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Archiv für März, 2007

Wladimir Klitschko, Ray Austin, Jesus und der Antichrist

11. März 2007

Während ich gerade an einem Artikel über Emerging Church arbeite, denke ich an den Boxkampf zurück, den ich vorhin gesehen habe. Das lang erwartete Duell zwischen Wladimir Klitschko und Ray Austin. Für die meisten Experten war klar, daß Austin eigentlich keine Chance haben würde. Trotzdem ließ er es sich als Herausforderer nicht nehmen, vor dem Kampf große Sprüche zu klopfen. Was dann aber folgte, war eine Demonstration der Kraft Klitschkos und der Ohnmacht Austins:

Der 36 Jahre alte Amerikaner Austin hatte nicht den Hauch einer Chance. Nach den ersten ernsthaften Schlägen von Klitschko – drei schweren linken Haken – ging Austin bereits in der zweiten Runde zu Boden. (Quelle: t-online)

ZACK – und vorbei war’s! (Foto: Reuters)(Foto: Reuters)

Das hat mich erinnert an jemanden, den Martin Dreyer immer „Mr. S.“ nennt. Dieser wird (so verstehe ich jedenfalls die Bibel) all seine Power in einen Menschen legen. Der Antichrist wird groß tönen und mächtig Sprüche klopfen, aber sein Ende wird genauso schnell kommen, wie das bei Ray Austin der Fall war. Nicht den Hauch einer Chance gibt es für die Mächte, die sich Gott entgegenstellen:

Dann wird der gesetzwidrige Mensch allen sichtbar werden. Jesus, der Herr, wird ihn durch den Hauch seines Mundes töten und durch seine Ankunft und Erscheinung vernichten. Der Gesetzwidrige aber wird, wenn er kommt, die Kraft des Satans haben. Er wird mit großer Macht auftreten und trügerische Zeichen und Wunder tun. (2Thess 2,8f)

So wie Jesus hat es eben keiner drauf – er braucht nicht einmal seine Fäuste einzusetzen, der bloße Hauch seines Mundes reicht schon aus. Vielleicht ist wieder einmal an der Zeit, die Offenbarung zu lesen und unseren großen Gott anzubeten?!

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[Wortakrobatik] Call of the Wild

10. März 2007

Langsam
Fängt es an
Kommt das geliebte Unbehagen zurück

Langsam
Kribbelt es wieder
Nimmt die Unzufriedenheit mit dem Status Quo überhand

Wake up boys
There’s a light at the window
I can hear someone knocking on the door
There are voices in the street
And the sound of running feet
And they whisper the word
REVOLUTION

Eine Saite in mir vibriert
Zu lange re-aktiv gelebt
Zu lange nur funktioniert
Da muß mehr sein

Zuviele Programme
Ausgefüllte, nicht ausgenutzte Zeit
Aufgaben und Projekte ziehen vorbei
Hinterlassen doch nur Leere

There are men coming down from the valley
There are tall ships lying off the coast
And they carry the light
In the dark of the night
Like a whisper in the wind –
REVOLUTION

Sehnsucht, wieder gefordert zu werden
Den ganzen Mann in die Waagschale werfen zu müssen
Einsatz auf Gedeih und Verderb
Ende des Urlaubs
Zurück an die Front

Warte auf den Ruf zu den Waffen
Auf den Boten des Himmels
Auf die göttliche Order
Zurück an die Front

Will ein Streiter Jesu sein
Soldat im Kreuzesschatten
Unterwegs im Auftrag des Herrn
Die Bewegung anführen
Und mich einreihen ins Glied
Mein Leben ganz für seine Sache geben

Bring my gun and a handful of silver
By the sea we will gather for the fight
It’s been so many years
So many tears
We have lost once before
Now we’ll settle the score
When our cannons will roar –
REVOLUTION

Das Pulver wieder riechen
Die Detonationen wieder spüren
Projektile pfeifen hören
Jede Faser angespannt
Ganz ausgerichtet auf den König
Seinen Befehl erwartend
Zu marschieren auf den leisesten Wink

Watch and wait, get ready for the sign
There are many here among us now
Who have not seen the light
We must send the word to all the people in the land
Go to every hill and mountain
For the time is now at hand
To light a fire
Light a fire

Let us march the road up the rocky hill tonight
Under cover of the darkness
We will slip behind the lines
And we will take the men who have stolen our land
For the years of domination
Hit them right between the eyes
And light a fire
Light a fire
Light a fire
They will see through the world!

Feuer
Das er anzuzünden gekommen ist
Feuer
Wie er wünschte, daß es schon brennte!

[Die eingefügten englischen Zeilen entstammen dem Lied „Revolution“ von Chris de Burgh aus dem Live-Album High on Emotion. Ich habe sie frei nach Gedächtnis geschrieben. Sie entsprechend nicht zwingend dem Originaltext.]

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[Wortakrobatik] Unverhofft

9. März 2007

Unverhofft schöner Tag berührt mein Herz
Im fernen Narnia geht die Kunde
Langsam kommt Er näher
Und ist plötzlich ganz da
Erfüllt den Raum

Unverhofft dringt Gottes Gegenwart herein
Unerwartet zieht er mich in sich
Durch-dringt alles

Die Zeit einfrieren
DEN Moment festhalten
In diesem Erleben immer verbleiben

Das ist es nicht
Leider

Die Quelle finden
Beständig aufsuchen
Durchdrungen sein vom Fluß

Gräben ziehen
Leitungen legen
Kanäle öffnen
Dem Strom Raum geben

Auf daß er jeden erfassen möge!

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[Foster] Die Bewegung nach außen – Nach dem Dienst streben, den wir brauchen

8. März 2007

{Dies ist der neunzehnte Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12|13|14|15|16| 17|18}

Transformation und Intimität rufen beide nach Dienst. Wir werden durch den Ofen der Reinheit Gottes nicht nur um unsertwillen geführt, sondern auch um anderer willen. Wir werden in den Schoß der Liebe Gottes nicht allein deswegen gezogen, damit wir Annahme erfahren, sondern auch, damit wir anderen seine Liebe geben können. Jetzt wissen wir, daß unser Dienst aus der Fülle fließen muß. Bernhard von Clairvaux schreibt:

Wenn Du weise bist, wirst Du eher ein Reservoir sein wollen, als ein Kanal. Denn ein Kanal gibt das Wasser weiter, sobald er es empfängt. Ein Reservoir hingegen wartet, bis es überfließt. In der heutigen Kirche haben wir viele Kanäle, aber wenige Reservoirs.

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[Wortakrobatik] Bring den Regen mit

7. März 2007

Leise fallen sie
Unmerklich
Doch sie fallen

Verdunsten zunächst auf der Oberfläche
Später dringen sie ein
Feuchten die Erde

Regentropfen wünsche ich mir
Meine Seele anzufeuchten
Die rissig und ausgedörrt ist
Sich vor Sehnsucht verzehrt

Heute oder Morgen
Nach zwei Tagen
Oder am dritten Tag

Ungewißheit
Bleibende Spannung

Hoffnung
Angst

Verkrampfte, zusammengezogene Seele
Gegenwärtig bist Du ferne
Und fehlst mir

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[Foster] Kontemplatives Gebet

6. März 2007

{Dies ist der achtzehnte Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11|12| 13|14|15|16|17}

O mein göttlicher Meister, lehre mich diese stumme Sprache, die soviel sagt. (Jean-Nicholas Grou)

Kontemplatives Gebet läßt uns in die Stille Gottes eintauchen. In den modernen Welt brauchen wir diese wortlose Taufe so sehr! Der syrische Mönch Isaak von Ninive erkannte: „Wer sich in einer Vielzahl von Worten gefällt, ist innerlich leer, wenn er auch bewundernswerte Dinge zu sagen weiß.“ Kontemplatives Gebet ist diejenige geistliche Übung, die uns von unserer Abhängigkeit an Worte befreien kann. Fortschreitende Intimität mit Gott bedeutet Fortschritt hin zum Schweigen. Kontemplatives Gebet ist nichts für den Novizen. Das sage ich über keine andere Gebetsform. Ohne Rücksicht auf Befähigung oder Leistung ist jeder willkommen zu Anbetung und Meditation und Fürbitte und einer Menge anderer Zugänge zum Gebet. Aber Kontemplation ist etwas anderes. Während wir in den Augen Gottes alle gleich wertvoll sind, so sind wir doch nicht alle in der selben Weise bereit dazu, „Gottes Reden in seiner wundersamen, schrecklichen, sanften, liebenden, allumfassenden Stille“ zu hören.

C .S. Lewis schrieb seinem Freund Malcolm:

Ich glaube immer noch, daß das Gebet ohne Worte das beste ist – wenn es jemand wirklich fertigbringen kann. Aber jetzt erkenne ich, indem ich es zu meinem täglichen Brot gemacht habe, daß ich auf eine größere mentale und geistliche Stärke zurückgreifen kann, als ich sie eigentlich habe. Um erfolgreich ohne Worte zu beten, muß man „an der Spitze seiner Form“ sein.

In der Tat suchen geistliche Ratgeber immer nach Zeichen eines reifenden Glaubens, bevor sie jemanden zum kontemplativen Gebet ermutigen. Zu diesen Merkmalen gehört eine zunehmender Hunger nach Intimität mit Gott, die Fähigkeit, anderen zu einem hohen persönlichen Preis vergeben zu können, ein lebendiges Verständnis davon, daß nur Gott die Sehnsucht des menschlichen Herzens erfüllen kann, eine tiefe Freude am Gebet, eine realistische Einschätzung der eigenen Befähigungen und Unzulänglichkeiten, ein Frei-Sein vom Ruhm über geistliche Errungenschaften und eine sichtbar gewordene Fähigkeit, den Anforderungen, die das Leben an einen stellt, in Geduld und Weisheit zu entsprechen. In diesen Bereichen wird keine Perfektion von uns verlangt. Aber ein beständiger Fortschritt muß erkennbar sein. Als ein weiteres Wort der Warnung möchte ich voranschieben, daß wir in der stillen Kontemplation Gottes tief in das geistliche Reich eintreten. Und dort gibt es auch ein übernatürliches Geleitet-werden, das nicht von Gott kommt.

In seiner grundsätzlichsten Ausdrucksform ist kontemplatives Gebet ein liebendes Aufmerken auf Gott. Wir warten auf ihn, der uns liebt, der uns nahe ist und uns zu sich zieht. Im kontemplativen Gebet tritt das Reden in den Hintergrund und Gefühle rücken nach vorne. Es handelt sich mehr um eine Erfahrung des Herzens, als des Kopfes. Das Ziel kontemplativen Gebets ist die Vereinigung mit Gott. Das bedeutet nicht, daß wir unsere Identität verlieren würden, sondern daß wir vielmehr unser volles Menschsein gewinnen. Wir werden zu allem, wozu Gott uns geschaffen hat.

Während die Vereinigung das Werk Gottes an unserem Herzen ist, gibt es zwei wichtige Dinge, wie wir uns darauf vorbereiten können: Gott zu lieben und das Herz zu reinigen. Einfach ausgedrückt empfangen wir seine Liebe und lieben ihn zurück. Diese Liebe führt uns zur Reinheit des Herzens. Wenn wir beständig von der stürmischen Erfahrung der Liebe Gottes bombardiert werden, ist es nur natürlich, so werden zu wollen wie der Geliebte. Unreinheit ist für die Vereinigung mit Gott fatal. Gottes Weisheit brennt alles Unreine weg, so daß wir bereit sind zur göttlichen Vereinigung. Kierkegaard meinte: „Reinheit des Herzens bedeutet, nur Eines zu wollen.“ Wir lassen alles andere los und werden äußerst empfänglich für den himmlischen Wächter. Wir sehen nur, was der Vater sieht, sagen nur, was der Vater sagt, tun nur, was der Vater tut. Wir wollen nur Eines: Das Gute, das Gott ist. Dies ist die Reinheit des Herzens.

Es gibt drei grundlegende Schritte zum kontemplativen Gebet: Das erste ist Sammlung oder Zentrierendes Gebet. Dies bedeutet, alle anderen Zerstreuungen loszulassen, bis wir dort, wo wir sind, ganz gegenwärtig sind. Weil der Herr bei uns gegenwärtig ist, können wir entspannen und uns von allem anderen trennen, weil in seiner Gegenwart nichts anderes von Bedeutung ist, als uns auf in auszurichten. Wir lassen es zu, daß innere Ablenkungen und Frustrationen vor ihm weggeschmolzen werden wie Schnee von der Sonne. Wir lassen es zu, daß er die inneren Stürme zur Ruhe bringt und daß seine große Stille unsere unruhigen Herzen in den Frieden führt.

Wenn wir mit der Gnade der Sammlung vertraut sind, dann schreiten wir zum zweiten Schritt des kontemplativen Gebets, den Teresa von Avila das Gebet der Ruhe nennt. Diese Erfahrung ist tiefgründiger als bloße Stille oder die Abwesenheit von Worten. Es ist eine zuhörende Stille. Tief in uns ist irgendetwas erwacht und an die Oberfläche gekommen. Unser Geist steht auf den Zehenspitzen – aufmerksam und hörend. Unser Herz schaut auf den Herrn. Wir sonnen uns in der Wärme seiner Gegenwart. Wir spüren seine Nähe und seine Liebe. Und wir lauschen. Wir hören richtig hin. Wir hören mit dem Verstand, dem Herzen, dem Geist, den Knochen und Muskeln und Sehnen. Wir lauschen mit unserem ganzen Sein. Während wir so vor dem Herrn warten, bekommen wir gnädig einen belehrbaren Geist geschenkt. Natürlich ist es das Ziel, diese Haltung des aufmerksamen Gebets in den Alltag zu transportieren. Das geschieht nicht sofort. Trotzdem erfahren wir mit der Zeit eine zunehmende Aufmerksamkeit auf das göttliche Flüstern in allen Lebenslagen.

Der letzte Schritt in konstemplatives Gebet hinein ist geistliche Ekstase. Es ist unsere Verantwortung, beständig offen und empfänglich dafür zu sein, daß der Geist Gottes in uns wohnen kann. Wenn es um Ekstase geht, dann ist das die Angelegenheit Gottes und nicht unsere.

Eine letzte Ermutigung in Bezug auf das kontemplative Gebet. Einer seiner größten Vorteile wird uns erst bewußt, wenn die Sonne unseres Lebens sich zum Untergang neigt und unsere Kapazitäten unseres Verstandes nachlassen. Es kann eine Zeit kommen, in der wir keine Worte mehr sagen können, aber – und hier ist die Herrlichkeit – wir sind immer noch in der Lage, zu beten, ohne Worte zu beten. Am Ende des Lebens, ebenso wie zu Beginn, finden wir uns selbst (um mit den Worten von Gerhard Tersteegen zu sprechen), wie wir „einen Gott anschauen, der immer gegenwärtig ist, und lassen ihn uns anschauen“.

Mein Herr und mein Gott,
zuzuhören fällt mir schwer. Naja, eigentlich nicht schwer, denn dabei geht es ja mehr um’s Empfangen als darum, etwas zu versuchen. Was ich meine, ist, daß ich so handlungsorientiert bin, immer auf das Ergebnis schaue, so daß das Tun für mich leichter ist als das Sein. Ich brauche Deine Hilfe, wenn ich still sein soll und lauschen. Ich würde es gerne versuchen. Ich würde es gerne lernen, in das Licht Deiner Gegenwart zu sinken, bis ich mich in dieser Haltung wohlfühle. Hilf mir, es jetzt zu versuchen. Amen.

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[Forgotten Ways] Jünger machen

5. März 2007

{Dies ist nach längerer Abstinenz nun der siebte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6}

Der größte Beweis des Christentums für andere ist nicht, in welchem Grade jemand seine Gründe für den Glauben logisch analysieren kann, sondern in welchem Grade seine Lebenspraxis seinem Glauben entspricht. (T. S. Eliot)

Alle Elemente missionaler DNA gehören zusammen und müssen signifikant präsent sein, wenn sich Apostolischer Genius manifestieren soll, aber meine Erfahrung deutet darauf hin, daß das Element der Jüngerschaft bzw. das Machen von Jüngern vielleicht der entscheidendste Baustein ist, weil es dabei um die Verkörperung der Botschaft des Gründers Jesus geht. Wenn wir hier versagen, werden wir auch in allen anderen Bereichen scheitern. Indem Jesus sein Leben in seine Nachfolger investiert und seine Lehre in ihnen verankert hat, hat er sie zu authentischen Jüngern entwickelt und die ganze christliche Bewegung gegründet, die sich durch die Jahrhunderte hindurch verbreitet hat und zur bedeutsamsten religiösen Bewegung geworden ist. Wenn ich mir die wichtigsten Jesus-Bewegungen der Geschichte ansehen, dann scheinen sie nur Systeme zum Jünger-Machen zu sein – und sie scheinen niemals mehr sein zu wollen. Jüngerschaft ist gleichzeitig Ausgangspunkt, strategische Praxis und auch Schlüssel zu nachhaltigem missionalen Einfluß in und durch Bewegungen. Für den Nachfolger Jesu ist Jüngerschaft nicht der erste Schritt zu einer verheißungsvollen Karriere. Es ist die Erfüllung seiner Bestimmung. Wir hören nicht auf, Jünger-auf-dem-Weg zu sein.

In der westlichen Kirche haben wir im Großen und Ganzen die Kunst des Jünger-Machens verlernt. Das liegt daran, daß wir Jüngerschaft einfach auf eine intellektuelle Anpassung an gewisse Anschauungen reduziert haben, andererseits weil wir immer noch in einem dem Christendom entstammten Gemeindeverständnis verhaftet sind und letztens, weil der Konsumismus unserer Tage sich gegen eine echte Nachfolge Jesu wehrt und meines Erachtens die größte Herausforderung für die Lebensfähigkeit unseres Glaubens darstellt.

Bis zur Zeit der Aufklärung spielte die Kirche die dominierende Rolle bei der Vermittlung von Identität, Sinn und Bedeutung des Lebens. Dies wurde beendet durch den Aufstieg von

  • Kapitalismus und freiem Markt als Wertevermittler,
  • Nationalstaaten als Mittler von Schutz und Versorgung,
  • Wissenschaft als Vermittler von Wahrheit und Erkenntnis.

Diese wurden zum öffentlichen Raum und Religion wurde in den privaten Raum privater Meinung, persönlicher Werte und individuellen Geschmacks abgeschoben. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatten diese Gewalten die Kirche in unserer Kultur ersetzt. Die Hegemonie von Wirtschaft, Staat und Wissenschaft in unserem Leben läßt sich kaum bezweifeln. An diesen Orten finden die Menschen Sinn und Bedeutung. Damit ist die Gemeinde gezwungen, in einen Konkurrenzkampf mit all den anderen Ideologien und -ismen auf dem Markt der Religionen einzutreten – und sie muß dies auf eine Weise tun, die der Dynamik des Marktplatzes entspricht, denn das ist die Basis, auf der die Menschen die zahllosen Entscheidungen ihres täglichen Lebens treffen. So ist die Kirche zu einem bloßen Anbieter religiöser Güter und Dienstleistungen verkommen. Und die Endverbraucher des kirchlichen Dienste (also wir) rutschen leicht in die Rolle individualistischer Konsumenten, welche diejenigen religiösen Güter und Dienstleister verzehren, die der neueste und beste Anbieter zur Verfügung stellt. Anbetung verkommt zum Entertainment, das darauf abzielt, den Teilnehmern transzendente Hochgefühle zu verschaffen. Unter dem Einfluß des Gemeindewachstumsdenkens hat der Konsumismus weiter zugenommen. 90% oder mehr der Menschen, die unsere Gottesdienste besuchen, sind passive, konsumistische Empfänger der religiösen Güter und Dienstleistungen, die ihnen meist von Professionellen übermittelt werden.

Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß wir uns einfach nicht in die Nachfolge konsumieren können. Konsumismus, wie er im heutigen Alltag erfahren wird, und Jüngerschaft, wie sie in der Heiligen Schrift verstanden wird, stehen miteinander auf Kriegsfuß. Beide trachten nach der Herrschaft über unser Leben; im Marketing wird es nur als „Markentreue“ bezeichnet. Jesus kannte die Unsicherheit der Menschen und sagte:

Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. (Mt 6,31-33)

Konsumdenken ist durch und durch heidnisch. Nach dem allen trachten die Heiden. Einer der anziehendsten religiösen Anreize des Konsumismus ist das Versprechen neuer Unmittelbarkeit, eine lebende Alternative zu dem, wofür in der jüdisch-christlichen Tradition der Himmel stand – die Erfüllung all unserer Sehnsüchte. Uns stehen Erfahrungen und Angebote zur Verfügung, die in früheren Zeiten nur für Könige erreichbar waren. Wir bekommen den Himmel auf Erden angeboten und geben die letzte Suche auf für das, was sofort konsumiert werden kann – sei es eine Dienstleistung, ein Produkt oder eine pseudo-religiöse Erfahrung. Konsumismus trägt alle Züge vollständigen Heidentums – wir müssen ihn als das erkennen, was er in Wirklichkeit ist.

Wir sehen uns also zwei Möglichkeiten gegenüber:

  1. Wir „taufen“ die Rhythmen und Strukturen des Konsumismus.
  2. Wir bringen eine tiefgründige prophetische Herausforderung für die allumfassende Kontrolle des Konsumismus über unser Leben in Gang.

Diese beiden Alternativen werden zu unserer missionalen Herausforderung. Eine der effektiveren, gegen die Kultur gerichteten Weisen, auf die Nachfolger Jesu andere zu Jüngern machen, ist das neue Interesse an missionalen und monastischen Ordensgemeinschaften.

Warum ist Jüngerschaft ein so entscheidendes, vielleicht sogar das zentrale Element missionaler DNA im Apostolischen Genius? Wie David Bosch richtig bemerkte, wird Jüngerschaft vom Verhältnis zu Christus determiniert und nicht von bloßer Konformität mit unpersönlichen Geboten. Ihr Kontext ist nicht das Klassenzimmer (wo normalerweise gelehrt wird) oder die Kirche, sondern die Welt.

Es ist die Strategie Jesu, viele kleine Ausgaben von ihm selbst zu schaffen, die jeden Winkel der Gesellschaft durchdringen, indem sie ihn an jedem Ort der Welt in seinem Volk und durch sein Volk vervielfältigen. Jesus verkörpert nicht nur Gott in unserem Bereich, sondern stellt auch das Bild des vollkommenen menschlichen Wesens dar. Aber die Beziehung zwischen Christus und seinem Volk geht noch tiefer. Unsere mystische Verbindung mit Christus und sein Innewohnen in uns liegt im eigentlichen Kern der christlichen Gotteserfahrung – das zeigt sich an allem, was Paulus über das Sein „in Christus“ und Johannes über das „Bleiben in Christus“ lehren. Alle geistlichen Übungen haben nur ein Ziel mit uns: Christusähnlichkeit. Mutter Teresa werden die folgenden Worte zugeschrieben:

„Wir müssen heilig werden, nicht, weil wir uns heilig fühlen wollen, sondern weil Christus in der Lage sein muß, sein Leben völlig in uns zu leben.“

Auf eine sehr reale und ernüchternde Weise müssen wir für die Menschen um uns das Evangelium werden – eine Ausdrucksform des wirklichen Jesus durch die Qualität unseres Lebens. Wir müssen unsere Wahrheiten leben. Oder, wie Paulus sagt, wir selbst sind lebendige Briefe, deren Botschaft beständig von anderen gelesen wird (2Kor 3,1-3). Wir selbst müssen das Vorbild Christi verkörpern. Dies ist nicht nur existentiell notwendig für ein authentisches Leben, sondern auch absolut entscheidend sowohl für die Weitergabe des Evangeliums über uns hinaus, als auch für das In-Gang-Bringen und Überleben missionaler Bewegungen. Es ist entscheidend für die Authentizität und Lebenskraft der Mission der Kirche.

Weil die Apostel die Wächter der DNA von Gottes Volk waren, mußten sie ihr Augenmerk auf die Verkörperung des Evangeliums als lebende Integrität in ihrem Leben legen, damit die Botschaft eine nachhaltige Wirkung haben konnte. Diese Konsistenz zwischen Botschaft und Boten verlieh der apostolischen Botschaft das Echtheitszertifikat und erwirkte Empfangsbereitschaft in den Ohren der Hörer. Die Lehre muß im Leben der Nachfolger verkörpert werden, und dies kann nur durch die jüngernde Beziehung geschehen.

Die Quelle wahrer geistlicher Kraft liegt nicht in äußeren Dingen, sondern in der Verbindung von Berufung, Begabung und persönlicher Integrität. Die Qualität der Leiterschaft der Gemeinde ist proportional zur Qualität der Jüngerschaft. Wenn wir daran scheitern, Jünger zu machen, werden werden wir auch bei der Leiterschaftsentwicklung versagen. Wenn wir eine wahrhaft missionale Leiterschaft entwickeln und erzeugen wollen, müssen wir in den frühen Phasen der Jüngerschaft den Samen der Hingabe an die Mission Gottes in der Welt säen. Wir können einfach keine missionale Leiterschaft erschaffen, wenn die DNA missionaler Leiterschaft nicht zuvor im Samen der Jüngerschaft niedergelegt wurde. Und genauso hat Jesus Jüngerschaft praktiziert: Er organisierte sie um Mission herum. Direkt nach ihrer Berufung nahm er die Jünger mit auf eine abenteuerliche Reise der Mission, des Dienstes und des Lernens. Auf Anhieb werden sie in die Verkündigung des Reiches Gottes, das Austreiben von Dämonen, den Dienst an Armen und die Heilung von Kranken miteinbezogen. Wenn wir dem zustimmen, daß Jesus das vorrangige Muster der Gemeinde für das Zu-Jüngern-Machen formt, dann müssen wir sagen, daß Jüngerschaft unsere Kernaufgabe ist. Wenn aber das Jünger-Machen im Herzen unseres Auftrages liegt, dann müssen wir es um Mission herum organisieren, denn Mission ist das katalysierende Prinzip der Jüngerschaft. In Jesus sind sie untrennbar verbunden.

Wir brauchen missionale Leiterschaft. Das Problem ist, daß die meisten unserer Ausbildungseinrichtungen eine Art Leiter hervorbringen, die mehr auf Erhaltung bedacht ist. Um diese These zu beweisen, genügt ein Blick auf die Fächer, die gelehrt werden, und die Dozenten, die sie lehren. Dazu kommt, daß der Leiter in spe aus seinem normalen Leben und Dienst entfernt wird, um in einer abgeschiedenen Umgebung zu studieren – und das oft für viele Jahre. Und auch wenn die Mehrheit dessen, was gelehrt und gelernt wird, brauchbar und korrekt ist, so ist doch der Prozeß der Sozialisation, den ein Student auf diese Weise durchläuft, gefährlich für die Jüngerschaft. Im Endeffekt wird er aus dem alltäglichen Leben gelöst und entwickelt eine Denk- und Ausdrucksweise, die außerhalb seiner Bildungsanstalt selten verstanden und verwendet wird.

Wenn Jüngerschaft primär damit zu tun hat, wie Jesus zu werden, dann kann das nicht durch bloßen Informationstransfer außerhalb des Kontextes normalen Lebens geschehen. Ich glaube einfach nicht, daß wir damit weitermachen können, uns in eine neue Art des Handelns hinein zu denken, sondern wir müssen durch unser Handeln in eine neue Weise des Denkens hineinkommen. Das hellenistische Verständnis von Erkenntnis beschäftigt sich mit Konzepten, Vorstellungen, der Natur des Seins, Formen etc. Die Hebräische Sicht konzentriert sich primär auf Fragen der konkreten Existenz, auf das Leben gerichteter Weisheit und der Wechselbeziehungen aller Dinge unter Gott. Der hellenistische Ansatz kann also als Versuch bezeichnet werden, vom Denken zu einer neuen Art des Handelns zu kommen. Erfahrung und Geschichte zeigen das Scheitern dieses Denkens. So lassen sich keine Jünger machen. Wir ändern die Art, wie eine Person denkt, aber ihr Verhalten bleibt meist unberührt. Es ist wirklich schwer, das Verhalten nur durch neue Gedanken zu verändern, weil unser Verhalten meist Gewohnheiten, Erziehung, kulturellen Normen und falschen Denkmustern entspringt, die tief in uns verankert sind. Auch wenn neue Einsichten notwendig für Veränderung sind, so werden wir doch bald herausfinden, daß es mehr als neues Denken braucht, um uns zu verändern. Jeder, der einmal gegen eine Sucht angekämpft hat, weiß das.

Jünger-Machen gelingt am Besten mit dem Heräbischen Verständnis von Erkenntnis. Wir müssen die ganze Person in Betracht ziehen, wenn wenn wir sie transformieren wollen. Wir müssen die Menschen im Kontext des Lebens für das Leben ausbilden. Das ist die Art, die Jesus gewählt hat: Durch Handeln zu neuem Denken kommen. Genauso hat Jesus seine Jünger geformt. Sie haben nicht nur mit ihm gelebt und ihn in allen möglichen Lebenslagen beobachten können, sondern auch mit ihm gedient, Fehler gemacht, sind von ihm berichtigt worden – und all das im Kontext des alltäglichen Lebens.

Egal ob wir altes Denken und altes Verhalten oder neues Denken und altes Verhalten vorfinden, es geht immer darum, Aktion in die Gleichung miteinzubeziehen. Menschliche Wesen sind empfindungsfähige, denkende Geschöpfe mit dem tiefen Wunsch, die Welt und das Leben zu verstehen. Darum neigen wir dazu, Dinge unterwegs zu verarbeiten. Wir denken, während wir handeln, und wir handeln, während wir denken. Das ist genau die Weise, auf die wir alle gelernt haben zu laufen, zu reden, uns mit anderen zu verbinden und logisch zu denken.

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Fast Acht, die Zweite

5. März 2007

In der zweiten Fastenwoche nehmen wir uns die Zeit, über die Tempelreinigung nachzudenken. Link zum Text.

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[Wortakrobatik] Kein Flaschengeist

4. März 2007

Im Zuge der erneuten Dichtwut der p-shuttle.Community werde ich in diesen Tagen auch wieder mal Älteres von mir beisteuern – viel Spaß!

Kein Flaschengeist

Mächtig
Herrlich
Prächtig
Ist ER

Wirkt Wunder
Tut Unfaßbares
Ist hoch
Höher noch
Am höchsten
Zu hoch
Viel zu hoch
Für uns

Unbegreifbar
Allein anzubeten

Dennoch –
Sonnen wollen wir uns in Seinem Glanz
Wollen Seine Erfolge uns gutgeschrieben sehen

Wir, die wir unser Leben nicht um eine Spanne verlängern können
Wie sollten wir aus IHM einen Automaten machen können?
Ergebnis auf Knopfdruck?

IHN am Gängelband führen?
Einem Tanzbären gleich?
Den Allmächtigen zu einer Marionette degradieren?

Der Löwe von Juda ist nicht zahm
Tanzt nicht nach unserer Pfeife
Macht keine Kunststücke
Springt nicht durch Feuerreifen
Nur weil es uns danach ist

Nein, zahm ist er nicht

Groß ist er
Stark und wild
Frei
Ultimativ zu hoch für uns
Niemals erklärbar
Verstehbar
Durchdringbar
Nachvollziehbar

Statt dessen
Genuin souverän

Hält sich nicht an unsere „geistlichen Gesetze“
Befolgt nicht unsere „biblischen Prinzipien“

Nein –
Er ist das Prinzip

Verzehrendes Feuer
Glühende Liebe
Unnahbares Licht
Ewig

Nein –
Er braucht nicht zu handeln
Braucht nicht unsere Bestätigung
Hat Applaus nicht nötig
Wirbt aber um unsere Liebe

Hat sich klein gemacht
Hat gelitten
Für uns

Ruft uns zu sich

Hat ein Abenteuer bereit
Eine neue Geschichte
Sein Reich ist im Kommen
Und ist schon hier

Kommt wild
Gewaltig
Zerbrechlich
Sanft

Unaufhaltsam kommt Sein Reich
Kommt anders
Nicht auf unsere Weise
Kommt anders
Kommt wie ER will
Kommt zu uns auf Seine Weise

Nein –
ER muß nicht wirken
Wenn wir es wollen
Noch läßt er sich beschwören
Wie ein Flaschengeist

Das Meer mißt ER in der hohlen Hand
Die Sterne kennt ER mit Namen
Der Himmel und aller Himmel Himmel
können IHN nicht fassen
Noch ein Autoaufkleber
Oder Ansteckpin

Der HERR ist GOTT!

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[Aus dem Netz gezogen] Frauen nach vorn

1. März 2007

Sagt Haso, und der muß es wissen. Ernsthaft: Auf seiner Tafel ist heute ein wundervoller Artikel zur Diskussion über die Rolle von Frauen in der Gemeinde erschienen, den ich Dir sehr empfehlen möchte. Haso macht vor, was als emergentes Gedankengut verstanden werden kann: Er fügt unterschiedliche Elemente (einzelne Schriftstellen, gesamtbiblische Sichtweise, kirchengeschichtliches Beispiel, geistliche Weisheit) zusammen und schafft auf einer höheren Ebene eine neue Sichtweise. Danke!

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