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Archiv für Oktober, 2007

Ich bin ein Genie

31. Oktober 2007

… behauptet zumindest dieser Test, den Peter gestern ausgegraben hat. Nette Knobelei, erschwert allerdings durch die englische Sprache.

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Eins gehört gehört: Der Radiotip

31. Oktober 2007

Tage der Freude: Der Radiosender meines Herzens, SWR1 Baden-Württemberg, führt zur Zeit wieder seine legendäre Hitparade durch. Aus 250.000 eingegangenen Hörerstimmen werden die Top 700 der beliebtesten Songs gespielt. Das bedeutet, daß in meiner Nähe immer ein Radio läuft – sei es im Auto, am Rechner oder auch nur über das Handy. Lustigerweise sind meine Kopfhörer fast nicht sichtbar, so daß sich Passanten wundern mögen, warum sich meine Lippen lautlos bewegen und immer wieder Teile meines Körpers zucken. Keine postcharismatische Anwandlung, nur Freude an feiner Musik. Ich lade Dich ein, diesen Genuß zu teilen – das funktioniert auch im Webradio. Heute ist der letzte Tag, um ca. 22:00 Uhr wird die Nummer eins laufen. Meine Prognose: Led Zeppelin – Stairway to Heaven. Dafür lohnt das Warten…

Update:
Das Warten hat sich gelohnt – exzellente Stücke in den Top 5:
Bryan Adams – Summer of ’69
Deep Purple – Child in Time
Pink Floyd – Whish You Were Here
Queen – Bohemian Rhapsody
Und die Nr.1? Wie erwartet: Stairway to Heaven.

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[Secret Message] Rückschau

26. Oktober 2007

Nun ist meine Serie zu Brian McLaren’s Buch The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything (auf deutsch: Die geheime Botschaf von Jesus. Die Wahrheit, die alles verändern könnte) zu Ende. Was bleibt?
Secret Message-1
Zusammenfassung
Brian ist motiviert davon, Jesus zu verstehen – und insbesondere seine Botschaft. Er behauptet nicht, daß ihm dieses umfassend gelungen ist, er sei aber auf einiges gestoßen, was im Allgemeinen übersehen werde. Er beginnt mit einem Blick auf die politische und soziale Situation im damaligen Israel. Was er beschreibt, mag dem Theologen verkürzt und einseitig erscheinen, aber Brian wendet sich nicht an Theologen, sondern an Menschen „wie Du und ich“ 8) Jesus habe die Menschen zu einer neuen Art von Revolution aufgerufen und sie aufgefordert, sich dem Traum vom Königreich Gottes, das für jedermann zugänglich sei, anzuschließen: „Dieser Zimmermannssohn aus Galiläa fordert jede existierende politische Bewegung zum radikalen Um- und Nachdenken über seine revolutionäre Alternative auf.“ Jesus, so Brian, trat für die Marginalisierten ein, betonte im Gegensatz zur äußerlich konformen Frömmigkeit die innerliche Wahrhaftigkeit des Herzens, sprach von zukünftigem Gericht über Ungerechtigkeit und proklamierte das Kommen einer neuen Wirklichkeit und Weltordnung – nicht fern und zukünftig, sondern im Hier und Jetzt. Jesus ist der König des neuen Reiches, der den Willen Gottes neu auslegt und eine neue Gemeinschaft gründet, die für die Welt zum Segen werden soll und in der Menschen nicht mehr durch religiöse, ethnische, rassische, moralische oder soziale Grenzen voneinander getrennt sind. Die Wunder, die Jesus tut, sind für Brian Zeichen seiner Botschaft, Hin-weise darauf, daß das Reich Gottes gegenwärtig ist. Im Kern steht ein „Leben, das sich von dem Leben, das die Leute in diesen Tagen leben, radikal unterscheidet, ein volles und überfließendes Leben, ein höheres Leben, dessen Kern in einer interaktiven Beziehung zu Gott und zu Jesus besteht”. Jesus verbirgt seine Botschaft in Gleichnissen und lädt seine Zuhörer ein, sich in diese Geschichten mit hineinnehmen und sich von ihnen verändern zu lassen. Jesus befreite Menschen aus der Unterdrückung durch geistliche Mächte, stellte sich aber auch dem systemischen und transpersonalen Bösen entgegen – insbesondere dem römische Imperium und der damaligen religiösen Elite. Er scheint zu unterliegen. Aber es wird deutlich: Das Reich Gotte überwindet durch Schwäche, Verwundbarkeit, Opfer, Liebe und Leiden: „Die Versöhnungsbewegung, die aus Leben, Lehre, Tod und Auferstehung Christi entstammt, ist für uns das Reich Gottes.“ Nach seiner Auferstehung sendet Jesus seine vom Heiligen Geist ermächtigten Jünger mit dem Auftrag in die Welt, die gute Nachricht vom Königreich Gottes zu verbreiten und Lerngemeinschaften praktizierender Nachfolger Jesu zu formen, die das neue, von Jesus gelernte Leben, in jedem Bereich ihres Lebens ausleben. Und das, so Brian, ist geschehen:

Einzelne Menschen, Glaubensgemeinschaften, Wohngegenden und sogar Kulturen werden verändert. Wenn diese stille Transformation geschieht, wenn die Dinge richtig laufen, dann nehmen das die Leute oft nicht wahr; trotzdem, wie Jesus sagte, schreitet das Königreich so subtil voran, wie aufwachsende Saat oder Hefe, die sich in einem Laib Brot ausbreitet. Aber wenn es die Menschen bemerken, dann spüren sie, daß Gott anwesend ist, und sie beten Dankgebete. Trotz unseres mannigfaltigen Versagens dringt das Geheimnis an die Öffentlichkeit!

Anschließend zieht Brian die Linien weiter zum seiner Ansicht nach oft mißverstandenen Paulus, der dort weitermachte, wo Jesus aufgehört hatte, das Reich Gottes in seinen Schriften sichtbar werden ließ und die praktizierenden Nachfolger Jesu im Leben auf dem Weg Jesu unterrichtete. Einen meiner Lieblingsabschnitte aus dem Buch zitiere ich an dieser Stelle wörtlich:

Vielleicht ist Paulus selbst ein laufendes und sprechendes Gleichnis, das sich unter laufenden, sprechenden Gemeinschaften von Gleichnissen bewegt. Vielleicht verkörpert und veranschaulicht Paulus’ eigene Verwandlungsgeschichte – vom haßerfüllten religiösen Eiferer zum Brückenbauer für Liebe und Versöhnung – die gute Nachricht vom Reich Gottes. Und vielleicht sind die Menschen, die er zusammenführt und vernetzt selbst – einzeln und als Gemeinschaften – ein Medium, das die geheime Botschaft Jesu enthält. Könnte es sein, daß die Botschaft in ihnen verborgen ist, in ihrem gemeinsamen Leben, gerade so, wie sie in den Gleichnissen Jesu verborgen war? Genau das schreibt Paulus in seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth (3,2f), als er ausführt, daß sie ein Brief seien, eine fleischgewordene Botschaft, nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes geschrieben, nicht auf Steintafeln gemeißelt, sondern in lebendigen, menschlichen Herzen verkörpert.

Wie kommt man nun in das Königreich Gottes? Aus der Lehre Jesu wird deutlich, daß dazu mehrere miteinander verbundene Schritte gehören: Das Überdenken des eigenen Lebens und eine Neuausrichtung an der Botschaft Jesu, das vertrauensvolle Sich-Verlassen auf Jesus, die Offenheit zum Empfang des Geistes Gottes, das öffentliche Bekanntmachen der Lebensänderung sowie die tägliche Einübung des Lebens in der Nachfolge Jesu. Aus der Bergpredigt entwickelt Brian die Ethik des Königreichs: Nicht bloß das Falsche nicht zu tun, sondern aus einem veränderten Herzen das Richtige zu tun und die eigene Spiritualität nicht an die große Glocke zu hängen, sondern im Verborgenen die Nähe des himmlischen Vaters zu suchen und auf seine Güte zu vertrauen.
In der Geschichte der Christenheit kam es immer wieder zur aktiven Gewaltanwendung. Brian erläutert die Theorie des „gerechten Krieges“, stellt aber klar: „Das Königreich, von dem Jesus spricht, übt seine Macht nicht mit Gewalt, sondern in mutiger, sich verschenkender Liebe aus. Das Endziel ist Shalom – umfassender Friede, viel mehr als das Ende eines Konflikts, sondern ein ganzheitliches Leben in Fülle und im Gleichgewicht.“ Darum plädiert Brian für ein aktives Streben nach Frieden, indem die unterschwelligen Ursachen persönlicher, lokaler, regionaler, nationaler und globaler Konflikte angegangen werden. An diesen Dingen zeigt die Spannung des zwar schon gekommenen, in seiner Vollendung aber noch ausstehenden Reiches Gottes. Dieser Gedanke für Brian zur Eschatologie. Die biblischen „Endzeitreden“ sind für ihn handlungsleitende Warnungen und Verheißungen, an denen wir uns im gegenwärtigen Leben orientieren sollen: „Je nach dem, wie wir auf Jesu geheime Botschaft vom Reich Gottes reagieren, werden wir zwei verschiedene Welten schaffen: Eine höllische oder eine himmlische.“ Am Ende dieses Zeitalters sieht Brian die Ernte, in welcher Einzelne und Gruppen nach ihrer Frucht beurteilt werden. Dabei wird es zu überraschenden Ergebnissen kommen. Das Buch schließt einer Mediation über 1Kor 15 und der daraus fließenden Motivation, ganz für das Kommen des Königreiches Gottes zu leben und zu beten.

Die letzte Hoffnung jenseits des Todes ist also die Hoffnung der Auferstehung, die auch die Hoffnung der Vollendung ist, die Hoffnung an der Wiederherstellung aller Dinge teilzuhaben. Alles, was wir uns in unserem Leben ersehnt, wonach wir gestrebt, gearbeitet und in unserem Trachten für das Reich Gottes erlitten haben, wird uns schließlich in Fülle erwarten. Unser Träumen, Hoffen, Mühen und Lieben wird vollendet, erfüllt und belohnt werden im Reich Gottes, das dieses Leben und das danach in einer ehrfurchtgebietenden Wirklichkeit umfaßt.

Fazit
Ich mag dieses Buch. Und ich empfehle es. Ja, ich habe auch meine Schwierigkeiten. Oftmals habe ich das Gefühl, Brian kämpft gegen seine eigene Vergangenheit, den (von ihm so empfundenen) dunklen Schatten, der ihm aus seiner Zeit bei den Plymouth Brethren anhaftet. Und er kämpft leidenschaftlich gegen die religiöse Rechte in den Vereinigten Staaten. Das führt dazu, daß in diesem Buch vieles fehlt, das aus meiner Sicht auch Jesus gehört. In den letzten beiden Tagen habe ich zur Unterrichtsvorbereitung das Johannesevangelium gelesen. Und ich bin auf den johanneischen Christus getroffen, der beständig (ja eigentlich in jedem Kapitel) auf seine Identität und Sendung pocht, der deutlich von Sünde spricht, der die Menschen konfrontiert, so daß sich viele von ihm abwenden und sich buchstäblich die Geister scheiden. Diesen Jesus habe ich bei Brian nur manchmal und nur versteckt gefunden. Negativ gesagt: weichgespült. Genauso wie der Bußruf, von dem ich in den synoptischen Evangelien, in den Predigten der Apostelgeschichte und den paulinischen Briefen lese. Außerdem teile ich Brian’s Eschatologie (noch?) nicht.
Aber genug der Kritik. Ich empfehle dieses Buch. Warum? Weil ich in meinem pietistisch geprägten, post-charismatischen Umfeld zu wenig von dem sehe, was Brian zu recht herausstreicht. Ja, er übertreibt oftmals. Nein, Deutschland ist nicht Nordarmerika. Ja, das Buch ist reißerisch aufgemacht. Nein, er enthüllt nichts wirklich Neues. Muß er ja auch nicht. Er bringt Altes gut zur Sprache. Manches hätte ich anders gesagt oder betont. Na und? An dem, was Brian von der Botschaft Jesu verstanden hat und kommuniziert, müssen wir uns messen lassen. Streiten wir nur um Glaubensinhalte, oder folgen wir Jesus nach – konkret, praktisch, im Alltag?

Austausch
Kaufe dieses Buch. Dann wirst Du das, was ich verkürzt oder verfälscht wiedergegeben habe, im Zusammenhang lesen. Zusammen mit all den schönen Geschichten, die ich weggelassen habe. Starte eine Verschwörung des Guten. Mehr zu diesem Buch findest Du bei tobiK, toby und Simon. Wenn Du dieses Buch – oder meine Zusammenfassung – gelesen hast, dann lade ich ein, einen Kommentar zu hinterlassen, was Dich besonders angesprochen hat, womit Du Deine Schwierigkeiten hast und was Deine Ideen dazu sind, wie wir die geheime Botschaft Jesu leben können. Ach ja – und komm zum Emergent Deutschland Forum nach Erlangen, wo Du nicht nur Brian, sondern auch viele andere treffen wirst, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen.


Direkter Zugriff auf die Posts zu den einzelnen Kapiteln

Einführung

Teil 1 – Ausgrabung: Unter der Oberfläche schürfen, um die Botschaft Jesu zu enthüllen
Kapitel 1: Beunruhigende Fragen über Jesus
Kapitel 2: Die politische Botschaft Jesu
Kapitel 3: Die jüdische Botschaft Jesu
Kapitel 4: Die revolutionäre Botschaft Jesu
Kapitel 5: Die verborgene Botschaft Jesu

Teil 2: Die Auseinandersetzung mit der Botschaft Jesu
Kapitel 6: Das Medium der Botschaft
Kapitel 7: Die Demonstration der Botschaft
Kapitel 8: Der Skandal der Botschaft
Kapitel 9: Man kann ein Geheimnis nicht behalten
Kapitel 10: Geheimagenten des geheimen Reiches
Kapitel 11: Das offene Geheimnis
Kapitel 12: Die Botschaft an neuen Orten verbergen
Kapitel 13: Verstehen und einsteigen

Teil 3: Stell Dir vor… Eine Erkundung darüber, wie die geheime Botschaft Jesu alles verändern könnte
Kapitel 14: Das Manifesto des Königreichs
Kapitel 15: Die Ethik des Königreichs
Kapitel 16: Die Sprache des Königreichs
Kapitel 17: Das friedfertige Königreich
Kapitel 18: Die Grenzen des Königreichs
Kapitel 19: Die Zukunft des Königreichs
Kapitel 20: Die Ernte des Königreichs
Kapitel 21: Das Königreich sehen
Nachwort und Anhang

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Sparsam aus gutem Grund

26. Oktober 2007

Man sagt uns Schwaben ja nach, wir seien geizig. Stimmt aber nicht – wir präferieren ein anderes Adjektiv: Wir sind »sparsam«. Und das aus gutem Grund: Nirgendwo in Deutschland muß länger mit dem vorhandenen Geld ausgekommen werden als in Baden-Württemberg. Positiv ausgedrückt: Hier ist die Lebenserwartung am höchsten. Schön, das. Mehr hier.

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Geheimnisvoller Tresor

25. Oktober 2007

Eben bin ich auf eine interessante Meldung in einem wöchentlich erscheinenden regionalen Gratis-Blatt gestoßen. In der Nacht auf Freitag wurde im Rathaus meines schönen Heimatortes eingebrochen. Den Gaunern gelang dabei ein ganz besonderer Coup. Ich zitiere:

Den Einbrechern gelang es auf fachmännische Art und Weise, einen Tresor mit Zahlenschloss zu öffnen, über dessen Nummernkombination im Heimerdinger Rathaus seit Jahren gerätselt wird. Allerdings gehen die Bediensteten davon aus, dass sich in diesem Tresor nichts weiter befand als der Schlüssel für einen zweiten Panzerschrank. Dieser stand all die Jahre offen und war leer. Weil die Türe aber eingerostet und schwergängig ist, glaubten die Täter offenbar, sie mit dem vorgefundenen Schlüssel öffnen zu müssen. (Quelle: Strohgäu Rundschau vom 25.10.)

Lustig, das. Eingestiegen sind die Kerle über ein Gerüst, haben diverse Türen und den in Gebrach befindlichen Safe aufgebrochen. Für den letzteren benutzten sie eine Flexmaschine. Das müßte eigentlich ziemlich laut gewesen sein. Dennoch hat niemand etwas gehört. Entdeckt wurde das Verbrechen erst am nächsten Morgen, als auch festgestellt wurde, daß die Täter knapp 2.000 und Blankovordrucke für Reisepässe, mit denen sich wohl auf dem Schwarzmarkt einiges verdienen läßt, erbeuteten. Das Blatt urteilt:

Wenn der Schaden nicht so groß wäre, könnte man dem Einbruch im Heimerdinger Rathaus eine komödiantische Note abgewinnen. (…) Die Nummer für den Zahlentresor ist übrigens noch unbekannt. Die Täter schlossen den Schrank wieder.

Damit werden wir wohl nie erfahren, welche Geheimnisse der mysteriöse Panzerschrank beherbergt…

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[Secret Message] Nachwort und Anhang

24. Oktober 2007

[Dies ist der dreiundzwanzigste Post über Brian McLaren’s Buch The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16|17|18|19|20|21|22.]

Nachwort
Vieles mehr wäre noch über die geheime Botschaft Jesu zu sagen. Sie hat weitreichende Auswirkungen auf die größte Bandbreite an Themen, die man sich vorstellen kann – Rassismus, Ökologie, die Ausbreitung von Waffen, Terrorismus, interreligiösen Konflikten, destruktives Entertainment, Bildungswesen, Wirtschaft, Sexualität, Kunst, Politik, Technologie, Liturgie, Kontemplation. Wir haben hier nur an der Oberfläche gekratzt. Was immer wir über die geheime Botschaft Jesu gelernt haben, sollte uns dazu bringen, weiter zu suchen, mehr zu lernen, mehr zu erfahren – und sie nicht nur durch ein Buch verstehen zu lernen, sondern „in sie hineinzutreten“, indem wir sie ausleben.

Anhang 1: Warum haben wir das nicht früher verstanden?
Warum haben unsere Gelehrten dieses Verständnis des Evangeliums nicht schon früher gehabt? Nun, wir lesen den ganzen Text der Bibel in all seiner Wildheit und Intensität und versuchen dabei politische, soziale, theologische und eschatologische Motive in ein Ganzes zu integrieren. Davon abgesehen gibt es noch weitere Gründe, warum ein solches Verständnis früher einfach nicht möglich war: Antisemitische Grundhaltungen, ein hellenistisch-philosophisches Mindset, die Verbindung von Kirche und Staat, das Christentum als dem jeweiligen Nationalismus dienende bürgerliche Religion u.v.m. Außerdem wurden erst vor wenigen Jahrzehnten wichtige antike Dokumente entdeckt (darunter in Qumran), die uns wertvolle Einblicke in die Zeit Jesu vermittelten, und bis vor nicht allzu langer Zeit war die Kirche selbst nicht bereit, genügend eigene Fehler zuzugeben, um sich einer intensiven Selbstprüfung zu unterziehen. Oftmals versuchen wir auch der Botschaft Jesu die Schärfe zu nehmen, um unser Leben zu rechtfertigen. Es hat mehr als 1.800 Jahre gedauert, bis wir uns mutig dem gestellt haben, was die Botschaft Jesu zu Sklaverei zu sagen hat, und danach nochmals hundert Jahre, um zu fragen, was sie für Frauen bedeutet und dann nochmals hundert Jahre, um zu fragen, was ihre Konsequenzen für die Umwelt sind. Vielleicht brauchen wir einfach etwas Zeit, um das zu erkennen, was schon immer da war.

Anhang 2: Eine Verschwörung des Guten anzetteln
Hoffentlich hat dieses Buch Deine Neugier auf die geheime Botschaft Jesu nicht gestillt, sondern vielmehr angefacht, und Du willst diese Botschaft wie auch ihre Bedeutung für Dein Leben und unsere Welt tiefer erkunden. Dann schlage ich folgende weiterführenden Schritte vor:

  • Treffen zum Austausch: Das Reich Gottes wurde ursprünglich in einer kleinen Gruppe erkundet – warum nimmst Du nicht einfach ein paar Freunde, Ihr lest dieses Buch und redet darüber? Und wenn Ihr mit dem Buch fertig seid, dann macht doch einfach gleich mit den Evangelien weiter. Manchmal ist es gut, sich einen bestimmten Zeitrahmen zu setzen – vielleicht drei Monate oder ein Jahr?
  • Experimente lancieren: Es reicht nicht, die Botschaft Jesu nur zu studieren; sie ist für die Praxis gedacht. Warum probiert Ihr nicht einfach einen Aspekt der Lehre Jesu (die andere Wange hinhalten, niemanden verurteilen, vergeben, etc.) eine Woche lang praktisch aus und sprecht hinterher über die Erfahrungen, die Ihr gemacht habt? Ihr würdet also ein praktisches Experiment starten, um herauszufinden, ob sich das Leben, das Jesus lehrte, tatsächlich als gut und erstrebenswert herausstellt und ob Euer Vertrauen in Jesus als Lehrer wächst oder nicht. Vielleicht wollt Ihr auf dem Weg Jesu auch einige geistliche Übungen wie Stille und Einsamkeit, den Armen geben, Fasten, Gebet, Achtsamkeit, Dankbarkeit oder Gastfreundschaft ausprobieren und Euch darüber austauschen.
  • Eine Verschwörung des Guten anzetteln: Ab einem gewissen Zeitpunkt sollte Eure Gruppe sich dafür entscheiden, etwas zu tun, das anderen außerhalb der Gruppe dient – um auf irgendeine Weise das Reich Gottes auszudrücken.Damit wärt Ihr praktisch das Gegenteil einer Terrorzelle. Was immer Ihr tut – tut es kreativ und freudig – dann schenkt Ihr den Menschen mit Eurer Freundlichkeit einen Hauch des Reiches Gottes. Oder vielleicht nehmt Ihr Euch einer bestimmten Ungerechtigkeit an. Da fällt Euch sicher vieles ein.

Vielleicht fragst Du Dich, wie man eine solche Gruppe nennen würde? Nun, vielleicht eine Studiengruppe, eine Gemeinschaftsgruppe, eine Glaubensgemeinschaft, eine missionale Gemeinschaft, eine Gruppe zum geistlichen Wachstum oder was auch immer. Manche würden sie eine Gemeinde nennen. Vielleicht eine Mikrogemeinde, eine Minigemeinde, eine Hauskirche, eine flüssige oder organische Gemeinde. Jedenfalls handelt es sich um eine Gruppe, die sich um Jesus und seine Botschaft trifft…

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Ich war da – ich hab das Jammertal gesehen!

24. Oktober 2007

Nein, nicht dieses hier:
Jammertal-2
Das hat Peter entdeckt.

Meines hat ungefähr so ausgesehen:
Vfb - Lyon I

Was man schemenhaft auf der Anzeigetafel erkennen kann, ist der Spielstand: VfB: 0 – Lyon: 2
Was man auf dem Bild nicht erkennen kann: Totale Verunsicherung, eine spielerische Bankrotterklärung. Und wie hatte ich mich über die Tickets gefreut

Das war es dann wohl mit der ChampionsLeague für den Fußballverein meines Herzens. Und in der Liga sieht es ganz düster aus: Ein Punkt trennt uns von den Abstiegsplätzen, die halbe Mannschaft ist verletzt, die nominellen Führungsspieler gesperrt, der Rest außer Form. In den Gesichtern gähnt die Leere. Ja, der VfB wollte dieses Jahr dann doch den DFB-Pokal holen. Aber ist es wirklich notwendig, die Kräfte so zu bündeln, daß wir Bundesliga und ChampionsLeague einfach herschenken? Oh Mann, das sind Schmerzen… 🙁

Irgendwo hinter dem Nebel ist die Erinnerung an die Bilder vom Stuttgarter Freudenfest und an eine hervorragende vergangene Saison. Ist das alles nur ein Traum gewesen?

Vor Jahren hatte ich in meinem postjugendlichen Leichtsinn verkündet, daß ich mir – für den Fall daß der VfB absteigen würde – eine Dauerkarte für die 2. Liga kaufen würde. Dazu stehe ich, hab aber keinen Hauch von Lust darauf. Oh Jammertal…

Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber das Grab ist schon ausgehoben.

Update
Lustigerweise hat Doug Pagitt gerade eine schöne Version von Reason to Believe auf seinen Blog gesetzt. Das ist doch schon mal was…

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iPhone oder MacBook Pro?

23. Oktober 2007

Geschockt lese ich, daß Apple’s leckeres Telefon in Deutschland nicht nur mit einmaligen 399 sehr teuer sein wird, sondern die zusätzlich abzudrückenden Vertragsgebühren exorbitant sind: Der niedrigste Monatsbetrag liegt bei 50 – und dafür gibt es gerade mal 100 Inklusivminuten und 40 Frei-SMS. Das ist lächerlich. Damit gehen im günstigsten Fall für den Zweijahresvertrag entspannte 1.600 drauf. 300 mehr würden dann schon für ein MacBook Pro reichen. Ich bin gespannt, wer sich dieses Teil gönnt. So fein es auch geworden ist – sollte das iPhone zur Pflicht in der emergenten Gemeinschaft werden, dann nehme ich meinen Hut 😉

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[Secret Message] Kapitel 21 – Das Königreich sehen

23. Oktober 2007

[Dies ist der zweiundzwanzigste Post über Brian McLaren’s Buch The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16|17|18|19|20|21. Das vorliegende Kapitel gehört zu Teil 3: »Stell Dir vor… : Eine Erkundung darüber, wie die geheime Botschaft Jesu alles verändern könnte«]

Wenn der großartige religiöse Schriftsteller Huston Smith recht hat, dann ist da etwas in uns, das nicht zufriedengestellt werden kann, bis wir die Bedeutung eines bestimmten Geheimnisses herausfinden, das er als »die Sehnsucht« bezeichnet. Wonach sehnen wir uns? Nach tausend Dingen oder doch nur einem. C.S. Lewis beschreibt es schlicht als Schönheit. Nach diesen vielen Jahren des Nachdenkens über die geheime Botschaft Jesu bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß das, worüber Smith, Lewis und tausende anderer Autoren, Dichter, Lehrer und Mystiker gsprochen haben, wie ein Schatz in dem schönen Ausdruck »Reich Gottes« verborgen liegt. Es überrascht uns in Momenten, da wir es nicht erwarten, es singt wie ein Vogel, es glänzt wie Licht auf dem Wasser – wirklich, da, aber nur ein Glitzern. Diese kurzen Eindrücke gehen schnell vorüber. Wir wünschen uns, daß sie bleiben, damit wir sie festhalten und behalten können, aber stattdessen nehmen sie uns durch ihre Unberechenbarkeit gefangen. Wir sind unheilbar befallen von der Sehnsucht, mehr und mehr und mehr zu sehen. Wir werden in Suchende verwandelt, die nach dem Reich Gottes streben.

Ich denke, daß die besten Eindrücke des Reiches Gottes uns unerwartet im alltäglichen Leben begegnen – und die Predigten die wir hören (oder Bücher, die wir lesen) helfen uns dabei, unsere Augen offen zu halten, so daß wir dann, wenn diese Augenblicke kommen, nicht schlafwandlerisch an ihnen vorübergehen. Diese Momente der Einsicht in das Reich Gottes können nicht herbeigezaubert oder erschaffen, sondern nur empfangen werden. Und genauso kann das Königreich selbst – was „die Welt sein will und worauf sie sich vorbereitet“ – nicht bewerkstelligt, sondern nur empfangen werden.

»Das Reich dieser Welt ist das Reich unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird für immer herrschen.« (Offb 11,15) Ich weiß nicht, warum diese Zeile mein Herz so trifft. Vielleicht ist es die Vorstellung, daß nichts weggeworfen werden wird, daß dieses so kostbare, so wundervolle, so erstaunliche Universum nicht ausrangiert und vernichtet werden wird. Statt dessen wird es vor dem Zerfall, dem Verderben, dem Bösen gerettet und verwandelt. Diese Worte machen mich froh für das „Reich dieser Welt“, weil es eines Tages von aller Unterdrückung befreit und das werden wird, was es immer sein wollte, wonach es immer geseufzt und wovon es immer geträumt hat. Gottes Schöpfung wird am Ende – als ganze und in den einzelnen Teilen – gut, schön und wahr sein, harmonisch und mannigfaltig, dynamisch und gesund, produktiv und fruchtbar, neuartig und wundervoll. Das Böse wird gerichtet und getilgt werden, die Ernte wird gefeiert werden. Und natürlich greifen diese Worte zu kurz. Es war nie meine allergrößte Freude, zu sehen, wie meine Träume wahr werden, sondern zu sehen, daß der eine Traum Gottes wahr wird: Daß diese Welt ein Ort wird, an dem Gott zuhause ist, ein Ort, auf den Gott stolz ist und an dem er Gefallen hat, ein Ort, wo Gottes Träume wahr werden.

Das Königreich ist noch nicht in Fülle gekommen. Es gibt viel zu tun – angefangen bei unserer Erkenntnis, daß es diese Möglichkeit des Reiches Gottes gibt, und daß wir unserer Leben danach ausrichten, ein Teil von ihm zu sein, es zu suchen, mit ihm und für es zu arbeiten. In dieser Spannung – vielleicht die wahrhaft schöpferischste Spannung der Welt – tanzt, glänzt und scheint die geheime Botschaft Jesu, und sie ruft uns, zu leben: Das Reich Gottes hier zu sehen und für sein Kommen zu beten. Wenn wir dafür beten, dann könnten wir für unsere Gebete das einfache aber tiefgründige Gebet als Leitbild verwenden, das Jesus seinen Jüngern zuerst beigebracht hat. Ich empfehle, jeden Satz dieses Gebets auszukosten, ihm die Erlaubnis zu geben, unsere Vorstellungskraft zu erfassen und zu inspirieren und unser Streben zu verwandeln, indem es uns eine Sicht des Königreichs gibt. Wenn genug von uns das Königreich sehen und daran unsere Leben neu überdenken und anfangen zu glauben, daß das Unmögliche möglich ist, dann könnte sich alles ändern.

Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe auf der Erde so wie im Himmel.
Gib uns heute unser tägliches Brot.
Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

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[Secret Message] Kapitel 20 – Die Ernte des Königreichs

22. Oktober 2007

[Dies ist der einundzwanzigste Post über Brian McLaren’s Buch The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16|17|18|19|20. Das vorliegende Kapitel gehört zu Teil 3: »Stell Dir vor… : Eine Erkundung darüber, wie die geheime Botschaft Jesu alles verändern könnte«]

Im Gegensatz zu den heute gängigen Annahmen erwarteten Jesus und seine Zeitgenossen die Auferstehung, wo man nicht körper- und zeitlos weg von der Erde, sondern im Körper in einem neuen Zeitalter in dieser Schöpfung leben würde, nach dem alles Falsche wieder richtig gemacht worden sein würde. Einen fernen, körper- und zeitlosen Zustand stellten sich die alten Juden nur für die Zeit zwischen Tod und Auferstehung vor – wie eine Art Wartezimmer.

Jesus sprach oft von der Ernte. Ich möchte dieser Metapher noch eine weitere Bedeutungsebene hinzufügen. Unser irdisches Leben wächst heran, und irgendwann wird die Erntezeit kommen. Auf der persönlichen Ebene wird die gute Frucht und die reife Ähre geerntet und gefeiert werden, und die schlechte Frucht wird beurteilt und als wertlos empfunden werden. Viele, die jetzt als die Letzten und Geringsten angesehen werden – arm, unwichtig, erfolglos -, werden am Ende als die Fruchtbarsten erwiesen werden. Viele, die jetzt als blühend, gerecht und erfolgreich empfunden werden, werden dann als Schwindler oder Blender entlarvt: Alles nur Blätter und Blüten, aber wenig Frucht.
Die Sprache von der Ernte läßt an ein finales Gericht denken, und das ist eine sehr komplexe und kontroverse Sache. Das Bild einer letzten Ernte verstärkt die Vorstellung, daß es eine Zeit der Rechenschaft (einen Gerichtstag) für jeden Menschen geben wird. Aber nicht nur für uns als Einzelpersonen. Es klingt schockierend, aber Gott wird uns als Gruppen und als Einzelne beurteilen.

Ein zentrales Element des Lebens und der Botschaft Jesu ist die radikale Zuversicht, daß der Tod nicht das Ende ist und daß es eine echte Auferstehung geben wird. [Das Nachfolgende bezieht sich auf 1Kor 15:] Für Paulus war die Auferstehung Jesu die erste Stufe der Ernte aller menschlichen Leben. Sie garantiert, daß alle, die zu Jesus gehören, auferweckt werden, „wenn er kommt“. Dann wird das Ende kommen – nicht ein Ende, nach dem nichts mehr geschehen wird, sondern das Ende als das Ziel, auf das sich gegenwärtig alles hin bewegt. Dann wird Christus das Reich Gott dem Vater übergeben, nach dem er „alle Herrschaft, Macht und Gewalt vernichtet hat“. Hier wird uns also ein Einblick in den Traum Gottes gewährt: Nicht die Zerstörung und der Austausch dieser Schöpfung, sondern die Zerstörung der herrschenden Mächte, welche die Schöpfung ruinieren. Unser Leib aus Fleisch und Blut wird in den Tod gepflanzt wie ein Samenkorn in die Erde. Der himmlische Leib, der aus der Saat erwächst, ähnelt unserem jetzigen Körper genauso wenig wie ein Weizenhalm dem Samenkorn, aus dem er emporkeimte. Es geht um Kontinuität und Diskontinuität. Was niedrig, vergänglich und schwach ist, wird unvergänglich, herrlich und stark auferstehen. Jesus verheißt seinen Nachfolgern, daß sie reichen Lohn empfangen werden – dafür, daß sie verfolgt wurden, ihre Feinde geliebt haben, im Geheimen den Armen gegeben, gefastet und gebetet haben, einen Propheten aufgenommen, einem Jünger einen Becher kalten Wassers gegeben und um seinetwillen Opfer in Bezug auf Familie, Eigentum und Sicherheit gebracht haben.

Die letzte Hoffnung jenseits des Todes ist also die Hoffnung der Auferstehung, die auch die Hoffnung der Vollendung ist, die Hoffnung an der Wiederherstellung aller Dinge teilzuhaben. Alles, was wir uns in unserem Leben ersehnt, wonach wir gestrebt, gearbeitet und in unserem Trachten für das Reich Gottes erlitten haben, wird uns schließlich in Fülle erwarten. Unser Träumen, Hoffen, Mühen und Lieben wird vollendet, erfüllt und belohnt werden im Reich Gottes, das dieses Leben und das danach in einer ehrfurchtgebietenden Wirklichkeit umfaßt.

Mit diesem Verständnis im Hinterkopf ist es mir unmöglich, über Einzelheiten zu spekulieren. Statt dessen bin ich mehr und mehr motiviert – magnetisiert trifft es besser – Gottes Pläne und Mission in diesem Leben zu suchen, mich in sie einzupassen und sie zu leben. Interessanterweise ist das genau das praktische Fazit, zu dem auch Paulus kommt: »Darum, liebe Brüder, steht fest. Laßt Euch von nichts erschüttern. Gebt Euch ganz dem Werk des Herrn hin, weil Ihr wisst, daß Eure Arbeit im Herrn nicht vergebens ist.« (1Kor 15,58)

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[Secret Message] Kapitel 19 – Die Zukunft des Königreichs

21. Oktober 2007

[Dies ist der zwanzigste Post über Brian McLaren’s Buch The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16|17|18|19. Das vorliegende Kapitel gehört zu Teil 3: »Stell Dir vor… : Eine Erkundung darüber, wie die geheime Botschaft Jesu alles verändern könnte«]

Manchmal spricht Jesus davon, daß das Reich Gottes schon da ist. An anderer Stelle hört es sich so an, als ob es noch in der Zukunft liegt. Und dann stellt Jesus wiederum klar, daß er es nicht möchte, daß darüber spekuliert wird, wann das Reich kommt. Trotzdem glauben manche Menschen, daß die Bibel einen klaren Ablaufplan für die Zukunft darlegt und sie spekulieren genüßlich über dessen Einzelheiten. Andere – darunter ich selbst (B.M.) glauben, daß uns weder die Bibel noch die Lehren Jesu einen Zeitplan der Zukunft geben. Aus unserer Sicht hatte Gott bei der Schaffung des Universums ähnliche Absichten wie Eltern bei der Zeugung eines Kindes: Es erhält Grenzen und Anleitung, bekommt aber die Freiheit, sein eigenes Leben zu leben.

Wir finden in der Bibel weder bestimmende Prognosen noch schematische Diagramme der Zukunft, sondern etwas viel Wertvolleres: Warnungen und Verheißungen. Sie erhöhen unser Bewußtsein für unsere Verantwortung und Rechenschaft, und sie wecken uns auf, damit wir erkennen, daß unsere gegenwärtige Sorglosigkeit zu schlimmen Konsequenzen führen kann.

Wenn das Buch der Offenbarung eine Blaupause der fernen Zukunft wäre, wäre es für seine ursprünglichen Leser und alle folgenden Leser unverständlich und würde nur für eine Generation wahrhaft relevant werden – nämlich die, welche zu vorhergesagten Zeit lebt. Wenn aber die Offenbarung statt dessen ein Beispiel für die Literatur der Unterdrückten ist (jüdische Apokalyptik, Biest = Rom, religiöse Autoritäten = falscher Prophet, Kaiser = Drache), voll von immer relevanten Warnungen und Verheißungen, dann bietet sie jeder Generation die benötigte Inspiration, Weisheit und Ermutigung. [Anm. DoSi: Hier bin ich anderer Ansicht. Auch wer die Bilder der Offenbarung auf eine noch in der Zukunft liegende, wie auch immer geartete „Endzeit“ deutet, wird auch zu seiner eigenen Zeit Manifestationen der beschriebenen Mächte erkennen und durch das Bild der Herrschaft Gottes ermutigt werden. Eine solche Argumentation halte ich für nicht stichhaltig…. Weiter im Text mit Brian’s Deutung der „Endzeitrede Jesu“ in Mt 24f:]

Auch Jesus hat die Sprache der jüdischen Apokalyptik verwendet. Zu seiner Zeit gab es unterschiedliche Deutungen der Zukunft. Die eine sah den Status quo fortdauern. Die Zeloten antworteten mit Widerstand gegen die Römer, die Essener mit Rückzug, die Pharisäer mit Schuldzuweisung. Jesus hat eine andere Ansicht: Er ruft die Leute zu einem radikal anderen Leben in der Weise des Reiches Gottes, weil dies der einzige Weg ist, die Vernichtung zu vermeiden. Als dann im Jahre 67 die Römer Jerusalem dem Erdboden gleich machten, den Zempel zerstörten und das historische Opfersystem austilgten, da wurde für die Juden der damaligen Zeit der Mond zu Blut und die Sterne fielen vom Himmel.

Es ist keine Übertreibung zu sagen, daß für unsere Generation dasselbe gilt wie für die Zeitgenossen Jesu: Je nach dem, wie wir auf Jesu geheime Botschaft vom Reich Gottes reagieren, werden wir zwei verschiedene Welten schaffen: Eine höllische oder eine himmlische. Eine Welt der Gewalt und des Leidens, der Umweltzerstörung und des wirtschaftlichen Zusammenbruchs mit Spaltungen auf jeder Ebene der Gesellschaft und des individuellen Lebens, voll Angst, Schuld, Lust, Begierde und Schmerz, vor der uns die Propheten immer gewarnt haben und von der unsere Zeitungen voll sind – oder aber eine Welt, in der Konflikte zu Versöhnung statt Rache führen, in der dort großzügig gegeben wird, wo Bedürfnisse da sind, eine Welt, die uns die Propheten verheißen haben. Die geheime Botschaft Jesu erzählt uns davon, daß diese Welt möglich ist, daß sie vor uns liegt, erreicht werden kann – und daß es als Konsequenz jetzt an der Zeit ist, alles zu überdenken und damit zu beginnen, in der Weise des Reiches Gottes leben zu lernen.

Aus diesem Verständnis der geheimen Botschaft Jesu und ihrer Bedeutung für die Zukunft ergibt sich eine Warnung und eine Verheißung, so daß wir das Leben in dieser Welt bewußt mit Dringlichkeit, Stärke, Mission, Ausrichtung, Mut, Hoffnung und Elan angehen. Dazu erhalten wir eine gewisse Ermächtigung und Verantwortlichkeit, nicht Fatalismus und Resignation. Wir sind eingeladen, wach zu sein und das Leben in vollem Ausmaß zu leben. Außerdem hilft es uns, das Königreich sowohl als Gekommenes zu sehen, das wir jetzt betreten können, als auch als etwas noch Ausstehendes, für das wir eifrig und leidenschaftlich beten, das wir willkommen heißen, empfangen und suchen. Und wenn wir zuerst und an vorderster Stelle nach dem Reich Gottes trachten, dann verheißt uns Jesus, daß wir uns um nichts sorgen müssen.

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[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« VI – Freitag Nachmittag

21. Oktober 2007

Johannes Zimmernann – Being connected. Sozialität und Individualität in der christlichen Gemeinde
[Hier fehlen mir die beiden ersten Teile des Vortrages. Ich gebe nur Teil III und IV wieder.]

III. Ein Leib – viele Glieder / biblisch-theologische Grundlagen
Der Einzelne und die Gemeinschaft
»Der Einelne und die Gemeinschaft sind gleich ursprünglich im Heilshandeln Gottes.« (Martin Doerne) Der Einzelne wird in die Nachfolge gerufen und dann in die Gemeinschaft geführt. Dies wird sichtbar an Jesus, der die Einzelnen zum Zwölferkreis verbindet. Dabei handelt es sich um eine prophetische und messianische Zeichenhandlung, die der Sammlung und Restitution des gesamten Gottesvolkes dient. Ein anderes Beispiel für die Beziehung Individuum / Gemeinschaft ist das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Luk 15), dem der Hirte hinterhergeht, um es wieder zurück zur Herde zu bringen.

„Erbauung“ und „Gemeindeaufbau“ bei Paulus
Wo in den paulinischen Schriften das Wort »Erbauung« auf den Einzelnen reduziert wird, herrscht ein verkürztes Verständnis. Zimmermann schlägt vor, »Erbauung« auch mit »Gemeindeaufbau« zu übersetzen. Wie im AT der Tempel erbaut wird, so im NT die Gemeinde. Der Leib Christi wird in seinen einzelnen Gliedern (Röm 15,2) erbaut. Darum gilt: Was dem Nächsten förderlich ist, dient dem Gemeindeaufbau.

Taufe, Herrenmahl und Leib Christi
– Taufe: Zuspruch für den Einzelnen „Du bist mein“ – „Einverleibung in die Gemeinde“
– Herrenmahl: Zuspuch: „Für Dich gegeben“ – Gemeinde als Leib Christi – Wenn eines leidet, leiden alle
„Die biblischen Grundlagen verstehe ich als promissional. Sie wollen unseren Glauben pro-vozieren.“

IV. Auf der Suche nach Sozialformen christlicher Gemeinde
Gemeinde als Lebensort
Die Grundfrage lautet, wie die Sozialität in der christlichen Gemeinde so dargestellt werden kann, daß sie den Einzelnen nicht hemmt, sondern fördert? Dabei kann das schwache Subjekt der PoMo-Diskussion einen wertvollen Anknüpfungspunkt darstellen. Unser Gemeindeverständnis muß die Mitte zwischen individualistischer und kollektivistischer Überbetonung finden. Dabei soll die Gemeinde ein Raum der Heilung sein. Gott will keine Uniformierung, sondern individuell entfaltete und weiterentwickelte Persönlichkeiten. Darum ist die Bestimmung der Gemeinde die Stützung und Förderung des Einzelnen zur Entfaltung seines Potentials. Dies geschieht durch soziale Netzwerke und das Bieten einer Plausibilitätsstruktur. Dabei darf die Gemeinde als geistliche Heimat und Ort des Lebens (- „Bio-top“) nicht zum abgegrenzten Reservat verkommen – der missionarische Auftrag begrenzt den berechtigten Wunsch nach Beheimatung.

Gemeinde als Ort der Gotteserfahrung
„In, mit und unter gemeindlicher Sozialität wird Gott erfahren“: Weil die christliche Gemeinde der primäre Ort für von Gott erneuerter Sozialität ist, muß die Gemeinde der erste Ort und der formative Kontext der Gotteserfahrung sein.

Gemeinde als Netzwerk
Ist das Netzwerk die Sozialform der Postmoderne? Netzwerkstrukturen können eine lose oder eine intensive Verbundenheit bedeuten. Das im EKD-Impulspapier »Kirche der Freiheit« vorgestellte Netzwerkmodell scheint eine Tendenz zur übertriebenen Offenheit zu haben. Es braucht „Passantengemeinden“, welche unterschiedliche unverbindliche Angebote machen, an denen teilgenommen werden kann. Dies ist eine notwendige Inkulturation christlicher Gemeinde in postmoderne Kontexte.
Es braucht aber auch Konterkulturation. Dabei ist die entscheidende Fragen, wie die gemeinschaftsstiftende Gestalt der „Versammlung der Heiligen“, die auf körperlicher Anwesenheit beruht, zum Tragen kommen kann. Leiblichkeit ist ortsgebunden, bleibt lokal, ermöglicht das gemeinschaftliche Teilen von Leiden und Schmerz. „Die pathetische Verfassung des Menschen weist ihn auf seinen Nächsten hin.“
Wer ohne Familie lebt, braucht alternative Netzwerkstrukturen, die er aufgrund seiner Mobilität meist selbst wählen und erreichen kann. Wie dienen wir aber denjenigen, die selbst nicht die Ressourcen für Netzwerke haben, wie z.B. Alte, Alleinerziehende etc.? Für solche Menschen bleiben parochiale Strukturen wichtig.

Kurz gesagt:

  • der missionarischen Herausforderung begegnen wir durch offene Netzwerke
  • der diakonischen Herausforderung begegnen wir durch tragfähige Netzwerke für Labile


Pluralitätsfähige Gemeinde
– Pluralisierung: Innerhalb der Landeskirche kommen offene Gemeinden und Netzwerkgemeinden hinzu – fresh expressions; innerhalb der Ökumene: Pinfgstkirchen, Migrantengemeinden etc.
– Wir müssen übergemeindliche Netzwerke bilden, welche die Einheit des Leibes Christi sichtbar werden lassen und von gastfreundlichem Miteinander geprägt sind.
– in der glokalen Welt geht es darum, die universale Perspektive zu behalten, aber vor Ort präsent und offen für Andere zu sein

Gemeinde zwischen Agora (Marktplatz) und Oikos (Haus)
– das Passagenbedürfnis verlangt nach markanten Orten, an denen Erfahrungen gemacht werden – Vorteil der Kirchenräume in den Innenstädten
– Präsenz auf dem Marktplatz – mitmischen in Diskurs und Angebot
– Verwurzelung und Beheimatung im Haus, Anspruch und öffentliche Präsenz auf dem Marktplatz
– Die Herausforderung: Brücken zwischen Events und Gemeinschaft zu schlagen

Schlußgedanken: Being connected
Individualität und Sozialität stehen im christlichen Glauben nicht gegeneinander, sondern in einer unentflechtbaren Wechselwirkung gegenseitiger Förderung und Stützung.

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[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« V – Samstag Mittag

20. Oktober 2007

Michael Herbst – Geistliche Führung wahrnehmen in der Kirche der Postmoderne

Vorbemerkungen

  • „Führen“ ist im deutschen Sprachgebrauch negativ behaftet und mit „ver-führen“ verknüpft
  • die 68er waren ein frischer Wind in der Gesellschaft, kritisierten aber leider fast jede Form von Autorität
  • nur wenige jüngere Monographien und einige Aufsätze beschäftigen sich mit dem Thema Führung
  • Führen („leadership“) bezieht sich auf strategische Leitung, Leiten („management“) auf das operative Geschäft
  • Die christliche Theologie ist der Inbegriff der wissenschaftlichen Kenntnisse und Kunstregeln, welche die Leitung der christlichen Kirche ermöglicht
  • geistliche Führung ist notwendig
  • wir brauchen eine genauere Bestimmung unseres Verhältnisses

Worum geht es, wenn wir von geistlicher Führung im Kontext der Postmoderne reden?

  • Bryman: Führung ist Prozess sozialer Einflussnahme, in der die Mitglieder einer Gruppe auf ein Ziel gesteuert werden
  • Sammelbegriff für alle Interaktionsprozesse, denen eine absichtliche soziale Einflussnahme von Personen auf andere Personen zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben im Kontext einer strukturierten Arbeitssituation zu Grunde liegt (Wegge & Rosenstiel)
  • in welche Richtung führen wir? Wie feiern wir Siege? Wie gehen wir mit Niederlagen um? Wann machen wir Pausen? Wo gibt es Verpflegung?
  • schlechte Führung in der Kirche wird von Pfarrern und Pfarrerinnen kritisiert, in derselben Weise wird die Führung von Pfarrern in der Gemeinde kritisiert „Verliebtheit in den Talar“, „pfarrherrliches Selbstbewußtsein“, wir leben de facto in einer postmodernen Betreuungskirche, andere Pfarrer/-innen sind führungsschwach – „verunsicherte Moderatoren“, andere haben keine Autorität – „uns ist letztlich egal, wer unter uns (Ältesten) als Pfarrer die Gemeinde führt
  • Das postmoderne Subjekt will nicht in Richtung auf die Ziele eines Führers durch absichtliche soziale Einflussnahme gesteuert werden – Zuspitzung der Kant’schen Aufforderung zum autonomen Gebrauch des eigenen Verstandes
  • Höchstens: freiwillig, teilweise, und zeitweise, aus eigenem Entschluss, eher einem spirituellen Wegbegleiter folgen – unsere Kultur ist ein verrückter Vogel, der mit zwei unterschiedlichen Flügeln schlägt, dem postmodernen und (vor-)modernen. Darum wird Führung sowohl ersehnt als auch gefürchtet

Führungsbilder in der Organisationspsychologie
Früher: Wie führe ich ein Unternehmen?

  • Great Man Mythos: Intelligenz, Extrovertiertheit, Selbstbeherrschung, Dominanz, physische Größe, Aussehen
  • es wird eher nach Eigenschaften und Handlungsweisen gefragt – die Mitarbeiterorientierung (Wertschätzung, Achtung, Fürsorge, Offenheit, Zugänglichkeit) und Leistungsorientierung (Ziele setzen, kontrollieren, erreichen und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter aktivieren)
  • Erfolgreiche Führung verlangt Kohäsion und Lokomotion
  • diese Sicht ist zu einseitig, ein schlichtes Denken von Input und Output manifestiert sich hier
  • wir brauchen eine reziproke Einflussnahme
  • wie erkennen und fördern wir mögliche Führungspersönlichkeiten?
  • keine monarchische Unterordnung, sondern Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Gaben – so sieht es die Bibel

Heute: Wie führen wir ein Unternehmen?

  • Transaktionale (Tauschhandel – Entlohnung für Arbeitskraft – „do ut des!“) vs. Transformationale (der Geführte wird so beeinflusst, daß er sich aus eigenem Antrieb mit den Zielen der Organisation identifiziert – Geführter wird durch Kommunikation von Begeisterung, Visionen, Motivation etc. verwandelt, um die vom Vorgesetzten vertretene Mission zu unterstützen, der Führer lebt das in seiner Person vor) Führung
  • die Verbindung von beidem hilft, Ziele zu erreichen
  • Anfragen: Zurückhaltung gegenüber der fremden Wahrheit eines Führers, beliebige Ausrichtung: Hitler oder Gandhi, kollektive Infantilisierung

Morgen: Wie führt sich ein Unternehmen?

  • Sytemtheoretische Infragestellungen: Wie viel nimmt ein Führer wirklich wahr? Wie erfolgreich kommuniziert er? Was kann er tatsächlich bewegen?
  • Strategien. z.B. „zweite Beobachter“ (Feedback, Supervision, Mentoring) – ergänzende Beoabachtung, um die Selektivität der Wahrnehmung etwas aufzuweichen

Geistliche Führung in der Gemeinde – eine theologische Perspektive

  • führungskritische Ansätze bei den Synoptikern: Keine Titel, der Größte sei der Diener aller (Mt 23,8-11)
  • der Geist wird über alle (!) ausgegossen – Knechte, Mägde, Söhne, Töchter (Joel 3)
  • Eph 4,7.11-16; 2,19-22 und 2: jedem der Geist gegeben, einige eingesetzt, Apostel und Propheten der Grundstein – Apostel und Propheten sind keine gegenwärtigen Ämter – Evangelisten, Hirten und Lehrer sind zur Führung beauftragt – das Führungsamt ist Gabe des Herrn – Führung in der Gemeinde ist nicht autark, sondern wird geistliche Führung, wenn sie sich an den Zusagen und Weisungen dessen, der sie eingesetzt hat, orientiert – Führung ist zur Zurüstung der Heiligen da, Schaffung der Einheit, Wachstum der Erkenntnis Jesu etc.
  • gute Führung ist zu erkennen an gesteigerter Mündigkeit der Gemeinde und am selbständigen Dienst der Begabten
  • „Die Pfarrerskirche ist eine Geisel aus der Sicht von Eph 4“
  • Triangulierung: Es ist eine Dreierbeziehung: Führer und Geführte sind auf Christus und das apostolisch-prophetische Zeugnis von ihm. Führer sind Führer zweiter Ordnung, sie haben eine eher „schwache Identität“ (postmodern gesprochen), nach beiden Seiten hin sind sie gebunden – Freiheit in der Bindung an Christus zum Dienst am Nächsten
  • Das Amt darf das allgemeine Priestertum der Gläubigen nicht schmälern, sondern muß ihm dienen und es stärken. (Eberhard Jüngel)

Folgerungen:

  • Hemmungen gegenüber dem Willen zur Macht – Distanz der Geführten zum Willen des Führenden
  • Führungspersonen müssen sich selbst führen lassen
  • Offenheit für Kontingenz
  • geistliche Leitung ist … sich selbst geistlich leiten, andere anleiten, sich selbst geistlich zu leiten; alles zur Verfügung stellen, was dafür notwendig ist, daß solche Leitung und Selbstleitung möglich wird. (Gerhard Wegner)
  • Eddie Gibbs (Leadership Next): Die Mission der Gemeinde braucht neue, junge Führungskräfte; Gemeinden in einer vernetzen Gesellschaft wandern flexibel in diverse Netzwerke ein; Führung geschieht mit „Fluidity“ in wechselnden Teams; Verantwortung ist Handlungsfreiheit und Bindung an die gemeinsame Vision und Mission.
  • Leitung hat eine Vision von der Richtung, in der sich Kirche entwickeln wird, sie hat eine Inspiration von dem, was Gott will, und sie will nicht kontrollieren, sondern ermöglichen, befähigen und freisetzen (Peter Böhlemann)
  • „Leading empowered networks of Christ-followers“ (Eddie Gibbs)

Ansätze für eine erneuerte geistliche Führung in der Gemeinde
Kimball: Christliche Leiter werden von Kirchenfernen als machtsuchend, mit dem Finger zeigend, Frauen unterdrückend wahrgenommen
Vergleich Führungsmodelle der Enterprise-Captains Kirk (direktiv, kein Rat von Frauen, trägt Narben vieler Kämpfe wie einen Orden) und Picard (verwundbar, schwierige Kindheit, riskiert Beziehungen, wird enttäuscht, seine Narben bringen ihn uns näher, Team entscheidet, Frauen haben einen wichtigen Raum)
Kimball: Postmoderne Führungskräfte werden in die Picard-Schule geschickt

Vier Schlüsselqualifikationen: Geistliche Führungspersonen in der Postmoderne…

  • lernen, sich selbst der Führung des Geistes anvertrauen – Nachfolge ist das entscheidende – Integrität durch Spiritualität
  • sind keine einsamen Träumer ichbezogener Wunschträume – Visionen mit anderen entdecken und teilen
  • sind teamorientiert und wissen, dass gute Führung plural sein muss
  • verfolgen stets das Ziel, dass Menschen stark werden können und ihre Gaben entfalten können

„Das monarchische Pfarramt ist ein Irrtum! Führung durch Teams ist fast immer die bessere Technik!“
Es geht darum, immer neuere Teams zu bilden, mal mitzuspielen und mal an der Seitenlinie zuzuschauen.

„Unsere theologische Aus-, Fort- und Weiterbildung muß noch eine ganze Reihe von Nachhilfestunden nehmen, bis sie von sich sagen kann, daß sie geistliche Führungspersönlichkeiten für die postmodernen Kontexte ausbildet und bereitstellt.“

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[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« IV – Samstag Vormittag

20. Oktober 2007

Darrell Guder – Die biblische Prägung missionarischer Gemeinden: Missionarische Ekklesiologie und Hermeneutik

Mission als Wesenszug der apostolischen Kirche
– Vaticanum II „Ad Gentes“: „Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, d.h. als Gesandte unterwegs, da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes … herleitet.“
– David Bosch: Als Europa christianisiert und das Christentum etablierte Kraft des römischen Reiches wurde, verlor die Theologie ihre missionarische Dimension.
– PoMo = allmählicher Zusammenbruch der westlichen Kirche – Ruf nach Mission wird lauter – vgl. Vaticanum II: Die ersten Kapitel von „Lumen Gentium“
– Es war das Ziel apostolischer Mission das von Gott bewirkte und in Jesus Christus erwirkte Heil in der ganzen Welt zu bezeugen. Dieser Prozess wurde eingeleitet von Jesus, der Jünger berief. Das Angekündigtes Heil wird am Kreuz zur guten Nachricht und revolutionären Wirklichkeit für die ganze Welt. Die Evangelien enden mit dem Missionsbefehl. Die Urgemeinde wurde getragen von der Aussage Jesu: „Ihr werdet meine Zeugen sein… „(Apg 1,8)
Fortsetzung der Berufung Abrahams und Israels: Segen für alle Nationen; erste Christen sind „Teilnehmer am Ev vom ersten Tag bis jetzt“, verbindung von Evangelisation und Katechese führt zum glaubwürdigen Zeugnis

Blick in die Geschichte
– die Wiederentdeckung des Misisonsbefehls ist vergleichbar mit Widerfindung des Gesetzbuches unter Josia 1Kö 22f
– 1952 Willingen: Missionarische Verpflichtung der Kirche: Auftrag Jesu an Kirche, daß alles, was er sagte und wofür er sich einsetzte, ernst genommen werden soll, v.a. Missionsbefehl. Kirche kann nicht Kirche sein, wenn sie ihrem Apostolat nicht treu ist. Kirche muß selber Mission werden. „Let the church be the mission!“
– Ambivalenz: Postmoderne Kritik an geistlicher Selbstsicherheit der Aufklärung gilt auch der selbstsicheren Ausbreitung des Evangeliums durch die Kirche
– westliche Situation ist ein nachchristlicher Kontext –
– altes Verständnis: Menschen aus der christlichen westlichen Welt bringen Menschen in nichtchristlicher Welt die Zivilisation; Bosch: „Mission unter dem Paradigma der Aufklärung“ – der Ruf nach der Verchristlichung primitiver Gesellschaften ist Teil des Fortschrittsdenkens
– die Missionsbewegung und deren neugegründete Minderheitenkirchen nahmen das Problem westlicher Kirchenspaltung in den Blick, und aus ihrem Engagement ist eine direkte Linie zur Missionskonferenz in Edinburgh 1910 zu ziehen, auf der die moderne ökumenische Bewegung geboren wurde und erstmals Vertreter (wenn auch nur 17) der neuen, jungen Kirchen zu Wort kamen.
– Philip Jenkins (The Next Christendom): DIe Mehrheit der Christen leben südlich des Atlantiks. Afrika ist zum Zentrum der Weltchristenheit geworden.

Die westliche Christenheit als Missionsgebiet
– Newbigin: Westen ist nachchristlich. Als Missionstheologe erfaßte er diesen Sachverhalt: Weil der Westen zum Missionsgebiet geworden ist, lautet die entscheidende Frage: Wie kann die Kirche wieder missionarisch werden?
– Forderung: Kontextspezifisch arbeiten
– weil wir alle Erben der westlichen Tradition sind und mit dem Erbe des Konstatinismus konfrontiert sind, müssen wir uns mit dieser Situation auseinandersetzen.
– Mission im Corpus Barthianum: Brennpunkt seiner Theologie in der ganzen KD, nicht erst im letzten Band – Erwählung (II,2): Sendung ist Voraussetzung für alles. Sendung ist nötig … zur Begegnung mit der Offenbarung.
– im stabilen Corpus Christianum wirkt die Institution als Heilsanstalt (nach Troeltsch). Der Einzelne nimmt das Heil (ein Status, ein Zustand, dessen Besitzes man sicher sein kann). Die Kirche soll ihren Dienst flächendeckend anbieten. Europa ist in dieser Sichtweise kein Missionsgebiet mehr.
– Kritik am aus der Wirtschaft orientierten Wachstumsdenken
– die postmoderne Kirche sucht die Probleme mit immer neuen Methoden zu lösen
– es ist kein Strategieproblem, sondern ein Problem der Fundamentaltheologie der Kirche: Was ist die Kirche? Wozu ist sie da?

Die missionarische Bestimmung der konkreten Gemeinde
– Hauptträgerin des missionarischen Auftrages ist die lokale Gemeinde
– nicht Erhaltung des Gewesenen, sondern Treue zum missionarischen Wesen
– es geht um die kontinuierliche Bekehrung der Kirche
– es gibt heute sehr viele neue Formen von Kirche, die das Evangelium in die postmoderne Kultur inkarnieren: Bsp. Emergent
– ob diese neu hervortretenden Formen alle Reste des Corpus Christianum vermeiden, ist bislang noch eine offene Frage
– Paulus: Menschen finden, die vom Geist Gottes auf den Empfang der guten Nachricht vorbereitet. Die neue Gemeinde wurde in den Zeugendienst eingeführt, für den die Taufe eine Ordination war. Die Apostel blieben eine Weile, um zu unterweisen, damit die Gemeinde dann ihren lebensumfassenden Dienst gesendet werden konnte. Es geht darum, die eigene Umgebung mit den Augen Jesu zu sehen: „Wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36)
– die Texte des NT-Kanons wurden alle an schon bestehende neue Gemeinden gerichtet und daher immer in eine spezifische Situation hineingeschrieben. Zurüstung in den Evangelien: Mit Jesus sein und seine Botschaft hören und erleben. Rudolf Pesch: Christologische Prägung der apostolischen Gemeinden. Mit der Platzierung der Berufungserzählung zu Beginn des Markusevangeliums ist das Programm klar. Der Ruf in die Jüngerschaft mündet in das Apostolat, dessen Ziel die Gründung von Zeugnisgemeinden ist. „Das ganze Buch des Markus ist Missionsbuch“. Auf dynamische Art und Weise ermächtigt der Heilige Geist durch die Schriften die Gemeinde zu ihrem Zeugendienst. Die Autorität der Bibel dient der Missio Dei.

Die Missionsvorbereitung im Dienst der Zeugnisgemeinde
– wir brauchen eine Missionshermeneutik, die von der Annahme, Kirche sei ihrem Wesen nach Mission. Diese MH ist augenblicklich noch im Werden. Die Missionstheologie braucht nun die praktische Übersetzung in die Gemeindepraxis, jenseits von Methoden und einheitlichem Vorgehen.
– wir müssen die Bibel als missionarische Zurüstung lesen
– das „Christendom“-Denken stellt Linsen vor die Augen, welche die missionarische Triebkraft der biblischen Schriften so weit ausblenden, daß fast nichts übrig bleibt
– wir brauchen eine Bekehrung der Gemeinde und des Einzelnen zum missionarischen Auftrag – dazu bedarf es einer missionarischen Evangelisation als innere Dimension des Gemeindedienstes, welche die Arbeit des Pastors bestimmen muß – ganzes Evangelium von Rechtfertigung, Heilung und Berufung predigen – neue Erwartung: Gemeinde versammelt ihre Glieder um Jesus, damit er die Zeugen zurüstet, stärkt und in den apostolischen Dienst aussendet.
– Immer wieder fragen: Wie zeigt diese Gemeinschaft in ihren Taten und Worten, was der Anbruch der Gottesherrschaft wirklich bedeutet. Paulus: „Führet Euren Wandel würdig des Evangeliums von Jesus Christus“ Eph 4,1: „Wandelt würdig der Berufung, zu der ihr berufen seid.“ Diese Berufung zum Zeugendienst verlangt einen entsprechenden Wandel. Es geht um den Gehorsam dem Sendungsauftrag gegenüber. Es geht um das volle Verständnis des Heilswerkes, wie es z.B. im Epheserbrief dargestellt wird. Nachfolge Christi gemäß Philipper 2. Wie hat es Jesus getan? Wie sollten wir es tun? „Das biblische Analphabetentum ist ein großes Problem für die missionarische Zurüstung.“
– den Sabbat zur Zurüstung ernstnehmen, damit die Gläubigen an den sechs anderen Tagen ihr Apostolat ausleben können.
– bewußte Gestaltung der Liturgie zur Begegnung mit dem auferstandenen Christus, der uns in Wort und Sakrament stärkt und begegnet, damit wir den Sendungsauftrag leben können
– Experimente starten, Risiken eingehen
– Gebet der Gemeinde als Fortsetzung des apostolischen Gebets

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[Secret Message] Kapitel 18 – Die Grenzen des Königreichs

20. Oktober 2007

[Dies ist der neunzehnte Post über Brian McLaren’s Buch The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16|17|18. Das vorliegende Kapitel gehört zu Teil 3: »Stell Dir vor… : Eine Erkundung darüber, wie die geheime Botschaft Jesu alles verändern könnte«]

Einerseits pflegte Jesus Tischgemeinschaft mit notorischen Sündern, andererseits hat er auch recht exklusive Aussagen getroffen. Wie läßt sich das vereinbaren? Kann im Reich Gottes jeder dazugehören, oder müssen manche draußenbleiben? Jesus sagte: „Wenn ihr nicht wie die Kinder werdet, könnt ihr das Reich Gottes nicht betreten“ (Matthäus 18,3). Damit ist klar: Das Reich Gottes, das allen zugänglich ist, kann von manchen verpaßt werden. Also gibt es zwei Gefahren: Die Gefahr feindseligen Ausschlusses und die Gefahr naiven Miteinbezugs.

In der geheimen Botschaft Jesu haben wir gesehen, daß das Reich Gottes eine skandalös offene Einladung ausspricht. Zutritt wird nicht auf der Basis von Leistung oder Überlegenheit erteilt. Die Voraussetzung ist die demütige Bereitschaft, umzudenken, belehrbar zu werden und Gottes Vergebung und versöhnende Gnade zu empfangen. Wer eintreten will, braucht eine Herzensveränderung – weg vom Verlangen, die eigene Agenda durchzusetzen, hin zum Willen, eine neue Art des Denkens, Fühlens und Lebens zu erlernen. Vielleicht war deshalb die Taufe im Neuen Testament als öffentlicher Akt so wichtig, um zu zeigen, daß man auf einem neuen Weg unterwegs war. Und vielleicht zielte das urchristliche Ritual des Abendmahls auf eine ähnliche Absicht, auf eine Art regelmäßige Neuverpflichtung zur Sache Jesu.

Das Reich Gottes sucht also einen dritten Weg: Weder Ausschließlichkeit und Zurückweisung, noch dumme, sich selbst sabotierende Inklusion, sondern statt dessen zielgerichtete Miteinbeziehung. Anders gesagt: Das Reich Gottes strebt danach, alle mit einzubeziehen, die an seiner Absicht teilhaben und zu ihr beitragen wollen, aber es kann diejenigen nicht mit einbeziehen, die sich seiner Absicht entgegenstellen. Das hört sich widersprüchlich an: Um wahrhaft inklusiv zu sein, muß das Reich Gottes exklusiv orientierte Menschen ausschließen; um wahrhaft nach Versöhnung zu streben, darf es sich nicht mit denen versöhnen, die der Versöhnung widerstreben; um sein Ziel der Sammlung von Menschen zu erreichen, darf es diejenigen, die zerstreuen, nicht sammeln. Das Reich Gottes hat ein Ziel, einen Zweck, eine Absicht, und das scheint nicht jedermann zu schmecken.

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[Auf Reisen] „Kirche und Postmoderne“ III – Freitag Abend

19. Oktober 2007

Matthias Clausen – Evangelistisch predigen unter nachmodernen Bedingungen

Klärungen
– viele Gebildete, die keine Ahnung vom Inhalt der Glaubenslehre haben
– Evangelisation ist kommunikative Zuspitzung der Mission
– Evangelisation ist bestimmt durch ihren Inhalt und ihre Kommunikation und daher mehr als Veranstaltungsevangelisation
– Kontextualisation ist Einlassen auf die Lebenswelt des Anderen – um unterschiedlichen Menschen dasselbe zu sagen, muß es different artikuliert werden
– durch kulturelle und lebensweltliche Nähe das Recht zum Reden erwerben
– Evangelisation ist Teil der umfassenden Missio Dei – Gott inkarniert in unsere Welt, kommt auf Augenhöhe und darum ist kontextuelle Evangelisation Ausdruck des Wesens von Evangelisation

Evangelisation in der Postmoderne
– Unterscheidung zwischen traditioneller Evangelisation und neu aufkommender Evangelisation („Emerging Evangelism“)
– Robert E. Webber (The Younger Evangelicals) sieht drei Ansätze von Evangelisation

  • Traditioneller Ansatz: Veranstaltung mit herausfordernder Botschaft
    Pragmatischer Ansatz: Sucherorientierter GoDi, Ermutigung und Aufzeigung der Lebenshilfe durch das Evangelium
    Evangelisation als Prozess in der Emerging Church, dialogischer und beziehungsorientierter Ansatz

– Kennzeichen der PoMo wie Mo: Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen
– Frage: Sprechen diese drei Ansätze zur Postmoderne? Wie sieht eine evangelistische Verkündigung aus, welche die Sprache der PoMo spricht?
– Lyotard: Skepsis gegenüber den Metaerzählungen – Institutionen, welche die bestehende Ordnung legitimieren. Statt dessen wünscht er sich diskursive Ansätze.
– Die Postmoderne beginnt dort, wo der einheitliche Zugang zur Wirklichkeit aufhört.
– Pluralität (verschiedene Perspektiven auf die Wirklichkeit, die einander auf der personalen Beziehungsebene respektieren und akzeptieren) vs. Pluralismus (auf der Metaebene: Alle Perspektiven haben gleiche Gültigkeit) müssen unterschieden werden, denn ein solcher Pluralismus ist mit evangelistischer Theologie nicht vereinbar. Es muß schon erlaubt sein, beherzt und friedlich für die eigene Überzeugung einzustehen.

Überzeugungsprozesse erkunden
– der Heilige Geist wirkt den Glauben, aber er benutzt menschliche Prozesse, darum muß auch gearbeitet und nachgedacht werden.
– Konversion ist mehr als Kognition – alle Lebensbereiche sind beteiligt – auch Denken, Fühlen, etc.
– das Verstehen von neuen Konzepten läßt sich nicht von veränderten Lebensprozessen trennen – man lebt sich in ein neues Denken

Postfoundationalism (nicht mehr an selbstevidente Grundüberzeugungen gebunden) als Gesprächsangebot an die Postmoderne
– verschiedene Sichtweisen auf die Wirklichkeit brauchen für ein gemeinsames Gespräch nicht denselben Ausgangspunkt
– von der Idee einer für alle verbindlichen Wirklichkeit müssen wir uns nicht verabschieden

1) Alvin Plantinga und die Rationalität des Glaubens
Wir haben es mit einer Wirklichkeit außerhalb uns selbst zu tun. Ist Glaube an Gott rational? Nach dem alten Verständnis (allgemein evident) hatte er einen schweren Stand. Aber: Die Kriterien des klassischen Foundationalism sind in sich widersprüchlich. Was spricht dagegen, den Glauben an Gott selbst als basale Überzeugung zu sehen? Nach Plantinga haben Überzeugungen eine Struktur. Wenn jemand zum Glauben kommt, ändern sich nicht nur seine Überzeugungen, sondern es ändert sich auch die Art und Weise, wie sich seine Überzeugungen ändern. Wenn ein Mensch das Evangelium annimmt, wird er bald merken, wie sein gesamtes bisheriges Verständnis infrage gestellt wird – sein Denken, Fühlen, Glauben etc. Wie also darauf reagieren?

  • Proklamatorischer Ansatz: Man könnte herausfordernd predigen und zu klaren Entscheidungen rufen. Indikativisch und assertorisch predigen mit dem Verzicht auf Begründungen. Darum blieb dieser Ansatz im Clinch mit der Moderne. Die traditionelle Evangelisation bezog ihre Kraft daraus, daß sie sich auf von ihren Adressaten akzeptiere Autoritäten begründete („The bible says…“)
    Apologetischer Ansatz: Begründung gemäß des aufklärerischen Ansatzes. Emerging Church: Skepsis gegenüber Apologetik, gelebter Glaube. Webber: From rationalism to embodiment. John Finney: Das Mysterium wiederentdecken. Apologetik hat in der Postmoderne immer noch ihren Platz. Argumente funktionieren lokal – ich kann an die Überzeugungen der Menschen angreifen, die mir in persona gegenüber sitzen. Apologetische Verkündigung hat auch eine seelsorgerliche Funktion, weil Menschen erkennen, daß man auch glauben und seinen Verstand eingeschaltet lassen kann. Wir müssen also nach den Überschneidungen unserer Denkwelten suchen und dort ansetzen – z.B. Esoteriker glauben wie wir daran, daß es auf der Welt mehr gibt, als wir sehen können. Wie in einem solchen Gespräch die Veränderung grundlegender Überzeugungen geschehen kann, ist nicht einfach zu sagen. Plantinga spricht von „defeaters“ – durchschlagenden Elementen, die das bisherige System aufweichen. An dieser Stelle muß noch weitergedacht werden.

2) Ludwig Wittgenstein und Sprache als Medium der Wahrnehmung
Zwei Konzepte sind wichtig: Sprachspiel und Lebensform. Sprache ist eine Fülle dynamischer Prozesse, die alle ihre eigene Binnenlogik haben und daher als „Sprachspiele“ bezeichnet werden. Schon unser Verständnis von Sprache ist eng verknüpft mit unserer Lebenswelt und Lebenspraxis. Rezipiert wurden diese Konzepte u.a. von George Lindbeck und Stanley Hauerwas. Das zum-Glauben-kommen kann man mit dem Erlernen einer neuen Sprache vergleichen. Es sind dieselben Worte mit einer anderen Bedeutung: „Vater“ in Bezug auf Gott ist neu gefüllt, „Liebe“ in Bezug auf Christus ebenfalls. Die evangelistische Predigt muß noch stärker im gelebten Salz-und-Licht-Kontext verortet sein. Verkündigung als Nacherzählung biblischer Inhalte, das einen eigenständigen Blick auf die Wirklichkeit ermöglicht. Sprachwelt der Erzählung wird zur Denkwelt der Hörer.

Fazit:
Postmodern ist die Offenheit für vielfältige Zugänge zur Wirklichkeit, darum müssen wir keine direkte Begründung geben. Wir haben auch keine, nur die Bitte: „Laßt euch versöhnen mit Gott!“ Wir können die christliche Glaubenswahrheit nicht erzeugen, wir können sie nur bezeugen.

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[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« II – Freitag Nachmittag

19. Oktober 2007

[Diesmal direkt die Notizen, unreflektiert festgehalten. Die Notizen geben die Gedanken des Referenten wieder.]

Ralph Kunz – Keine Kirchenreform ohne Taufreform. Chancen und Fallstricke eines tauforientierten Gemeindeaufbaus
– jedes Jahr verschwindet in der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich eine Gemeinde
– die institutionelle Religion übernimmt (immer noch) die Funktion der Hintergrundserfüllung. Sie funktioniert wie eine Versicherung. Man ist froh, wenn man eine hat und ebenso froh, wenn man sie nicht braucht
– das Verhältnis von Kern- und Schalengemeinde ist eine kybernetische Knacknuss (Kern: GoDi-Besucher, Schalen: Getaufte)
– Mission ist nicht die Lösung für Probleme der ehemaligen Volkskirchen. Kein Gemeindeaufbau ohne Kirchenreform – und umgekehrt!
– Wenn Mission zu einem Glauben reizen, wecken und verlocken soll, der eine integrale Lebenspraxis ist, kann die Erhaltung der Grosskirche à tout prix nicht ihr primäres Ziel sein
– Ernst Troeltschs Unterscheidung der drei Sozialgestalten der Kirche:

„Sekte“ als Urform der Jesusbewegung ist eine Gemeinschaft der Geretteten. – „Bewegung“
Die „Heilsanstalt“ (verwaltet das Heil) ist das Resultat eines Institutionalisierungsprozesses, in dessen Verlauf sich der Klerus ausgebildet hat. – „Institution“
– Großkirchen tragen das heilige Feuer der Jesusbewegung in sich und ebenfalls den Großinquisitor Dostojewskijs
– Großkirchen sind Gebilde, in denen sich bewegung, Institution und Organisation spannungsvoll ergänzen und begrenzen
Die Auflösung der Institution mündet in den „mystischen Spiritualismus“, der sich als konsequente Entkoppelung von Mitgliedschaft und Beteiligung manifestiert.

Weder Organisationen noch Institutionen missionieren. Sie machen Mission möglich oder unmöglich. Mission ist Sache der Bewegung von Menschen, die angezündet sind vom Feuer der Liebe Jesu, sie ist Sache des Leibes Jesu. Die Schar der Anhänger der Großkirchen ist pluriform geprägt.
Der „religiöse Frieden“ innerhalb Großkirchen ist solange nicht gefährdet, als die Bewegungen, die unter dem Dach der Kirche missionieren, die Grundregel der Organisation akzeptieren. (Und diese ist Religionsfreiheit.) Die Religionsfreiheit und politische Freiheit sind nicht christliche Freiheit, da letztere viel komplexer ist. Zwischen dem mystischen Spiritualismus und der liberalen Theologie ist eine enge Verbindung, wir haben liberale Ekklesiologien in Stein gegossen. Die (Kinder-)Taufe macht den Menschen zum Christen, verpflichtet ihn aber nicht dazu, Christ zu werden. Die Zeit der Großkirchen ist noch nicht (überall) zu Ende, aber es ist offensichtlich, daß es lose Enden gibt, die neu verknüpft werden müssen. Hinsichtlich der Institution ist die Taufe ein Sakrament, für die Bewegung das Zeichen zur Zugehörigkeit, für den Spiritualismus eine symbolische Inszenierung.
Es zeichnet sich eine deutliche Positionierung der Gemeindetypen innerhalb der Organisationen ab.

Unter „Postmoderne“ sind Prozesse der strukturellen Individualisierung zu verstehen, die gleichzeitig die Ausdifferenzierung kultureller Milieus und die Ausbildung von Patchworkidentitäten fördern. Die Gleichung „Postmoderne“ hat viele Variablen. Sie beschreibt nicht das Ende, sondern neue Verknüpfungsvarianten der losen Enden der Modernisierung, die wiederum eine Radikalisierung und Steigerung der Moderne bewirken. Die 1920er waren ein Probelauf der Postmoderne, der im grossen Modernisierungsschub der 1960er und 1990er Jahre seine Fortsetzung fand.

Bonhoeffer in SC: Wie kann die geistliche Größe der Kirche sozial gestaltet bzw. umgesetzt werden? Drei Stufen der Christlichkeit: a) Taufgemeinde, b) Wortgemeinde, c) eucharistische Gemeinschaft – damit hat dieses Modell eine geistliche Mitte. Der Webfehler an diesem Modell: Die Taufe gehört nicht an den Rand, sondern ins Zentrum der Kirche.

Jürgen Moltmann rückt ebenfalls die Taufe ins Zentrum. Er versucht dabei eine pneumatologische und eschatologische Perspektive wieder ins Licht zu rücken. Taufe ist nach Moltmann ein kreatives Geschehen, weil sie die Gemeinde in der Gesellschaft umkehrt. »Die Taufe kann ihrem Sinn entsprechend nur praktiziert werden, wenn zugleich die öffentliche Gestalt und Funktion der Kirche in der Gesellschaft verändert wird und die Kirche als messianische Gemeinschaft Christi erkennbar und aktiv wird. Eine glaubwürdige Taufpraxis kann nur zusammen mit einer glaubwürdigen Kirche gewonnen werden. Keine Taufreform ohne Kirchenreform, und keine Kirchenreform ohne Taufreform!« (Kirche in der Kraft des Geistes, 252-268.58) Moltmann orientiert sich an der Gottesherrschaft. Gemeinsame Umkehr ist geboten. Das „öffentliche Lebenszeichen des Heiligen Geistes“ ist kein Privatereignis. Ein Mensch, der in die trinitarische Geschichte Gottes hinein gestellt wird, tritt ein in die messianische Gemeinschaft Jesu Christi. Wenn es bei der volkskirchlichen Säuglingstaufe bleibt, fällt diese Dimension aus. Darum: Nur in dem Maße, wie die Kirche zu einer erkennbaren messianischen Dienstgemeinschaft am Reich Gottes wird, können Einzelne ihre Berufung im beschriebenen Sinn realisieren. Umgekehrt aber entsteht eine solche Gemeinschaft erst aus bekennenden Glaubenden.

Brauchen wir einen solch radikalen Paradigmenwechsel, wie Moltmann ihn fordert? Nein, nicht die Alternative Säugling oder Erwachsener, sondern es geht um die Wertschätzung und Befreiung der Erwachsenentaufe. Die Kritik an der Entkoppelung von Mitgliedschaft und Beteiligung kritisiert den Taufautomatismus. Kritik am „ex opere operato“-Modell. Die Gemeinde aktualisiert, was Gott realisiert. Die Erwachsenentaufe ist keine Lösung für das Problem der Volkskirchen. Aber der Taufautomatismus ist ein Problem geworden, weil er die Krise der Kirche in der Postmoderne verschärft und kreative Lösungen verhindert. Es geht darum, die Taufe beherzt ins Zentrum der Gemeinde zurückzuholen, dort wo sie eigentlich hingehört. Die automatische Säuglingstaufe ist das theologische Feigenblatt einer geistlich entblössten Kirche geworden, in der Konfirmation deformiert wurde. Eine automatische Erwachsenentaufe wäre genauso falsch. Wo der Taufakt von der Gemeinschaft erzwungen wird, wird Konversion pervertiert. Gemeinde ist die Verbindung von Christenmenschen durch den gekreuzigten und auferstandenen Christus. Die Entscheidung für Taufe und Tauferinnerung ist ein Akt des sich-in-Gottes-Arme-werfens. Es geht um die Erfahrung des Erfassens der Gottesgemeinschaft und der neuen Selbstwahrnehmung als transformiertes Geschöpf. Mystisch „ich in Dir und Du in mir“. Die Taufreform hat die geistliche Konzentration der Gemeinde zum Ziel. Wenn Menschen in ihren Gemeinden Gott erfahren, ist »Kirche der Freiheit« keine leere Formel mehr.

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[Auf Reisen] »Kirche und Postmoderne« in Greifswald

19. Oktober 2007

Heute schreibe ich in liegender Position im Doppelbett der Jugendherberge zu Greifswald. Über mir schläft Daniel alias [depone], links Peter alias peregrinatio. Wir befinden uns auf dem »most strategic Symposium zu „Kirche in der Postmoderne“ ever« am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg. Kurze Auszüge, die ich als bedenkenswert erachte:

Lamin Sanneh – Third Wave Awakening and Concurrent Cultural Shifts: Renewal and Convergence in Post-Western Christianity
Das Christentum übersteigt seine Kultur. Es wird als einzige Weltreligion nicht in der Sprache seines Gründers weitergegeben, ist im Kontinent seines Ursprungs schwach. Für das Christentum gibt es keinen singulären „heiligen Boden“, da Gott der Missio Ecclesiae vorausgeht. Das Christentum muß in alle Kulturen inkarnieren. Der Ratschluß Gottes kann (ja muß!) den Marginalisierten so vermittelt werden, daß sie es verstehen. Wir brauchen mobile Kirchenstrukturen, kein attraktionelles Gemeindemodell, sondern einen gesandten Leib, der dort hin gehen muß, wo die Menschen sind und sie dort aufsuchen. Denominationen sind Brücken auf dem Weg der Menschen zu Gott, keine Hindernisse.

Andreas Feldtkeller – Kontextuelle Missionstheologie? Das Beispiel Mitteleuropa
Alle Theologie ist kontextuelle Theologie. Wir brauchen keine universale, an der Missio Dei orientierte Missionstheologie, sondern eine Missionstheologie aus dem Westen für die Menschen im Westen. Entscheidende Fragen sind: Wie kann Theologie missionarisch werden? Wie kann sie den Theologen missionarische Kompetenz geben? Theologie verfehlt ihre missionarische Kompetenz dann, wenn sie unter- oder überkontextualisiert ist. Zur Situation in Europa: Die Religionsfreiheit wurde teuer erkauft. Sie ist die geschichtlich hintergründigste Religionsfreiheit, die es auf der Welt gibt. Der Versuch der Rückgewinnung der aus den Volkskirchen ausgetretenen Mitgliedern kann von den Betroffenen als mangelnder Respekt vor ihrer Religionsfreiheit verstanden werden. Wir dürfen unsere missionarischen Möglichkeiten nicht durch den unsensiblen Gebrauch theologischer Richtigkeit verspielen. Mission im Kontext der Religionsfreiheit beudeutet, den Menschen ein Angebot zum Gebrauch ihrer Religionsfreiheit zu machen. „Es ist gut, wenn die Menschen wissen, daß sie auch andere tatsächlich verwirklichbare Möglichkeiten gehabt hätten.“ Wir dürfen die anderen Religionen nicht verzerrt darstellen, sondern sollten danach streben, das Evangelium im fairen Vergleich zum Leuchten bringen.

Heinz-Peter Hempelmann – Kenotische Partizipation. Philosophisch begriffene Postmoderne als theologische Herausforderung.

  • Postmoderne als Position wäre ein Widerspruch in sich selbst und würde sich daher selbst aufheben
  • Die Vernunft – das ist nichts anderes als Sprach-Metaphysik (Friedrich Nietzsche)
  • Die Suche nach Sinn ist ein Anachronismus. Die Zukunft kommt ohne Sinn aus. (Rehfus?)
  • Jesus als das Wort Gottes ist ein Wort unter anderen, aber nicht wie andere. Gemäß dem Hebräischen dabar, das »Wort« und »Ereignis« meint.
  • Jesus trägt seine Wahrheit nicht leer vor sich her. Er steht außerhalb jeder Religion als System.
  • Wenn Jesus Sinn behauptet, Sinn stiftet, dann dominiert er nicht; er dient. (…) Er macht sich selbst zum Mittel des Lebens anderer. Vgl. Mk 10,45.
  • Interpretation heißt im Kontext Jesu, dem Leben einen Sinn geben, es ent-werten.
  • Kirche setzt sich und ihre Wahrheit aus, indem sie ihre Theologie verläßt und sich auf die Menschen einläßt. Sie erwartet nicht, daß man unbedingt auf sie hört, aber daß man gerne hört. Wir sollen anderen zum Brief Christi werden. Darum: Personelle Präsenz statt propositioneller Proklamation. Kirche mischt mit und mischt sich dazwischen. Kirche arbeitet daran, ihr Image als moralische Instanz zu verlieren.

Update:
Ein kurzer Verweis von idea auf den Vortrag von Lamin Sanneh: Das Abendland ist nicht mehr Zentrum der Christenheit.

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[Secret Message] Kapitel 17 – Das friedfertige Königreich

19. Oktober 2007

[Dies ist der achtzehnte Post über Brian McLaren’s Buch The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16|17. Das vorliegende Kapitel gehört zu Teil 3: »Stell Dir vor… : Eine Erkundung darüber, wie die geheime Botschaft Jesu alles verändern könnte«]

Das Königreich, von dem Jesus spricht, übt seine Macht nicht mit Gewalt, sondern in mutiger, sich verschenkender Liebe aus. Das Endziel ist Shalom – umfassender Friede, viel mehr als das Ende eines Konflikts, sondern ein ganzheitliches Leben in Fülle und im Gleichgewicht. Die Apostel Jesu haben nie Gewalt angewendet, sondern ihre Nachfolger dazu aufgefordert, zu leiden, zu vergeben und den Ausgang Gott anzuvertrauen, statt die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Paulus spricht von Waffen, die nicht aus der Welt sind und die auch nicht zum Kampf gegen Fleisch und Blut gedacht sind. Zu diesem Arsenal gehört der Gürtel der Wahrheit, der Brustpanzer der Gerechtigkeit, die Schuhe des Friedensevangeliums, das Schild des Glaubens, der Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches er mit der Logik (oder Botschaft oder logos) Gottes identifiziert. In diesem Licht kann die Kreuzigung Christi als radikale Zurückweisung des Gebrauchs brutaler Gewalt angesehen werden. Das bedeutete für die frühe Kirche, daß das Reich Gottes nicht durch die Ausübung, sondern durch das Erdulden von Gewalt triumphieren würde. Mit der Zeit änderte sich das, als der christliche Glaube von einer unbekannten zu einer mißverstandenen, später verfolgten, dann tolerierten, anschließend begünstigten und letztlich der offiziellen Religion des römischen Reiches wurde. Schließlich – es ist schwer zu begreifen, aber wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen – nahm die Kirche selbst das Schwert in die Hand, um Bekehrungen zu erzwingen und Häretikern hinzurichten.

Später wurde im Gefolge von Augustinus die Theorie des „gerechten Krieges“ entwickelt um auf die Frage zu antworten, ob ein Christ, der sich selbst ja nicht verteidigt, nicht doch zu den Waffen greifen müßte, um seinen Nächsten zu beschützen. Sieben Kriterien machen demnach einen gerechten Krieg aus: Ein gerechtes Anliegen, die Kriegserklärung durch eine legitime Autorität, das Ziel der Rückkehr zum Frieden, Krieg als allerletzte Möglichkeit, eine annehmbare Hoffnung auf Erfolg und Mittel, die dem Zweck entsprechen. Wie auch immer wir zu dieser Frage stehen, so scheinen mir doch drei Dinge klar zu sein: Diejenigen die sich – basierend auf der Lehre Jesu – der Gewaltfreiheit verpflichten, werden – für den Fall daß sie damit heute vielleicht noch falsch liegen – eines Tag richtig liegen, wenn Gottes Traum für die Welt zur Erfüllung gekommen ist. Zweitens müssen wir uns in Zeiten des Konfliktes daran erinnern, daß Jesus uns zur Feindesliebe aufgerufen hat. Drittens müssen wir immer im Auge behalten, daß wir zusammen mit unseren Feinden einen gemeinsamen Feind haben: Die innere Dunkelheit, an die sich die geheime Botschaft Jesu wendet – die dunklen Triebe von Lust, Gier, Ärger und Haß, die uns in Konflikte und Kriege treiben.

Wir werden uns alle darüber einig sein, daß ein „gerechter Krieg“ nach dem obigen Maßstab besser ist als ein ungerechter Krieg. Aber wir müssen dennoch fragen, ob es nicht doch noch etwas besseres gibt. Als Jesus sagte: „Selig seien die Friedfertigen“, als er davon sprach, die andere Wange hinzuhalten, die zweite Meile zu gehen, und großzügig zu geben, da machte er uns klar, daß das aktive Streben nach Frieden der beste Weg ist – der Weg des Königreichs. Wie könnte dieser dritte Weg aussehen?
Erstens müssen wir uns klarmachen, daß das Reich Gottes nicht durch Gewalt vorwärts schreitet.
Zweitens müssen wir hinzufügen, daß das Reich Gottes durchaus während Zeiten von Gewalt vorwärts schreiten kann. Darum halte ich es für besser, Menschen mit einer Sicht für das Reich Gottes im Militärdienst zu haben, als keine dort zu haben, denn sie werden es nicht vergessen, daß ihre Feinde die Geliebten Gottes sind. Natürlich werden Geheimagenten des Reiches Gottes bisweilen auch vor schweren Entscheidungen stehen, bei denen es vielleicht um Befehlsverweigerung geht. Aber das ist in allen anderen Gesellschaftsbereichen auch so.

Ich glaube, daß es an der Zeit ist, darüber nachzudenken, was in zehn, zwanzig oder hundert Jahren geschehen könnte, wenn wir weniger Geld für die Erhaltung des Friedens mit Waffengewalt ausgeben würden und statt dessen in die Schaffung des Friedens investieren würden, indem wir die unterschwelligen Ursachen der Konflikte angingen – Ungerechtigkeit, Mangel an Barmherzigkeit und Sympathie, Rassismus, Korruption, Armut, Unterdrückung freier und anständiger Presse – und die Furcht, den Haß, die Gier, Ignoranz und Lust, die sie anheizen. Egal welchen Weg wir wählen – der Preis wird hoch sein; es ist nur die Frage, welchen Preis wir lieber bezahlen wollen. Ob wir im Augenblick Pazifisten sind oder die Theorie vorbereitender Gewaltminderung vorziehen – immer wenn wir beten: „Dein Reich komme; Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“, dann beten wir für das Ende von Krieg und Gewalt und das Anbrechen von Gottes Shalom. Das ist an sich schon ein Akt des Friedenstiftens, weil wir danach streben, unseren Willen am Willen Gottes auszurichten und unsere Träume am Traum Gottes.

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[Secret Message] Kapitel 16 – Die Sprache des Königreichs

17. Oktober 2007

[Dies ist der siebzehnte Post über Brian McLaren’s Buch The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16. Das vorliegende Kapitel gehört zu Teil 3: »Stell Dir vor… : Eine Erkundung darüber, wie die geheime Botschaft Jesu alles verändern könnte«]

Warum erscheint uns die Sprache des Reiches Gottes heute nicht mehr so dynamisch? Das liegt daran, daß Königreiche in unserer Zeit ein Relikt der Vergangenheit sind und ihre Sprache viele Menschen an Patriarchismus, Chauvinismus, Imperialismus, Herrschaft und ein Regime ohne Freiheit denken läßt. Darum glaube ich, daß Jesus in unserer Zeit gar nicht mehr von einer Königsherrschaft reden würde – aber in welche Worte würde er seine Botschaft dann heute fassen?

Wir müssen immer wieder zurück zu den ursprünglichen Worten und der Geschichte Jesu gehen und zu verstehen versuchen, wie seine Rede von der Königsherrschaft in seiner Zeit funktioniert hat. Wir müssen seine Welt uns „absorbieren“ lassen, damit wir seine Sprache als Insider verstehen können. Aber dann müssen wir neue Wege finden, seine Botschaft in die Denkformen und Kulturen unserer heutigen Welt zu übersetzen, wenn wir das lehren wollen, was Jesus gelehrt hat und es so tun wollen, wie er es getan hat. Ich habe sechs Metaphern für die geheime Botschaft gefunden, die mir sehr verheißungsvoll erscheinen:

1. Der Traum Gottes: Wenn wir vom Traum Gottes für seine Schöpfung sprechen, erhält die Beziehung Gottes zur Welt einen persönlicheren und weniger mechanistischen Charakter. Sünde und Böses wird zum Alptraum Gottes. Übertragen wir die fünf Schritte aus Kapitel 13 auf diese Metapher, dann geht es darum, unsere Träume aufzugeben bzw. sie an Gottes Traum auszurichten und diesen zu leben.
2. Die Revolution Gottes: Wir Menschen haben ein totalitäres Regime der Lust, des Stolzes und der Macht, des Rassismus, Alters- und Klassendenkens, des Nationalismus, des Konsumismus und der Gier geschaffen, das nicht akzeptabel ist, und Gott rekrutiert Menschen, die seiner revolutionären Veränderungsbewegung beitreten – einer geistlichen, versöhnenden Revolution (oder Verschwörung) des Friedens und der Gerechtigkeit.
3. Die Mission Gottes: Stell Dir vor, daß jeder auf der Welt von einem schrecklichen Virus infiziert wurde, der Menschen körperlich krank und geistig wahnsinnig macht. Bei der Heilungsmission Gottes wirst Du geheilt, damit Du andere heilen kannst.
4. Die Party Gottes: Gott lädt die Menschen ein, ihre Kämpfe, ihren Arbeitswahn, ihre Einsamkeit und Isolation und ihre exklusiven Parties zu verlassen und eine inklusive Party der anderen Art zu besuchen – Streit, Meckern, Haß und Konkurrenzdenken hinter sich zu lassen und statt dessen damit anzufangen, die Güte und Liebe Gottes zu feiern.
5. Das Netzwerk Gottes: Gott möchte, daß die Menschen bei Gott eingestöpselt sind, so daß er alles, was sie brauchen, zu ihnen transferieren kann. Und jeder, der mit Gott verbunden ist, wird auch ganz mit allen anderen im Netzwerk verbunden sein. Darin wird Information ausgetauscht, alle Teilnehmer lernen beständig dazu, und das Netzwerk selbst wird zu einer Ressource für diejenigen, die sich außerhalb befinden aber beständig dazu eingeladen sind, sich selbst an die Verbindung anzuschließen.
6. Der Tanz Gottes: In der frühen Kirche war eines der kraftvollsten Bilder für die Trinität das eines Tanzes gegenseitiger Einwohnung. Vater, Sohn und Heiliger Geist leben in einem ewigen, freudigen, pulsierenden Tanz voll Liebe und Wertschätzung, Rhythmus und Harmonie, Gnade und Schönheit, Geben und Empfangen. Das Universum wurde geschaffen, um ein Ausdruck und eine Ausweitung dieses Tanzes Gottes zu sein, damit alle Geschöpfe Teil dieser dynamischen Freude an Bewegung, Liebe, Lebendigkeit, Harmonie und Feiern werden konnten.

Die Gleichnisse, die Jesus verwendete, inspirieren uns zu beständiger Suche nach kreativen Kommunikationsformen. Wir können das Reich Gottes durch Worte vermitteln – in Gleichnissen, Poesie, Kurzgeschichte, Roman oder Essay. Aber genauso durch bildende Kunst, Architektur, Tanz, Drama, Malerei, Bildhauerei, Floristik, Kochen… Was fällt Dir noch ein?

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