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Archiv für September, 2007

[Secret Message] Kapitel 2 – Die politische Botschaft Jesu

30. September 2007

[Dies ist der dritte Post über Brian McLaren’s Buch The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything. Die Vorgänger: 1|2. Das vorliegende Kapitel gehört zu »Teil 1 – Ausgrabung: Unter der Oberfläche schürfen, um die Botschaft Jesu zu enthüllen«]

In der Rückschau habe ich das Gefühl, daß meine Herangehensweise an das Lesen der Bibel – mein Interpretationsmuster – mir geholfen hat, einige Dinge zu erkennen, mich aber für andere blind gemacht hat. Darum nun ein genauerer Blick auf die historische Situation zur Zeit Jesu.
Das jüdische Volk lebte seit Jahrhunderten unter Unterdrückung und Fremdherrschaft durch die Assyrer, die Babylonier, die Medo-Perser, die Griechen und jetzt die Römer. In den Augen der Juden erschien es falsch, zutiefst falsch, daß heidnische Nationen über ein Volk herrschten, das an den einen wahren und lebendigen Gott glaubte. Wie sollte man jetzt mit der römischen Besatzungsmacht umgehen? Unterschiedliche politische Bewegungen kamen zu unterschiedlichen Ansichten. Wurde der Sohn eines Zimmermanns gefragt, was denn seine Botschaft sei, dann antwortete er: »Ändert euer Denken. Die Herrschaft Gottes ist für alle greifbar. Glaubt an diese gute Nachricht! Das Reich Gottes ist für jeden zugänglich!« Später wird es dann klar: Dieser Mann ist nicht einfach ein weiterer Revolutionär; er ruft zu einer revolutionär neuen Art von Revolution auf.
Er stimmt mit den gewalttätigen Zeloten und den überfrommen Pharisäern (gegen die Herodianer, die sich an den Status quo halten) darin überein, daß der Status quo falsch ist und nicht für akzeptabel gehalten werden sollte. Er stimmt mit den Pharisäern und den Herodianern (gegen die Zeloten) darin überein, daß ein gewaltsamer Umsturz der Römer nicht die Lösung ist. Jedoch steht er auch in starkem Widerspruch zu den Pharisäern: Die Huren und Säufer können nicht zu Sündenböcken gemacht und die Ursache für die Gesamtsituation nur bei ihnen gesucht werden – statt dessen sollten sie geliebt und als Gottes geliebte Kinder angenommen werden. Vieles an seiner Botschaft ist auf frustrierende Weise unklar und paßt nicht in die bekannten Schubladen, klar aber ist: Dieser Zimmermannssohn aus Galiläa fordert jede existierende politische Bewegung zum radikalen Um- und Nachdenken über seine revolutionäre Alternative auf.
Was aber ist diese Alternative? Es geht darum, eine neue politische und soziale und geistliche Realität zu sehen, zu suchen, zu empfangen und in sie einzutreten. Er nennt sie die Herrschaft (oder das Reich) Gottes oder die Herrschaft (oder das Reich) der Himmel. Dieses Reich bedeutet für die Vorherrschaft Cäsars, die in Rom ihr Zentrum hat, eine direkte Herausforderung, weil im Reich Gottes nicht Cäsar, sondern vielmehr der Schöpfer die letzte Instanz ist und man seine eigene Identität, sein Bürgerrecht, nicht in Rom, sondern in einem geistlichen Gefilde, in der Gegenwart Gottes, findet. Wenn Du ein Teil dieses Königreiches bist, dann beginnst Du auf eine Weise zu leben, die andere für dumm und naiv halten. (Die andere Backe hinhalten? Die zweite Meile gehen? Gewalt mit Vergebungsbereitschaft, Opfer und Liebe besiegen? Also bitte – wach mal auf!) Wieder andere aber mögen in Deinem Lebensstil eine mutige und wilde Hoffnung sehen, die die Welt heilen und verändern könnte.

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Tag des Sports

30. September 2007

Nein, ich habe mich heute nicht sportlich betätigt. Aber einiges vor dem Fernsehgerät verfolgt: Nach dem zweifelhaften Sieg von Nikolai Walujew gestern habe ich ich mich heute in der Frühe – unterbrochen von immer wieder auftretendem Minutenschlaf nach einer kurzen Nacht – am Regenrennen von Fuji vergnügt und dabei als Freund des italienischen Volkes und bekennender Ferraristi über die schwindenden WM-Chancen des »Ice-Man« Kimi Räikkönen getrauert. Nach Gottesdienst und Kirchenkaffee war es dann an der Zeit, den erfolgreich verteidigten WM-Titel der deutschen Damenfußballnationalmannschaft live mitzuerleben. Und spannend war’s! Seit einigen Jahren habe ich nun fast kein Turnierspiel der deutschen Frauen verpaßt, aber dieses war das nervenaufreibendste – Brasilien war außerordentlich stark. Danach war die Rad-WM angesagt, und auch hier hätte das Ergebnis mit dem Sieg von Bettini und der Bronzemedaille von Schumacher nicht interessanter ausfallen können. Eine Farce spielt sich ab und die Diskussionen werden weitergehen. Derart erfreut wollte ich selbst nicht zurückstehen und holte mir bei der von Simon initiierten Bundesliga-Tipprunde den Tagessieg. Platz 24 von 44 sieht dann doch schon wieder nach Besserung aus, hatte ich doch zuletzt aufgrund meiner nicht zutreffenden Prognosen Haso’s Häme ertragen müssen. Leider ist da noch der Fußballverein meines Herzens, der demselben beständig Schmerzen bereitet. So auch gestern. Ob’s am Dienstag gegen Barcelona besser wird?

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[Secret Message] Kapitel 1 – Beunruhigende Fragen über Jesus

27. September 2007

[Dies ist der zweite Post über Brian McLaren’s Buch The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything. Die Einführung findest Du hier. Das vorliegende Kapitel gehört zu »Teil 1 – Ausgrabung: Unter der Oberfläche schürfen, um die Botschaft Jesu zu enthüllen«]

Was, wenn wir eine Religion entwickelt haben, die andächtige und ehrenvolle Aussagen über Jesus macht, aber nicht das lehrt, was Jesus lehrte und auch nicht auf die Weise, wie er lehrte? Was, wenn die Religion, die im Allgemeinen mit Jesus verbunden wird, ihre Anhänger weder dazu trainiert, auf die Art Jesu zu leben, noch es von ihnen erwartet? Was, wenn die Botschaft Jesu unabsichtlich mißverstanden oder absichtlich verdreht wurde? Was, wenn viele einige Aspekte der Botschaft Jesu ernsthaft wertgeschätzt, gleichzeitig aber andere, wichtigere Seiten verpaßt oder sogar unterdrückt haben? Was, wenn Jesus seine tiefste Botschaft verschleiert hat, wenn er versuchte, sie nicht offensichtlich und offenkundig zu machen, wenn er sie statt dessen absichtlich wie einen Schatz verborgen hat, den man erst suchen muß, um ihn zu finden? Was, wenn seine geheime Botschaft praktische Auswirkungen darauf hätte, wie Du Dein tägliches Leben lebst, wie Du Geld verdienst und ausgibst, wie Du mit Menschen anderer Rassen und Religionen umgehst und wie die Nationen der Welt ihre Außenpolitik betreiben? Was, wenn seine Botschaft direkt oder indirekt Fragen des Marketing, des Umweltschutzes, des Terrorismus, der Wirtschaft, der Sexualität, des Ehelebens, der Kindererziehung, des Strebens nach Glück und Frieden, der Versöhnung zwischen verschiedenen Rassen ansprechen würde? Würden wir diese Botschaft kennen wollen? Wie sehr? Wären wir bereit, genau hinzuschauen, intensiv nachzudenken und lange zu suchen, um sie zu finden? Wären wir bereit, das, was wir über die Botschaft Jesu zu wissen glauben, nochmals neu zu überdenken?
Als Pastor und als Mensch hatte ich eine bleibende Leidenschaft: Die faszinierende, geheimnisvolle, nicht eindämmbare, rätselhafte, energische, überraschende, verblüffende, verwirrende, feinsinnige, ehrliche, einzigartige und explosive Persönlichkeit Jesu. Im Laufe der Jahre hat sich dann ein unbequemes Gefühl eingestellt, weil das, was ich im Neuen Testament gelesen habe, nicht mit dem Bild von Jesus übereinstimmte, das mir religiöse Institutionen, charismatische Fernsehprediger und manchmal auch meine eigene Verkündigung vermittelt haben. Manchmal kam dieses unbequeme Gefühl auch dann, wenn ich festgestellt habe, daß Jesus nicht in meine eigene Theologie paßte.
So war ich also auf einer Reise, einer Suche. Man könnte es eine Pilgerschaft des Zweifels nennen, weil ich einige der konventionellen Sichtweisen über Jesus angezweifelt habe. Man könnte es auch eine Glaubensreise nennen, weil sie von der tiefen Überzeugung herrührt, daß was auch immer die Kernbedeutung der Botschaft Jesu ist, sie wahr sein muß und wert erkannt zu werden – daß auch wenn sie einige unserer konventionellen Annahmen, Prioritäten, Werte und Praktiken über den Haufen wirft, ein besseres Verständnis die vorübergehende Unruhe wert sein wird.
Ich will meine Suche mit Dir teilen und lade Dich dazu ein, ein Teil von ihr zu werden. Ich will das Ende nicht vorwegnehmen, aber eines verrate ich: Je weiter ich auf dieser Suche komme, desto inspirierter, bewegter, herausgeforderter, schockierter und motivierter bin ich in Bezug auf die geheime Botschaft Jesu.

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Brian McLaren – The Secret Message of Jesus

25. September 2007

Die Studientage und insbesondere das Forum von Emergent Deutschland rücken näher – ich hoffe Du hast Dich schon angemeldet? Wenn nicht, dann solltest Du das hier erledigen. Einer, der bei diesen Treffen viel Redezeit haben wird, ist Brian McLaren. Um uns ein wenig mit dem vertraut zu machen, was Brian im Augenblick beschäftigt, werde ich in der nächsten Zeit über seine beiden aktuellen Werke bloggen bzw. sie ausschnittsweise übersetzen.

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Den Anfang macht dabei The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything. Dieses Werk ist letztes Jahr erschienen und mittlerweile auch auf Deutsch erhältlich. Weil ich mir aber angewohnt habe, englische Bücher im Original zu lesen – so ich sie denn günstig erwerben kann -, wirst Du mit meiner Übersetzung vorlieb nehmen müssen.

Brian schreibt in der Einführung:

„Es ist das Ziel meiner Untersuchung, Jesus zu verstehen – und insbesondere seine Botschaft. Was wäre, wenn wir die Erzählungen von Jesus, die uns Matthäus, Markus, Lukas und Johannes übermittelt haben, gezähmt haben und sie deshalb nicht mehr in ihrer ursprünglichen Durchschlagskraft wahrnehmen? Ich kann nicht behaupten, daß ich alles herausgefunden oder in den Griff bekommen hätte. Aber ich bin da auf was gestoßen. Nach vielen Jahren des Suchens, Ringens, Fragens, Zweifelns, Nachdenkens, frustrierten Weglaufens, Zurückkommens, neuen Lesens und kompletten Neuanfangs habe ich einiges gesehen, das die Teile des Puzzles zusammenzubringen scheint. Ich konzentriere mich in diesem Buch auf die Botschaft Jesu – nicht darauf, wie Jesus in ein bestimmtes theologisches System paßt. Wenn es uns gelingen sollte, auch nur einige wenige Bruchstücke der Botschaft Jesu greifen zu können, wenn wir sie aufnehmen können und es schaffen, sie nicht nur anzuschauen, sondern durch sie hindurch zu sehen, dann wird unsere Welt und unser Leben nach unser Untersuchung anders aussehen. Und wenn das bei einer ausreichenden Menge von uns in ausreichender Weise geschieht, dann könnte sich alles verändern.“

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Ein bißchen Prag war fein!

21. September 2007

Nun war ich also letzte Woche für 4,5 entspannte Tage in der goldenen Stadt der 1.000 Türme. Vor drei Jahren hatte ich mich während eines zweitägigen Aufenthalts im Rahmen einer Interrail-Tour durch Europa in die tschechische Hauptstadt verliebt – wie cool, daß es jetzt mit einem etwas längeren Besuch geklappt hat! Untergebracht waren wir bei einem liebenswerten und unkomplizierten, ca. 70+X Jahre alten, gut deutsch sprechenden, der böhmischen Brüderbewegung nahestehenden tschechischen Ehepaar, deren Haus in einem Außenbezirk mit guter Metroanbindung liegt. Sie haben gerne deutsche Gäste – solltest Du also in den nächsten Jahren die Absicht haben, Prag zu bereisen und noch eine Unterkunft suchen, dann vermittle ich diesen Kontakt mit Freuden.

Prall volle Tage waren das, morgens raus in die Stadt, abends nach der Rückkehr sofort geplättet eingeschlafen. Selbstredend galt es die böhmische Küche zu genießen und auch das Pilsner Urquell wollte getrunken werden – in kulinarischer Hinsicht also eine Freude 🙂

Und was gibt es nicht alles zu entdecken! Die bewegte Geschichte Prags von der Zeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, über die Habsburger, das Dritte Reich, die Zeit des Warschauer Paktes bis in die Gegenwart hat ihre Spuren hinterlassen. Erinnert sei beispielsweise an Jan Hus, den Prager Fenstersturz, Franz Kafka und den Prager Frühling. Aufgrund der Tatsache, daß die goldene Stadt während des Zweiten Weltkrieges von Bomben verschont wurde, blieb sowohl die malerische historische Altstadt mit ihren wunderschönen Häusern und Kirchen wie auch das Burgviertel erhalten.

Sehr eindrücklich war für mich bereits beim letzten Besuch die Josefstadt, das ehemalige Judenviertel, wo in engen Gassen der Alte Jüdische Friedhof und diverse Synagogen zu finden sind. Da einerseits die Hauptsaison vorbei und andererseits das Wetter nicht allzu berauschend ist, weshalb die großen Menschenmassen ausbleiben, ist es mir dieses Mal möglich, mich auf kontemplativ-meditative Weise mit der Geschichte der Juden in Prag zu befassen und Bilder, Ausstellungsstücke, Schautafeln etc. in Ruhe zu betrachten, zu lesen und wirken zu lassen. Besonders intensiv reden die Bilder, welche jüdische Kinder in Theresienstadt gemalt hatten oder die Synagoge, in welcher die Wände komplett mit Namen der Holocaustopfer beschrieben sind. Einmal mehr gebrochen und fassungslos stehe ich als Nachfolger Jesu, Theologe und Angehöriger des deutschen Volkes da und finde weder Worte noch ausreichend Tränen für das Geschehene. Draußen der Alte Jüdischen Friedhof. 12.000 Grabsteine stehen hier unter den Eschen, zusammengepfercht auf einem winzigen Fleckchen Erde. Weil man ihnen nicht mehr Raum zum Bestatten ihrer Toten gab und die eigene Überlieferung das Auflösen von Gräbern verbietet, wurden von den Kindern Israels hier auf die alten Grabstätten immer neue Hügel angehäuft, so daß zum Teil bis zu neun Gräber übereinander liegen und die Grabsteine kaum frei stehen können. Ein Bild, das für sich selbst spricht. Wie betäubt stehe ich da, entziffere Namen und hebräische Schriftzeichen, bewege mich langsam vorwärts, eine dunkle Masse an Gedanken in meinem Kopf – Schmerz, Trauer und Sprachlosigkeit, Wut und Zorn pochen dumpf und vermengen sich. Wut auf die Verantwortlichen, auf diejenigen, welche dafür Sorge getragen haben, daß Menschen in Ghettos wohnen wie im Käfig, die ihnen ihre Rechte entzogen haben, die sie gezwungen haben, einen gelben Stern zu tragen, sie abtransportiert haben wie Vieh, ermordet und entsorgt wie Müll. Wut auch auf die Touristen, die an mir vorbeihecheln, schnell ein, zwei Fotos machen, dabei lachen, unbeteiligt weiterrennen, nur um eine weitere Sehenswürdigkeit auf ihrer Liste abhaken zu können, die nur an ihr Mittagessen denken, an das nächste Bier und die schmerzenden Füße, denen egal zu sein scheint, wieviel Leid sich in diesem Judenviertel zugetragen hat, die keine Ohren haben, für die Schreie, die aus der Synagoge kommen, für das schiere Elend, das mich überwältigt und sie doch so sehr kalt läßt. Wieder und wieder höre ich in meinem Kopf Sätze aus der Bibel. Aus dem Munde Jesu: »Was ihr getan habt, einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan«. Aus dem Munde des Vaters: »Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an«. Aus den Psalmen: »Bei den Wassern zu Babylon saßen wir und weinten. Wie können wir in einem fremden Land das Lied des Herrn singen?« Das Leid Israels in Babylon – ein Scherz scheint es zu sein im Vergleich zu dem, was diesem Volk seit der Zeit Jesu angetan wurde… Mitten in meinen Gedanken spricht mich ein älterer Herr an, bittet um Feuer. Er ist Israeli, nach der jüdischen Zeitrechnung beginnt mit dem heutigen Sonnenuntergang das neue Jahr, deshalb ist er gekommen, um auf den Grabsteinen einiger für ihn bedeutsamer Toten eine Kerze anzuzünden. Wir kommen in’s Gespräch. Ob ich schon in Israel gewesen sei, fragt er. Nein, antworte ich, erzähle ihm davon, daß ich immer an Silvester denke: »Wieder ein Jahr vorbei, und es hat wieder nicht mit einer Reise nach Israel geklappt.« Er lädt mich ein in sein Land. Ein weiterer Israeli kommt, sie unterhalten sich auf Hebräisch, ich wünsche ein glückliches neues Jahr und gehe meines Weges. 10 Minuten später bin ich am letzten Grabstein vorbeigegangen, gleite in eine Parkbank, rauche einen Zigarillo, starre ins Leere. Danach essen wir zu Mittag, besuchen andere Teile Prags, ich stolpere beinahe in den Trainer der tschechischen Fußballnationalmannschaft, Karel Brückner, hinein, der mir aus der Tür der Kapelle des Klosters Strahov entgegenkommt. Leider sind wir zu spät, das Kloster hat schon geschlossen. Den Besuch des theologischen und philosophischen Saales muß ich mir für den nächsten Besuch aufheben. Weit weg ist mittlerweile die Josefstadt. Die Frage bleibt: Wer sind heute die geringsten Brüder Jesu? Wem kann ich der Nächste sein?

Aber auch unbeschwerte Zeiten prägen die Zeit in Prag: Flanieren in der Innenstadt, über die Moldau schlendern, am Straßenrand die Niederlage Frankreichs gegen Schottland erfreut miterleben, den Aussichtsturn besteigen, in kleinen Antiquariaten stöbern, immer wieder ein Latte in einem der zahlreichen Cafés. Lustig: Einmal bitte ich nach der Speisekarte in englischer Sprache („menu in English“), erhalte statt dessen das Menü des Tages. Nun ja, man ist ja höflich, also nicht beschwert, sondern gegessen. War ganz gut.

Viel zu schnell vergeht die Zeit. Wieder nur an der Oberfläche gekratzt. Ein letztes Mal auf die Karlsbrücke und das Panorama genießen. Wehmütig umdrehen und gehen. Kein Blick zurück. War ja kein Abschied. Denn klar ist: Ich komme wieder.

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Gedanken über das Buch Hiob oder: How (not) to speak of God

20. September 2007

Donnerstags von Prag heimgekommen hatte ich am Samstag während einer Wochenendfreizeit den Bibelarbeitsteil für 14-18jährige zu verantworten. Als Thema war von der Freizeitleitung »Halte durch« gewählt worden. Vormittags unterhielten wir uns in der Teeniegruppe über miese Erfahrungen im Leben und den Umgang mit ihnen. Als ich die Jugendlichen nach biblischen Personen fragte, von deren Erfahrungen wir evtl. profitieren könnten, fiel schnell der Name Hiobs, über dessen Geschichte wir dann ausführlich nachdachten. Dabei sind mir einige Gedanken gekommen, die ich an dieser Stelle festhalten möchte.

Die Vorgeschichte
Hinter den Kulissen läuft ein mieser Deal: Gott und Satan gehen eine Wette ein. Der Einsatz ist nicht bekannt. Gegenstand der Wette: Der gerechte Hiob. Satan meint, dieser diene Gott nur deshalb, weil er so gesegnet sei. Gott geht darauf ein und erlaubt Satan, Hiob Leid zuzufügen. Hiob verliert infolgedessen fast sein gesamtes Eigentum und seine Kinder, wird selbst schwer krank »mit bösen Geschwüren von der Fußsohle bis zum Scheitel«. Dabei versündigt er sich nicht, sondern hält an seiner Frömmigkeit fest, obwohl ihm seine Frau nahelegt, dem Vertrauen auf Gott abzuschwören.

Feine Freunde
Drei Freunde Hiobs hören von seinem Unglück und besuchen ihn, weinen mit ihm und teilen sieben Tage lang still seinen Schmerz. Danach hebt Hiob zu einer Klage an und verflucht den Tag seiner Geburt. Lieber wäre er gestorben, dann hätte er jetzt im Totenreich seine Ruhe. Seine Freunde klagen ihn an: Er habe irgendeine heimliche Sünde begangen, seine Weste sei nicht so rein, wie er tue, darum habe Gott ihn bestraft. Hiob beharrt auf seiner Unschuld, ja er würde gerne mit Gott vor Gericht treten, damit der ihm sagen könne, warum er einen Unschuldigen so bestraft habe. Für die Freunde ist das Blasphemie – Gott mache eben keine Fehler und wisse genau, daß die Strafe, die Hiob ereilt hat, gerecht sei. Darum rufen sie Hiob zur Umkehr und Demütigung unter Gott auf. Wieder und wieder beteuert Hiob seine Unschuld, beklagt sein Unglück und appelliert an Gott. Danach tritt ein vierter Mann auf den Plan, der die Vorwürfe an Hiob nochmals wiederholt. Seine Aussage: Gott vergilt jedem nach seinem Tun und bestraft den, der es verdient hat.

Gottes Antwort: Fragen über Fragen
Gott antwortet Hiob, indem er Fragen stellt und seine eigene Größe Hiob gegenüberstellt: »Willst du mein Urteil zunichte machen und mich schuldig sprechen, daß du recht behältst? Hast du einen Arm wie Gott, und kannst Du mit gleicher Stimme donnern wie er?« Keine Erklärung. Gott gewährt Hiob keinen Blick hinter den Vorhang. Er sagt nicht: »Hör mal, ich hatte da eine Wette am Laufen…«. Der Blick auf die Größe Gottes läßt Hiobs Fragen und Anklage verstummen. Hiob spricht sich schuldig und tut Buße in Sack und Asche.

Wie man (nicht) von Gott reden sollte
Die überaus überraschende Wendung geschieht am Ende:

Als nun der Herr diese Worte mit Hiob geredet hatte, sprach er zu Elifas von Teman: Mein Zorn ist entbrannt über dich und über deine beiden Freunde, denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob. So nehmt nun sieben junge Stiere und sieben Widder und geht hin zu meinem Knecht Hiob und opfert Brandopfer für euch; aber mein Knecht Hiob soll für euch Fürbitte tun; denn ihn will ich erhören, daß ich nicht töricht an euch handle. Denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob. (Hiob 42,7f)

Das ist für mich der eigentliche Hammer des Buches: Hiob wird gerechtfertigt. Seine Freunde aber, die so genau zu wissen schienen, wie Gott handelt, werden gerügt. Sie haben Mist erzählt, Hiob nicht.

Gott ist doch wieder anders!
Nein, Gott ist nicht derjenige, der mit Argusaugen im Leben der Menschen, die mit ihm und für ihn leben, nach Spuren der Sünde sucht, um diese sofort zum Anlaß für eine Strafe zu nehmen. Frag nach bei Abraham in Ägypten, bei David in mehreren Situationen oder bei der Petze Joseph. Er führt seine Leute anders, individuell, oft durch krasse Tiefen hindurch, für die wir keine menschliche Erklärung haben. Glücklich der Mensch, der wie Joseph zu seinen Brüdern sagen kann: „Ihr gedachtet es böse zu machen, der HERR aber gedachte es gut zu machen!“ Ambivalent war das bei Hiob. Natürlich war er nach der Prüfung doppelt so reich als vorher, hatte sieben Söhne und drei Töchter, von denen letztere als die Schönsten weit und breit galten. Toller Trost, denke ich sarkastisch. Jeder Vater wird seine Kinder für die Schönsten halten. Und wenn Hiob hundert Kinder gehabt hätte – das macht diejenigen, die ihm weggerissen wurden, nicht wieder lebendig… Und – na klar – da gibt es noch diejenigen, bei denen es auf dieser Erde nicht wirklich gut ausgegangen ist. In der Ruhmeshalle der Gläubigen im elften Kapitel des Hebräerbriefes werden nach all den glorreich siegreichen Überwindern noch weitere Glaubenshelden genannt:

Andere aber sind gemartert worden und haben die Freilassung nicht angenommen, damit sie die Auferstehung, die besser ist, erlangten. Andere haben Spott und Geißelung erlitten, dazu Fesseln und Gefängnis. Sie sind gesteinigt, zersägt, durchs Schwert getötet worden; sie sind umhergezogen in Schafpelzen und Ziegenfellen; sie haben Mangel, Bedrängnis, Misshandlung erduldet. Sie, deren die Welt nicht wert war, sind umhergeirrt in Wüsten, auf Bergen, in Höhlen und Erdlöchern.

Auch so kann es aussehen, wenn wir »im Triumphzug Christi mitgeführt« werden. Nein, es wird nicht immer prickelnd laufen. Wir werden nicht immer von großen Siegen berichten können. Und schon gar nicht werden wir das Handeln und Wesen Gottes in einem Satz ausdrücken können. Die Freunde Hiobs lagen falsch. Ob die Vorstellungen, die wir uns von Gott machen, ihm mehr entsprechen? Gut ist, daß »das Wort Fleisch wurde« und Gott »zuletzt zu uns geredet hat im Sohn«. Gut ist auch die Verheißung, daß »bei denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten zusammenwirken«. Das ist doch schonmal was.

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Wie ist die Bibel zu verstehen? und Was kommt am Ende?

18. September 2007

In den Kommentaren zu meinem Post über Eschatologie, Protologie und Hermeneutik hat sich ein interessanter Austausch zum Verständnis der Bibel entwickelt. Können wir das eigentlich alles wörtlich nehmen, was da steht? Können wir das AT heute noch so verstehen, wie z.B. Jesus und Paulus es verstanden haben? Oder sind wir als Menschen des 21. Jahrhunderts nicht eigentlich schon viel weiter? Ich freue mich über den Austausch und lade Dich zu Deinem Beitrag ein.
Der Ausgangspunkt zu diesem Post war ein Nachdenken über Eschatologie, die Lehre von den »letzten Dingen« – also: Einerseits Tod und Leben nach dem Tod sowie Leben nach dem Leben nach dem Tod, aber auch darüber, was unter der »Wiederkunft Jesu« zu verstehen ist, wie diese vor sich geht und was davor und danach geschieht. Simon hat in der Zwischenzeit das Thema aufgegriffen und zu Diskussionbeiträgen aufgefordert. Mehr als das, was ich im erwähnten Post geschrieben habe, wird es in naher Zukunft von mir nicht geben, aber sollten Dich die Fragen der Eschatologie interessieren, dann lies Dir doch mal die Beiträge durch, welche Simon hier und hier verlinkt hat.

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[Urlaubslektüre] Karl-Heinz Ott: Ins Offene

18. September 2007

Die freie Zeit in Prag war knapp bemessen, darum mußte der obligatorische Urlaubsroman kurz ausfallen. Nur 138 Seiten zählt Karl-Heinz Otts 1998 erschienenes Debüt Ins Offene.
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„Ohne es zu kennen, hat man dieses Buch bislang vermißt“, so wird im Klappentext das DeutschlandRadio zitiert. Der Ich-Erzähler fährt in der Osterzeit zurück in sein oberschwäbisches Heimatdorf, weil er durch einen Assistenzarzt über den kurz bevorstehen Tod seiner Mutter in Kenntnis gesetzt wurde. Seinen Vater hat er nie gekannt, das Verhältnis zu Mutter und Großmutter war immer schwierig, aus dem dörflichen Käfig ist er so früh als möglich ausgebrochen. Nun geht es also zurück ins Enge. Das ganze Buch stellt eine monologische Reflektion dar; still und melancholisch vermischen sich in harten, kalten Sätzen Erinnerungen mit dem aktuellen Geschehen. Die Verbitterung ist mit Händen zu greifen, die schwere Vergangenheit allgegenwärtig, ihre Aufarbeitung gelingt nur mühsam. Zu vieles, was dem Erzähler unverständlich geblieben ist. Unbarmherzig rechnet er mit der Religiosität und kleindörflichen Kultur ab, beschreibt seine Lebenswelt in Worten, die mir schmerzhaft bekannt vorkommen. Zu den geschilderten Charakteren und geistigen Haltungen fallen mir sofort Gesichter ein, auch die erwähnten Örtlichkeiten habe ich sofort vor Augen. Viele Fragen wirft dieses kleine Buch auf; es ist flüssig und locker zu lesen, besitzt dabei enormen Tiefgang. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, der gescheiterten Beziehung zu seiner Mutter und deren Sterbeprozess haben mich berührt, hinterfragt und ins Nachdenken gebracht. Der Text auf dem Backcover läßt verlauten: „Mit großer Eindringlichkeit schildert [der Autor] die letzten Tage dieser Mutter und den Versuch des Sohnes, mit ihr ins reine zu kommen, ins »Offene« zu gelangen“. Gut getroffen; ich empfehle dieses Buch.

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[Foster] Vollmächtiges Gebet

14. September 2007

{Dies ist – wieder einmal nach langer Unterbrechung – der fünfundzwanzigste Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16| 17|18|19|20|21|22|23|24}

Gott hat das Gebet eingerichtet und damit seinen Geschöpfen die Würde gegeben, selbst zu schaffen. (Blaise Pascal)

Im vollmächtigen Gebet rufen wir den Willen des Vaters auf die Erde herab. In diesem Fall sprechen wir nicht so sehr zu Gott, sondern für Gott. Wir bitten Gott nicht darum, etwas zu tun, sondern wir verwenden die Autorität Gottes, um zu gebieten, daß etwas geschieht. Dies ist die Art von Gebet, die Gott benutzt, um in feindliches Territorium einzudringen und seine Herrschaft zu errichten.

Autorität verbunden mit Erbarmen

Ich habe festgestellt, daß die Exzesse im vollmächtigen Gebet meist daher rühren, daß Menschen es nicht schaffen, bei der Ausübung der Autorität Christi diese mit dem Erbarmen Christi zu verbinden. Viel zu oft denken wir, daß sich Vollmacht und Mitgefühl gegenseitig ausschließen, aber in Jesus waren sie auf schöne Weise miteinander vermählt. Autorität braucht das Mitgefühl, um nicht zerstörerisch zu werden. Erbarmen schafft den Raum, in dem Vollmacht angewandt werden kann.

Einsicht und Umsicht als Leitplanken

Wir brauchen ebenso die geistliche Gabe der Unterscheidung und die Kardinaltugend der Klugheit, um Leitplanken für die rechte Ausübung des vollmächtigen Gebetes zu haben. Unterscheidung ist die göttliche Fähigkeit, das zu sehen, was in Wahrheit abläuft und zu wissen, was in einer bestimmten Situation getan werden muß. Der beste Weg, mehr über die Unterscheidungsgabe herauszufinden, ist sich an Leute zu halten, die diese Gabe besitzen. Klugheit bzw. Umsicht ist nach C.S. Lewis der praktische Menschenverstand, der sich Zeit nimmt, über das eigene Handeln und dessen Resultate nachzudenken. Wir müssen weise und sensibel sein, so daß wir im Glauben nur dann gebieten, wenn es recht und angemessen ist.

Die Führung unseres Meisters

Wir müssen aber auch zuversichtlich sein, so daß wir das vollmächtige Wort dann auch sprechen, wenn es recht und angemessen ist. Jesus hat das gebietende Gebet ausgeübt und er hat dieselbe Autorität auch anderen, nämlich seinen Nachfolgern, übertragen.

Einige Ratschläge

Wenn die Kraft Gottes gegenwärtig ist, dann müssen wir keine Showeffekte benutzen, und wenn die göttliche Vollmacht fehlt, dann nutzen auch keine Verrenkungen. Oftmals erfahren wir eine außergewöhnliche Salbung des Heiligen Geistes in besonderen Situationen im Dienst. Während wir dem Bösen fest und entschlossen gegenübertreten, bleiben wir der Einzelperson gegenüber sanft und mitfühlend. Vollmächtiges Gebet ist kein Ersatz für ein diszipliniertes Leben. Im vollmächtigen Gebet tun wir gut daran, mit anderen verbunden zu bleiben. Während wir immer in der Kraft Gottes stark sein wollen, müssen unsere Anstrengungen in die tiefste Demut des Geistes getaucht sein.

Vom Himmel auf die Erde

Wir bringen die Ressourcen des Himmels in Verbindung mit einem besonderen Fall auf der Erde. Es ist sozusagen abwärts gerichtetes Gebet. Nicht allein Jesus wurde in eine Autoritätsposition über alle geschaffenen Dinge erhoben – wir sind auch dort platziert worden. Wir üben das vollmächtige Gebet von dieser himmlischen Autoritätsposition aus.

Den Krieg des Lammes führen

Als ein Mittel zum Voranbringen des Reiches Gottes richtet sich vollmächtiges Gebet gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis dieser Welt. Im vollmächtigen Gebet sind wir in den Kampf des Geistes gegen das Reich der Finsternis eingebunden. Ole Hallesby schreibt: »Die verborgene Gebetskammer ist ein blutiges Schlachtfeld. Hier werden gewaltsame und entscheidende Schlachten ausgetragen.« Das Reich der Finsternis zieht sich zurück, wenn wir die ganze Waffenrüstung Gottes tragen.

Unsere Autorität ausüben

Geistlicher Kampf ist nicht etwas, über das wir reden; es ist etwas, das wir tun. Wie tun wir das? Wir tun es, indem wir alle zerstörerischen Bindungen – bewußte und unbewußte – brechen, die über dem Leben der Menschen liegen. Wir tun das, indem wir die Autorität über Krankheit des Verstandes, des Körpers und Geistes brechen. Wir tun das, indem wir uns gegen jede „Höhe“ wenden, die unseren Fortschritt in Gott behindert. Wir tun es, indem wir Dämonen austreiben. Wir tun es, indem wir uns gegen alle soziale Bosheit und institutionelle Ungerechtigkeit wenden.

In dem starken Namen Jesu Christi stehe ich gegen die Welt, das Fleisch und den Teufel. Ich widerstehe jeder Kraft, die mich von meinem Zentrum in Gott wegziehen will. Ich weise die verdrehten Konzepte und Gedanken zurück, die Sünden plausibel und wünschenswert machen.Ich stehe auf gegen jeden Versuch, der mich von umfassender Gemeinschaft mit Gott abhalten will.
In der Kraft des Heiligen Geistes spreche ich direkt zu den Gedanken, Emotionen und Sehnsüchten meines Herzens und gebiete euch, in der unendlichen Mannigfaltigkeit Gottes Zufriedenheit zu finden anstatt des faden Speiseplans der Sünde. Ich rufe das Gute, Wahre und Schöne in mir zum Aufstieg und das Böse zum Abklang. Ich bitte um ein Anwachsen in Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.
In der Autorität des allmächtigen Gottes reiße ich die Festungen Satans in meinem Leben, in den Leben meiner Liebenden und in der Gesellschaft, in der ich lebe, nieder. Ich nehme in mich die Waffen der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Friedens, des Heils, des Wortes Gottes und des Gebets. Ich gebiete jedem Einfluß des Bösen zu gehen; ihr habt hier kein Recht und ich gewähre euch keinen Zutritt. Ich bitte um ein Anwachsen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, so daß ich durch die Kraft Gottes ein Licht auf einem Berg sein kann, das Wahrheit und Gerechtigkeit zum Blühen bringt.
Dies bitte ich im Namen dessen, der mich geliebt und sich selbst für mich gegeben hat.
Amen.

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[Wegmarken] Josua 18 – Die Verlosung des restlichen Landes

8. September 2007

Ganz Israel versammelt sich in Silo und richtet dort das Zelt der Begegnung auf. Sieben Stämme sind noch übrig, deren Erbe ihnen noch nicht zugeteilt war. Josua tadelt sie: „Wie lange seid ihr so lässig, daß ihr nicht hingeht und das Land einnehmt, das euch der Herr, der Gott eurer Väter, gegeben hat?“ Josua schickt aus jedem Stamm drei Männer in den noch nicht verteilten Rest Kanaans, die diese Region beschreiben und in sieben Teile teilen sollen. Das machen sie auch, kehren zurück, und Josua wirft das Los. Das erste Los ist das des Stammes Benjamin, dessen Territorium der Rest des Kapitels detailliert beschreibt.

Stell Dir doch mal vor, Gott würde zu Dir sagen: »Warum bist Du zu lässig, hinzugehen und das Land einzunehmen, das ich Dir gegeben habe?“ Was könnte er damit meinen und wie würdest Du reagieren?

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Scot über Teresa

8. September 2007

Sollte mein Post über das Buch von Mutter Teresa Dein Interesse geweckt haben, dann verweise ich Dich wieder mal auf Scot, der eine Reihe zum selben Buch begonnen hat.

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Frage und Antwort

5. September 2007

Fragen waren das Thema einiger der letzten Posts bzw. Diskussionen auf diesem Blog – darunter die Frage nach der Gegenwart bzw. Abwesenheit Gottes am Beispiel Mutter Teresas oder die Frage nach dem rechten Verständnis der Anfangskapitel der Bibel. Manchmal frage ich mich, ob wir nicht den tendenziell unwichtigeren Fragen zu viel Raum geben, weil wir uns versichern möchten, daß wir die richtigen Antworten bereits besitzen. Darum scheint es dabei am Ende des Tages gar nicht um die Frage, sondern um die bereits sichere Antwort zu gehen. Andere wiederum gehen davon aus, daß die Antwort im Fragen an sich liegt – es geht nur darum, alles in Frage zu stellen, weil das eben so sein muß, weil eben nichts sicher ist. Darum ist das einzige Gewisse der Zweifel. Und somit beißt sich das Kätzchen in’s Schwänzchen. Wer nur Fragen hat, hat schon auf seine Weise seine einfache Antwort gefunden. Und ob die Antwort in der propositionalen Aussage liegt oder aber in der pauschal dekonstruierenden Frage – beide Seiten machen, so zumindest mein Eindruck, die Antwort zu einfach. In den letzten Tagen bin ich auf einige Zeilen von Thomas Merton gestoßen, die es wert sind, nach-gedacht zu werden, scheint Merton doch zur Überzeugung gelangt zu sein, daß es um die entscheidenden Fragen geht. Um die nämlich, die es wert sind, verfolgt zu werden, umarmt zu werden, in mein Leben aufgenommen zu werden. Und das nicht, weil sie keine Antwort haben, sondern weil das Suchen, Fragen und Forschen nach Antworten, der bloße Umgang mit der Frage also, unser Leben transformiert.

Am Anfang, als ich Mönch wurde, ja, da war ich mir sicherer, über ‚Antworten‘ zu verfügen. Aber je älter ich im Mönchsleben werde und je tiefer ich in die Einsamkeit eindringe, desto deutlicher werde ich mir dessen bewußt, daß ich erst damit angefangen habe, die Fragen zu suchen. (Thomas Merton, Ein Tor zum Himmel ist überall, S. 119)

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Ein bißchen Prag muß sein

1. September 2007

Von Sonntag 9. bis Donnerstag 13. September werde ich einige Tage in der goldenen Stadt verbringen. Ich mag guten Kaffee ebenso wie kühles Bier und bin am Austausch über emergentes Gedankengut interessiert. Kennst Du jemanden in Prag, mit dem zu treffen sich anbieten würde oder bist Du selbst während dieser Tage in Prag? Dann freue ich mich über einen Kommentar.

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Eschatologie und Protologie – Gerade knabbere ich ein wenig an der Hermeneutik

1. September 2007

[Mal wieder ein Post, in welchem ich meine Gedanken-auf-dem-Weg sortiere und kein prinzipielles Statement raushauen will.]
In einem Kommentar zu meinem Post »New Perspective« Revisited hat Danny geschrieben:

Wenn man Wright liest, bekommt man oft den Eindruck, er würde vieles der Eschatologie (Himmel, Hölle, Endzeit) nicht ganz ernst nehmen, bzw. allegorisch auslegen.

Dem würde ich nur zum Teil zustimmen. Ich glaube, daß NTW diese Dinge sehr ernst nimmt, sie aber, wie Danny richtig sagt, anders auslegen. Nun bin ich bei Hans Küng auf ein Zitat gestoßen, das Vieles auf den Punkt bringt, an dem ich gerade herumknabbere.

Wie die Protologie keine nacherzählte Reportage früher erfolgter Ereignisse ist, so ist die Eschatologie keine vorausgenommene Reportage später erfolgender Ereignisse. Die sechs Schöpfungstage und die Erzählung von der Erschaffung des Menschen sind Bilder – so wissen wir heute -, die nicht den naturwissenschaftlichen Ablauf der Weltschöpfung beschreiben, die aber auch den heutigen Menschen die Herrlichkeit und Einzigkeit des Schöpfers und die Größe, Vielfalt und Güte seines Werkes künden. Ebenso können die aus den Propheten (besonders Isaias und Daniel) und der zeitgenössischen Apokalyptik übernommenen und nicht ohne weiteres Jesus selber zuzuschreibenden synoptischen Schilderungen des Weltendes, wo die Sterne vom Himmel fallen, die Sonne sich verfinstert und die Engel Posaune blasen, nicht den naturwissenschaftlichen Ablauf des Weltendes beschreiben, sondern die endzeitlich-endgültige Vollendung und Offenbarung der Gottesherrschaft als ein unser Begreifen übersteigendes, allein durch Gottes Macht herbeizuführendes Geschehen ankündigen. In diesen verschiedenen synoptischen (bzw. paulinischen) Schilderungen, die im übrigen keineswegs miteinander übereinstimmen, ist somit zwischen Bild und Sinn, Aussageweise und Aussageinhalt zu unterscheiden. (Quelle: Hans Küng, Die Kirche, S. 80f)

Nun, ich sehe die Dinge ein bißchen anders. Ich versuche, mir mein Bild von dem, was die Schrift sagt, anhand innerbiblischer Hinweise zu machen. Und da bin ich vorab zu nachfolgenden Gedanken gelangt.

Protologie – Über die »Urgeschichte«
Die Erzählung von der Erschaffung der Welt in Gen 1 und der Erschaffung des Menschen in Gen 2 schließt nahtlos an die Geschichte des Essens der Frucht vom verbotenen Baum und der Vertreibung aus dem Paradies an. Es erfolgt die Geschichte des Brudermordes in Gen 4, die Auflistung der Nachkommen Adams bis Noah in Gen 5, die Erzählung von den Gottessöhnen in Gen 6, die Geschichte über die Sintflut in Gen 6-8, Gottes Neuanfang und Bund mit Noah in Gen 9, die Völkertafel in Gen 10 und die Erzählung vom Turm in Babel in Gen 11. Diese elf Kapitel werden gemeinhin als die »Urgeschichte« bezeichnet. Manche Theologen betonen, daß es sich dabei um keine historischen Ereignisse handelt. Wichtig sei nicht, daß all dies so passiert ist, sondern was uns die Geschichten sagen wollen. Dieser Ansicht widerspricht meines Erachtens der gesamtbiblische Befund. Immer wieder tauchen die Namen der in der Urgeschichte handelnden Personen in Geschlechtsregistern auf, so z.B. den Anfangskapiteln des ersten Chronikbuches. Jesus selbst hat Noah und die Erzählung von der Sintflut als historisch angesehen, das belegt seine Aussage in Mt 24,38 (par Luk 17,27). Nach Mt 23,35 hat Jesus auch den Tod Abels als etwas tatsächlich Geschehenes angesehen. In der Galerie der Glaubenshelden werden sowohl Abel als auch Noah erwähnt. Damit ergibt sich für mich, daß alles, was ab Gen 4 in der Bibel erzählt wird, auch tatsächlich so geschehen ist.
Wie ist das aber mit Adam und Eva? Hat es die wirklich gegeben? In Luk 3,38 wird der Stammbaum Jesu bis auf Adam zurückgeführt. Damit ist seine Historizität in einer Weise belegt, die für mich als DoSi ausreichend ist. In Röm 5,12-19 schreibt Paulus darüber, daß durch die Übertretung eines Menschen Sünde und Tod in die Welt gekommen sind und der Tod von Adam an geherrscht hat. Damit ist für mich die gemeinhin als »Sündenfall« bezeichnete Episode belegt, die in Gen 3 geschildert wird. Daß Paulus an die Historizität dieses Ereignisses geglaubt hat, verdeutlicht auch noch 1Tim 2,14. Damit vertraue ich dem Zeugnis der Schrift und glaube daran, daß das Essen der verbotenen Frucht und die Vertreibung aus dem Paradies genau so geschehen ist, wie in Gen 3 berichtet wird.
Und wie ist das jetzt mit der Erschaffung der Welt und des Menschen? Ich glaube persönlich, daß es sich bei Gen 1 um eine Zusammenfassung der Schöpfungsfolge handelt und Gen 2 dann nochmals genauer die Erschaffung des Menschen beleuchtet. 1Kor 15,45 und 1Tim 2,13 lassen schließen, daß Paulus auch Gen 2 für historisch gehalten hat. Damit bin ich zufrieden. Etwaige kleinere Widersprüche zwischen den ersten beiden Kapiteln der Genesis bzw. andere Erkenntnisse der (Natur-)Wissenschaft lassen mich ruhig schlafen. Ich kann mit dem leben, was mir von der Schrift her als deutlich offenbart erscheint. Andere Menschen, die mit der »Urgeschichte« ihre Probleme haben und das anders sehen als ich, sind auch in Ordnung und »gute Christen«.
Mit meiner Position widerspreche ich allerdings Hans Küng. In meinem Verständnis handelt es sich bei der Protologie tatsächlich um eine »nacherzählte Reportage früher erfolgter Ereignisse«.

Eschatologie – Über die »letzten Dinge«
Was die Eschatologie anbelangt, bin ich mir allerdings ehrlich gesagt viel weniger sicher. Ich schwanke. Bislang habe ich die apokalyptischen Bilder Jesajas, Daniels und der Offenbarung immer literarisch gedeutet. Auch im zweiten Petrusbrief finden sich Stellen, die darauf hindeuten. Und ich glaube im Moment auch nicht daran, daß Gott diese Erde erneuern wird. Sondern ich glaube an eine Neuschöpfung. (Nebenbei: Als Grund für ein Engagement für die Belange der Umwelt genügt der Bewahrungsauftrag. Dazu brauche ich die Theologie der erneuerten Erde nicht.) Wenn in Offb 21 von einem neuen Himmel und einer neuen Erde gesprochen und die Aussage getroffen wird, daß der erste Himmel und die erste Erde vergangen sind, dann klingt das für mich eindeutig. Ich habe kein Problem damit, wenn andere das anders sehen, aber allein die Tatsache, daß es in der apokalyptischen Literatur des Judentums ähnliche Visionen gibt, muß meines Erachtens noch lange nicht heißen, daß einstmals nicht tatsächlich die Sterne vom Himmel fallen werden. Da ist noch zuviel vom reformatorischen Erbe in mir, als daß ich glaube könnte, daß es zum Verständnis der Bilder in den Propheten und der Offenbarung einen Spezialisten der jüdischen Apokalyptik bräuchte und sich der Sinn nicht auch einem Normalsterblichem mit offenem Herzen erschließen könnte. In diesem Sinne trete ich für claritas scripturae, die »Klarheit der Schrift« ein.

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