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Archiv für November, 2007

[Everything Must Change] Teil 8 – Eine Revolution der Hoffnung

28. November 2007

[Dies ist der neunte Post zu Brian McLaren’s Buch Everything Must Change: Jesus, Global Crises and a Revolution of Hope. Direkt zur Einführung und zu den Teilen 1|2|3|4|5|6|7 Dieses Mal wieder übersetzte Ausschnitte.]

Wir müssen die öffentliche Meinung verändern, indem wir die Werte verändern, die Einzelpersonen und Gruppen leiten, indem wir die Vision dessen ändern, was sowohl möglich als auch wünschenswert ist, indem wir letztlich unsere Rahmenerzählung ändern. Die selbstmörderische Rahmenerzählung, die unsere Welt bestimmt, bezieht ihre Macht nur daraus, daß ihr Glauben geschenkt wird. Wenn wir glauben, daß Gott uns in seiner Gnade einen neuen Weg, eine neue Wahrheit und ein neues Leben anbietet, dann können wir von den Teufelskreisen unserer selbstmörderischen Rahmenerzählung befreit werden. Die Revolution, die wir brauchen, beginnt in uns – in unseren Köpfen, in unseren Herzen – als ein Akt des Glaubens, ein Vertrauenstransfer weg vom vorherrschenden System hin zu einer neuen Art des Sehens, Glaubens und Lebens.

Der Tod Jesu stellte das Böse in Cäsars skrupellosem Königreich bloß. Seine Auferstehung machte seinen Jüngern klar, daß alle Macht Cäsars die Verwundbarkeit des Reiches Gottes nicht überwinden, die Speere Cäsars das Herz Gottes nicht erobern und die Peitschen, Nägeln und Kreuze Cäsars Gottes Weg der Liebe und Versöhnung nicht besiegen können. Im Schatten der Auferstehung Jesu wurde seinen Jüngern klar, daß sie niemals wieder gemäß der Rahmenerzählung Cäsars würden leben können. Vielleicht können wir uns jetzt auch in einem neuen Licht sehen, träumend von einem Aufstand des Friedens, der Hoffnung und Heilung. Dazu werden wir Glauben benötigen – den Glauben, daß die alte Erzählung in den Suizid führt und daß eine neue Erzählung (gute Nachricht) von Befreiung und Versöhnung möglich ist, wenn wir nur alles neu überdenken und daran glauben. Wir stehen vor der Wahl, ob wir es wagen, gegen die Suizidmaschine zu glauben und Jesus zu vertrauen – hin zu einer anderen Welt.

Für die Nachfolger Jesu bedeutete der Glaube an ihn auch das Teilen seines Glaubens: Daß sich unsere Welt auf einer selbstmörderischen Flugbahn befindet und daß unsere Leben den Unterschied ausmachen können. Es verlangt ein „lebendiges Opfer“: Das Leben aufzugeben, das wir leben könnten und stattdessen unser Leben der Aufgabe zu widmen, die Suizidmaschine durch ein heiliges Ökosystem, eine wunderbare Gemeinschaft, einen Heilungs- und Friedens-Aufstand zu ersetzen. Wenn wir heute Vertrauen wagen, dann können Schulen gebaut werden, Reiche und Mächtige können sich für ihre armen Nachbarn einsetzen, alte Ungerechtigkeiten können zugegeben und neue Beziehungen geboren werden. Wenn wir nur glauben, dann können sich die Armen organisieren und ihre Arbeitskraft und Intelligenz dazu verwenden, ihre eigenen Gemeinschaften und Ökonomien zu gründen, statt nur ausgebeutet zu werden. Wenn wir nur glauben, dann können wir zu Abgesandten von etwas Schönem werden, das in unserer Welt geboren werden will. Dann werden wir von diesem sich entfaltenden und sich in die Höhe schraubenden Prozess erfaßt, der darin besteht, daß Gott ein wunderbares Ganzes zur Geburt bringt – das Königreich Gottes.

Gemeinschaften, die diese neue Art an Jüngern hervorbringen wollen, stehen vor der zweifachen Aufgabe, das verdeckte Curriculum der Suizidmaschine abzulegen und ihren eigenen Lehrplan zu entwickeln, nach dem sie ihre Leute unterrichten. Allerorten kommuniziert das System seine Werte, lehrt seine Fähigkeiten, zähmt jedes widerstrebende Verhalten und verstärkt jedes gewünschte Betragen. Wer von diesem verdeckten Curriculum mißgebildet wurde, ist sich dessen gar nicht bewußt. Es wurde zur unbewußten Brille, durch die er alles andere betrachtet. Menschen, die dem widerstehen wollen, sollte sich zusammenschließen und ihre Einsichten austauschen. Durch Worte und Taten, Lieder und Rituale sollten sie danach streben, selbst zu der Revolution zu werden, die sie in der Welt sehen wollen, ihre Vision verbreiten und andere dazu einladen, sich ihnen anzuschließen. Eine solche Gemeinschaft wäre ein heutiges Äquivalent zur ursprünglichen Gruppe von Nachfolgern Jesu. Es wäre die Kirche, die Jesus im Sinn hatte – eine Gemeinschaft, die Jünger formt, die auf die Befreiung und Heilung der Welt hinarbeiten und in der guten Nachricht Jesu vom Königreich Gottes gegründet sind. Alles, was sie brauchen, ist die Leidenschaft, Jesus und seine Botschaft zu verstehen, gepaart mit der Verpflichtung, mitten in einer Welt, in der sich alles ändern muß, das auszuleben, was sie verstanden haben.

In der Welt, von der wir träumen, respektiert das Wohlstandssystem demütig die schöpfungsimmanenten Begrenzungen. Zusammen mit dem Gleichheits-/Fairneßsystem setzt es die Energie der Gemeinschaft zum Wohle aller ein, ohne daß dabei die schwächsten Glieder vergessen werden. Gemeinsam transformieren diese beiden Systeme das Sicherheitssystem, dessen Bestreben sich nun darauf richtet, menschliches Leiden zu lindern. Im Kern dieser Gemeinschaft steckt eine gute Botschaft, welche die Menschen zu Kreativität, Harmonie, Versöhnung, Gerechtigkeit, Tugendhaftigkeit, Integrität und Frieden aufruft, weil dies die Werte unseres Schöpfers sind. Wir sind alle Teile eines Reiches, eines wunderbaren Ganzen, mit einem fürsorglichen Schöpfer, der treu zu uns ist, sogar in unserer Dummheit und Sünde. Gott ruft uns zur Versöhnung mit Gott, miteinander und der Schöpfung, damit wir von den falschen Erzählungen, die uns trennen und zerstören, ablassen, und er ruft uns auf, zusammen mit ihm auf die Heilung der Welt durch Liebe und das Streben nach Gerechtigkeit und dem Wohl aller hinzuwirken. Die Vision vom neuen Jerusalem kann unserer Vorstellungskraft Hoffnung in Bezug darauf geben, was durch die gute Nachricht vom Reich Gottes aus unserer Welt werden könnte. Jesus hat seine Jünger dazu aufgerufen, auf eine neue Weise zu leben. Dieser Aufruf gilt auch uns. Es beginnt mit Glauben muß aber zur Handlung auf vier Ebenen führen:

  • Die persönliche Ebene: Wenn wir vom vorherrschenden System zur Botschaft Jesu vom Reich Gottes überwechseln, dann werden wir Entscheidungen zu treffen haben. Wir werden anders beten, arbeiten, einkaufen, wählen, essen, Geld investieren, andere Aufgaben übernehmen, unsere Mitmenschen anders behandeln usw.
  • Die gemeinschaftliche Ebene: Gemeinsam fällt es uns leichter, uns zu verändern und der Botschaft Jesu entsprechend zu glauben und zu leben. Zusammen können wir einen Unterschied machen, indem wir gemeinsame Initiativen unterstützen – Missionseinsätze, Projekte für soziale Gerechtigkeit in unserer Stadt etc.
  • Die öffentliche Ebene: Einzelpersonen und Gemeinschaften verbinden sich in der Tradition von Martin Luther King Jr. und Desmond Tutu zu größeren sozialen Bewegungen, die auf gewaltfreiem Weg für gesellschaftliche Veränderungen eintreten.
  • Die globale Ebene: Wenn sich persönliche, gemeinschaftliche und öffentliche Bestrebungen vereinigen, dann kann das geschehen, was immer unmöglich schien.

Wenn Jesus davon spricht, daß uns nichts unmöglich sein wird (Mt 17,20), dann ist das ein Aufruf zum Handeln, unser Ruf, Berge zu versetzen und die soziale und geistliche Topographie unserer Welt zu verändern. Ja, Veränderung allein durch menschliche Anstrengung ist unmöglich. Aber der Glaube bringt Gottes schöpferische Kraft in unsere globalen Krisen hinein, so daß das Unmögliche für die Glaubenden zuerst möglich und dann unvermeidlich wird. Berge können versetzt werden und alles kann sich ändern. Es beginnt mit unseren Geschichten. Es beginnt mit Glauben. Es beginnt jetzt. Es beginnt mit uns.

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[Everything Must Change] Teil 7 – Das Gleichheits-/Fairneßsystem

22. November 2007

[Dies ist der achte Post zu Brian McLaren’s Buch Everything Must Change: Jesus, Global Crises and a Revolution of Hope. Direkt zur Einführung und zu den Teilen 1|2|3|4|5|6 Dieses Mal wieder übersetzte Ausschnitte.]

Das Fairneßsystem hat mehrere Fehlfunktionen: Es wird von der vorherrschenden Rahmenerzählung programmiert, vom mangelhaften Wohlstandssystem dafür gebraucht, den Insidern (Aggressive, Herrschende, Privilegierte etc.) zu dienen, es basiert auf falschen Voraussetzungen aus der modernen Welt und kann daher mit unseren Umweltproblemen nicht mehr Schritt halten, und seine Finanzierung (und damit sein Überleben) hängt vom Wohlstandssystem ab. Aus diesen und weiteren Gründen ist das Fairneßsystem nicht in der Lage, mit der wachsenden Ungleichheit in der heutigen Welt angemessen umzugehen. Das Wohlstandssystem kann seine Regeln auch nicht selbst bestimmen, also verfolgt es nur zwei Ziele: Wachstum und Geschwindigkeit. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer, auf der Seite der Armen wächst die Wut, bei den Reichen die Furcht. Das Sicherheitssystem kommt ins Spiel. Reiche sichern sich ab und finanzieren diese Sicherheit u.a. durch den Verkauf von Waffen an Arme. Und weiter steigt hier die Wut, dort die Furcht. Darum hängt viel vom Fairneßsystem und seiner Fähigkeit, die Dinge zu ordnen, ab. Leider aber ist der Wohlstand in dieser Welt überaus ungleich und unfair verteilt. Und es ist nicht immer harte Arbeit, die mit Wohlstand belohnt wird. In manchen Fabriken arbeiten Frauen und Kinder oft härter, als ein CEO jemals gearbeitet hat – 18 Stunden täglich an der Nähmaschine, 7 Tage die Woche, für einen Stundenlohn von wenigen Cents. Ihre Arbeit schafft bringt ihnen keinen Wohlstand, sondern denen im Westen, die bereits reich sind. Eine solche Ungerechtigkeit kann nur in eine Richtung führen: Revolution. Irgendwann muß eine Explosion kommen. Terrorismus und Gewalt ticken wie eine Bombe. Wir müssen wählen: Den Weg Jesu oder den Weg gewaltsamer Revolution.

Jesus kannte die systemischen Ungerechtigkeiten des gesellschaftlichen Systems seiner Zeit. Er schlug vor, das offizielle Rechtssystem zu umgehen und eine außergerichtliche Versöhnung anzustreben (Mt 5,25f). Er griff auch die systemische Ungerechtigkeit des Wirtschaftssystems an (Mt 18,23-35; Luk 16). Deutlich wird das in seinem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1-16). Die Gerechtigkeit Gottes geht über Fairness hinaus und schließt das Anliegen sozialer Nachhaltigkeit, Heilung und Transformation mit ein. Seine Fairness schließt eine Gnade mit ein, welche die Gesellschaft heilen und systemische Ungerechtigkeit unterminieren kann, statt einfach den Status quo zu erhalten. Jesus zeigt auch auf, wie religiöse Systeme gegen die guten und gerechten Zwecke wirken, für die sie eingerichtet wurden (Mt 19,1-9). Systemische Ungerechtigkeit muß bloßgestellt und konfrontiert werden, wo immer sie auch auftritt und durch eine höhere Gerechtigkeit ersetzt werden – eine Gerechtigkeit, welche die der Pharisäer und Schriftgelehrten übertrifft (Mt 5,20) und das Königreich Gottes widerspiegelt. In derselben Weise konfrontiert und übertritt Jesus gesellschaftliche Systeme oder Traditionen, die andere ausgrenzen. Im Reich Gottes verschwinden die Klassenunterschiede; Verlorene und Ausgeschlossene finden ihren Platz und eine neue, inklusive Gleichheit gewinnt Gestalt.
Wenn wir der Botschaft Jesu vertrauen – wie gehen wir dann mit den großen Problemen unserer Zeit um? Wir müssen die Wahrheit über systemische Ungerechtigkeit aussprechen. Wir werden zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit trachten (Mt 6,33) und selbst unserer eigenen Heuchelei in’s Gesicht sehen und Buße tun.Wir werden großzügig, weitherzig und freigiebig den Armen helfen – den Hungrigen, den Nackten, den Gefangenen, den Heimat- und Obdachlosen und die Reichen dazu aufrufen, dasselbe zu tun – von ihrer endlosen Selbstbereicherung umzukehren und ihren ärmeren Nächsten zu dienen, indem sie z.B. ihre unternehmerischen Fähigkeiten nutzen, um gute Arbeitsplätze zu schaffen.
Unsere Initiativen für soziale Gerechtigkeit werden Mut, Kreativität und Durchhaltevermögen erfordern. Die Ungerechtigkeit kann nicht von jetzt auf nachher ein für allemal gelöst werden. So lange wir am Leben sind, werden wir zu tun haben. Wir müssen die Menschen aufklären, überzeugen und vom Glauben inspirierte Bewegungen gründen, die sich auf der ganzen Welt für soziale Gerechtigkeit einsetzen. Dabei müssen wir die richtigen Fragen stellen, die unsere Vorstellungskraft freisetzen:

  • Welchen Vorteil werden die Reichen haben, wenn es den Armen besser geht? Welche negativen Konsequenzen wird es haben, wenn es den Armen nicht besser geht?
  • Was für eine Welt werden wir unseren Kindern und Enkeln vererben, wenn wir uns weiterhin auf Akkumulation und Selbstschutz statt auf Mitleid, Dienst und Fairness konzentrieren?
  • Was für eine Welt werden wir hinterlassen, wenn wir uns ganz für Gerechtigkeit, Fairness und Gleichheit einsetzen?

Wenn wir die extreme Armut überwinden wollen, dann müssen wir unsere Anstrengungen auf sieben Bereiche konzentrieren:

  • Handel: Wir müssen unsere Wirtschaftsphilosophie an die Gegebenheiten der Umwelt anpassen, sonst werden anderswo Menschen unter dem Umweltkollaps leiden. Wir müssen freien mit fairem Handel verbinden. Wir müssen es leichter machen, Kleinstunternehmen zu starten.
  • Hilfsleistungen: Schlecht geplante und verwaltete Hilfsgüter können ungewollt Korruption erhöhen und der lokalen Wirtschaft Schaden zufügen. Aber die Alternative zu unweiser Hilfe ist nicht keine Hilfe, sondern weise Hilfe.
  • Schulden: Das Erlassen von Schulden, gepaart mit nötigen politischen Reformen in den betroffenen Nationen, spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, den Armen zu helfen.
  • Grenzen: Wir Menschen müssen erkennen, daß wir als endliche und verantwortliche Wesen in einer endlichen Schöpfung leben, deren biologische Grenzen wir respektieren müssen – was unseren Verbrauch von Ressourcen genauso anbelangt wie den Anstieg unserer Bevölkerung.
  • Löhne: Vielleicht brauchen wir einen an lokale Bedingungen angepaßten globalen Mindestlohn wie auch eine Gehaltsobergrenze in Relation zum geringstbezahlten Angestellten eines Unternehmens.
  • Gerechtigkeit: Ein effektives Gerechtigkeitssystem ist zentral, um die Armut loszuwerden. Es hängt aber von den Steuern eines gesunden Wohlstandssystems ab, das wiederum ohne ein gutes Gleichheits-/Fairneßsystem nicht möglich ist.
  • Gemeinschaft: Lokale Gemeinden, Schulen, Regierungen, Unternehmen und zivile Organisationen spielen eine wichtige Rolle – sie stärken Familien und Gemeinschaften, indem sie Tugend feiern und Menschen trainieren, sie zu leben. So kann eine neue Rahmenerzählung entstehen, die der Sprache von Gottes heiligem Ökosystem oder Gottes globaler Liebesökonomie entspricht.

Wenn es eine Kraft in der Welt gibt, die stark und gut genug ist, um das zermalmende und zerstörerische Drehmoment der Suizidmaschine zu überwinden, dann findet sich diese nicht in organisierter Religion, die nach institutioneller Selbsterhaltung strebt, sondern in der Religion, die sich für das Wohl der Allgemeinheit organisiert.

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Ohne England fahr’n wir zur EM!

22. November 2007

Das mußte ja auch mal gesagt werden 😉

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An die Kritiker der Emerging Church im Allgemeinen und Emergent Deutschland im Besonderen

21. November 2007

In der letzten Zeit bin ich auf einige Blog-Posts gestoßen, in denen Ihr Euch sehr negativ zu Wort gemeldet hat. Das schmerzt mich. Zerteilt man denn das Fell eines Bären, bevor er erlegt ist? Könnt Ihr etwas kritisieren, das Ihr gar nicht kennt? Hat nicht unser gemeinsamer Herr und Meister gesagt: „Richtet nicht andere, auf daß Ihr nicht gerichtet werdet?“ Ich gehöre zu den zwei Handvoll Menschen, die sich ganze zwei (!) Mal getroffen haben, um über Emergent Deutschland nachzudenken und es aus der Taufe zu heben. Und wißt Ihr was? Ich weiß selbst nicht genau, wie Emergent Deutschland werden wird. Wenn Ihr wissen wollt, wofür Emergent Deutschland steht, dann schaut Euch doch mal unser vorläufiges Selbstverständnis an. Darin haben wir u.a. Folgendes formuliert:

# Alles Überlegen, Diskutieren und Anwenden geschieht in dem Bewusstsein, dass sich der dreieinige Gott in Jesus von Nazareth geschichtlich offenbart und die Welt mit sich versöhnt hat. Unser Leben erhält seinen Sinn in der Ausrichtung auf ihn.
# Als seine Nachfolger kultivieren wir unter uns und bei anderen eine lernbereite Atmosphäre, streben nach Integration von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung und fördern als Teil des Leibes Christi bestmöglich die Ausbreitung des Reiches Gottes inmitten dieser Welt.
# Wir begrüßen es, wenn Emergent Deutschland als ökumenisch ausgerichtetes Netzwerk wächst und durch unterschiedliche Begabungen und biographische Prägungen bereichert wird.

Was an diesen Worten habt Ihr nicht verstanden? Wie könnt Ihr denn die theologischen Schwerpunkte von Emergent Deutschland kennen, die nicht einmal wir kennen? Wie könnt Ihr Emergent Deutschland mit »klassisch liberaler Theologie« gleichsetzen? Warum könnt Ihr nicht zwischen Emergent Village und Emergent Deutschland unterscheiden? Warum hackt Ihr auf Eure Brüder und Schwestern in Christus ein? Habt Ihr nichts Besseres zu tun? Wie wär’s mal mit „Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor Deinem Gott“? Warum setzt Ihr Emergent Village mit Brian McLaren gleich? Warum setzt Ihr Emergent Deutschland mit Brian McLaren gleich? Wenn wir Brian als Redner einladen, dann ist er ein Dialogpartner, der uns inspirieren kann – nicht unser geistlicher Führer. Wenn ich seine Bücher auf meinem Blog vorstelle, dann tue ich das deswegen, weil ich der Ansicht bin, daß die Auseinandersetzung mit seinem Gedankengut förderlich sein kann. Weite Teile seiner Theologie teile ich nicht – den Ansatz schon: Aus den vielfältigen Strömen christlicher Glaubensgeschichte schöpfen und die Botschaft Jesu nicht nur auf das Leben nach dem Tod reduzieren. Mich regt Eure Kritik auf. Ihr hört Vorträge, aber kennt die Menschen nicht, lest Bücher selektiv und prüft sie anhand Eurer persönlichen Theologie, die natürlich der Maßtab ist – was denn auch sonst? Die katholische Kirche ist aus Eurer Sicht sowieso mit der großen Hure Babylons zu identifizieren, die Kirchengeschichte hat wahlweise mit der Gründung Eurer Denomination/Gemeinde oder aber Eurer Geburt begonnen, und es wird nicht lange dauern, bis Ihr die Emerging Church (die es ja gar nicht gibt, aber das wollt Ihr ja auch nicht einsehen) auch noch in irgendeiner diffusen Sicht der Johannesoffenbarung ausgrabt. Ist das nötig?

[Mein persönliches Verständnis von Emerging Church findet sich übrigens hier: 1|2|3. Vielleicht solltet Ihr diese Posts mal lesen und Eure Gedanken in den Kommentaren äußern.]

Warum kommt Ihr nicht einfach (zu den Studientagen oder) zum Forum nach Erlangen, trinkt mit uns einen Kaffee und lernt uns persönlich kennen? Sind wir nicht durch einen Geist alle zu einem Leib getauft? Warum können wir nicht gemeinsam im Namen Jesu das Reich unseres himmlischen Vaters ausbreiten und in der Kraft des Heiligen Geistes darauf hinwirken, daß mehr und mehr Menschen a) mit ihrem Munde bekennen, daß Jesus der Herr ist, b) in ihrem Herzen glauben, daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat und c) mit ihrem Leben danach trachten, alles zu halten, was er uns geboten hat? Na, wie wär das? Können wir, die wir doch Schwestern und Brüder sind, nicht auch Freunde werden? Ich jedenfalls würde mich freuen – Herzliche Einladung!

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[Everything Must Change] Teil 6 – Das Wohlstandssystem

21. November 2007

[Dies ist der siebte Post zu Brian McLaren’s Buch Everything Must Change: Jesus, Global Crises and a Revolution of Hope. Direkt zur Einführung und zu den Teilen 1|2|3|4|5. Dieses Mal wieder übersetzte Ausschnitte.]

Das Sicherheitssystem existiert bekanntermaßen hauptsächlich zum Schutz und zur Unterstützung des Wohlstandssystems. Beide können nur zusammen „repariert“ werden. In der Wirtschaft geht es nicht um Zahlen oder Statistiken, sondern um die immaterielle Währung des Verlangens und der Sehnsüchte. Der vom katholischen Theologen Tom Beaudoin eingeführte Begriff Theokapitalismus beschreibt ein nach Wohlstand strebendes System, das wie eine Religion oder ein religiöser Kult funktioniert – mit Einkaufszentren als Kathedralen, Vergnügungsparks als Pilgerstätten, Stars und Promis als Vorbilder und Heilige, dem Fernsehen als Altar und einem Abendmahl aus Chips und Cola oder Bier. Dieses System suggeriert Identität, Gemeinschaftsgefühl, Vertrauen, Ekstase, Bekehrungserlebnisse und Ruhe für die Seele – alles gebunden an das beworbene Produkt, die angesagte Musik etc. Theokapitalistischer Glaube hat vier geistliche Gesetze:

  • Fortschritt durch schnelles Wachstum
  • Seelenfrieden durch Besitz und Konsum
  • Erlösung allein durch Wettbewerb
  • Freiheit zum Gedeihen durch Konzerne, die niemandem Rechenschaft zu geben haben

Wenn Jesus zu unseren globalen Krisen etwas zu sagen hat, dann muß er diese falsche Gottheit angehen. Dazu gehört der verantwortliche Umgang mit den Ressourcen der Erde, von denen auch unsere Nachkommen leben werden müssen. Wenn wir einen Krieg um die knapper werdenden Rohstoffe vermeiden wollen, dann müssen wir weniger verbrauchen und unabhängiger werden. Es ist Wahnsinn, zu glauben, daß wir durch „Wachstum“ – den immer steigenden Verbrauch – alle Probleme lösen werden können. In dieser Erzählung sind wir an einer großen Krise angelangt. Die mächtigen Hauptdarsteller haben ihre Verpflichtung gegenüber noch nicht geborenen Charakteren vergessen. Nun müssen neue Helden mit einer neuen Vision und einem neuen Weg aufstehen, wenn unsere Rahmenerzählung nicht zu unserer Todesanzeige werden soll. Wenn Jesus der Held ist, der an diesem entscheidenden Moment andere zum Heldentum inspirieren kann, dann muß er diese Sorglosigkeit gegenüber zukünftigen Generationen in unserer gesellschaftlichen Narrative und den selbstmörderischen Wahnsinn des theokapitalistischen Glaubens ansprechen und eine bessere Erzählung bringen.

In seiner neuen Rahmenerzählung vom Reich Gottes, stellt Jesus den vier Gesetzen theokapitalistischen Glaubens seine eigenen Gesetze entgegen:

  • Gute Taten zum Wohle der Allgemeinheit
  • Zufriedenheit durch Dankbarkeit und Teilen
  • Erlösung durch das Streben nach Gerechtigkeit
  • Freiheit zum Gedeihen durch den Aufbau besserer Gemeinschaften

Wirtschaftslehre muß keine triste Wissenschaft sein, die von den sogenannten dreckigen Gewinnsüchtigen studiert wird. Sie kann zu einer Geschichte werden, in der Menschen gemeinsam auf das Wohl der Allgemeinheit in der Liebesökonomie Gottes hinarbeiten. Jeder setzt seine Gaben ein und strebt danach, aus ihnen das Beste zu machen. Zusammen sind sie dankbar für alles, was sie haben und verdienen. Sie teilen mit den Notleidenden. Systemische Ungerechtigkeiten, von denen einige profitieren und andere benachteiligt werden, versuchen sie zu beseitigen, damit das System immer mehr zu dem wird, was es sein kann und soll. Reiche und Arme trachten gemeinsam danach, bessere Gemeinschaften zu schaffen, die wiederum eine bessere Welt schaffen. Sie erkennen dabei, daß diese gemeinsame Anstrengung wahren Wohlstand freisetzt. Dies ist ein hehrer und in vielerlei Hinsicht realitätsferner Traum. Aber er ist näher, als wir vielleicht denken. Ein solcher Traum kann das Wohlstandssystem vom Selbstmord zur Hoffnung tragen.

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iPhone oder MacBook?

21. November 2007

Iphone
Gute Nachrichten für diejenigen, denen die Kosten der T-Mobile-Verträge in Verbindung mit dem iPhone zu teuer waren: Ab sofort ist das schöne Gerät auch ohne Vertragsbindung zu haben – für schlappe 999! Na dann Prost Mahlzeit. Zu diesem Preis könnte sich der geneigte Freund des Apfels auch ein MacBook erwerben. Damit lautet die Frage nicht mehr iPhone oder MacBook Pro?, sondern nur noch iPhone oder MacBook?

Product-White

Also auf zum Apple Store

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[Everything Must Change] Teil 5 – Das Sicherheitssystem

20. November 2007

[Dies ist der sechste Post zu Brian McLaren’s Buch Everything Must Change: Jesus, Global Crises and a Revolution of Hope. Direkt zur Einführung, zu den Teilen 1|2|3|4. Dieses Mal wieder übersetzte Ausschnitte.]

Wenn wir uns selbst in die Rahmenerzählung Jesu, die gute Nachricht vom Königreich Gottes, hineinstellen, dann können wir einen Neuanfang machen und unsere gesellschaftliches System neu aufbauen – nicht als Suizidmaschine, sondern als Liebesgemeinschaft, eine Art Gartenstadt wie in Offb 21. Jesus nachzufolgen heißt, seinem Friedensaufstand beizutreten und Gemeinschaften zu formen, die nicht mehr durch Gewalt, Unterdrückung, Genozid, Ausschluß und Einschüchterung Frieden schaffen wollen, sondern durch Gerechtigkeit, Weitherzigkeit, gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft, Verfolgung zu erleiden statt sie anderen widerfahren zu lassen. Jesus zu folgen bedeutet, in Bezug auf all die blutdürstigen und kriegslüsternen Stammesgötter zum Atheist zu werden und an den lebendigen Gott der Gnade und des Friedens zu glauben, der in Christus sein eigenes Blut als Manifestation der Amnestie und Versöhnung vergießt. Umzukehren, zu glauben und nachzufolgen – zusammengenommen bedeutet das nichts anderes, als den gewaltsamen Feldzug Cäsars zu verlasen und dem göttlichen Friedensaufstand Jesu beizutreten.

Der Zweck des US-Sicherheitssystems ist das Ungleichgewicht des Wohlstandes in den USA zu gewährleisten und damit das amerikanische Imperium zu erhalten und auszubreiten. Die nationale Sicherheitsstrategie der USA lautet: Beherrschen, einschüchtern und sich nicht an die Regeln halten, deren Einhaltung von allen anderen verlangt wird – das klassische Manifest des imperialen Geistes. Vielleicht ließe sich sagen, daß sich der Krieg gegen den Terror als ein Krieg des Terrors ausgewiesen hat – oder als Krieg miteinander konkurrierender Arten von Terror: Organisierter und reicher amerikanischer Terror gegen zufälligen und improvisierten dschihadistischen Terror. Ein solcher Krieg scheint für alle beteiligten Parteien selbstmörderisch zu sein – und auch für diejenigen, die im Kreuzfeuer stehen. Für den Rest der Welt hat uns [i.e. die USA] unsere Gier nach absoluter Sicherheit schon an den Rand moralischen Bankrotts gebracht. Wie weit wird das noch gehen? Bis zum wirtschaftlichen Bankrott? Oder bis zum Untergang der Zivilisation durch einen Atomkrieg? Wir sollten für das erstere beten. Aber eigentlich sollten wir für eine radikale Veränderung unserer Rahmenerzählung eintreten, so daß wir von der Seite Cäsars auf die Seite Jesu wechseln, bevor es zu spät ist.

Die USA produzieren mehr als die Hälfte aller weltweiten Waffen. Je mehr wir zum Alleingang neigen, desto zurückhaltender werden die Vereinten Nationen uns gegenüber und desto mehr steigt unser Bedürfnis nach Sicherheit. Krieg kann zur Sucht werden, zur „Massenzerstreuungswaffe“, die vom langweiligen Alltag ablenkt und den besonderen Kick schenkt. Wer den Krieg studiert, wird zu dem Schluß kommen, daß nur ein geistliches Programm unsere Welt (eingeschlossen die Vereinigten Staaten) von der Kriegssucht und den Emotionen, die unsere Kriegsmaschinerie in Gang setzen, heilen kann. Was Jesus über die Wahl zwischen Gott und Geld sagte (Mt 6,24) kann in Bezug auf Sicherheit genauso wahr sein: Vielleicht kann niemand zwei Sicherheitsmeistern dienen, sondern muß zwischen den Waffen der Militarisierung und den ausgestreckten Armen Christi wählen [Wortspiel: Waffen und Arme jeweils „arms“], muß sich dafür entscheiden, entweder nach dem Frieden des Schwertes oder nach dem Frieden des Herrn zu leben [peace of the sword/Lord]. Das sind zwei Straßen, die behaupten, zum Schalom zu führen, aber sie können nicht beide Recht haben.

Wir brauchen einen neuen Dialog jenseits der alten Positionen vom gerechten Krieg oder Pazifismus. Um uns von unserer Sucht nach dem Narkotikum des Krieges zu befreien, muß Jesus zweierlei tun: Er muß die Sehnsucht nach Sicherheit mit einer anderen Sehnsucht ersetzen und die potentielle Langweile der Friedenszeiten mit etwas Erfüllenderem als dem Pulver des Krieges füllen. Das Königreich Gottes als Leben in Fülle kommt zu denjenigen, die sich nicht nach Sieg oder Freiheit sehnen, sondern nach Gerechtigkeit, nicht nach Rache, sondern nach Barmherzigkeit und Frieden, die bereit sind, um der Gerechtigkeit willen zu leiden, statt anderen Schmerz zuzufügen. Jesus malte das Bild eines Volkes, das aktiv nach Frieden strebt – die zweite Meile geht, die andere Wange hinhält, Freunden und Feinden frei gibt. Dieses aktive Friedensstiften war kein Ausdruck von Niederlage oder Schwäche, sondern benötigte eine mutige und zuversichtliche Verpflichtung, Gewalt zu überwinden. Auch heute noch fordert uns die Lehre Jesu heraus, die betrügerischen, süchtig machenden Gefühle, die uns in den Krieg treiben, zurückzuweisen und lädt uns ein, in Nächstenliebe, Versöhnung und dem Bauen lebendiger und versöhnter Gemeinschaften neuen Sinn zu finden.

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Wenn ich diesen Blog verkaufen würde…

19. November 2007

… dann würde ein erkleckliches Sümmchen dabei herausspringen:

Für http://www.dosi.p-shuttle.de:


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Und für http://www.p-shuttle.de/dosi:


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Vielleicht sollte ich mal drüber nachdenken 8)

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[Everything Must Change] Teil 4 – Jesus neu vorgestellt

19. November 2007

[Dies ist der fünfte Post zu Brian McLaren’s Buch Everything Must Change: Jesus, Global Crises and a Revolution of Hope. Direkt zur Einführung, zu Teil 1, zu Teil 2 und zu Teil 3. Dieses Mal wieder übersetzte Ausschnitte.]

Wir dürfen nicht nur darauf schauen, was Jesus sagte, sondern müssen auch in Betracht ziehen, was er meinte, wenn wir uns fragen, was seine Botschaft für uns heute heißen kann. Und selbst dann müssen wir uns aufgrund unserer menschlichen Begrenztheit immer bewußt sein, daß wir auch falsch liegen können. Jesus hat nicht von »Narrativen« oder »Rahmenerzählungen« gesprochen, sondern von der »guten Nachricht«. Dieser Terminus wurde in seiner Zeit vom römischen Imperium verwendet, um Siegesnachrichten des Kaisers zu verkünden – eine Rahmenerzählung von Frieden durch Herrschaft, Gewaltanwendung, zentralisierte Macht und Kontrolle sowie die Auslöschung von Feinden. In seiner Botschaft vom Reich Gottes schlägt Jesus eine ganz neue Rahmenerzählung vor und möchte, daß die Menschen ihm genug vertrauen, um seinem Weg zum Frieden eine Chance zu geben. Zwar verwendet er ebenfalls eine stark exklusive Sprache – die gilt aber denen, die selbst andere ausschließen (Schriftgelehrte, Pharisäer) und schließt diejenigen ein, die sonst ausgeschlossen werden (Prostituierte, Sünder, Nichtjuden). So dekonstruiert Jesus das vorherrschende System der Exklusion. Es ist der Wunsch des Vaters im Gleichnis vom verlorenen Sohn, alle seine Kinder zum Fest nach Hause zu holen.

Die Metapher vom Königreich Gottes, die Jesus verwendete, drückt seine alternative Rahmenerzählung aus, ist aber in heutiger Zeit etwas problematisch geworden. Darum würde Jesus heutzutage vielleicht andere Metaphern entwickeln:

  • um sich an die globale Sicherheitskrise zu richten, würde Jesus vielleicht vom göttlichen Friedensaufstand reden
  • in Bezug auf die Fairness-/Gleichheitskrise, würde Jesus vielleicht von Gottes Unterror-Bewegung reden
  • die globale Wohlstandskrise würde Jesus vielleicht angehen, indem er von der globalen Liebesökonomie reden würde
  • die ganze Rahmenerzählung ließe sich vielleicht als Gottes heiliges Ökosystem bezeichnen, in dem es darum geht, daß Gottes Traum für diese Welt wahr wird

Im Herzen der imperialen Narrative steckt eine Unsicherheit, ein tiefes Unbehagen: Der Reichtum, den wir angehäuft haben, könnte verloren gehen, unsere Güter könnten rosten oder verrotten. Für Jesus ist Geben eine sicherere Investition als Anhäufen und Horden. Darum schlägt er eine alternative Rahmenerzählung vor, in der Wohlstand, Gleichheit und Sicherheit durch Weitherzigkeit und nicht durch furchtsames Zusammenraffen erreicht werden. In seinen Augen fließt eine natürliche Fülle, eine natürliche Versorgung von Gott. Er wirbt dafür, dem himmlischen Vater zu vertrauen, der auch die Vögel und Blumen versorgt. In Gottes globaler Liebesökonomie finden wir alles, was wir an Wohlstand, Gleichheit und Sicherheit brauchen. Damit wirbt Jesus für eine Rahmenerzählung, in der Gott uns durch die natürlichen Systeme der Schöpfung versorgt, in der wir innerhalb dieser Systeme unsere geschöpfliche Würde, aber auch unsere Begrenzungen erkennen, in der wir unsere Verwandtschaft mit Vögeln und Blumen, Jahreszeiten und dem Erdboden feiern.

Viele unserer gegenwärtigen Endzeitvorstellungen basieren auf falschen Auslegungen des Buches der Offenbarung und sind nicht nur unmoralisch, sondern auch gefährlich. Das Schwert, das aus dem Munde Jesu kommt und die Nationen schlägt (Offb 19), ist das unbewaffnete Evangelium vom Reich Gottes, das die „Reiche dieser Welt“, die Machtstrukturen und die Suizidmaschine überwinden wird – nicht mit physischen Waffen, sondern mit einer Botschaft der Gerechtigkeit. Das Blut auf dem Gewand Jesu ist nicht das seiner Feinde, sondern sein eigenes. In diesem Verständnis erhalten wir keinen gewalttätigen Jesus, der bei seinem zweiten Kommen das vollendet, was der sanftmütige Jesus des ersten Kommens nicht geschafft hat, sondern eine dichterische Beschreibung dessen, wie der sanftmütige Jesus des ersten Kommens durch seine „Schwäche“ machtvoll überwindet – ein Friedefürst, dessen Versöhnungswort wahrhaft mächtiger ist als das Schwert Cäsars. Unser Verständnis der Offenbarung stellt uns vor die Wahl: Entweder wird die Welt immer schlechter werden und ein dschihadistischer Jesus wird am Ende alles gewaltsam unterwerfen, oder aber das Gute wird durch Friede, Liebe, Treue, Wahrheit und mutiges Erdulden von Leid obsiegen und Unterdrückung und Folter werden überwunden werden. In dieser Sichtweise wird keine gute Tat vergessen werden oder umsonst sein. Darum sollten wir jetzt damit beginnen, treu weitermachen und niemals aufhören, bis der Traum wahr wird. Auch wenn uns das unser Leben kosten wird, müssen wir durchhalten, weil der Tod nicht das Ende ist und selbst der Tod das Fortschreiten von Gottes Liebe und Frieden nicht aufhalten kann.

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Ein bißchen Bildung wäre nett…

17. November 2007

Da ich Tests liebe, habe ich herausgefunden, welchen Bildungsgrad Du benötigst, um diesen Blog zu lesen:

cash advance

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[Everything Must Change] Teil 3 – Jesus wieder in seinem ursprünglichen Zusammenhang sehen

15. November 2007

[Dies ist der vierte Post zu Brian McLaren’s Buch Everything Must Change: Jesus, Global Crises and a Revolution of Hope. Direkt zur Einführung, zu Teil 1 und zu Teil 2. Dieses Mal wieder übersetzte Ausschnitte.]

Jesus bot seinen in ihrem eigenen Suizidalsystem gefangenen Zeitgenossen in der guten Nachricht eine ganz neue Rahmenerzählung. Die konventionelle Sichtweise auf Jesus fordert die unserer Zeit dominierende Gesellschaftsmaschine nicht heraus, sondern begünstigt ihre selbstmörderischen Tendenzen in sechsfacher Weise:

  • Jesus hat für die gesellschaftlichen Probleme der Menschheit keine Bedeutung – ihm geht es um die Schuld der einzelnen Seele vor Gott und ihr Leben nach dem Tod
  • Für die Zukunft des Planeten Erde gibt es keine Hoffnung – er wird zerstört und ersetzt werden
  • Glaube ist eine geistliche Privatsache und hat nichts mit „weltlichem“ sozialem Engagement zu tun
  • Gesegnet ist eine kleine Gruppe, die sich um ihre eigenen Interessen kümmert, der Rest der Menschheit geht leer aus
  • Gott steht bei der Verwandlung und Erneuerung dieser Welt nicht auf unserer Seite, sondern wird sie zerstören
  • Es entspricht Gottes Plan, daß es mit der Welt immer weiter abwärts geht (das wird zu einer selbsterfüllenden Weissagung)

Diese konventionelle Sichtweise hat Jesus genau in derjenigen Rahmenerzählung verortet, die Jesus eigentlich untergraben wollte. Eine neue Sichtweise kann nur dann entstehen, wenn wir Jesus in seinem ursprünglichen Kontext wahrnehmen – dem römischen Reich, dessen Rahmenerzählung völlige Unterwerfung verlangte und das Friede, Sicherheit und Gleichheit/Fairness durch Dominanz versprach. Jeder profitierte vom Imperium – außer Sklaven, Dienern, Bauern, Frauen, Soldaten, Freigeistern und den Bewohnern des Grenzlandes. Ironischerweise wurde das Kreuz, das eigentlich das Symbol der herrschenden römischen Rahmenerzählung war, zum Zeichen der befreienden Rahmenerzählung Jesu.

In der damaligen Zeit entwickelten die Juden, die sich von der Pax Romana nicht befrieden lassen wollten, ihre eigenen Erzählungen. Diese gibt es auch heute noch:

  • Imperiale oder dominante Erzählungen legitimieren die Machthaber (Sadduzäer, Herodianer)
  • Gegenerzählungen oder revolutionäre Erzählungen rufen zum Umsturz auf (Zeloten)
  • Duale Erzählungen lassen Dich in der Öffentlichkeit nach der imperialen Narrative leben, im Privatleben nach einer anderen, gezähmten Erzählung (Pharisäer)
  • Rückzugserzählungen rechtfertigen die Nichtpartizipation und Isolation von Subkulturen, welche die genannten anderen Erzählungen ablehnen (Essener)

Als Jesus seine Botschaft vom Reich Gottes verkündete, rief er dazu auf, das Leben nicht von den Erzählungen und Gegenerzählungen des römischen Reiches prägen zu lassen, sondern sich in einer anderen Erzählung wiederzufinden, der guten Nachricht, daß Gott König ist und wir in Beziehung zu Gott und Gottes Liebe leben können, statt zu Cäsar und seiner Macht. Jesus will, daß wir das große Bild erkennen, das er sah und hörte, aber zuerst brauchen unsere Augen und Ohren Heilung. Das kann geschehen, wenn wir die Bibel lesen als die Geschichte der Partnerschaft zwischen Gott und der Menschheit mit dem Ziel, die ganze menschliche Gesellschaft zu retten und die globale Zerstörung abzuwenden. Dann lautet die Botschaft Jesu:

Die Zeit ist gekommen! Überdenkt alles! Ein radikal neues Reich ist da – das Königreich Gottes! Glaubt an diese gute Nachricht und wendet euch ab von allen menschlichen imperialen, dualen, revolutionären und Rückzugs-Erzählungen. Öffnet euren Verstand und eure Herzen wie Kinder, um die Dinge auf frische Weise in dieser neuen Art zu sehen, folgt mir und meinen Worten und fangt mit dieser neuen Lebensweise an.

Aus der Betrachtung von Maria und Zacharias zu Beginn des Lukasevangeliums wird deutlich, daß Gott die Reichen und Mächtigen in ihrem Platz an der Sonne nicht rechtfertigt, sondern die imperialen Erzählungen auf den Kopf stellt, so daß ein armes, unterdrücktes und besetztes Land wie Israel wieder Hoffnung schöpfen kann, es politisch und sozial befreit wird, damit es seinem Gott ohne Furcht dienen kann. Der verheißene König wird auf sanfte und barmherzige Weise Israel dabei helfen, seinen Sünden in’s Auge zu sehen, von ihnen umzukehren und Vergebung zu empfangen, so daß das Volk aus der Dunkelheit römischer Unterdrückung zu Freiheit und Schalom – Wohlergehen und Frieden – geführt wird. Ja, Jesus behauptet später selbst, der lange erwartete Befreier zu sein, der die imperialen Erzählungen der Römer und ihrer Kollaborateure umstürzt und die Unterdrückten befreit. Aber nicht auf exklusive, parochiale oder nationalistische Weise. Selbst Außenseiter, ja sogar Nichtjuden, sind in den Geltungsbereich seiner guten Nachricht eingeschlossen. Vor Pilatus stellt Jesus klar, daß irdische Königreiche kämpfen, aber sein Königreich von einem anderen Ort stammt, ein anderes Wesen und eine andere Strategie besitzt. Statt durch Herrschaft und Gewalt Siege einzufahren, erzählt sein Reich schlicht die Wahrheit und wartet ab, wer zuhört: »Darum bin ich geboren und in die Welt gekommen, um von der Wahrheit Zeugnis abzulegen.« (Joh 18,37) Einige Stunden später hing Jesus am Kreuz, und das Reich des Pilatus hatte gewonnen. So schien es zumindest.

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Weiß über Nacht

15. November 2007

Bis gestern sah es vor meinem Haus noch so aus:

 

 

 

 

 

 

Heute hat dann der Winter Einzug gehalten:

 

 

 

 

 

 

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TV-Hinweis: Debatte über Richard Dawkins‘ „Der Gotteswahn“

13. November 2007

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Das dürfte nicht nur ich anschauenswert finden: Wie idea weiß, wird am übermorgigen Donnerstag eine interessante Runde bei JBK zu Gast sein. Richard Dawkins, EKD-Ratsvorsitzender Wolfgang Huber, der katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke und Heiner Geißler werden über Dawkins‘ aktuelles Werk Der Gotteswahn in’s Gespräch kommen. Man darf gespannt sein. Zu sehen ist das ganze ab 23:15 Uhr im ZDF.

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Ein dreifach formidables Wochenende – VfB, Mortification und Absolvierungsfeier

13. November 2007

Samstag und Sonntag habe ich genossen. Zuerst rasierte der Fußballverein meines Herzens den FC Bayern München, was eine große Gaudi war (Sorry, Peter!), und mit etwas Verspätung habe ich hiermit auch wie angekündigt Haso bei der Tipprunde überholt – so wie es am nächsten Spieltag mein Verein mit dem seinigen in der Bundesligatabelle tun wird 8)
Mortlogo
Das emotionale Highlight stand für mich allerdings Samstag Nacht am Fuße der Schwäbischen Alb an. Ich hatte die besondere Freude, mit Mortification eine Band live zu sehen, die für mich besonders wertvoll geworden ist. 1994 brachten sie einen 14jährigen DoSi dazu, sich lange Haare wachsen zu lassen und selbige mit Hochgenuß ruckartig auf und ab wie auch seitwärts zu schwingen und währenddessen im Kreise zu springen. Selbiges praktizierte ich dann auch in der besagten vorgestrigen Nacht, was ich auch heute noch im Nacken- und Lendenbereich spüren kann. Mortification hat meinen Weg mit Jesus wie keine zweite Band geprägt und beeinflußt. Viele ihrer Texte sind Teil meiner Identität geworden und haben ihren Weg auf Schulmäppchen oder Notizbücher gefunden.
Normal Scrolls-Of-The-Megilloth
Obiges Albumcover zierte einst – ausgeschnitten vom durchlöcherten T-Shirt – die Rückseite meiner Bomberjacke und drückte meinen Schmerz darüber aus, daß die Botschaft der Heiligen Schrift kein Gehör mehr zu finden schien. Außerdem höre ich in meinem Kopf jedes mal beim Abendmahl die Zeilen aus »Raise the Chalice« aus eben diesem Album, die Joh 6 entnommen sind: „Unless you drink the blood, you’ll have no life in you.“ Unvergessen der Moment, als ich 1996 während des Christivals in Dresden in der Kraftwerk-Kneipe untenstehende CD erwarb und im Booklet mein Alter Ego auf einem Konzertfoto entdeckte.
Normal Envision-Evangelene
Frontmann Steve Rowe, der mir zum Glaubensvorbild wurde, erkrankte in der Zwischenzeit schwer an Leukämie. Mehrmals wurde ihm von seinen Ärzten der Sterbetermin genannt. Ich denke immer wieder an intensive Gebetszeiten um den Jahreswechsel 97/98 zurück, als wir für ihn flehten. Beim Konzert in Ludwigsburg im März 2001 war ich tief bewegt, als ich Steve, gestützt auf einen Gehstock und eine Helferin, auf die Bühne steigen sah. Als er während der Coverversion von Bloodgood’s »Black Snake« immer wieder wieder die Worte aus dem 1. Johannesbrief „He who is in me is greater, than he who is in the world“ wiederholte, lief mir das Wasser aus den Augen.
Heute besitze ich 15 Alben dieser feinen Combo. Mein Musikgeschmack hat sich verbreitert. Mittlerweile rotiert fast keine Trash oder Death Metal-Scheibe mehr in meinem CD-Player. Aber Mortification haben ihre Spuren in meinem Leben hinterlassen. Ich bin dankbar für Menschen, die voraus gehen und Land betreten, das vielleicht sonst niemand betritt. Und ich bin dankbar für glasklare Texte, die mich zwar manches Mal schmunzeln lassen, aber mit dafür gesorgt haben, daß ein Leben ohne Jesus für mich nicht vorstellbar ist. Darum war das samstägliche Konzert für mich ein Fest.
Mortification
Am gestrigen Sonntag stand dann die Absolvierungsfeier der Akademie für Leiterschaft an. Nach meinem Zivildienst habe ich im Herbst 2000 dort mit dem Studium begonnen. Es war in jeder Hinsicht die richtige Entscheidung. Die Mischung aus kurzen Unterrichtsblöcken und viel Zeit zum Selbststudium und zur Ausarbeitung eigener Themen, die theologische Weite und das begleitende Mentoringkonzept waren für mich ein Glücksfall. Mein theologischer Horizont hat sich geweitet, meine Begeisterung für Jesus hat sich intensiviert, und es ist die ein oder andere Beziehung und Freundschaft entstanden, die ich nicht mehr missen möchte. Die Werkstatt für Gemeindeaufbau (zu welcher die Akademie für Leiterschaft gehört) ist mir nicht nur Ausbildungsstätte, sondern auch Heimat und Arbeitgeber geworden – zum Ort, an dem ein Teil meiner Vision und Berufung Wirklichkeit geworden ist. Nach sieben Jahren des Studierens habe ich gestern mein Bachelor-Diplom bekommen. Eigentlich eine Randnotiz, weil ich die Diplomarbeit schon im Juli letzten Jahres faktisch abgeschlossen und letzte Woche die erste Seminararbeit im Master-Studium abgegeben habe. Aber trotzdem schön.
Diplom2

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[Everything Must Change] Teil 2 – Suizidalsystem

9. November 2007

[Dies ist der dritte Post zu Brian McLaren’s Buch Everything Must Change: Jesus, Global Crises and a Revolution of Hope. Direkt zur Einführung und zu Teil 1. Zunächst eine Zusammenfassung, anschließend wieder übersetzte Ausschnitte.]

Im Westen half das Konzept der Postmoderne die Selbstsicherheitssucht und Unsicherheitsphobie der eigenen kolonialen Kultur zu verstehen und zu unterminieren. Diejenigen, die von den Selbstsicheren beherrscht und kolonialisiert worden waren, kamen durch das postkoloniale Denken zu neuem Selbstvertrauen. Die Verbindung von postmodernen und postkolonialen Anliegen führten Brian vom Nachdenken über interne religiöse Streitfragen zur Auseinandersetzung mit globaleren Dingen, die in seinen beiden Grundfragen angedeutet sind: Was sind heute die größten Probleme der Welt? und Was hat das Leben und die Lehre Jesu dazu zu sagen?
In seiner Beschäftigung mit unterschiedlichen Gruppierungen, die sich mit den größten globalen Problemen auseinandersetzten und Lösungsansätze fanden (Kopenhagen Konsens, die Milleniumsziele der Vereinten Nationen, der Weltbankvizepräsident J. F. Rischard, der PEACE Plan von Rick Warren etc.), versuchte Brian, ein einheitliches System zu finden, in welches die Erkenntnisse der einzelnen Gruppen integriert werden konnten. Er stieß auf die Suizidmaschine »als eine hilfreiche Metapher (unter anderen) für die Systeme, die unsere Zivilisation von Frieden und Gesundheit wegführen«. Er sieht unsere gesellschaftliche Maschine als ein aus drei ineinander greifenden Untersystemen bestehendes Supersystem. Die einzelnen Elemente sind:

  • Das Wohlstandssystem versucht unser Bedürfnis nach Glück mit Sensationen zu stillen und füttert deshalb die Kultur mit den Produkten und Dienstleistungen, welche die Leute wollen. Dazu dienen diverse Untersysteme wie Landwirtschaft, Industrie, Energie, Transportwesen, Bildung, Unterhaltung, Kommunikation etc. Wenn aber Einzelpersonen oder Menschengruppen mehr vom Kuchen haben, dann erwacht die Eifersucht. Die Gefahr, daß sich Außenstehende in das eigene Streben nach Glück einmischen, führt zum wachsenden Bedürfnis nach Sicherheit.
  • Das Sicherheitssystem besteht ebenfalls aus vielen Untersystemen wie Rüstung, Geheimdienst, Grenzkontrolle, Polizei und Überwachung.
  • Das Gleichheits- bzw. Fairneßsystem: Aufgrund der Sehnsucht nach Glück, die durch das Wohlstandssystem gestillt wird, dessen Schutz wiederum durch das Sicherheitssystem gewährleistet werden soll, muß eine Gesellschaft Wege finden, wie die wachsenden Kosten des Sicherheitssystems fair verteilt werden und die Ausbreitung des Wohlstandssystems gerecht unterstützt werden kann. Darum entwickelt das Gleichheitssystem Gesetze, um die Freiheit der Menschen in ihrem Streben nach Wohlstand und Sicherheit zu beschützen; es erhebt Steuern, um die Entwicklung und Aufrechterhaltung der drei Systeme zu finanzieren; es schafft und erhält die Presse wie auch das Rechtssystem, deren Aufgabe die beständige Untersuchung und der Bericht über Ungerechtigkeiten ist. Sollten Gesetze, die Presse und die Gerichte in ihrer Aufgabe versagen, springen diverse Nichtregierungsorganisationen ein, um durch eine große Bandbreite an Projekten das Leiden zu mildern.

Die Systeme beeinflussen sich gegenseitig und brauchen einander. Aber die Gesellschaftsmaschine besteht nicht nur aus einzelnen Teilen, sondern ist selbst nur ein Teil eines größeren Systems. Wenn wir dieses nicht in Betracht ziehen, dann unterstützen wir die Maschine in ihrem suizidalen Trieb. Sie gehört zum sichtbaren Ökosystem unseres Planeten Erde und nimmt zwei Ressourcen (Masse und Energie – hauptsächlich Solarenergie, die einzig signifikante Ressource, die von außen in unser Ökoystem kommt) in sich auf und produziert Abfallprodukte, die wiederum in’s Ökosystem dringen. Manche der Ressourcen innerhalb des Ökosystems sind für uns von großer Wichtigkeit; manche reproduzieren sich nach Verbrauch, andere erneuern sich nicht und sind deshalb weg, wenn wir sie verbraucht haben. Eine Frage zeichnet sich ab, die wir dringend beantworten sollten: Wie groß sollte die Maschine im Vergleich zum Ökosystem sein? Sie könnte eine Größe erreichen, die mehr Ressourcen verbraucht, als das Ökosystem hergibt und mehr Abfall produzieren, als es absorbieren kann. Dann würde sie zu einer Suizidmaschine.

Genau wie Deine biologischen Systeme und Zellen von der Rahmenerzählung, die Du Dir selbst als Person erzählst, vereinigt, integriert, motiviert und geleitet werden, so werden auch unsere Gesellschaften von den Rahmenerzählungen, die wir uns als Gruppen erzählen, vereint, integriert, motiviert und angetrieben. Diese Erzählungen koordinieren die Sehnsüchte von Milliarden von Einzelpersonen durch die drei Systeme und sorgen so für ein Bezugssystem, in dem wir leben, handeln, wünschen und träumen. Wenn unsere Rahmenerzählung weise, stark, realistisch und konstruktiv ist, bringt sie uns auf ein hoffnungsvolles Gleis. Sollte sie aber dysfunktional, schwach, falsch, unrealistisch oder destruktiv sein, könnte sie uns auf eine abwärtsgerichtete Bahn hin zu Un-Frieden, Un-Gesundheit, Un-Wohlstand und Un-Leben führen. Schaut man sich unsere globalen Krisen und unsere Unfähigkeit, angemessen mit ihnen umzugehen, an, so läßt sich sehr stark vermuten, daß die dominierende Rahmenerzählung unserer Welt am Versagen ist. Und das in vielerlei Hinsicht:

  • sie führt uns dazu, immer mehr und immer schneller Ressourcen zu verbrauchen und Abfall zu produzieren, statt die Grenzen unserer Umwelt zu respektieren
  • sie legitimiert die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, statt uns zur Anstrengung für das Gemeinwohl zu leiten. Jede soziale Gruppierung – ob national, religiös, ethnisch, tribal, politisch oder was auch immer – wird in den Strudel des Konfliktes zwischen Arm und Reich hineingezogen und wird zu einer Partei, die nach ihrem eigenen Vorteil im Gegensatz zum Gemeinwohl strebt.
  • sie führt diese rivalisierenden Fraktionen nicht zu einer friedlichen Versöhnung. So entwickelt sich immer mehr ein Teufelskreis der Spannung zwischen dem verängstigten Weltreich der Reichen und einer wütenden globalen terroristischen Revolution der Armen.

In einer Gesellschaft, die von einer ungesunden Rahmenerzählung infiziert ist, werden diverse zerstörerische Untererzählungen wuchern, die sich um Opfer und Vergeltung drehen, um Krieg und Revolution, Rückzug und Isolation oder eine Vergottung des Kapitalismus. Das menschliche Zusammenleben auf diesem Planeten kann als ein Wirbel von Kulturen gesehen werden, die beständig an diesen Erzählungen arbeiten, sie verlieren, adoptieren oder adaptieren, während sie im Drall der großen Rahmenerzählung unseres Planeten gefangen sind, die sich langsam aber sicher zu einem tödlichen Wirbelsturm entwickelt.

Wir können unserer Krise nur beikommen, wenn wir die Rahmenerzählung verändern. Jesus hat der Rahmenerzählung der Gesellschaft seiner Zeit die Stirn geboten und eine radikale Alternative angeboten, um aus der abwärtsgerichteten Flugbahn eine aufsteigende Spirale der Veränderung und Hoffnung zu machen. Darum ist es eine der vorrangigen Herausforderungen für Jesus-Gläubige heute, sein Wirken zu verstehen und darüber nachzudenken, wie wir seinem Beispiel folgen und sein Werk weiterführen können.

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Welcher Religion gehörst Du an?

9. November 2007

Da ich Tests liebe, habe ich erfreut registrierst, daß Martin einen neuen entdeckt hat. Hier meine Ergebnisse, die wie immer sehr lustig sind:

1. Orthodox Quaker (100%)
2. Mainline to Conservative Christian/Protestant (89%)
3. Seventh Day Adventist (89%)
4. Eastern Orthodox (85%)
5. Roman Catholic (85%)
6. Mainline to Liberal Christian Protestants (73%)
7. Liberal Quakers (56%)
8. Hinduism (53%)
9. Orthodox Judaism (52%)
10. Islam (49%)
11. Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints (Mormons) (48%)
12. Unitarian Universalism (48%)
13. Sikhism (41%)
14. Bahá’í Faith (41%)
15. Jehovah’s Witness (37%)
16. Jainism (34%)
17. Reform Judaism (32%)
18. Mahayana Buddhism (30%)
19. Neo-Pagan (30%)
20. Theravada Buddhism (29%)
21. Secular Humanism (25%)
22. New Age (25%)
23. Christian Science (Church of Christ, Scientist) (20%)
24. Taoism (19%)
25. Nontheist (17%)
26. Scientology (15%)
27. New Thought (12%)

Solltest Du diesen Test auch machen, interessiert mich natürlich das Resultat 😉

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[Everything Must Change] Teil 1 – Zwei alles beherrschende Fragen

4. November 2007

[Dies ist der zweite Post zu Brian McLaren’s Buch Everything Must Change: Jesus, Global Crises and a Revolution of Hope. Die Einführung findest Du hier.]

Seit Brian ein Twen war, stellte er sich zwei Fragen, die Im Laufe der Zeit zu den alles beherrschenden Fragen seines Lebens wurden:

  • Was sind die größten Probleme auf der Welt?
  • Was hat Jesus zu diesen Problemen zu sagen?

Aus diesem Nachdenken ergaben sich weitere Fragen nach der Ursache des Versagens der christlichen Religion bzw. ihrer Anhänger, die nach McLarens Ansicht nicht signifikant zur Bewältigung der globalen Krise beitrugen, sondern sich damit beschäftigten, entweder (a) nach dem Tod in den Himmel zu kommen oder (b) mit der Hilfe Gottes auf Erden glücklicher und erfolgreicher zu werden. Darum lautet die Ausgangsfrage, die zum vorliegenden Buch führte: »Was müßte geschehen, damit die Nachfolger Jesu in zunehmendem Maße zu einer einflußnehmenden Kraft würden, die dem Guten dieser Welt dient?»

Brian erzählt von Begegnungen auf dem afrikanischen Kontinent, die ihn mit dem Scheitern der »Religion der Missionare« konfrontierten und zum tieferen Nachdenken anregten. Aber auch im Westen sähe es nicht anders aus: Die größten Debatten in den Gemeinden würden um persönliche Moralvorstellungen, angemessene Musik im Gottesdienst oder Details biblischer Auslegungen geführt, was im Vergleich zu Rassismus, Völkermord, Gleichgültigkeit gegenüber Armen und Minderheiten, Ausbeutung der Umwelt und ungerechtem Krieg beschämende Massenzerstreuungswaffen seien. Seine beiden Ausgangsfragen verbanden sich zu einer einzigen: »Was könnte sich ändern, wenn wir die Botschaft Jesu – die gute Nachricht vom Reich Gottes – auf die größten Probleme der Welt anwenden würden?«

Ein angemessenes Verständnis von Gott und Glauben kann die Menschen darin schulen, aufrecht zu gehen, die Lügen einer dysfunktionalen Gesellschaft infrage zu stellen und für ihre Veränderung zu arbeiten. Ein fehlgeleitetes Verständnis hingegen kann ein Opiat sein, das ihre Köpfe in Unterwerfung oder Verzweiflung unten hält, so daß sie weiter dem gesellschaftlichen System, das sie zerstört, dienen, seine Lügen glauben und sich an sein selbstzerstörerisches Skript halten.

In der westlichen Welt haben Christen Brian zufolge meist den falschen Standpunkt eingenommen und sich auf die falschen Themen konzentriert, so daß ein typisches Bild des verkrampften, verurteilenden, unausgewogenen, reaktionären, negativen und heuchlerischen Christen entstanden sei. Das Christentum beschäftigte sich zu sehr mit „mir“, „meiner Seele“, „meinem geistlichen Leben“ und „meinem ewigen Schicksal“, statt sich mit der vorherrschenden gesellschaftlichen und globalen Wirklichkeit auseinanderzusetzen, die von systemischer Ungerechtigkeit, Armut, ökologischer Krise und vielerlei systemischen Fehlfunktionen geprägt sei. Darum sei das Christentum eine gescheiterte Religion.

Vielen, die sich im globalen Norden mit diesen Fragen auseinandersetzen, habe das Wort postmodern sehr geholfen, für diejenigen im globalen Süden sei es das Wort postkolonial gewesen. Brian drückt seine Unzufriedenheit mit der modernen, westlichen und kolonialen Version des Christentums aus, ohne dabei Jesus und den christlichen Glauben über Bord werfen zu wollen:

Wir wollen das Gute und Wahre im christlichen Glauben nicht verwerfen. Aber damit wir unserem Glauben guten Gewissens anhangen können, müssen wir ihn von den Viren entwanzen, die in seine Software eingedrungen sind – moderne, westliche, koloniale, imperiale, rationalistische, reduktionistische und andere Viren.

Ein überzogenes Selbstvertrauen schien die Wurzel des Problems der Dominanten zu sein. Diese Sicherheit kam einerseits aus der modernen, rationalistischen Philosophie und andererseits aus den Metanarrativen, rachsüchtigen und dominierenden Rahmenerzählunge, die dafür sorgten, daß Nationen oder Kulturkreise teuflisch, genozidal und vielleicht sogar suizidal wurden, da sie in der Lage waren, den ganzen Planeten zu vernichten. Zurück bei seinen Ursprungsfragen dachte Brian darüber nach, ob im Kern des Lebens und der Botschaft Jesu der Versuch stand, die ungesunden Rahmenerzählungen seiner Zeit bloßzustellen, herauszufordern, zu konfrontieren, zu transformieren und zu ersetzen, und ob die ungesunden Rahmenerzählungen der Zeit Jesu in denen der heutigen Zeit einen Nachklang finden.

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[Everything Must Change] Einführung

2. November 2007

Vor einiger Zeit habe ich bereits auf Brian McLaren’s Buch Everything Must Change: Jesus, Global Crises and a Revolution of Hope hingewiesen. Heute ist nun der zweite Teil des Interviews erschienen, das Alan Roxburgh mit Brian geführt hat, in dem letzterer etwas intensiver auf seine aktuelle Veröffentlichung eingeht.

Zum Autor
Brian McLaren gründete parallel zu seiner Tätigkeit als Englischlehrer eine Gemeinde, deren hauptamtlicher Pastor er später wurde. Brian war an der Gründung von EmergentVillage beteiligt. Mittlerweile ist er nur noch als Autor und Redner unterwegs. Brian schrieb einige Bücher zu Themen wie Gemeindebau, Evangelisation und dem Leben als Christ in der gegenwärtigen globalisierten Welt. Durch den großen Erfolg seiner Veröffentlichungen, die vielen aus dem Herzen sprechen, wird Brian in den USA große mediale Aufmerksamkeit zuteil – z.B. nannte ihn das TIME Magazine einen der 25 einflußreichsten Evangelikalen. Diese Aufmerksamkeit hat ihre Schattenseiten. Brian McLaren, der sich selbst als einen Pilger in der Nachfolge Jesu versteht, der eine „neue Art des Christseins“ jenseits liberaler und evangelikaler Schranken sucht, wird oft zur Zielscheibe heftiger Kritik. Zu seinem eigenen Leidwesen wird die Sichtweise Brian’s häufig mit dem, „was die »Emerging Church«-Bewegung denkt, meint und will“ gleichgesetzt. Seine Stimme erhält definitv am meisten Gehör, dennoch bleibt sie eine unter vielen.
Brian Mclaren
Für mich persönlich sind Brian’s Bücher nicht deshalb wichtig geworden, weil ich seine Theologie teile. Wir überschneiden uns in vielen Punkten, aber an manchen Stellen finde ich ihn zu verkürzt und kann seine Positionen nicht teilen. Muß ich auch nicht. Ich empfehle seine Bücher trotzdem uneingeschränkt. Warum? Weil Brian die wichtigen, vielleicht sogar die entscheidenden Fragen stellt, um die sich die Gemeinde oftmals gedrückt hat. Er spricht sie aus und nimmt sie in Angriff, denkt laut unfertige Gedanken. Das Ergebnis polarisiert, weil Brian in seiner prophetischen Weise zwischen allen Stühlen sitzt. Die Titel seiner Bücher empfinde ich oftmals als reißerisch, die Covergestaltung ist nicht immer geglückt. Aber der Inhalt ist das Geld wert. Entscheidend ist nicht unbedingt das, was Brian sagt. Entscheidend ist, daß durch seinen Dienst Themen in den Mittelpunkt gerückt werden, die Aufmerksamkeit verdienen. Mehr zu Brian findest Du auf seiner Website.

Brian McLaren und Emergent Deutschland
Ich freue mich, daß Brian McLaren Ende November / Anfang Dezember in Deutschland sein wird. Als Emergent Deutschland veranstalten wir jeweils einen Studientag in Hamburg und Marburg.
Ed Banner Forum
Solltest Du Interesse daran haben, Dich am emergenten Dialog in Deutschland zu beteiligen, dann würde ich mich von Herzen freuen, Dich auf dem Emergent Forum zu treffen, wo außer Beiträgen von Brian und Jason Clark auch Menschen aus unserem Land zu Wort kommen und wir Emergent Deutschland offziell starten werden – hoffentlich mit Dir? Hier geht’s zur Anmeldung.

Everything Must Change – Einführung
Um Dir und mir im Vorfeld der oben genannten Veranstaltungen die Möglichkeit zu geben, mit dem vertraut zu werden, was Brian im Moment bewegt, werde ich im November über sein aktuelles Buch bloggen. Da »Everything Must Change« aus 34 Kapiteln besteht, werde ich nicht wie sonst auf diesem Blog jedem Kapitel einen eigenen Post widmen, sondern – nach dieser Einführung – die acht Teile des Buches jeweils in einem Post zusammenfassen.
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Zunächst stellt Brian klar, daß er (1) nicht noch jemand ist, der sich darüber auslassen will, wie schlimm die Welt doch ist und wer alles daran Schuld trägt, (2) er sehr komplexes Material auf interessante Weise zugänglich machen möchte, (3) die Lektüre dieses Buches dazu beitragen wird, nicht nur die Welt besser zu verstehen, sondern auch einen Unterschied in ihr zu machen und (4) daß dieses Machen eines Unterschiedes keine Last, sondern eine erfüllende Freude ist. Brian schreibt „als normaler Mensch wie Du, der sich Gedanken macht und das Richtige tun will“ und sich seit ungefähr zehn Jahren fragt, wie eine frische, authentische, herausfordernde und abenteuerliche neue Art des Christseins aussehen könnte. Ein Teil dessen ist die Auseinandersetzung mit der Frage, worum es Jesus im Kern ging. Dieser Thematik widmete Brian sein letztes Buch, The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth That Could Change Everything. Er fand heraus, daß Jesus weniger die Flucht aus dieser Welt hinweg zu den wonnigen himmlischen Ufern im Sinn hatte, als vielmehr daß Gottes Wille auf dieser Erde so getan würde wie das im Himmel der Fall ist. Brian dachte mehr und mehr über den Zustand dieser Welt nach und kam zu dem Schluß, daß wir Menschen eine selbstmörderische Maschine in Gang gesetzt haben, die zu vier globalen Krisen geführt hat, die alle miteinander zusammenhängen:

  • Die globale Ökonomie schuf durch Raubbau an der Umwelt und Mißbrauch der natürlichen Ressourcen großen Reichtum für ein Drittel der Weltbevölkerung – die Wohlstandskrise
  • Diese Ungleichheit führt auf der Seite der armen Mehrheit zu Ablehnung, Haß und Neid gegenüber der reichen Minderheit, was in dieser wiederum Angst und Wut auslöst – die Gleichheits- bzw. Fairnesskrise
  • Die Gefahr eines katastrophalen Krieges zwischen den Gruppierungen an den zwei Enden des wirtschaftlichen Spektrums – die Sicherheitskrise
  • Das Scheitern der Weltreligionen, die es nicht verstanden, eine Rahmenerzählung zu schaffen, die in der Lage wäre, die drei ersten Krisen zu heilen und zu vermindern – die Spiritualitätskrise

Während ich an diesem Buch gearbeitet habe und die Probleme dieser Welt im Licht des Lebens und der Botschaft Jesus zu verstehen versuchte, wurde ich wie niemals zuvor von der einfachen, erreichbaren aber doch überraschend kraftvollen Antwort getroffen, auf die Jesus aus ist – eine Antwort, die unter uns eine Revolution der Hoffnung entfachen kann, einer Hoffnung, die alles verändern kann. Diese Hoffnung könnte Dir zuteil werden, während Du liest, ohne daß Du es merkst. Wenn das in einer hinreichenden Menge von uns geschieht, dann werden wir den globalen Krisen, die uns bedrohen, in’s Angesicht sehen und sie überwinden, und wir werden die Saat einer besseren Zukunft säen. (S. 6)

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Gilead an Allerheiligen

2. November 2007

Heute habe ich den Feiertag genutzt, um wieder einmal einen Roman zu lesen: Das 2004 erschienene Gilead, für das Marilynne Robinson 2005 den Pulitzer-Preis erhielt.
Gilead
Das Buch besteht aus einem einzigen Monolog – der (am Ende) 77-jährige Reverend John Ames schreibt über mehrere Wochen hinweg einen langen Brief an seinen siebenjährigen Sohn. Ames weiß, daß seine Lebenszeit abläuft, daß er keine Möglichkeit mehr haben wird, »von Mann zu Mann« mit seinem Sohn zu reden, und hält deshalb alles, was er ihm noch sagen wollte, was aber aufgrund dessen noch so geringen Alters unmöglich scheint, schriftlich fest. Dabei wechseln sich Blicke in die Vergangenheit ab mit der tagebuchähnlichen Schilderung des aktuellen Geschehens. Die Rückblenden kreisen beständig um dieselben Ereignisse und Inhalte – Kindheit; Schilderungen des Vaters und Großvaters (beide ebenfalls im Predigtamt); Erinnerungen an seine erste Ehefrau, die bei der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes zusammen mit letzterem verstarb; nachfolgende lange Zeit innerer Einsamkeit; das Kennenlernen seiner jetzigen Frau und Mutter seines Sohnes. Immer wieder kommt Ames auf denselben Punkt zurück und fügt weitere Details hinzu. Beständig wird die eigene Erfahrung im Licht der Erzählungen der Bibel gedeutet und auf Predigtentwürfe Ames‘ zurückgegriffen. Vor dem Auge und vor allem im Herz des Lesers entsteht das Bild eines Mannes, der von Gott in den Dienst genommen wurde und der die Nachfolge Jesu immer ernst genommen hat und auch im Jetzt noch nimmt. Seine Sorgen, Ängste, Schmerzen, Träume, Freuden und Schwächen bestimmen die Narrative.

Marilynne Robinson hat ein Buch über Rassengleichheit, über Vergebung und Versöhnung, über Freundschaft, über das Leben in einem US-amerikanischen Dorf, über das Leben-mit-Gott und über die Schönheit des Lebens an sich geschrieben, das ich empfehle. Mit einer einfachen und klaren Sprache erschafft die Autorin eine Welt, in die ich beim Lesen – das mehr einer Meditation statt dem Verschlingen eines Romanes glich und ähnliche Gefühle hervorrief wie das Hören von Johnny Cash’s American Recordings – schnell hineingezogen wurde und die in mir den Wunsch reifen ließ, am Ende meines Lebens eine ebensolche Wärme auszustrahlen, wie sie bei John Ames spürbar wurde. Die Retrospektiven haben mich desöfteren an meinen Großvater denken lassen, der ebenfalls immer und immer wieder über dieselben Ereignisse bzw. Abschnitte seiner Biographie sprach, die ihm wertvoll und wichtig waren und von denen er bis ins hohe Alter zehrte. Die Lektüre dieses Romans hat mich in mancherlei Weise berührt und beschenkt.

Ein gutes Buch, um es an Allerheiligen zu lesen und dabei an Menschen zu denken, die mir auf dem Weg Jesu Vorbilder waren.

Our dream of life will end as dreams do end, abruptly and completely, when the sun rises, when the light comes. And we will think, All that fear and all that grief were about nothing. But that cannot be true. I can’t believe we will forget our sorrows altogether. That would mean forgetting that we have lived, humanly speaking. Sorrow seems to me to be a great part of the substance of human life. (S. 104)
There were two further points I felt I should have made in our earlier conversations, one of them being that doctrine is not belief, it is only one way of talking about belief, and the other being that the Greek word sozo, which is usually translated „saved,“ can also mean healed, restored, that sort of thing. (…) My first thought was that nobody ought to be as lonely as he looked to me walking along by himself. (239f)

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[Wortakrobatik] Widerstand

2. November 2007

[Diese Zeilen entstammen meinem inneren Dialog während der Lobpreiszeit im p-shuttle am letzten Sonntag.]

Widerstand!
Widerstand dem „Es geht halt nix…“
Widerstand dem Sich-Abfinden mit der „Dürrephase“
Widerstand!

Die nagende Frustration ist himmelhoch angeschwollen und hat den Damm gebrochen

Widerstand den leeren Worten!

Dem pseudointellektuellen Geschwätz
Dem verständnisvollen Nicken
Der political correctness
Der Profilierungssucht
Die nirgendwo anecken will
Sich von Extrempositionen distanziert
Nur vor sich hin blubbert
Und diesen Jesus, dem mein Herz gehört, um seine Schärfe beraubt
Sage ich heute den Kampf an!

Dies ist ein Schrei nach Kraft und Gegenwart des lebendigen Gottes

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