich eine Raupe mehrmals häutet, so gibt es auch in der vor-kritischen Phase im Glaubensleben immer neue Herausforderungen, und Wachstum erfolgt meist dann, wenn wir neues Gebiet betreten, in dem wir uns zunächst sehr verletzlich vorkommen. Diese Verletzlichkeit wird von langsamem, schrittweisem Wachstum und einer Verstärkung dieses Aspekts unseres Glaubens abgelöst, bis wir uns allmählich sicher fühlen. Und genau an diesem Punkt lockt uns dann eine neue Herausforderung mit der Einladung, eine alte Hautschicht loszulassen, das abzulegen, was uns zu zwicken, sich eng anzufühlen beginnt, und uns statt dessen für neue Möglichkeiten des Wachstums zu öffnen. Es gibt Zeiten, in denen wir großen Appetit nach der Bibel, nach Gebet und Dienst haben, und es gibt Zeiten, in denen das nicht der Fall ist. Das scheint einfach die Weise zu sein, auf die der Geist Gottes im Leben vieler Menschen wirkt. Für viele geht dieser Prozess so lange weiter, bis es keine passende Nahrung mehr gibt oder aber keine neuen Herausforderungen angenommen oder neue Kosten akzeptiert werden oder die Vögel des Himmels den Glauben unterminieren.
Alan Jamieson nennt diese Phase, in der unser Wachstum vorhersagbar und mit unserer Anstrengung verbunden ist und in der sich seiner Ansicht nach die meisten erwachsenen Christen befinden, »konventionell« oder »vor-kritisch«. In diesem Abschnitt ist es uns sehr wichtig, zu einer Gemeinschaft zu gehören. Für unsere Überzeugungen, Werte und Lebensweise hat die Sicherheit der Gruppe einen hohen Stellenwert. Menschen in dieser Glaubensphase haben feste Überzeugungen und eine starke Loyalität dem christlichen Glauben und ihrer Gemeinde gegenüber. Jamieson bezeichnet diese Phase deswegen als »vor-kritisch«, weil sie vor dem kritischen Übergang zur erwachsenen Glaubensreife steht, den Johannes vom Kreuz die »dunkle Nacht« genannt hat. Für Jamieson ist dies die Phase, die im Kokon stattfindet, wenn aus der vormaligen Raupe ein Schmetterling wird.
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