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Archiv für Juni, 2006

[Wegmarken] Numeri 22 – Wo Gott sonst noch zu finden ist

9. Juni 2006

Zum ersten Mal überhaupt bewegt sich der Fokus der Erzählung über mehrere Kapitel weg von Israel, das jetzt in der Ebene Moabs jenseits des Jordans gegenüber Jericho lagert. Balak, der König Moabs, rückt in den Mittelpunkt. Er hat miterlebt, wie Israel mit den Amoritern verfahren war und bekommt es deshalb mit der Angst zu tun, weshalb er Älteste Moabs und Midians zu Bileam, dem Sohn Peors, sendet, mit der Bitte, dieser möge doch für Balak das Volk Israel verfluchen, damit es besiegt werden könne. Denn Balak weiß: Wen Bileam segnet, der ist gesegnet, und wen Bileam verflucht, der ist verflucht. Die Boten kommen an, und Bileam meint, er müsse zuerst den HERRN befragen. Diese Unterredung mutet an wie ein Gespräch zwischen Gott und Mose. Bileam wird verboten, mit den Boten zu ziehen, was er ihnen mitteilt, worauf sie zu Balak zurückkehren. Dieser schickt sie ein weiteres Mal los; diesesmal bietet er Bileam große Ehren an. Der entgegnet nur: „Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN, meines Gottes, weder im Kleinen noch im Großen.“ Dennoch befragt er Gott. Diesmal ist die Antwort positiv: Bileam soll mit den Boten ziehen, aber nur tun, was Gott ihm sagt. Faszinierenderweise ist Gott aber zornig, schickt seinen Engel, der sich mit gezücktem Schwert Bileam den Weg stellt. Seine Eselin weicht mehrmals aus, weswegen Bileam sie schlägt. Gott öffnet ihren Mund, und sie stellt Bileam zur Rede, warum er sie denn schlage, woraufhin Bileam dies mit ihrem Ausweichen begründet, aber nach ihrer Rückfrage feststellt, dass das eigentlich sonst nicht so ihre Art ist. Nun öffnet Gott Bileams Augen, der sieht den Engel mit gezücktem Schwert vor ihm stehen, fällt nieder auf die Knie und hört wie der Engel ihm eröffnet, dass Bileams Weg in seinen (d.h. Gottes) Augen verkehrt ist und er ihn getötet hätte, wenn die Eselin nicht dreimal ausgewichen wäre. Bileam erkennt seine Sünde, will umkehren, aber der Engel gebietet ihm weiterzugehen; er solle aber nur das sagen, was er, der Engel (und in dem Fall: Gott) zu ihm reden werde. Bileam zieht weiter, Balak kommt ihm bis zur Grenze Moabs entgegen. Bileam macht ihm deutlich, dass er nur Gottes Wort sagen werde. Sie kommen in Kiriath-huzoth an, wo Balak verschiedene Opfer darbringt und zu Bileam schickt. Am nächsten Tag führt Balak Bileam an einen höher gelegenen Ort, von wo aus er einen Teil des Volkes Israel sehen kann.

Sonderbare Geschichte, schon immer hat sie mich fasziniert, diese redende Eselin und der Esel, der da auf ihr saß. Was hat mir diese Erzählung heute zu sagen? Zunächst einmal ist mir das Verhalten Balaks eine Warnung, sich nicht dem offensichtlichen Wirken Gottes entgegenzustellen. Manchmal handelt Gott auf andere Weise, als ich es erwarte. Das will ich respektieren und feiern. Auch wenn es mich, mein Land – Oh WM 😉 -, oder meine Position in Frage stellen sollte.
Dann ist da dieser Bileam. Ein Nicht-Israelit, außerhalb des Bundes Gottes etc. – aber trotzdem scheint er einen ganz guten Draht zu Gott zu haben, erhält Offenbarung von ihm. Und es ist bekannt: Wen Bileam segnet, der ist gesegnet. Motiviert, öfter einfach den Segen Gottes über bestimmten Menschen oder Situationen auszusprechen. Kann ja nicht schaden… Eigentlich hat Bileam die rechte Einstellung: Ich werde nur tun, was Gott sagt. Und als Gott ihm die Reise verbietet, gibt es keine Diskussion. Als die Anfrage ein zweites Mal kommt, hätte ja eigentlich die erste Antwort Gottes noch immer Gültigkeit. Dennoch befrägt er ihn ein weiteres Mal. Macht er damit einen Fehler? Sollte uns ein Wort Gottes genügen? Gideon hat ja zwei Zeichen erhalten, und es heißt auch „Durch den Mund zweier oder dreier Zeugen …“ Jedenfalls kann ja Bileam nicht riechen, dass da Gottes Engel in seinem Weg steht und die Eselin deshalb zickt. Als er den Engel sieht, reagiert er in rechter Weise. Und Balak gegenüber ist auch alles in Ordnung. Er bekräftigt seinen Entschluß, nur das zu sagen, was Gott ihm gebietet. Aber… hätte er am Verhalten der Eselin merken können, dass da was im Busch ist? War er nicht sensibel genug der Stimme Gottes gegenüber? Und überhaupt – Gott: Erst verbietet er Bileam die Reise, dann erlaubt er sie, dann will er ihn plötzlich umbringen – warum und wie und was ist da gelaufen? Warum schickt Gott seinen Engel, dieser spricht aber in der ersten Person, als ob er Gott wäre? Viele Fragen in dieser Geschichte, die ich nicht zu beantworten weiß, die mich aber weiter herausfordern und mein Gottesbild hinterfragen, mich klein halten und Gott groß und geheimnisvoll. Ich liebe solche Geschichten! Mysterium tremendum…
Und dann ist da noch diese Eselin. Fängt plötzlich an zu sprechen. Interessant. Sind Tiere doch intelligenter, als wir gedacht haben? Oder spricht da Gott? Beruhigend in jedem Fall, dass Gott durch Esel spricht. Dann spricht er vielleicht auch manchmal durch uns Pseuo-Theologen 8)I

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[Aus dem Netz gezogen] Hörenswertes zur EmergingChurch-Konversation

9. Juni 2006

In den vergangenen Monaten habe diverse feine MP3s gefunden, deren Highlights ich Euch nicht vorenthalten will – viel Spaß!

  • Zunächst finden sich hier bei EmergentVillage Mitschnitte von Emergent Theological Conversations mit Walter Brueggemann und N.T. Wright.
  • Der e-merg::podcast erfreut das Ohr durch Interviews mit Ryan Bolger, Aaron Flores, Steve Taylor, Karen Ward und Roger Saner
  • Der Emergent Podcast läßt an der Emergent Theological Conversation 2006 mit Miroslav Volf teilhaben.
  • Bei Jordon Cooper beschenkt uns hier mit Vorträgen von Mike Frost.
  • Alan Hirsch’s Beiträge aus Romanshorn sind hier zu finden. (Kongreß –> Downloads)
  • Und zu guter Letzt hat Daniel noch die Mitschnitte von unserem Theologischen Tag an der AfL in Ditzingen mit Doug Pagitt.

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[Aus dem Leben] WM und so

9. Juni 2006

Nach zwei Wochen in meinem Nebenjob als für Buchhaltung, Telefonzentrale etc. zuständiger Assistent der Geschäftsführung in einem aufstrebenden mittelständischen Unternehmen in Heimerdingen freue ich mich auf meinen letzten Arbeitstag heute. Genug ist genug 😉 Die kommenden Wochen werde ich in unserem CVJM-Häusle am Waldesrand verbringen, in gemütlicher Atmosphäre bei angenehmen Snacks und Getränken die WM-Spiele open air auf Großleinwand anschauen und hoffentlich mit netten Menschen Zeit verbringen. Entspannt ohne evangelistischen Überbau einfach miteinander Fußball genießen. Das wird fein. Auch deshalb, weil diese WM mir so ausgeglichen besetzt erscheint, wie das schon lange nicht mehr der Fall war. Deutschland wird seinen Teil dazu beitragen, was soll mit dem Schwabenpfeil Klinsi an der Front schon schiefgehen? Und Jogi Löw weckt bei mir altem VfB-Fan immer Erinnerungen an selige Magisches-Dreieck-Zeiten. Darum mein Tipp: Die Vorrunde beenden wir als Gruppensieger nach 5:0 gegen Costa Rica, 2:0 gegen Polen und 3:0 gegen Ecuador. Das Achtelfinale wird gegen Schweden, evtl. auch England, vielleicht sogar Paraquay eine haarige Angelegenheit, sollte diese Hürde aber genommen werden, traue ich unseren Freunden den Titel zu; im Finale erwarte ich Mexiko. Schau mer mal…

Nebenher werde ich fröhlich meine BA-Thesis korrekturlesen (Theologia Semper Reformanda: Grundlinien für theologisches Arbeiten in der Zeit nach der Moderne, höhö) und ein zweites Projekt, das mich über die letzten drei Jahre begleitet hat, mit einer Dokumentation abschließen. Vielleicht komme ich ja dazu, Dostojewskis „Idiot“ und „Brüder Karamasow“ endlich zu lesen. So liegt jetzt eine entspannte Zeit vor mir, werde alle Spiele der WM sehen, unterbrochen nur von einem Wochenende mit Akademie-Studenten, das mich die Viertelfinals kosten wird. Aber das läßt sich verschmerzen…

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[Wegmarken] Numeri 21 – Erfolgserlebnisse und ein Zwischentief

9. Juni 2006

Arad, König der in der Negev wohnenden Kanaaniter, attackiert Israel und führt einige aus dem Volk gefangen weg. Israel schwört einen Eid, dass sie, wenn Gott ihnen die Feinde in ihre Hand geben werde, deren Städte ausradieren werden. Gott erhört sie, übergibt ihnen die Kanaaniter, die Israel dann mit ihren Städten in der Tat ausradiert. Motiviert mich, auch nach einer Niederlage nicht aufzugeben, sondern Gott zu suchen: er ist es, der den Ausgang des Kampfes bestimmt. Dennoch hatte Israel zu kämpfen und wir unseren Beitrag zu leisten – die Dinge fallen einem eben nicht einfach in den Schoß…

Israel zieht weiter, vom Berg Hor in Richtung Rotes Meer, um Edom zu umgehen. Unterwegs werden sie ungeduldig, beschweren sich über das Essen und klagen Gott an, der sie hierhergeführt habe, um sie in der Wüste sterben zu lassen. Autsch! Wieder sind sie in die alte Falle getappt, Ungeduld, Rebellion, Murren, mangelndes Vertrauen auf Gott gehört leider weiterhin zu ihrem Inventar. Die Strafe folgt postwendend: Gott schickt feurige Schlangen unters Volk, von denen Vertreter des letzteren gebissen werden und viele sterben. Das Volk kommt zu Mose, bekennt seine Sünde, bittet ihn, für sie zu beten, dass Gott die Schlangen wegnehme. Mose betet und Gott heißt ihn eine Schlange machen und auf einen Stab stecken. Jeder, der gebissen wurde und sie anblickt, bleibt am Leben. Der Kreislauf Sünde des Volkes – Strafe durch Gott – Erkenntnis und Bekenntnis der Schuld durch das Volk – Gnadenvolles Zuwenden Gottes und Beenden des Gerichts wird die gesamte Geschichte Israels im Alten Testament bestimmen, v.a. in der Richterzeit ist dies signifikant. Israel in der Wüste kannte den direkten Weg zu Gott nicht bzw. konnte ihn nicht beschreiten; der Mittler Mose stand dazwischen. Heute können wir direkt zum Vater kommen, weil Christus erhöht wurde, wie die Schlange erhöht wurde. Wer auf ihn sieht, lebt. In Joh 3,14 Jesus verbindet Jesus die Schlange am Stab mit seinem Kreuzestod.

Nach diesem Zwischentief zieht Israel weiter. Viele Stationen werden aufgelistet, schwer zu sagen, wieviel Zeit (Jahre?) verstrichen sind, als sie in Beer ankommen, wo Gott ihnen in der Wüste Wasser schenkt. Ein kleines Ereignis, eine Randnotiz in der Beschreibung der Wüstenwanderung. Dennoch freut es mich, dieses zu lesen, habe ich doch auch schon desöfteren mitten in dürren Zeiten einen spontanen Schluck göttlichen Wassers genießen dürfen. Fein ist das, wie Gott uns immer wieder überraschen kann. Danke, Papa!

Angekommen im Gebiet Moabs bitten die Israeliten den Amoriterkönig Sihon um die Erlaubnis zum Durchzug durch sein Land. Sihon lehnt ab, sammelt seine Leute um sich, zieht dem Gottesvolk entgegen und wird von ihnen besiegt. Israel läßt sich in den Städten der Amoriter nieder. Mose läßt die Dörfer Jasers ausspionieren, greift sie an und nimmt sie ein. Dann wendet sich das Volk nach Baschan, von wo aus ihnen König Og zum Kampf entgegenkommt. Gott gebietet ihnen, sich nicht zu fürchten, denn er habe Og samt Volk und Land in ihre Hände gegeben. So töten sie ihn, seine Söhne, sein ganzes Volk und nehmen sein Land in Besitz. Drei Kriegshandlungen – zweimal reagiert Israel defensiv auf die Bedrohungen durch Sihon und Og, einmal agieren sie offensiv und nehmen Jasers Dörfer ein. Dabei stellt sich aber die Erkenntnis ein, dass es Gott ist, der die Kriege seines Volkes führt, ja „für sie streitet“ und über Sieg oder Niederlage entscheidet. Schrecklich muß es sein, an einem Punkt seines Lebens festzustellen: Jetzt hast Du Gott gegen Dich! Gegenmittel: An ihm dran sein, Raum für Stille und Gottes sanfte Stimme schaffen, seiner Weisung folgen. Schön, dass der Heilige Geist in uns wohnt, schön dass Jesu Schafe seine Stimme hören können. Dennoch schiene es mir wünschenswert, wenn Gott manchmal deutlicher sprechen würde. Oder würde das meine Freiheit und Eigenverantwortlichkeit einschränken? Mose jedenfalls hat von sich aus Jasers Dörfer eingenommen. Ein Mittelweg ist also erstrebenswert. Schade, dass Erfolg und Misserfolg meiner Handlungen nicht immer so deutlich sichtbar zutage treten wie im Falle Moses bzw. Sihons und Ogs. Oftmals läßt sich über die Richtigkeit des eigenen Handelns nur im hinterher-sehen urteilen. Tröstlich, dass uns Gottes Führung verheißen ist.

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[Wegmarken] Numeri 20 – Zerplatzte Träume

7. Juni 2006

Die Erzählung schreitet fort. In Kadesch in der Wüste Zin stirbt Mirjam und wird begraben. Sie hat Mose von klein auf gekannt, war Zeuge als ihn die Tochter des Pharao aus dem Wasser zog, hat sein Säuglings- und Kleinkindalter miterlebt, bis er dann wieder zum Königshof geholt wurde, hat miterlebt, wie er als erwachsener Mann fliehen mußte, als alter Mann zurückkehrte, in der Kraft Gottes einer Weltmacht widerstand und ein Volk von Sklaven in die Freiheit führte. Mirjam war es, die am Ufer des Roten Meeres den Lobpreis auf Gottes Macht angestimmt hatte und sie war es auch, die gegen Mose rebellierte. Am Ende ist sie in der Wüste gestorben – fern vom verheißenen Land. Ob ich wohl beständig nahe am Herzen Gottes sein und meine Bestimmung erfüllen werde? Ich will lernen aus dem Leben Mirjams. Ganz nah dabei war sie, und hat die Erfüllung auch ihrer Träume doch nicht erlebt.

Das Volk ermangelt Wasser und lehnt sich gegen Mose & Aaron auf. Einmal mehr. Wie oft eigentlich noch? Mose & Aaron fallen wieder auf ihr Angesicht, suchen Gott. Sie sind geduldig, dienen ihrem Herrn und den ihnen Anbefohlenen. Auch davon will ich mich anspornen lassen. Gottes Herrlichkeit erscheint und er gebietet Mose, seinen Stab zu nehmen, das Volk zu versammeln und dem Felsen zu befehlen, dass er Wasser von sich geben solle, damit das Volk trinken könne. Mose nimmt den Stab, versammelt das Volk und ruft: „Höret, ihr Ungehorsamen, werden wir euch wohl Wasser hervorbringen können aus diesem Felsen?“ Zweimal schlägt er den Felsen mit dem Stab, Wasser strömt hervor, ganz Israel trinkt mitsamt ihren Herden. Ein Wunder! Aber Gott spricht zu Mose & Aaron: „Weil ihr nicht an mich geglaubt habt und mich nicht geheiligt habt vor den Israeliten, darum sollt ihr diese Gemeinde nicht ins Land bringen, das ich ihnen geben werde.“ Autsch! Knapp vorbei ist auch daneben. Vor kurzem noch war Mose sich sicher, nach Kanaan zu gelangen. Das rebellische Volk, ja, das würde seine gerechte Strafe erhalten. Aber er, der große Mann Gottes, der sanftmütigste Mensch auf Erden, er war ja gefeit. Er war ja etwas Besonderes, seine Stellung war eine herausragende, selbst gegenüber Mirjam und Aaron. Hatte er gedacht. Und soweit war ja vielleicht auch alles in Ordnung. Bis dann plötzlich das Volk wieder einmal rebellierte. Warum sie Gott einfach nicht vertrauen wollten, konnte Mose nicht begreifen. Dabei hatte der HERR doch schon so oft seine Treue, Fürsorge und Güte bewiesen. Dieses halsstarrige Volk! Würden sie es denn nie lernen? Und irgendwann geschieht es, tritt dieser kleine Moment ein, in dem Mose die Kritik des Volkes persönlich nimmt. In diesem Augenblick ist er es, der am Pranger steht, ist er es, gegen den das Volk rebelliert. Und in diesem Augenblick ist er es, der beweisen will, dass er der richtige Mann am richtigen Platz ist. Und in diesem Augenblick ist er es, der das Wasser aus dem Felsen holt, nicht Gott. Ein kleiner Augenblick nur, aber in diesem Augenblick zerbricht die Vision des Mose, zersplittert sein großer Traum. Und in diesem Augenlick verändert sich für immer das Bild der Nachwelt von Mose, dem großen Mann Gottes, der das verheißene Land nur gesehen, aber nicht betreten hat. Gott ist es, der das Volk führt und versorgt. Gott und nicht ein Mensch. Solange Mose Gottes Weisung ausführte, war Kritik an Mose immer auch als Kritik an Gott zu verstehen, und Gott hatte sich immer bedingungslos auf Moses Seite gestellt. Als aber Mose Gottes Weisung übertritt und sich selbst für einen Augenblick die Ehre Gottes gönnt, rückt dieser von ihm ab. Das läßt mich über meinen Umgang mit Anerkennung nachdenken…

Nach dem Zwischenfall am Haderwasser (so wird dieser Ort von nun an heißen) sendet Mose Botschafter zu den Edomitern und bittet sie darum, Israel durch ihr Gebiet ziehen zu lassen. Man werde auf der breiten Straße bleiben und alles Wasser, das man trinke, bezahlen. Der König Edoms lehnt das ab und zieht nach einer zweiten Bitte Israels dem Volk Gottes mit einer Armee entgegen. Israel ändert folglich seine Richtung und umgeht Edom. Dieses Geschehnis wird nicht folgenlos für die Edomiter bleiben, da Israel sich eines Tages auf das Geheiß Gottes hin bitter rächen wird. Einmal mehr hat mit dem König Edoms ein Mensch aus einer Laune heraus eine falsche Entscheidung getroffen, die er später zu bereuen haben wird. Der rote Faden dieses Kapitels ist eine solche Launenhaftigkeit – und die Ermahnung, aus dem Frieden und der Ruhe Gottes heraus zu agieren, um auch in der Folgezeit mit den Konsquenzen des eigenen Handelns im Einklang sein zu können.

Das Kapitel schließt mit dem Bericht des Zuges Israels zum Berg Hor. Dort ruft Gott Mose, Aaron und dessen Sohn Eleasar zu sich auf den Berg. Aaron muß aufgrund der Rebellion am Haderwasser sterben. Auch er betritt das verheißene Land nicht. Auch er war wie Mirjam hautnah am Geschehen beteiligt. Auch er hat fürchterliche Fehler begangen – man denke nur an das Goldene Kalb – und hätte gerne eine ebenso exponierte Stellung wie Mose gehabt. Offensichtlich war er aber nicht der Mann dazu. Gott hat ihn Mose nur beigegeben, weil letzterer klagte, er könne nicht reden. In den entscheidenden Momenten, so glaube ich mich zu erinnern, hat Mose aber selbst gesprochen. Aaron war ihm wohl oft mehr Segen als Fluch. Er hat meist nur reagiert, wo Mose agierte. Wieder bleibt die Erkenntnis, daß Gott offensichtlich ganz gut weiß, mit welchen Aufgaben er uns zu betrauen hat und unsere Einwände durch unser Mitspracherecht zu Modifikationen führen können, welche die Sache nicht unbedingt angenehmer machen. Etwas mehr Gottvertrauen schadet also nicht! Jedenfalls erhält Eleasar die Kleider Aarons, Mose und Eleasar kehren zurück, das Volk erkennt die neue Aufgabe Eleasars als Hoherpriester an seiner Kleidung und hält aufgrund des Todes Aarons eine 30tägige Totenklage. Die bringt mich zu der Feststellung, dass eine Zeit bewußter Trauer um den Verlust eines Menschen auch in unserer Zeit durchaus Sinn machen würde – schiebt man die Trauer doch gern auf die Seite, weil das Leben ja weiter gehen muß… Israel hatte eine andere Praxis: Man schob das Leben auf die Seite, um den Tod betrauern zu können.

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[Wegmarken] Numeri 19 – Reinigungswasser

7. Juni 2006

Eine rötliche Kuh ohne Makel, die noch nie ein Joch getragen hat, wird außerhalb des Lagers in Gegenwart des Priesters Eleasar (Aarons Sohn) als Reinigungsopfer geschlachtet. Eleasar nimmt von ihrem Blut und sprengt es siebenmal gegen die Vorderseite der Stiftshütte. Danach wird die Kuh mit Haut, Blut und Dung verbrannt, dazu wirft der Priester Zedernholz, Ysop und Karmesin ins Feuer. Er wäscht seine Kleider, badet, kommt ins Lager, bleibt aber unrein bis zum Abend. Dasselbe gilt für denjenigen, der die Kuh verbrannt hat. Ein reiner Israelit sammelt ihre Asche ein und deponiert sie an einem reinen Ort außerhalb des Lagers. Aus dieser Asche wird Reinigungswasser hergestellt. Mit diesem wird besprengt, wer durch Berührung eines Toten unrein geworden ist. So wird er wieder rein. Wer sich nicht reinigt, entweiht das Heiligtum Gottes und muß sterben.

Wieder einmal erklingen Töne, die an Christus erinnern. Faszinierend, dieser Reichtum der Schrift.

  • Kuh ohne Makel – Christus ohne Sünde
  • Kuh nie unter Joch – Christus nicht unter Fremdherrschaft
  • Zedernholz – Kreuz auf Golgatha
  • Ysop – vgl. Passamahl
  • Reinigungswasser – vgl. Sach 13 – Quell gegen Sünde und Befleckung

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[Wegmarken] Numeri 18 – Versorgung der Priester & Leviten

6. Juni 2006

Anweisungen für Priester und Leviten. Erstere dienen im Heiligtum und am Altar, letztere helfen ihnen dabei und transportieren die Stiftshütte sowie die heiligen Geräte. Was von den Opfertierenn nicht verbrannt wird, steht den Priestern zu. Außerdem auch alle Erstgeburt in Israel. Menschen und unreine Tiere werden ausgelöst; Kälber, Lämmer, Ziegen geopfert und das Fleisch den Priestern gegeben. Die Priester erhalten allerdings kein Land – Gott ist ihr Anteil. Die Leviten bekommen von den Israeliten den Zehnten ihrer Erträge und geben ihrerseits wieder den Priestern den Zehnten.

Nichts Neues in diesem Kapitel also. Hängen bleibt bei mir die Gütergemeinschaft im Volk und die Tatsache, dass „Gott den Zehnten geben“ gleichbedeutend ist mit „den Priestern den Zehnten gebn“, also Gottesliebe = Nächstenliebe. Gott dienen muß folglich nichts abgehoben-Geistliches sein, sondern der einfache Dienst am Nächsten im Alltag tut’s auch. Nichts Neues, aber gut zu hören.

Ein zweiter Aspekt: Die Tatsache, dass Priester kein Erbland erhalten. Wir leben nicht von irdischer Sicherheit, stützen uns nicht auf Bausparvertrag und Gehaltsscheck. Gott sagt: „ICH bin Dein Anteil.“ In jeder Hinsicht.

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[Wegmarken] Numeri 17 – Klarstellung

4. Juni 2006

Auf die Anweisung Gottes hin läßt sich Mose von jedem Stamm Israels einen Stab bringen, auf den er den Namen des Stammesfürsten schreibt. Aarons Name schreibt er auf den Stab des Stammes Levi. Dann legt er die Stäbe ins Allerheiligste, wo sie über Nacht bleiben. Gott kündigt an, daß der Stab desjenigen Mannes, den er erwählt hat, grünen und ausschlagen werde. Am nächsten Tag holt Mose die Stäbe wieder; Aarons Stab grünt nicht nur, sondern er trägt auch Blüten und reife Mandeln, was jeder im Volk sehen kann. Gott befiehlt, den Stab Aarons dauerhaft vor die Bundeslade zu legen, als Warnung an die Rebellen im Volk, damit das Aufbegehren ein Ende habe. Mose tut das und Gottesfurcht befällt das Volk.

Noch einmal wird deutlich: Gott setzt Menschen in Ämter und Positionen ein. Dies gilt es zu akzeptieren und zu respektieren. Über die Art und Weise, wie sie ihr Amt ausfüllen sollen, ist damit noch nichts gesagt. Es gilt, das eigene Mandat zu erkennen und es auszufüllen.

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[Wegmarken] Numeri 16 – Leiterschaft, Hybris, Fürbitte

3. Juni 2006

Der Levit Korach und die Rubeniter Datan und Abiram führen eine Revolte von 200 Mann gegen Mose und Aaron ins Feld. Ihre Argumentation: Jeder im Volk ist heilig, Gott wohnt unter ihnen und Mose und Aaron haben sich über die Israeliten erhoben. Die Beschuldigten fallen auf ihr Angesicht, dann kündigt Mose für den nächsten Tag ein Gottesurteil an. Sie lassen Datan und Abiram rufen, diese wollen aber nicht kommen, denn Mose und Aaron hätten versagt, sie nicht ins verheißene Land gebracht, weshalb sie auch nicht über sie herrschen sollen. Am nächsten Tag treffen sich alle mit einer Räucherpfanne in der Hand, in welcher sich Weihrauch befindet. Die Herrlichkeit Gottes erscheint. Zuerst will Gott das ganze Volk vernichten, nach Fürbitte von Mose und Aaron aber läßt er das Volk von den Aufrührern wegtreten. Die Erde tut sich auf, so daß Korach und seine Familie verschlungen werden und lebendig ins Totenreich hinabfahren (ein Gruß ans Weltbild!). Feuer von Gott verzehrt die anderen 250. Ihre Räucherpfannen allein bleiben liegen. Sie sind nun heilig; mit ihrem Metall wird der Altar überzogen. Am nächsten Tag begehrt das Volk nochmals gegen Mose und Aaron auf, klagt sie des Mordes an der Rotte Korach an. Wieder will Gott das Volk vernichten, wieder fallen Mose und Aaron auf ihr Angesicht. Mose erkennt: „Wrath has gone out from the Lord; the plague has begun.“ Darum weist er Aaron an, mit Weihrauch vom Altar in seiner Räucherpfanne durchs Lager zu laufen und Sühne zu schaffen. Die Plage endet. 14.700 sind an ihr gestorben.

Wieder ein krasses Kapitel. Ein weiteres Mal scheint es unverständlich, wie die Israeliten so reagieren konnten. Aber sind wir davor gefeit?
Es bleibt die Erkenntnis, dass jeder einen gewissen Aufgabenbereich vom Herrn erhalten hat, den es auszufüllen gilt. Dafür läßt sich unsere Kraft und Energie gut einsetzen. Über diesen hinauszuschreiten und ins Amt anderer einzugreifen, ist im Fall Korachs nicht nur reine Selbstverwirklichung, sondern auch direkte Kritik an den Ordnungen Gottes für die damalige Zeit. Wie sehen die heute aus? Wie ist das mit Kritik an Leiterschaft bzw. wie gestaltet sich ein konstruktives Einbringen über das eigene Mandat hinaus? Das muß individuell erspürt werden. Paulus jedenfalls konnte ziemlich direkt sein, wie sein Bericht über eine Auseinandersetzung mit Petrus in Gal 2 zeigt…
Mir fällt auf, dass Datan und Abiram Mose und Aaron verbieten, über sie zu herrschen. Das macht Sinn 😉 Ist doch auch alttestamentliche Leiterschaft keine Herrschaft, sondern Führung gemäß der Ordnungen Gottes. Und im NT findet sich eher das Bild eines freisetzenden Dienstes am Nächsten um Christi willen.

Erstaunlich die Episode mit Aarons Räucherpfanne. Er trägt den Weihrauch unter das Volk, ganzheitliche Fürbitte also. Häufig tritt Mose (und auch Aaron) zwischen Gott und Israel, zwischen den Sünder und die wohlverdiente Strafe. Ähnlich ist das bei Abraham mit Sodom und Gomorrha. Eine solche Fürbitte tritt in der Tat in den Riss. Darin zeigt sie prophetisch einen Teilaspekt des Sühnewirkens Christi auf. Gut, dass wir bei Gott einen Fürsprecher haben!

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[Das besondere Samenkorn] Numeri 15, 15b+16

2. Juni 2006

Eine ewige Satzung soll das sein für eure Nachkommen, dass vor dem HERRN der Fremdling sei wie ihr. Einerlei Gesetz, einerlei Recht soll gelten für euch und für den Fremdling, der bei euch wohnt.

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[Wegmarken] Numeri 15 – Vermischtes

2. Juni 2006

Die Erzählung wird unterbrochen und einige weitere Anweisungen Gottes eingeschoben: Zu jedem geopferten Tier soll auch ein Speisopfer von Öl und Mehl sowie ein Trankopfer von Wein dargebracht werden. Diese Vorschrift gilt nicht nur für Israeliten, sondern auch für unter dem Volk wohnende Fremdlinge. Für beide gelten dieselben Ordnungen. Dabei fällt mir auf, dass ich immer noch zwischen Deutschen und hier wohnenden Ausländern unterscheide. Warum ist das so? Ist das richtig? Geht es dabei um Werte? Oder habe ich unbewußt das Bild eines Deutschen in mir, das manche nicht erfüllen und deshalb für mich nur „Gäste“ sind?

Im Land Kanaan sollen die Israeliten von jedem Teig ein Brot backen und es als Opfer darbringen. Dieses Erstlingsopfer betont Gott als den Versorger.

Falls die Gebote unabsichtlich nicht eingehalten wurden, egal vom Volk oder einzelnen, wird ein Opfer dargebracht und die Schuld vergeben. Gottes Gnade ist groß. Wer aber absichtlich sündigt, hat sein Leben verwirkt. Sünde wiegt schwer und ist nicht leichtfertig zu handhaben. Dies verdeutlicht ein narrativer Einschub: Ein Israelit sammelt Holz am Sabbat. Er wird in Gewahrsam gehalten und das Urteil Gottes abgewartet. Es lautet: Das ganze Volk soll ihn draußen vorm Lager steinigen. Das geschieht. Warum draußen? Das Lager ist heilig, Sünde wird draußen bestraft (vgl. Golgatha außerhalb Jerusalems). Warum das ganze Volk? Abschreckung und Relationalität. Warum muß der Mann sterben? Holz sammeln ist Arbeit. Sabbat bedeutet: Stop der Aktivität und Neu-Ausrichtung auf Gott hin. Jesus macht deutlich: Der Sabbat ist um des Menschen willen da, darum darf sich selbst (vgl. Ährenraufen) und anderen (vgl. Heilungen) Gutes getan werden. Arbeiten sind dagegen unter der Woche auszuführen. Die Radikalität der Todesstrafe erinnert wieder einmal an Ananias und Saphira. In der jungen Ursprungsgemeinde scheinen die Regeln härter; heute fällt niemand wegen Heuchelei oder Geiz tot um, so wie auch später in Israel viele den Sabbat entheiligt hatten, ohne gleich weggerafft zu werden. Vielleicht mußte die DNA rein gehalten werden?

Eine letzte Anweisung schließt das Kapitel ab: Die Israeliten sollen Quasten und blaue Schnüre an die Zipfel ihrer Kleidung machen, und wenn sie diese sehen, an Gott und seine Weisung denken und sie befolgen. Leben-mit-Gott geschieht 24/7 in allen Bereichen unseres Lebens. Welche Hilfen benützt Du, um Dich daran zu erinnern (so Du denn keine Quasten an den Kleidern hast)?

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[Wegmarken] Numeri 14 – Konfusion

1. Juni 2006

Verunsichert durch den Bericht der Kundschafter weint das Volk in dieser Nacht. Alle murren gegen Mose und Aaron, klagen Gott an, wären lieber in Ägypten oder in der Wüste gestorben, statt beim Angriff auf Kanaan ihr Leben zu lassen. Sie beschließen schon, einen Führer zu wählen und nach Ägypten zurück zu gehen, als Mose und Aaron auf ihr Angesicht fallen, Josua und Kaleb ihre Kleider zerreißen und das Volk beschwören: „Gott kann uns das Land geben, rebelliert nicht gegen ihn, fürchtet die Feinde nicht, sie sind ohne Schutz, weil Gott mit uns ist.“ Das Volk hört nicht auf sie, sondern versucht, sie zu steinigen, als vor aller Augen die Herrlichkeit Gottes erscheint. Gott hat genug von der Rebellion und dem Murren des Volkes; er will sie mit der Pest schlagen und enterben und statt dessen aus Mose eine größere und mächtigere Nation als Israel zu machen. Mose hingegen bittet für das Volk, um Gottes Ehre und um seines Werkes an ihnen willen möge Gott ihnen doch vergeben. Seine Bitte wird erhört; Gott vergibt dem Volk, beschließt aber, dass keiner von ihnen das verheißene Land sehen soll; 40 Jahre lang werden sie durch die Wüste ziehen, bis alle gestorben sind. Daraufhin sterben 10 der Kundschafter durch eine Plage, nur Josua und Kaleb bleiben am Leben. Das Volk erkennt seine Sünde, will sie wiedergutmachen und (gegen den Willen Gottes) nach Kanaan einzumarschieren. Mose kann sie nicht davon abhalten und so ziehen sie los, obwohl Mose und die Bundeslade im Lager bleiben. Die Quittung: Israel wird von den Kanaanitern und Amalekitern vernichtend geschlagen.

Puh, ein prall gefülltes Kapitel. Gedankensplitter aus meinem Kopf:

  • Israel. Wahnsinn, der radikale Abfall. Sie vergessen alles, was Gott in der Vergangenheit für sie getan hat, kündigen ihm den Bund, vertrauen nicht mehr. – Kennst Du auch Situationen, in denen Deine Welt zusammenzubrechen scheint? Eigentlich lächerlich, denn da ist der Allmächtige, der einen Bund mit Dir geschlossen hat! Schon vergessen? Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Hast Du ihn nicht in der Vergangenheit immer wieder krass erlebt? Denkst Du nicht, dass das auch in Zukunft der Fall sein wird?
  • Josua & Kaleb. Die harten Jungs. Haben die rechte Sichtweise. Kennen ihren Gott. Versuchen, dem Volk die Wahrheit zu zeigen. Riskieren Kopf und Kragen. Beeindruckend. Anders als alle anderen werden sie das Land Kanaan betreten. Gott stellt sich zu denen, die sich zu ihm stellen.
  • Gott. Zornig. Wütend. Ungeduldig. Hat genug von seinem Volk. Gott, wie ihn das Neue Testament nicht schildert. Archaisches, zu überwindendes Gottesbild? Antropomorph und deshalb abzulehnen? Nein. Gott, der sich auf die Beziehung zu seinem Volk eingelassen hat und an ihr leidet. Gott ist nicht kalt und emotionslos, sondern leidenschaftlich.
  • Mose. Versucht von der Ankündigung Gottes, zur großen Nation zu werden. Setzt sich aber wieder und wieder für diejenigen ein, die ihm ans Leder wollen. Wie beim goldenen Kalb. Oder bei Aaron und Mirjam. Typos/Vor-Bild auf Christus  („Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“) und Vorbild für uns.
  • 10 Kundschafter. Bezahlen mit dem Tod. Hätten sie doch die Größe Gottes im Blick behalten, statt von der Größe der Kanaaniter geblendet zu werden…
  • Konsequenz der Sünde. Gott vergibt, aber das Volk trägt die Konsequenz seines Vergehens. Keiner wird das Land Kanaan betreten. Gott hat auch David’s Schuld vergeben. Dennoch ist Bathsebas erstes Kind gestorben. Manchmal gilt es, trotz Vergebung der Schuld mit den Konsequenzen eigener Sünde klarzukommen.
  • Nix gelernt. Israel erkennt: Gott zu mißtrauen war ein Fehler. ‚Die Rebellion war eine Frechheit, ja. Aber Gott, dass Du uns jetzt einfach so 40 Jahre lang im Kreis rum schicken willst, das kann ja wohl auch nicht Dein Ernst sein, oder? Also lass mal gut sein, wir folgen Dir ja, nehmen jetzt gemütlich das Land ein, also komm, Gott, mach uns doch mal den Weg frei, bitte!‘ Und ZACK! – vernichtend geschlagen vom Feind. Sie wollen Gottes Weisung nicht befolgen. Sie wollen einen Gott nach ihrem Gutdünken. Sie wollen selbst definieren, was Gottes Wille ist und was nicht. Sie wollen. Sie wollen wollen. Sie wollen wollen dürfen. Selbst das Heft in der Hand haben. Selbst entscheiden. Wie ich das kenne. Wie ich dazu neige, mich nach Dingen zu sehnen, diese vor Gott auszubreiten, nach gewisser Zeit sie „meine Berufung“ zu nennen, ihnen nachzujagen, sie auszuleben und sie als Gottes Willen zu bezeichnen. Aber sind sie das wirklich? Oder ist das nur ein schöner Selbstverwirklichungstrip, der damit endet, von den Kanaanitern vernichtend geschlagen zu werden? Wo ist die Balance zwischen „Habe Deine Lust am Herrn, der wird Dir geben, was Dein Herz begehrt“ und „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“?

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