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Archiv für Mai, 2007

Als „Analytischer Denker“ entlarvt

31. Mai 2007

Nein, ich mag Schubladendenken nicht. Meine Welt ist nicht schwarz oder weiß. Sie ist schwarz und weiß. Außerdem enthält sie viele Graustufen. Ich liebe die Bipolarität, halte gerne die Spannung zweier widersprüchlicher Aussagen aus. Umso schwerer tue ich mich mit Persönlichkeitstests. Ich mag sie, weil sie mir einen Spiegel vorhalten. Und ich mag sie nicht, weil ich mich bei den Antworten festlegen muß. Heute bin ich auf einen weiteren Online-Test gestoßen, bei dem ich mich wieder einmal darunter litt, eine Entscheidung darüber fällen zu müssen, welcher Aussagenkomplex am ehesten auf mich zutrifft. Hab’s aber getan und im Ergebnis ordnet mich der Test dem Typus „Analytischer Denker“ zu – einer Gattung, der so illustre Granden wie Charles Darwin und Albert Einstein entstammen. Ein Auszug aus der Beschreibung:

Der analytische Denker ist ein zurückhaltender und ruhiger Mensch. Er liebt es, den Dingen auf den Grund zu gehen – Neugierde ist eine seiner stärksten Triebfedern. Er möchte wissen, was die Welt im Innersten zusammen hält. Viel mehr benötigt der analytische Denker zu seinem Glück auch nicht, denn er ist ein bescheidener Mensch. Viele Mathematiker, Philosophen und Wissenschaftler finden sich unter diesem Typus. Widersprüchlichkeiten oder Unlogik sind ihm ein Gräuel; Muster, Prinzipien und Strukturen erfasst er mit seinem scharfen Verstand schnell und umfassend. Allerdings interessieren ihn vor allem Grundsätzlichkeiten und theoretische Erkenntnisse; ihm geht es nicht unbedingt darum, diese in praktische Handlungen umzusetzen oder seine Überlegungen mit anderen zu teilen. Der analytische Denker arbeitet gerne in Ruhe und allein vor sich hin, und seine Konzentrationsfähigkeit ist ausgeprägter als bei allen anderen Persönlichkeitstypen. Neuen Informationen steht er offen und interessiert gegenüber.

Alltagsbelange interessieren den analytischen Denker wenig – ein bisschen ist er immer der „zerstreute Professor“, dessen Zuhause und Arbeitsplatz chaotisch aussehen und der sich mit Banalitäten wie körperlichen Bedürfnissen nur dann befasst, wenn es unumgänglich ist. Die Anerkennung seiner Arbeit durch andere spielt für ihn keine große Rolle; überhaupt ist er recht unabhängig von sozialen Beziehungen und sehr eigenständig. Auf andere wirkt er daher manchmal arrogant oder snobistisch – auch deshalb, weil er mit seiner oft harschen (wenn auch berechtigten) Kritik und seinem unerschütterlichen Selbstbewusstsein nicht hinter dem Berg hält. Inkompetente Zeitgenossen haben es bei ihm nicht leicht. Wer aber seinen Respekt und sein Interesse gewinnt, der findet in ihm einen geistreichen und sehr intelligenten Gesprächspartner, der einen durch seine ausgezeichnete Beobachtungsgabe und seinen knochentrockenen Humor verblüfft.

Freundschaften schließt der analytische Denker nur langsam, dafür halten sie meist ein Leben lang. Ohnehin braucht er nur wenige Menschen um sich, deren wichtigste Eigenschaft es ist, ihm intellektuell ebenbürtig und somit für ihn inspirierend zu sein. Ständige gesellschaftliche Verpflichtungen gehen ihm schnell auf die Nerven; er braucht viel Zeit für sich allein und zieht sich oft von anderen zurück. Sein Partner muss dies respektieren und begreifen, dass dies nicht aus mangelnder Zuneigung geschieht. Der analytische Denker ist, wenn er sich erst einmal für einen Menschen entschieden hat, ein treuer und zuverlässiger Partner. Romantik und überschwängliche Gefühlsbekundungen darf man allerdings nicht von ihm erwarten und den Hochzeitstag vergisst er bestimmt. Aber für eine in anregenden Diskussionen verbrachte Nacht bei einem guten Glas Wein ist er immer zu haben!

Einiges hieraus hat mich herzhaft lachen lassen, weil ich mich selbst wiedererkannte. Anderes hat mich zum Grübeln gebracht. Mit wieder anderem bin ich keineswegs einverstanden. Menschen sind nun einmal komplexer als psychologische Stereotypen. Freundlicherweise findet sich auch Näheres zu meinem optimalen beruflichen Umfeld und darüber, wie ich in Sachen Liebe vorgehen sollte 8)

Wenn Du diesen Test auch machen möchtest, dann beginne hier und teile mir das Ergebnis mit.

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Wer ist der Vater?

29. Mai 2007

Zur Abwechslung mal eine skurrile Nachricht: Eine Dame, die innerhalb weniger Stunden mit zwei verschiedenen Männern schläft, findet hernach heraus, dass sie schwanger ist – nur von wem?
Ein Vaterschaftstest bringt da keinen Aufschluss, denn die Kameraden waren eineiige Zwillinge… Der Test sieht bei beiden eine 99,9-prozentige Wahrscheinlichkeit. Dumm gelaufen, das.

Eigentlich, so denke ich, hat der Schöpfer dem Beischlaf seinen Platz in der Ehe angewiesen – einer liebevollen Gemeinschaft zweier Menschen unterschiedlichen Geschlechtes, die einen verbindlichen Bund miteinander schließen. Sollten hieraus Kinder münden, scheint sich ein Vaterschaftstest zu erübrigen. Anregung zur Gestaltung des Sexlebens gibt in der Bibel das „Hohelied Salomos“. Vielleicht willst Du da mal wieder reinschauen? Eine feine Serie darüber findet sich bei Scot McKnight.

Die Frage nach dem Vater stellt sich bei Salome Linnea Ehniss nicht – es ist der stolze [depone]. Der Sämann freut sich diebisch und gratuliert von Herzen!

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Die Masken fallen: Doping-Skandal im Radsport! oder: Gedanken über Gnade und Wahrheit

24. Mai 2007

Heute habe ich in voller Länge die Pressekonferenz des T-Mobile-Teams gesehen (Videoausschnitte und Bericht hier bei Sport1). Rolf Aldag und Erik Zabel bekannten, Dopingmittel genommen zu haben. Ein Schock für mich. Seit Jahren habe ich nicht nur die Tour de France fast immer komplett live gesehen, sondern auch intensiv die Frühjahrsklassiker und andere große Rundfahrten wie Giro d’Italia, Deutschlandtour und Vuelta intensiv verfolgt. Selbstredend, dass ich mich sehr auf die Straßenweltmeisterschaft in Stuttgart im September gefreut habe.

Schon seit Jahren gab es Gerüchte. 1998 der Festina-Skandal. Klar, die bösen anderen. Aber die von mir so verehrten Telekom-Fahrer? Immer wieder gab es Radsportler, denen die Zuhilfenahme unlauterer Mittel nachgesagt wurde. Überlegene Fahrer, die den Magenta-Jungs die Siege wegnahmen. Vielleicht waren die ja gedopt… Dann packt der Masseur Jef d’Hont aus. Bert Dietz folgt. Jan Ullrich wurde immer wieder beschuldigt, Beweise schienen vorhanden zu sein, und er war in den Medien immer als ambivalente Persönlichkeit dargestellt worden. Da war das alles noch weit weg. Christian Henn zieht nach. Udo Bölts folgt. Gestern Abend habe ich noch herzhaft bei Harald Schmidt über die eingeblendeten Pseudogeständnisse gelacht.

Und dann diese Pressekonferenz. Rolf Aldag und Erik Zabel. Sympathische Zeitgenossen, ehrliche Kämpfer, Idole. Fahrer, mit denen ich gelitten habe, die ich angefeuert habe, denen ich solches nie zugetraut hätte. Nun sehe ich Ete aufgelöst, unter Tränen. Aldag blickt in’s Leere. Täter. Schuldige. Gedopt. Rechtswidriges Verhalten, für das es keine Entschuldigung gibt. Das aber erklärt werden kann. Sportler, die unter Druck stehen. Druck, der von Medien, Sponsoren und der Teamleitung kommt. Die Angst, nicht mehr mithalten zu können in einem Geschäft, in dem nur Siege zählen. Nur Helden. Und weil man ja nicht erwischt werden kann, weil man ja sonst nicht mithalten kann, weil es ja eh alle machen – dann dopt man eben. So einfach ist das. Illusionen zerbrechen. Was ist den nun mit all den Erfolgen, die von Millionen „mit heißem Herzen“ (Reporterlegende Klaus Angermann) bejubelt wurden? Welche davon waren auf ehrliche Weise errungen? Gab es überhaupt welche? Sind denn alle gedopt – auch heute noch?

Rolf Aldag erzählt von der Angst, nicht mehr mithalten zu können, die ihn zum Doping getrieben hat. Davon, wie er morgens um 5:00 Uhr aufstehen mußte, um seinen Blutwert zu messen. Wie er sich die Epo-Spritze in eine Tätowierung setzte, damit niemand einen blauen Fleck sehen konnte. Wie er sich erniedrigt fühlte. Nicht mit den Teamkollegen reden wollte. Nicht wollte, dass es irgend jemand etwas weiß. Wie er jahrelang alle angelogen hat. Wie er einen neuen Anfang machen wollte als Sportlicher Leiter bei T-Mobile. Bis ihn die Wahrheit eingeholt hat.

Vielleicht ist es die Gier nach Helden, die Gier nach Spitzenleistungen, die Gier einer Öffentlichkeit, die sich an immer schnelleren Gipfelanstiegen berauschen will. Die Über-Menschen sehen will. Doch es gibt sie nicht. Hinter der Fassade ist der Tod im Topf. Die vermeintlichen Helden tragen Masken. Die Wirklichkeit ist düster. Für den Leib Jesu gilt das genauso. Vor nicht allzu langer Zeit, hat uns die Geschichte Ted Haggards tief bewegt. Ein Pastor, dessen homosexuelle Aktivitäten an’s Licht kamen und der fallen gelassen wurde wie eine heiße Kartoffel. Was ist das für eine Welt, die von uns verlangt, immer perfekt sein zu müssen? Eine Welt, in der wir keine Schwächen zeigen dürfen. Eine Welt, in der alles passen muß? Wo der Mann auf der Kanzel superheilig aussehen muß?

Jesus hat Gnade und Wahrheit verbunden. „So verdamme ich Dich auch nicht. Geh hin, und sündige hinfort nicht mehr.“ Können wir uns diese Haltung zu eigen machen? Sünde beim Namen nennen und auf Wiederherstellung hinwirken? Es verstehen, dass in uns und in der Welt Kräfte am Wirken sind, die nichts Gutes im Sinn haben? Erkennen, dass Christus gekommen ist, um alles neu zu schaffen? Unser Herz umzupolen, durch den Heiligen Geist, so dass die Sünde nicht mehr in uns herrschen muß? Gleichzeitig aber verstehen, dass dies nicht im Hauruck-Verfahren geschieht, dass wir alle mannigfaltig straucheln und jeder seine Leichen im Keller hat? Uns zuerst um den Balken im eigenen Auge kümmern, bevor wir uns dem Splitter im Auge des Nächsten zuwenden?

Wo brauchst Du Gottes Vergebung?
Wo solltest Du Nein sagen zu Dingen, die doch alle machen?
Wo solltest Du barmherziger mit anderen sein?

Wie können wir in unseren Gemeinschaften einen Raum schaffen, in welchem Gnade und Wahrheit zu gleichen Teilen vorhanden sind und nicht das eine gegen das andere ausgespielt wird?

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Deutscher Fußballmeister 2007 – Danke VfB Stuttgart!

21. Mai 2007

Nun ist tatsächlich eingetroffen, was zu Saisonbeginn niemand für möglich gehalten hätte: Der VfB Stuttgart hat zum fünften Mal in seiner Geschichte die Deutsche Meisterschaft errungen. Grund genug für mich, dies entsprechend zu würdigen.

Was ist es, das den Verfasser dieser Zeilen so sehr mit dem VfB Stuttgart verbindet? Manche sagen, seinen Verein könne man sich nicht aussuchen. Mir ist es ebenso ergangen. Seit ich mich erinnern kann, habe ich mich mit den Spielern in den weißen Trikots mit rotem Brustring identifiziert. Bist Du Schwabe, bist Du VfB-Fan. Das ist Teil meiner Identität. 1986 habe ich im zarten Alter von sechs Jahren das WM-Finale verfolgt, 1990 in Italien alle Spiele gesehen, über eine grandiose Vorrunde gejubelt, mich über das Spuckduell von Rijkaard und Völler aufgeregt und mich von Andi Brehmes Elfmetertor und Franz Beckenbauers Spaziergang über den Rasen in Rom faszinieren lassen. Aber den emotionalen Höhepunkt meiner Kindheit stellte sicherlich die Deutsche Meisterschaft des VfB 1992 dar, als ein zwölfjähriger DoSi alle Artikel der Leonberger Kreiszeitung verschlang und die samstägliche Radioübertragung ebenso wie die anschließende Sportschau (später Ran) ihren festen Platz in seinem Wochenkalender erhielten. Ein unglaubliches Spiel war das, 1992 in Leverkusen. Tränen über das 0:1, sanft aufkeimende Hoffnung durch Fritz Walters Ausgleichstreffer. Stockender Atem bei Günne Schäfers akrobatischer Rettungsaktion. Unbändige Freude dann, als ich, der ich die letzten fünf Übertragungsminuten verpaßt hatte, per Einblendung in der Tagesschau vom Meistertitel erfuhr. Guido „Diego“ Buchwald hatte die Flanke von Ludwig „Wiggerl“ Kögl eingenickt. Kögl, Buchwald, Schäfer, Gaudino, Walter – Namen, die wie Immel, Sammer, Gaudino u.a. für eine glorreiche Vergangeheit stehen, für den Gewinn der Deutschen Meisterschaft – eine Leistung, die der gemeinhin pessimistisch gewordene VfB-Fan bis vor kurzem noch für unwiederholbar hielt. Was hatte dieser auch nicht alles erleben müssen mit seinem VfB: 1993 durch einen Wechselfehler des Meistertrainers Christoph Daum die Gruppenphase im Landesmeister-Pokal verpasst, 1998 im Finale des Pokalsiegerwettbewerbes subjektiv empfunden außerordentlich unverdient 0:1 verloren und 2001 fast abgestiegen. Zwar begeisterte das magische Dreieck 1997 mit dem Gewinn des DFB-Pokals und die Jungen Wilden mit der Teilnahme an der Champions League. Wehmut kommt auf beim Gedanken an letztere. Ein großer Sieg gegen Manchester United. Gruppenphase überstanden. Aus im Achtelfinale gegen Chelsea, ohne dass die Engländer überhaupt ein Tor erzielt hätten. 0:0 und 0:1 – Torschütze Meira, Eigentor. Im grauen Bundesliga-Alltag hatte die Stuttgarter Mannschaft immer wieder an akuter Atemnot gelitten, ging ihr doch mit unschöner Regelmäßigkeit auf der Zielgeraden die Puste aus. Mehrmals wurde in der Endphase einer Saison eine glänzende Ausgangsposition noch fahrlässig aus der Hand gegeben und mögliche Titelambitionen wie auch Champions League-Träume mußten begraben werden. Das hat ihn pessimistisch gemacht, den Anhänger des VfB Stuttgart. Er traut dem Braten solange nicht, bis er hineingebissen hat. Zu oft wurde das Fell des Bären verteilt, bevor derselbige überhaupt erlegt worden war. Darum: Hoffen, träumen, große Sprüche machen? Jawohl! Aber insgeheim immer mit dem Schlimmsten rechnen. „Irgendeiner verletzt sich schon noch, der Rest wird weggekauft und dann geben wir das Ding doch noch am letzten Spieltag aus der Hand…“

Dann kam die Saison 2005/2006. Matthias Sammer, ehemaliges Mitglied der Meisterelf, nun Trainer, hatte es tatsächlich fertig gebracht, am letzten Spieltag die Teilnahme an der Champions League zu vergeigen. Mittelfeld-Ass Hleb und Top-Stürmer Kuranyi verließen den Verein. „Habemus Mister“, meinte Präsident Erwin Staudt und stellte Giovanni Trapattoni vor. Der wollte neue Spieler kaufen. Geld war ja da. Einen Nachfolger für Hleb? Nein, wieso denn? Würde Bayern einen Ballack-Nachfolger kaufen, falls der zufälligerweise nach London wechseln würde? Nein? Warum also einen Spielmacher? Danish Dynamite mußte her, Gonkjaer und Tomasson. Katastrophal war der Fußball, den der Maestro spielen ließ. Grauenhaft. In der Winterpause wurde der Spieler Horst Heldt in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zum neuen Manager gemacht. Wieder eine Kurzschlußreaktion? Wie sollte der denn Trapattoni das Wasser reichen können? So dachte der gemeine VfB-Fan. Heute, am 21. Mai 2007, sitzt er grinsend in seinem Sessel, hat gerade an die 40 (!) heute erschienene Zeitungsartikel zu seinem Lieblingsverein gelesen, der vor zwei Tagen Deutscher Meister wurde. Er kann es nicht glauben, der VfB-Fan in seinem Sessel. Aber es ist wahr geworden. Und irgendwie, so denkt der VfB-Fan, ist das die einzige Bundesligasaison, die 15 Monate dauerte. Begonnen hatte sie nämlich mit dem Karrieresprung des Spielers Heldt im Februar 2006. Der Manager Heldt tat dann, was getan werden mußte. Er schickte den Mister aus Italien zurück in’s Land, wo die Spaghetti wachsen, und verpflichtete mit Armin Veh einen Trainer, der auf den ersten Blick nicht dazu geeignet schien, der Stuttgarter Mannschaft den Catenaccio auszutreiben. Doch tief im Herzen eines 26jährigen, welcher im zarten Alter von zwölf Jahren die weiß-rote Meisterschaft gefeiert hatte, regte sich Hoffnung. War das nicht derselbe Veh, der mit Reutlingen und Fürth in die zweite Bundesliga aufgestiegen war und einen erfrischenden, von kurzen Direktpässen geprägten Angriffsfußball spielen ließ? Ob er dasselbe auch beim VfB machen würde, er, der vom Aufsichtsratsvorsitzenden Hundt unglücklicherweise als „Übergangslösung“ bezeichnet worden war?

Der VfB Stuttgart beendete die Saison 2005/2006 auf Tabellenplatz 9. Eine herbe Enttäuschung. Heldt jedoch verstand sein Handwerk. Den langjährigen Kapitän Soldo schob er auf’s Altenteil. Spieler wie Gronkjaer, Tiffert, Ljuboja, Elson etc. wurden verkauft. Andreas Hinkel ging freiwillig. Heldt stellte sich hartnäckig hinter Veh, dessen Amtszeit nicht allzu vielversprechend begonnen hatte. Neue Spieler wurden geholt. Der VfB-Fan freute sich insbesondere über Pavel Pardo (der war ihm beim Confed Cup schon positiv aufgefallen) und Roberto Hilbert (von dem hatte er nur Gutes gehört). Aber auch Farnerud, da Silva, Osorio und Boka wurden herzlich willkommen geheißen. Während des Trainingslagers in der Sommerpause kristallisierten sich Serdar Tasci und Mario Gomez als Gewinner der Vorbereitung heraus. War ja auch mal Zeit für ein paar neue junge Wilde, zumal beide in den Jugendmannschaften des VfB durchaus für Furore gesorgt hatten (ähnlich wie Manuel Fischer heute – erinnere Dich an diesen Post, wenn Fischer sein erstes A-Länderspiel macht!) und Gomez auch schon eine Zeitlang dem Profikader angehörte. Gut sei die Stimmung gewesen, hieß es vom Trainingslager. Gedämpft optimistisch ging der VfB-Fan in die neue Saison, sah sich das erste Spiel in der SportsBar an und fragte sich nach der 0:3-Klatsche im heimischen Gottlieb-Daimler-Stadion, wer denn den Spielern seines Lieblingsvereines was in’s Glas geschüttet hatte. Veh schien zu wanken. Auch das zweite Spiel sah der VfB-Fan in voller Länge und war abermals irritiert. Seine Mannschaft hatte eben mit zwei Mann weniger zweimal einen Rückstand umgebogen. Das dritte Spiel wurde verloren, wieder zuhause, unverdient, Frechheit, warum gibt der Schiri eigentlich keinen Elfmeter? Dann steht es 2:2 und nicht 1:3 und wer weiß, was der VfB nach dem Ausgleich noch zu leisten imstande gewesen wäre. Doof. Beim fünften Spiel war der VfB-Fan auf einer Hochzeit, und er war gerne dort. Er hätte aber auch gerne das Spiel der Stuttgarter beim Titelkandidaten in Bremen gesehen. Wollte einen Eindruck davon bekommen, was in dieser Saison möglich wäre und wie viel noch fehlte auf die Titelkandidaten. Offenbar viel, dachte er, als er vom zwischenzeitlichen 0:2 hörte. Offenbar gar nix, als er vom Endergebnis hörte. 3:2 hatten die (auswärts) Roten nämlich gewonnen. Und so sagte dann der gar nicht mal mehr so pessimistische VfB-Fan zu einem ebensolchen: „Wenn die anderen zu doof sind und alles perfekt läuft, dann haben wir dieses Jahr vielleicht eine Chance, Meister zu werden“. Tollkühn hörte sich das an. Hätte der VfB-Fan auf seine eigene Stimme gehört und ein wenig Geld auf die Meisterschaft seines Clubs gesetzt, so hätte er jetzt ein wenig mehr Geld. Hat er aber nicht. Statt dessen hat er so viele Spiele seines Vereins gesehen, wie schon lange nicht mehr. Eine Vorrunde erlebt, die ihm viel Freude bereitete. Vor allem das 3:0 gegen Schalke mit zwei Toren des jungen Khedira. Am Ende der Hinrunde belegte der VfB den vierten Tabellenrang. Hinter dem FC Bayern. Aber dafür war der VfB noch im DFB-Pokal vertreten. Grund zur Hoffnung. Ein Einbruch würde kommen, das war ganz klar zu erwarten bei einer solch jungen Bundesligamannschaft. Aber zum Uefa-Cup würde es wahrscheinlich reichen. Und wer weiß? Vielleicht war ja doch mehr drin in dieser Saison. Schließlich hatten sich die Jungen Wilden II durchgesetzt, außer dem verletzten Farnerud hatten alle vom Manager Heldt verpflichteten Neuzugänge eingeschlagen und der Trainer Veh wackelte nicht mehr. Kein bißchen.

In der Winterpause wußte der VfB-Fan nicht genau, was er vom Manager Heldt halten sollte. Schließlich hatte letzterer sich nicht mit Torhüter und VfB-Urgestein Timo Hildebrand einigen können, so dass Hildebrand ankündigte, nach zwölf Jahren in Stuttgart den Verein zu wechseln. Das fand der VfB-Fan nicht toll. Andererseits hatte Heldt die zweite Hälfte von Trapattonis Danish Dynamite, den Stürmer Tomasson, nach Spanien transferiert. Und statt dessen den viel sympathischeren Stürmer Lauth ausgeliehen. Das fand der VfB-Fan schon besser.

Die Rückründe der Saison 2006/2007 war aus der Sicht des VfB-Fans ein einziger Traum. Der erwartete Einbruch blieb aus. An seiner Stelle: Begeisternder Fußball. Teamgeist. Gleiche Meisterprämie für alle Spieler, unabhängig von der Einsatzzeit. Variables Spiel. Kein Stinkstiefel in der Mannschaft. Deutliche Siege. Das nötige Glück. Trainer Veh und Manager Heldt gewinnen die Herzen durch Respekt, Bescheidenheit, Demut, Understatement und feinsinnigen Humor. Kein Vergleich zum beständig knallrot angelaufenen Kopf des Botschafters für die deutsche Wurst, der beim selbsternannten Vorzeigeklub aus dem Südosten der Republik den Taktstock führt. Kein Vergleich auch zu den Lautsprechern aus dem Ruhrpott, die so sehr von ihrer eigenen Stärke überzeugt waren, daß sie ihre Reviernachbarn aus Bochum und Dortmund der Freundschaft halber gewinnen ließen. Kein Vergleich auch zu diesem griesgrämigen Schnauzbart von der Weser und seinen wechselwilligen Spielern, die am Ende blieben, wo sie waren, und dennoch nicht Meister wurden. Nein, Meister ist der VfB Stuttgart geworden. Mit der jüngsten Mannschaft der Liga. Mit dem jüngsten Meister-Team seit den Gladbacher Fohlen aus dem Jahr 1975, die 2007 ziemlich alt aussehend in die zweite Liga galoppierten. Am Ende einer fünfzehn Monate währenden Meistersaison hat der VfB Stuttgart mit unkonventionellen Mitteln den Meistertitel errungen: Spieler wird Manager, Trainer wird entlassen, Mannschaftskapitän abgeschoben, Übergangstrainer verpflichtet, in der Mannschaft wird der komplette Umbruch vollzogen, junge Spieler erhalten das nötige Vertrauen, spielen die vermeintlich „Großen“ an die Wand, segeln auf einer Woge der Leichtigkeit durch die Saison, füllen das Stadion, schwätzen endlich wieder schwäbisch und belegen am Ende den ersten Rang in der Tabelle. Eine Mannschaft mit Perspektiven, wie sie selbst das Meisterteam von 1992 nicht hatte. Selbstredend fuhr der VfB-Fan, der am letzten Spieltag noch Theologie zu unterrichten hatte und das Geschehen im Gottlieb-Daimler-Stadion zitternd vor dem Live-Ticker verfolgte, in die Stuttgarter Innenstadt. Dort traf er sich mit Freunden, von denen einer euphorisiert verkündete, dass dieses Wochenende ausschließlich aus einem 48 Stunden währenden Samstag bestünde, an welchem komplett gefeiert werden müsse. Der geneigte Leser erkennt: Im Schwabenland gehen die Uhren anders. Eine Bundesligasaison kann im Ausnahmefall 15 Monate dauern, ein Samstag 48 Stunden… Später in der Nacht war der VfB-Fan einer von 250.000 Menschen, welche der Stuttgarter Innenstadt das größte Fanaufkommen aller Zeiten bescherten. Was ist schon die WM gewesen? Nur die Generalprobe für die Freudenfeier am 19. Mai 2007. Der VfB-Fan stand Spalier für das Autokorso, schüttelte Spieler, Trainern und Betreuern die Hand. Grandios.

Heute ist Montag. Der 48stündige Samstag ist vorbei. Der VfB ist Deutscher Meister! Ich kann es immer noch nicht glauben…

[Bilder werden nachgereicht. Weiteres zum VfB auf diesem Blog gibt es hier und hier. Und ich empfehle die Schilderung des Saisonfinales aus der Feder von Timo Hildebrand sowie einen Artikel der Süddeutschen, welcher auf humorvolle Weise der Mannschaft huldigt.]

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Gemeinde und Homosexualität

20. Mai 2007

Jamie Arpin-Ricci, dessen Blog ich sehr schätze, hat vor kurzem einen Post über Homosexualität geschrieben, den ich Dir hiermit empfehlen will. Jamie erzählt davon, wie er sich während der Pubertät zu anderen Männern hinzugezogen fühlte. Jamie ist mittlerweile mit „a beautiful Aussie girl“ verheiratet und vertritt die Sichtweise, dass praktizierte Homosexualität sich nicht mit einem Leben in der Nachfolge Jesu vereinbaren läßt. Bis heute haben ihn allerdings seine Gefühle für Männer nicht verlassen. Ein Post, der zum Nachdenken anregt. Interessante Kommentare inbegriffen.

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Deine Stimme gegen Armut

16. Mai 2007

[depone] hat bereits darauf hingewiesen, ich will es auch tun. Mit der Unterzeichnung der Milleniums-Erklärung im Jahr 2000 hat sich Deutschland zusammen mit den Vereinten Nationen dazu verpflichtet, alles zu tun, um bis zum Jahr 2015 weltweit die extreme Armut zu halbieren. Nun steht im Juni der G8-Gipfel an, und Deine Stimme ist gefragt, damit die Bekämpfung unsagbaren Elendes nicht zum Randthema verkommt. Aus diesem Grund wird unserer Bundeskanzlerin folgender Brief übergeben:

Sehr geehrte Frau Merkel,

im Jahr 2000 hat die Bundesregierung die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen unterzeichnet und sich damit zur Umsetzung der Millenniumsziele verpflichtet. Sie selbst haben wörtlich gesagt: „Unsere Glaubwürdigkeit wird davon abhängen, ob wir unsere internationalen Verpflichtungen einhalten.“

Halten Sie Wort für Deutschland! Setzen Sie konsequent die Zusagen für mehr und bessere Entwicklungszusammenarbeit, einen gerechten Welthandel und einen Schuldenerlass für arme Länder in konkrete Maßnahmen um und unterstützen Sie aktiv Demokratisierungsprozesse in den Entwicklungsländern.

Hunderttausende Menschen in Deutschland haben bereits ihre Stimme gegen Armut erhoben, um von der Bundesregierung die fristgerechte Verwirklichung der Millenniumsziele zu fordern. Erste Schritte sind gemacht. Aber es muss noch mehr geschehen, und das schnell!

Im Jahr 2007 bieten sich zwei Gelegenheiten. Setzen Sie das Thema Armutsbekämpfung oben auf die Agenda des G8-Gipfels und der deutschen EU-Präsidentschaft. Es liegt nun in Ihrer Hand, die Welt gerechter und friedlicher zu machen. Ergreifen Sie die Chance, schreiben Sie Geschichte, machen Sie die Millenniumsziele wahr. Erheben Sie Ihre Stimme gegen Armut. Ich schicke Ihnen hiermit meine Stimme zur Unterstützung.

Wenn Du diesen Brief unterschreiben möchtest, was ich Dir sehr an’s Herz lege, kannst Du das hier tun.

Solltest Du Dir nicht sicher sein, dann schau Dir Bono’s Rede bei der NAACP an. Falls Du sie noch nicht gesehen hast, sieh sie Dir an! Falls Du sie schon gesehen hast, sieh sie Dir nochmals an! (Längeres Video inklusive Würdigung Bono’s zu Beginn. Seine eigentliche Rede fängt ca. bei 6:30 an.) Ein Auszug:

Es geht nicht um Mildtätigkeit, sondern um Gerechtigkeit, darum, ob alle gleich sind. … Wahre Religion wird uns nicht bequem und friedlich schlafen lassen. „Liebe Deinen Nächsten ist kein guter Rat, sondern ein Gebot. Und das bedeutet, dass wir im globalen Dorf viel mehr Menschen lieben müssen. … Wo Du lebst, sollte nicht darüber entscheiden, ob Du lebst, oder ob Du stirbst. Und für diejenigen in der Kirche, die immer noch über das Aids-Nothilfeprogramm zu Gericht sitzen: Lasst mich für einen Augenblick auf die Kanzel steigen. Welche Vorstellungen wir auch immer von Gott haben – wer er ist, oder ob er überhaupt existiert -, so werden doch die meisten zustimmen, dass Gott den Armen besondere Aufmerksamkeit schenkt. Gott lebt bei den Armen. Gott ist in den Slums, in den Hütten aus Karton, dort, wo die Armen wohnen. Gott ist dort, wo es keinen Ausweg mehr gibt, wo die Leben zerrüttet sind. Gott ist mit der Mutter, die ihr Kind mit einem Virus infiziert hat. … Gott ist mitten im Schlamassel, bei den Schreien, die wir hören, wenn Krieg herrscht. Gott, meine Freunde, ist mit den Armen, und Gott ist mit uns, wenn wir mit ihnen sind! Dies ist keine Last – es ist ein Abenteuer. Lass Dir von niemandem sagen, dass wir es nicht schaffen können. Wir können die Generation sein, welche die extreme Armut beendet.

Zusätzlich bietet sich Bono’s Call to Action for Africa bei der TED Conference an, deren weitere Podcasts übrigens außerordentlich inspirierend sind.

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Lust auf leckere Zigarillos?

15. Mai 2007

Man kann ja vom Rauchen halten, was man möchte, ein großer Teil meines persönlichen Umfeldes jedoch steht dem Genuß eines feinen Zigarillos – wahlweise in Verbindung mit einer Tasse Kaffee oder einem Glas Rotwein – durchaus aufgeschlossen gegenüber. Sollte es Dir ähnlich gehen, dann freust Du Dich vielleicht darüber, daß eine meiner präferierten Marken zur Zeit Gratisproben versendet. An diese zu gelangen ist außerordentlich einfach: Melde Dich unter www.dannemann.com im Kreis der Genießer an und schon erhältst Du fünf Zigarillos und ein Päckchen Zündhölzer zugesandt. Wenn Du dann noch in der Rubrik „myDANNEMANN“ meinen Freundschaftscode G0S3K1J4C2 eingibst, haben wir beide was davon. Viel Freude dabei!

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Wer ist es, der den Fels abhackt, der ihn trägt?

15. Mai 2007

Ein schöner und zum Nachdenken anregender Cartoon findet sich hier bei Dan Kimball.

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Ist das nötig? Oliver Pocher verstärkt Harald Schmidt

14. Mai 2007

Nach einem inhaltsschweren Post nun ein kurzer Verweis: Late-Night-Talker Harald Schmidt wird ab Oktober von Oliver Pocher „verstärkt“. Was hältst Du davon? Mehr hier.

Update:
Reinhard Mohr offenbart seine Sicht der Dinge bei SpiegelOnline. Erstaunlich, wie er dieses dumpfe Gefühl, welches ich beim Lesen der obigen Nachricht empfand, zu artikulieren versteht.

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[The Forgotten Ways] Organische Systeme

14. Mai 2007

{Dies ist der zehnte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9}

Wenige Führungskräfte akzeptieren, dass es, um den Kurs eines Unternehmens zu ändern, fundamentale Veränderungen der Voraussetzungen braucht, auf denen das Unternehmen basiert. Es braucht ein anderes Unternehmen. (Peter Drucker)

Dieses Kapitel wird das nächste entscheidende Element missionaler DNA untersuchen, die inneren Strukturen und Systeme, die Apostolischen Genius verkörpern und dadurch metabolisches Wachstum ermöglichen. Wir werden uns ansehen, wie sich die Gemeinde selbst als lebendigen Organismus organisiert, der mehr davon widerspiegelt, wie Gott das Leben selbst strukturiert hat – im Gegensatz zu einer Maschine, welche die künstliche, nicht-organische Alternative zu einem lebenden System darstellt. Es sollte uns nicht überraschen, dass organische Vorstellungen von Gemeinde ihre hauptsächliche theologische Grundlage aus der biblischen Schöpfungslehre (Kosmologie) enthalten, aus einer ökologischen und intrinisch geistlichen Weltsicht. Kosmologie muß uns in ein tieferes Verständnis von uns selbst und unserer Funktion in der Welt führen. Von Quarks bis Supernovas scheint das Universum mit lebender Potenz zu vibrieren, die uns mit Bewunderung und Staunen über die schiere Allmacht und Allwissenheit des Schöpfergottes erfüllen. Das Universum verkündet die Herrlichkeit Gottes und ist ein konstanter Strom der Erkenntnis und Offenbarung Gottes (Ps 19, 1-4). Der dreieinige Schöpfergott kann nicht geteilt werden. Gottes Gegenwart findet sich in jedem Teil des Universums. Die Lehre von Gottes Transzendenz teilt uns mit, dass Gott jenseits der Schöpfung ist – er ist weit größer als das Geschaffene, und alles existiert in ihm. Aber die verwandte Lehre von Gottes Immanenz offenbart uns, dass er auch in dem kleinsten Atom ganz gegenwärtig ist. Er erfüllt das Universum und er übersteigt es. Dies bedeutet, dass der ganze Kosmos und das Leben selbst direkt mit Gott verbunden ist und deshalb mit dem heiligen Mysterium göttlichen Lebens erfüllt. Als Instrument der Offenbarung kann uns die Schöpfung viel über die Gedanken Gottes lehren, was die Art anbelangt, wie das Leben gelebt werden soll. Nachfolger Jesu, die ihr gemeinschaftliches Leben in organischer Weise leben wollen, finden in der Schrift wie in der Schöpfung reichhaltige theologische Ressourcen. Ein Gemeindemodell zu finden, das näher am Leben ist, bedeutet einen Schritt näher zur ursprünglichen Intention Gottes mit der Schöpfung. Beispielsweise hat uns der scheinbar obskure und unbedeutende Sauerteig viel über das Innenleben des Reiches Gottes zu sagen (Mt 13, 33).

Die Gemeinde als lebendes System
Was hat die große Kosmologie mit unserer Erfahrung der lokalen Gemeinde zu tun? Ein auf der Theorie lebender Systeme gegründeter Ansatz versucht, das gemeinsame Leben einer Organisation um diejenigen Rhythmen und Strukturen herum anzuordnen, die das Leben selbst widerspiegeln. Diese Suche nach einer nachhaltigeren Lebensweise beschränkt sich nicht auf die Gemeinde. Folgend einige neue Metaphern und Sichtweisen, welche die Suche nach einem mehr organischen und am Leben ausgerichteten Ansatz inspirieren können:

  • Lebende Systeme – ob organischer Form oder systemische Organisationen – scheinen ein Eigenleben und eine eingebaute Intelligenz zu besitzen, die eine Befähigung zum Überleben, zur Anpassung und zur Vervielfältigung mit einschließen. Das Vermögen, höhere Lebensformen zu entwickeln, wurde von Wissenschaftlern mit „dezentralisierter Intelligenz“ verbunden. Auf Organisationstheorie angewandt, ist es die Aufgabe der Leiterschaft, dezentralisierte Intelligenz zu entfesseln, nutzbar zu machen und zu steuern, indem Räume geschaffen werden, wo diese sich manifestieren kann.
  • Das Leben scheint in tiefer Weise miteinander verbunden zu sein. Störungen in einem Teil des Systems setzen eine Kettenreaktion in Gang, die alle Elemente eines Systems betrifft.
  • Information schafft Veränderung: Alle lebenden Systeme reagieren auf Information. Der freie Informationsfluß in einem System ist für Wachstum und Anpassung entscheidend.
  • Herausforderungen an die Anpassungsfähigkeit und Emergenz: Durch beständige Interaktion mit seiner Umgebung wird das lebende System seine eingebaute Fähigkeit, sich angemessen auf veränderte Umstände anzupassen, katalysieren.

Wenn wir diesem Ansatz folgen, müssen wir zunächst annehmen, dass jede spezielle Gruppe aus Gottes Volk – wenn sie wahrhaft sein Volk sind – alles in sich trägt (latente mDNA), um sich an jede Umgebung anzupassen und zu florieren. Wir müssen davon ausgehen, dass – wenn die richtigen Bedingungen gegeben sind – die Gemeinschaft latente Ressourcen und Fähigkeiten entdecken kann, mit deren Vorhandensein sie niemals gerechnet hätte.
Es ist die Aufgabe missionaler Leiterschaft, die im System schlummernde mDNA einfach zu entfesseln und dabei zu helfen, sie zu ihrem von Gott intendierten Ziel zu führen.
Die zweite Aufgabe missionaler Leiterschaft ist es, die unterschiedlichen Elemente im System in eine bedeutsame Wechselbeziehung zu bringen. Wir müssen ein effektiver Ausdruck des „Leibes Christi“ werden, indem wir alle notwendigen Teile des Leibes in die missionale Gleichung bringen, wenn wir wahrhaft als Leib funktionieren wollen.
Drittens müssen wir das System an den Rand des Chaos führen, damit es auf seine Umgebung reagiert. Wir müssen das im Gleichgewicht befindliche System stören, so dass eine Reise des Lernens und ein missionaler Modus aktiviert werden kann. Hier wird es zum Konflikt kommen (das verspreche ich), und es ist die Aufgabe guter Leiterschaft, diesen zu steuern und ihn auf kreative Weise in einen Lernprozess umzuwandeln.
Viertens – weil Systeme in einer Masse ungeordneter Information existieren – ist es die Aufgabe der Leiterschaft, bei der Selektion des Informationsflusses zu helfen und die Gemeinschaft um diesen zu fokussieren. Um den Informationsfluß zu fokussieren braucht es Kenntnisse in Theologie und Psychologie wie auch Soziologie, weil der Fokus der Information auf die Hauptnarrativen der Gemeinde (die Schrift und besonders die Evangelien) gelegt werden muss, auf die Kernaufgaben der Gemeinde und auf essentielle Daten unseres kulturellen und sozialen Kontexts etc.
Wenn wir all diese Elemente richtig gruppieren, wird die ganze Gemeinde aktiviert, motiviert, informiert und die Mission Gottes natürlicherweise durch diese Verbindung und aus ihr heraus fließen. Die daraus folgende Atmosphäre in der Jesus-Gemeinschaft fühlt sich natürlich an und ist näher an den Rhythmen des Lebens. Aus der Betrachtung von Netzwerken, die einen wichtigen Teil organischer Strukturen ausmachen, erkennen wir, dass sich Gemeinde um das natürliche Auf und Ab im Leben der Gläubigen strukturieren muß. Bereits bestehende Beziehungen zu Gläubigen und Nichtchristen werden zum eigentlichen Muster der Gemeinde. Bei der Pflanzung einer neuen Gemeinde bzw. der Remissionalisierung einer bereits bestehenden, geht es darum, die ganze Gemeinschaft um natürliche, Jünger machende Freundschaften, Anbetung als Lebensstil und Mission im Alltag auszurichten. Als ein lebendes Netzwerk „in Christus“ kann überall und zu jeder Zeit ein Treffen stattfinden – und es handelt sich dabei immer noch um eine praktikable Ausdrucksform von Gemeinde.

Das Problem von Institutionen
Wenn wir ein genaueres Bild von der Natur des Apostolischen Genius bekommen wollen, müssen wir zusätzlich zum auf der Theorie lebender Systeme basierenden Ansatz noch die Dynamiken dessen untersuchen, was es bedeutet, eine Bewegung zu sein und zu werden. Alle lebenden Systeme brauchen eine Art Struktur, um ihre Existenz aufrechtzuerhalten. Das Leben selbst ist ein überaus organisiertes Phänomen, das aus dem komplexen Wechselspiel zwischen statischer Form und dynamischer Funktion besteht. Wir müssen von institutionellen Organisationsformen wegkommen und wieder das Ethos einer Bewegung erlangen, wenn wir wahrhaft missional werden wollen. Es wird dann problematisch, wenn wir aus Bequemlichkeit ein System errichten, um die Dinge zu tun, die wir eigentlich selbst tun sollten, so dass die von uns geschaffenen Strukturen mit der Zeit ein Eigenleben entwickeln. Die Struktur soll dann die Aufgaben der Funktion erledigen, Verantwortlichkeit, Macht und Autorität werden auf den neu geschaffenen, zentralisierten Korpus übertragen. Dieser nützt seine Macht, um das Verhalten von Gliedern zu sanktionieren, die nicht auf der Linie der Institution liegen. Anstatt der Mission zu dienen, entwickeln die Strukturen ein Eigenleben, das mehr blockiert als freisetzt.
Wahre Freiheit des Evangeliums scheint langfristig nicht leicht aufrecht zu erhalten zu sein, und sie läßt sich nicht in gut gemeinten Strukturen festbinden. Mir ist keine Denomination bekannt, die es jemals geschafft hätte, das dynamische und fluide Bewegungsethos ihrer frühen Tage wiederherzustellen. Darum ist es die Netzwerk-Struktur, in der Macht und Verantwortung in der ganzen Organisation verteilt und nicht im Zentrum konzentriert sind, die unserer wahren Natur und Berufung als Leib Christi am nächsten kommt.

Das Ethos einer Bewegung
Die Jesus-Bewegungen der Geschichte können nur als Graswurzel-Volksbewegungen verstanden und soziologisch kategorisiert werden. Für unsere Belange können wir eine Bewegung wie folgt definieren:

Eine Gruppe von Menschen,
… die organisiert oder ideologisch motiviert sind für und hingegeben an ein Ziel, das persönliche oder gesellschaftliche Veränderungen einschließt,
… die aktiv an der Rekrutierung anderer beteiligt sind,
… und deren Einfluß sich in Opposition zur etablierten Ordnung ausbreitet, derer die Bewegung entstammt.

Howard Snyder hat in seinem Buch Signs of the Spirit folgende Charakteristika von Bewegungen ausgemacht:

  • Sehnsucht nach Erneuerung
  • Neue Betonung des Wirkens des Geistes
  • Spannung zwischen Institution und Charisma
  • Fokus darauf, eine gegenkulturelle Bewegung zu sein
  • Keine traditionelle bzw. ordinierte Leiterschaft
  • Dienst an Armen
  • Energie und Dynamik

Ein weiterer Aspekt ist, dass neue missionale Bewegungen fast immer an den Rändern der Gesellschaft / Kultur und unter dem gewöhnlichen Volk beginnen, nicht unter der Elite. Und sie haben die Fähigkeit, andere anzuregen und sie zu Leitern und Teilnehmern zu machen. Wichtiger als sich des Institutionalismus bewußt zu sein, ist sich davor in acht zu nehmen, da er uns – wie wir von den historischen Jesus-Bewegungen lernen können – davon abhält, völlig zu unserer Natur als Volk Gottes zu kommen. Wir müssen unsere Institutionen beständig der prophetischen Kritik unterwerfen, weil der Prophet in seinem Ruf zur Treue gegenüber Gott allein sich am meisten der Gefahren, die von den Forderungen, die Institutionen an den Glauben stellen, ausgehen, bewußt ist. Um die missionale Vitalität der frühen Kirche wieder zu gewinnen, müssen wir in vielen Organisationen, denen wir angehören, wieder ein Ethos einer Bewegung wachrufen. Dazu müssen wir alles Unwichtige abschütteln und zum eigentlichen Weg Jesu zurückkehren.

Vernetzte Strukturen
Apostolischer Genius drückt sich im Ethos einer Bewegung aus und formt sich in der Struktur eines Netzwerks, was sich wieder einmal sehr von unserem allgemeinen Verständnis von Kirche unterscheidet. Wenn wir das Wort Kirche verwenden, ist es sehr schwer, nicht an irgendein Gebäude zu denken. [Anm. DoSi: Im Folgenden spricht Alan über „liquid church“, eine Terminologie die Pete Ward in seinem gleichnamigen Buch eingeführt hat. Ich gebe dies als „flüssige Kirche“ wieder.] Wir brauchen dringend eine flüssige Kirche, weil die gegenwärtige Kultur ernst genommen und die Fülle des Evangeliums in dieser Kultur ausgedrückt werden muß. Das entscheidende Element daran ist Gemeinde als lebendiges, wandlungsfähiges Netzwerk, das auf die großen spirituellen Bedürfnisse reagiert, die wir in der Gesellschaft finden.
Die Gemeinde in Korinth unterschied sich in Bezug auf Struktur und Ethos deutlich von der Gemeinde in Jerusalem, und doch stellten sie beide legitime Ausdrucksformen des Leibes Christi dar. In der Kirche des Neuen Testamentes gibt es so gut wie keine einheitlichen Strukturen. Die Wirklichkeit der Gemeinde findet sich nur „in Christus“. Ein Christ ist mit Christus verbunden, und wer mit Christus verbunden ist, gehört zu seiner Kirche. Das macht den Leib Christi aus. In welcher Form dieser sich ausdrückt, hängt vom misisonalen Kontext ab. In einer flüssigen Kultur brauchen wir eine flüssige Form der Gemeinde, die ausdrücken kann, was es bedeutet, „in Christus“ zu sein. Es ist scheinbar unser Problem, daß wir die konkreten historischen Ausdrucksformen von Gemeinde zu schnell als Leib Christi identifizieren. Und wenn dies auch seine Berechtigung hat – denn die Gemeinde ist der Leib Christi -, so lautet die vielleicht größere Wahrheit: Der Leib Christi ist die Gemeinde. Wenn wir sagen, daß die Gemeinde der Leib Christi ist, erhält eine besondere Ausdrucksform von Gemeinde eine gewisse Autorität. Zu sagen, daß der Leib Christi die Gemeinde ist, eröffnet Möglichkeiten dafür, wie dieser sich physisch und organisatorisch ausdrücken kann. So wird er nicht auf eine spezielle Form von Gemeinde reduziert. Der Leib kann sich auf vielerlei Weise ausdrücken. Diese Unterscheidung ist paradigmatisch.

Wir müssen uns von dem statischen Gemeindemodell verabschieden, das vorrangig auf der zum Gottesdienst versammelten Gemeinde, auf Programmen und auf Gebäuden basiert. An dessen Stelle müssen wir eine Vorstellung von christlicher Gemeinschaft, Anbetung, Mission und Organisation entwickeln, die – wie die ecclesia des Neuen Testaments – flexibel, anpassungsfähig und bereit zur Veränderung ist. (Pete Ward)

Die Untersuchung einer netzwerkartigen Struktur wird uns näher an die Strukturen des Volkes Gottes im Neuen Testament und die Dynamiken des Apostolischen Genius bringen, wenn uns das auch zunächst etwas fremd erscheinen mag. Dabei erforschen wir Dinge, die nicht nur mit der Reaktivierung missionaler Gemeinde zu tun haben, sondern auch mit einem großen Teil dessen, was wir in Gottes Welt erleben. Ein Netzwerk als Ganzes hat wenig bis keine Hierarchie; es kann multiple Führungspersönlichkeiten geben. Entscheidungsfindung und Handlungen sind dezentralisiert, so daß lokale Initiative und Autonomie ermöglicht wird. Darum erscheint die Gestalt des Netzwerks bisweilen kopflos, bisweilen auch vielköpfig. Die effektive Leistung eines Netzwerkes hängt zu einem großen Grad von der Kultivierung gemeinsam geteilter Glaubensüberzeugungen, Prinzipien, Interessen und Ziele ab, die möglicherweise in einer übergreifenden Ideologie artikuliert werden. Netzwerke bestehen nicht nur aus Knoten [„nodes“], sondern auch aus Knotenpunkten [„hubs“]. Hubs sind Orte, an denen die Kommunikationslinien verbunden sind. Nodes können fast alles sein – von Webseiten über Organisationen bis hin zu Einzelpersonen. In der Urgemeinde waren Hubs Orte wie Antiochia, Jerusalem und Rom oder Menschen wie Paulus. Nodes könnten Hausgemeinden oder Gruppen von Menschen gewesen sein. Entsprechend zur missionalen Situation unserer Tage ist die Zeit gekommen, die Gemeinde als dynamisches Netzwerk wiederzuentdecken – jenseits der Institution und in jedem Bereich des Lebens und der Schöpfung.
So schockierend es zunächst erscheinen mag, gibt es doch auffallende Parallelen zwischen der Struktur internationaler terroristischer Netzwerke und der Urgemeinde oder der chinesischen Kirche. Al Qa*da hat alle Merkmale einer Bewegung, wie sie in diesem Kapitel definiert wurden. Es besteht aus dezentralisierten Knoten, multiplen Energiezentren und kleinen unabhängigen Einheiten oder Zellen, die selbständig anwerben und sich multiplizieren können. Die DNA seiner Botschaft und Ideologie ist in jede terroristische Zelle eingebettet durch eine einfache Botschaft, die in jedem Kontext reproduziert werden kann. Al Qa*da besitzt die eingebaute Kapazität, sich zu verbreiten und an Orte und Kernpunkte zu strömen, wo die größte Möglichkeit auf stärkste Wirkung besteht. Und dann verschwindet es scheinbar in die Luft und ist fast nicht zu zerstören.
Wenn wir über apostolischen Genius und die Gemeinde nachdenken, dann gilt Ähnliches. Wie in einem Samenkorn oder einem Ableger, ist in jeder Jesus-Gemeinschaft die vollständige missionale DNA eingebettet, so daß sie – wenn sie ihrer Berufung treu bleibt und die Umstände passen – zum Ausgangspunkt einer ganz neuen apostolischen Bewegung werden kann. Im Samenkorn liegt der ganze Baum verborgen und im Baum liegt das Potential für zahllose andere Samen. Im Baum liegt das ganze Potential des Waldes. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß die Gemeinde in Zeiten ernsthafter Herausforderungen an ihre Anpassungsfähigkeit ihr Überleben maximiert, wenn sie sich dezentralisiert, ausbreitet und multipliziert.

Virusähnliches Wachstum
Der Gedanke der Vervielfältigung läßt uns über Wachstumsmuster nachdenken. Eine der kraftvollsten Eigenschaften organischer Systeme ist ihre Fähigkeit, sich spontan und hyperbolisch zu reproduzieren. Dieser Aspekt organischer Multiplikation bei bemerkenswerter Wachstumsrate macht den in einem vorherigen Kapitel beschriebenen missional-inkarnatorischen Impuls so mächtig. Stell Dir vor: Jeder von uns schließt einen Bund, während unseres Lebens zwei Menschen zum Herrn zu bringen. Wir verpflichten uns dazu, sie zu Jüngern zu machen und ihnen die Herausforderung zu geben, dasselbe zu tun. Oder Gemeinden, die zwei andere gründen etc. Wende dies auf (1) Evangelisation, (2) Jüngerschaft und (3) Gemeindegründung an, und wir hätten unseren Auftrag in kürzester Zeit erledigt. Genau so wuchs die frühe Gemeinde von 25.000 auf 20.000.000 in zweihundert Jahren und die chinesische Gemeinde von 2.000.000 auf 60.000.000 oder mehr in vierzig Jahren. So einfach und kompliziert ist das. Addition im Sinne der Gemeindewachstumsbewegung kann niemals auch nur darauf hoffen, mit einer wahrhaft missional-inkarnatorischen Bewegung mitzuhalten, in der sich Apostolischer Genius manifestiert. Keine Chance!
Gedanken verbreiten sich wie das SARS-Virus. Sie beginnen klein, und wenn die Bedingungen stimmen, breiten sie sich wie verrückt aus. Das Evangelium verbreitet sich ebenfalls wie ein Virus. Es wird von einer Person zur anderen weitergegeben. Alles was benötigt wird, sind die richtigen Bedingungen und die passenden Beziehungen. Diese Bedingungen könnten entstehen aus einer Wechselbeziehung zwischen unserer Kommunikation mit kulturell resonanten Ideen durch bedeutsame Beziehungen, dem Gebrauch neuer Medien, einem Verständnis des menschlichen Bedürfnisses für das Evangelium, einer Beschäftigung mit der existentiellen Suche, die stattfindet, und einer Reaktion auf die Herausforderung an die Anpassungsfähigkeit der Gemeinde im 21. Jahrhundert.
Wenn wir metabolischen Virusmustern folgten, bräuchte es nicht lange, um den Auftrag zu erfüllen. Der entscheidende Faktor ist, daß wir ernsthaft daran festhalten bis zum Ende. Mit dem Anbruch des Netzwerkes und dem Zeitalter neuer Technologien und Medien besitzen wir eine wunderbare Möglichkeit, neu zu lernen, wie Mission unter Einbezug der Rhythmen des Lebens und von Beziehungen organisch geschehen kann.

Laß uns über Sex reden
Alles organische Leben versucht, sich über Reproduktion zu vervielfältigen und seinen Fortbestand zu sichern. Im biologischen Leben geschieht dies durch sexuelle Reproduktion und nicht durch Klonen oder Replikation. Diese Unterscheidung ist signifikant, da, wenn Gemeinden und Denominationen, die Programme und Strategien zur Gründung neuer Gemeinden entwickelt haben, für gewöhnlich ihre Ansätze mehr dem Vorgang des Klonens als der sexuellen Reproduktion entsprochen haben. Als Resultat steht dann nur eine Kopie bzw. ein Duplikat des originalen Modells oder Systems. Reproduktion sorgt für Einzigartigkeit, Entwicklung und Unterschiedlichkeit, um die Chance des Überlebens unter verschiedenen Bedingungen zu erhöhen.
Wenn wir im Westen den latenten Apostolischen Genius wiedergewinnen wollen, müssen wir das Evangelium theologisch destillieren, um den Kern unseres Glaubens herauszufinden und diesen in Zeiten der Herausforderung an unsere Anpassungsfähigkeit leicht weitergeben zu können. Dies bezieht sich nicht nur auf das Evangelium, sondern auch auf die ganze Vorstellung von Gemeinde. Ich will nicht als unnötigerweise kritisch gegenüber der Gemeindewachstumsbwegung erscheinen oder die Aufrichtigkeit derer in Frage stellen, die nach ihren Prinzipien agieren. Sie darf nur nicht der einzige Pfeil in unserem Köcher sein.
In den historischen Ausdrucksformen des Apostolischen Genius sind Leiterschaft und theologische Entwicklung eingebaute Arbeiten der Graswurzel-Bewegung selbst. Theologisieren, intellektuelle Auseinandersetzungen und Leiterschaftsentwicklung machen einen integralen Teil der Jüngerschaft der Bewegung in Bezug auf die Berufung und Begabung durch Gott aus. Wenn wir dies in unserer Praxis trennen und an professionelle Institutionen outsourcen, wird es nicht lange dauern, bis wir nicht nur von diesen Institutionen abhängig sein werden, sondern auch nicht mehr in der Lage sein werden, dies in Umgebungen zu reproduzieren, die unsere Anpassungsfähigkeit erfordern.

Zu guter Letzt
Wenn organische/lebende Systeme auf ein echtes Bewegungs-Ethos treffen, das in netzwerkartigen Strukturen seinen Ausdruck findet und die richtigen Bedingungen für Reproduktion und exponentielles Wachstum gegeben sind, dann wird Geschichte geschrieben.

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Blog-Stöckchen: Web 2.0

1. Mai 2007

Peter hat mich mit einem neuen Blog-Stöckchen beworfen, welches sich mit Web 2.0 auseinandersetzt.

Nutzt Du Social Bookmarking/Networking Seiten wie Digg, Yigg, Mister Wong oder Del.Icio.Us? Wenn ja, welche?
Jawohl, ich nutze Del.icio.us, wie Du auch unterhalb des Headers meines Blogs erkennen kannst. Allerdings nutze ich wenig „social“ und viel „bookmarking“. Gespeichert wird Unterschiedliches:

  • Spezifische Materialsammlung: Interessante Artikel, die zum Thema einer kommenden Seminararbeit passen könnten
  • Allgemeine Materialsammlung: Online-Magazine, Blogs, Nachschlagewerke, Podcast-Seiten etc., die ich nicht für essentiell wichtig halte, aber auf denen ich immer mal wieder vorbeischaue
  • Just 4 Fun: Seiten, Videos etc., die ich gerne bei Gelegenheit wieder genieße
  • Blog-Erweiterung: Texte und Anleitungen zu PlugIns, die ich von Zeit zu Zeit installiere
  • Ungelesenes: Was ich in meinem Feedreader nicht sofort lese, wird getaggt und am nächsten freien Tag (üblicherweise Sonntag) überflogen

Schaust Dir Videos bei Videoportalen wie YouTube, Sevenload oder DailyMotion an? Wenn ja, was für Videos guckst Du Dir meistens an?
Ja, primär YouTube. Das sind meist Clips, über die ich in Blogs stolpere. Spaßiges, Theologisches, Meditatives etc. Aus eigenem Antrieb bin ich sehr selten bei Videoportalen anzutreffen, das liegt dann daran, dass in meinem Kopf die Melodie eines Liedes erklingt, das ich sehr lange nicht mehr gehört habe, und ich mich frage, ob es davon irgendwo ein Video gibt.

Kennst bzw. nutzt Du Flickr?
Ja und äh – jein. Ich besitze keine Digi-Cam. Wenn ich eine ausleihe (was höchst selten vorkommt), speichere ich die Bilder bei Flickr. Momentan sind das max. 15 oder so…

Was hältst Du von Diensten wie Twitter oder Frazr?
Ersteren kenne ich aus der Blogosphäre, letzterer sagt mir nichts. Twitter muss für mich momentan nicht wirklich sein. Aber das hab ich auch schon vom Bloggen gesagt…

Wie viele RSS-Feeds hast Du abonniert?
Im Augenblick sind es 84.

Liest Du die alle täglich?
Eigentlich ja. Mal mehr, mal weniger intensiv.

In wie vielen Weblogs bloggst Du? (Eigene oder Mitautor)
Ausschließlich hier. Allerdings kenne ich jemanden, der gerne auch anderswo meine Beteiligung sehen würde 😉

Kommentierst Du in anderen Blogs? Wenn ja was?
Ja. Einerseits bei Interesse an einer Diskussion, andererseits bei Menschen aus meinem näheren Umfeld, um ein wenig Kontakt zu halten.

Wer ist Dein persönlicher “Blog-König von Deutschland”?
Da habe ich keinen zu bieten.

Gehört Weblogs Deiner Meinung nach die Zukunft oder sind sie nur ein vorübergehender Hype?
Hm. Weder noch. Ich glaube nicht, dass sie in der Zukunft die Kommunikationsplattform schlechthin sein werden. Ebenso wenig erwarte ich ihr Verschwinden, sondern gehe davon aus, dass sie ihre derzeitige Rolle behalten.

Wird es Dein Blog / Deine Blogs dann auch noch geben?
Voraussichtlich ja. Solange in meinem Leben keine Neuordnung der Prioritäten notwendig sein wird.

Weiter geht’s
Ich hole aus und werfe. Mal sehen, ob sich [depone], PICKABOO und Journeyfiles treffen lassen.

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