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Archiv für April, 2007

Was ist denn jetzt eigentlich „Emerging Church“?

27. April 2007

Seit einigen Tagen findet auf ein paar Blogs ein interessanter Austausch über „Emerging Church“ bzw. „Emergent“ im deutschsprachigen Raum statt. Nachlesen kannst Du den Verlauf der Gedanken bei Peter, Alex, Danny, Simon und Björn. Sicherlich kann man über den Sinn einer solchen Geschichte streiten, aber es scheint in der Natur von uns Deutschen zu liegen, manches eben definieren zu wollen. Meiner Ansicht nach haben Eddie Gibbs und Ryan Bolger in ihrem Buch die Praxis der Bewegung gut getroffen. Ihre neun Kategorien nennt Danny in einem Kommentar bei Simon:

– Sich mit Jesus identifizieren
– Säkulare Orte verändern
– Als Gemeinschaft leben
– Den Fremden willkommen heißen
– Mit Güte dienen
– Als Produzenten mitmachen
– Als kreativ geschaffene Wesen kreativ sein
– Als ein Leib leiten
– Alte und zeitgemäße Spiritualitäten vereinen

Mein persönliches Emergentes Manifesto habe ich vor längerer Zeit schon formuliert. Bislang hatte ich keine große Motivation, nochmals daran rumzudoktern, allerdings sollte es zusammen mit meinen Gedanken zu Missio Dei gesehen werden.

Zur Terminologie „Emerging Church“
Eine interessante Frage ist die nach dem Ursprung der Terminologie – woher kommt eigentlich der Begriff „Emerging Church“? Ich denke, dass sich auch darüber streiten ließe. Meines Wissens hat Karen Ward schon früh eine Domain unter diesem Namen reserviert, die mal unter emergingchurch.org zu finden war, jetzt aber vom Netz ist. In England gibt es die EmergingChurch.Info auch schon ne ganze Weile. Nichtsdestotrotz bleibt mein subjektiver Eindruck, dass die Verbreitung des Buches The Emerging Church: Vintage Christianity for New Generations von Dan Kimball zur Verbreitung der Worte „Emerging Church“ geführt haben. Ich mag das Buch immer noch – auch wenn es einige Freunde aus der Bewegung gibt, die nicht mehr EC genannt werden wollen, weil sie dann zu schnell mit Kimball identifiziert werden. Der deutsche Untertitel Die postmoderne Kirche lädt ja auch zum „Aua!“-Ausruf ein… Sehr schade ist, dass damit das, was Kimball mit „Vintage“ sagen wollte, nicht erfasst wird und man geneigt ist, EC als „next big thing“ zu verkaufen, was eben nach Purpose-Driven und Seeker Sensitive kommt. Und das ist außerordentlich schade, weil eben damit EC in einer Schublade steckt – aufgrund eines einzigen falsch verstandenen Buches.
Aber zurück zur Frage nach dem Ursprung der Terminologie. In Listening to the Beliefs of Emerging Churches (formidables Buch, in welchem Dan Kimball, Karen Ward, Doug Pagitt, Mark Driscoll und John Burke darlegen und – sehr geil! – diskutieren, was und wie sie glauben und Robert Webber interessante Einleitungs- und Schlussgedanken äußert) schreibt Kimball u.a. darüber, warum er die Bezeichnung „Emerging Church“ verwendet. Er hatte sie zuerst bei Leadership Network gesehen, die sich selbst als „advance scouts for the emerging church“ verstanden. Nachfolgend Dan’s Ausführungen gemäß meiner Übersetzung:

Mir gefiel die Verwendung des Wortes „emerging“, da es sich wie eine abenteuerliche Forschungsreise zu neuen Horizonten anfühlte, die der Geist Gottes unter Gemeinden unserer sich neu abzeichnenden Kultur anleitete.
Im Wörterbuch wird „emerging“ als das, „was an die Oberfläche kommt“, bezeichnet. Ich begann, die Worte „emerging church“ zu verwenden, um Gemeinden zu beschreiben, die erforschen, was es bedeutet, beim Eintritt in diesen neu sich abzeichnenden Kulturen Gemeinde zu sein. Das ist dem, was Missionare machen, nicht unähnlich. Wenn Missionare beim Eintritt in eine Kultur nicht vieles neu durchdenken, sind sie wahrscheinlich in der Mission nicht sehr effektiv. Ich habe den „Emerging“-Weg nie nur als besonderen „Stil“ oder „Methodologie“ im gemeindlichen Dienst verstanden. Ich habe ihn auch nie als spezielle Theologie verstanden (obwohl die Wurzeln alles dessen, was wir in der Gemeinde tun, in Theologie gründen). Ich verstehe den Gedanken der „Emerging Church“ mehr als ein Mind-Set, eine Denkweise über Theologie. Ich verstehe die Bezeichnung „Emerging Church“ als Beschreibung derer, die erkennen, dass sich die Kultur verändert und die keine Angst haben, tief und angestrengt über das Verständnis von Gemeinde nachzudenken, während wir zusammen unterwegs auf einer abenteuerlichen Mission für das Evangelium Jesu sind.
Ich denke auch nicht, dass der „Emerging“-Weg der neue tolle Weg ist, oder dass Du, wenn Du nicht „emerging“ bist, untergehst und nutzlos bist. Oder dass manche „drin“ und andere „draußen“ sind, je nachdem ob sie jetzt „emerging“ sind oder nicht. Wir haben jeder einen anderen Platz in der Mission, die Gott uns in unserem spezifischen gemeindlichen Kontext gegeben hat. Einer ist nicht besser als der andere, sie unterscheiden sich einfach bloß abhängig vom lokalen Kontext. (83f)

Interessanterweise haben Larson und Obsborne im 1970 erschienen Buch „The Emerging Church“ geschrieben: „Wenn die Gemeinde ihrem Herrn treu ist, dann kann sie niemals mit Recht sagen, dass sie jetzt ‚emerged‘ ist.“ Dem kann ich voll zustimmen. (84)

Ich glaube, dass wahre „Emerging Churches“ (…) von innen nach außen neu durchdenken, neue Formen finden und neue Werte formulieren müssen, wie wir mit allem umgehen, während sich die Kultur verändert. Wir müssen neu nachdenken über Leiterschaft, Gemeindestruktur, die Rolle eines Pastors, geistliches Wachstum, wie Gemeinschaft ausgelebt werden kann, wie Evangelisation geschehen kann, wie wir unsere Anbetung ausdrücken etc. Es geht nicht nur darum, was wir im Gottesdienst tun, sondern über alles. Dies beinhaltet unsere örtliche ekklesiologische Ausdrucksform und Ethos genauso wie unser theologisches Mind-Set. Ich empfinde sehr stark, dass es die „Emerging Church“ lieben muß, mit theologischen Fragen zu ringen und keine Angst davor haben darf, sich mit aller Art von Diskussionen und Standpunkten auseinanderzusetzen. Wir sollten offen für Veränderung sein und uns selbst in unserem Denken herausfordern lassen und nicht einfach davon ausgehen, dass das, was wir gelehrt wurden, der theologischen Weisheit letzter Schluß ist. (86)

Soweit die Worte von Dan Kimball. Dieser Definition des Begriffs schließe ich mich an. Das ist für mich der Kern dessen, was in der ganzen Unterschiedlichkeit der Emerging-Church-Bewegung pulsiert. Was denkst Du darüber?

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[Wegmarken] Josua 6 (1) – Verschlossen? Offen! Auch wenn’s komisch klingt…

24. April 2007

Die Einwohner Jerichos fürchten sich vor Israel und verschließen ihre Stadt. Gott aber spricht zu Israel: „Ich habe euch die Stadt übergeben“. Und Gott gibt die (mittlerweile legendäre) Anweisung an sein Volk, angeführt von den Priestern mit der Bundeslade an sechs Tagen einmal um Jericho zu ziehen. Am siebten Tag sollen es dann sieben Umläufe sein. Beim letzten Mal sollen die Trompeten geblasen werden und das ganze Volk laut schreien. Darauf werde dann die Stadtmauer Jerichos einfallen.

Eine Episode, die zum Nachdenken anregt. Eine verschlossene Stadt. Keine Chance für Israel, sie einzunehmen. Eigentlich. Aber „was bei den Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott“. Eine interessante Aussage: „Ich habe euch die Stadt übergeben“. Gott ist der Eigentümer, der Entscheidungen zu treffen hat. Und er hat Israel die Stadt übergeben. Zu einem Zeitpunkt, da Jerichos Mauern noch hoch aufragen, hat der Allmächtige seinen Entschluß schon getroffen, wie die Vergangenheitsform deutlich macht: Ich habe euch die Stadt übergeben. Sie gehört bereits euch. Auch wenn der äußere Anschein etwas völlig Anderes nahelegt.

Aber obwohl Gott Jericho schon an sein Volk übergeben hatte, mußte Israel die Stadt noch einnehmen. Und wie sollte das geschehen? Auf eine Weise, die für menschliche Ohren absolut lächerlich klingt: Sechs Tage lang einmal im Gänsemarsch um die sich wahrscheinlich außerordentlich amüsierenden Feinde herum, das ganze am siebten Tag gleich nochmal (Randnotiz: Zumindest einmal in dieser Woche wurde der Sabbat gebrochen…) und dann einmal Krach machen. Absurd. Eigentlich.

Was ich aus dieser Geschichte gelernt habe:
Entscheidend ist nicht, was vor meinen Augen ist, sondern was Gott mir sagt (Aber bitte, bitte, bitte: Verwende diese Erkenntnis nicht dazu, irgendwelche Schriftstellen aus dem Zusammenhang zu reißen und dann zu proklamieren, was Gott Dir anscheinend alles übergeben hat – er trifft seine Entscheidungen souverän und ist nicht mit einem Kaugummiautomaten zu vergleichen, der bei Einwurf einer Münze [eines Gebetes, des richtigen Bekenntnisses, Glaubenskraft Stufe 7 etc.] das gewünschte Produkt [Heilung, Sieg etc.] ausspuckt. Gott hält sich nicht zwangsläufig an von Menschen aufgestellte „biblische Prinzipien“… Nebenbei war es Gottes einmalige Strategie für Israel damals, Jericho zu umkreisen. Lustig, wie oft ich es schon erlebt habe, dass aus einer Gebetszeit heraus „ein Eindruck da war“, man solle jetzt siebenmal im Gebet um das zu bebetende Gebäude/Gelände marschieren – und nie ist das gewünschte Ergebnis eingetreten…)

Für Dich:
Was scheint Dir verschlossen? In welcher Situation Deines Lebens bekommst Du kein Bein auf den Boden? Vielleicht ist es wieder einmal angebracht, Deine eigenen Anstrengungen zu beenden, nach Gottes Gedanken zu suchen und ihm einfach zu gehorchen. Was könnte wahnsinniger klingen, als zwölfmal um eine Stadt rumzurennen und beim dreizehnten Mal dann Zeter und Mordio zu brüllen? Aber diese Strategie war Gottes Strategie. Vielleicht war sie auch eine Lektion in Demut, bei der Israel lernen sollte, sich nicht auf Heer oder Kraft zu verlassen, sondern auf den Geist Gottes… Warum sollte es bei Dir anders sein?

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Hurra! VfB Stuttgart – FC Bayern München 2:0

21. April 2007

Leider nicht live gesehen, aber folgende Zeilen sind ein Genuß für mich:

Selten gab es wohl einen einseitigeren Südgipfel als dieses Duell zwischen einem in allen Belangen überlegenen und auf allen Positionen überzeugenden VfB gegen eine nahezu die gesamte Spielzeit desolate Münchner Mannschaft. Der VfB legte sich mit der notwendigen Aggressivität den Gegner früh zurecht und stieß Mitte des ersten Durchangs durch Cacau dann doppelt und eiskalt zu. Mit dem 0:2-Pausenrückstand waren die Münchner mehr als gut bedient. Lediglich in den Minuten unmittelbar nach der Pause trat der FC Bayern etwas engagierter auf, konnte aber eine souveräne VfB-Elf nie gefährden. Am Ende gewann der VfB ohne Zweifel verdientermaßen das direkte Duell um Champions League Platz drei und hält auch vier Runden vor Schluss weiter alle Trümpfe in der Hand.

Quelle: Homepage VfB

Tja, FC Bayern: Mund aufgerissen und nix dahinter – viel Spaß im Uefa-Cup 8)

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Papst: Ungetaufte Säuglinge kommen in den Himmel

21. April 2007

Vatikanische Theologen lehnen die Vorstellung, dass verstorbene ungetaufte Säuglinge in eine Art Vorhölle kommen, ab. Ihr Fazit: „Es gibt theologische Grundlagen und ernst zu nehmende Liturgien, die hoffen lassen, dass ungetaufte Säuglinge erlöst werden, wenn sie sterben“. Benedikt XVI. ist einverstanden. Mehr dazu hier und hier.

Das ist eine gute Nachricht. Als ob die Tatsache, dass ein Säugling mit Wasser besprengt wird, über sein ewiges Schicksal entscheiden könnte! Was war das eigentlich für ein Unsinn mit der Nottaufe?? HALLO?!? Welch ein Gottesbild steckt da eigentlich dahinter?

Liebe Volkskirchen: Vielleicht besteht jetzt doch die Möglichkeit, nochmals prinzipiell über die Kindertaufe nachzudenken…

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[The Forgotten Ways] Apostolisches Umfeld

19. April 2007

{Dies ist der neunte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8}

Die primäre Verantwortung eines Leiters besteht darin, die Wirklichkeit zu erklären. (Max DePree)

In jeder Manifestation des apostolischen Genius gibt es eine kraftvolle Art katalytischen Einflusses, die mit dem scheinbar chaotischen Netzwerk von Gemeinden und Gläubigen verwoben ist. Es gibt kein treffenderes Wort dafür, als, um biblische Sprache zu verwenden, apostolisch. Und hierbei handelt es sich nicht nur um die Kraft des Evangeliums bzw. apostolischer Lehre, sondern auch um eine bestimmte Art Leiterschaft, nämlich die der apostolischen Person. Ich kann keine Situation finden, wo die Gemeinde die Mission Gottes auf bedeutsame Weise ausgebreitet hat, wo sie schnelles metabolisches Wachstum erfahren hat, in der man nicht auf die eine oder andere Weise apostolische Leiterschaft entdecken kann. Tatsächlich läßt sich diese Art der Leiterschaft um so schneller finden, je größer die missionalen Auswirkungen sind.

Wenn Du eine missionale Gemeinde willst, dann…
Zum jetzigen Zeitpunkt sieht sich die Kirche im Westen großen Herausforderungen an ihre Anpassungsfähigkeit gegenübergestellt. In einer sich beständig verändernden Umgebung müssen Organisationen und Führungskräfte lernbereit und anpassungsfähig sein. Es ist die Berufung einer apostolischen Person, das Christentum auszubreiten, indem sie die Gemeinde zu ihrer maßgeblichen Berufung führt und sie dabei unterstützt, zu ihrer Bestimmung zu finden, ein missionarisches Volk mit einer verändernden Botschaft für die Welt zu sein. Alle anderen Funktionen der Gemeinde müssen qualifiziert sein von ihrem Auftrag, durch ihr Leben und ihr Zeugnis die Erlösungsmission Gottes auszubreiten. Der apostolische Leiter verkörpert, symbolisiert und re-präsentiert die apostolische Mission für die missionale Gemeinschaft. Desweiteren entwickelt er die Gaben und Berufungen eines jeden im Volk Gottes. Ohne apostolischen Dienst vergißt die Gemeinde entweder ihre hohe Berufung oder schafft es nicht, diese erfolgreich umzusetzen. Der einzige Schluß aus den Forschungen und Studien zu diesem Buch ist, daß apostolischer Dienst ein entscheidendes Element des Apostolischen Genius ist und wir ihn deshalb verstehen und annehmen müssen, wenn wir eine wahrhaft missionale Gemeinde werden wollen.

Eine apostolische Aufgabenbeschreibung
Apostolischer Dienst ist eine Funktion und nicht ein Amt. In der frühen Gemeinde wurde er als Begabung und Berufung von Gott angesehen, von einem in der Übereinstimmung mit der Botschaft gelebten Leben authentifiziert und an seiner Auswirkung auf die Bewegung und deren Kontext erkannt – nämlich an der Ausbreitung der Mission Gottes und an der Nachhaltigkeit und Gesundheit der Gemeinden. Für das Überleben und Wachsen der Bewegung war er entscheidend. Die Wichtigkeit und Unersetzlichkeit dieses Dienstes erklärt sich am Besten, wenn wir den Apostel als Hüter des Apostolischen Genius und des Evangeliums selbst beschreiben. Jeder nachfolgende apostolische Dienst orientiert sich an den originalen und autoritativen Aposteln. Er oder sie ist damit die Person, welche die missionale DNA vermittelt und verankert. Und wenn die mDNA einmal in einer örtlichen Gemeinschaft eingebettet ist, dann arbeitet der apostolische Dienst daran, sicherzustellen, daß die Gemeinden ihr gegenüber treu bleiben und sich nicht in etwas verwandeln, das Gott nicht vorgesehen hatte.
Im Kern ist es die apostolische Aufgabe, das Christentum auszubreiten, und das sowohl physikalisch in der Form von missionarischem Pionierdienst und Gemeindepflanzungen, als auch theologisch durch die Integration apostolischer Lehre in das Leben einzelner Christen und der Gemeinschaften, denen sie angehören. Kurz gesagt sind es drei Aufgaben:

  1. Einbettung missionaler DNA durch das Erschließen neuen Bodens für das Evangelium und die Gemeinde (In seinem Herzen ist der Apostel ein Pionier. Dieser innovative Pioniergeist macht in der Beziehung zu anderen Diensten seine Einzigartigkeit aus).
  2. Bewahrung missionaler DNA durch die Anwendung und Integration apostolischer Theologie (Apostel sind nicht nur hitzköpfige Unternehmer; sie sind auch arbeitende Theologen – oder sollten es zumindest sein, wenn sie wahrhaft apostolisch sind).
  3. Ein Umfeld schaffen, in welchem die anderen Dienste zum Vorschein kommen (Apostolischer Dienst ist die grundlegende Gabe, die sowohl das Umfeld, als auch den Referenzpunkt für die anderen in der Bibel erwähnten Dienste bereitstellt). Der fünffältige Dienst (apostolisch, prophetisch, evangelistisch, hirtlich, lehrhaft) besteht aus delegierten Diensten, die aus der apostolischen Aufgabe, Hüter der missionalen DNA zu sein, geboren werden – der apostolische Dienst ist der grundlegende. Und es muß betont werden: Das Leiterschaftsmodell ist das eines inspirierenden Dieners, und nicht jemand, der über die anderen herrscht und sie niederhält.

Feld der Träume
Apostolischer Dienst wird durch Leiden und Ermächtigung authentifiziert, nicht durch Anspruch auf eine Leitungsposition mit institutionellen Hebeln. Er bezieht seine Autorität und Kraft aus dem Gedanken des Dienens und der Berufung, sowie aus moralischer und geistlicher Größe. Im Einklang mit der Volksbewegung, der er dient, erfordert auf inspirativ-geistlicher Leiterschaft basierender apostolischer Dienst einen organischen, beziehungsorientierten Führungsstil, der Zweck, Bewegung und Reaktion in denen hervorruft, die in seine Umlaufbahn kommen. Dies geschieht auf dem Grund der erkennbaren Berufung sowie geistlichen Begabung und Autorität der apostolischen Person. Und wie immer bei großer Leiterschaft wird ein Einflußfeld geschaffen, in welchem spezielles Verhalten geschieht. Die Gegenwart eines großen Leiters, z.B. Nelson Mandela, verändert das Verhaltensmuster einer Gruppe. Diese Matrix der Apostolizität ist für das Entstehen authentisch missionaler Gemeinde entscheidend, weil es die Aufgabe apostolischen Dienstes ist, ein Umfeld zu schaffen, in welchem die apostolische Vorstellungskraft des Volkes Gottes erweckt, die geistlichen Gaben und Dienste entwickelt und die vom Evangelium inspirierte Hoffnung und Liebe bekannt gemacht werden kann. Das Problem mit CEO-mäßiger Leiterschaft ist, dass sie dazu neigt, andere zu entmachten, und falls der Leiter die Gruppe verlassen sollte, ist die Organisation meist schwach und unterentwickelt. Charismatische Leiter sind eines der größten Hindernisse dafür, daß aus einer guten Organisation eine sehr gute werden kann. Der Leiter spürt die schlafende Energie und katalysiert sie. Bewegung und Adaption finden nicht deswegen statt, weil der Leiter alle Antworten hat, sondern aufgrund des Zusammenspiels der Umgebung, zeitlicher Gegebenheiten, Mitgliedern der Organisation und einem Leiter, der die Herausforderung so ausdrücken kann, dass andere zu einem Tanz eingeladen werden, der während seiner Aufführung erst choreographiert wird. Alle Elemente des Apostolischen Genius sind schon latent in der mDNA der Kirche vorhanden. Die Leiterschaft muß sie nur noch unter der Kraft des Heiligen Geistes wachrufen. Wie ein guter Landwirt schafft apostolische Leiterschaft die äußeren Bedingungen, die inneres Wachstum und Entwicklung ermöglichen und sucht den Einklang mit dem Wirken Gottes.

Bedeutungsnetze schaffen
[Über ein Beispiel der chinesischen Untergrundkirche schreibt Hirsch:] Leiterschaft und Gefolgschaft gründeten auf einem gemeinsamen und geteilten Verständnis von Sinn und Zielen, die von geistlichen und persönlichen Banden zusammengehalten wurden, ein Gewebe, das sich auf Millionen von Menschen ausdehnen kann. Eine andere Art der Betrachtung dessen, wie apostolischer Dienst ohne Abhängigkeit von zentralisierten Organisationsformen einen weiten Einfluß ausübt, ist eine Sichtweise im Sinne des Managements [wahrscheinlich besser: der Vermittlung] von Sinn [oder: Bedeutung]. Apostolischer Genius manifestiert sich im Normalfall in der Form einer aus Netzwerken von [freien] Werken, Gemeinden und Einzelpersonen bestehenden Bewegung und wird von einem Bedeutungsnetz [web of meaning: Wie sag ich das auf deutsch?] zusammengehalten, das durch apostolischen Einfluß und Umgebung geschaffen wird. Apostolische Leiterschaft tut dies, indem sie das Beziehungsnetz auf die Bedeutung und die Implikationen des Evangeliums fokussiert, sowie auch auf die Beziehungen, die dadurch begründet werden. Jede Einzelperson, jedes Werk und jede Gemeinde ist nur deshalb mit dem apostolischen Leiter verbunden, weil es für sie bedeutsam/sinnstiftend ist, und nicht, weil sie es müssen. Weil in jeder christlichen Gemeinschaft das Evangelium eingepflanzt wurde und der Heilige Geist gegenwärtig ist, sind apostolischer Dienst und Leiterschaft in der Lage, das Netzwerk zusammenhalten.

Ein (apostolisch-) genialer Zug
Missionale Kirche erfordert ein missionales Dienst- und Leiterschaftssystem. Der fünffältige Dienst gehört zur DNA des gesamten Gottesvolkes – in das eigentliche Gewebe dessen, was es heißt, „Gemeinde“ zu sein. Dies zu erkennen ist entscheidend dafür, die wahre Kraft der paulinischen Lehre zu entriegeln und ein erweitertes Verständnis von Priesterschaft und Dienst aller Gläubigen zu bekommen. Im Licht des fünffältigen Dienstes kann Leiterschaft als „Berufung innerhalb einer Berufung“ angesehen werden. Es handelt sich hierbei um eine eigenständige Aufgabe, die es mit sich bringt, den Leib Christi zu leiten und zu beeinflussen, ihm nicht nur zu dienen bzw. sich um ihn zu sorgen. Selten ist bei jemandem nur einer dieser Dienste in Aktion. Unsere Berufung scheint sich oft in einem Komplex von Dienstgaben auszudrücken, obwohl wir primär in in einer von ihnen agieren – abhängig von unserem Kontext. Ob es mehr als die im fünffältigen Dienst genannten Dienstgaben/-ämter gibt? Vielleicht, aber es kann gesagt werden, dass das neutestamentliche Dienstmodell mindestens fünffältig ist. Wie ist das Verhältnis der Geistesgaben zu diesen Diensten? Ich glaube, dass die Dienste alle Geistesgaben verwenden – so wie sie gebraucht werden und so wie Gott sie schenkt. Natürlich verwenden gewisse Dienste auch besondere Geistesgaben. Der fünffältige Dienst ist als System gedacht und soll auch so funktionieren: Ein System innerhalb des lebenden Systems Gemeinde. Der ganze Text in Epheser 4 ist voll von organischen Bildern wie Leib, Glieder, Gelenke, Haupt etc. Christlicher Dienst ist nicht dazu bestimmt, einfältig oder zwiefältig zu sein, sondern fünffältig, und jeder Leiterschaftsstil wird von den speziellen Beiträgen der anderen gestärkt und ergänzt. Sind alle fünf vorhanden und in effektiver Weise miteinander verbunden, wird der Leib Christi auf die bestmögliche Weise funktionieren. Um die Begriffe von Paulus in Epheser 4 zu verwenden, wird er „wachsen“, „zur Reife kommen“, „sich selbst auferbauen“ und „zur Einheit des Glaubens gelangen“. Diejenigen Dienste, die mehr nach außen und nicht auf den Status quo schauen (wie Apostel, Propheten und Evangelisten) werden sicherstellen, daß genügend Information von außen kommt und für eine dynamische Auseinandersetzung mit der Umgebung und damit letztlich auch für Wachstum sorgen. Die mehr erhaltenden Dienste (wie Hirten und Lehrer) werden sicherstellen, daß die Gemeinde ihr Maß nicht überschreitet. Insgesamt führt dies zu einer guten Balance zwischen gemeindlicher Gesundheit und missionaler Fitness.

Das letzte Wort
Dieses Kapitel versuchte darzulegen, warum das apostolische Umfeld ein Schlüsselelement des Apostolischen Genius darstellt. Apostolischer Einfluß erweckt die Gemeinde zu ihrer eigentlichen Berufung und Identität und ist als solcher unersetzbar. Im besten Falle können Bewegungen und Gemeinden ohne apostolischen Einfluß nur Aspekte missionaler DNA aufgreifen; sie können sie allerdings nicht zu diesem zusammenhängenden, synergistischen Ganzen verbinden, das wahren Apostolischen Genius ausmacht. Auch deswegen habe ich diese elementare Kraft der Gemeinde „Apostolischer Genius“ genannt. Es liegt etwas Essentielles und Unersetzbares im Dienst des Apostels, was für die Entstehung missionaler Bewegungen wie die der biblischen und nachbiblischen Zeit oder der chinesischen Kirche entscheidend ist.

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Theologia Semper Reformanda

19. April 2007

So lautet der Titel meiner Bachelor-Thesis, in der ich „Grundlinien für theologisches Arbeiten in der Zeit nach der Moderne“ formuliert habe. Zwei Jahre hat das Ding gebraucht, ein weiteres halbes Jahr lang dauerte die Korrekturschleife. Schön, dass der Prozess nun abgeschlossen ist, schöner noch, dass es zu 97% und „summa cum laude“ gereicht hat. Eine weite Reise lag hinter mir, war mein ursprüngliches Ziel doch eine Abhandlung über territoriale Mächte gewesen. Auf der Suche nach einem biblisch begründeten Wirklichkeitsverständnis bin ich bei einer fundamentaltheologisch-hermeneutischen Reflexion angekommen, die nach Ansicht der Korrektoren „weit über dem Niveau üblicher theologischer BA-Arbeiten liegt“ und „extraordinary broad knowledge“ zeigt. Hurra! Das hätte ich zu Beginn des Studiums auch nicht erwartet 😉 Eine schöne Bestätigung, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Das Diplom wird übrigens im November überreicht, und wenn alles klappt, wird auch der gute [depone] dann seinen Master erhalten. Die Zeit bis dahin will genutzt sein: Ab Mai bin ich offiziell im MA-Programm am Start, die erste Arbeit wird ein Abriss über neue ekklesiologische Ansätze der EmergingChurch-Bewegung sein. So macht Studieren Spaß…

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[Wegmarken] Josua 5 (4) – Der Fürst über das Heer des Herrn

18. April 2007

In der Nähe der Stadt, die als erste eingenommen werden muss, sieht Josua „einen Mann mit einem gezückten Schwert“. Josua fragt ihn, ob er zu ihnen oder zu den Feinden gehört. Eine sehr interessante Frage, will mir scheinen. Josua gibt damit seine Identität preis. Fürchtet er sich nicht? Begegnet er diesem Mann allein? Ist er bewaffnet? Begibt er sich mit dieser Frage nicht in Todesgefahr? Nun ja, die Bibel lässt es offen… Der Mann antwortet: „Ich bin als Fürst über das Heer des Herrn gekommen“. Daraufhin fällt Josua sofort vor ihm nieder, betet ihn an und fragt ihn: „Was befiehlst Du Deinem Knecht zu tun, mein Herr?“ Der geheimnisvolle Fürst erwidert: „Zieh Deine Schuhe von Deinen Füßen, denn der Ort, auf dem Du stehst, ist heilig“. Josua tut es und die Erzählung bricht ab.

Gedankensplitter:

  • Das „Heer des Herrn“ ist nicht zwingend das Heer Israels. Josuas Besucher steht wie ein „neutraler“ da, fast wie eine dritte Partei. Ist diese Deutung zulässig, dann höre ich eine Ermahnung, meine Sache nicht mit Gottes Sache zu verwechseln, auch wenn ich in göttlicher Mission unterwegs bin.
  • Vielleicht ist das „Heer des Herrn“ auch das Heer Israels. Dann ist Josuas Besucher gekommen, um die Befehlsgewalt zu übernehmen. Ist diese Deutung zulässig, dann höre ich eine Ermahnung, auch dann, wenn ich in göttlicher Mission unterwegs bin, ständig nach den Anordnungen der höheren Instanz zu fragen.

Wer ist der „Fürst über das Heer des Herrn“?

  • Das kann ein von Gott eingesetzter Befehlshaber sein, eine Engelmacht
  • Das kann Gott selbst sein – Wer ist der Sohn meines Vaters? Ich! Wer ist der Fürst über das Heer des Herrn? Der Herr! Ich tendiere zur Annahme, dass es sich hierbei um Gott gehandelt hat. Warum? Zunächst einmal lässt der Fürst die Anbetung durch Josua zu. Das machen Engel im Normalfall nicht (siehe Offb). Nur Satan würde es zulassen, aber diese Deutung ist mir zu ultraweit hergeholt… Also Gott. In meinem Hinterkopf höre ich die Worte des Johannes: „Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“ Also schließe ich mich einer sehr umstrittenen Deutungsvariante an und tendiere zur Annahme, dass es sich hierbei um Jesus gehandelt haben könnte, der denselben Namen wie Josua trägt und dessen Vor-Bild Josua ist.

Josuas Reaktion
„Was befiehlst Du Deinem Knecht zu tun, mein Herr?“ – In der Begegnung mit Gott ist die einzig angebrachte Reaktion die des Josua: Unterwerfung – Anbetung und Dienstbereitschaft.

Die Erinnerung an Mose
„Zieh Deine Schuhe aus, die Stätte, darauf Du stehst, ist heilig.“ Heilig und abgesondert ist der Ort nicht an sich, sondern aufgrund der manifesten Gegenwart Gottes. Das Ausziehen der Sandale meint auch einen weiteren Akt der Unterwerfung unter einen Höheren. Hier ist die Erinnerung an Mose deutlich. Dessen Berufung am Dornbusch begann mit denselben Worten aus dem Mund Gottes. Vielleicht ein weiterer Hinweis auf die Identität des Fürsten über das Heer des Herrn. Mose zog daraufhin zurück nach Ägypten und führte Israel heraus aus der Knechtschaft, durch das Rote Meer in die Wüste. Josua hat seine Berufung schon hinter sich, auch den Jordan hat er schon durchzogen.

Wie geht es weiter?
Josua reagiert auf die Anweisung des Fürsten. Wahrscheinlich hat er sich an Mose erinnert, als das Gebot zum Ausziehen der Schuhe kam. Josua tut dasselbe. Unterwirft sich unter Gott. Was ihm der Fürst über das Heer des Herrn gesagt hat, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich hat er den Auftrag Josuas nochmals bestätigt. Im Bewußtsein des Beiseins Gottes konnte der Fürst über das Heer Israels an die kommenden Aufgaben machen.

Gut zu wissen, dass der Fürst über das Heer des Herrn nicht fern ist!

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‚Die Wahrheit über die Emerging Church‘ und ‚Der Papst über Jesus‘

17. April 2007

Gestern habe ich das Ende meiner Zahnschmerzen gefeiert. War wohl etwas voreilig, denn in der Nacht hat sich ein anderes Beißerchen gemeldet und dafür gesorgt, dass sich mein Schlafpensum wieder einmal reduzierte. Nun gut, dann machen wir eben aus der Not eine Tugend, war die Devise. Auf meinem schönen Palm sind ja noch so viele Podcasts drauf, da könnte ich ja mal einen hören. Ich entschied mich für einen, der „Emerging Church“ im Titel trug. Eine englische Predigt mit deutscher Übersetzung. Mein Urteil vorab: Ein Wort, das ein feiner Schauspieler in einem großen Film verwendet, um ein suboptimales Lyrik-Verständnis zu klassifizieren: Exkrement. (Wer errät den Film?) Wie dieser Scherz auf meinen Palm kam, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, ist aber vielleicht auch besser so. Schlimmer geht’s nimmer. Für den interessierten Leser folgt nun die Kurzzusammenfassung des Inhaltes seiner Aussagen in Stichpunkten:

  • Brian McLaren ist der Boss der Emerging (wahlweise auch: Emergent) Church Bewegung
  • Hinter dieser Bewegung steckt in Wahrheit die katholische Kirche
  • Die katholische Kirche ist in Wahrheit die große Hure Babylon aus Offb 17
  • Das Ziel der EC-Bewegung ist in Wahrheit das Rückkgänging-Machen der Reformation
  • Dies geschieht dadurch, dass den Gläubigen die Bibeln weggenommen werden
  • Statt dessen sollen sie dazu gebracht werden, zu Ikonen zu beten und spirituelle Erfahrungen zu machen
  • Rick Warren und Bill Hybels unterstützen die EC-Bewegung nach Kräften
  • Ob Warren und Hybels nur verführt wurden, oder die Herde absichtlich in die Irre leiten, ist nicht bekannt
  • Wer sich vor diesen Gefahren wappnen will, sollte dringend die in Bälde anstehende „Prophecy Conference“ des Sprechers besuchen

Na, habe ich zuviel versprochen? Wenn schon Exkrement, dann aber richtig. Am Ende des Podcasts war der Zahnschmerz vergessen. Das Gehörte erregte weitaus größeres Leiden.

Interessanterweise setzte heute die Postbotin einen Kontrapunkt zum gestrigen Trauma, indem sie mir das neue Buch des mittlerweile 80-jährigen Joseph Ratzinger, Papst Benedikt XVI., aushändigte.
3451298619.01. Scthumbzzz Aa90 Jesus von Nazareth: Von der Taufe bis zur Verklärung.
Eine Dreiviertelstunde lang habe ich durch dieses Buch geblättert, quer gelesen, immer mal wieder eingetaucht. Wie zu erwarten war: Welten zum gestrigen Podcast. Hier ein arroganter Prediger mit Hinterwäldler-Rethorik, Verschwörungstheorien und „Ich bin der Einzige, der die Geister unterscheiden, die Schrift auslegen und die Zeiten deuten kann“-Einstellung, der Exkrement produziert. Dort das Oberhaupt der katholischen Kirche (die nicht die meine ist), der Papst, der kraft Amtes unfehlbar ex cathedra sprechen könnte, sich statt dessen als Sucher präsentiert, der zu diesem Buch „innerlich lange unterwegs gewesen ist“, es als „Ausdruck meines persönlichen Suchens „nach dem Angesicht des Herrn“ (vgl. Ps 27,8)“ geschrieben hat, weil es ihm „vor allem vordringlich schien, Gestalt und Botschaft Jesu in seinem öffentlichen Wirken darzustellen und dazu zu helfen, dass lebendige Beziehung zu ihm wachsen kann“. Dieses Anliegen war ihm ein so großes, dass er „nach meiner Wahl auf den Bischofssitz in Rom (…) alle freien Augenblicke genutzt [hat], um das Buch voranzubringen“. In seinem demutsvollen Ansatz, der „kein lehramtlicher Akt“ sein will, geht Ratzinger über die historisch-kritische Exegese hinaus. Deren Erkenntnisse hält er zwar für unverzichtbar, dennoch traut er den Evangelien, glaubt, daß sie das Bild des historischen Jesus zeigen, und darum theologisch ausgelegt werden wollen. Ratzinger sieht „… Jesus von seiner Gemeinschaft mit dem Vater her, die die eigentliche Mitte seiner Persönlichkeit ist, ohne die man nichts verstehen kann und von der her er uns auch heute gegenwärtig wird.“ Ein mir insgesamt sehr sympathisches Vorgehen.
Das Buch enthält Kapitel über die Taufe Jesu, die Versuchungen, das Evangelium vom Reich Gottes, die Bergpredigt, das Gebet des Herrn, die Jünger, die Botschaft der Gleichnisse, die großen johanneischen Bilder, Petrusbekenntnis und Verklärung, sowie zuletzt über Selbstaussagen Jesu. Ratzinger entwickelt sein Verständnis von Jesus auf der Grundlage vieler alttestementlicher Aussagen, und obwohl er von den neutestamentlichen Apokryphen über die Kirchenväter und Schriften jüdischer Gelehrter bis hin zur aktuellen theologischen Diskussion eine Menge Literatur heranzieht, bleibt das Buch doch leicht und flüssig lesbar und besitzt einen angenehm kontemplativ-meditativen Charakter.
Ich freue mich schon jetzt darauf, diesem Buch irgendwann in den nächsten Monaten einen entspannten Sonntag zu widmen und den Gedanken Ratzingers hinterherzudenken. Bin gespannt, welche Reaktion „Jesus von Nazareth“ hervorrufen wird, immerhin hat es in der Amazon-Bestsellerliste schon den neuen Harry-Potter Band überholt. Und das ist doch schon mal was…

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Zahnarzt – das volle Programm

16. April 2007

Da habe ich mich mal wieder nicht mit Rum bekleckert. Hätte es eigentlich von Stephen Covey lernen sollen: Tu das Wichtige, solange es noch nicht dringend ist. Das gelingt mir im Regelfall eigentlich ganz gut. Nur hatte ich den nächsten Zahnarztbesuch immer wieder verschoben – und das seit Jahren. In der Zwischenzeit war an einem Backenzahn aufgrund eines herzhaften Bisses in eine gebrannte Erdnuss ein Stück abgebrochen, an einem anderen hatte sich ein Teil der Füllung verabschiedet und darüber hinaus hatte ich das Gefühl, dass da noch das eine oder andere gemacht werden müsste. Aber ich hatte ja keine Schmerzen, also war es wohl auch nicht so dringend. Jedenfalls hatte ich mir für die erste Maiwoche vorgenommen, beim örtlichen Man in White vorbeizuschauen. Würde dann schon passen.

Dummerweise hat es nicht gepaßt. Freitag Abend waren langsam zunehmende Zahnschmerzen da. Also diese Woche irgendwann mal nen Termin ausmachen. Soo dringend ist es ja nicht, was sind schon Schmerzen? In der Nacht auf Sonntag bin ich dann um 3:00 Uhr von meinem Zahn geweckt worden – der, bei dem sich ein Teil der Füllung verabschiedet hatte. Wow, ich hatte nicht gedacht, daß mein Schlafrhythmus von meinen Beißerchen bestimmt werden würde. Jeder Pulsschlag war spürbar, das Wasser lief in die Augen und nach 4,5 Schmerztabletten habe ich von 5:00 Uhr an dann doch noch beinahe drei Stunden geschlafen. Am gestrigen Sonntag Vormittag ging es dann zum zahnärztlichen Bereitschaftsdienst, was 30min Autofahrt erforderte. Spritzen bekommen, das Teil aufgebohrt, so daß nur noch die Seitenwände standen, selbsterhärtende Knetmasse eingefüllt und dann wieder nach Hause. Keine Schmerzen mehr, sehr gut.

Heute war ich dann bei meinem örtlichen Zahnarzt. Offensichtlich datiert mein letzter Besuch in’s Jahr 2000. Ist dann doch schon eine Weile her. Jetzt steht eine Wurzelbehandlung und acht Füllungen an – das volle Programm 😉

Warum ich das schreibe: Lerne Du von mir! Sei nicht so doof wie ich und schiebe das Wichtige hinaus, nur weil es nicht dringend erscheint. Tu es jetzt! Sei es der Besuch beim Zahnklempner, die ärztliche Vorsorgeuntersuchung, das Lernen auf die nächste Prüfung, etc. Alles, wovon Du Dir gesagt hast: „Eigentlich sollte ich langsam mal…“ Tu es jetzt. Lege den Termin fest. Leite Gegenmaßnahmen ein. Warum solltest Du meine Dummheit wiederholen?

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[Wegmarken] Josua 5 (3) – Das Ende des Manna

16. April 2007

Bei Gilgal feiern die Israeliten das erste Passa in Kanaan. Sie gedenken der großen Taten Gottes beim Auszug aus Ägypten und dem Durchzug durch’s Rote Meer, erinnern sich an seine Führung, Bewahrung und Versorgung in der Wüste bis zum Durchzug durch den Jordan. Am nächsten Tag endet das Manna. Die übernatürliche Versorgung hat ein Ende, die Zeit in der Wüste ist vorbei. Ab sofort essen sie von den Früchten Kanaans.

Einiges geht mir in Verbindung mit diesem Abschnitt durch den Kopf. Gott ist derjenige, der das Volk in’s Leben gerufen und ihm eine „Verfassung“ gegeben hat. Auf übernatürliche Weise hat er sein Volk in der Wüste ernährt. In den Propheten spricht er mit besonderer Freude über diese „Jugendzeit“ Israels. Nun erfolgt ein Schritt weiter in die Selbständigkeit des Volkes. Eine Randnotiz nur, ein Nebensatz: „An demselben Tage hörte das Manna auf“. Von jetzt an ist Israel herausgefordert, sich im Schweiße ihres Angesichts selbst zu versorgen, das Land zu bebauen und Vieh zu züchten, um sich davon zu ernähren. Wachteln und Manna fallen nicht mehr vom Himmel. Eigenverantwortung ist gefragt. Dabei bleibt Gott derjenige, der sie versorgt, der Gras und Getreide wachsen läßt und Regen sendet. Sein Wirken steht hinter allem.

In meinem Leben-mit-Gott scheint es ähnlich zu sein. Frühe Jahre der intensiven Erfahrungen mit Gott wurden von einer Übergangsphase der Wüstenzeit abgelöst, in welcher das Land karg schien, Gottes Versorgung aber deutlich erkennbar war. Seit einigen Jahren bin ich selbst herausgefordert, das Land zu bearbeiten, Gottes Nähe zu suchen und ihm Raum zu schaffen. Wichtig sind mir dabei geistliche Übungen wie Meditation, Stille, Fasten, Feiern, Reflektion, Zweierschaft etc. geworden. Ähnlich dem Rhythmus von „Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ gibt es intensivere Zeiten der Gottesbegegnung und Zeiten, die mehr von Arbeit und Streß geprägt sind. Das Kirchenjahr ist mir eine wertvolle Hilfe zur Zeiteinteilung und Schwerpunktsetzung geworden, ebenso wie andere jüdische oder kirchengeschichtlich gewachsene Traditionen. Gott ist immer noch derjenige, der hinter allem wirkt und mich beschenkt. Aber das Manna fällt nicht mehr immer nur vom Himmel. Es will auch selbst angebaut werden.

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[Wegmarken] Josua 5 (2) – Beschneidung der zweiten Generation

14. April 2007

Auf die Anweisung Gottes hin beschneidet Josua die neue Generation der Israeliten, die nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüsten aufgewachsen und bislang noch nicht beschnitten waren. Damit ist „die Schande Ägyptens von Euch abgetan“, sagt Gott.

Die Knechtschaft unter dem fremden Herrn ist vorbei. Zur parallelen Meditation empfiehlt sich hier Römer 6. Die Beschneidung, die Gott Abraham und seine Nachkommen aufgetragen hatte, ist das äußere Zeichen für den Bund Israels mit Gott. Diese Menschen haben ihr ganzes Leben in der Wüste verbracht. Nun steht die Einnahme Kanaans kurz bevor. Ich denke daran, wie die Taufe das Ende des vergangenen Lebens und den Beginn eines neuen signalisiert. (Einmal mehr verstehe ich die Praxis der Kindertaufe nicht…) Hoffnung auf das Kommende verbindet sich mit der Einwilligung in den Bund mit Gott, der das neue, jetzt beginnende und ewig währende Leben schenkt. Er ist es, dessen Herrschaft wir uns unterstellen. Er hat Israel damals sicher durch die Wüste und durch den Jordan zur Eroberung Kanaans geführt. Er führt mich und Dich täglich weiter. Immer wieder gibt es Zeiten der Umkehr und der Neuausrichtung, so wie sie Israel an jenem Tag erlebt hat. Vielleicht kommst Du auch aus der Wüste, hast ein Gespür dafür, wo Gott mit Dir hin will. Aber es geht (noch?) nicht weiter. Vielleicht steht erst noch die Beschneidung an – Altes abzulegen und sich neu Gott zu weihen. Dies war ein Teil der Vorbereitung des Volkes Israel auf die Eroberung des verheißenen Landes. Die Schande Ägyptens ist abgetan.

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur.
Das Alte ist vergangen
Siehe, Neues ist geworden!

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[Wegmarken] Jousa 5 (1) – Gott bereitet den Weg

13. April 2007

Israel ist durch den Jordan gezogen und hat in Gilgal ein Steinmal aufgerichtet. Die Könige der Amoriter westlich des Jordans und die Könige der Kanaaniter am Mittelmeer hören, daß Gott sein Volk durch den Jordan geführt hat. Ihre Herzen schmelzen und ihr Geist verlässt sie.
Gott bereitet seinem Volk den Weg. Erst durch’s Rote Meer. Dann durch die Wüste. Jetzt durch den Jordan. Und es ist schon absehbar, daß das so weitergehen wird. Die Feinde zittern. Gott eilt sein Ruf voraus. Die Mächte, die sich gegen Gott und sein Volk stellen, bekommen es mit der Angst zu tun.

Ich will an dieser Stelle nicht über gerechten bzw. heiligen Krieg im Alten Testament nachdenken. Das ist mir zu hoch, ich halte es mit David und „gehe nicht um mit Dingen, die mir zu wunderbar sind“ (Ps 131). Mir reicht es an dieser Stelle zu wissen, dass Gott diese Geschichte wollte und angeordnet hat. Israel wird in ein fremdes Land geschickt, hinein in die Auseinander setzung mit Völkern, die größer und zahlreicher sind als sie. Aber: Gott ist dabei! Die Herzen der feindlichen Könige zittern und schmelzen.

Warum zitterst Du
Und Dein Herz schmilzt?
Ist es nicht Gott
Der Dir den Weg bereitet?
Der Dich bei seiner rechten Hand hält?

Ist Gott für uns,
Wer kann wider uns?
Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat,
Sondern hat ihn für uns alle dahingegeben –
Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen?
Wer will verdammen?
Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?

Nichts, nichts und niemand!

„Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen
und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen!“

Wenn Du in einer Phase des Umbruchs steckst, es in ein neues Land hineingeht, Du aus der Wüste kommst und vor dem zitterst, was vor Dir liegt, dann sei gewiß (auch wenn es abgedroschen klingt): Gott ist schon dort, im neuen Land, er kennt Deinen Weg, er bereitet Dich vor und wird Dich hindurchtragen.

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[Wegmarken] Weiter geht’s!

13. April 2007

Lang ist es her, dass ich die letzte Wegmarke gesetzt habe. Aber da aufgeschoben nicht aufgehoben heißt, beginne ich ab sofort wieder damit, fortlaufend über einen Bibelteil zu posten.
Ein Gedanke vorab: Ich betreibe hier keine tiefschürfende Exegese, sondern sinne in meiner „Stillen Zeit“ über ein Kapitel aus der Schrift nach, notiere mir meine Gedanken und blogge dann irgendwann später darüber. Mir geht es in den Wegmarken nicht darum, alles an’s Tageslicht zu fördern, was in dem zugrunde liegenden Abschnitt der Schrift verborgen liegt (was sowieso unmöglich ist). Mein Ziel ist schlicht, dasjenige festzuhalten, was mir während der Beschäftigung mit dem Text wichtig geworden ist, was einen Widerhall in mir gefunden und weitere Prozesse des Nachdenkens ausgelöst hat. Und das kann in jeder Meditations- und Gebetszeit etwas völlig Anderes sein. Darum entspanne Dich, wenn Du in dem Text andere Entdeckungen machst als ich. Nur weil ich A schreibe heißt das noch lange nicht, daß ich nicht auch B für richtig halten würde. Wegmarken sind zusammenhangslose, subjektive und spontane Gedankenfragmente. Ein Rückschluß auf meine Theologie läßt sich hieraus nicht immer zwangsläufig ziehen. Und übrigens: Wenn Du im selben Kapitel andere Dinge entdeckt hast, oder mit dem von mir Geposteten gar nicht zufrieden bist, dann freue ich mich über Deinen Kommentar und den Dialog mit Dir.

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Kreuzweg Re-Imagined

7. April 2007

Verraten
Verhaftet
Verleugnet
Verhört
Verspottet
Verachtet

Getrieben
Geschlagen
Gegeißelt
Gequält
Geschunden
Gebrochen
Getreten
Gepeitscht
Genagelt
Gekreuzigt
Getötet

Das ultimative Subjekt
Nur noch passives Objekt in den Händen der Sünder

Und trotzdem:

Keiner nimmt Dir das Leben
Selber hast Du es gegeben
In allem bleibst Du doch der Handelnde

Paul Gerhardt’s Worte
Mel Gibson’s Bilder
Verbinden sich in meinem Kopf

Tränen fließen frei

Gedanken blitzen auf
Verschwinden wieder

Was in diesen 15 Stunden geschah
Vermag niemand zu sagen
Die Ereignisse zu berichten
Ihre Auswirkung ermessen zu wollen
Ist blanker Hohn

Hier liegt der Kern meiner Identität

Gnade
Barmherzigkeit
Vergebung
Versöhnung
Identifikation
Neuschöpfung
Wiederherstellung
Sieg
Vollbracht!

Der Geschmack des Weines
Im Mund
Das Bild der Fleischfetzen
Am Kreuz
Dein Leben in mir

Gehorsam bis zum Tod am Kreuz

Zerrissener Vorhang im Tempel
Berstende Erde
Offene Gräber
Wandelnde Gerechte
Wankende Welt

Dein ist der Name
Der über alle Namen ist
Vor Dir werden sich beugen
Die Knie aller
Im Himmel
Auf Erden
Unter der Erde
Bekennen wird jede Zunge:

Jesus Christus ist der Herr!

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Gethsemane Re-Imagined

6. April 2007

Dunkel ist die Nacht
Dumpfe Stimmen
Zwölf Männer im Garten
Acht setzen sich
Der Meister heißt sie bleiben

Petrus, Jakobus und Johannes
Kleiner Kreis
Innerer Kern
Zeuge der Ohnmacht des Gottessohnes

Zu schwer die Last
Zu schwach die Schultern
Der Acht

Betrübter
Zagender
Angstvoll zitternder
Bebender
Messias
Offenbart sich nur den dreien

Triumphal war er eingezogen in die Stadt des großen Königs
Kraftvoll hatte er das Haus Gottes von Räubern und Dieben befreit
Souverän hatte er Pharisäer, Sadduzäer und Schriftgelehrte in die Schranken gewiesen
Sich salben lassen und Füße gewaschen
Den Verräter entlarvt
Doch jetzt
Scheint
Er
Am Ende

Bittet sie inständig, mit ihm zu wachen
Beistand zu leisten in seiner bittersten Stunde
Ihn nur ja jetzt nicht zu verlassen

Wirft sich auf den Boden
Ringt
Fleht
Kämpft
Will nicht diesen Kelch trinken

Stärkung durch einen Engel
Tiefe Angst
Schweiß tropft wie Blut

Alles ist dem Vater möglich!
Ob er denn keinen Ausweg weiß?
Ob es denn gar nicht anders geht?
Ob er diesen Kelch denn wirklich trinken muß?
Oder ihn der Allmächtige nur, Abraham gleich, auf die schrecklichste Probe stellt?
Wenn er es auch tut, der Wille des Vaters möge geschehen!

Unruhig
Aufgewühlt
Sucht er Trost bei seinen engsten Freunden

Schlafend findet er sie
Schlafend inmittten der Wende der Gezeiten
Der Stunde, in welcher das Schicksal der Schöpfung auf dem Spiel steht

Nein, auch auf sie ist kein Verlass
Er weckt sie
„Wachet! Betet!“

Und betet doch selbst
Das ganze Sein zum Vater emporhebend fleht er um Errettung aus dieser Stunde
Und ergibt sich in den Willen des Höchsten

Nein, Jesu Wille war das nicht
Nein, souverän war er nicht
Nein, es lief anders, als er es sich ersehnte

Schwacher
Hilfloser
Ängstlicher
Zagender
Leidender
Ach so menschlicher
Gott

Ob ich diese Ohnmacht aushalten kann?
Was, wenn Jesus sich anders entschieden hätte?

Er hat es nicht
Er hat überwunden
Zuflucht gefunden im Willen des Vaters

Allein gelassen
Als das Los der Welt auf des Messers Schneide stand
Hat er doch überwunden

Aller Macht entäußert
Kulmination der Inkarnation
Adams Fall umgekehrt
In der Stunde der Finsternis trägt das Licht den Sieg davon

Er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden. … Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

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Abendmahl Re-Imagined

6. April 2007

Trockenes Brot bricht in meinen Händen
Saugt sich voll mit Wein
Schwere, rote Tropfen fallen zu Boden

_

Von Geißelhieben zerrissen
Hängt Dein Fleisch in Fetzen vom Rücken herab
Blut tropft auf die Erde
Rot und Schwer
Läßt
Spuren im Sand
Zurück

In gemeinschaftlicher Runde sprichst Du den Segen
Brichst das Brot
Reichst den Kelch

Einst hat Abraham mit Melchisedek Brot und Wein geteilt
In der Nacht des Auszuges jede Familie des Volkes ein Lamm geschlachtet
Den Ysop-Zweig in das Blut getaucht
Und die Türpfosten bestrichen
Gegessen mit dem Stab in der Hand
Bereit zum Aufbruch

Der Todesengel ging vorüber
„When I see the blood, I shall pass over you“

„Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte?“

Tonnenschweres Gericht über Ägypten
Todesschreie undbändigen Schmerzes
Hastiger Aufbruch im Dunkel der Nacht

Die Ältesten Israels auf dem Berg
Schauen die Gegenwart des Herrn
Essen und trinken

Der Prophet hat ein Gesicht
Jesaja schaut
Und sieht
Ein Festmahl auf dem Berg Zion
Eine Feier auf dem Gottesberg
Ein Festmahl für alle Völker
Ein fettes Mahl
Ein Mahl von reinem Wein
Bereitet vom Herrn der Heerscharen selbst
Der Tod ist verschlungen auf ewig

Nicht allein das Brot
Das Wort Gottes hingegen
Gibt uns Leben

Am Anfang war es bei Gott
Das Wort
Dann ist es Fleisch geworden

„Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt,
… der hat das ewige Leben und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken
… der bleibt in mir und ich in ihm“

Den Segen gesprochen
Das Brot gebrochen
Hast Du in gemeinsamer Runde

Das Brot – Dein Leib
Der Wein – Dein Blut
Geschlagen
Vergossen
Für die Sünde der Welt
Zur Versöhnung mit dem Vater
Zur Stiftung neuer Gemeinschaft

Um Leben zu spenden
Und Tod zu beenden
Auf ewig

_

Der Geschmack des Weines in meinem Munde verflüchtigt sich
Das Staunen bleibt
Über Brot und Wein
Über Leib und Blut
Über Vergebung und Versöhnung
Über den Priester, der sich selbst als Lamm darbrachte

Die Vorfreude wächst
Sie nimmt beständig zu

Der Geschmack des Weines in meinem Munde erinnert mich an die Zukunft
Wenn Du das nächste Mal vom Gewächs des Weinstocks trinken wirst
An einer großen Festtafel
Mit Abraham, Isaak, Jakob und mir

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Das Volk, das einst in den Kirchenbänken saß

5. April 2007

Bill Kinnon hat einen herausfordernd-provokativen, polemischen Blogpost geschrieben, der gerade einiges an Staub aufzuwirbeln scheint: The People formerly known as The Congregation. („Das Volk, das früher ‚Die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde‘ genannt wurde“)

Hier Auszug – frei übersetzt von mir:

Wir sind die Ebenbilder Gottes, die einst in den unbequemen Kirchenbänken oder Kinositzen aus Plüsch gesessen sind, um passiv Euren Predigten zu lauschen, in denen Ihr uns erklären wolltet, welchen Plan Ihr für unser Leben habt.
….
Oh, und Geld war wichtig. Einen Augenblick lang haben wir Euch sogar geglaubt, dass Gott uns belohnen würde, wenn wir unsere Zehnten gäben – oder uns verfluchen würde, wenn wir es nicht täten. Das Gesetz ist so viel einfacher zu predigen als die Gnade. Wer behauptet hätte, dass die ersten Christen eine Gütergemeinschaft lebten, wäre als Sozialist beschimpft worden – und natürlich: Kapitalismus ist ein direktes Geschenk Gottes. Bitte beachtet auch: Maleachi 3 ist an die Priester im alten Israel gerichtet. Das waren nicht die fröhlichen Geber, die Gott lieb hat.

Nein, es war nicht Gott, der Euch eingeflüstert hat, den „Raum unseres Zeltes weit zu machen“ – das war Euer Ego. Und nebenbei bemerkt kann man ein viele Millionen teures Vorzeige-Bauwerk kaum noch als Zelt bezeichnen.

Wir glauben nicht mehr an Eure Berufung „die am schnellsten wachsende Gemeinde“ in Stadt X zu sein. Das ist Eure Angelegenheit. Ihr wollt ein größeres Publikum. Wir sind nicht mehr Teil davon.

Unsere Ohren brummen immer noch aufgrund der Lautstärke, aber… Jesus ist nicht unser „Boyfriend“ – und wir werden eure doofen Liebeslieder nicht mehr singen, die so tun, als wäre er es doch. Happy-Clappy-Liedchen werden der Wirklichkeit der Welt nicht gerecht, in der wir leben, noch den Mächten und Gewalten, denen wir gegenüberstehen. Und schon gar nicht sind sie dessen würdig, den wir als König der Könige und Herrn der Herrn proklamieren.

Ihr habt uns eine Vielzahl an Programmen angeboten, bei denen wir mitmachen können. Wir dürfen die Gottesdienstbesucher begrüßen, sie auf den Parkplatz winken, den Kaffee ausschenken, im Bücherladen verkaufen, im Kinderdienst und bei der Technik mitarbeiten – was immer Ihr gebraucht habt, um Eure Träume vom herrlichen Unternehmen zu verwirklichen. Vielleicht habt Ihr es schon festgestellt: Wir sind nicht mehr da.

Wir sind Das Volk, das einst in den Kirchenbänken saß. Wir haben nicht aufgehört, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist zu lieben. Und genauso wenig meiden wir „die Versammlungen der Heiligen“. Wir versammeln uns nur nicht nur unter Eurer vermeintlichen Leiterschaft. Wir treffen uns in Cafés, um Esstische, in Parks und auf der Straße. Wir sind über Raum und Zeit hinweg miteinander verbunden, bringen uns in produktiven Austausch ein, wo wir lehren und gelehrt werden.

Wir leben mit unseren Nachbarn – in deren Häusern und sie in unseren. Wir lachen und weinen und leben wirklich – ohne dass ihr uns lehren müsstet, wie das geht, in Euren lächerlichen Büchern, anmaßenden CDs und Podcasts.

Wir stellen uns nicht gegen Paulus‘ Beschreibung von Leiterschaft in Eph 4. Wir sehen sie nur im Kontext der Lehre Jesus in Markus 10 und Matthäus 20 – dienende Leiterschaft. Wir sehnen uns von Herzen danach, daß dienende Leiter und Leiterinnen in ihre Gaben als Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer freigesetzt werden. Wir glauben an die Worte von Petrus, die uns alle als Priester beschreiben – nicht nur manche, und nicht nur ein Geschlecht.

Wir sind Das Volk, das einst in den Kirchenbänken saß. Wir hassen Euch nicht. Auch wenn manche von uns Narben tragen, die von Euch stammen. Viele von Euch sind unsere Brüder und unsere Schwestern, fehlgeleitet von dem System, das Ihr bewohnt und vergiftet von der Macht – aber immer noch unsere Familienmitglieder. (Obwohl es sich bei manchen wahrhaft um Wölfe im Schafspelz handelt.)

Und, als Das Volk, das einst in den Kirchenbänken saß, laden wir Euch ein, in diesem wunderbaren Abenteuer an unsere Seite zu treten. Mutig dorthin zu gehen, wohin der Geist uns führt. Über das zu staunen, was der Vater in den Gemeinschaften tut, in die er uns gestellt hat. Die Liebe zu leben, die Jesus uns gezeigt hat.

Geprägt von Bill’s negativen Erfahrungen. Einseitig, unausgewogen, arrogant. Aber schön.

Anmerkung:
George Barna hat diese (unsere?) Bewegung empirisch zu untersuchen versucht und ein Buch darüber geschrieben:
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Revolution

Update:
Lesenswerte Beiträge, welche die Diskussion weiterführen, sind:

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Fußwaschung Re-Imagined

4. April 2007

Der letzte Abend im vertrauten Kreis
Passa
Nur einer am Tisch kannte die Tiefe dieses Mahls
Das Lamm, das der Welt Sünde trägt

Ein Streitgespräch
Wer wohl der Größte sei
ER steht auf
Legt sein Gewand ab
Bindet den Sklavenschurz um
Gießt Wasser in ein Gefäß
Wäscht ihre die Füße

Ganz still ist es am Tisch
Sonderbares Schweigen
Von plätscherndem Wasser und reibendem Tuch untermalt

Hände
Bald darauf von Nägeln entstellt
Reinigen zärtlich staubige Füße

Einer kann es nicht ertragen
Will es nicht zulassen

ER tut es dennoch
Spricht tiefe Worte

„Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als daß ihm die Füße gewaschen werden“
„Du wirst es hernach verstehen“

Der menschgewordene Gott erniedrigt sich
Wäscht den Dreck der Straße ab

Niemand ist größer als ER
Keiner hat je sich so tief gebeugt

_

Ich erinnere mich, Jesus
Wie Du vor mir knietest
Mir die Füße zu waschen

Noch heute bebt mein Herz

Dieser Blick in Deinen Augen
Dringt durch
Wärmt
Liebt
Rettet
Schützt
Versteht
Erleuchtet
Tröstet
Schenkt Nähe
Heilt allumfassend

Segen

Dieses Bild, Jesus
Wird mich nie mehr verlassen
Hat sich eingegraben in die Tiefe meines Seins

Ich sollte vor Dir knien
Eigentlich
Doch an diesem Tag war es anders
Sonderbar anders

Laß mich knien
Vor Dir
Vor anderen
MIt dem Staub in Berührung kommen
Hilf dem Diener zu tun
Was der Meister getan hat

Laß diese Fußwaschung mein Wesen transformieren

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Judas Re-Imagined

3. April 2007

Judas
„Der Sohn des Ischariot, der ihn hernach verriet“

Ob Dein Weg vorgezeichnet war, Judas?
Ob Du gar keine Wahl hattest?

„Habe ich nicht euch Zwölf erwählt?
Und einer unter Euch ist ein Teufel.“

Was in Dir vorgegangen sein mag, Judas
Als ER das sagte?

Nicht gegönnt hast Du IHM
Die Salbung durch Maria
Lieber wäre das Öl verkauft worden
Und der Erlös in Deine Tasche gewandert

Was Dich zu den Hohenpriestern getrieben hat
IHN zu verraten
Für 30 Silberlinge
Vermag ich nicht zu ermessen

Geldgier war es nicht

Ob Du IHN dazu treiben wolltest
Sich zu offenbaren
Als König und Messias?

Kleinmütig warst Du, Judas
Wolltest den Verrat ohne Aufsehen hinter Dich bringen

Hast Du geahnt, was kommten würde, Judas
Als ER das Brot brach
Und Dich als den Verräter entlarvte?

„Was Du tust, das tue bald“

Im Garten
Hast Du IHN wieder getroffen

„Verrätst Du den Menschensohn mit einem Kuß?“

Was mag in Deinem Herzen gewesen sein, Judas
Als ER keinen Widerstand leistete
Des Malchus‘ Ohr gar wieder heilte
Keine zwölf Legionen Engel zur Hilfe eilten
Als sie IHN abführten
IHN, der doch eigentlich ihr Herrscher war?

Verzweifelt warst Du, Judas
Als die Todesstrafe beschlossen war
Unschuldiges Blut hast Du verraten, Judas
Das hast Du erkannt

Aber es gab kein Zurück
So dachtest Du jedenfalls
Warfst das Geld in den Tempel
Hast Deine Tat bitter bereut
Und Dich erhängt
Bist dabei vorüber gestürzt
Und Deine Eingeweide sind entzwei geborsten
_

Ich sinne nach über Dich, Judas

Warum hast Du IHN verraten?
Wolltest Du die Konfrontation?
Dass ER sich offenbare vor allem Volk
Die Römer vertreibe
Das Reich Davids wiederherstelle
Wie es die Propheten geschaut hatten?

Zu eng war Dein Blick
Hast die Pläne des Allmächtigen zu den Deinen gemacht
Hast nur Deine Deutung zugelassen
Warst Dir so sicher

Ich sinne nach über Dich, Judas
Und erkenne mich selbst in Dir
_

SEINE Auferstehung hast Du nicht mehr erlebt
Noch das Frühstück am See Tiberias
Als ER Petrus vergab
Hast nicht einmal gehört
Wie Er am Kreuz hängend seinen Peinigern verzieh

Meinst Du, Judas
ER hätte Dir nicht vergeben?

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Das Hohelied der Liebe

2. April 2007

… ist Gegenstand einer neuen täglichen Serie von Scot McKnight. Der erste Post findet sich hier. Ich freu mich drauf!

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