[Secret Message] Kapitel 2 – Die politische Botschaft Jesu
30. September 2007
[Dies ist der dritte Post über Brian McLaren's Buch The Secret Message of Jesus: Uncovering the Truth that Could Change Everything. Die Vorgänger: 1|2. Das vorliegende Kapitel gehört zu »Teil 1 - Ausgrabung: Unter der Oberfläche schürfen, um die Botschaft Jesu zu enthüllen«]
In der Rückschau habe ich das Gefühl, daß meine Herangehensweise an das Lesen der Bibel – mein Interpretationsmuster – mir geholfen hat, einige Dinge zu erkennen, mich aber für andere blind gemacht hat. Darum nun ein genauerer Blick auf die historische Situation zur Zeit Jesu.
Das jüdische Volk lebte seit Jahrhunderten unter Unterdrückung und Fremdherrschaft durch die Assyrer, die Babylonier, die Medo-Perser, die Griechen und jetzt die Römer. In den Augen der Juden erschien es falsch, zutiefst falsch, daß heidnische Nationen über ein Volk herrschten, das an den einen wahren und lebendigen Gott glaubte. Wie sollte man jetzt mit der römischen Besatzungsmacht umgehen? Unterschiedliche politische Bewegungen kamen zu unterschiedlichen Ansichten. Wurde der Sohn eines Zimmermanns gefragt, was denn seine Botschaft sei, dann antwortete er: »Ändert euer Denken. Die Herrschaft Gottes ist für alle greifbar. Glaubt an diese gute Nachricht! Das Reich Gottes ist für jeden zugänglich!« Später wird es dann klar: Dieser Mann ist nicht einfach ein weiterer Revolutionär; er ruft zu einer revolutionär neuen Art von Revolution auf.
Er stimmt mit den gewalttätigen Zeloten und den überfrommen Pharisäern (gegen die Herodianer, die sich an den Status quo halten) darin überein, daß der Status quo falsch ist und nicht für akzeptabel gehalten werden sollte. Er stimmt mit den Pharisäern und den Herodianern (gegen die Zeloten) darin überein, daß ein gewaltsamer Umsturz der Römer nicht die Lösung ist. Jedoch steht er auch in starkem Widerspruch zu den Pharisäern: Die Huren und Säufer können nicht zu Sündenböcken gemacht und die Ursache für die Gesamtsituation nur bei ihnen gesucht werden – statt dessen sollten sie geliebt und als Gottes geliebte Kinder angenommen werden. Vieles an seiner Botschaft ist auf frustrierende Weise unklar und paßt nicht in die bekannten Schubladen, klar aber ist: Dieser Zimmermannssohn aus Galiläa fordert jede existierende politische Bewegung zum radikalen Um- und Nachdenken über seine revolutionäre Alternative auf.
Was aber ist diese Alternative? Es geht darum, eine neue politische und soziale und geistliche Realität zu sehen, zu suchen, zu empfangen und in sie einzutreten. Er nennt sie die Herrschaft (oder das Reich) Gottes oder die Herrschaft (oder das Reich) der Himmel. Dieses Reich bedeutet für die Vorherrschaft Cäsars, die in Rom ihr Zentrum hat, eine direkte Herausforderung, weil im Reich Gottes nicht Cäsar, sondern vielmehr der Schöpfer die letzte Instanz ist und man seine eigene Identität, sein Bürgerrecht, nicht in Rom, sondern in einem geistlichen Gefilde, in der Gegenwart Gottes, findet. Wenn Du ein Teil dieses Königreiches bist, dann beginnst Du auf eine Weise zu leben, die andere für dumm und naiv halten. (Die andere Backe hinhalten? Die zweite Meile gehen? Gewalt mit Vergebungsbereitschaft, Opfer und Liebe besiegen? Also bitte – wach mal auf!) Wieder andere aber mögen in Deinem Lebensstil eine mutige und wilde Hoffnung sehen, die die Welt heilen und verändern könnte.
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