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Archiv für Januar, 2007

Foster: Das anbetende Gebet

31. Januar 2007

{Dies ist der zwölfte Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10|11}

In der Schule der Anbetung lernt die Seele, warum sie das Streben nach jedem anderen Ziel ruhelos gelassen hat. (Douglas Steere)

Gebet ist die menschliche Antwort auf das beständige Ausgießen der Liebe, mit dem Gott jede Seele belagert. Unsere direkteste Rückantwort nennt sich Anbetung. Sie ist die spontane Sehnsucht unseres Herzens, Gott zu loben, zu ehren, groß zu machen und zu segnen. Einerseits ist Anbetung keine besondere Gebetsform, denn jedes wahre Gebet ist von ihr erfüllt. Andererseits ist sie aber doch von allen anderen Gebetsarten unterschieden, da wir in der Anbetung die verfeinerte Luft selbstloser Hingabe betreten. Im anbetenden Gebet lieben wir Gott um seiner Selbst willen, für sein eigentliches Wesen, für seine strahlende Freude.

Die zwei Seiten des anbetenden Gebets, Danksagung und Lob, werden gewöhnlich so unterschieden: In der Danksagung rühmen wir Gott für das, was er für uns getan hat; im Lob rühmen wir Gott für das, was er in sich selbst ist. Diese Unterscheidung ist zulässig, aber wir dürfen sie nicht zu wichtig nehmen. In unserer Erfahrung weben sich die beiden ineinander und werden Teil eines organischen Ganzen. Wenn wir eine Demarkationslinie ziehen wollen, dann liegt das Lob über der Danksagung, da wir uns in der Danksagung immer noch in einem gewissen Grad um uns selbst drehen, im Lobpreis aber zu selbstvergessener Anbetung aufsteigen und nur noch die Majestät und Macht Gottes sehen, seine Gnade und sein Heil rühmen. Wenn wir nur das Herz des Vaters sehen könnten, würden wir viel öfter zu Lobpreis und Danksagung hingezogen werden. Unser Gott sehnt sich danach, ersehnt zu werden; er besteht nicht aus Stein; sein Herz ist das empfindsamste und zarteste.

Nach C.S. Lewis hält uns folgendes von der Anbetung ab: Mangelnde Aufmerksamkeit, falsche Aufmerksamkeit (wir sehen einen Sonnenuntergang und wollen ihn analysieren, statt den Schöpfer zu loben), Habgier (nicht nach immer mehr streben, sondern uns an dem Vorhandenen erfreuen) und Eingebildetheit.

Das anbetende Gebet muß erlernt werden. Es geschieht nicht von allein. Wir beginnen dort, wo wir gerade stehen, mitten in unserem normalen Leben. Wir erkennen die Güte Gottes nicht durch ein Nachsinnen über die Güte Gottes, sondern indem wir einen Schmetterling beobachten. Darum ist mein Rat: Fang damit an, indem Du diese kleinen Kreaturen beobachtest, die über die Erde kriechen. Studiere oder analysiere sie nicht. Schau einfach den Vögeln und Eichhörnchen und Enten zu. Schau einfach zu, bewerte nichts, schau nur zu. Nimm sie einfach nur wahr. Wenn wir das regelmäßig tun, werden wir bald Freude erfahren. Und jenseits dieser Freuden zieht es uns hin zum Geber des Vergnügens. Sprich aus Deinem innersten Zentrum der Dankbarkeit und Ruhe heraus kleine, flüsternde Danksagungen. Danach übe Dich in der Dankbarkeit. Entwickle die Gewohnheit, für die einfachen Gaben, die Du jeden Tag erfährst, Dank zu sagen. Danach mach Gott groß. Der einfachste Weg ist, den Psalter zu benutzen, die biblischen Psalmen zu beten. Nach einer gewissen Zeit werden diese Worte nicht nur zu Deinen eigenen werden, sondern werden Dich zu eigenen führen. Wenn wir Worte der Schulderkenntnis sprechen, führen sie uns zum Bekenntnis, zur Würdigung, Dankbarkeit, Danksagung, Lobpreis und Anbetung. Zuletzt kommt freudiges, ausgelassenes, mit-den-Füßen-stampfendes Feiern. Wir klatschen, lachen, rufen, singen, tanzen. Feiern gelingt in Gemeinschaft am besten, aber auch wenn wir allein sind, sind wir niemals allein, da wir uns dem jubilierenden Singen der Engel, Erzengel und lebendigen Geschöpfe anschließen, über die wir nur Vermutungen anstellen können.

Oh höchster, herrlicher Gott, wie groß ist mein Dilemma! In Deiner furchtbaren Gegenwart scheint Stille angebracht zu sein. Aber wenn ich still bin, dann werden die Steine schreien. Wenn ich aber reden will, was soll ich dann sagen?
Liebe bringt mich zum Reden, wenn es auch wie Stammeln klingt. Ich liebe Dich, Herr Gott. Ich bete Dich an. Ich verehre Dich. Ich beuge mich vor Dir.
Danke für die Geschenke Deiner Gnade:
– die Beständigkeit von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang,
– die staunenswerten Farben,
– den Trost bekannter Stimmen.
Ich erhebe Dich, Herr. Laß mich Deine Größe sehen – soweit ich sie aufnehmen kann. Hilf mir, mich in Deiner Gegenwart in endlosem Staunen und unaufhörlichem Lobpreis zu beugen.
Im Namen dessen, dessen Anbetung niemals misslang,
Amen.

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Hat es Hobbits wirklich gegeben?

30. Januar 2007

Ja, sagen Archäologen, die aus einem vor drei Jahren auf Indonesien gefundenen Zwergenschädel eine neue Menschenart entdeckt haben wollen. Ob ihnen wohl das Kraut der Halblinge den Sinn vernebelt hat? Näheres hier bei t-online.

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Foster: Die Bewegung nach oben – Nach der Intimität streben, die wir brauchen

30. Januar 2007

{Dies ist der elfte Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9|10}

Wir sind Exilanten und Fremdlinge, bis wir in Gott kommen, dem wahren Zuhause unseres Herzens. Stolz und Furcht haben uns in sicherer Entfernung gehalten. Aber wenn die Zurückhaltung in uns durch das Wirken von Glaube, Hoffnung und Liebe überwunden wird, bewegen wir uns nach oben, in die göttliche Intimität hinein. Und so werden wir wiederum zu unserem Dienst an anderen befähigt.

Leo Tolstoi erzählt von drei Eremiten, die auf einer Insel lebten. Ihr intimes und liebendes Gebet war so schlicht wie sie selbst: „Wir sind drei, Du bist drei; hab Erbarmen mit uns. Amen“. Manchmal geschahen Wunder, wenn sie auf diese Art beteten.
Eines Tages besuchte sie der Bischof, weil er sie über die rechte Weise zu beten lehren wollte. Nachdem er die Mönche unterrichtet hatte, segelte er wieder los, auf das Festland zu, und freute sich darüber, daß er die Seelen solch einfacher Männer erleuchtet hatte. Plötzlich sah er, wie jenseits des Hecks seines Schiffes ein großer Lichtball über den Ozean schien. Er kam immer näher, bis der Bischof erkannte, daß es die drei Einsiedler waren, die über das Wasser rannten. Als sie am Schiff angekommen waren, sagten sie zum Bischof: „Es tut uns wirklich leid, aber wir haben einen Teil Deiner Lehre vergessen. Könntest Du uns bitte nochmals unterweisen?“ Der Bischof schüttelte den Kopf und entgegnete sanft: „Vergeßt alles, was ich Euch gelehrt habe, und betet weiterhin in Eurer gewohnten Weise.“

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The Forgotten Ways: Eine Reise in’s Herz des Apostolischen Genius – Einführung

29. Januar 2007

{Dies ist der fünfte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3|4}

In diesem Teil kommen wir zum eigentlichen Herzen dieses Buches. Das Material hier wird direkte Relevanz für uns und die Glaubensgemeinschaften haben, in denen wir dienen. Nun versuchen wir, diese sonderbar neue doch altehrwürdige Weise zu entdecken, die das Volk Gottes zur mächtigsten transformativen Kraft der Geschichte gemacht hat. Wie wir dieses Material anwenden, wird von unserer Situation abhängen.
Meiner Ansicht nach wird etwas ganz Besonderes, etwas Neues und Anderes in Gang gesetzt, wenn alle sechs Elemente missionaler DNA am Platz sind und sich einander mitteilen, von ihren geistlichen Instinkten und ihrem Zentrum durchdrungen und vom Heiligen Geist ermächtigt werden. Wenn die Bedingungen stimmen, dann wird an diesem Punkt metabolisches Wachstum und Auswirkung katalysiert. Eine Bewegung, die mit Apostolischem Genius wirkt, ist meiner Ansicht nach eine ausgeprochen höhere und authentischere Form von ekklesia als die vorherige. Bevor ich aber die fünf entscheidenden Bestandteile der mDNA zu erläutern versuche, hier nun vorab einige Definitionen:

mDNA (missionale DNA):
DNA findet sich (abgesehen von den einfachsten Viren) in jeder lebendigen Zelle, sie enthält genetische Informationen zur Weitergabe vererbter Eigenschaften über den auslösenden Organismus hinaus, sie kopiert sich selbst und trägt wesentliche Informationen zur gesunden Vervielfältigung in sich. Was die DNA für biologische Systeme ist, ist die mDNA für gemeindliche. Wie ein Organismus zusammenhält und jede Zelle ihre Funktion in Bezug auf ihre DNA versteht, so findet die Kirche ihren Referenzpunkt in ihrer eingebauten mDNA, die Apostolischen Genius enthält, die Lebenskraft, welche in der neutestamentlichen Kirche und anderen apostolischen Jesusbewegungen der Geschichte pulsierte. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß, so wie in biologischen Systemen jede Zelle die volle Kodierung des ganzen Organismus trägt, jeder Christ, wenn er wahrhaft durch den Heiligen Geist in Jesus Christus geboren ist, die volle Kodierung missionaler DNA bestitzt und direkten Zugang zur Kraft des Apostolischen Genius hat. Sie ist da, nur vergessen oder unterdrückt von den institutionelleren Formen, weil ihre ursprüngliche und unkontrollierbare Natur eine Gefahr für die Institution selbst darstellt – sie ist so anders und läßt sich nicht eindämmen. Institutionelle Systeme organisieren sich durch externe hierarchische Kontrolle; organische missionale Bewegungen organisieren sich durch die in jeder Zelle eingebettete gesunde missionale DNA, der sie einfach ihren freien Lauf lassen. Durch meine Forschungen über Jesusbewegungen bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß wir Zugang zu dieser machtvollen Kodierung erhalten, wenn wir einer bedeutsamen adaptiven Herausforderung gegenüberstehen – einer Bedrohung unserer Existenz und/oder einer zwingenden Gelegenheit. So geschah das beispielsweise in der chinesischen Kirche, die sich ohne Leiterschaft, Strukturen und mit viel zuwenig Bibeln auf eine Weise gestaltete, die mit der Urgemeinde fast identisch war. Ich glaube, daß diese Kodierung bereits in ihnen war und der Geist Jesu sie im Kontext von Chaos und adaptiver Herausforderung einfach aktivierte.

Apostolischer Genius:
Ich habe diesen Ausdruck in der Hoffnung geprägt, die ursprüngliche Energie, den geistlichen Strom zu identifizieren, der sich seinen Weg durch diese kleinen Gemeinschaften des Glaubens bahnte, die die Welt veränderten. In meiner Vorstellung ist Apostolischer Genius das gesamte Phänomen, das aus einem Komplex mutliformer und realer Erfahrungen mit Gott, Ausdrucksformen, organisatorischer Strukturen, Leiterschaftsethos, geistlicher Kraft, Glaubensweise etc. resultiert. Seine aktive Gegenwart oder ihr Fehlen macht in unserer Erfahrung von Jesusgemeinschaft, Mission und geistlicher Kraft den ganzen Unterschied aus. Der Ausdruck „Apostolischer Genius“ enthält die volle Aggregation aller Elemente missionaler DNA, die gemeinsam eine Konstellation bilden und sich gegenseitig beleuchten. Diese sechs Elemente (siehe Schaubild am Ende dieses Posts) bilden das als Apostolischer Genius bezeichnete Phänomen, das alle Jesusbewegungen überall antreibt und formt. Der Rest dieses Buches stellt den Versuch dar, diese Aspekte des Apostolischen Genius zu beschreiben, indem sie identifiziert, definiert und in unseren westlichen Kontext übersetzt werden. In der Wiederherstellung und Aktivierung dieses Erbes, das in allen Leuten Gottes verborgen liegt, steckt die Erneuerung der Kirche im Westen. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß Apostolischer Genius in allen wahren Christen verborgen ist, als ein Werk des Heiligen Geistes in uns. Wenn wir in die Familie Gottes eingegliedert werden, scheinen wir auf geheimnisvolle Weise „Samen“ zu werden, die das volle Potential des Volkes Gottes in sich tragen. Falls Du oder ich wie ein Same auf ein anderes Feld geblasen würden, könnte Gott aus uns eine Jesusgemeinschaft hervorbringen. Dies ist das Wunderding einer wahren Volksbewegung. Und wo es entfesselt und gefördert wird, verändert sich die Welt.

Missional und Missionale Gemeinde:
Eine missionale Gemeinde ist eine Gemeinschaft aus Gottes Volk, die sich selbst daraus versteht, ihr Leben darum herum organisiert und ihren wahren Zweck darin sieht, Vertreter der Sendung Gottes in die Welt zu sein. Das wahre und authentische Organisationsprinzip der Gemeinde ist Mission. Wenn die Gemeinde in Mission ist, ist sie die wahre Gemeinde. Die Gemeinde selbst ist nicht nur ein Ergebnis dieser Mission, sondern ist dazu verpflichtet und bestimmt, sie durch jedes mögliche Mittel auszubreiten. Die Mission/Sendung Gottes fließt direkt durch jeden Gläubigen und jede Glaubensgemeinschaft, die Jesus anhängt. Dies zu behindern heißt, Gottes Absichten in seinem Volk und durch sein Volk zu blockieren.

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Foster: Bündnisgebet

27. Januar 2007

{Dies ist der zehnte Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8|9}

Was wir brauchen, ist der Wunsch, den ganzen Willen Gottes zu kennen mit einem festen Entschluß, ihn zu tun. (John Wesley)

Bündnisgebet ist ein tiefer, innerer Ruf des Herzens nach einem von Gott durchtrunkenen Leben. Am Altar des Bündnisgebets schwören wir unerschütterliche Loyalität; wir treffen hohe Entscheidungen; wir versprechen heiligen Gehorsam. Durch Hingabe, Disziplin und feste Gewohnheit gewinnen wir Freiheit in allen Dingen. Freiheit ist das Ergebnis von Disziplin und Hingabe. Die Versprechungen und Verpflichtungen unseres Herzens sind nicht umsonst. In Deiner Umwandlung bewirkt Gott das Wollen. Er erfüllt diese innersten Sehnsüchte – er hat sie ja schließlich in Dich hineingelegt.

Wir antworten den himmlischen Ouvertüren der Liebe Gottes zuerst durch den Bund heiligen Gehorsams. Ohne Zurückhaltung schwören wir, dem leisesten Flüstern des Vaters zu folgen. In äußerster Hingabe und völliger Schlichtheit versprechen wir, der Stimme des wahren Hirten zu gehorchen. Nebenbei bemerkt ist Gehorsam gar nicht so beschwerlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Wir antworten auf die einzig mögliche Weise dem eindringlichen, drängenden, einladenden, überzeugenden Ruf der ewigen Liebe. Wir werden uns niemals mehr mit bloßem Gut-sein oder Halbherzigkeit zufriedengeben. Ein unbarmherziger, unerbittlicher göttlicher Standard heiligen Gehorsams verzehrt uns.

Außerdem üben wir uns darin ein, unseren Verstand und unser Herz auf Gott auszurichten. Bei jeder Gelegenheit schauen wir auf zu Gott mit innerem Bekenntnis und sagen: „Erbarmen, Herr“, „Ich liebe Dich, Jesus“, „Zeige mir heute Deinen Weg“. Wir steigen mit dem Verstand in unser Herz hinunter und leben in stiller Anbetung, Ehrfurcht, Staunen und Lob. Wir gehorchen ihm sofort in allem, was wir wissen und können. Wenn wir fallen – und wir werden fallen – stehen wir auf und suchen von neuem zu gehorchen. Wir üben uns in die Gewohnheit des Gehorsams ein, und jede Gewohnheit beginnt mit Stolpern, Fallen und falschen Anfängen. Zuerst wird es uns vorkommen, als ob wir das Werk verrichteten, daß wir die Initiatoren seien. Aber im Laufe der Zeit werden wir erkennen, daß es Gott ist, der unser Herz mit einer brennenden Sehnsucht nach absoluter Reinheit entflammt. Und jetzt kommt das Schöne: Gott zu finden vertieft und erhöht das Streben nur noch.

Bündnisgebet macht nicht Halt bei der weitgefaßten Hingabe an heiligen Gehorsam. Es führt uns zu detaillierten Entschlüssen. Das Bündnis der Zeit bedeutet eine Verpflichtung zu regelmäßigen Gebetszeiten. Wir werden erkennen, daß dies unser Streben, uns selbst zu wichtig zu nehmen bezwingen wird, ebenso auch die Listen des Teufels. Das alte hebräische Gebetsmuster war dreimal täglich – morgens, mittags, abends. Wir müssen hier aber wachsam sein, den Menschen keine zu schwere Last aufzuerlegen. Wir werden niemals Zeit für’s Gebet haben, wir müssen uns Zeit nehmen. Wir dürfen unsere Gebetslosigkeit niemals damit entschuldigen, „immer betend zu leben“. Anderen Rechenschaft zu geben, kann immens hilfreich sein.

Das Bündnis der Zeit bringt uns Beständnigkeit, das Bündnis des Ortes ruft uns zu Stabilität. Es empfiehlt sich also, einen festen Ort zum Gebet zu haben.

Wir können unser Herz dadurch vorbereiten, daß wir diejenige Haltung einnehmen, die uns am besten hilft, unsere Gefühle auszudrücken. Wir üben uns in „heiliger Erwartung“ ein, bewegen uns durch den äußeren und inneren Vorhof und beginnen, nach der Stimme Jahwes Ausschau zu hören. Eine andere Weise, das Herz für die ehrfurchtgebietende Gegenwart bereit zu machen, ist es, die Zunge im Zaum zu halten. Außerdem profitieren wir von traditionellen Gebetbüchern, am allermeisten natürlich von den biblischen Psalmen.

Das Gebet der Verabredung ist unser besonderes Date mit Gott. Wir können frei und entspannt sein, denn wir betreten das wahre Zuhause unseres Herzens. Unser ewiger Liebhaber zieht uns regelmäßig zurück in seine Gegenwart, schenkt uns Vorfreude und Freude. Es ist nicht schwer, diese regelmäßige Gebetszeit in Ehren zu halten, denn die Sprache der Liebenden ist die Sprache der Verschwendung. Wir sind froh, daß wir Zeit mit Gott verschwenden können, den in seiner Gesellschaft fühlen wir uns wohl.

Gelobter Heiland,
am Altar der Hingabe bewege ich mich vor und zurück. Ich wünsche mir wirklich die Gewohnheit einer festen Gebetszeit. Zumindest wünsche ich sie mir jetzt gerade. Ich weiß nicht, ob ich sie in zwei Wochen auch noch will. Ich weiß, daß ich ohne eine Art beständiger Gemeinschaft mit Dir des heiligen Gehorsams nicht fähig sein werde. Darum verspreche ich, mir so gut ich kann regelmäßig Zeit für Gebet, Meditation/Nachsinnen und geistliche Lesung zu nehmen. Stärke mich in diesem Bündnis. Hilf mir, mich so an Deiner Gegenwart zu erfreuen, daß ich oft wieder heimkommen werde.
In Deinem Namen und um Deinetwillen gehe ich dieses Bündnis ein.
Amen.

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The Forgotten Ways: Die Weichen stellen, Teil 2

26. Januar 2007

{Dies ist der vierte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: 1|2|3}

Grundsätzlich sollte man sagen, daß sich die Kirche immer in einem Krisenzustand befindet und ihr größtes Manko ist es, daß sie sich dessen nur gelegentlich bewußt ist. … Seien wir dessen gewiß, daß eine Krise die Möglichkeit, wahrhaft Kirche zu sein, bedeutet. (David Bosch, Transforming Mission)

Eine Denomination zu leiten und gleichzeitig am Rande [der Gesellschaft] zu dienen hat mich schnell zu der Überzeugung gebracht, daß die Kirche im Westen sich verändern und in bezug auf ihren kulturellen Kontext einen missionarischen Standpunkt einnehmen muß. Es ist wenig erstaunlich, daß uns das Festhalten an Gemeindeverstädnissen und Denkweisen, die der Zeit des Christendom entstammen, auf vergangene Erfolge beschränkt und uns keine wirklich zukunftsfähigen Lösungen bietet, da wir immer in vorgegebene Antworten zu fallen scheinen. Ohne Risiko und neue Wege geschieht kein echtes Lernen. Nach 2000 Jahren mit dem Evangelium sind wir in wirklich jedem westlichen kulturellen Kontext auf dem absteigenden Ast. Wir haben das traditionelle Gemeindemodell so sehr vergöttlicht, daß wir oft die Kirche mit dem Reich Gottes verwechseln. Die notwendige Veränderung unseres Denkens in bezug auf Gemeinde und Mission muß radikal sein, sie muß bis zu den Wurzeln des Problems gehen. Wer der Gemeinde neues Leben einhauchen will, darf nicht nur bei Theologie und Programmen ansetzen; er muß tiefer gehen und die Grundannahmen entwickeln, aufgrund derer eine missionalere Form von ekklesia entwickelt werden kann. Nur wenn das Paradigma im Herzen der Kultur verändert wird, kann es dauerhafte Veränderung geben. Wir müssen unser Verständnis durch eine andere Linse, durch eine alternative Geschichte neu gestalten, wenn wir über das vorherrschende institutionelle Paradigma hinauskommen wollen, daß unser gegenwärtiges Verständnis von Leiterschaft und Gemeinde so deutlich beherrscht.

Die Bewegung, die Jesus in Gang setzte, war eine organische Volksbewegung; sie war nie dazu bestimmt, eine religiöse Institution zu werden. Wir müssen es dieser neuen-und-doch-altehrwürdigen „Systems Story“ [Hallo, wie pbersetze ich das???] gestatten, in unsere Vorstellungen einzudringen und sich all unseren Praktiken neu mitzuteilen. Unsere Organisationen müssen neu evangelisiert werden.

In der Schrift finden wir einiges an biblischer Kritik an religiösen Institutionen, die sich im Laufe der Zeit so leicht entwickeln. Ein prophetisch konsequentes Christentum bedeutet, daß wir der beständigen Kritik der Strukturen und Rituale, die wir errichten und erhalten, verpflichtet bleiben. Eine solche heilige Rebellion ist der Schlüssel zur Erneuerung der Kirche, weil neue Bewegungen oft auf neue Weise Gott erfahren und an seiner Mission teilhaben, ohne von vererbten Traditionen und Ritualen beschwert zu sein. Die Herausforderung für die etablierte Kirche und ihre Leiterschaft ist es, den Willen Gottes für unsere Zeit aus den Mündern heiliger Rebellen erkennen zu lernen. Wir müssen einen Weg finden, die historischen Antworten zur Seite zu schieben, die sich den Menschen so schnell aufdrängen, deren Vorstellung davon, was es bedeutet Gottes Volk zu sein, von einem weniger als biblischen Gemeindeverständnis gefangen gehalten wird.

Die Zeit für uns im Westen ist gekommen, daß alle unsere Versuche, daß Evangelium zu kommunizieren, jetzt kulturelle Grenzen überschreiten müssen. Die Zeit des Christendom, wo das Christentum offizielle Religion war, die Kirche im Zentrum der Gesellschaft stand, eine christliche Kultur und Zivilisation vorangetrieben wurde, alle Bürger (außer Juden) als Christen angesehen wurden, der ganzen Gesellschaft eine „christliche“ Moral aufoktroyiert wurde, ein der staatlichen Hierarchie entsprechendes hierarchisches kirchliches System mit Diözesen und Parochien entwickelt wurde, die Menschen in Klerus und Laien unterteilt waren, das Christentum per Gesetz und Inquisition verteidigt und die Welt in „christlich“ und „heidnisch“ unterteilt wurde – diese Zeit des Christendom ist vorbei. Konstantin hatte dem Christentum nicht zum Triumph verholfen, sondern seine dynamischsten und attraktivsten Aspekte zerstört, indem er eine Basisbewegung zu einer arroganten Institution machte, die von einer Elite kontrolliert wurde, die oft gleichzeitig brutal und lax war. Dies war die Zeit des Christendom, in der die Kirche über Staat und Gesellschaft aufstieg. Im modernen Zeitalter der Aufklärung war das Christendom endgültig beendet und der säkulare Staat geboren. Die Gesellschaft wurde zunehmend säkularisiert und die Kirche mitsamt ihrer Botschaft marginalisiert. Das Problem ist, daß, obwohl wir in der Zeit nach Christendom leben, die Kirche immer noch auf die gleiche Weise agiert. Was unser Verständnis und unsere Praxis von Gemeinde anbelangt, hat sich seit siebzehn Jahrhunderten wenig verändert.

Mit dem Beginn der postmodernen Epoche, hat sich wieder vieles geändert. Subkulturen florieren und die westliche Kultur wurde heterogenisiert bzw. tribalisiert. Jede einzelne Gruppe nimmt ihre subkulturelle Identität (Interessen wie Religion, Sexualität, Sport, Ideologien, Klassen, Berufsgruppen etc.) ernst und jede missionale Antwort muß dasselbe tun. Christendom homogenisierte die Kultur, jeder wurde als christlich angesehen und so verlor die Gemeinde in dieser Zeit ihre vorrangige missionarische Berufung und Form, ihr Ethos und unterdrückte ihren Apostolischen Genius. In der Postmoderne werden die Karten neu gemischt; wir sind zurück auf missionalem Grund und Boden. Wenn wir über kulturelle Grenzen hinwegkommen wollen, dann müssen wir in bezug auf die Kultur wieder einen missionarischen Standpunkt einnehmen. Das wird einerseits einen sendungsbasierten Ansatz statt eines attraktionellen erfordern und anderseits die Anwendung aller Erkenntnisse der Methodologie überkultureller Mission. Wir brauchen einen ausgefeilteren Ansatz als den gegenwärtigen und wir müssen unser Paradigma von Gemeinde verändern, um dieser Herausforderung zu begegnen. Es ist an der Zeit, daß die missionale Kirche aufsteht und der schlafende Riese erwacht. Wenn Du Dich jetzt unangenehm fühlst, dann laß mich noch einmal betonen, daß Christendom nicht der ursprüngliche, biblische Zustand der frühen Kirche ist und wir deshalb nicht überempfindlich werden müssen. Es ist alles in Ordnung… Gott wird uns keine verpassen, wenn wir nach einer besseren Weise, treu und missional zu sein streben. Fortschritt ist cool.

Die aufregende und endgültige Jesusbewegung, die sich im ganzen römischen Imperium ausgebreitet und es letztlich unterwandert hat, war ein Phänomen der Basis, eine Volksbewegung, die keine leicht definierbaren Institutionen besaß, weil sie diese im Verfolgungskontext gar nicht errichten konnte. Es gab kein Hauptquartier; die Bewegung breitete sich in den sozialen Rhythmen und Strukturen ihrer Zeit aus und bestand in unterschiedlichen Formen solange, bis Konstantin auf den Plan trat und sich absolut alles veränderte. Die Organisationsstrukturen des Christendom sind Welten von denen der ersten Kirche entfernt – so als ob man die Vereinten Nationen mit Al-Ka*da vergleichen wollte (das eine eine gründliche Institution mit zentralisierten Strukturen, Politiken, Protokollen und das andere ein verästeltes Netzwerk mit einfacher Struktur und gemeinsamem Ziel). In der Zeit des Christendom sah sich die Kirche als Zentrum der Gesellschaft und agierte in attraktioneller Weise. Die Menschen gingen in die Kirche, um das Evangelium zu hören, im Glauben unterwiesen zu werden und an den Sakramenten teilzuhaben. Bitte beachte an dieser Stelle, daß ich nicht sage, daß Gott dieses Gemeindemodell nicht benutzt oder nicht benutzt hat oder daß die Menschen innerhalb dieser Strukturen keine ernsthaften und echten Christen sind. Die meisten von uns haben in diesem System zu Gott gefunden. Er hat es offensichtlich benutzt und kann auch heute noch darin gefunden werden. Was ich sagen will ist, daß diese Gemeindekonfiguration aufgrund der veränderten Umstände überholt ist und den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts einfach nicht mehr genügen wird, worauf viele Statistiken und Trends in jedem kulturellen Kontext im Westen hinweisen. Wenn wir die Kraft des Apostolischen Genius wieder aktivieren wollen, dann müssen wir gewillt sein, uns auf eine Entdeckungsreise zu begeben, das verlassen was wir für sicher halten und einige Risiken auf uns nehmen. Es ist höchste Zeit, daß wir Konstantin vom Thron stoßen, denn was die Kirche anbelangt, scheint er noch immer der Kaiser unserer Vorstellungen zu sein. Die Gemeinde steht jetzt vor der Herausforderung, Mission in einem neuen Paradigma zu entdecken und das Mindset des Christendom abzuschütteln. Wir müssen eine neue Erzählung von der Gemeinde und ihrer Mission (wieder)entdecken.

Betrete die sich abzeichnende missionale Kirche („emerging missional church“ –> EMC). Diese Form von ekklesia ist wahrhaft kreativ, weil sie eine grundsätzlich andere Vorstellung als die vorherrschende hat. Und sie ist altehrwürdig, denn sie sieht so aus, fühlt sich so an und manifestiert sich ganz ähnlich wie die orignial apostolische. Wir erleben in unseren Tagen die Entstehung neuer Bewegungen und Gemeinschaften, manche noch ganz ohne Form und unorganisiert. Bemerkenswerterweise gibt es in struktureller Hinsicht kein Zentrum und keinen äußeren Rand, trotzdem, vor allem dank des Internets und neuer Medien, sind viele von ihnen miteinander verbunden. Die meisten Menschen in der EMC scheinen einander einfach zu kennen. Diese Gemeinschaften sind nicht der Ansicht, daß Gottes Leute untrennbar mit einer bestimmten Art von Gebäuden verbunden sein müssen und darum entstehen neue Formen von christlichen Gemeinschaften in Tanzclubs, Cafés, Kinos, Bars, Kneipen, Sportvereinen, Wohn- und Geschäftshäusern, Kirchengebäuden und an Flußufern. Sie geben dem Glauben auf kreative Weise neue Symboliken, tauschen sich intensiv über Spiritualität, das Leben, Jesus, Gott, Glaube, Jüngerschaft und Mission aus und beziehen dem Glauben Fernstehende mit ein. Die sich abzeichnende Leiterschaft mit einem schöpferischen Pioniergeist getränkt. Und wenige von ihnen wurden ordiniert – es handelt sich um eine echte Volksbewegung, die von der Basis ausgeht. Christologie und die Person Jesu als Zentrum des Glaubens werden wiederentdeckt. [Alan zitiert an dieser Stelle auch noch die EC-Merkmale nach Gibbs/Bolger, die meine Leser ja kennen müßten. Wenn nicht, hier der Link zu Daniel.] Im Ganzen handelt es sich hierbei um eine Randbewegung ohne viel Einfluß in der Gesellschaft und trotzdem sind sie dem Ausleben des Glaubens im öffentlichen Raum verpflichtet. Das Aufregende daran ist, daß alle diese Gemeinden ein missionales Herz zu haben scheinen, das Verlangen, andere mit der Botschaft der Errettung durch Jesus zu erreichen. Diese Suche nach neuen Gemeindeformen bezieht auch die Hauskirchen- oder „Simple Church“-Bewegung mit ein. Es scheint, daß in dieser Bewegung der Same für die Zukunft der westlichen Kirche verborgen liegt. Die meisten Beobachter nehmen diese Bewegung nicht wahr, da sie nach den bekannten Kennzeichen von Gemeinden auf die Art des Christendom Ausschau halten. Somit handelt es sich hierbei um eine Untergrundbewegung. Meine eigene Reise hat mich dahin geführt, fast alles dafür zu geben, daß die EMC gegründet ist und gedeiht. Vor einigen Jahren gab es weniger Grund, optimistisch zu sein, aber heute glaube ich, daß wir eine gewisse Art kritischer Masse überschritten haben und es guten Grund zur Hoffnung gibt. Aber wir müssen gewillt sein, unsere Ressourcen zu teilen, in die Zukunft zu investieren, uns auf die Reise zu machen und wie verrückt zu experimentieren.

Die absolut entscheidende Frage für die jüngeren der sich im Anbruch befindlichen Gemeinden ist, ob sie wahrhaft missional sein werden. Wenn sie es nicht schaffen, diesen Schritt zu machen, dann werden sie auch wieder nur eine Neuanpassung von Christendom sein. Eine bloße Marotte. Neue und emergente Gemeindeformen sind das Resultat einer missionalen Einstellung, nicht anders herum. Darum lege ich meinen Brüdern und Schwestern in der Emerging Church dieselbe Herausforderung vor wie den etablierten Gemeinden: Wenn ihr nicht bloß eine weitere Gemeindemarotte sein wollt, dann paßt nicht nur Euren Gottesdienst und Eure Spiritualität dem postmodernen Publikum an – fangt woanders an: fügt zuerst das M in die Gleichung ein, und EC wird folgen.

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Leise rieselt der Schnee…

24. Januar 2007


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… das war heute den Tag über der Fall, kein Schneesturm, keine Schneewehen, nur ein leises Rieseln. Das Ergebnis zeigt der Blick aus meinem Wohnzimmerfenster:


Und schon habe ich wieder die alten Hammerfall-Zeilen im Kopf, die sich immer beim ersten Schnee melden:

Snow is falling down on this glorious land
Colours fading, turning into white again

Und gleich danach meldet sich dann der gute alte Jesaja, der die Worte Gottes spricht:

So kommt denn und lasst uns miteinander rechten,
spricht der HERR.
Wenn eure Sünde auch blutrot ist,
soll sie doch schneeweiß werden,
und wenn sie rot ist wie Scharlach,
soll sie doch wie Wolle werden.

Wie schön rein alles aussieht und welch wundervolle Assoziationen sich ergeben! Kurze Zeit später sinkt mein Gute-Laune-Pegel – es geht an’s Schneeschaufeln. Hatte ich eben noch in Tolstoi’s Anna Karenina von der Freude gelesen, die Konstantin Ljewin empfand, als er zusammen mit seinen Bauern in der prallen Sonne die Sense durch das Gras zog, um Heu zu mähen, bis ihm der Schweiß in Strömen vom Körper rann, so stand ich jetzt mitten im kalten Schnee. Ljewin’s Freude war die meine nicht, der Schweiß hingegen strömte in gleicher Weise… Nach getaner Arbeit hier ein Blick auf die verschneite Straße vor meinem geliebten Zuhause:


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Foster: Das Gebet der Umwandlung

24. Januar 2007

{Dies ist der neunte Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7|8}

Gebet – geheimes, glühendes, glaubensvolles Gebet – macht die Wurzel aller persönlichen Göttlichkeit aus. (William Carey)

Der Hauptzweck des Gebetes liegt darin, uns in solch ein Leben der Gemeinschaft mit dem Vater zu führen, daß wir durch die Kraft des Geistes in zunehmendem Maße in das Bild des Sohnes verwandelt werden. Niemand kann ein Leben des Gebets aufrecht erhalten, wenn er nicht zur Veränderung bereit ist. Jeden Tag belehrt uns der brütende Geist Gottes auf neue und lebendige Weise. Wenn wir diesen Anstößen des Geistes zu folgen beginnen, werden wir von innen heraus verändert. Gebet selbst ist begrenzt in bezug auf das Gute, das es erreichen kann. Es ist nur ein Teil – wenn auch ein überaus wichtiger Teil – eines größeren Ganzen. Darum dürfen wir das Gebet nie vom Rest christlicher Andacht isolieren und es für mehr in Anspruch nehmen, als es Gott im Sinn hatte. Nein, statt dessen wollen wir das dynamische Zusammenspiel des Gebets im Zusammenhang eines allumfassenden geistlichen Lebens erkennen.

Ich will die Wichtigkeit des Fortschritts, des Wachstums, der Veränderung, der Umwandlung betonen. Gott will uns mehr und mehr in das Bild Christi umgestalten. Wir müssen alle tiefer über unser beständige Neigung zum Ungehorsam und Gottes unbegrenzte Art des Vergebens nachsinnen. Wir müssen alle dieses Leben tiefer betrachten, das uns den Weg zeigt, daß wir „seinen Schritten folgen“ können. Wir müssen alle mehr über den Tod nachdenken, der uns freisetzt. Wir müssen alle diese Auferstehung tiefer erfahren, die uns dazu befähigt, Christus in allen Dingen zu gehorchen.

Demut bedeutet, so nah wie möglich an der Wahrheit zu leben – der Wahrheit über uns selbst, der Wahrheit über andere, der Wahrheit über die Welt, in der wir leben. Demut steckt eigentlich voller Kraft, Leben hervorzubringen. Sie ist eine dieser Tugenden, die wir niemals erhalten, indem wir uns auf sie konzentrieren. Benedikt sagte: „Eine beständige Ehrfurcht vor Gott vor Augen haben, den eigenen Willen und die eigenen Wünsche zurückweisen und statt dessen Gottes Willen tun; alle bösen Gedanken und alle bösen Taten dem Herrn bekennen.“ Wir müssen Stille einüben, leichtsinniges Gerede vermeiden und schlichte, einfache Sprache verwenden. Einfache, gewöhnliche Dinge unternehmen wir für die Liebe Gottes. Wenn wir viele kleine Tode erfahren, indem wir über uns hinausgehen, kommen wir in die Gnade der Demut hinein. Der kleine Weg von Thérèse von Lisieux bedeutet, die niedrige Arbeit zu tun, ungerechte Kritik anzunehmen, uns diejenigen, die uns verdrießen, zu Freunden zu machen und den Undankbaren zu helfen. Für die kleinen, unsichtbaren Siege in unserem alltäglichen Leben werden wir niemals eine Auszeichnung oder nur ein Dankeschön erhalten – und das ist genau, was wir wollen.

Das umwandelnde Gebet hat auch eine passive Seite: Der erste und grundsätzlichste Zugang dazu ist die Einsamkeit. Um in die Einsamkeit zu kommen, müssen wir das, was andere von uns denken, unbeachtet lassen. In der Stille wird unser falsches, umtriebiges Selbst entlarvt und zeigt sich als so betrügerisch, wie es wirklich ist. So komisch es sich für heutige Ohren anhören mag, war doch zu allen Zeiten das Nachsinnen über den eigenen Tod einer der am höchsten geachteten Wege zu persönlicher Transformation. Ein dritter Weg des passiven, umwandelnden Gebetes ist das „Gebet der Fügsamkeit“, die Erfahrung, sich ganz biegsam, unterwürfig und transparent den Händen Gottes zu überlassen. Also, wenn Du diese Worte liest, übergebe Dich den Händen des Meistertöpfers. Laß seine Hand auf Deinen ruhen und Dich führen. Werde schwach, zerbrechlich, verletzbar. Dann höre auf die Stimme des wahren Hirten und lerne von ihm.

Lieber Herr Jesus,
in meinen lichteren Momenten will nichts mehr, als wie Du zu sein. Aber es gibt auch andere Zeiten…
Hilf mir, zu sehen, wie gut Gleichförmigkeit mit Dir wirklich ist. Laß mich in meinem Suchen nach Dir von Dir gefunden werden. Ich liebe Dich, Herr.
Amen.

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Foster: Das Gebet der Überlassung

23. Januar 2007

{Dies ist der achte Post zu Richard Fosters Buch Prayer: Finding the heart’s true home. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6|7}

Der Geist lehrt mich, meinen Willen ganz dem Willen des Vaters hinzugeben. Er öffnet mein Ohr, so daß ich voll Sanftmut und Belehrbarkeit darauf warte, was der Vater Tag für Tag zu sagen und zu lehren hat. Er läßt mich erkennen, daß Einheit mit dem Willen Gottes Einheit mit Gott selbst ist, wie komplette Unterordnung unter Gottes Willen der Anspruch des Vaters, das Vorbild des Sohnes und der wahre Segen der Seele ist. (Andrew Murray)

Zu Beginn unseres Gebetslebens kämpfen wir mit dem Willen Gottes. Wir wünschen uns spontane Gebetserhörungen und beten manipulative Gebete. Später beginnen wir damit, unseren Willen loszulassen und im Willen des Vaters zu fließen. Das Gebet der Überlassung bringt uns vom Kämpfen zum Loslassen. Das Endergebnis des Gebetes der Überlassung bringt uns eine Ruhe, die unsere Seele sättigt und zufriedenstellt. In der Schule von Gethsemane lernen wir, unseren eigenen Gedanken, unserem eigenen Verstand und Willen zu mißtrauen, auch wenn diese nicht direkt sündig sind. Das „Mein Wille geschehe“ wird vom „Nicht mein Wille“ überwunden. Innerer Kampf ist ein wesentlicher Bestandteil des Gebets der Überlassung, denn Verzicht ist nicht einfach. Wir resignieren nicht einfach fatalistisch, sondern werden von einem festen Vertrauen in den Charakter Gottes gehalten. Manchmal wir uns genau das wieder geschenkt, was wir aufgegeben haben.

Warum scheint es so, daß Gott unseren Verzicht benötigt, bevor er etwas Neues schafft? Ein Teil der Antwort liegt darin, daß wir oft an dem bekannten Guten festhalten wollen, so daß wir das unbekannte Bessere nicht empfangen können. Gott muß uns dabei helfen, unsere schmale Sichtweise loszulassen, so daß wir das Größere bekommen können, das er für uns bereit hält. Der überwiegende Teil der Antwort liegt darin, daß Gott die Persönlichkeit des Menschen transformieren will. Überlassung, Verzicht und Preisgabe führt uns zu einem unbezahlbaren Schatz: Die Kreuzigung des Willens.

Weißt Du, welch große Freiheit diese Kreuzigung des Willens bedeutet? Es bedeutet, von der immerwährenden Last, daß alles auf unsere Art geschehen muß, freizuwerden. Es ist die Freiheit, für andere zu sorgen, ihre Bedürfnisse voranzustellen , freudig und frei zu geben. Stück für Stück verändert uns diese tägliche Kreuzigung des Willens. Neue Gnaden kommen zum Vorschein: Die Fähigkeit, all unsere Sorgen auf Gott zu werfen, Freude am Erfolg anderer, Hoffnung auf einen guten Gott.

Wie es praktisch wird
Nur durch das tägliche Leben kannst Du in das Gebet der Überlassung hineingeführt werden, durch die Unterordnung Deines Willens in den gewöhnlichen Entscheidungen zuhause, in der Familie und bei der Arbeit.

Erstens: Lerne das Gebet der Selbstentäußerung. Bete meditativ durch Philipper 2, wo die Selbstentäußerung Christi beschrieben wird. Bitte den brütenden Geist Gottes darum, Deine Gebete auf die Eigentümlichkeiten Deines Tages anzuwenden. Warte still. Höre genau hin. Gehorche sofort.
Zweitens: Lerne das Gebet der Unterordnung. Nimm eines der synoptischen Evangelien und gehe mit Jesus in den Garten Gethsemane.
Drittens: Lerne das Gebet des Preisgebens. Erlaube dem souveränen Herrscher Deines Herzens, Dir deutlich zu machen, welche Bedürfnisse Du zu seinen Füßen ablegen solltest.
Viertens: Lerne das Gebet des Loslassens. Lege alles in seine Hände und dann drehe Dich um und gehe Deinen Weg. Er wird so für alles sorgen, wie er es für nötig erachtet.
Fünftens: Lerne das Gebet der Auferstehung. Manche Dinge werden tot bleiben, und vielleicht ist das für Dich auch besser so. Andere werden auf eine Weise zu neuem Leben erwachen, daß Du sie kaum wiedererkennen wirst. In jedem Fall verlasse Dich darauf, daß Gott auf dem Gebiet der Auferstehung kompetenter ist als Du.

Oh Herr,
wie soll ich loslassen, wenn ich mir so unsicher bin?
Ich bin unsicher, was Deinen Willen anbelangt, und ich bin unsicher, was mich selbst betrifft… Aber das ist eigentlich gar nicht das Problem, oder? Die Wahrheit ist, daß ich die bloße Vorstellung des Loslassens hasse. In Wirklichkeit will ich die Kontrolle behalten. Da liegt der Hund begraben, oder? Ich fürchte mich davor, die Kontrolle aufzugeben, davor, was passieren könnte. Heile meine Angst, Herr.
Wie gut, daß Du selbst in meinem stolpernden Gebetsversuchen meine blinden Flecke aufdeckst. Danke!
Aber jetzt, was soll ich tun? Jesus, bitte lehre mich Deine Weise des Loslassens.
Amen.

[Ähnliche Gedanken, wie sie Foster in diesem Kapitel zur Sprache bringt, habe ich vor kurzem in meinem Post Mit oder für Gott kämpfen geäußert.]

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Scot McKnight über “The Forgotten Ways”

22. Januar 2007

Wer sich für meine Serie über „The Forgotten Ways“ interessiert, wird sich darüber freuen, daß Scot McKnight ebenfalls über dieses Buch zu schreiben begonnen hat. Der erste Post erschien gerade eben, Du findest ihn hier. Dass ich Scot’s Blog liebe, muß ich wohl nicht mehr extra erwähnen…

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The Forgotten Ways: Die Weichen stellen, Teil 1

22. Januar 2007

{Dies ist der dritte Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church. Die Vorgänger: Appetizer|Einführung. Alan erzählt aus der Geschichte seiner Gemeinde.}

Alle großen missionarischen Bewegungen haben einmal am Rande der Kirche und der Gesellschaft begonnen und später dann Erneuerungen im Leben der Kirche ausgelöst. Es scheint, daß wenn sich die Gemeinde mit den Fransen auseinandersetzt, sie beinahme immer Leben ins Zentrum bringt. Im Folgenden werde ich davon erzählen, welche Änderungen wir vorgenommen haben, um zu einer wahrhaft missionalen Bewegung zu werden.

PHASE 1: Vom Tod zum Chaos: In dieser Phase haben wir eine etablierte Gemeinde mit einer neuen und missionaleren gekreuzt. Wir haben beschlossen, daß was wir einzig und allein eine authentische Jesus-Gemeinschaft aufbauen würden, wo alle, die uns über den Weg laufen würden, Liebe, Annahme und Vergebung erfahren würden. Einzig aufgrund des Versprechens und des Erlebens einer gnadenvollen Gemeinschaft, wuchs die Gemeinde. Wir zogen nun wirklichen jeden Freak in unserer Umgebung an. Am nahm dieser Teil der Gemeinde den Vorrang ein und brachte uns in die nächste Phase.

PHASE 2: Eine Gemeinde werden, die Gemeinden pflanzt: Wir verspürten einen besonderen Ruf zu den Volksgruppen, die den subkulturellen Kontext, in dem wir lebten, ausmachten – die Armen und die Marginalisierten. Indem wir dies taten, sind wir nur den apostolischen Instinkten gefolgt, die, wie ich mittlerweile glaube, im Evangelium selbst verborgen liegen. Sie drückten sich in unserem Fall in dem Verlangen aus, den Glauben durch das Gründen neuer Gemeinschaften weiterzugeben, die dem subkulturellen Kontext gegenüber relevant und gleichzeitig dem ehrwürdigen Evangelium treu waren. Aus dem Antrieb, Gemeinden zu pflanzen, heraus, fingen wir an zu verstehen, daß sich in der westlichen Kultur ein grundlegender Wandel vollzog. Die Menschen identifizieren sich nicht mehr länger mit großen Gruppen, die von übergeordneten Metanarrativen definiert werden (z.B. Handelseinheit, politische Ideologie, nationale Identität, religiöse Orientierung etc.). Heute entstehen massenhaft subkulturelle Gruppen, die sich anhand von fast allem von kulturellem Interesse hin zu sexuellen Vorlieben definieren. Wir begriffen, daß wir Missionare werden mußten, und daß die Gemeinde in Bezug auf ihre Umgebung eine missionarische Einstellung annehmen muß. Das bedeutete auch, daß die Tage gezählt waren, in denen die Gemeinde nach dem „one-size-fits-all“-Ansatz funktionierte. Und so entwickelte sich unser missionarischer Ansatz dahingehend, daß wir spezifische Gruppen im neu tribalisierten städtischen Milieu in’s Auge faßten. Wir erkannten, daß wir eine regional organisierte Gemeinde sein mußten, die andere Gemeinden pflanzte. Wir pflanzten sechs Gemeinden in den ersten sieben Jahren, von denen manche kläglich scheiterten und andere sehr erfolgreich waren, aber in all dem lernten wir, daß wir große Risiken eingehen mußten, wenn wir missional werden wollten. Vierzig Prozent unserer Gemeinschaft kamen aus den schwulen und lesbischen Subkulturen. Theologisch gesprochen nahmen wir keinen politisch korrekten Standpunkt pro Hommosexualität ein, sondern riefen alle Menschen liebevoll zur lebenslangen Nachfolge Jesu auf, was für die einen lebenslanges Zölibat bedeutete; andere mit starkem Willen und Verlangen gingen heterosexuelle Beziehungen ein. Vieles ist schief gegangen, aber Fehler können zu grandiosen Lehrmeistern werden. Unser Kontext erforderte eine überkulturellere, missionarischere Methodologie als der Ansatz, nach draußen zu gehen und Menschen in die Gemeinde hineinzuholen [„outreach and in-drag“], den wir bislang verwendet hatten. Als Ergebnis vieler gelesener Studien weiß ich, daß die nicht-christliche Bevölkerung des Westens sich in hohem Maße für Gott, Jesus, Spiritualität und Gebet interessiert, aber einen weiten Bogen um die Kirche macht. Andere Ergebnisse zeigen, daß [nur] zehn bis fünfzehn Prozent dieser Menschen in Australien vom zeitgenössischen Gemeindewachstumsmodell angezogen werden. Es ist an der Zeit, daß wir neu über die strategischen und missionalen Implikationen nachdenken.

  • Strategische Belange: Die überwiegende Mehrheit evangelikaler Gemeinden (ca. 95%) [in Australien] orientiert sich in ihrem Vorgehen, die Gemeinde zum Wachstum zu bringen, am zeitgenössischen Gemeindewachstumsansatz – trotz der Tatsache, daß erfolgreiche Anwendungen dieses Modells relativ selten bleiben.
  • Missionale Belange: Somit kämpfen in Australien 95% der evangelikalen Gemeinden um 10-15% der Bevölkerung. Und dies wird zu einem bedeutenden missionalen Problem, da sich die Frage aufdrängt: „Und was ist mit der großen Mehrheit der Bevölkerung, für die gerade dieses Modell von Gemeinde befremdlich wirkt?“ Es wird immer deutlicher: Wenn wir die Bevölkerungsmehrheit sinnvoll erreichen wollen, dann können wir nicht einfach nur mehr vom selben tun.

Diese Verbindung von missionaler Erfahrung und Reflektion führte unsere Leiterschaft dazu, mit inkarnatorischeren Missionsansätzen zu experimentieren. Wir stellten missionarische Fragen, nämlich: „Was ist für diese Menschen gute Nachricht?“ und „Wie würde die Gemeinde unter diesen Menschen aussehen und sich anfühlen?“ Um diese Fragen beantworten zu können, mußten wir sie im aktiven Kontext von Mission stellen. Wir mußten den existentiellen Belangen, von denen diese Menschen betroffen waren, die Aufmerksamkeit geben, die denen entsprach, die diese Belange erfuhren. Und wir mußten Gemeinschaften des Glaubens so gestalten, daß sie zum organischen Teil des sozio-kulturellen Musters der Menschen werden konnten, die wir zu erreichen versuchten. [Alan erzählt dann vom Café Elevation, wo Menschen über die unterschiedlichsten Angebote in einer organischen Weise zu einem sinnvollen Austausch über Jesus und Spiritualität geführt werden sollten. Das Café scheiterte, die Finanzen wurden knapp und selbst nach mehrmaligem Aufruf durch die Leiterschaft fand sich die Gemeinde nicht bereit, durch regelmäßige Mahlzeiten oder Spenden im Elevation zu dessen Erhalt beizutragen. Darauf hinterfragte die Leiterschaft die Qualität der Jüngerschaft der Gemeindeglieder.] Der Wendepunkt kam, als wir die harten Fragen danach stellten, auf welche Weise wir die Fruchtbarkeit der Gemeinde feststellen konnten. Und von dort aus begannen wir dann, Fragen nach der Natur von Gemeinde und nach ihrem schriftgemäßen Zweck zu stellen. Was macht denn Gemeinde aus? Unser Ergebnis war Folgendes:

  • – Bündnishafte Gemeinschaft: Menschen, die nicht nur miteinander rumhängen, sondern durch ein unverwechselbares Band miteinader verbunden sind. Aus einem Bundesverhältnis heraus folgt die gegenseitige Verpflichtung aneinander.
  • – Jesuszentriertheit: Er ist der neue Bund mit Gott und er fungiert als wahrer Mittelpunkt eines authentischen Christ-lichen Glaubens. Eine ekklesia ist nicht nur eine Gemeinschaft um Gott – davon gibt es viele. Wir sind definiert von unserer Beziehung zur zweiten Person der Trinität, dem Mittler Jesus Christus. Eine Bündnisgemeinschaft, die auf Jesus ausgerichtet ist, hat teil an dem Heil, das er bringt. In ihm empfangen wir die Gnade Gottes.
    Eine wahre Begnegnung mit Gott in Jesus muß resultieren in:

    • – Anbetung: Unsere Leben durch Jesus Gott darbringen
    • – Jüngerschaft: Jesus folgen und ihm in zunehmendem Maße ähnlicher werden
    • – Mission: Die Sendung (Erlösungsabsicht) Gottes durch die Aktivitäten seines Volkes ausbreiten

Diese Aspekte sind miteinander verbunden; jeder befruchtet die anderen und gemeinsam schaffen sie das komplexe Phänomen, das wir „Gemeinde“ nennen.

PHASE 3: Von einer Gemeinde zu einer organischen Bewegung: Wir erkannten, daß wir uns nicht auf die tieferen Ressourcen der Jüngerschaft und ein beständiges Bewußtsein der eigenen Verpflichtung und Mission verlassen konnten, sobald es hart auf hart kam. Selbst wir Leiter schienen Gotttes ureigene (und damit unsere) Mission nicht als zentrale Funktion der Gemeinde wertzuschätzen. Tatsächlich hatte sich beschämenderweise in den vergangenen zwei Jahren keine einzige Bekehrung zu Jesus ereignet. Daraus zogen wir den Schluß, daß wir nicht mit Erfolg Jünger gemacht hatten und deshalb in der Mission unfruchtbar blieben. Weil wir diese beiden zentralen Elemente der ekklesia vernachlässigt hatten, waren wir zu nicht viel mehr als einem Anbetungsklub für hippe Leute verkommen, die sich vom Mainstream der Kirche entfremdet hatten. Somit hatten wir nur einen weiteren konsumorientierten Zugang zum Christentum entwickelt. Sollte die Gemeinde wirklich nur ein „Futtertrog“ für ansonsten fähige Angehörige der Mittelklasse sein, die ihrer Karriere nachjagen? Wenn wir ehrlich sind, geschieht das sehr schnell. Das vorherrschende Leiterschaftsverständnis ist das des Hirten-Lehrers, der die Herde lehrt und sich um sie kümmert. Ganz im Geiste des Konsums wurde die Gemeinde zum Dienstleister für religiöse Güter und Dienste. Aber genau diese Dienstleistungsmentalität hatte Jesus nicht. Er sprach in verwirrenden Rätseln (Gleichnissen), die in seinen Zuhörern eine geistliche Suche wachriefen. Sein Publikum mußte die Lücken selbst ausfüllen – anders als in den heutigen Drei-Punkte-Predigten. Sie wurde nicht in die Passivität geführt, sondern im Geist aktiviert. Wer heute eine Gemeinde gemäß der zeitgenössischen Gemeindewachstumsprinzipien zum Wachstum führen will, muß folgende Dinge tun und sich darin konstant verbessern: Das Gebäude vergrößern, für ansprechende Predigten zu alltagsrelevanten Themen sorgen, eine inspirierende Anbetungserfahrung durch eine exzellente Band und „Lobpreisleiter“ mit positiver Ausstrahlung schaffen, genügend Parkplätze bereitstellen, gute Programme für Kinder und Jugendliche entwickeln, Zellgruppenprogramme um ein christliches Verständnis von Bildung erstellen, damit pastorale Fürsorge und ein Gefühl von Gemeinschaft entstehen und zuletzt sicherstellen, daß es nächste Woche besser wird als letzte Woche, damit die Leute auch weiterhin kommen. Das Problem dieses Ansatzes ist, daß die Konsumhaltung der Gemeindeglieder gefördert wird und die Gemeinde mit den besten Programmen und dem größten Sexappeal die meisten Kunden anzieht. Statistiken zeigen, daß das meiste Wachstum der Gemeinde von Church-hoppern [„switchers“] herrührt und fast kein Bekehrungswachstum stattfindet. Es kann nicht sein, daß wir in einem konsumoriertierten Zugang zum Glauben Jünger machen. Jeder von uns muß viel aktiver darin werden, ein lebenslanger Nachfolger Jesu zu werden. Konsum schadet der Jüngerschaft.

Mit diesem Verständnis im Hinterkopf gingen wir nun daran, die Gemeinde von Grund auf neu zu erschaffen – anhand der biblischen Schlüsselfunktionen der Kirche (Jesus, Bund, Gemeinschaft, Jüngerschaft, Mission, Anbetung). Was wir erreichen wollten:

  • – eine dynamische Bewegung in unserer ganzen Stadt
  • – aktiven und direkten Miteinbezug der Mehrheit der Gemeindeglieder in den Prozeß der Nachfolge Jesu
  • – ein reproduzierbares System
  • – organische Multiplikation
  • – Mission (nicht Dienst) als Organisationsprinzip der Bewegung

Was unser Ergebnis war:

  • – Zellgruppen als primäre Form der Gemeinde (nicht kleiner Teil eines großen Systems)
  • – keine Dienstphilosophie, sondern ein Bündnis mit Kernpraktiken
  • – jede Gemeinde/Zellgruppe sollte bei jedem Treffen Gemeinschaft (er)leben, die Schrift mit dem eigenen Leben verbinden, Mission leben, Anbetung und Gebet praktizieren, in Charakterentwicklung und Rechenschaft wachsen. Auf welche Weise das geschieht, hängt von der Leiterschaft der Zelle und ihrem Kontext ab.
  • – Organisation in drei Grundrhythmen: wöchentliches Treffen der Zellen, monatliches („Stammes-„)Treffen aller Zellen einer Region, halbjährliches Treffen aller Stämme im Netzwerk der Bewegung. Jede Ebene besitzt eine ihr entsprechende Leiterschaftsstruktur. Auf der Zellebene geschieht Jüngerschaft, Anbetung und Mission, Regionale Koordination soll gesunde Leiterschaftsentwicklung, pastorale Unterstützung und Vernetzung sicherstellen, und die Leiterschaft der ganzen Bewegung sorgt für die strategische Ebene und die apostolischen Rahmenbedingungen.
  • – die einzige Bedingung (außer den oben erwähnten Kernpraktiken) für eine Zelle, zur Bewegung zu gehören, ist, sich selbst so schnell zu multiplizieren, wie es organisch denkbar und möglich ist.

Diese Veränderung konnte nicht schnell und einfach geschehen. Menschen, die daran gewohnt sind, „gefüttert“ zu werden, haben eine grundsätzliche Abneigung dagegen, selbst aktiv zu werden. Der Prozeß dieser Umwandlung nahm zwei Jahre in Anspruch, in denen jeder Teil haben und Rückmeldungen machen konnte.

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Foster: Das Gebet der Tränen

21. Januar 2007

{Dies ist der siebte Post zu Richard Fosters Buch “Prayer: Finding the heart’s true home”. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5|6}
 
Tränen sind wie das Blut in den Wunden der Seele (Gregor von Nyssa)

Was ist das, dieses Gebet der Tränen? Es bedeutet, daß es uns „durch’s Herz geht“ (Apg 2,37), daß wir fern von Gottes Güte sind und sie immer wieder beleidigen. Es bedeutet, über unsere Sünden und die Sünden der Welt zu weinen. Es bedeutet, in die befeienden Erschütterungen der Buße einzutreten. Es ist das intime und ultimative Bewußtsein, daß uns Sünde von der Fülle der Gegenwart Gottes trennt.

Worum geht es in all dieser Sorge, dem Weinen und Klagen? Es hört sich womöglich etwas bedrückend an – zumindest für diejenigen von uns, die in einer Religion der positiven Gefühle und des Wohlstands aufgewachsen sind. Die alten Schreiber hatten jedoch eine andere Sicht. Sie sahen es als eine Gabe an, nach der man streben soll, das „Charisma der Tränen“. Für sie waren die Menschen am bemitleidenswertesten, die mit trockenen Augen und kalten Herzen durch’s Leben gingen. Sie nannten dieses innere Herzensgetümmel sogar „tiefe Freude“. Freude ist in der Tat das augenfälligste Resultat eines Herzens, das sich fortwährend in Reue beugt. Der Heilige Ammonas schreibt: „Angst bringt Tränen hervor, und Tränen Freude. Freude bringt Särke, wodurch die Seele in allen Dingen Frucht bringen wird.“

Wenn das gefühlsmäßige Zentrum unseres Lebens unberührt bleibt, dann ist das so, wie wenn eine Fackel unangezündet bleibt. Tränen sind ein Zeichen – kein untrügliches Zeichen wohlgemerkt, aber nichtsdestotrotz ein Zeichen – dafür, daß Got dieses Zentrum berührt hat. Durch das Gebet der Tränen erlauben wir Gott, uns unsere Sündhaftigkeit und die Sündhaftigkeit der Welt auf der emotionalen Ebene zu zeigen. So weit ich es erkennen kann, sind Tränen der Weg, wie Gott uns Hilfe, mit dem Verstand in’s Herz hinabzusteigen und uns dort in fortwährender Verehrung und Anbetung zu neigen. Martin Luther erklärt, daß das Leben des Christen ein Leben der täglichen Buße sein sollte. Täglich bekennen wir, täglich kehren wir um. Das Gebet der Tränen ist das primäre Hilfsmittel für unsere Umkehr.

Wir können schlicht nicht dafür sorgen, daß die Buße des Herzens geschieht. Sie ist nicht etwas, das wir schaffen können, indem wir uns durch eine besondere Atmosphäre und eine bestimmte Art Musik in eine spezielle Stimmung bringen. Sie ist ein Geschenk Gottes, schlicht und einfach. Aber sie ist eine Gabe, die Gott gerne denen schenkt, die ihn darum bitten. Und darum bitten wir ihn mutig und beharrlich um ein zerbrochenes Herz.  Wir bitten um weinende, klagende Herzen. Wir machen uns eins mit den vielen Stimmen aus allen Zeitaltern, bitten um das Geschenk der Buße, das Gebet der Tränen. Manchmal läßt sich unser Gebet auf ein einziges Wort reduzieren: „Barmherzigkeit!“

Und wir bekennen. Wir geben unseren Mangel an Glauben zu, unsere Distanz, unsere Hartherzigkeit.
Und wir empfangen. Unser Gott, der treu uns gerecht ist und auch voll Barmherzigkeit, wird vergeben und wird reinigen.
Und wir gehorchen. Es genügt nicht, Gott um ein weiches und gebrochenes Herz zu bitten, wo Raum zur Buße ist. Es reicht nicht aus, frei und offen unsere vielen Vergehen zu bekennen. In dem Wort der Vergebung liegt der Ruf zum Gehorsam.

Gnadenvoller Jesus,
es fällt mir leichter, mit meinem Verstand zu Dir zu kommen, als mit meinen Tränen. Ich weiß nicht, wie ich vom emotionalen Zentrum meines Lebens her beten soll oder wie ich überhaupt mit diesem Teil von mir in Berührung kommen soll. Trotzdem komme ich zu Dir so, wie ich bin.
Es tut mir leid, daß ich Deine Liebe oft verworfen habe. Bitte vergib mir alle meine Vergehen gegen Dein Gebot. Ich kehre von meinen harten und gefühllosen Wegen um. Zerbrich mein steinernes Herz mit den Dingen, die Dein Herz brechen.
Jesus, Du hast Dich in Deiner größten Prüfung Deiner Todesangst nicht geschämt und hast Tränen tiefen, tiefen Kummers geweint. Im Gedenken an Dein Leid, hilf mir, über meine Sünde zu weinen… und über meine Sünden.
Um Deinetwillen und in Deinem Namen bete ich.
Amen.

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Verzweiflung

17. Januar 2007

Im Moment komme ich seit ein paar Tagen nicht dazu, ausreichend Zeit in den Blog zu investieren. Darum würde ich mir wünschen, daß der nächste Input von Dir kommt, und zwar als Reaktion auf einige Fragen, die Judith als Kommentar zu Foster’s Gebet der Verlassenen gestellt hat:

Was mach ich, wenn sogar Vertrauen mir vorkommt wie zuviel verlangt? Wenn ich die Gewissheit verliere, dass Gott wirklich gut ist? Oder dass er überhaupt existiert? Wenn ich am Liebsten meinen ganzen Glauben wegschmeißen würde, weil ich keinen Sinn mehr drin sehe? (Vielleicht ändern sich auch die Zeiten, aber die Fragen bleiben.) Ich hoffe, du kannst mir da halbwegs eine Antwort drauf geben…

Was meinst Du, lieber Leser, liebe Leserin? Hat dieser Kommentar eine Antwort verdient? Kann man überhaupt antworten, oder sind Worte manchmal nur leer und hohl? Hast Du eine Antwort, einen Rat, den Du mit uns teilen willst?

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Foster: Das Examen-Gebet

15. Januar 2007

{Dies ist der sechste Post zu Richard Fosters Buch „Prayer: Finding the heart’s true home“. Die Vorgänger: 1|2|3|4|5}

Das Examen-Gebet besteht aus zwei grundlegenden Aspekten, wie die beiden Seiten einer Tür. Der erste besteht aus einem Examen/einer Prüfung/Untersuchung des Bewußtseins, wodurch wir herausfinden, auf welche Weise uns Gott im Lauf des Tages nahe war und wie wir auf seine liebende Gegenwart reagiert haben. Der zweite Aspekt besteht aus dem Examen des Gewissens, durch das wir diejenigen Bereiche aufdecken, die Reinigung und Heilung benötigen.

Durch das Examen des Bewußtseins wirkt Gott darauf hin, daß wir unserer Umgebung mehr gewahr werden. Gott will, daß wir dort, wo wir sind, ganz gegenwärtig sind. Er lädt uns dazu ein, unsere Umgebung zu sehen und auf sie zu lauschen, und darin die Fußspuren des Heiligen zu entdecken. Im Examen des Bewußtseins erinnern wir uns daran, wo und wie Gott uns begegnet ist.
Im Examen des Gewissens laden wir den Herrn ein, unsere Herzen in der Tiefe zu erforschen. Ohne Entschuldigung, Rechfertigung oder Ausrede bitten wir darum, erkennen zu können, was wirklich in uns ist. Diese Prüfung des Gewissens geschieht gemeinsam mit Gott. Er zeigt uns, was wir sehen sollen, dann, wenn wir es sehen sollen.

Das Examen-Gebet bringt in uns die kostbare Gnade der Selbsterkenntnis hervor. Wir dürfen die Tiefe des Bösen in uns weder verleugnen noch ignorieren, denn unsere Sündhaftigkeit wird paradoxerweise zu unserem Brot. Wenn wir das Böse in uns ehrlich als Teil der Wahrheit über uns selbst akzeptieren, und Gott diese Wahrheit darbringen, werden wir auf geheimnisvolle Weise ernährt. Selbst die Wahrheit über unsere Schattenseite macht uns frei (Joh 8,32). Durch den Glauben führt uns Selbsterkenntnis zur Selbstannahme und Selbstliebe, die von Gottes Annahme und Liebe her ihr Leben erhalten.
Wir begeben uns nicht auf eine Reise in uns selbst, sondern eine Reise durch uns selbst hindurch, damit wir aus der Tiefe unseres Selbst in Gott hinein hervortreten können. Wie Johannes Chrysostomos schrieb: „Finde die Tür zu Deinem Herzen, und Du wirst feststellen, daß es sich dabei um die Tür zum Königreich Gottes handelt.“
Eine Weise, das Examen des Bewußtseins zu beginnen, ist das Führen eines geistlichen Tagebuchs. Indem wir über die äußerlichen Geschehnisse nachdenken, verstehen wir das Wirken Gottes in der Tiefe unseres Herzens.

Kostbarer Retter,
warum fürchte ich mich davor, von Dir durchforscht zu werden?
Dein Examen ist ein Examen der Liebe.
Trotzdem habe ich Angst, fürchte mich vor dem, was zutage treten könnte.
Dennoch lade ich Dich ein, mich in der Tiefe zu erforschen, damit ich mich selbst – und Dich – in höherem Grade erkennen möge.
Amen.

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The Forgotten Ways: Einführung

14. Januar 2007

{Dies ist der zweite Post zu Alan Hirsch’s The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church“. Den Appetizer findest Du hier. Ab sofort gebe ich direkt Hirschs Formulierungen wieder, die erste Person singular bezieht sich also auf Alan.}

Stell Dir vor, es gäbe eine Kraft, die im Kern des Herzens von Gottes Volk verborgen liegt. Nimm einmal an, daß diese Kraft vom Heiligen Geist in die originale „Stammzelle“ der Gemeinde eingebaut wurde, aber durch Jahrhunderte der Vernachlässigung und des Nichtgebrauchs verloren und begraben wurde. Stell Dir vor, daß – sollte sie wiederentdeckt werden – diese verborgene Kraft bemerkenswerte Energien entfesseln könnte, welche das Christentum gut und gerne ins 22. Jahrhundert katapultieren könnte – ein missionales Äquivalent zur Entriegelung der Kraft des Atoms. Wäre das nicht etwas, für dessen Rückgewinnung wir, die wir Gott, sein Volk und seine Sache lieben, fast alles geben würden?

Ich glaube nicht, daß die uns vererbten Traditionen und Modelle in der gegenwärtigen Zeit ausreichend sind, um den Auftrag Gottes zu erfüllen. Auch Vieles von dem, was sich „emerging church“-Denken nennt, beläßt es beim vorherrschenden Verständnis von Gemeinde und Mission und konzentriert sich schlicht auf Theologie und Spiritualität in postmodernem Kontext. Die theologische „Software“ wird umprogrammiert, wobei sowohl die „Hardware“ als auch das „Betriebssystem“ der Gemeinde unberührt bleiben. Das reicht meiner Ansicht nach nicht aus. Wir brauchen ein neues Paradigma, eine neue Sicht der Wirklichkeit, einen fundamentalen Wandel in unserem Denken, unserer Wahrnehmung und unseren Werten – besonders in bezug auf unsere Sicht von Gemeinde und Mission. Wenn wir mutig genug sind, die wahren Antworten herauszufinden und anzuwenden, dann sind diese viel radikaler, als wir erwartet hätten. Aber wir leben in einer Zeit, in welcher nur eine Lösung, die bei den eigentlichen Wurzeln dessen, was es bedeutet, das Volk Jesu zu sein, ansetzt, Besserung schaffen kann. Dieses Buch wurde in der Hoffnung geschrieben, daß die Gemeinde im Westen durch die Kraft des Heiligen Geistes in der Lage ist, aufzustehen und sich von neuem mit dieser erstaunlichen Kraft in uns zu befassen.

Die biblische Urgemeinde und die Kirche in China seit der Machtergreifung Maos sind beide unter den schwierigsten Umständen explosiv und exponentiell gewachsen. Wie haben sie das gemacht? Dies sind gefährliche Geschichten, denn sie werden uns auf eine Reise bringen, die uns zu einem radikaleren Ausdruck des Christentums rufen wird, als wir es im Moment erleben. Es ist die Hauptaufgabe dieses Buches, diese Phänomene zu benennen und die Elemente, aus denen sie bestehen, zu identifizieren. Das in diesen gefährlichen Geschichten gegenwärtige Phänomen nenne ich den Apostolischen Genius und die Elemente, aus denen es besteht, habe ich als missionale DNA bezeichnt (kurz mDNA). Es ist das Ziel dieses Buches, den Apostolischen Genius zu untersuchen und ihn für unseren eigenen missionalen Kontext und die Situation im Westen zu deuten.

Verfolgung hat sowohl die frühchristliche Bewegung als auch die Kirche Chinas dazu getrieben, ihre wahre Natur als apostolisches Volk zu entdecken. Verfolgung trieb sie weg davon, sich auf irgendeine Form zentralisierter religiöser Institution zu verlassen und sorgte dafür, daß sie näher an und in mehr Übereinstimmung mit ihrer zentralen Botschaft, dem Evangelium, lebten. Wir müssen davon ausgehen, daß, wenn jemand bereit ist, dafür zu sterben, daß er ein Nachfolger Jesu ist, es sich bei dieser Person um einen wahren Gläubigen handelt. Durch ihre Treue zum Evangelium wurde der Apostolische Genius freigesetzt. Ich bin zur Überzeugung gekommen, daß diese gewaltige Kraft auch uns zur Verfügung steht. Das Aufwecken dieses schlafenden Potentials hat mit der sonderbaren Mischung aus leidenschaftlicher Liebe zu Gott, Gebet und inkarnatorischem Handeln zu tun. Füge dazu noch Folgendes hinzu: Angemessene Leiterschaftsmodelle nach Eph 4, die Wiederentdeckung radikaler Jüngerschaft, passende Organisationsformen und Strukturen und angemessene Rahmenbedingungen, welche das alles fördern. Kommen diese Faktoren zusammen, ist die Situation reif dafür, daß etwas Bemerkenswertes geschehen kann.

Es gibt sechs einfache aber miteinander verbundene Elemente missionaler DNA, die eine komplexe und lebendige Struktur schaffen und uns ein Rahmengitter geben, durch das wir unser momentanes Verständnis von sowie unsere Erfahrung mit Gemeinde und Mission einschätzen können. Das sind:

  • Jesus ist Herr: Der Anspruch des einen Gottes auf jeden Aspekt jedes Lebens und die Antwort seines Volkes auf diesen Anspruch (Deut 6,4ff).
  • Jüngerschaft: Die lebenslange Aufgabe, wie Jesus zu werden, indem wir seine Botschaft verkörpern.
  • Missional-inkarnatorischer Impuls: Der dynamische, nach außen gerichtete Vorstoß und der damit verbundene vertiefende Anstoß, die gemeinsam das Evangelium in unterschiedliche Kulturen und Volksgruppen säen und einbetten.
  • Apostolische Rahmenbedingungen: Apostolischer Einfluß und fruchtbare Umgebung, die zu der Art von Leiterschaft und Dienst führen, die für metabolisches Wachstum und Auswirkung notwendig sind.
  • Organische Systeme: Bemerkenswerte Jesusbewegungen fühlen sich als Bewegung, sind wie ein Netzwerk strukturiert und verbreiten sich wie Viren.
  • Communitas, nicht Gemeinschaft: Die stärksten Gemeinschaftsformen sind diejenigen, die im Kontext einer gemeinsamen Prüfung zusammenkommen oder sich als Gruppe mit einer Mission, die jenseits ihrer selbst liegt, verstehen.

Alan verdeutlicht dies im Buch und hier auf seinem Blog mit folgendem Schaubild:

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Foster: Das Gebet der Verlassenen

13. Januar 2007

{Dies ist der fünfte Post zu Richard Fosters Buch „Prayer: Finding the heart’s true home“. Die Vorgänger: 1|2|3|4}

„Wenn Du zu der Freude kommen willst, Die Du nicht hast, mußt Du einen Weg nehmen, der Dir keine Freude bereitet“ (Johannes vom Kreuz)

Diejenigen, die den Pfad des Glaubens vor uns gegangen sind, haben im Allgemeinen Zeiten scheinbarer Verlassenheit und Gottesferne erlebt. Vielleicht sollten wir uns ebenfalls darauf einstellen, daß wir früher oder später erleben werden, was es heißt, sich von Gott verlassen zu fühlen. Wir wissen theologisch, daß Gott immer bei uns gegenwärtig ist, aber es gibt Zeiten, in denen er unser Bewußtsein seiner Gegenwart entzieht. Viele sind diesen Weg vor uns gegangen, darum sei ermutigt: Du und ich, wir sind in guter Gesellschaft. Dunkelheit ist durchaus eine Erfahrung des Gebets. Wir müssen sie erwarten, ja sogar umarmen. Es stimmt: Wer am Anfang des Glaubenslebens steht, erhält oft ungewöhnliche Gnaden des Geistes, gerade so, wie ein neugeborener Säugling geknuddelt und in Windeln gewickelt wird. Es ist ebenfalls wahr, daß manche der umfassendsten Erfahrungen der Entfremdung und Gottesferne von denen gemacht wurden, die sich weit hinein in die inneren Reiche des Glaubens bewegt haben. Aber wir können die öden Wüsten der Unfruchtbarkeit und die dunklen Schluchten der Qual zu jedem Zeitpunkt unserer Pilgerschaft erleben. Durch seine bloße Verborgenheit entwöhnt uns Gott davon, ihn in unser Bild zu schaffen. Indem er sich widersetzt, eine Marionette zu sein, deren Fäden wir in der Hand halten, oder ein Geist in unserer Flasche, befreit uns Gott von unseren falschen Götzenbildern. Nebenbei bemerkt sollten wir wahrscheinlich dankbar dafür sein, daß Gott sich nicht immer dann zeigt, wenn wir es uns wünschen, weil wir das vielleicht gar nicht ertragen könnten. Johannes vom Kreuz meint, daß in der Dunklen Nacht der Seele zwei Reinigungen geschehen. Einerseits verlieren wir die Abhängigkeit von äußeren Dingen – ob es sich dabei nun um beindruckende Gebäude und Zeremonien, die Anerkennung Anderer, persönliche Andachtshilfen oder das Bedürfnis, die Kontrolle über unser Leben selbst in Händen zu halten, handelt. Die zweite Reinigung macht uns frei von inneren Gewißheiten, bringt uns zum Zweifeln und stellt uns bohrende Fragen. Paradoxerweise reinigt Gott unseren Glauben, indem er mit seiner Zerstörung droht. Wir werden zu einem tiefen und heiligen Mißtrauen gegenüber allen oberflächlichen Antrieben und menschlichen Bestrebungen geführt. Tiefer als je zuvor verstehen wir, daß wir zu unendlicher Selbsttäuschung in der Lage sind. Langsam werden uns unsere eingebildeten Sicherheiten und falschen Abhängigkeiten genommen. Unser Vertrauen auf äußerliche und innerliche Ergebnisse wird erschüttert, so daß wir lernen, auf Gott allein zu vertrauen. Durch die Trockenheit unserer Seele bringt Gott Ablösung, Demut, Geduld und Durchhaltevermögen hervor. Und das Überraschendste: Unsere bloße Dürre führt uns in’s Gebet. Nichts lenkt uns mehr ab. Alle warme Gemeinschaft ist verschwunden. Wir haben einen neuen Fokus bekommen. Unsere Seele wurde geröstet. Sie ist durstig. Und das kann uns in’s Gebet führen. Ich sage kann, denn es kann uns auch zur Hoffnungslosigkeit führen oder dazu bringen, die Suche aufzugeben.

Was tun in dieser Zeit der Verlassenheit? Wie können wir beten? Wir können mit dem Gebet der Klage beginnen, das heute weithin vergessen scheint, in der Bibel aber allgegenwärtig ist. Die beste Art, wie wir diesen Zugang zu Gott wieder erlernen können, ist das Beten der Klagepsalmen. Sie drücken Ehrerbietung und Enttäuschung aus. Sie vertrauen auf den Charakter Gottes und sind zur selben Zeit erbittert über seine Inaktivität. Die Klagepsalmen lehren uns, unsere inneren Konflikte und Widersprüche zu beten. Sie erlauben uns, unsere Verlassenheit in die finstere Höhle der Gottesferne hineinzurufen, das Echo wieder und wieder zurückkommen zu hören, bis wir sie bitter von Neuem ausrufen. Sie geben uns die Genehmigung, im einen Augenblick unsere Faust gegen Gott zu schütteln und im anderen in Lobpreis auszubrechen.
Wir mögen vielleicht am Anfang nicht das Ende sehen können, aber wir bleiben dran, wir tun, was wir tun. Wir beten, wir hören, wir beten an, wir tun das, was im Moment angebracht ist. Wir klopfen immer wieder an die Tür Gottes, auch wenn sie verschlossen bleibt. Diese beständige, sehnsüchtige Liebe bewirkt in uns eine Festigkeit in der Ausrichtung unseres Lebens. Wir lieben Gott mehr als das, was er schenkt.

Denen, die sich gerade der Gegenwart Gottes beraubt finden, möchte ich einen weiteren Rat geben: Harre auf Gott. Warte, ruhig und still. Warte, aufmerksam und ansprechbar. Lerne, daß Vertrauen dem Glauben vorausgeht. Vertrauen bedeutet, sich auf den Charakter Gottes zu verlassen. Fest und absichtsvoll zu sagen: „Ich verstehe nicht, was Gott tut, oder wo Gott ist, aber ich weiß, daß er Gutes mit mir im Sinn hat.“ Das ist Vertrauen. So wollen wir warten.
Ich verstehe die Gründe für die Wüste der Gottesferne nicht gänzlich. Das weiß ich: Die Wüste ist zwar nötig, aber sie bleibt niemals auf Dauer. In Gottes Zeit und auf Gottes Art wird die Wüste einem Land Platz machen, in dem Milch und Honig fließt.

GOTT, Wo bist Du!?
Was habe ich getan, daß Du Dich vor mir versteckst?
Spielst Du Katz und Maus mit mir, oder sind Deine Absichten größer als meine Wahrnehmung?
Ich fühle mich einsam, verloren und verlassen.
Du bist der Gott, der sich selbst offenbart. Du hast Dich Abraham, Isaak und Jakob gezeigt. Als Mose wissen wollte, wie Du aussiehst, hast Du Dich ihm gezeigt. Warum ihnen und nicht mir?
Ich bin des Betens müde. Ich bin des Bittens müde. Ich bin des Wartens müde. aber ich werde weiter beten und bitten und warten, denn ich kann nirgendwo anders hin.
Jesus, Du kanntest die Einsamkeit der Wüste und die Isolation am Kreuz auch. Und durch Dein Gebet der Verlassenheit spreche ich diese Worte.
Amen.

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Alan Hirsch – The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church

12. Januar 2007

Dieser Post ist der Beginn einer Serie über das Buch The Forgotten Ways: Reactivating the Missional Church von Alan Hirsch. Alan hat zusammen mit Mike Frost (Autor von Exiles) das feine The Shaping of Things to Come geschrieben. Alans’s Blog findest Du hier. Wer im April/Mai letzten Jahres die Konferenzen Innovation & Transformation in Erlangen oder Forum für Gemeindeinnovation in Romanshorn besucht hat, wird in diesem Buch die umfassende Ausführung dessen finden, was Alan damals angerissen hat. Eine kurze Anmerkung zum Treffen in Erlangen habe ich hier gepostet; eine ausführliche Zusammenfassung findet sich bei Mike: 1|2|3|4|5.

Ähnlich wie bei Frost’s Exiles handelt es sich bei The Forgotten Ways um ein Buch, das ich mit Spannung und Vorfreude erwartet habe, und ich gehe davon aus, daß es Dir nach dieser Einführung genauso gehen wird 😉

Im Vorwort vergleicht Leonard Sweet The Forgotten Ways mit einem Defragmentierungsprogramm, welches durch einen frischen Blick auf vertraute und fast abgenutze Themen sowie durch ein neues Vokabular und eine neue Sichtweise manche der Irrungen in der Christenheit unserer Zeit entwirren und den ursprünglichen Zustand der Gemeinde-„Festplatte“ wiederherstellen könne. Sweet fügt an, daß die Defragmentierung einer Festplatte eine gewisse Zeit braucht, weshalb er dringend dazu anrät, sich nicht in neue Projekte und Dienstformen zu stürzen, sondern Hirsch’s Software ihr Werk in unseren Köpfen und Dienstbereichen tun zu lassen. Danach erhielten wir eine Gemeinde, die sich in Wertschätzung der Tradition mit der Welt befasse. Sweet beendet sein Vorwort wie folgt:

Wie Einstein, den er gerne zitiert, hat Hirsch die Formel entdeckt, welche die Geheimnisse des gemeindlichen Universum in einer Weise aufschließt, wie das bei Einsteins einfacher Formel aus drei Buchstaben und einer Zahl (e=mc²) mit den Geheimnissen des physikalischen Universum der Fall ist. Es gibt einige Bücher, die es wert sind, bis zum Ende gelesen zu werden. Es gibt nur wenige Bücher, die es wert sind, bis zum Ende der Zeit gelesen zu werden. The Forgotten Ways ist eines davon.

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[Aus meinem Kopf] Mit oder für Gott kämpfen

11. Januar 2007

{Achtung: Völlig unreflektierte, spontane Gedanken. Weder komponiert noch wirklich durchdacht.}

Auf dem Heimweg vom angenehmen Kaffeetrinken mit Haso bin ich beim Anhören des letzten Emergent-Village-Podcasts durch eine Predigt von Was-weiß-ich-wem (der Podcast war ein Potpourri aus unterschiedlichen „Christmas Reflections“) auf einen interessanten Gedanken gestoßen. Was-weiß-ich-wer sprach über den Stammbaum Jesu in Mt 1 und über die unterschiedlichen Gestalten, die zu den Vorfahren des Gesalbten gehören. Darunter Jakob. Jakob, Enkel Abrahams und Stammvater Israels, erhält von Gott einen neuen Namen:

Nicht mehr Jakob soll dein Name heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast überwältigt. [Gen 32,29]

„Israel“ ist Jakobs neuer Name. Israel bedeutet „Kämpfer Gottes“. Aus dem betrügenden Fersenhalter ist ein Gottesstreiter geworden. Gott spricht eine neue Identität über Jakob aus. (Die Parallelen zu unserem Dasein als neue Kreatur in Christus möge der geneigte Leser selbst ziehen…) Gottesstreiter ist sein Name. Aber Gottesstreiter ist nicht nur der Name eines längst verstorbenen alten Mannes aus der Ahnenreihe Jesu, sondern Gottesstreiter ist auch der Name des von Gott auserwählten Volkes, in das wir Christen aus den Nationen (= Nichtjuden bzw. Nichtisraeliten) hineingepfropft wurden (siehe Röm 11). Folglich ist es auch unsere Identität, Gottesstreiter zu sein.

Wer jetzt an Terroranschläge, aggressive Evangelisationskampagnen, vollmächtig gebietendes Gebet und gepfefferte Erweckungspredigen denkt, hat nicht ganz erfaßt, was an dieser Stelle meinem Empfinden nach mit „Gottesstreiter“ gemeint ist. Jakob hat nämlich nicht für Gott gekämpft, sondern der Mann, der mit ihm rang, sagte: „Du hast mit Gott (…) gekämpft.“ Ich schätze, daß niemand gegen Gott kämpfen, also Gott ausschließlich zum Feind haben will. Jakob hat mit Gott gerungen. Die Bedeutung Israels als „Gottesstreiter“ meint also nicht jemanden, der für, sondern mit Gott kämpft. Und damit ist es auch unsere Berufung als in Israel eingepfropfte Christen aus den Nationen, mit Gott zu kämpfen und zu überwältigen.

Was das wohl bedeutet? Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich keine Ahnung. Ob es ein Bild für Fürbitte ist, wie manche meinen? Ob wir mit Gott ringen sollen, wie Abraham um Sodom und Mose um das Volk in der Wüste? Ich weiß es nicht…

Jeremia fällt mir ein, der mit Gott um seinen Auftrag rang, der ihm zu schwer schien, daß es in seinem Herzen wie ein brennendes Feuer war und er schier vergangen wäre. Jesus selbst fällt mir ein, der in Gethsemane mit Gott um seinen Auftrag rang, der ihm zu schwer schien, den er gerne auf andere Weise erfüllt gesehen hätte, sich aber dem Willen des Vaters unterordnete.

Jakob hat überwunden, aber er blieb gezeichnet für sein Leben. Er ging als Hinkender in die Geschichte ein. Jesus hat überwunden, aber er blieb gezeichnet. Die Wundmale in seinen Händen und in seiner Seite waren es, die Thomas von der Realität der Auferstehung überzeugten. Und ich gehe davon aus, daß diese Male in Ewigkeit an Jesus sichtbar bleiben werden, Zeichen seines Sieges über Sünde, Tod und Teufel, Zeichen seiner Hingabe an den Willen Gottes, Zeichen seines Opfers um Deinet- und meinetwillen.

Ob Paulus mit Gott gerungen hat? Gegen den Stachel des Treibers konnte er nicht ausschlagen. Seiner Mission konnte er nicht entgehen. „Wehe mir“, sagte er, „wenn ich das Evangelium nicht predige!“ Paulus hat überwunden, er hat den Lauf vollendet, er hat Glauben gehalten. Er blieb gezeichnet. Verfolgung, Entbehrungen, körperliches und seelisches Leiden kannte er zur Genüge. Was unter dem Engel Satans, der ihn mit Fäusten schlug, zu verstehen ist? Ich weiß es nicht… Meinem Gespür nach handelt es sich dabei wohl mehr um psychisches als um physisches Leiden. Die Verfolgungshypothese greift zu kurz und steht meines Erachtens auf außerordentlich wackligen Füßen. Ob es Krankheit war? Möglich, aber ich weiß es nicht und will die Spannung aushalten.

Was bedeutet das, ein Streiter Gottes zu sein? Ich weiß es nicht. Aber ich will ein Streiter Gottes sein. Nein, gegen Gott will ich nicht kämpfen. Für den König zu streiten, danach sehne ich mich. Mit Gott zu ringen, das ist unangenehm. Bewegt sich im Grenzgebiet. Zwischen Nacht und Morgengrauen, wie bei Jakob. In der Nacht, wie bei Jesus. Dunkel war es in beiden Fällen. Beide haben überwunden. Beide waren gezeichnet. Beide haben den Namen Gottes groß gemacht. Das Gottes Wille in, durch und an uns geschieht, dazu scheint auch ein Ringen im Dunkeln zu gehören. Den auf uns lastenden Druck auszuhalten, was allein aus einem Grunde gelingen kann: Es ist die Hand Gottes. Schwer. Beinahe erdrückend. Aber Gottes Hand.

Was wohl Dein Auftrag ist? Ob Du auch mit Gott ringst? Ob dieser Druck Dich vielleicht auch gerade zu erdrücken scheint? Du diese Hand lieber abschütteln möchtest, aber wie Paulus nicht gegen den Stecken des Treibers ausschlagen kannst? Wie Jeremia schier vergehst?

Bleib dran. Laß nicht locker. Fliehe von Gott zu Gott. Ringe mit ihm. Klage. Halte aus. Der Morgen dämmert. Überwinde! ER wird Dich segnen….

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[Wegmarken] Josua 4 – Ein Zeichen für spätere Generationen

10. Januar 2007

Gott gibt Josua den Auftrag, einen Mann aus jedem Stamm Israels auszuwählen. Jeder soll einen Stein mitten aus dem Jordan nehmen, dort, wo die Priester mit der Bundesladen standen. Diese Steine sollen am Ort des abendlichen Lagers abgelegt werden. Nach der Auswahl der zwölf Männer nehmen diese die Steine und platzieren sie jenseits des Jordans. Dazu stellt Josua mitten im Jordan weitere zwölf Steine auf. Das Volk überquert den Fluß; dabei die 40.000 Mann aus den Stämmen Ruben, Gad und Halb-Manasse vorneweg. Nachdem die Priester mit der Bundeslade auch auf der anderen Seite angekommen sind, kehrt das Wasser zurück. Das Volk lagert in Gilgal, wo Josua die aus dem Jordan gehobenen Steine aufstellt. Sie sollen als Zeichen für spätere Generationen dienen. Josua weist die Israeliten an, auf die kommenden Fragen ihrer Kinder nach der Bedeutung dieser Steine zu antworten und ihnen zu erzählen, was Gott an seinem Volk getan hast – am Jordan genauso wie am Roten Meer, „damit alle Nationen der Erde die Macht Gottes erkennen und jeder für immer den Herrn fürchte.“

Jeder Stamm stellt einen Stein auf, Einheit-in-Verschiedenheit. Gemeinsam stellt sich das Volk unter Gott. Gemeinsam werden die Steine aufgestellt. Aber jeder einzelne ist gefordert, die Botschaft weiterzusagen, die Geschichte zu erzählen, Zeugnis von den Taten Gottes abzulegen. Das Ziel: Alle Nationen sollen Gott erkennen. Dieses Ziel ist heute noch dasselbe.

Was hat Gott im letzten Jahr an Dir getan? Wie hast Du ihn erlebt? Welchen „Stein“ kannst Du aufstellen, um Dich an das Handeln Gottes in Deinem Leben zu erinnern? Wie sieht Deine Geschichte mit Gott im vergangenen Jahr aus? Mit wem kannst Du sie teilen? Nicht „das Evangelium predigen“, sondern einfach nur Deine Erfahrung mit Gott weitergeben.

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[Dünger] Das Evangelium nach Scot McKnight

9. Januar 2007

Der Blogger, dessen Theologie mein Denken am meisten inspiriert, ist definitiv Scot McKnight. Über sein im letzten Jahr erschienenes Buch Embracing Grace: A Gospel for all of us hat vor kurzem Ted Gossard eine 14 Posts umfassende Serie geschrieben, die ich Dir sehr ans Herz lege. Seinen letzten Post mit Links zum Rest der Serie findest Du hier. Hier einige Appetizer:

The gospel is the work of God to restore humans to union with God and communion with others, in the context of a community, for the good of others and the world.

God embraces you and me and
God embraces others and
God embraces the whole created order.

Then:

You and I embrace God back and
We embrace others and
We embrace the entire created order.

The gospel is about forgiveness, about justice, and about the communtiy of faith. And it is about each of them, together.

The gospel is the work of the triune, interpersonal God to restore Eikons to God and others into that divine communion, and to unleash it into the rest of the world.

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