Der Sämann

Saatgut aus der Fülle des Lebens-mit-Gott







  • Buchtipps vom Sämann



    vernetzt mit Emergent Deutschland

    Das Buch vom Sämann Wie die Bibel Sinn macht

    Bücher mit dem Sämann In allen Städten und Dörfern Beziehungsweise Leben Zeitgeist
    Zeitgeist
  • Täglich Brot

    • Irisches Gebetbuch
    • Richard Foster, Dallas Willard, Walter Brueggemann (Hrsg.) – Renovaré Spiritual Formation Study Bible
  • Was ich höre

    • Bob Dylan – Nashville Skyline
    • Bon Iver – Bon Iver
    • Coldplay – Mylo Xyloto
    • Jens Böttcher – Viva Dolorosa
    • Johnny Cash – Bootleg Vol. 2: From Memphis to Hollywood
    • Johnny Cash – Bootleg Vol.3: Live Around the World
    • Johnny Cash – I Would Like to See You Again
    • Johnny Cash – Now, there Was a Song!
  • Was ich lese

    • Gustav Aulén – Das christliche Gottesbild in Vergangenheit und Gegenwart: Eine Umrißzeichnung
    • Manfred Scheuch – Historischer Atlas Deutschland: Vom Frankenreich bis zur Wiedervereinigung
    • Saul Friedländer – Das Dritte Reich und die Juden
    • Stephen R. Covey – The 8th Habit: From Effectiveness to Greatness
    • Thomas C. Oden und Cindy Crosby – Ancient Christian Devotional: A Year of Weekly Readings
    • William Shakespeare – The Complete Works
Egoload - Analytischer Denker

Emergent Village

Friend of Missional

Firefox

Falls dieser Blog nicht richtig angezeigt wird, klicke hier

Dieser Blog ist lizensiert unter einer Creative Commons 3.0-Lizenz

ecto

apple

Döner macht schöner!

Archiv für Juni, 2007

Was man lesen sollte

30. Juni 2007

„If you want to be a leader, you have to be a reader!“ so beginnt der aktuelle Post auf Kingdom People. Eine Überzeugung, die sich auch in mir festgesetzt hat – ich lese leidenschaftlich gerne und viel. Blogs sind ja schön und gut, aber meiner Ansicht nach ist die Blogosphäre geprägt von In-Themen, Meinungsmachern, Blendern, Pseudo-Erkenntnissen, etc. – selten treffe ich im weltweiten Netz auf einen Post, der wirklich lange hängen bleibt (und diesen Anspruch hat auch mein Blog nicht). Wie anders ist dagegen ein gutes Buch! Ansprechend formulierte Gedankentiefe, die zum Nachdenken anregt, mich begleitet und verändert. Aber welche Bücher aus der Fülle wählen? Da hilft nun der angesprochene Post, On Reading Widely, weiter. Dabei werden fünf Tipps gegeben und ausgeführt. Im Einzelnen:

1. Vergiß die Klassiker nicht – sie haben den Test der Zeit bestanden
2. Lies Buchbesprechungen – das wird Dir helfen, eine Auswahl zu treffen
3. Bleib nicht in Deiner Nische – laß Dich bereichern
4. Lies Bestseller – dann weißt Du, was viele Deiner Mitmenschen bewegt
5. Lies Romane – bzw. Lies Bücher, die Du normalerweise nicht lesen würdest – als Theologe lies Romane, als „Normalbürger“ packe Dir mal was mit Tiefgang auf den Nachttisch

Punkt drei hat es mir am meisten angetan. Ich zitiere:

Bleib nicht in Deiner Nische
Die Emerging Church und die Neuen Reformierten haben eines gemeinsam – beide Bewegungen lesen gerne bestimmte Autoren und Verlage. Geh auf eine Emerging Church Convention und Du wirst einen Haufen Leute treffen, die dieselben drei Bücher gelesen haben und sich nun bei Kaffee (oder Bier!) darüber unterhalten wollen. (…) Beide Bewegungen betonen die Wichtigkeit alter Bücher (Emerging wendet sich an die vor-mittelalterlichen Väter, die Reformierten konzentriert sich auf die Reformation). Aber keine Gruppe liest die anderen gut.
Laß Dich nicht nur in einen einzigen Strom der Christenheit hineinziehen. (…) Und noch ein Rat: Lies die Autoren, mit deren Position Du nicht übereinstimmst, nicht nur, damit Du ihre Argumente auseinander nehmen kannst. Lies gnadenvoll. Lies um zu lernen. (…) Spring in andere Ströme der Christenheit und laß Dich vom Schwimmen erfrischen!

Das ist mal ein Abschnitt, der mir aus der Seele spricht! Lieber Freund der Emergenz: Du mußt nicht alles glauben, nur weil N.T. Wright es sagt. Oder Brian. Oder Doug. Oder Moltmann. Oder Küng. Oder Padilla. Oder Bonhoeffer. Oder Newbigin. Ich mag die Jungs. Ich lerne von ihnen. Aber ich könnte nicht sagen, daß ich von Luther, Calvin, Wesley, Finney, Spurgeon, Arndt, Spener, Zinzendorf, Barth, Brunner, Rahner, C.S. Lewis, Tolkien, Chesterton und aktuell Kameraden wie z.B. C.Peter Wagner, Hybels, Warren und Driscoll weniger gelernt hätte. Warum immer Grabenkämpfe? Warum sind einige Autoren plötzlich uncool geworden? Warum gehen manche Blogger (inklusive meiner Wenigkeit) immer davon aus, alles durchschaut zu haben und alles besser zu wissen? Lies weit, lies breit, lies alle – prüf aber alles und das Gute behalte!

Wie stehst Du zum Lesen? Welche Anregungen hast Du?

Technorati Tags: ,

Abgelegt unter Aus dem Netz gezogen | Keine Kommentare »

10 Gebote für Autofahrer

24. Juni 2007

Eine gute Idee: Der Vatikan veröffentlicht 10 Gebote für Autofahrer. Nachzulesen in der SZ.

Technorati Tags: , ,

Abgelegt unter Aus dem Netz gezogen | Keine Kommentare »

[Foster] Für Heilung beten

22. Juni 2007

{Dies ist der dreiundzwanzigste Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16| 17|18|19|20|21|22}

Viele große und wunderbare Dinge wurden in jenen Tagen von der himmlischen Macht vollbracht, denn zum Erstaunen vieler entblößte der Herr seinen allmächtigen Arm und machte seine heilende Kraft offenbar, durch die viele von schweren Gebrechen erlöst wurden. (George Fox)

Heilendes Gebet gehört zum normalen Leben als Christ. Es sollte nicht über irgendeinen anderen Dienst in der Gemeinschaft des Glaubens erhoben werden, noch sollte es zu gering geachtet werden. Es ist schlicht ein Aspekt dessen, was es bedeutet, unter der Herrschaft Gottes zu leben. Dies sollte keine Überraschung für uns sein, da es sich hierbei um eine deutliche Bestätigung des inkarnatorischen Wesens unseres Glaubens handelt. Gott sorgt sich um den Körper genauso sehr wie um die Seele, die Emotionen oder den Geist. Die Erlösung in Jesus ist umfassend; sie bezieht jeden Aspekt der Person mit ein – Körper, Seele, Verstand, Wille, Gefühle, Geist.

Grenzenlose Vielfalt

Wir sind froh über die vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, die Gott benutzt, um seinem Volk Gesundheit und Wohlbefinden zu schenken. Dazu gehören Ärzte, Psychologen, Psychiater, Therapeuten und Menschen, welche darin wachsen, die heilende Macht Christi zu anderen zu bringen – zur Herrlichkeit Gottes und zum Besten aller Betroffenen. Die alten Hebräer sahen die Person als Einheit; es wäre für sie undenkbar gewesen, dem Körper zu dienen ohne gleichzeitig dem Geist zu dienen – und umgekehrt. Es mag Zeiten geben, in denen Gott uns leitet, uns nur auf Gebet zu verlassen. Aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Die Weigerung, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, kann ein Akt des Glaubens sein – viel öfter handelt es sich dabei um einen Ausdruck geistlichen Stolzes. Im Normalfall sollten wir gleichzeitig und mit demselben Eifer Gebet und ärztliche Hilfe suchen, denn beides sind Gaben Gottes.

Kleine Anfänge

[Foster erzählt seine persönlichen Erfahrungen mit dem Gebet um Heilung. Dabei sagte eine ältere Dame, mit der er zu tun hatte, zu ihm:] Wenn Du damit beginnst, um Heilung zu beten, dann fang‘ nicht mit den schwierigsten Fällen an … wie Krebs oder Arthritis. Statt dessen beginne auf einfachere Weise.

Die verwirrende Frage

Wie gehen wir damit um, daß nicht jeder geheilt wird, für den gebetet wird? Jesus ist der einzige, von dem gesagt werden kann: „Er heilte sie alle“ (Mt 12,15). Die direkteste Antwort auf diese verwirrende Frage ist: „Ich weiß es nicht.“

Einerseits ist heilendes Gebet unglaublich einfach, wie ein Kind, das seinen Vater um Hilfe bittet. Andererseits ist es unglaublich komplex, handelt es sich dabei doch um das verknotete Zusammenspiel zwischen Menschlichem und Göttlichem, zwischen Verstand und Körper, zwischen Seele und Geist, zwischen Dämonen und Engeln. Wir leben in einer gefallenen Welt, wo Krankheit, Leiden und Schmerz zum Existenzmuster gehören. Manchmal stellen wir eine falsche Diagnose und beten z.B. um körperliche Heilung, wenn das wahre Bedürfnis emotionale Heilung ist. Manchmal vernachlässigen wir natürliche Wege wie gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Sport. Manchmal erkennen wir Medizin nicht als eine Weise an, auf die Gott heilt. Manchmal beten wir nicht spezifisch genug oder dringen nicht zur Wurzel des Problems durch. Manchmal sind wir kein adäquater Kanal für den Strom von Gottes Liebe und Kraft, weil Glaube und Mitgefühl nicht weit genug in uns entwickelt sind. Manchmal ist Sünde in unserem Leben, die Gottes Wirken hindert. Ich könnte noch weiter machen, denn die Gründe, warum evtl. keine Heilung geschieht, sind unzählig. Aber was immer die Gründe sind, es ist eine traurige Tatsache, daß wir manchmal jemandem gegenüberstehen, für den wir gebetet haben, und der nicht geheilt wurde. Was sollen wir dann tun?

Nun, zunächst einmal will ich Dir sagen, was wir nicht tun. Unter keinen Umständen sollten wir denen, die Gebet empfangen haben, sagen, daß es ihre Schuld sei: Daß ihnen der Glaube fehlt, oder daß Sünde in ihnen ist, die das Gebet behindert oder irgend etwas in dieser Richtung. Wenn wir jemandem die Schuld geben wollen, dann lieber uns selbst – vielleicht ist es unser Mangel an Glauben oder unsere Sünde, die den Strom von Gottes Gnade und Barmherzigkeit aufhält. Eigentlich geht es auch gar nicht darum, wer schuld ist. Es ist einfach so, daß wir über heilendes Gebet lernen, und dabei gibt es Vieles, was wir nicht verstehen. Das einzige, was wir tun sollen, ist Mitgefühl/Erbarmen zu zeigen.

Hände auflegen

Das Auflegen der Hände ist eines der elementaren Dinge im Evangelium, ohne das wir nicht zur Reife gelangen können (Hebr 6,1-6). Das Auflegen der Hände allein heilt den Kranken nicht – Christus heilt den Kranken. Das Auflegen der Hände ist einfach ein Akt des Gehorsams, der unseren Glauben beschleunigt und Gott die Möglichkeit gibt, Heilung zu übertragen. Oftmals wird man auch das Salben mit Öl mit einbeziehen und damit dem Rat von Jakobus 5,14 folgen.

Konkrete, direkte Schritte

Als Erstes hören wir zu. Dies ist der erste Schritt zur Einsicht. Wir hören den Menschen zu und wir hören auf Gott. Manchmal teilen uns die Leute ihre tiefsten Bedürfnisse zufällig und beiläufig mit. Aber wenn wir zuhören, wirklich zuhören, dann steigt oft in uns ein inneres „Ja“ auf, die göttliche Einladung zum Gebet. Wir hören auch auf Gott, bitten ihn, uns den Schlüssel zum Problem zu zeigen. Dieser kommt bisweilen in einer direkten Offenbarung, manchmal beim Hören auf die Worte zwischen den Zeilen, und manchmal ist es eine Mischung aus beidem.

Als Zweites bitten wir. Dies ist der Schritt des Glaubens. Wenn wir über das, was gebraucht wird, Klarheit haben, laden wir Gottes Heilung ein, zu kommen. Wir deklarieren klar und direkt, was sein soll. Wir schwächen unser Anliegen nicht mit „wenns“ und „abers“ ab.

Als Drittes glauben wir. Dies ist der Schritt des Vertrauens. Wir glauben mit unserer ganzen Person: Körper, Verstand, Geist. Bisweilen müssen wir mit dem Vater des dämonisierten Kindes bekennen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24). Aber unabhängig davon, ob wir uns stark oder schwach fühlen, denken wir daran, daß unser Vertrauen nicht auf unserer Fähigkeit, ein besonderes Gefühl herbeizuzaubern, basiert. Statt dessen verlassen wir uns in fester Zuversicht auf die Treue Gottes.

Als Viertes danken wir. Dies ist der Schritt der Erkenntlichkeit. Schlichte Höflichkeit bringt uns dazu, für das zu danken, was wir erbeten haben.

Gesunder Skeptizismus und heilsamer Glaube

Vielleicht stehst Du dem Gebet um Heilung immer noch skeptisch gegenüber. Das ist nicht ganz schecht – es gibt einige in unseren Tagen, denen etwas gesunder Skeptizismus ganz gut tun würde. [Foster erzählt von Augustinus, der den Wert des Gebets um Heilung anzweifelte. Je mehr Heilung er allerdings miterlebte, desto mehr änderte sich seine Haltung.] Mögen wir – wie Augustinus – unseren gesunden Skeptizismus in heilsamen Glauben tauschen, wenn wir das demütige Zeugnis derer, die eine heilende Berührung Gottes empfangen haben, hören.

Mein Herr und mein Gott,
mir fallen tausend Argumente gegen heilendes Gebet ein.
Du bist das einzige Argument, das dafür spricht. … Du gewinnst.
Hilf mir, ein Kanal zu werden, durch den Deine heilende Liebe zu anderen fließen kann.
Um Jesu willen.
Amen.

Abgelegt unter Spiritualität | 1 Kommentar »

Saviour Machine und die Offenbarung des Johannes

20. Juni 2007

Da ich Morgen über die Offenbarung des Johannes sprechen werde, habe ich mich in den letzten Tagen und insbesondere gestern mit dem letzten Buch der Bibel auseinandergesetzt. Es zählt zu meiner Favoriten (neben Jesaja, Johannes, Psalmen, Hohelied). Eigentlich, so scheint mir, sollte dieses Buch nur auf den Knien gelesen werden. Seit meiner Kindheit bin ich fasziniert von der gewaltigen Schau, die (wie ich glaube) dem Apostel Johannes zuteil geworden ist. Es ist ein Vorrecht, sich tagelang in ein biblisches Buch hineinzubohren, nachzudenken und zu staunen. Es erstaunt mich immer wieder neu,

  • wie mächtig Gott ist
  • daß Gott sich in kein menschliches, biblisch-theologisches „Gottesbild“ pressen läßt
  • daß eine Theologie des Wohlstandsevangeliums keinen Platz in der Bibel zu haben scheint
  • daß derselbe Jesus, der im Staub der Straße gelaufen ist und an’s Kreuz geschlagen wurde, (nach meiner Auslegung) dereinst herrlich wiederkommen wird
  • wie leicht es sich manche Theologen mit diesem Buch machen, und genau zu wissen scheinen, wie es auszulegen ist (egal ob „Finale“ oder „alles bloß apokalyptische Bilder“)
  • welch Tiefe der Sprache und welches Gewicht der Worte dieses Buch ausmachen
  • wie in der Offenbarung angebetet wird – die Worte und die Gesten hinterfragen Vieles der zeitgenössischen Gemeindekultur
  • wie so unendlich viele alt- und neutestamentliche Fäden zusammenlaufen
  • was es in Texten, die ich so oft gelesen habe, ja eigentlich auswendig kenne, zu entdecken gibt

Ich frage mich, ob

  • ich je die Zeit haben werde, einen Kommentar über dieses Buch zu verfassen, was ein Kindheitstraum von mir ist
  • wir uns in der Gestaltung von Gemeinde und in unserer Vorstellung des Reiches Gottes nicht mehr von Offb 21-22 leiten lassen sollten, als es bislang der Fall ist
  • es gut oder schlecht ist, daß Gott uns keinen Endzeitfahrplan schenkt
  • wir je für uns die Konsequenz daraus ziehen werden, daß der Löwe von Juda als geschlachtetes Lamm überwunden hat
  • ob wir angesichts der Posaunen, Zornesschalen, Siegel etc. und der in den Kapiteln 6-20 beschriebenen Ereignisse nicht die Enthüllung Jesu in Kapitel 1, die immens wichtige Botschaft an die Gemeinden in den Kapiteln 2 und 3, sowie das Bewußtsein, daß Gott auf dem Thron sitzt, regiert und seinen Plan ausführt – was in Kapitel 4f vermittelt wird -, zu leicht übersehen
  • es überhaupt ein biblisches Buch gibt, zu dem so viele vorgefaßte Meinungen existieren

Ein Geschenk, eine Freude, eine Leidenschaft, ein Rätsel ist dieses Buch für mich. Aus (fast) jeder Auslegungstradition, die mir in den letzten Jahren begegnet ist, habe ich etwas lernen können. Je mehr ich gelesen habe, desto tiefer erschließt sich mir die Komplexität dieses Buches. Und eigentlich keine der Fragen, die ich mir als Kind zur Offenbarung gestellt hatte, empfinde ich bislang als beantwortet. Es tut gut, klein zu sein und zu erkennen, daß ich dieses Buch nicht in meinen Kopf bekomme.

Begleitet hat mich dieser Tage wieder die Musik von Saviour Machine. Ich liebe das Schaffen der Jungs um Mastermind Eric Clayton und denke immer wieder wehmütig an das erste Konzert in Owen zurück – begleitet von 2-3mal jährlich anfallenden Selbstvorwürfen, das zweite nicht besucht zu haben. Glücklicherweise habe ich beide auf DVD im Regal stehen… Einen festen Platz am Karsamstag haben die Legend-Alben [I|II|III:1] – der „inoffizielle Soundtrack zum Weltende“. Ich liebe diese Trilogie und warte immer noch sehnsüchtig auf die Veröffentlichung von III:2, was auf den 07.07.07 angekündigt worden war. Ich genieße den Bombast-Sound dieser Progressive-Perlen in ohrenbetäubender Lautstärke, genieße es, ganze Abschnitte aus alttestamentlichen Prophetenbüchern und natürlich auch der Offenbarung laut mitzusingen – wenn ich diese Stellen vielleicht auch etwas anders anordnen/auslegen würde 😉 Ein Hochgenuß, diese Musik zu hören und währenddessen in die Apokalypse einzutauchen. Gerade bei der Auseinandersetzung mit diesem Buch wird mir ein Zitat neu wichtig, welches dem Frühwerk von Saviour Machine entstammt: „Unity cannot be based on doctrine“. Da ich aber gerade bei der Offenbarung bin, folgen nachstehend unkommentierte Passagen aus der Legend-Trilogie:

A Prophecy
I Saw A Lamb Standing
As Though It Had Been Slain;
Seven Horns And Seven Eyes Remain.
The Son Of Man, The First Born Of The Dead
Knowledge Will Pass Through Him
In A Veil Bound In Ashes

Blessed Are Those Who Hear
Keep What Is Written For The Time Is Near.
He Who Has An Ear, Let Him Hear
The Footsteps Of Christ
As He Approaches The Doors Of Heaven To Return. (…)

Legend I:I
I Will Show You What Must Take Place
I Who Speak To You Am He
I Am The Alpha And The Omega
I Am The First And The Last, I Am Alive
I Am The Blood Of The Lamb, I Am Life

I Am The Son Of Man
The First Born Of The Dead
I Have The Keys Of Life And Death

I Am Why A Legend Is Born

I Am Coming With The Clouds Of Heaven
And Every Eye Shall See
Through The Darkness Of The Night
I Am The Light Of The World, Come To See
I Am The King Of Kings, Follow Me

He Who Believes In Me
Shall Live Beyond The Dead
For I Am With You Until The End. (…)

The Woman
She Is The Star Shining At The Center Of The Earth.
She Is Alive, Crying For Her Children To Return.
The Bride Awaits The Promise Of The Prophets To Carry Her Away.

Born Again, The Blood Of Men.
The Desert Rejoice, Blossom As The Rose.

She, Israel.
She, Israel.
She Is The Heart Of It All, Bride Of The Lamb,
Start Of The Fall, Her Time Is At Hand. (…)

Ten – The Empire
The Beast Shall Rise From The Sea Of Nations.
Aligned For The Sign Of The Times.

Ten Kings Will Stand,
Ten Nations Will Command
The Empire Of Dreams.
One Peace, One Land.
One Beast, One Man. (…)

Antichrist II: The Balance Of Power
(…)
He Shall Reign Through Fallen Angels,
And Make War Against The Saints, As He Feasts Upon The Martyrs,
The Blood Of Children Rains…
He Shall Fall Upon The Chosen
And Divide The Land For Gain; Twelve-Hundred-Sixty Days;
Israel Betrayed… (…)

The Martyrs Cry
Lord, God, Free Us, We Have Been Caught In The Lie
Save Us, Jesus, We Seek Asylum In Your Eyes…
As They Feast On Our Blood
Vengeance Come, Open The Heavens Above…

Under The Altar The Souls Of The Martyrs;
Slain For The Word Of God…

Lord, How Long?
Lord, When Will It End?
When Shall Thee Avenge Our Deaths? (…)

The Holy Spirit
Only In The Spirit Can We Truly Understand
The Blessed Hope Within; We Are Born Again…
In The Hope And The Glory, Our Crown Of Rejoicing,
By One Spirit We Are Baptized Into His Eyes,
Into One Mind, Into One Body; Divine…

Here Is The Call For The Strength
And The Faith Of The Saints…

The Ancient Serpent
Ten Horns Arise; The Seven Heads
Upon It’s Crowns And Diadems
It’s Tail Swept Down Unto The Earth
The Stars Of Heaven; A Third Have Turned…

The Fall Of Babylon
(…)
The Angel Took The Stone
And Threw It Into The Sea
Saying:, „Thus With Violence
Babylon Shall Be Thrown Down
And Shall Not Be Found Anymore.“

The End Of The Age
From The Dawn Of Time
Man Has Always Sought Peace
But War Has Been The Terror Of His Legacy
The Horror Of His Fate
The Final Hours Of History…

For As Long As Man
Stands At War With His God
He Will Be Condemned To Stand At War
With Himself And His Seed
Behold, The Greatest Conspiracy…

For I Have Seen Hell And The Torment Of The Damned
In The Day Of Evil, In The Dying Hour…

In The Balance Of Power
And The Origin Of Fate
Lies The Sovereignty Of Man
In The Doctrine Of Hate…

The Hour Of Redemption Is Upon Us
And The Day Of Judgement Will Bring
The End Of The Dream
The End Of The Nightmare
The End Of All The Days
The End Of The Fighting
The End Of The Rage
That Lies In Our Mortal Remains
At The End Of The Age.

Wenn ich mir noch etwas wünschen darf: Bitte Legend III:2 schnell auf den Markt und ein letztes Konzert mit Saviour Machine in Deutschland.
Und an die Gemeinde: Laßt uns Jesus morgen zurückerwarten, aber gleichzeitig so verantwortlich leben, daß unser Ökoystem und unsere globalen Nächsten durchatmen können.

Technorati Tags: , ,

Abgelegt unter Aus dem Leben | Keine Kommentare »

Emerging Church Stuff

12. Juni 2007

Heute drei Empfehlungen:

(1) Eines der besseren Podcast-Programme, Theology Unplugged, hat sich in sieben ca. halbstündigen Episoden mit dem Thema „Emerging Church“ beschäftigt. Zwei Theologen vom Dallas Theological Seminary zeichnen – unterstützt von einem Moderator – ein recht adäquates Bild des US-amerikanischen Teils unserer Bewegung. Zwar auf englisch, aber humorvoll, leicht verständlich und sehr informativ. Du mußt nicht Theologie studiert haben, um dabei folgen zu können. Darum empfehle ich diese Serie. Was mir sehr gefällt, ist, daß diese Jungs von einer Außenperspektive her kommen, zunächst einmal verstehen wollen, worum es bei EC geht, super viel Positives herausheben, genauso aber auch kritische Anfragen haben.

(2) Meine Generation lebt, tickt und funktioniert anders als die vorherigen. Und hat vielleicht gerade auch deswegen ein anderes Gemeindeverständnis. Vieles von meinem MindSet habe ich einem Artikel wiedergefunden, der wohl vor einiger Zeit in der Zeitschrift dran erschienen war. Viel Spaß mit Confessions of a postmodern mind.

(3) In eigener Sache: Solltest Du vor einiger Zeit meine Exiles-Beiträge gelesen haben und das ganze aufgrund des Umfangs gerne am Stück haben wollen, dann gibt es beim Emergenten Gedankengut nun die gesamte Serie als pdf zum Download.

Technorati Tags:

Abgelegt unter Aus dem Netz gezogen | Keine Kommentare »

[Foster] Fürbittegebet

11. Juni 2007

{Dies ist der zweiundzwanzigste Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16| 17|18|19|20|21}

Fürbittendes Gebet ist das reinigende Bad, in welches der Einzelne und die Gemeinschaft täglich eintreten müssen. (Dietrich Bonhoeffer)

Wenn wir die Menschen wirklich lieben, dann wünschen wir uns viel mehr für sie, als wir ihnen geben können, und das wird uns in’s Gebet führen. Fürbitte ist eine Möglichkeit, andere zu lieben. Im andauernden Werk des Reiches Gottes ist nichts wichtiger als fürbittendes Gebet. Als Priester, die von Gott eingesetzt und gesalbt wurden, haben wir die Ehre, im Interesse anderer vor den Höchsten zu treten. Dies ist keine Option, sondern die heilige Pflicht – und das köstliche Vorrecht – aller, die das Joch Christi auf sich nehmen.

Weil Jesus als ewiger Priester vor dem Thron Gottes steht, können wir mit ganz neuer Autorität für andere beten. Unser Dienst der Fürbitte ist nur aufgrund des beständigen Fürbittedienstes Christi möglich.

Im Namen Jesu

Im Namen Jesu zu beten bedeutet, in der vollen Gewißheit des großen Werkes zu beten, das Christus vollbracht hat – in seinem Leben, mit seinem Tod, durch seine Auferstehung und durch sein andauerndes Regieren zur rechten Hand Gottes, des Vaters. Im Namen Jesu zu beten bedeutet, daß wir in Übereinstimmung mit dem Weg und der Natur Christi beten. Es bedeutet, daß wir solcher Art Fürbitte tun, wie er es tun würde, wenn er im Fleisch unter uns wäre. Wir sind seine Botschafter, von ihm beauftragt. Uns ist sein Name gegeben worden, damit wir ihn in seiner vollen Autorität benutzen. Darum muß unser Gebet mit seiner Natur übereinstimmen.

Wie beten wir also im Namen Jesu, in Übereinstimmung mit seiner Natur? Jesus selbst sagt: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.“ (Joh 15,7) Dieses „in-Jesus-bleiben“ ist die entscheidende Bedingung für wirkungsvolles Gebet. Es ist der Schlüssel zum Gebet im Namen Jesu. Wenn wir lange genug im Weg Jesu leben, können wir Evangelium riechen. Darum bitten und tun wir das, von dem wir wissen, daß er es bitten und tun würde. Du könntest jetzt vielleicht fragen: Wie können wir wissen, was er tun würde? Nun, wie weiß ein Ehepaar, das viele liebende Jahre verheiratet ist, was der andere denkt und möchte und fühlt? Wir erkennen, wie wir erkannt sind. Und so beten wir im Namen Jesu.

Ausdauer, die überwindet

Wenn wir für andere zu beten beginnen, stellen wir schnell fest, daß es leicht ist, sich von den Ergebnissen entmutigen zu lassen, die so frustrierend langsam und ungleichmäßig zu kommen scheinen. Das liegt daran, daß wir diese seltsame Mischung von göttlichem Einfluß und menschlicher Autonomie betreten haben. Gottes Weise ist wie Regen und Schnee, die sanft zur Erde fallen, im Boden verschwinden und ihn nähren. Zur rechten Zeit wächst neues Leben auf. Keine Manipulation, keine Kontrolle; vollkommene Freiheit. Das ist Gottes Art (Jes 55,8-11).

Zu Flehen bedeutet, mit Ernsthaftigkeit, mit Intensität, mit Ausdauer zu bitten. Es ist eine Erklärung, daß es uns mit dieser Gebetssache todernst ist. Wir werden daran festhalten und nicht aufgeben. So wie Gott in unsere Spiritualität Kondition und Stehvermögen einwebt, müssen wir es heute lernen, die ewige Flamme des Gebets auf dem Altar der Hingabe brennen zu lassen.

Organisiertes, gemeinsames Fürbittegebet

Gott möchte Einzelpersonen und Familien zum rettenden Glauben bringen. Gott möchte Menschen freimachen von Abhängigkeit an Drogen, Sex, Geld, Status. Gott möchte Menschen von Rassismus, Sexismus, Nationalismus und Konsumerismus befreien. Gott möchte ganze Städte und Dörfer zum Vertrauen an das Evangelium bringen. Organisiertes, gemeinsames Fürbittegebet ist ein entscheidendes Mittel zur Erfüllung dieser Wünsche im Herzen Gottes.

Zum Wohle anderer

Es gibt so viele Zugänge zur Fürbitte, wie es Menschen gibt. Manche schreiben sich Listen mit Menschen [oder Anliegen], für die sie regelmäßig beten wollen. Ich selbst [Richard Foster] bete zunächst für meine unmittelbare Familie und warte dann still, bis mir spontan Einzelpersonen oder Situationen bewußt werden. Dann lege ich diese vor Gott hin und versuche zu hören, ob ich eine besondere Einsicht bekomme, die den Inhalt des Gebetes bestimmt. Anschließend spreche ich das aus, was mir am Passendsten erscheint und vertraue darauf, daß Gott zuhört und antwortet. Nach der lauten Fürbitte warte ich eine Zeit lang und lade den Heiligen Geist ein, „mit unaussprechlichem Seufzen“ durch mich zu beten. Ich bleibe so lange bei einer bestimmten Person oder Situation, bis ich mich von dem Gebetsanliegen entlassen fühle. Während dieser Zeit mache ich mir vielleicht kurze Notizen in mein Gebetstagebuch, wenn ich empfinde, daß mich der Geist Gottes unterweist. Diese Notizen sind oft sehr hilfreich, da im Laufe der Zeit ein Muster von den Bedürfnissen dieser Person entsteht, das dann die Richtung zukünftiger Fürbitten anregt.

Gnädiger Heiliger Geist,
so Vieles in meinem Leben scheint sich um meine Interessen und mein eigenes Wohlbefinden zu drehen. Ich würde gerne einmal nur einen Tag lang leben, an dem alles, was ich tue, jemandem außer mir dient. Vielleicht ist das Gebet für andere ein Anfang. Hilf mir, das zu tun, ohne Lob oder Belohnung zu erwarten.
Im Namen Jesu.
Amen

Abgelegt unter Spiritualität | Keine Kommentare »

Entwicklungshilfe für Afrika – Pro und Kontra

9. Juni 2007

60 Milliarden haben die Teilnehmer des kürzlich zu Ende gegangen G8-Gipfels in Heiligendamm Afrika zugesichert. Es reicht nicht, sagen viele. Völlig anderer Meinung ist James Shikwati aus Kenia. Er fordert „Stellt die Entwicklungshilfe ein!“ Weitere Zahlungen sind seiner Ansicht nach kontraproduktiv, denn bei freiem Zugang zum Weltmarkt könne sich Afrika selbst helfen. Seinen (gekürzten) Artikel von 2006 kannst Du hier nachlesen.

Technorati Tags: , ,

Abgelegt unter Aus dem Netz gezogen | 5 Kommentare »

[The Forgotten Ways] Übersicht

5. Juni 2007

Dieses Buch ist Ende des Jahres 2006 erschienen und hat mich im Review das erste halbe Jahr 2007 begleitet. Ähnlich wie Michael Frost’s Exiles fühlt es sich für mich jetzt schon wie ein Klassiker an. Zusammen mit Frost hatte Alan Hirsch zuvor das wunderbare The Shaping of Things to Come verfaßt. Alan Hirsch erzählt zunächst seine eigene Geschichte als Leiter einer Gemeindebewegung und untersucht dann zwei Phänomene: Die Urgemeinde biblischer und nachbiblischer Zeit sowie die schnell wachsende chinesische Untergrundkirche unserer Tage. Dabei legt Hirsch die „missionale DNA“ frei, deren Elemente zusammen den „Apostolischen Genius“ ausmachen, „the built-in life force and guiding mechanism of God’s people“. Apostolischen Genius zu beschreiben und für die Gemeinde des westlichen Kulturkreises nutzbar zu machen, ist das Ziel dieses Buches, über das Leonard Sweet urteilt:

Hirsch hat die Formel entdeckt, welche die Geheimnisse des ekklesialen Universums aufschließt – ganz so, wie Einstein’s einfache Formel aus drei Buchstaben und einer Zahl (E=mc²) die Geheimnisse des phyikalischen Universums aufgeschlossen hat. Es gibt einige Bücher, die gut genug sind, um sie bis zum Ende zu lesen. Aber es gibt nur wenige Bücher, die gut genug sind, um sie bis an’s Ende der Zeit zu lesen. The Forgotten Ways ist eines von ihnen.

Zu Beginn war ich etwas reserviert ob der „Ich hab’s jetzt endlich rausgefunden und alles was vor mir war, kannst Du eh vergessen“-Sprache, die Alan manchmal verwendet. Danach kam die Desillusionierung aufgrund der Erkenntnis, daß das, was Hirsch zu Beginn präsentiert, alles andere als neu ist. Mit zunehmender Lesezeit allerdings hat mich das Buch immer mehr begeistert. Oftmals mußte ich beim Lesen mit dem Kopf nicken; insbesondere die Kapitel über den Missional-Inkarnatorischen Impuls, das Apostolische Umfeld, Organische Systeme und Communitas haben viel in mir zum Klingen gebracht. Für mich ist The Forgotten Ways zusammen mit Exiles die ideale Fortsetzung von The Shaping of Things to Come – drei geniale Bücher, die genau zur rechten Zeit erschienen sind und mein Verständnis von Gemeinde entscheidend beeinflußt und mir einen neuen Deutungsrahmen geschenkt haben.

Hier nochmals die Links zu den einzelnen Posts. Ab sofort sind diese auch zugänglich über die Unterseite zu The Forgotten Ways.
Appetizer/Vorwort

Sektion Eins: Wie ein Missionar gemacht wird

Einführung

Die Weichen stellen, Teil 1: Bekenntnisse eines frustrierten Missionars
Die Weichen stellen, Teil 2: Denominationelle und Translokale Perspektiven

Sektion Zwei: Eine Reise in’s Herz des Apostolischen Genius

Einführung

Das Herz des Ganzen: Jesus ist Herr!

Jünger machen

Missional-Inkarnatorischer Impuls

Apostolisches Umfeld

Organische Systeme

Communitas, nicht Gemeinschaft

Abschluß

Crash-Kurs: Chaos (Anhang des Buches, übersetzt von Björn Wagner)

Abgelegt unter Bücher | Keine Kommentare »

[The Forgotten Ways] Abschluß

5. Juni 2007

{Dies ist der zwölfte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11. Den Anhang des Buches „A Crash Course in Chaos“ werde ich nicht beackern, da ihn Björn Wagner übersetzt hat. Zur Vorschau und Diskussion oder direkt zum Download}

… wir werden nicht aufhören zu forschen
Und das Ende all unseres Forschens
Wird die Ankunft an unserem Ausgangspunkt sein
Den wir dann zum ersten Mal kennen werden

(T.S. Eliot, „Little Gidding“)

Wenn wir zu den originären Wurzeln christlicher Mission und Gemeinde zurückkehren, legen wir etwas frei, das lange vergessen war, an das uns unsere Mythen und die Geschichten der Märtyrer nur vage erinnern und das in den Leben unserer Heiligen und Helden nur flüchtig eingebettet ist. Es ist, als wären wir über einen äußerst wichtigen Schatz gestolpert, der irgendwie vergraben war, verborgen in den dunklen Nischen dicht gefüllter ekklesialer Archive. In der Wiedererlangung dieses Schatzes entdecken wir uns in sehr realem Sinne auf entscheidende Weise wieder.

Apostolischer Genius (und seine zusammengesetzten Elemente missionaler DNA) hält unseren eigenen Praktiken und Vorstellungen von Gemeinde einen mächtigen Spiegel vor und bietet uns so diesen gefährlichen Vergleich zwischen uns und den bemerkenswerten Jesus-Bewegungen der Geschichte. Das ist gefährlich, weil so unsere tiefsten Instinkte geweckt werden, unser latentes Potential aufgewühlt wird und wir zu radikalem, paradigmatischem Wandel gerufen werden. Das ist subversiv, weil es eine tiefgreifende Neuausrichtung unserer Leben und unserer Gemeinschaften erfordert, weil es eine Umkehr zu dem Ort einschließt, an dem alles begann – die Rückkehr zu jenem wilden und revolutionären Messias und den radikalen Bewegungen, die im Lauf der Zeit von seinem Leben und seiner Lehre inspiriert wurden.

Es ist meine große Hoffnung für die Gemeinde, daß Apostolischer Genius tatsächlich nicht etwas ist, das wir der Kirche aufoktroyieren müssen, als ob es für uns etwas Fremdes wäre, sondern etwas ist, das bereits in uns existiert. Es ist wir! Es ist unser eigentlichster Ausdruck als Volk Jesu. Und weil das so ist, müssen wir es nur erwecken und kultivieren. Es ist das gemeinsame Erbe des Volkes Gottes, und es ist ein direkter Hinweis auf unsere eigene Bestimmung, während wir den beängstigenden Herausforderungen des 21. Jahrhunderts entgegensehen. Aber diese Herausforderung beständiger Anpassung und Neugestaltung entlang missionaler Linien bleibt ein grundlegender Teil dessen, was es bedeutet, der Vorstellung von Kirche treu zu sein, die Jesus ursprünglich im Sinn hatte. Das ist kein fremdes Werk; es macht vielmehr einen entscheidenden Teil unseres Zeugnisses in der Welt aus, in der wir leben.

Die Entdeckung großer Wahrheiten bringt eine gewisse Verantwortung mit sich, ihrer gemäß zu leben. In diesem Buch ging es darum, ein verlorenes Potential an’s Licht zu bringen, das zu lange mitten im Herzen des Volkes Gottes verborgen lag. Ja, es wird Veränderung bedeuten, und es wird uns auf ein Abenteuer mitnehmen, wo wir es riskieren müssen, überfordert zu werden. Aber hierin liegt unsere Hoffnung, denn es bleibt das immer wirksame Evangelium, das die Kraft hat, unsere Welt sowohl zu retten, als auch zu verändern. Es bleibt unser tiefstes Erbe. Und es liegt an uns, die wir dem Weg des Evangeliums folgen, auf eine Weise zu handeln, daß seine herrliche Kraft entriegelt wird. Wie es bei Paulus war, bei der frühen Kirche und durch all die Jahrhunderte hindurch, so wird es auch bei uns sein – es wird einen hoffnungsvollen, vertrauenden Glauben in den Einen, der rettet, brauchen.

Technorati Tags: ,

Abgelegt unter Bücher | Keine Kommentare »

[The Forgotten Ways] Communitas – nicht Gemeinschaft

4. Juni 2007

{Dies ist der elfte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10 Parallel hierzuzu bietet sich mein Post zum Exiles-Kapitel 5 an, wo ich Michael Frost’s Gedanken zu Communitas (die er ja auch von Hirsch übernommen hat) zusammenfasse. Dort ist mehr von den Erkenntnissen des Anthropologen Victor Turner zu lesen, so dass ich Alan’s Verweise auf Turner an dieser Stelle gekürzt habe. Dennoch ist es ein sehr langer Post geworden, was daran liegt, daß Hirsch’s Gedanken exakt in’s Schwarze dessen treffen, was mich momentan auch persönlich beschäftigt. Infolge des Exiles-Posts hatte sich eine nette Diskussion ergeben, die wir an dieser Stelle gerne weiterführen können.}

Ein Schiff ist im Hafen am sichersten. Aber dafür werden Schiffe nicht gemacht. (Paulo Coelho)

Communitas beschreibt die Art von Gemeinschaft oder Kameradschaft bedeutsamer Jesus-Bewegungen und stellt ein wichtiges Element des Apostolischen Genius dar. Die Glieder verfolgter Gemeinden, sowohl in der frühen Zeit des Christentums als auch in China, erfuhren einander im Kontext einer gemeinsamen Herausforderung, die sie in einer viel tieferen Art von Gemeinschaft verband, als wir es im Normalfall gewohnt sind. Wenn wir Communitas verstehen wollen, dann müssen wir herauszuarbeiten versuchen, warum Mission/Sendung so zentral für Identität, Ziel und Funktion der Kirche ist und warum sie einen der zentralen Aspekte missionaler DNA und demzufolge des Apostolischen Genius auszumachen scheint.

„Die Gemeinschaft für mich“ oder „Ich für die Gemeinschaft“?

Da ist etwas an der Kultur der Mittelschicht, was gegenteilig zu den Werten des Evangeliums scheint. Dazu gehört die Betonung von Sicherheit und Geborgenheit und das Streben nach dem, was für unsere Kinder das Beste zu sein scheint. Und dies ist verständlich, so lange es nicht zur Besessenheit wird. Aber wenn sich dies mit Konsumerismus verbindet – was oft geschieht -, können wir der Liste das Besessen-Sein von Bequemlichkeit und Behaglichkeit hinzufügen. Und das ist keine gute Mischung – zumindest nicht in Bezug auf das Evangelium und missionale Gemeinde.

Liminalität und Communitas

Die Gedanken des Anthropologen Victor Turner über Liminalität und Communitas habe ich als besonders hilfreich empfunden. Liminalität meint eine Situation, in welcher sich Menschen in Bezug auf die sie umgebende Gesellschaft in einer Art marignalisiertem Zwischenzustand befinden, an einem Ort, der bedeutsame Gefahr und Desorientierung beinhalten kann, aber nicht notwendigerweise muß. Communitas ereignet sich in Situationen, wo Individuen durch eine geteilte Erfahrung von Herausforderung, Demütigung, Übergang und Marginalisierung dazu gezwungen sind, zueinander zu finden. Dazu gehört auch ein starkes Empfinden sozialer Zusammengehörigkeit, das von der Notwendigkeit herrührt, sich aufeinander verlassen zu müssen, um überleben zu können. Die verwandten Vorstellungen von Liminalität und Communitas beschreiben die Dynamik, welche die christliche Gemeinschaft dazu inspiriert, ihren „Kuschel- und Knuddeltrieb“ zu überwinden und sich stattdessen um eine gemeinsame Mission herum zu formieren, die sie auf eine gefährliche Reise an unbekannte Orte ruft – eine Mission, welche die Kirche dazu aufruft, ihre kollektiven Sicherheiten abzuschütteln und sich in ein Meer der Tat zu stürzen, wo ihre Glieder Desorientierung und Marginalisierung erfahren, aber auch Gott und einander auf neue Weise begegnen werden. Communitas ist deshalb immer mit der Erfahrung von Liminalität verbunden. Sie schließt Abenteuer und Bewegung mit ein, und sie beschreibt diese einzigartige Erfahrung der Zusammengehörigkeit, die nur wirklich in einer Gruppe Menschen entsteht, die von der Vision einer besseren Welt inspiriert sind und auch tatsächlich etwas dafür tun. An dieser Stelle wird jene der Mittelschicht eignende, konsumeristische Neigung der Gemeinde so sehr problematisch. Und hier könnte die Herausforderung an die Anpassungsfähigkeit der Kirche des 21. Jahrhunderts Gottes Einladung an die Gemeinde darstellen, sich selbst als eine missionale Communitas wieder zu entdecken. Aus meiner Sicht lehren uns bedeutsame Manifestationen des Apostolischen Genius, dass Liminalität und Communitas eher die normative Situation und Lage des pilgernden Volkes Gottes sind. Soweit ich sehen kann ist Communitas immer ein normatives Element des Apostolischen Genius. Ihr Verlust führt zu einer Verminderung des ganzen Phänomens des Apostolischen Genius – der Lebenskraft, der authentischen christlichen Bewegung, wo auch immer sie sich manifestiert.

Die Bibel und Communitas

Wenn wir uns die Bibel ansehen und dabei an Communitas denken, müssen wir zu dem Schluß kommen, daß die theologisch fruchtbarsten Abschnitte jenen extremen Zeiten entstammen, in denen sich die Menschen außerhalb ihrer Komfortzone befanden. Die größten Brocken der Offenbarung scheinen aus Zeiten der Liminalität zu kommen (z.B. Patriarchen, Torah, Propheten, Jesus, Paulus, Johannes etc.), und viele der Wunder der Bibel werden aus Situationen der Liminalität berichtet (z.B. Exodus, Exil, Evangelien, Apostelgeschichte). Und wenn wir darüber nachdenken, welche Erzählungen das Volk Gottes in der Vergangenheit inspiriert haben, dann waren das diejenigen über Abenteuer des Geistes im Kontext der Herausforderung. Das ist auch der eigentliche Grund, warum sie uns inspirieren (z.B. Hebräer 11).

Sie ist überall! Sie ist überall!

Haben wir erst einmal erkannt, worum es sich bei Communitas handelt, können wir sie in so vielen Aspekten unseres Lebens erkennen: In der Spendenbereitschaft nach dem Tsunami oder in Sportmannschaften, wo sich eine Gruppe ansonsten unterschiedlicher Menschen verbindet, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Dasselbe kann am Arbeitsplatz geschehen, in Abenteuer-Camps und kurzzeitigen Missionseinsätzen, wo die Teilnehmer aus ihrer normalen sicheren Umgebung herausgenommen werden und sich in Situationen von Desorientierung und Marginalisierung wiederfinden. Dasselbe gilt für Filme, in denen der vom Geheimdienst verfolgte Held Hilfe von einem Zuschauer bekommt, zufälligerweise einer hübschen Frau. Sie weichen den Kugeln aus, sind ihren Verfolgern immer einen Schritt voraus, und weil sie sich auf einander verlassen müssen, finden die beiden zusammen und lösen die Situation. Die meisten Abenteuergeschichten handeln von einer Gruppe verschiedenartiger Menschen, die zusammenarbeiten müssen, um Gefahren zu überwinden. Diese Geschichten haben eine wirkliche Macht über uns, weil sie tief in uns etwas wachrufen – das sich im Menschen befindliche Bedürfnis nach Abenteuer, Reise und Kameradschaft. Dies lehrt uns, daß in einem Kontext, wo Menschen einer gemeinsamen bösen Bedrohung und potentieller Vernichtung gegenüberstehen, sie neue Tiefen ihres eigenen Menschseins entdecken können und dies auch tun. Dies gilt nicht nur für Filme, sondern auch für das wahre Leben. Liminalität kann das Beste in uns zum Vorschein bringen. Während Gefahr und Krisensituationen notwendigerweise eine Person oder Gruppe möglicher Zerstörung oder Scheitern preisgeben, stellen sie doch auch eine Chance dar, daß Menschen die inneren Ressourcen entdecken, um Böses zu überwinden und sich im Ergebnis selbst zu bereichern. Und unter solchen Umständen entwickeln sich Beziehungen zur Kameradschaft. Ohne das Wort Liminalität zu verwenden, bemerkt David Bosch richtig, daß

… strikt gesprochen man sagen müßte, daß sich die Kirche immer in einem Krisenzustand befindet und ihr größtes Versäumnis darin besteht, daß sie sich dessen nur gelegentlich bewußt ist. … Daß die Gemeinde so viele Jahrhunderte lang eine krisenfreie Existenz hatte, war darum eine Abnormalität. … Und wenn der Eindruck der Krisenfreiheit noch immer in vielen Teilen des Westens fortbesteht, dann ist dies schlicht das Ergebnis einer gefährlichen Täuschung. Wir können auch wissen, daß die Begegnung mit einer Krise die Begegnung mit der Chance, wahrhaft Kirche zu sein bedeutet. (Transforming Mission, 2)

Aber es geht nicht nur um Gefahr und Krise. Es gibt auch entspanntere Versionen von Communitas, die echtes Potential für die missionale Restrukturierung von Gemeinschaften haben.

Der Mythos von Communitas

Um dieses Konzept einzubetten, schauen wir uns das Potential missionaler Communitas im Film „Herr der Ringe“ an. Die „Gefährten des Ringes“ werden in der Tat zu einer echten Gemeinschaft, zu einer Kameradschaft, als sie im Angesicht des überwältigenden Bösen große Kämpfe und Bedrängnis durchstehen. Indem sie gemeinsam diese scheinbar unmögliche Aufgabe auf sich nehmen und Bedrängnissen gegenüberstehen, wird aus dieser Gruppe eine Communitas. Sie entdecken einander auf eine Weise, die unter anderen Umständen nicht möglich wäre. Hier findet sich die mythische Entsprechung von Mission (nichts weniger als die Vernichtung des Bösen in der Welt), Nachfolge (im Angesicht übermächtiger Opposition stets das Gute wählen) und Communitas (im Streben nach der Erfüllung einer Mission zu einer großartigen Gemeinschaft werden). Elb und Zwerg werden unzertrennliche Freunde und die Hobbits werden etwas, was sie nie geworden wären, wenn sie in der Sicherheit des Auenlandes geblieben wären. Sie sind aneinander gebunden und finden einander im Kontext einer beschwerlichen aber gemeinsamen Mission.

Künstliche Umgebungen und die Gemeinde

Von der Theorie lebender Systeme wissen wir, daß alle lebenden Systeme zum Equilibrium (und damit zum Tod) tendieren, wenn es ihnen nicht gelingt, angemessen auf ihre Umgebung zu reagieren. Ein wichtiges Gesetz der Kybernetik besagt, daß „das Überleben jeglichen lebenden Systems von seiner Fähigkeit abhängt, Anpassungsfähigkeit und Unterschiedlichkeit in seiner inneren Struktur zu kultivieren (nicht bloß zu tolerieren)“. Ein System im Equilibrium hat einfach nicht die internen Ressourcen oder Mechanismen entwickelt, um adäquat auf adaptive Herausforderungen zu reagieren, wenn diese geschehen, und sieht sich deshalb mit dem möglichen Niedergang konfrontiert. Folglich können wir sagen, daß das Überleben lebender Systeme erhöhte Adrenalinpegel, Wachsamkeit und Experimentieren favorisiert.
Der Film „Findet Nemo“ enthält für uns wichtige Lektionen: Ohne wirkliche Beteiligung an der „Welt da draußen“ werden Gemeinden schnell zu abgeschirmten künstlichen Umgebungen, ekklesiale Aquarien, die vor der Gefahr und Unruhe in der Umgebung geschützt werden. Sie werden zu geschlossenen Systemen mit eigener Kultur, die wenige relationale, soziale und kulturelle Verbindungen mit der äußeren Welt haben (und das nennen wir dann Heiligkeit). Von Hereinkommenden nimmt man an, daß sie weltliche Schädlinge mitbringen, weshalb sie schnell sauber gemacht werden müssen. Wenn wir diese Metapher ein klein wenig weiter führen, dann werden solche geschlossenen Systeme gewöhnlich von Menschen am Leben erhalten, die selber auf signifikante Weise von der Welt abgeschieden sind, die Insider füttern und alles schön stabil, sauber und frei von Störungen halten. 80 Prozent der Jugendlichen, die in Neuseeland in christlichen Jugendgruppen aufwachsen und dann auf die Universität gehen, verlieren ihren Glauben im ersten Jahr! Diese Statistiken mögen von Land zu Land unterschiedlich sein. Dennoch gilt: In den Jugendgruppen unterhalten wir die Kids mit lauter Musik und Spielen und lehren sie Variationen von „Jesus liebt mich, das ist wahr, denn die Bibel macht es klar“ und fragen uns dann, warum sie mit der rauheren Umgebung der Universität nicht klarkommen. Das nenne ich eine künstliche Umgebung! Das Problem ist, daß wenn ein System geschlossen und künstlich ist und weder Anpassungsfähigkeit noch innere Variabilität entwickelt hat, es letztlich zum Equilibrium verkommen wird. Und in lebenden Systemen bedeutet totales Equilibrium Tod. Im Gegensatz zu dem, was wir vielleicht empfinden mögen, können Gefahr und Risiko für uns gut, ja sogar notwendig sein. Liminalität kann entweder Communitas schaffen oder uns zerstören. Risiko ist der Preis, den wir für ein wahres Abenteuer bezahlen.
Die Theorie lebender Systeme lehrt Folgendes:

  • Equilibrium ist ein Vorbote des Todes: Wenn es der Kirche nach Art des Christendom nicht gelingt, auf äußere Impulse richtig zu reagieren, sie sich von der liminalen Erfahrung freimacht und nur noch auf sich selbst bezogen ist, kannst Du sicher sein, daß sie sich auf dem absteigenden Ast befindet. Anders gesagt hat sie ihren missionalen Fokus verloren, der sie über ihre eigenen Grenzen hinaus führen sollte. In so vielen Gemeinden wurde die Selbsterhaltung der Institution zur eigentlichen Mission der Kirche. Das ist nie die Absicht Jesu gewesen. Es ist nicht unser primäres Ziel, die Kirche als eine Institution zu erhalten, sondern Jesus in seiner Mission in der Welt zu folgen. Wenn wir die Mission im Blick haben, werden uns die organischen Vorstellungen von Christentum und Gemeindeleben sehr leicht fallen. Wenn wir nur an die Institution Kirche denken, folgen zwangsläufig maschinenähnliche Ansätze, weil ihr innerer Mechanismus der Empfänglichkeit (Mission) effektiv aus der Gleichung genommen wird. Mission ist das organisierende Prinzip der Gemeinde und muß es auch bleiben.
  • Angesichts einer Bedrohung oder galvanisiert von einer verlockenden Gelegenheit bewegen sich lebende Dinge auf den Rand des Chaos zu. Wir stehen signifikanten Bedrohungen für unser Überleben gegenüber. Wir bewegen uns auf den Rand des Chaos zu und fangen damit an, mit neuen Arten von Gemeinde zu experimentieren, weil wir uns ernsthaft mit dem Missionskontext auseinandersetzen.
  • Wenn eine solche Reizung stattfindet und lange genug in diesem Zustand verbleibt, damit das System auf die äußeren Bedingungen (sei es Bedrohung oder Chance) reagieren kann, dann organisieren sich die Bestandteile lebender Systeme selbst und als Ergebnis dringen neue Formen und Pläne aus dem Durcheinander empor. Dies ist die Genialität, die Gott in das Leben selbst eingebaut hat: Die Fähigkeit, sich unter den richtigen Umständen auf einer höheren Ebene der Intelligenz zu organisieren. Im Leben drücken sich Kreativität und Wandlungsfähigkeit durch das spontane Entstehen von Neuem an kritischen Punkten der Instabilität aus.
  • „Lebende Systeme können nicht entlang eines linearen Pfades gesteuert werden. Unvorhergesehene Konsequenzen sind unvermeidbar.“ Die Herausforderung ist, lebende Systeme nicht zu steuern, sondern sie auf eine Weise durcheinander zu bringen, die dem gewünschten Ergebnis nahe kommt. Leiterschaft muß dann das Vorhaben durch Sinn und Vision fokussieren. Dieser Prozess des Durcheinanderbringens des Systems ist eine entscheidende Aufgabe von Leiterschaft. Es geht darum, Bedingungen zu schaffen, in denen Veränderung, Anpassung und Innovation stattfinden kann.

Außer einer klaren Vision gehört zu missionaler Leiterschaft die Förderung der Entstehung von Neuem durch den Aufbau und das Nähren von Kommunikationsnetzwerken; das Schaffen einer Lernkultur, in der das Stellen von Fragen ermutigt und Innovation belohnt wird; das Schaffen einer Atmosphäre des Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung; und das (An-)Erkennen von brauchbarem Neuem, wenn es entsteht, bei gleichzeitiger Erlaubnis, Fehler machen zu dürfen. Aus diesem Grunde können Roxburgh und Romanuk sagen, dass es die Rolle der Leiterschaft in der Gemeinde [ist], ein Milieu zu schaffen, in welchem der Geist Gottes die missionale Vorstellungskraft des Volkes Gottes hervorrufen und entfesseln kann.

Die Zukunft und die Gestalt des Kommenden

Eine bestimmte Art Vision (eine präferierte Zukunft) und Mission wirkt auf das Denken und Verhalten der Menschen in der Gegenwart anregend und verändernd. Wir, das Volk Gottes, werden von einer Vision von der Zukunft getragen, die unsere Mission bestimmt. Wenn wir sagen, daß das zukünftige (eschatologische) Reich Gottes in unserer Mitte schon gegenwärtig ist, dann sind wir dazu gerufen, in dem Wissen, das es schon jetzt hier ist, doch dann erst vollendet wird, zu handeln. Und so werden wir in Gottes Zukunft für die Welt hineingezogen. Diese Spannung zwischen „jetzt“ und „noch nicht“ bestimmt unsere Wirklichkeit, und hält uns in Bewegung, bringt uns zu Wachstum und Veränderung. Eine verlockende Vision der Zukunft ist ein Weg, durch die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses der Mission, das wieder die Zukunft „schafft“, wahre Communitas hervorzubringen.

Mission als Organisationsprinzip

Wenn das Evangelisieren und Zu-Jüngern-Machen der Nationen im Kern des Auftrages der Kirche in der Welt liegt, dann ist Mission und nicht Dienst das wahre Organisationsprinzip der Kirche. Mission wird an dieser Stelle als die Orientierung der Gemeinde zu „Outsidern“ hin verstanden, Dienst als Orientierung der Gemeinde zu „Insidern“ hin. Die Erfahrung lehrt uns, daß eine Gemeinde, die auf Dienst abzielt, selten zur Mission kommt – selbst wenn sie das ernsthaft will. Aber die Gemeinde, die auf Mission abzielt, muß Dienst tun, denn Dienst ist der Weg, um das Werk der Mission zu tun.

Wie Mission und Vision Gemeinschaften formen können

Um das Bewegungs-Ethos des Volkes Gottes zu erhalten, ist es entscheidend, daß die Gemeinde Mission im Kern ihres Selbstverständnisses behält. Ohne Mission gibt es keine Bewegung, und die Gemeinschaft stirbt den geistlichen Tod lange vor ihrem physischen Ende. Wenn wir Mission vergessen, vergessen wir uns selbst; wenn wir Mission vergessen, verlieren wir den Grund für unser Dasein, was letztlich zu unserem Niedergang führt. Unser Verständnis von Mission kommt nicht nur von einem Verständnis der Mission Gottes und missionaler Gemeinde, sondern bildet die Inspiration, an der sich die Kirche Jesu Christi ausrichten kann und die sie beständig dazu bringt, sich nach vorn und nach außen zu bewegen.

Ein missional-inkarnatorisches Verständnis von Communitas

Wenn sich Gott, die Gemeinde und die Welt überschneiden, dann erhalten wir eine Gemeinde, die wahrhaft missional wie auch tief inkarnatorisch ist und auf eine Weise handelt, die den Dienst Jesu in der Welt ausbreitet. In diesem Modell geschieht unsere Anbetung Gottes immer im Kontext unserer Teilhabe an der Welt und ist deswegen gezwungen, für Außenstehende kulturell bedeutsam zu sein. Und sie hat missionale Ränder, da sie für alle offen ist. Gemeinde ist nicht etwas, das von der Welt zurückgezogen stattfindet. Unsere Evangelisation und unser Einsatz für soziale Gerechtigkeit sind gemeinschaftlich; wir schließen uns Gott an, der die Welt erlöst (er ist schon dort), und unsere Spiritualität bezieht das ganze Leben mit ein. Kirche muß nicht vom Rest des Lebens ausgeschlossen sein. Sie wird ihrem Auftrag nur gerecht, wenn sie alle losen Enden unter dem einen Gott zusammenbindet. Es ist eine Tatsache: Gott ist überall. Er ist schon intensiv an der menschlichen Geschichte und am Leben aller Menschen beteiligt. Die Gemeinde muß ihre Position in Bezug auf Gott und die Welt wieder neu ausrichten. Dafür müssen wir die Ketten des Dualismus sprengen. Eine der besten Weisen, dies zu erreichen, ist, missional zu werden, sich direkt in den unterschiedlichen Umgebungen, in denen wir uns wiederfinden, zu engagieren.

Also, folge dem Pfad

Eines der Dinge, die uns die Geschichte Abrahams, die Gemeinschaft von Sportmannschaften, die tiefe Kameradschaft von Kriegsveteranen und die Gefährten aus „Herr der Ringe“ lehren, ist, daß die Reise selbst wichtig ist – daß Reife und Selbstverwirklichung Bewegung und Risiko benötigen, und daß Abenteuer gut für die Seele sind. Sie alle lehren uns, daß eine tiefe Form von Zusammengehörigkeit und Liebe gefunden wird, wenn wir uns auf eine gemeinsame Entdeckungsreise machen, wenn wir gemeinsam Gefahren gegenüberstehen und einander unterwegs finden müssen, um zu überleben. All diese Elemente finden wir in der Weise, wie Jesus seine Jünger geformt hat, als sie sich gemeinsam auf einen Weg machten, der sie fort führte von ihrem Zuhause, ihren Familien und Sicherheiten (seien soziale oder religiöse) und sich zu einem Abenteuer aufmachten, das Liminalität, Risiko, Lernen auf der Basis von Aktion und Reflektion, Communitas und geistliche Entdeckungen mit einschloß. Unterwegs schwand ihre Furcht vor Unzulänglichkeit und mangelnder Ausrüstung und machte einem mutigen Glauben Platz, der auszog, die Welt für immer zu verändern.
Wir müssen wieder losziehen. Wir sind das Volk des Weges, und unser Pfad liegt vor uns, lädt uns ein in eine neue Zukunft, in der es uns erlaubt ist, zu gestalten und teilzuhaben. Im Versuch, das Wesen authentischer christlicher Gemeinschaft wieder zu artikulieren, entstand das Bild einer Communitas, gestaltet um eine Mission, unternommen von einer Gruppe unsicherer aber mutiger Kameraden, wachgerufen von mythischen Bildern aus großartigen Geschichten und in Erinnerung daran, wie Jesus und die frühe Gemeinde die Botschaft verbreiteten. So rufen auch wir diese Sehnsucht und diese Bereitschaft wach, eine abenteuerliche Reise auf uns zu nehmen, um diese alte Kraft namens Apostolischer Genius wieder zu entdecken.

Technorati Tags: , , , , ,

Abgelegt unter Bücher | 1 Kommentar »

[Wegmarken] Josua 6 (2) – Die Einnahme Jerichos

3. Juni 2007

Israel führt die Anweisung Gottes aus, zieht sechs Tage lang jeweils einmal um Jericho, am siebten Tag dann sieben Mal. Vorn die Priester und die Bundeslade. Beim siebten Mal werden die Trompeten geblasen, das Volk brüllt und die Mauern Jerichos stürzen in sich zusammen. Gottes Volk nimmt die Stadt ein. Alles Lebende wird erschlagen. Rahab und alle in ihrem Haus werden gerettet. Die Stadt wird niedergebrannt, nur Silber, Gold, bronzene und eiserne Gefäße kommen in den „Schatz des Herrn“. Josua spricht einen Fluch über eine mögliche Wiedererrichtung der Stadt aus. Das Kapitel endet mit der Feststellung: „So the Lord was with Joshua; and his fame was in all the land.“

Schwer liegt dieser Bericht im Magen von so manchen. Ein Gott, der solch grausame Greuel befiehlt, könne nicht der Vater Jesu Christi sein. Ich wehre mich dagegen, finde ich doch keine innerbiblischen Hinweise für eine multiple Persönlichkeitsstörung Gottes. Auch die Annahme daß es sich bei diesem Bericht um die geschönte Propaganda der siegreichen Israeliten handelt, ist für mich nicht akzeptabel. Mein Verständnis der Bibel bringt mich dazu, das hier Geschilderte als von Gott intendiert anzusehen. Und damit liegt Josua 6 auch schwer in meinem Magen. Gott, so lehrt mich dieses Kapitel wieder einmal, ist nicht so, wie ich ihn haben will. Gott ist souverän. Wer hat des Herrn Ratschluß erkannt? Seine Gedanken sind höher als die meinigen, darum will ich mich nicht daran wagen, seine Beweggründe zu hinterfragen. Daran ist bereits Hiob gescheitert.

Weil der biblische Erzähler aus der Sicht Israels berichtet, will ich nicht die Perspektive Jerichos einnehmen, sondern am Text bleiben. Der erzählt mir davon, wie Gott sein Versprechen wahr macht. Einst hatte er Abraham verheißen, daß er dessen Nachkommen aus der Knechtschaft befreien und zurück nach Kanaan führen würde. Beinahe wahnwitzig mag dies dann auch in den Ohren Moses geklungen haben. Aber an dem Tag, da die Mauern Jerichos fielen, erfüllte sich ein weiteres Stück der Verheißung. Das gehorsame Volk erlebt die Treue Gottes. Rahab, die sich auf die Seite Israels geschlagen hatte, wird errettet, erkannt an dem roten Seil, das als Erkennungszeichen aus ihrem Fenster hing. Ein rotes Seil, das an das Blut des Passalammes erinnert, welches auf das Blut Jesu deutet, das auch mich rettet.
Alles Lebende in Jericho wird erschlagen. Es steht unter dem Bann. Der alte Sauerteig muß fort. Strikte Absonderung ist Gottes Gebot gewesen. Heute kokettiere ich meist mit dem goldenen Mittelweg. Dieses Kapitel fordert mich wieder neu heraus zu fragen: Was ist meinem Leben-mit-Gott dienlich? Was nicht? Wie weit ist zu weit? Und welcher Anteil von meinen Ressourcen sollte dem Schatz des Herrn zufließen, dem Aufbau seines Reiches – in welcher Gestalt auch immer?

Wie so oft – mehr Fragen als Antworten…

Technorati Tags: , , ,

Abgelegt unter Wegmarken | Keine Kommentare »

Neal Morse live

2. Juni 2007

Pfingstmontag war das passende Datum, um ein schönes Konzert besuchen. Leider hatte ich Larry Norman an Himmelfahrt verpaßt, so daß die Vorfreude auf den Auftritt von Neal Morse um so größer war. Neals Musik begleitet mich schon eine ganze Weile. Ehemals Mastermind der superben Spock’s Beard (Vorreiter im ProgRock-Genre) hatte er sich nach seiner bewußten Hinwendung zu Jesus von diesen getrennt, um fortan mit seiner Musik den Herrn der Herrn zu preisen. [Nein, ich will nicht darüber diskutieren, ob das nicht auch in der alten Band möglich gewesen wäre bzw. ob seine Kunst nicht auch vorher schon das Lob des Höchsten mehrte…] Das anschließend veröffentlichte Solomaterial (mit so illustren Begleitmusikern wie z.B. Dream Theater’s Drummer Mike Portnoy) hat mir seitdem oftmals Glücksgefühle beschert. Endlich einmal Musik mit „christlichen“ Texten, die sich in ihrem Genre nicht zu verstecken braucht, sondern ganz vorn mit dabei ist. Lange hatte ich darunter gelitten, dass Jesus Nachfolgende im (Trash, Speed, Progressive etc.) Metal leider nur außerordentlich schwache Kopisten ihrer „weltlichen“ Vorbilder waren. Neal Morse ist die rühmliche Ausnahme. Musik von einem anderen Stern. Was er selbst in spartanischer Besetzung zu leisten imstande ist, wurde auf dem Freakstock vor zwei Jahren deutlich. (Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß der Auftritt von Morse seinerzeit für mich der eigentliche Grund war, erstmals nach Gotha zu fahren.) Nach zwei Jahren Abstinenz nun der Gig in Aschaffenburg: Fast drei Stunden lang pure Spielfreude mit den Besten aus den Alben Testimony (Konzeptalbum, auf dem Neal die Geschichte seiner Hinwendung zu Christus erzählt), One (Konzeptalbum über Schöpfung, Sündenfall und Wiederherstellung der Beziehung zu Gott), ? (Konzeptalbum über die Stiftshütte) und Sola Scriptura (Konzeptalbum über Martin Luther- mit allerdings sehr fragwürdiger Theologie), sowie Perlen aus dem Repertoire von Spock’s Beard und Transatlantic. Neal Morse live, das bedeutet: Halbstündige Songs, grandiose Musik, Gänsehaut, Kopfschütteln über das, was zu sehen und zu hören war, Band und Frontmann, die bis an die Grenze der Erschöpfung gehen und am Ende im Fan/Konsumenten/Bewunderer eine Freude darüber zurücklassen, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein.

Fünf Tage später, als ich diesen Post schreibe, ist da immer noch ein Lächeln in meinem Gesicht. Und eine Dankbarkeit gegenüber meinem himmlischen Vater, der seinen Kindern solch unglaubliche Gaben schenkt und mir im Hören, Singen, Tanzen, Feiern, Staunen und Anbeten so nahe kommt.

Im übrigen solltest Du jetzt (!) das Video zu Sing It High ansehen und Dich darüber freuen, was Neal mit einer akustischen Gitarre alles so anstellen kann. Eine weitere Kostprobe: The Creation oder We All Need Some Light. Leider ist der Sound jeweils miserabel – YouTube eben.



Technorati Tags:

Abgelegt unter Aus dem Leben, Schnappschüsse | 2 Kommentare »

Bilder vom Stuttgarter Freudenfest

1. Juni 2007

Schöne Tage sind das derzeit für Anhänger des VfB Stuttgart. Kaum wurde die Verpflichtung von Yildiray Bastürk öffentlich gemacht, verlängert auch noch Matthieu Delpierre bis 2012 und Timo Hildebrand wird Fußballer des Monats. Wunderbar ist das.

Wenig wunderbar war hingegen das DFB-Pokalfinale, das mein Lieblingsverein leider verloren hat. Nach dem überaus brutalen Foul von Meira am armen Mintal wäre ein Stuttgarter Sieg moralisch auch irgendwie nicht zu rechtfertigen gewesen. Naja. Jedenfalls war ich beim Public Viewing auf dem Cannstatter Wasen dabei – inklusive Blitz, Donner, fingernagelgroßen Hagelkörnern, Wolkenbruch etc. Nass bis auf die Haut und zitternd vom Wind haben wir dennoch gebangt, gefeiert und angefeuert. Hat nicht sollen sein. Egal.

Am Ende bleibt eine große Saison. Grund genug, um nochmals in Erinnerungen an die Meisterschaftsfeierlichkeiten (von denen ich bereits erzählt habe) zu schwelgen. Darum ein kleiner Rückblick. Herrlich verwackelte Fotos vom Autokorso, die evtl. die Sicht einiger deutlich angetrunkener Fans wirklichkeitsgetreu wiedergeben 😉
Der Schlossplatz angefüllt mit Menschenmassen. Leider (fast) kein Durchkommen.



In freudiger Erwartung harrte ich des Autokorsos, das da kommen sollte.



Hurra, hurra, die Meister die sind da!



Präsident Erwin Staudt und Mannschaftskapitän Fernando Meira



Serdar Tasci und Sami Khedira – Vorzeigeexemplare der Spezies „Junge Wilde II“ und baldige Nationalspieler



Selbst die Firma Daimler ließ es sich nicht nehmen, auf die Jagd nach Autogrammen zu gehen.


Technorati Tags:

Abgelegt unter Aus dem Leben, Schnappschüsse | 3 Kommentare »